Reports der Rajasthan-Gäste im Dialog mit Bernd

Diese Rubrik wurde am 18. April 2011 aktualisiert

 

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InderNett-Tour

1. Reiseziele
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4. Reisehinweise
5. Mitreiseantrag

Rückfragen

Inhalt

Vorwort zur Letterbox

"Namasthé India!"

Angelikas Livereport: "Namasté India!"

Sightseeing in Neu-Delhi

Philosophieren in Indien

Midnight train to Jodhpur

Kaffeefahrt in Indien

*In den falschen Hals

Palast, Basar & ein Nobelrestaurant

Sozialstaat Indien?

Frauen machen Männerarbeit - und umgekehrt

Auf der Suche nach Attraktionen sind wir selber eine

Ein Trugschluss

Bernd meint dazu...

Die Jain-Tempel von Ranakpur

1.444 gewaltige Säulen

Die Macht Gottes ist nun mit uns

Von Ranakpur  nach Udaipur

Bei den Geschwistern Hanumans

Persische Schöpfbrunnen

Im Schlafzimmer der Flughunde

Udaipur begrüßt uns mit Folklore

In der Kankarwa Haveli am See

Udaipur

Die "schlichte Hütte" des Maharana

Hochzeiten haben grad Hochkonjunktur

Auf dem Weg nach Jaipur

Die "Stadt des Mutes"

Der lange Weg nach Jaipur

Jaipur, die Hauptstadt Rajasthans

Amber spricht man "Ameer"

Der Snake Charmer

Zwei Herzen

Palast der Winde

Ayurveda nur in seinem Ursprungsland Kerala

Von Rajasthan nach Uttar Pradesh

Escort & Guide

Red Fort Agra

Der Ausländeranteil

Einspruch, Euer Ehren!

In der Rajbansh "Garden Villa"

Das Taj Mahal weint

Hochsicherheitstrakt

Paan, der zweifelhafte Genuss

Alavida, India

Was werde ich vermissen?

Was wird mir nicht fehlen?

Was haben wir gelernt?

Angela: "Was ist Armut?"

Angela & Peter: 5 Wochen Rajasthan

Kleine Ereignisse einer großen Reise

Manchmal ist Deutsch einfach praktisch ;-)

Da war der Irrtum der gefangen nahm

Da war das Elend und die Lebensbürde

Da waren auch die Freuden jener Tage

Mir ward gezeigt das Schlechte und das Gute

Die voller Licht und Freuden sind...

Bundi - Palast meiner Träume

Wer fühlt sich belästigt?

Erinnerungssplitter

Unvergessliche Begegnungen im Land der Wüstensöhne!

*  Diwali Rajputana Discovery mit Ute & Lutz

Accommodation

Activity

Guide and driver

Price

Josef: Im Land der Wüstenkünstler

Rajasthan & Gujarat:  "Three Ladies Going Native"

Über Delhi nach Rajasthan

Jodhpur - Wiedersehen mit Bhavna & Chandra

"Going Native"

Über Jojawar nach Dhakri

Reisebericht:  "Qualität, nicht Quantität"

Eva & Stefan:  Unsere Seelen sind noch in Indien

Nicht der Wüstenwind wärmt das Herz

Prolog

Mit Einschußloch durch Delhi

Jodhpur: Die Menschen sind uns ganz nahe

Jeepsafari über Land: Nach Chandelao

Eine Kamelsafari und eine charismatische Lady

Persönlichkeitsrechte?

Ganz schön durcheinander

Report: Neue Ziele & alte Freunde

Wiedersehen in der blauen Sun City

Kurs Himalaya - unbekannte Ziele locken

Herrschen Herrchen?

"Giselae Himmelfahrt" in Grün

Hinauf nach Shimla

Jetzt geht's wieder bergab

Von Chandigarh nach Jallandhar

Resümee

"Nicht ohne meine Tochter"

KD-Reisebericht: Rajasthan ade…

Hille: Jodhpur & Jaisalmer

"Hille liked it so much"

"Angekettet im Sägewerk"

Prinzessinnen, Prinzen und ein wüstes Kamel

"Kuhrioses" Indien

"Wieder daheim"

Charlotte & Johannes: Rajasthan Revival

Glückskinder der Wüste

Plötzlich sprach alles dagegen

Stimmungsbarometer steigt über „unerschütterlich“ auf „heiter“

Was der Profitourismus nicht kann

Wenn der Plan mal hakt, dann zu unserem Glück!

Fast nur indische Touristen

Schnatterkaltes Rajasthan

Danksagung

Rajasthan – eine Discovery zu viert

Silvia aus Berlin berichtet von einer gewollt gestrafften Rajputana Discovery

Suchen nach den anderen – und nach den Indern

Jodhpur – der Urlaub beginnt

Änderungen des Reiseplans

Jaisalmer: Prinzessin will nicht heiraten

Chandelao – touristenfreie Zone

Kein Rummel auf dem Rummel

Die leidige Commission: Mit dem Vijai mußt Du mal reden

Fazit: Wohl behütet

Krieg & Terror?

Auf den Zahn gefühlt

Josef: „Beeindruckt und fasziniert“

Kino, Küche, Kleidung & Krishna

... aber auch Dreck und Verkehrshorror

Insgesamt zu kurz

***** für Chandrashekhars Indrashan

Mit Pradyuman nach Chandelao, Pushkar und Udaipur

Spontane Planänderung „To touch Mahal“

Fazit

Ursula: Rajputana Discovery – ein großes Erlebnis

Vorsicht und Reisestornos nicht nachvollziehbar

Man ist als Tourist ja Analphabet

Probleme durch Reiserücktritte

In Kontakt bleiben

Besuch bei den indischen Christen

Karin & Reiner:  „Rundherum ein toller Urlaub“

Karin & Reiner: Rajputana zur Pushkarzeit

Wüstentraum Jaisalmer

Oase Chandelao

Geiselnahme in Shekawathi

Rajputana – am liebsten zu Fuß?

Dezember 2000: Danksagung  an Bhavna & Chandra

Ursel & Hannes: Vier Wochen  Rajputana – wie das in Worte fassen?

Mumbai – ein Rucksack voll getackerter Geldbündel

Klo ohne Bedienungsanleitung

Kankarwa Haveli in Udaipur – schöner geht’s nicht

Fürstliche Suite im Roop Niwas

Verkehr: Gordische Knoten lösen

Das Taj: Touristenabzocke, Kameraterror - aber ein Muß!

Harald: Maharajas, Märchen und Moderne

Das kann Pauschaltourismus nicht

Aufgeschlossenheit & Toleranz

Keine Hoteliers, sondern wirklich Freunde

Attacken auf alle Sinne

Rajputana Discovery - eine gute Nische im Tourismus

Marita: Endlich in Indien !

Jaisalmer - Märchenstadt in der Wüste

Von den Stammesgemeinschaften bewirtet

Heidi aus München zieht Bilanz

UNTERKUNFT - nicht zu Hause und doch daheim

KD-KONZEPT und PREIS - gut organisiert und nicht zu teuer

Eva: „Hab’ mein Herz in Indien verloren!“

Hals über Kopf ins Abenteuer

Alles fremd - und dennoch fühle ich mich von Anfang an wohl

Man fühlt sich nicht als "zahlender Tourist"

Mein Körper kehrte heim - mein Herz ist noch dort...

Michael: Wüstenmärchen

 

Vorwort zur Letterbox  


Maharaj Chandrashekhar Singh und Rani Bhavna sind nicht nur unsere Gastgeber im "Indrashan" Jodhpur - sie haben auch die "Schlüsselposition" für alle unsere Nordindienreisen. Sie öffnen uns Türen zu unzähligen Verwandten und Freunden, wo wir unterkommen und den Hotels ausweichen können. Ihnen verdanken Ursula, Christine, Hille & Gisela eine unvergeßliche Sonderreise für KD-Stammgäste - und wir verdanken Hille und Gisela viele Fotos zum Report: "Neue Ziele & alte Freunde"

Dies sind unsere Dialoge nach den Reisen 1999-bis heute. Eure Briefe sind am kursivem Fettdruck zu erkennen - meine Kommentare sind so wie hier gedruckt. Ich greife aus Eurer Post ab und zu ein Thema auf und wende mich dann aber an alle - auch an die Gäste der kommenden Saison. Nimm's also nicht persönlich, wenn ich mal etwas weiter aushole.

Beide Briefkästen - die Rajasthan-Box und die Kerala-Box - sind in den neuen Traumheften weit ausführlicher. Auch eingefleischte Websurfer sollten sich mit dem hier dargebotenen "Aperitif" nicht zufrieden geben!

Damit möglichst viele verschiedene Themen angesprochen werden, habe ich aus Platzgründen die Teile Eurer Briefe gekürzt oder ausgespart, die bereits mit den Briefen der anderen angesprochen worden waren.

Gerade die Letterbox kann für neue Interessenten eine gute Entscheidungshilfe sein. Neben exzessiver Schwärmerei werden auch Missstände aufgezeigt. Dazu kommt etwas Hintergrundinfo von mir für alle, die eine Kerala Discovery noch vor sich haben.

Was verbessert werden kann, werden die Gastgeber verbessern. Was unabwendbar ist wird nochmals erklärt - damit neue Besucher vorbereitet sind. Besser lest Ihr's hier, als im Kleingedruckten. Zumal ich weiß, daß Interessenten solcher Reisen den Paragraphenkram der Reisebedingungen überhaupt nicht mögen. Auch in der letzten Saison habe ich bemerkt, daß viele sich "aus dem Bauch" für KD entschieden und das "Technische" überhaupt nicht gelesen haben.

Für ein solches Vertrauen bin ich sehr dankbar - möchte aber trotzdem Missverständnisse vermeiden.

Rajputana Letters

 

"Namasthé India!"

Das Reisetagebuch von © Angelika Körber. Eine zur Schnuppertour ausgedehnte Geschäftsreise - so will ich die 11 Tage Rajputana Discovery der beiden Dolmetscherinnen aus NRW nennen. Unter dem Titel "Namasthé India" begann in INN 596 bereits kurz nach der Landung in Delhi Angelikas Live-Report im Ruhrstadt-Netzwerk - und natürlich in den InderNettNews

Angelika aus Gladbeck und Monika aus Solingen sind zwei befreundete Übersetzerinnen, die virtuell schon länger mit Kollegen aus Indien in Verbindung standen. In erster Linie wollten die beiden diese Kontakte vertiefen. Aber dieses faszinierende Land anschließend gleich wieder zu verlassen, ohne wenigstens ein paar Highlights erlebt zu haben - das wäre eine Versündigung an einer der ältesten noch lebendigen Kulturen der Welt gewesen.

Aber wie das so bei Selbständigen ist: Sie arbeiten selbst und ständig, und es bleibt oft viel zu wenig Zeit für die schönen Dinge des Lebens. So zum Beispiel nur 11 Tage für eine Rundreise durchs Land der Maharajas. das war natürlich für Maharaj Chandrashekhar aus Jodhpur und mich keine leichte Aufgabe. Mit so wenig Zeit war eine entspannte Erlebnisreise schier unmöglich. Zumal die zurückzulegende Strecke, auch wenn das eine oder andere auf selbiger bleiben musste - dennoch fast so lang war, wie die stressfreie Rajputana Discovery unserer 4-Wochengäste.

Monika & Angelika waren gewarnt. Aber sie sind belastbar, im besten Alter und trauten sich das zu. Sie haben sich auf dieser Reise immer wieder vor Augen geführt, dass sie sich ja nur auf einem Schnupperkurs befanden: "Wir kommen ja wieder!" So konnten sie sich zumindest teilweise von diesem Gefühl lösen, so vieles versäumen zu müssen.

Angelikas Livereport: "Namasté India!"

Monika & Angelika sind gestern in Indien gelandet. Ihre Rajputana Discovery hat nicht mal begonnen - schon ist Angelikas Reisetagebuch im Netz gestartet. Oh Du herrlich vernetzte Welt. Noch sind die beiden in Delhi. Das Tagebuch startet also mit dem EMIRATES-Flug ab Düsseldorf über Dubai nach Delhi

Mitternacht . 19 Grad Celsius. Nach einem äußerst angenehmen und aufregenden Flug von 6 Stunden mit Emirates Airlines in einer Boeing 777 mit knapp 400 Passagieren an Bord landen wir auf unserem Weg nach Indien in Dubai. 

Hier herrscht ein Betrieb wie auf dem Essener Hauptbahnhof zur Hauptverkehrszeit! Alle Duty-Free-Shops waren selbstverständlich geöffnet – und wer darf auch hier keineswegs fehlen? Natürlich … Starbucks und McDonalds.

Für uns, die wir meistens Charter und Billigflieger nutzen, war allein schon dieser Flug ein Erlebnis. Wir hatten offensichtlich das Verwöhnprogramm gebucht: Sämtliche Getränke, von Alkohol bis Zitronenlimo,  wurden im Viertelstundentakt gereicht  und es blieb kein Wunsch offen. Und auch das Essen war hervorragend !

Wenn wir nicht gerade mit Essen und Trinken beschäftigt waren, bot das Unterhaltungsprogramm genug Abwechslung: 384 Kanäle zeigten die neuesten Kinofilme, alte Schinken, Zeichentrickfilme für die Kleinen, Rockkonzerte und natürlich Bollywood! 

Um  5:00 h ging es dann weiter, unserem Endziel entgegen, und pünktlich um 9:10 h landeten wir auf dem International Airport  Indira Ghandi in Neu Delhi.

Indien empfängt uns mit  kalten 10 °C und – man glaubt es kaum – man kann die Hand vor Augen nicht sehen: Über Delhi liegt eine Dunstglocke und die benzin- und abgasgeschwängerte Luft macht das Atmen extrem schwer.

Wir wurden von unserem Fahrer abgeholt und in unser erstes Quartier gebracht.  Auf dem Weg dorthin konnten wir uns recht eindrucksvoll davon überzeugen, dass hier der Verkehrskollaps nicht mehr nur droht, sondern längst gelebt wird. Sehr gut ausgebaute vierspurige Straßen wechseln sich mit Lehmwegen und Schotterwegen ab, die den Autos (und auch den Insassen) wirklich viel abverlangen. Dazwischen flanieren abgemagerte Kühe, mal einzeln, mal in Gruppen. Begleitet wird unsere Fahrt von einem ständigen Hupkonzert. Warum das so ist, haben wir noch nicht ergründen können, aber offensichtlich unterhalten sich die Fahrer mit ihren Hupen untereinander. Von fernöstlicher Geduld ist hier jedenfalls nichts zu merken.

Unsere erste Unterkunft befindet sich in einem Vorort von Delhi. Wir werden von der Frau des Hauses, Lakshmi, empfangen, die uns als erstes unser Zimmer zeigt und uns dann zum Tee einlädt. In ihrem Wohnzimmer, dessen Wände  mit Fotografien malerischer Männer und Frauen  bedeckt sind, besprechen wir unser heutiges und morgiges Programm.

Mittlerweile ist es Mittag geworden. Der Smog hat sich aufgelöst und die Sonne lacht vom Himmel. Im Haus ist es immer noch recht kühl. Nach der langen Nacht sind wir etwas schläfrig geworden. Doch jetzt steht unser erstes indisches Mittagessen auf dem Tisch: Reis, Chapati, Dalsuppe, Salat mit einer Art Mozzarella, Hühnchencurry und eine köstliche Süßspeise aus Kokos und roter Beete. 

Nach dem opulenten  Mahl müssen wir nun doch endlich eine kleine Ruhepause einlegen.  Für den Nachmittag ist Sightseeing und am Abend ein Treffen mit dem Vorsitzenden des indischen Übersetzerverbandes geplant. Wie uns versichert wurde, müssen wir uns keine Gedanken darüber machen, dass wir verloren gehen könnten. Unser Fahrer bleibt die ganze Zeit bei uns und wird uns wieder heil nach Hause bringen.

Sightseeing in Neu-Delhi

Beim letzten Mal waren wir noch live dabei - doch die INN erscheinen nur einmal wöchentlich, und so eilen Monika & Angelika uns auf ihrer Rajputana Discovery inzwischen weit voraus. Während die beiden also bereits Udaipur hinter sich ließen, stehen wir hier noch am Anfang der Reise: In Delhi - aufgeschrieben von Angelika Körber

Nachdem am Nachmittag die Sonne doch noch Mitleid mit uns gehabt hat, haben wir die ersten Sehenswürdigkeiten in Augenschein nehmen können. Hier schließen alle Museen und Monumente um 17:00 h, daher blieb uns nicht viel Zeit. Als erstes begaben wir uns ins Regierungsviertel.

Man glaubt sich schon wieder in einer anderen Welt: Gepflegte Parkanlagen trennen das Parlamentsgebäude von den Ministerien und dem Präsidentenpalast. Alles sieht so sauber aus, als sei hier gerade erst gefegt worden. Ganz im Gegensatz zu den umliegenden Vierteln, durch die wir gekommen waren.

Unser Guide, Major Chandrakant, berichtete übrigens, dass wir unglaubliches Glück hätten, dass es gestern geregnet hatte. Deswegen sei die Luft so schön klar (ach ja?), ansonsten sei es in Delhi unglaublich staubig.

Nach der politischen Bildung dann wollten wir die Sonne nutzen und besuchten einen nahe gelegenen Park. Hier bekamen wir zufällig noch ein ganz besonderes Event mit: Life and Tradition of the Mahabharata. Das Mahabharata ist ein indisches Epos, dessen Entstehung nicht genau bekannt ist. Rund drei Wochen wird in diesem Park die alte Tradition wieder aufleben, und zwar in Form von Theater- und Musikstücken, die vor dem malerischen Publikum lautstark aufgeführt werden. Interessanterweise waren wir die einzigen Touristen und auch im Museum für Fotografie, das sich im Park befand, gab es keine Touristen. Abgerundet wurde die Volksbelustigung noch durch eine Fressmeile, auf der es verführerisch roch, und einen Kunsthandwerkermarkt, auf dem allerlei Handwerkliches wie Scherenschnitte, Masken, Wandbehänge usw. angeboten wurde.

Nachdem wir den weitläufigen Park, der ansonsten wirklich nichts zu bieten hatte, weiter erkundet hatten, wurde es auch wieder kälter. Zum Abendessen waren wir mit dem Vorsitzenden des indischen Übersetzerverbandes verabredet, der nicht nur das Essen zahlte, sondern auch gleich das Menü festlegte – und dabei ein gutes Händchen bewies. Der Abend war sehr nett und vor allen Dingen informativ, und wenn wir vom Flug nicht so völlig geschafft gewesen wären, hätte es auch noch ein längeres Gespräch werden können.

Als wir aus dem Lokal kamen, mussten wir feststellen, dass der Smog die Stadt wieder voll im Griff hatte. Ob wir uns wohl an diesen Gestank gewöhnen?

Der Verkehr ist wirklich unfassbar. Die gut ausgebauten Straßen sind meist dreispurig in jede Richtung, allerdings sind die Fahrtrichtungen nicht durch irgendwelche Barrieren getrennt. Das bedeutet, dass die Fahrzeuge wild durcheinander fahren und niemand sich so richtig an seine Fahrtrichtung hält. Verkehrszeichen gibt es keine und Regeln offensichtlich auch nicht. Jeder deutsche Autofahrer bekäme wahrscheinlich einen Anfall, wenn er von beiden Seiten von anderen Fahrzeugen so dicht bedrängt wird, dass kein Haar mehr dazwischen passt. Hier interessiert das niemanden. Das ausdauernde Hubkonzert scheint sich abends noch zu verstärken und wir haben uns schon auf eine laute Nacht eingestellt.

Wir sind jedenfalls gespannt, was der morgige Tag uns bringt. Es ist weiter Sightseeing angesagt, ehe wir den Nachtzug nach Jodhpur besteigen.

Philosophieren in Indien

Mit blauem Himmel, strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen um 20 °C begann unser zweiter Tag in Delhi. Das richtige Wetter für weitere Erkundungen, dachten wir. Aber nach ein paar Minuten im Freien wollten wir von Museen nichts mehr wissen, sondern einfach nur den schönen Tag genießen. Major Chandrakant konnte uns aber trotzdem dazu überreden, uns das Nationalmuseum wenigstens von außen anzusehen, denn er wollte uns Einiges über die hinduistischen Götter erzählen, warum sie wie dargestellt werden und warum sie welche tierischen Diener haben. Wir haben es nicht bereut, dieser Aufforderung gefolgt zu sein, lernten wir doch auch etwas über die Edikte des Kaisers Ashoka kennen, der im dritten Jahrhundert vor Christus seiner Zeit weit voraus war. Die Geschichte ist zu lang, um hier erzählt zu werden, aber wichtig ist sicherlich, dass Ashoka, nachdem er zahlreiche Kriege geführt hatte, einsah, dass Kriege keine Lösung sind und fortan auf jegliche Aggression verzichtete und sich lieber für Frieden und sozialen Wohlstand seiner Untertanen einsetzte. Er war Anhänger Buddhas.

Im Anschluss daran besuchten wir den Lodi-Park, eine weitläufige Anlage, in der unter anderem ein Monument zu besichtigen ist, dass Sikandar Lodi hier erbaut hatte, um seine Unsterblichkeit zu sichern.

Die Besichtigung dieses Tempels hat zu weiteren kontemplativen Gedanken und Gesprächen animiert und so saßen wir alsbald auf Mauerresten in der Sonne und plauderten über die großen Religionen, deren Gemeinsamkeiten und wichtigsten Unterschiede im Allgemeinen und die Unendlichkeit des Seins im Besonderen. Unseren Guide, einen sehr liebenswürdigen und belesenen Menschen, haben wir hier nun auch von seiner philosophischen Seite kennen gelernt.

Nach dem Mittagessen gönnten wir uns einen Nachtisch der besonderen Art: Kaffee im Hotel Imperial. Wie sagte Major Chandrakant … der Kaffee ist zehnmal so teuer wie woanders, aber es lohnt sich durchaus. Und das hat es auch, sogar in mehrerer Hinsicht. Hier lernt man wirklich Luxus pur kennen, die Bediensteten sind unglaublich freundlich (wie halt in allen Luxushotels), das Interieur bietet in verschiedenen Räumen alle möglichen Stilrichtungen, etwa aus 1000 und einer Nacht oder ein einem Zen-Garten nachempfundenes Café oder eine Cafébar im Kolonialstil. Und hinzu kommt, dass der Kaffee wirklich exzellent war. Es mag zwar teurer gewesen sein als anderswo in Delhi, aber immer noch preisgünstiger als beispielsweise in einem deutschen Café.  

Doch damit nicht genug. Es wartete noch eine Überraschung aus uns. Ein Geschäftspartner meiner Mitreisenden überreichte uns eine Einladung für den Empfang in der deutschen Botschaft zu Ehren einer Delegation Industrieller und des bayrischen Wirtschaftministers, Martin Zeil. Schade, dass wir dieser Einladung nur eine gute Stunde Folge leisten konnten, denn um 22:35 h ging unser Nachtzug nach Jodhpur. Zu gerne hätten wir die Bekanntschaft des Botschafters und des Ministers gemacht ... naja, vielleicht beim nächsten Mal.

Die letzte Überraschung des Tages war unser Zug, der unsere wildesten Vorstellungen übertraf. Es hieß, wir würden höchstens in einem Viererabteil untergebracht und natürlich in einem Frauenabteil (ich persönlich glaube ja, so was gibt es gar nicht). Nun, unser Abteil war geringfügig größer … es umfasste 20 Liegeplätze und war  – wie sollte es auch anders sein – komplett ausgebucht. Wir hatten NATÜRLICH auch die oberen Etagenbetten erhalten (wenn schon Abenteuer, dann richtig!). Nun bin ich ja durchaus jugendherbergserprobt, aber ich bin auch keine 18 mehr. Also Etagenbetten sind ein absolutes NO GO. Da wir früh genug im Zug waren, haben wir einfach zwei der unteren Betten requiriert  und hoffen nun, dass wir auf mitleidige Mitreisende treffen.

Midnight train to Jodhpur

Der Tag endete, wie er begonnen hatte – mit einer weiteren Überraschung. Wir hatten, wie gesagt, einfach zwei Betten okkupiert in der Hoffnung, man würde sie uns überlassen. Als erstes kam ein junges Mädchen, das sich relativ schnell überreden ließ. Ich hatte aber das Bett eines jungen Mannes in Beschlag belegt, der mit Frau und Kind unterwegs war. Der wollte sich erst gar nicht auf einen Tausch einlassen, hat es sich dann aber doch noch anders überlegt. Natürlich haben wir ihm angeboten, auf dem unteren Bett Platz zu nehmen, und schon kurze Zeit später waren wir mit ihm in ein Gespräch vertieft – und es ging, wer hätte das gedacht, wieder um Religion und Ethik. Dieses Thema scheint uns ja mächtig beschäftigt zu haben!

Bald schon tauschten wir nicht nur Ideen, sondern auch Essbares aus. Die junge Familie hatte wirklich köstlich aussehende Trauben dabei, die sie uns freimütig anbot. Aber getreu dem Motto „Peel it, heat it, or leave it“ haben wir schweren Herzens dankend abgelehnt. Gegen 1:00 h dann kehrte in unserem Abteil langsam Ruhe ein. Wir wünschten uns eine gute Nacht, löschten die Lichter und ließen uns von dem eintönigen Rattern des Zuges in den Schlaf wiegen. In 8 Stunden würden wir Jodhpur erreichen ...

Gegen 7:00 h erwachte unser kleines Abteil langsam wieder zum Leben. Einige Kinder quengelten, aber im Großen und Ganzen herrschte Ruhe, so als müssten sich alle für einen anstrengenden Tag rüsten. Früher als erwartet erreichten wir unsere Endstation für die nächsten Tage: Jodhpur.

Der erste Eindruck: Die Straßen sind wesentlich besser als in Delhi, die Rikschas noch bunter und verzierter, auf den Straßen flanieren noch mehr Kühe und herrenlose Hunde. Jodhpur ist bunter, quirliger, indischer.

Wir wurden von Maharaj Chandrashekhar Singh of Rathor abgeholt und zu seinem bescheidenen Haus gebracht, einem weitläufigen Anwesen mit mehreren Innenhöfen, auf denen man in der Sonne Tee oder Kaffee genießen kann. Und Sonne hatten wir wirklich reichlich: Gegen Mittag erreichte sie 32 °C.

Nach einem ausgedehnten Frühstück ging es auf unsere erste Entdeckungstour: Das Fort von Meherangarh.

„Beeindruckend“ beschreibt dieses Bauwerk nur unzulänglich. „Gigantisch“ mag in etwa das Ausmaß dieser Anlage schildern, gibt aber keinen Aufschluss über die teilweise filigrane Gestaltung der Räume, die Wandmalereien, die Intarsien usw. „(Ehr-)Furchteinflößend“ käme angesichts der Tonnen von Gestein, die sich hier auftürmen, auch infrage. Mir fehlen die Worte! Es ist auch gar nicht möglich, einen kurzen geschichtlichen Abriss über diese Festung zu geben, dazu ist sie zu alt und die Geschichte zu faszinierend. Bezeichnend aber ist, dass sie niemals von Feinden des Rajputen-Clans eingenommen werden konnte. Es mag sich seltsam anhören, aber nur, wer dieses Fort mit eigenen Augen sieht, kann unsere Begeisterung und Ehrfurcht vielleicht nachempfinden.

Und weil hier alles so geheimnisvoll ist, haben wir noch etwas gemacht, was wir immer schon mal wollten: Wir haben uns aus der Hand lesen lassen! Unser fortune teller war ein netter älterer Herr, der uns zwar eigentlich nichts gesagt hat, was wir nicht schon wussten, aber es war schon erstaunlich, was er alles gewusst hat!

Vom Fort aus hat man einen fantastischen Blick über die Stadt. Vor allem die blauen Häuser stechen in ihrer leuchtenden Pracht hervor. Und wir haben etwas gelernt: Die blaue Farbe ist nicht nur schön, sondern sie dient gleichzeitig als Schutz vor Hitze und Moskitos!

Der zweite Höhepunkt des Tages war die Besichtigung des Jaswant Thada, das Grabmal und Krematorium der Maharajas von Jodhpur. Der wunderschöne Bau besteht vollständig aus weißem Marmor. Kein Wunder also, dass man seine Schuhe am Fuße der ersten Treppe stehen lassen muss und nur noch barfuß weitergehen darf. Das Grabmal selbst besteht aus einem großen Raum, dessen Wände mit den verstorbenen Herrschern verziert sind. Von hier aus hat man einen guten Blick auf die alte Stadtmauer von Jodhpur, die an manchen Stellen bis zu 12 Meter hoch ist. Und man hat einen ebenso freien Blick auf das Fort, das regelrecht drohend über der Stadt thront und so nahe scheint, dabei aber einige Kilometer entfernt ist.

Wir kehren in unser Quartier zurück. Die Hitze macht uns zu schaffen. Nach einer Tasse Chai, einem Gewürztee mit Honig und Milch, kehren die Kräfte aber langsam zurück. Bis zum Aperitif bleibt uns noch genug Zeit, ein wenig zu relaxen. Das Abendessen nehmen wir zusammen mit unseren Gastgebern und einem weiteren Gast, einer reizenden älteren Dame aus England, ein.

Für morgen ist eine Safari in die Wüste geplant. Wir sind gespannt!

 

 

 

Kaffeefahrt in Indien

Die Inder sind geschäftstüchtig. Das ist bekannt. Aber auch wer nach Tunesien, Ägypten oder Marokko reist, muss sich gegen aufdringliche Händler zu Wehr setzen. Ob das die richtige Formulierung ist? Wer die Händler in den Touristenzentren Indiens "aufdringlich" und "aggressiv" empfindet, verdirbt sich unnötig die Erlebnisfreude. Denn außer der Laune ändert sich gar nichts. Die Touristensaison ist kurz, viele Mäuler sind in nur 3 Monaten zu stopfen, und wer nicht hartnäckig ist, macht keine Schnitte. Angelika hatten aber nicht erwartet, dass eine Jeepsafari durch die Dörfer zur Verkaufsveranstaltung degenerieren könnte ...

Heute haben wir Indien mal von einer ganz anderen, nämlich der materiellen, geschäftstüchtigen Seite kennen gelernt. Leider nicht ganz freiwillig …

Am Morgen wurden wir von unserem heutigen Fahrer und seinem wartungsintensiven Jeep zur Village Safari abgeholt. Wir hatten gehört, es geht in die nähere Umgebung, sprich, in die steppenartige Wüste, wo wir durch urwüchsige Dörfer fahren würden und indisches Wildlife zu sehen bekämen. Nun, wir fuhren in die umliegenden Dörfer und zumindest die Straßen waren tatsächlich „urwüchsig“.  Als erstes, so erklärte unser Fahrer, würden wir indisches Handwerk kennen lernen und er brachte uns zu einem Haus, vor dem ein Töpfer uns stolz zeigte, wie er Tonwaren auf einer Scheibe herstellte, die er selbst immer wieder zwischendurch mit einem Stock auf eine entsprechende Arbeitsgeschwindigkeit brachte. Neben sich hatte er ein Regal mit zahlreichen seiner Werke aufgebaut.

Als nächstes besuchten wir eine Teppichweberei. Der Herr des Hauses und seine Mutter zeigten uns, wie man einen Teppich webt. Zufällig hatte er auch schon einige fertige Teppiche auf dem Mauerabsatz liegen, die er uns voller Stolz zeigte. Wir müssten nichts kauften, erklärte er, aber wenn, dann könnten wir auch mit Kreditkarte bezahlen und er würde uns die Teppiche auch mit der Post schicken.

Als drittes besuchten wir eine Textilfabrik. Uns wurde gezeigt, wie Decken und Ähnliches aus alten Saris geschneidert wurden. Wir müssten nichts kaufen, aber wenn … jaja, den Spruch kannten wir ja nun schon (und bisher war er mir nur aus Tunesien und Griechenland bekannt gewesen; hier hätte ich ihn nicht erwartet).

Einziges Highlight auf dieser Tour war der Besuch bei einem Bishnoi-Bauern.

Wir durften uns überall umschauen und „in die Töpfe gucken“. Beim Blick in die grasgedeckten Hütten erstaunte die Mehrfachsteckdose am Innenpfahl. Und dann der Wassertank im Garten – der regelmäßig von einem Tankwagen nachgefüllt wird. Der Bauer zeigte uns, wie ein Turban gewickelt wird, und führte uns die Opiumzeremonie vor.

Wir durften die lokalen Gewänder tragen und man war offen für all unsere Fragen.

Und ja: Wilde Tiere haben wir auch gesehen: 1 Antilope, 1 Gazelle, 2 Pfauen.

*In den falschen Hals

...hätten die beiden die geschäftstüchtigen Handwerker nicht bekommen, wenn sie die richtigen Hintergrundinfos gehabt hätten.

Die gab's aber erst am nächsten Tag, und im folgenden Kapitel klingt es daher deutlich versöhnlicher

Wir sind wirklich dafür, dass man Handwerker vor Ort unterstützen soll, aber wir fühlten uns heute ein bisschen überrumpelt und vorgeführt. Es geht nicht darum, ob die angebotenen Waren gut oder schlecht waren oder überteuert angeboten wurden, sondern nur um die Art und Weise, wie wir in eine Situation gedrängt wurden, die wir so nicht haben wollten. Die Fahrt war ganz offensichtlich nur auf Verkauf ausgelegt, also nichts Anderes als eine Kaffeefahrt.

Schade, aber wir würden nicht zur Teilnahme an einer Village Safari raten*.

Palast, Basar & ein Nobelrestaurant

Dafür wurden wir am Nachmittag und Abend reichlich entschädigt. Nach der Safari besichtigten wir den Umaid Bhawan Palace, der von Maharaja Umaid Singh Anfang des 20. Jahrhunderts in Auftrag gegeben wurde. Mit seinen 374 Räumen, einem Thronsaal für Privataudienzen, der Durbar Hall für öffentliche Audienzen, Bankettsaal, Ballsaal, Auditorium, Bibliothek, Schwimmhalle, Billardzimmer, vier Tennisplätzen, zwei einzigartigen Squashcourts aus Marmor, Crocket-Plätzen, einem Marmor-Pavillon, Gärtnerei und einer Garage für 20 Luxusautos handelt es sich um einen der größten Paläste weltweit.  Heute wird die Hälfte des Palastes als Hotel genutzt, 2 Säle stehen als Museum zur Verfügung. Der Rest wird vom Maharaja immer noch privat genutzt.

Von dort aus führte uns der Weg zum Markt in der Altstadt. Rund um den „Clock Tower“ herrschte quirliges Leben. Händler neben Händler, kleine Ladengeschäfte, Einheimische und Touristen wuselten umeinander. Es war laut und hektisch und das bunte Treiben einfach ansteckend. Es war kaum möglich, bei dieser Auswahl und Fülle die „richtigen“ Entscheidungen zu treffen, was wir kaufen sollten. Obwohl ja hier kaum jemand Deutsch spricht, hatten die Händler zwei wichtige Wörter gelernt: „Kuck mal …“  - und das war so niedlich, dass wir nicht widerstehen konnten und gucken mussten. Leider blieb es nicht beim Gucken, und langsam leiden unsere Koffer unter Platznot.

Am Abend wartete noch ein besonderes Erlebnis auf uns. Wir wurden zum Essen „On the Rocks“ eingeladen. Dieses Restaurant in Jodhpurs Zentrum ist ein Gartenlokal, umgeben von Felsen. Die Tische sind von unten beleuchtet und mit den Kerzen auf dem Tisch bilden sie kleine Lichtinseln im ansonsten lichterlosen Raum. Wir verbrachten einen sehr netten Abend in Begleitung unseres Gastgebers, Chandrashekhar, und zwei reizenden Mitreisenden, einer 76-jährigen Lady aus England, die seit acht Jahren hierher kommt, und einer älteren Dame aus der Schweiz.

Leider ist damit unser Aufenthalt in Jodhpur zu Ende. Wir bedauern wirklich, dass wir weiter müssen.

 

 

Sozialstaat Indien?

Für den weiteren Verlauf der Reise stellt Maharaj Chandrashekhar unseren beiden Ladies einen entfernten Verwandten zur Seite. Veer Bahadur mit seinem breiten Wissensspektrum war eine echte Bereicherung für eine Reise, die unter Zeitmangel manchmal keine objektive Bewertung zulässt. Mit seinen Hintergrundinfos sehen Angelika & Monika manches in einem neuen Licht

Unser letzter Morgen in Jodhpur. Noch einmal genießen wir das köstliche Frühstück mit Chai und frischem Ananassaft, verabschieden uns von unseren wundervollen Gastgebern und machen uns mit Guide und Fahrer auf den Weg nach Udaipur. 

Unser Guide wollte als erstes wissen, ob wir die Village Safari gemacht haben und wie unsere Erfahrung war. Vorsichtig äußerten wir Kritik an der Kommerzialität des Ausflugs und bekamen prompt eine Lehrstunde in Sachen Funktion einer Kooperative.

Was wir nicht wussten und was unser gestriger Führer uns auf alle Fälle hätte erklären müssen, ist, dass die von uns besuchte Teppichweberei und die Stoffmanufaktur Musterbetriebe sind, von deren Existenz die rund 50 Dörfer der Umgebung abhängen. Die Fabriken sind quasi der Endpunkt jeder Kooperativen und sämtliche Erlöse, die hier erzielt werden, kommen allen beteiligten Dörfern zugute und sichern deren Überleben.

Das Programm wurde nach einem Besuch von Prinz Charles ins Leben gerufen und sorgt dafür, den Lebensstandard der ländlichen Familien langsam aber sicher zu erhöhen. Unter diesem Gesichtspunkt muss man einfach jedem Besucher raten, diese Village Safari mitzumachen und die hier lebenden Menschen zu unterstützen. Schade, dass wir diese Informationen nicht schon gestern hatten, dann hätten wir auch bei den besuchten Händlern entsprechende Fragen stellen können.

Von unserem Guide, Veer Bahadur Singh, erfahren wir viel über die Bemühungen der Regierung, Elektrizität und vor allen Dingen fluoriertes Trinkwasser in die entlegensten Dörfer zu bringen, damit die Bewohner nicht länger verseuchtes Wasser aus den Teichen trinken müssen, das vor allen Dingen Kleinkinder krank macht.

Frauen machen Männerarbeit - und umgekehrt

Was uns auf unserer Reise bisher sehr gewundert hat, ist, dass viele Männer in so genannten Frauenberufen tätig sind und Frauen wiederum teilweise extrem hart arbeiten müssen. In der Stoffmanufaktur beispielsweise saßen nur Männer an den Nähmaschinen, im Hause unserer Gastgeber wurden wir hauptsächlich von männlichen Servants bewirtet. Was allen Bediensteten gemeinsam war: Sie bewegten sich langsam und sehr leise durch das Haus und sorgten für die Assoziation der „guten Geister“.

Was wir noch erfuhren: Jede besser verdienende Familie fühlt sich quasi moralisch verpflichtet, Dienstpersonal einzustellen. Und wenn sie das tut, muss sie ihrem Personal einen Mindestlohn bezahlen. Doch damit nicht genug: Die Dienstboten erhalten Unterkunft, Verpflegung und im Krankheitsfall bezahlt der Arbeitgeber den Arzt und notwendige Medikamente.

Auf der anderen Seite sahen wir Frauen, die am Bau arbeiteten und Steine schleppten, die Gräben aushoben und Vieh hüteten. Wir sahen große Plätze, auf denen Tagelöhner auf Arbeitsangebote  warteten – darunter zahlreiche Frauen – und wir überholten zahlreiche LKW, auf deren Ladeflächen diese Tagelöhner zu ihren Arbeitsstätten transportiert wurden.              

Frauen sind dafür zuständig, das Überleben ihrer Familien zu sichern. Früher verkauften sie in schlechten Zeiten ihren wertvollen Schmuck, heutzutage müssen sie ihre Arbeitskraft verkaufen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Weit gefehlt … das ist hier nicht anders als im Westen.

Auf der anderen Seite sind sie – zumindest in den Dörfern - immer noch ihren Traditionen stark verhaftet. Nach der Eheschließung verlassen sie ihre eigenen Familien, um mit den Familien ihrer Ehemänner zu leben. Bei den Bishnois, einer Hindu-Sekte, dürfen die Frauen ihr Gesicht nur dem Ehemann oder seinen jüngeren Brüder zeigen – vor ihrem Schwiegervater und den älteren Brüdern müssen sie ihr Gesicht verhüllen und sie dürfen auch nicht mit ihnen reden. In den Großstädten geht es „moderner“ zu. Hier wird die Kleinfamilie langsam zur Normalität. Wie schade!

Auf der Suche nach Attraktionen sind wir selber eine

Ein Trugschluss

...ist es, die Fülle exotischer Eindrücke und Erfahrungen einer solchen "Turboreise" später daheim verarbeiten zu können.

Erfahrungsgemäß werden gerade die, die zu wenig Zeit für ihren Urlaub haben, zu Hause besonders schnell vom grauen Alltag wieder eingeholt.

Auf unseren Besichtigungs- und Shopping-Touren wurden wir häufig und sehr offen neugierig von Inderinnen und Indern bestaunt. Es wurde getuschelt und gelacht, aber auch ohne die Sprache zu beherrschen, war es offensichtlich, dass man uns freundlich gesonnen war. Oftmals winkten uns Frauen am Straßenrand zu, wenn wir an ihnen vorbeifuhren, und wenn wir zu Fuß unterwegs waren, konnte es durchaus passieren, dass wir angesprochen wurden, ob „mein Freund ein Foto von dir und mir“ machen dürfte. Sie durften … Ich möchte nicht wissen, mit welchen Kommentaren diese Fotos im Familienkreis rumgereicht werden

;-)

Wir sind zwar erst fünf Tage in Indien, aber wir haben Eindrücke für ein ganzes Jahr gesammelt. Ich glaube, erst wenn wir wieder zu Hause sind und Ruhe haben, diese Eindrücke zu sortieren, werden wir erfassen können, welche Wirkung diese Reise auf uns hatte.

Noch eine nette Kleinigkeit zum Schluss: In Indien herrscht Helmpflicht für motorradfahrende Männer – für Frauen nicht. Der Grund: Die Schädeldecke von Frauen ist härter als die der Männer. Deswegen brauchen Männer einen Helm, weil deren Gehirn sonst so ungeschützt ist. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Bernd meint dazu...

Schön, dass Ihr das Thema "Kaffeefahrt" ein wenig objektiviert habt.. Ansonsten haben wir doch auch sonst bisher keine Verschiedenheit in der gemeinsamen Meinung ;-) Ich habe eigentlich vermutet, dass ich mit der etwas längeren Indienerfahrung so manche Fehlinterpretation zu korrigieren hätte.

Im Gegenteil: Ein kompetenter Escort hakt mit den richtigen Informationen da ein, wo in der Kürze der Zeit der Blick hinter die Kulissen verwehrt bleibt.

Ich bin überglücklich, dass ich das seltene Glück habe, taufrisch an Eurer Reise teilnehmen zu dürfen. Selbst mit Blackberry im Gepäck haben nur wenige auf so einer spannenden - aber auch anstrengenden Reise - die Energie, ein Livetagebuch zu führen. Kompliment & Dank!

Gestern Abend war ich Euch zumindest etwas näher. Ich war mit Neffen & Freunden bei Neema aus Kerala in ihrem neuen Restaurant "Mother India" und sie hat mir ein köstliches Butter Chicken aus Nordindien mit Chapathi aufgetischt.

Ihr besucht die indische Region, in der seit 50 Jahren 90% des internationalen Tourismus stattfindet. Bei der Schönheit ist das einerseits kein Wunder - andererseits auch nicht immer möglich, den Sünden des Tourismus ganz auszuweichen. Zum Glück ist es immer noch ein geringer Ausländer-Prozentsatz - doch wenn wir bei Privat zu Gast sind, kann so was je nach Einstellung besonders stören.

Es ist die Frage, ob wir uns stören lassen. Die Sehenswürdigkeiten werden zum Glück zu 90% immer noch von indischen Touristen besucht, die einerseits mit ihren bunten Gewändern schöner auf den Fotos sind als Hawaiihemden, Bermudas mit Stachelbeerbeinen und Strohhüte - aber auch ein wesentlich dickeres Fell haben, an dem die Geschäftemacher abperlen. Das müsst Ihr Euch auch zu eigen machen und an den harten Konkurrenzkampf denken, der die Händler so hartnäckig macht. Statt eines ärgerlichen "No, I don't want!" wirkt ein lächelndes "Nahin Jahir!" viel besser. Dabei ist es das gleiche in Hindi.

Für mich war es damals auch ein schwerer Entschluss, nach 10 Jahren im 100% touristenfreien Kerala auch eine Tour zu den Hauptzielen das organisierten Tourismus zu machen. Hätte ich nicht in Chandra einen Freund gefunden, der die gleiche Philosophie vertritt wie ich, wäre Rajasthan damals nach meiner ersten Tour auch gleich wieder für mich gestorben gewesen. So schön es auch sein mag.

Seither suchen wir von Jahr zu Jahr immer wieder unberührte Ecken und Gastgeber und werden regelmäßig vom Tourismus wieder eingeholt. Unvermeidbar - aber wenn es nicht schlimmer wird als Eure Kaffeefahrt, soll man es als das kleinere Übel sehen. Zumindest sehen wir die Töpfer und Weber bei der Arbeit, worauf wir sonst inzwischen ganz verzichten müssten.

 

 

Die Jain-Tempel von Ranakpur

Monika & Angelika haben den kleinen Umweg über Ranakpur nach Udaipur nicht bereut. Immerhin treffen sie dort auf eines der berühmtesten Beispiele sakraler Baukunst in ganz Indien. An Größe werden die Ranakpur-Tempel nur von denen in Palitana (Gujarat) und an Schönheit ist nur noch der Dilwara Temple in Mt. Abu vergleichbar.

Auf dem langen Weg von Jodhpur nach Udaipur machen wir Station in Ranakpur. Unser Guide hatte uns ein außergewöhnliches Erlebnis versprochen, aber das, was uns erwartete, übertraf jede Vorstellungskraft: der größte Jain-Tempel Indiens

Der Jainismus ist eine sehr asketische Religion, deren Grundlage Gewaltlosigkeit, Ehrlichkeit, Keuschheit und Maßhalten sowie innere Unabhängigkeit von materiellen Gütern ist. Mahatma Ghandi gehörte zwar nicht dieser Religionsgemeinschaft an, lebte aber dennoch nach deren Regeln. Das oberste Prinzip ist das Verbot, lebende Wesen zu töten. Also sind Jains konsequente Vegetarier.

Um ihren Tempel zu betreten, müssen auch Besucher ganz bestimmte Regeln einhalten. Dass wir am Fuße der Treppen unsere Schuhe ausziehen müssen, ist ja völlig normal, aber auch Ledersachen, ob Gürtel, Portemonnaie oder Handtasche, dürfen nicht in den Tempel gelangen. Es darf kein Trinkwasser mitgenommen werden, denn es ist aufbereitet, also nicht mehr rein.

Erbaut im 15. Jahrhundert, wurde der Tempel häufig zerstört und immer wieder aufgebaut. Die letzte Wiederherstellung dauerte 60 Jahre und wurde von drei indischen Familien gestämmt, die auch heute noch sehr mit dem Tempel verbunden sind. Eine der Familie hat den Aufbau finanziert, die zweite Familie war für die handwerkliche Ausführung zuständig, die dritte Familie versieht den Dienst im Tempel. Einmal jährlich kommen alle Mitglieder dieser drei Familien zu einer Feier zusammen, egal, wo auf der Welt sie gerade leben.

Zum Tempel selbst ließen sich jetzt eine Fülle von Daten und Fakten aufzählen, aber das lässt sich in jedem Reiseführer nachlesen und sagt auch nichts über die Wirkung aus, die dieser Tempel auf uns (und sicher auch auf andere Besucher) hatte und die sich gar nicht beschreiben lässt. Uns hat er jedenfalls sehr bewegt.

1.444 gewaltige Säulen

Das Außergewöhnlichste an diesem Tempel ist sicherlich, dass er zum größten Teil aus weißem Marmor besteht und seine Kuppeldächer von 1.444 Marmorsäulen getragen werden, von denen nicht eine der anderen gleicht. Alle Säulen, bis auf eine, sind perfekt. Eine einzige Säule ist schief – und das mit Absicht. Hindi glauben, dass das Böse auf alles Perfekte eifersüchtig und neidisch ist. Deswegen haben die Schöpfer ihren Kunstwerken kleine „Fehler“ zugefügt, um so das böse Auge abzuwenden. (Aus dem gleichen Grund malen Mütter ihren Neugeborenen mit Kajal einen Punkt auf die Wange oder an den Hals, um so das Böse davon zu überzeugen, dass ihr Kind nicht perfekt ist.) Natürlich sieht man vor lauter Säulen nicht auf Anhieb die sonstigen Schönheiten dieses Tempels.

Ich hatte das Glück, dass Monika, meine Mitreisende, gleich am Eingang auf den Hohepriester traf, der offensichtlich gerade sie aus den Hunderten von Besuchern ausgewählt hat, um mit ihr zu beten.

Im Anschluss daran ließ er es sich, nachdem er uns nach unseren Namen gefragt hatte, nicht nehmen, uns die Geschichte des Tempels und seine Besonderheiten zu erklären. Er machte uns beispielsweise auf eine unfertige Säule aufmerksam, die von einem reichen Geschäftsmann für ihn selbst in Auftrag gegeben worden war, aber bevor er sie beenden konnte, verstarb er. Warum? Weil er so überheblich und vermessen war, sich mit Gott auf eine Stufe stellen zu wollen. Nach unserem Rundgang führte uns der Hohepriester zu einer Götterstatue und erklärte, er wolle noch einmal für uns und unsere Familien beten. Danach verschwand er so leise wie er gekommen war und wir haben ihn auch nicht wiedergesehen.

Unser Guide machte uns später auf die Fenster in der unfertigen Säule aufmerksam. Sie stehen für  Hochmut und das Ego eines Menschen, und jeder Besucher, der sich von diesem Laster und seinem Ego befreien will, wirft eine Münze durch das Fenster und mit ihr sein Ego, auf dass er von nun an ein besserer Mensch werde.

Die Macht Gottes ist nun mit uns

Eine Skulptur im Tempel zeigt einen Kopf mit fünf Körpern. Das Interessante daran ist, dass der Kopf je nach Betrachtungswinkel immer mit einem anderen Körper verbunden zu sein scheint.

Am Eingang zum Tempel saßen zwei Männer, der eine stellte aus Sandelholz und Wasser eine gelbe Paste her, die sich die Besucher, wenn sie denn wissen, worum es geht, auf die Stirn tupfen. Da wir es nicht wussten, hat unser Guide, natürlich Hindi, die Zeremonie an uns vollzogen: Er tauchte ein Stück Holz in die Paste und malte dann einen breiten Strich auf unsere Stirn und erklärte, „The power of the gods is now with you.“ So sei es.

Eine weitere Kuriosität: Egal, wo man im Tempel steht, man blickt in jede Richtung auf eine Götterskulptur.

Die Jains haben eine weitere Besonderheit: Es gibt Priesterinnen, die weiß gewandet durchs Land reisen, stets barfuß unterwegs sind und keinerlei materielle Güter besitzen. Auf ihren Pilgerreisen kehren sie bei Glaubensbrüdern und –schwestern ein und jede Familie, bei der sie anklopfen, wird sie mit Freuden aufnehmen, denn diese Familie fühlt sich gesegnet, eine solche Priesterin beherbergen zu dürfen.

Überhaupt ist Religion hier in Indien bei allen Leuten, die wir bisher getroffen haben, ein großes Thema. Aber darüber mehr im nächsten Bericht.

 

 

Von Ranakpur
nach Udaipur

Selbst wenn es nur ein allein reisender Gast ist - ein Privatwagen mit Fahrer und zusätzlich ein Familienescort der Gastgeber - das ist bei der Rajputana Discovery obligatorisch. Die Unabhängigkeit eines Privatwagens entzerrt die teilweise langen Strecken, denn man kann immer wieder eine Pause einlegen, wo man will.

Nach Ranakpur fahren wir unserer Basis für die nächsten eineinhalb Tage entgegen: Udaipur, angeblich die schönste Stadt in Rajasthan. Doch bis wir die 9 Stunden Fahrt hinter uns gebracht haben, machen wir noch drei Zwischenstopps. Das erste Mal hielt unser Fahrer rund 30 km hinter Ranakpur mitten auf der Straße an. Unser Guide Veer stieg aus, öffnete den Kofferraum und kam mit einem Sack Bananen zurück. Kaum war der Sack geöffnet, waren wir von Affen umringt.

Bei den Geschwistern Hanumans

Anscheinend kannten die dieses Ritual schon. Veer erklärte, dass er sie immer füttere, wenn er diese Strecke fahre. Es war unglaublich, wo diese Affen überall herkamen – sie fielen förmlich von den Bäumen, kamen die Abhänge herauf- und heruntergesprungen und in kürzester Zeit waren wir beliebte Mitglieder einer Affenherde. Es war schon interessant, ihr Verhalten zu beobachten. Einige warten ganz gelassen mit ausgestreckter Hand, dass sie eine Banane bekamen, andere versuchten, uns die Bananen aus der Hand zu reißen, wieder andere bettelten regelrecht und versuchten, an meiner Freundin hochzuklettern. Wieder andere griffen nach einer Banane und verschwanden an einen ruhigen Platz.

Persische Schöpfbrunnen

Den zweiten Stopp legten wir an einem freien Feld ein. Hier konnten wir sehen, wie ein Bauer seine Felder bewässerte bzw. einen künstlich angelegten Bach mit Wasser versorgte. Es gab einen ziemlich tiefen Brunnen, auf dessen Rand ein Rad befestigt war, über das eine lange Kette geführt wurde, die mit rund 30 kleinen Eimerchen bestückt war. Um das Rad anzutreiben, führte der Bauer Stunden um Stunden eine Kuh im Kreis herum, die das Rad in Bewegung setzte.

Die Eimerchen tauchten ins Wasser, kamen gefüllt hoch und entleerten sich in einen Trog, der wiederum an einem Ende offen war, so dass das Wasser sich in den Bach entleeren konnte. Der Bach bewässerte sein kleines Feld, auf dem soweit alles angebaut war, was der Bauer und seine Familie zum Leben brauchten. Außerdem diente der Bach den umliegenden Familien als Wasserstelle, wo die Frauen Trinkwasser in große Gefäße abfüllten, die sie auf ihrem Kopf nach Hause trugen.

Im Schlafzimmer der Flughunde

Und noch einen Zwischenstopp legten wir ein: Auf der Strecke von Jodhpur nach Udaipur gibt es zwei Bäume mit ganz besonderen Früchten: Von weitem ist nichts zu erkennen, außer schwarzen Trauben, die hoch oben im Baum hängen. Erst beim Näherkommen erkennt man, dass diese Trauben leben: Es sind die rostbraunen fliegenden Hunde, die hier "Flying Fox" heißen!

Von dort aus ging es dann aber geradewegs nach Udaipur. 

Als wir ankommen, ist es schon dunkel. Der erste Eindruck: quirlig, lebhaft, verkehrsreich, laut – eben eine Großstadt und trotzdem nicht mit unseren Maßstäben zu messen.

Wir sind spät dran und Veer erklärt, dass uns noch eine letzte Veranstaltung des Tages bevorsteht, wir aber keine Zeit mehr hätten, vorher ins Hotel zu fahren. Also lässt uns der Fahrer an einer Straßenecke unter einem wahren Hupkonzert aussteigen und wir eilen zu unserem Zielort, während der Fahrer unser Gepäck zum Hotel bringt.

Udaipur begrüßt uns mit Folklore

Die Gassen sind eng und mit all dem Verkehr ist das Vorwärtskommen nicht so einfach. Aber nach einem kurzen Fußweg haben wir es geschafft: Wir sind im Museum, unser Guide besorgt die Eintrittskarten und treibt uns dann wieder an: Schnell, schnell, sonst bekommen wir keinen Platz mehr. Wir überwinden eine enge Treppe mit Stufen, die für einen Riesen kein Problem gewesen wären, für uns Europäer aber schon eine Herausforderung sind. Die Treppe führt auf einen Innenhof, der bis auf eine Art Bühne mit Teppichen und Decken ausgelegt ist, auf denen schon einige Zuschauer Platz genommen haben.

Kurz darauf beginnt auch schon die Vorstellung. Eine Moderatorin erklärt, dass Mitglieder der Kunstakademie einige folkloristische Darbietungen zeigen und wünscht viel Vergnügen – und das hatten wir!

Wir wurden von Sängern, Tänzerinnen, einem Puppenspieler, einer Musikgruppe bestehend aus drei Frauen, die ihre Musikinstrumente, nämlich Zimbeln, an ihrer Kleidung befestigt hatten, und mit diesen sowie Armbändern und Fußkettchen ein Musikstück aufführten, gut unterhalten.

Es gab noch eine Tanzeinlage zweier jüngerer Mädchen, die mit brennenden Öllampen auf dem Kopf wirklich erstaunliche Bewegungen vollführen konnten. Zwei Männer führten tänzerisch einen Kampf Gut gegen Böse auf, aber das Highlight der Show war für mich eine nicht mehr ganz junge Frau (wie wir später erfuhren, war sie 57), die tanzend zeigte, was wir am Nachmittag live gesehen hatten, wie nämlich die Frauen das Wasser vom Brunnen nach Hause transportieren.

Sie schaffte es dabei nicht nur, 9 mehr oder weniger große Gefäße auf dem Kopf zu transportieren und das Gleichgewicht zu halten, nein, sie tanzte damit auch noch und vollführte kleine „Kunststücke“. Die ganze Show war beeindruckend.

 Nach der Vorstellung bekamen wir auf dem Fußweg einen kleinen Eindruck der näheren Umgebung. Es gab Geschäfte über Geschäfte, sogar eine deutsche Bäckerei, eine französische Patisserie, medizinische Anwendungen, Andenkenläden, Restaurants und Hotels aller Preisklassen.

In der Kankarwa Haveli am See

Im Hotel angekommen, der nächste „Schock“: Unsere Zimmer (Flur, Bad, Salon, Schlafzimmer mit Sitzecke) befanden sich im 2. Stock und die Treppenstufen dahin waren fast noch höher (und der Gang noch enger) als im Museum. Das Restaurant befand sich weitere zwei Etagen höher. Es war eine Dachterrasse und wir trauten unseren Augen kaum, als wir dort ankamen.

Mittlerweile war es stockdunkel, aber wir sahen, dass das Hotel direkt am Ufer eines Sees stand. Auf der gegenüberliegenden Seite beleuchteten zahlreiche Paläste (alles Hotels, wie wir am anderen Tag erfuhren) das Seeufer, auf dem See kreuzten kleinere Schiffe, über unser der sternenklare Himmel … hier konnten wir abschalten.

Am nächsten Morgen bot sich uns dann der See in voller Pracht. Wir konnten uns gar nicht satt sehen an all der Schönheit. Die wundervollen Häuser, der spiegelglatte See, am Horizont Berge und hinter uns offensichtlich ein großer Palast. Als Veer uns abholte, fragten wir ihn, warum die Stufen denn so hoch und die Aufgänge so eng sind. Die Erklärung ist einleuchtend: Das Hotel – wie viele andere Gebäude auch – stammte aus einer Zeit, in der kriegerische Überfälle seitens der Mogule (oder, wie er sie nannte, der Muggels) an der Tagesordnung waren. Um sie bei einem Angriff daran zu hindern, zu schnell oder auf ihren Pferden anzugreifen, hat man sich auf diese wirkungsvolle Bauweise versteift.

Wie wir bald feststellen durften, gibt es in Udaipur fast nur alte Häuser …

Wir sind gespannt, was dieser Tag uns an Eindrücken bringt.

 

 

Udaipur

Als wir 1995 nach Udaipur kamen, hatte die alte Kankarwa Haveli fast 80 Jahre leer und unbewohnt am Ufer des Pichola-Sees gestanden und war mehr oder weniger eine Ruine. Chandras Freund Janvardhan "Jannu" Singh hatte soeben den Plan gefasst, das alte Gemäuer seiner Familie zusammen mit seinem Bruder wieder zum Leben zu erwecken und ein paar Gästezimmer einzurichten. Damals schliefen wir noch in einem muffigen Verlies hinter schweren, eisenbeschlagenen Türen und Bad & Toilette teilten wir mit der Familie eine Etage tiefer. Heute ist die Kankarwa Haveli ein florierendes Heritage Hotel mit Dachterrassen-Restaurant. Ein wenig touristisch zwar - aber das Ergebnis macht uns stolz, das Projekt damals angeschoben zu haben

Das erste Ziel dieses Tages ist der relativ kleine Jagdish-Tempel in der Altstadt, der eine schwarze Vishnu-Statue beherbergt. Auch für diesen Tempel wurde Marmor verwendet (denn Marmor ist der reinste Stein) und er zeigt die typischen Merkmale aller Tempel. Die unteren Teile des Baus zieren Drachen und andere Bestien, um das Böse fernzuhalten. Darüber kommen die Soldaten Gottes, die die Feinde in die Flucht schlagen sollen. Als nächstes folgen die Tänzer. Das Besondere hier ist, dass dieser Tempel von den Gläubigen frequentiert wird, die sich auch durch die umherlaufenden Touristen in ihrer Zeremonie nicht stören lassen. Mehrere ältere Frauen und Männer sitzen auf Decken inmitten des Tempels und chanten.

Die "schlichte Hütte" des Maharana

Von dort aus geht es weiter zum City Palace von Udaipur, einem wahrlich imposanten Gebäude, das eine Länge von über 500 m hat und sich oberhalb des Sees erstreckt. Während der zweistündigen Tour durch den Palast erfahren wir von unserem Palastguide sehr viel über die königliche Familie, die immer noch einen Teil des Palastes bewohnt, alle 73 Vorgänger des jetzigen Maharadschas und natürlich über die wechselhafte Geschichte des Palastes und des Landes – in allen blutigen Einzelheiten und mit Jahreszahlen. Wir sehen Elefantenkampfplätze und Elefantenparkplätze – das sind wellenförmig angelegte Straßen, in deren Wellentäler sich die Elefanten hineingelegt haben. Die Erhöhungen dienten den Elefanten als Stütze.

Auch hier im Palast begegneten wir wieder den engen Treppenhäusern und hohen Stufen. Und natürlich spielt auch hier wieder die Religion eine große Rolle:  Den Palast betritt man durch drei nebeneinander angeordnete Portale. Sie symbolisieren drei wichtige Götter im Hinduismus: Ganesha, Vishnu und Krishna.

An den Eingängen zu den einzelnen Gebäuden finden sich sehr schön gemalte Pferde und Elefanten. Unser Guide bemerkte unsere Blicke und erklärte auch gleich, was es damit auf sich hat. Diese Malereien an Eingangstüren sind nichts als ein Wandschmuck, aber die Tiere haben natürlich eine Bedeutung. Das Pferd steht für Stärke, der Elefant steht für Glück und das Kamel, das in der Tharwüste eher anzutreffen ist, steht für Liebe.

Und noch etwas haben wir gelernt: Es gab zahlreiche kinderlose Maharadschas, die zur Sicherung ihrer Nachfolge die Söhne ihrer Brüder oder anderer naher Verwandter adoptiert haben. Aber auch in kinderlosen Ehen stand im Frauengemach eine Wiege, in der Krishna als Kinderersatz verehrt wurde. 

Man merkt sehr deutlich, dass Udaipur schon eine der größeren Touristenstädte ist. Die hier angebotenen Waren sind teurer als zuvor in Jodhpur, man kann in Euro und Dollar bezahlen, die Händler sind aggressiver.

Am Nachmittag wollen wir einfach nur noch relaxen. Das Programm schlaucht uns doch ziemlich. Zum Abendessen will uns unser Guide in ein besonderes Restaurant führen – und dafür müssen wir mit der Rikscha fahren, die von Touristen Tuktuk getauft wurde. Ich hatte schon in Delhi gesagt, dass ich mit diesem Teil nicht fahren möchte, aber man hat mich überredet – und Udaipur ist nicht Delhi, der Verkehr ist wesentlich ruhiger, dafür die Gassen aber auch enger. Was soll ich sagen … es war ein Erlebnis. Nicht nur das Tuktukfahren, sondern auch der ganze Abend.

Wir fuhren stadtauswärts in eine, wie wir sagen würden, recht finstere Gegend. Irgendwo in einer unbeleuchteten Gasse hielt der Fahrer an. Wir standen vor einem ziemlich nichtssagenden Haus, aber als unser Guide die Tür öffnete, glaubten wir uns wieder in einen Palast versetzt. Marmorstufen führten in die obere Etage, in der sich die Rezeption dieses Hotels und ein Restaurant befanden. Eine Etage höher befand sich ein weiteres Restaurant in einem kleinen Saal mit Panoramafenster. Da aber die Nacht so schön und angenehm war, gingen wir noch eine Etage höher auf das Dach, wo weitere Tische standen. Von hier aus hatten wir einen traumhaften Blick über Udaipur. Da alle Attraktionen beleuchtet waren, konnten wir leicht ausmachen, wo wir tagsüber gewesen waren.

Wir waren seltsamerweise die einzigen Gäste im Hotel. Der Hotelbesitzer ließ es sich übrigens nicht nehmen, uns eines der Hotelzimmer zu zeigen – einfach märchenhaft!

Hochzeiten haben grad Hochkonjunktur

Auf der Dachterrasse gab es kein elektrisches Licht, also speisten wir im Kerzenschein und Sternenglanz (und das Essen war, wie immer in all den Tagen, sehr gut, wenn auch wieder einmal höllisch scharf) und betrachteten die Stadt. Etliche Häuser waren mit Leuchtgirlanden geschmückt und wir wollten natürlich wissen, warum. Veer erklärte, dass in diesen Häusern Hochzeiten stattfinden. Wir waren erstaunt, dass so viele Paare gleichzeitig heiraten, aber Veer meinte, dass sei völlig normal, denn vor einer Hochzeit würden Astrologen befragt, wann der beste Zeitpunkt ist, und im Augenblick haben Eheschließungen Hochkonjunktur, zumal mehrere Monate im Jahr (von November bis Ende Januar) aus religiösen Gründen (da war es wieder) keine Hochzeiten stattfinden.

Und während wir noch darüber diskutierten, ob das sinnvoll sei und ob wir persönlich an Horoskope glauben oder nicht, erschallte plötzlich ein „Alluah Akbar“. Veer hat unseren fragenden Blick gleich richtig gedeutet und erklärt, dass es sehr viele Moslems und somit auch Moscheen in Udaipur gebe.

Und tatsächlich – mit einigen Minuten Unterschied erklang der Gebetsruf aus allen Himmelsrichtungen. Währenddessen hatten sich zahlreiche Hochzeitsmärsche auf den Weg gemacht und bildeten mit ihren Kapellen und deren unterschiedlicher Musik eine ziemlich heftige Geräuschkulisse. Hochzeitsmärsche sind übrigens der Auftakt zur Hochzeitsfeier. Der in Landestracht herausgeputzte Bräutigam sitzt auf einem prachtvoll geschmückten Pferd und reitet in Begleitung der eigenen und zukünftigen Verwandten zu seiner Braut. Begleitet wird der Zug vorne und hinten von zwei Fahrzeugen, die für die Beleuchtung sorgen, das heißt, sie liefern Strom für die mitgeführten Lampen, die zwischen den Fahrzeugen rechts und links an Elektrokabeln hängen. Die Festgemeinde läuft und tanzt praktisch zwischen diesen zwischen den Fahrzeugen befestigten Leuchtgirlanden. Vorne weg marschiert die Kapelle.

Nach unserem Mahl setzt unser Guide uns wieder in ein Tuktuk und trägt dem Fahrer auf, an einem Hochzeitszug anzuhalten, damit wir Fotos machen können. Unser Fahrer fuhr uns aber direkt zu einem Hochzeitsplatz und forderte uns auf, uns unter die Feiernden zu mischen. 

Wir fotografierten das Hochzeitspaar, aber der Aufforderung unseres Fahrers, uns zum Hochzeitspaar, das auf einer Bühne saß, zu gesellen, sind wir nicht nachgekommen. Zwischenzeitlich waren wir von einigen der Feiernden eingeladen worden,  an der Feier teilzunehmen, aber wir haben es vorgezogen, nach Hause zu fahren. Auf diese Situation waren wir einfach nicht vorbereitet. Wie wir später erfahren haben, hätten wir unbedingt dort bleiben sollen, denn für das Brautpaar wäre das eine besondere Segnung gewesen.

So aber fuhren wir zurück in unser Hotel, packten unseren Koffer und verbrachten unsere letzte Nacht am See. Für den nächsten Tag stand uns ein langer Weg bevor.

 

Auf dem Weg nach Jaipur

Im vorigen Kapitel klang es erstmals leicht an: Eine Reise mit solcher Erlebnisdichte führt irgendwann zu einem Punkt, an dem die Aufnahmefähigkeit nachlässt und man einfach nur mal ausspannen und die Seele baumeln lassen möchte. Zum Glück hat Angelika die neuesten Eindrücke des Tages am Abend in ihr elektronisches Reisetagebuch geleert. Das schafft wenigstens etwas Platz im Hirn und gerät nicht in Vergessenheit.

Vor der Abfahrt gönnen wir uns noch eine kleine Bootstour auf „unserem“ See, um das traumhaft schöne Panorama in voller Größe vom See aus zu sehen. Es ist erst 10:00 h, aber die Sonne verspricht schon einen heißen Tag.

Unser Weg führt uns über Kailashpuri zu den Sas Bahu- oder auch Nagda-Tempelanlagen. Diese Tempelruinen aus dem 10. Jahrhundert liegen vom Tourismus kaum beachtet in einer malerischen Landschaft. Außer uns ist nur noch ein Pärchen da, und wir können diese Ruinen in Ruhe genießen. Unser Guide hat auch hier wieder viel zu erzählen. Er macht uns insbesondere auf Skulpturen aus dem Kamasutra aufmerksam und quittiert unser Grinsen mit einem Schulterzucken. Irgendwo müssten die jungen Männer ja lernen, wie es geht.

Die "Stadt des Mutes"

Weiter geht es nach Chittorgarh, dem ältesten Siedlungsgelände der Mewar-Rajputen, das auf einem Hochplateau gelegen ist. Die Stadt selbst stammt aus dem Jahr 728 und wurde im 12. Jahrhundert zur Hauptstadt Mewars erklärt.  Das Städtchen ist lebhaft und quirlig und die Anlagen werden von vielen hauptsächlich asiatischen und einheimischen Touristen besucht.

Die Altstadt innerhalb der Stadtmauern und der Palast sind so groß, dass wir nur ein paar der wichtigsten Anlagen besuchen. Dreimal wurde der Palast von muslimischen Heeren überfallen und viele der Frauen und Kinder begingen Johar,  kollektiven Selbstmord auf dem Scheiterhaufen, um den Eroberern nicht in die Hände zu fallen. Die Männer zogen in den Kampf und starben heldenhaft auf dem Schlachtfeld. Wegen dieser Taten wird Chittorgarh auch Stadt des Mutes genannt.

Eine besondere Attraktion ist der 9 Stockwerke hohe Vijay Stampha, der Siegesturm.  Rana Kumbha ließ hier im 15. Jahrhundert für jeden Sieg, den er davontrug, ein Stockwerk anlegen.

Der lange Weg nach Jaipur

Nach dem Mittagessen geht es nun auf die Autobahn. Wir fahren endlose Stunden durch eine ständig wechselnde Landschaft. Felder mit sattgrünem Gras und vereinzelten Bauernhäusern wechseln mit kargen Steppen, auf den halb verhungerte Ziegen grasen. Und überall Autos, überfüllte Busse, LKW, Rikschas, Radfahrer, Fußgänger, Hunde und Kühe – ja, selbst auf dem Highway!

Ein kleiner Abstecher bringt uns zu einem lizenzierten Opiumfeld. Die britische Regierung erteilte noch zu Zeiten ihrer Herrschaft über Indien Lizenzen zum Anbau von Opium für medizinische Zwecke, die heute noch Gültigkeit haben. Die Größe dieser Felder ist genau festgelegt und darf nicht verändert werden.

Nach 6 Stunden Fahrt kommen wir endlich in Jaipur an. Beim Anblick unseres Hotels stockt uns fast der Atem – es ist wie aus 1001 Nacht. Aber wir sind einfach zu müde, um uns noch lange mit Staunen aufzuhalten. Das muss bis morgen warten.

 

Jaipur, die Hauptstadt Rajasthans

Am Morgen nach einem fantastischen Frühstück steht Veer mit neuem Programm für uns bereit. Ehrlich, man hat uns vorgewarnt, dass die Reise anstrengend wird und wir uns viel zu viel vorgenommen haben, aber wir wollten es nicht glauben. Mittlerweile sind wir so mit Informationen vollgestopft, dass wir kaum noch aufnahmefähig sind. Ab jetzt wird nur noch „konsumiert“ – und das ist sehr schade.

Als erstes ändern wir das Programm. Den Punkt City Palace streichen wir – wir hatten genug Paläste, sei er auch noch so sehenswert. Das Amber-Fort müssen wir laut unserem Guide aber unbedingt sehen und außerdem steht uns noch die Attraktion „Elefantenritt“ bevor.

Schon die Anfahrt zum Fort lässt uns den Atem stocken.

Amber spricht man "Ameer"

Wir müssen zugeben, es ist wirklich gewaltig, noch größer als das Meherangarh-Fort in Jodhpur. Dass sich auch hier enorm viele Touristen einfinden, wissen wir spätestens, als wir aus dem Auto aussteigen und sofort von einer Traube fliegender Händler umringt sind, die uns alle ihre Waren aufdrängen wollen. Wir schaffen es, uns relativ ungeschoren in die Schlange der auf einen Elefantenritt Wartenden zu reihen, nur um gleich von den nächsten Händlern bedrängt zu werden, die jedes Zeichen von Unentschlossenheit mit einer perfiden Zermürbungstaktik bestrafen. Sie lassen einfach nicht nach!

Endlich sind wir außer Reichweite und der Elefant naht. Eigentlich wollte ich das nicht, habe mich aber überreden lassen … Okay, es war eine Erfahrung, die ich nicht noch mal machen muss. Besonders übers Ohr gehauen fühlen wir uns, als unser Elefantentreiber kurz vor dem Endpunkt auf ein Trinkgeld besteht (und das, obwohl überall angeschlagen steht „No tip please“ – Kein Trinkgeld!) und wir das Gefühl haben, dass er uns erst absteigen lassen würde, wenn er es erhalten hat. Tourismus lässt grüßen oder, wie meine Mitreisende es ausgedrückt hat, „das gierige Indien schlägt zu“.

Wir erfahren von unserem Palastguide, dass Jaipur eine sehr reiche Stadt ist, weil der damalige Herrscher Man Singh sich nicht nur mit den moslemischen Nachbarn gut gestellt, sondern auch gleich dort eingeheiratet hat (ich weiß, man liest auch die umgekehrte Version, dass nämlich der Großmogul Akbar eine Hindu-Prinzessin aus Amber geheiratet hat, aber die Version unseres Fort-Guides passt besser zur Fortsetzung J).

Man Singh unterstützte Akbar bei seinen Kriegszügen und hatte ausgehandelt, dass Akbar das eroberte Land bekommt und Man Singh die erbeuteten finanziellen Mittel, also Geld und Edelsteine. So wurde aus Amber eine der reichsten und friedlichsten Provinzen Rajasthans. Und aufgrund dieser Hochzeiten finden sich in Jaipur und insbesondere im Fort viele Zeichen moslemischer Kunst und Architektur. Es war mal wieder ein sehr aufschlussreicher Vortrag, von dem wir aber nicht mal einen Bruchteil behalten haben.

Der Snake Charmer

Zwei Herzen

… schlagen angesichts der Schlangenbeschwörer in der Brust des Touristen.

Zum einen ist das Bild eines Snake Charmers so typisch für Indien wie das Taj Mahal - nur eben nicht an jeder Ecke zu bekommen. Zumal die Regierung das Schlangenbeschwören mittlerweile verboten hat.

Nicht ohne Grund, denn für die armen Tiere ist es eine Qual. nach dem Herausbrechen der Giftzähne verweigern die Kobras meist die Nahrung und überleben auch bei Zwangsernährung nur ein knappes, leidvolles Jahr.

Dieses grausame Geschäft nicht unterstützen, ist die logische Folgerung. Wer dennoch auf ein Foto nicht verzichten kann, soll es mit einem guten Zoom aus der Entfernung schießen und keineswegs dafür zahlen.

Auf unserem Abstieg von der Burg kommen wir an einer weiteren Attraktion vorbei: Ein Schlangenbeschwörer sitzt mit Flöte und Kobra in der Sonne. Veer will wissen, ob ich Schlangen mag - Ja, eigentlich mag ich Schlangen, aber eine Kobra würde ich nicht unbedingt anfassen. Er meint, dass sei kein Problem, der Schlangenbeschwörer hätte der Kobra längst das Gift entzogen, und ich könnte sie ruhig anfassen. Gegen ein kleines Trinkgeld ist der Schlangenbeschwörer auch bereit, mich mit dem Tier spielen zu lassen. Die Kobra ist wirklich ein schönes Exemplar und lässt sich zunächst bereitwillig streicheln, aber nach ein paar Minuten fängt sie an zu zischeln und ich denke, es ist wohl besser, sie in Ruhe zu lassen.

Von der Burgzinne aus hat man einen fantastischen Blick über Jaipur und ich wäre gerne noch ein bisschen in der Sonne stehen geblieben, um den Blick in das Tal und auf die umliegenden schroffen Felsen weiter zu genießen.

Aber Programm ist Programm …

Palast der Winde

Mitten in Jaipur steht ein weiterer Palast, den wir uns eigentlich viel schöner vorgestellt haben. Es ist das fünfstöckige Hawa Mahal – der Palast der Winde, der seinen Namen den 953 Gitterfenstern in der Fassade verdankt. Er steht mitten in der Altstadt von Jaipur, umringt von einer enormen Anzahl kleiner Ladenlokale, die es so schon seit dem 16. Jahrhundert gibt.

Es ist unfassbar, welche Fülle an Waren hier angeboten wird. Seien wir ehrlich – das ist nur für die Touristen gedacht und wer glaubt, hier findet das wahre Indien statt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Diese Shopping- und Flaniermeile könnte genauso in Tunesien, Marokko, Türkei oder Griechenland stehen.

Aber wer auf Shoppen und Handeln und Kontakt zu einheimischen Händlern steht, der ist hier genau richtig! Nach den anstrengenden Besichtigungen haben wir uns hier köstlich amüsiert und ein bisschen erholt. Okay, Souvenirs haben wir auch eingekauft.

Zum Abschluss besuchen wir noch einen Juwelier mit einer kleinen Edelsteinschleiferei. Schon interessant, wie hier Unikate hergestellt werden und wie preiswert Silberschmuck sein kann.

Ayurveda nur in seinem Ursprungsland Kerala

Am Abend wollen wir uns wirklich etwas Gutes tun und haben eine ayurvedische Ganzkörperölmassage in einem Ayurveda-Institut gebucht. Wir dachten, das bringt uns wieder auf die Beine. Was soll ich sagen: Die Massage dauerte die versprochenen 65 Minuten, es wurde viel Öl benutzt, wir hoffen, die Massage hat wenigstens nicht geschadet, aber was immer es war, es war mit Sicherheit keine Abhyanga. Und wohler gefühlt haben wir uns danach auch nicht. Da es in unserem Hotel auch keinen Tropfen Alkohol gibt, können wir den Vorurteilen der Inder gegenüber Westlern („alles Alkoholiker“) mal wieder nicht gerecht werden und entspannen bei einem Masala-Tee im Hotelgarten.

Auf dem Weg zu unserem Hotel geraten wir dann noch in eine wahre Hochzeitsparade. Von allen Seiten stürmen sozusagen Hochzeitsmärsche auf uns zu und wir sind plötzlich regelrecht umzingelt. Natürlich werden wir wieder aufgefordert mitzutanzen, aber so von Kopf bis Fuß eingeölt wie wir noch sind, hätten wir uns kaum zwischen all den wundervollen Saris wohl gefühlt.

Uns graut schon vor Morgen. Wieder steht wieder eine lange Autofahrt bevor. Es geht nach Agra, der letzten Station vor unserem Abflug.

 

Von Rajasthan nach Uttar Pradesh

Inzwischen liest man zwischen Angelikas Zeilen deutlich, dass die Erlebnisqualität und Aufnahmefähigkeit deutlich leiden, wenn man sich in zu kurzer Zeit zu viel zumutet. Ich betone das deshalb so deutlich, damit andere Indieninteressenten es nicht nachmachen. Lieber ein Jahr aussetzen und dann im nächsten mindestens 3 oder besser 4 Wochen für Indien reservieren. Dass Angelika & Monika die Belastung deutlich spüren, ist leider meine Schuld. Hätten sie bei den Indienspezialisten eine Rundreise "von der Stange" gebucht, hätten sie geglaubt, das müsse so sein. Denn die meisten Indienprogramme versuchen auf dem umkämpften Markt in kürzester Zeit die meisten Events zum niedrigsten Preis anzubieten. Und das ist Turbotourismus.

Die letzte Station unserer Reise führt uns in den Nachbarstaat von Rajasthan, nach Uttar Pradesh. An der Grenze erleben wir eine Neuigkeit: Bei der Einreise muss unser Fahrer Steuern, eine Art Straßennutzungsgebühr für Uttar Pradesh, bezahlen (dass auf den Highways alle paar Kilometer Mautgebühren fällig sind, hat uns sowieso erstaunt).

Unser Ziel, Agra, ist ein Muss für jeden Indienreisenden, denn hier steht es: das legendäre Taj Mahal.

Aber bis zu dessen Besichtigung haben wir ja noch Zeit.

Escort & Guide

...sind bei KD zweierlei. Der Escort wird von den Gastgeberfamilien gestellt und ist Dolmetscher, Bodyguard und für Besorgungen zuständig. Es sollten im Interesse unserer privat-freundschaftlichen Reisephilosophie möglichst keine Touristikexperten sein.

An den Sehenswürdigkeiten darf unser Escort kein Guide sein - dafür braucht man eine Lizenz. Wenn man also mehr wissen will, heuert man einen der örtlichen Guides an. Kostet nicht die Welt...

Erst mal liegt eine lange Fahrt vor uns, nur unterbrochen vom Mittagessen an einer Raststätte, der, wie in Deutschland auch, ein kleines Geschäft angegliedert ist. Hier gibt es aber keine Süßigkeiten oder Zeitschriften, sondern wirklich alles, was Indien an Mitbringseln zu bieten hat, und das auf kleinstem Raum.

Nach rund 7 Stunden Fahrt erreichen wir unser Ziel. Bevor es zu unserer Gastfamilie geht, besichtigen wir das Red Fort,  so genannt wegen des verwendeten Baumaterials, roter Sandstein. Wir hatten schon vorher darum gebeten, keinen Guide zu engagieren. Wir wollten einfach nur mal rumlaufen. Veer schien zwar nicht davon überzeugt, dass das eine gute Idee ist, aber nachdem er uns alles Wissenswerte über das Fort erzählt hatte, durften wir allein losziehen.

Red Fort Agra

Für Geschichtsinteressierte: Erbaut wurde das Fort ab 1565 vom Großmogul Akbar auf den Grundmauern eines Palastes aus dem 11. Jahrhundert. Der Erbauer des Taj Mahal, Shah Jahan, wurde hier von seinem eigenen Sohn gefangen gehalten und konnte sich die Errichtung des Taj Mahal als Grabstätte für seine Lieblingsfrau Mumtaz nur aus der Ferne ansehen.

1803 wurde das Fort von den Briten erobert und stand immer wieder im Zentrum harter Kämpfe. Große Teile des Forts wurden von den Briten und jetzt von der indischen Armee genutzt, so dass nur ein kleiner Teil zur Besichtigung freigegeben ist.   

Der Ausländeranteil

...beträgt zum Glück in ganz Indien nur weniger als 10% des Touristenaufkommens.

Den Ruf, ein schwieriges Reiseland zu sein, fördert Indien nicht nur mit seiner unfreundlichen Visapolitik. Unruhen und Naturkatastrophen tun ihr übriges, die Zahl der Indienfreunde "übersichtlich zu halten".

Obwohl alle Indienheimkehrer einstimmig berichten, dass die Reise sicher und spannend war.

Wir jedenfalls genossen einfach einen schönen Tag in der Sonne, sind pflichtbewusst einmal durch die begehbaren Teile des Forts gewandert, haben nicht auf jedes einzelne architektonische Detail geachtet und uns stattdessen mal wieder darüber gewundert, wieso der Großteil der Touristen offensichtlich einheimisch war. Das war uns auch bei den anderen Forts schon aufgefallen und wir mutmaßten, dass Inder Forts besuchen und westliche Touristen eher Paläste. War aber vielleicht auch nur ein Zufall.

Lustig war auf alle Fälle, dass wir noch nie so oft um ein Foto gebeten wurden. Als erstes kam eine japanische Familie auf uns zu, dann zwei Mädchen, schließlich zwei indische junge Männer und zum Schluss gleich eine indische Gruppe – die Fotosession dauerte diesmal länger als sonst.

Einspruch, Euer Ehren!

Was dieses Dortmunder Mädchen da absondert, kann ja wohl nicht unwidersprochen bleiben!

Gujarat ist eine der spannendsten Provinzen Indiens. Paläste wie Rajasthan, Strände wie Goa und Palmenwälder wie in Kerala - und zusätzlich die buntesten Stammesgruppen überhaupt!

Gujarat wegen des Alkoholverbots zu disqualifizieren, ist ja krass. Zumal das für Ausländer gar nicht greift.

Zum Schluss sprach uns noch eine junge Amerikanerin an, ob wir ein Foto von ihr und ihren Freundinnen machen könnten. Wir kamen ins Gespräch und die erste Frage war, woher wir denn wohl kämen – und da stellte sich heraus, dass ein Mädchen aus der Gruppe aus Dortmund stammte und einen neunmonatigen Schüleraustausch absolvierte. Zur Schule ginge sie nicht, das sei zu schwierig, sie bliebe in der Familie und lerne kochen. Ganz begeistert war sie von ihrem Aufenthalt nicht, zumal im Gujarat, wo sie sich aufhielt, absolutes Alkoholverbot herrschte und auch sonst alles wohl eher unspektakulär war.

In der Rajbansh "Garden Villa"

Nach dem Red Fort ging es dann endlich in die Gastfamilie. Der Weg dorthin führte durch die schlimmste und ärmste Gegend, die wir in all den Tagen in Indien gesehen haben. Und mitten in diesen Slums lag unser Quartier. Größer konnte ein Unterschied nicht sein! Die Siedlung, in die wir kamen, bestand aus relativ großen Einfamilienhäusern mit wunderschön gepflegten Vorgärten. Es hat uns nicht gewundert, dass sie von einem Zaun umschlossen war und ein bewachtes Tor besaß. Allerdings fühlten wir uns auch recht kaserniert. Unser Guide riet uns, am Abend nicht mehr so weit zu laufen, aber dieser Warnung hätte es nicht bedurft: Hier wären wir freiwillig keinen Schritt mehr vor die Tür gegangen.

Wir wurden freundlich vom Herrn des Hauses begrüßt, in unsere Zimmer gebracht und darauf hingewiesen, dass um 19:30 h das Abendessen serviert würde. Wir wussten bereits, dass diese Familie einer Religionsgemeinschaft angehörte, die sich ausschließlich vegetarisch ernährt, aber da wir uns seit unserer Ankunft in Indien sowieso nur vegetarisch ernährt hatten, war das nun kein Thema mehr für uns. Allerdings hatte Veer uns schon erklärt, dass das Essen längst nicht so scharf sei wie in Rajasthan und wir bestimmt ganz zufrieden sein würden (nicht, dass wir vorher unzufrieden waren, aber die Schärfe des Essens ist schon etwas ganz Besonderes).

Eine Überraschung gab es dann doch beim Abendessen: Wir waren nicht die einzigen Gäste. Mit uns am Tisch saßen zwei Pärchen aus Frankreich, beide ungefähr in unserem Alter. Wir waren ja schon ziemlich geschafft, aber die Gewalttouren, die die vier hinter sich hatten … nein, danke.

Zum Essen gab es vier verschiedene vegetarische Gerichte, die alle sehr lecker waren, aber wie bisher nur mit Joghurt erträglich entschärft werden konnten.

Relativ früh ging es diesmal zu Bett, denn am nächsten Morgen sollte um 5:00 h die Nacht zu Ende sein. Uns war ein Sonnenaufgang am Taj Mahal versprochen worden, und den wollten wir auf keinen Fall verpassen!

 

Das Taj Mahal weint

Der Eintrittspreis fürs Taj kostet zum Vollmond, Sonnenaufgang und -untergang deutlich mehr. Ob das Wetter mitspielt oder nicht. Aber nicht wegen des Eintrittspreises - in jedem Fall hätte ich mich nach einem Blick aus dem Fenster im Bett noch einmal umgedreht. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, und wie sagt Angelika so schön? "Programm ist Programm"

5:00 Uhr. Der Wecker klingelt. Noch einmal umdrehen … komisch, die Geräusche von draußen hören sich wie Regen an. Ich stehe unter der Dusche und denke, der Gärtner wässert den Garten aber gründlich.

Pünktlich um 6:30 h steht Veer mit besorgtem Gesicht in der Tür. Wir sollten uns warm anziehen, es sei kalt da draußen. Wir treten vor die Tür und uns trifft der Schlag. Nix Gärtner! Es gießt in Strömen! Veer erklärt, den Sonnenaufgang würden wir wohl nicht erleben und es würde heute wohl auch gar keine Sonne geben. Na toll!

Relativ schlecht gelaunt machen wir uns auf den Weg. Früh aufstehen, keinen Kaffee, keinen Tee – und dann auch noch Regen! Bis wir an der Empfangsstation zum Taj ankommen, hat es wenigstens aufgehört zu regnen.

Hochsicherheitstrakt

Jetzt geht es mit dem Bus weiter. Wir fahren noch mal 15 Minuten. Vor dem ersten Eingang eine gut 500 m lange Schlange. Hier werden wir einem Sicherheitscheck unterzogen, als wollten wir die nächste El-Al-Maschine entführen. Ein großes Schild informiert uns, dass Feuer-, Hieb- und Stichwaffen, Feuerzeuge, Streichhölzer, Taschenlampen und dergleichen verboten sind. Die Schlange wird in drei Sektoren gegliedert: Männer, Frauen, Inder. Ah ja …

Endlich haben wir auch das hinter uns gebracht und können die letzten 500 m bis zum richtigen Eingangstor zu Fuß gehen. Das Taj kann von allen vier Himmelsrichtungen aus durch die vier malerischen Eingangstore betreten werden.

Kaum hat man die Toranlagen überwinden, liegt es in seiner ganzen Pracht vor dem Besucher: das Taj Mahal.

Die Anlagen rings um das Taj Mahal sind gewaltig, daneben nimmt sich das Mausoleum recht klein aus (obwohl es das nicht ist). Um die Symmetrie zu wahren, befindet sich auf einer Seite des Taj eine Moschee, auf der anderen Seite ein identisch gebautes Gästehaus.

Erbaut wurde das Taj Mahal am Ufer des Flusses Yamuna in einem Zeitraum von 17 Jahren (1631 – 1648) und dient als Grabstätte für die Lieblingsfrau des Shahs Jahan, Mumtaz Mahal. Shah Jahan wurde ebenfalls dort beigesetzt. Allerdings werden die beiden dort nicht mehr wirklich aufgebahrt, sondern es handelt sich tatsächlich nur eine Gedenkstätte.

Das Taj Mahal besticht zum einen durch das schimmernde Weiß, zum anderen aber auch durch die vielen Ornamente und kunstvoll gestalteten Außenfassaden.

Es ist im Inneren sicher sehr prachtvoll, aber da wir an einem wolkenverhangenen Tag ohne Sonne dort sind, haben wir unsere liebe Not, überhaupt etwas zu erkennen, denn nur über den Sarkophagen brennt eine kleine Lampe und leuchtet den Innenraum dürftig aus. Im Mausoleum selbst ist Fotografieren verboten.

Ich könnte mir vorstellen, dass das Taj Mahal tatsächlich in der Sonne funkelt und ein sehenswerter Anblick ist. An diesem dunstigen und regnerischen Tag jedoch erschließt sich mir der Reiz kaum. Da habe ich während meiner Reise schon wesentlich ergreifendere Gebäude gesehen.

Nach der Besichtigung geht es zurück zu unseren Gastgebern, wo das übliche Frühstück auf uns wartet: Toast und Marmelade, Tee, Kaffee und Bananen.

Paan, der zweifelhafte Genuss

Auf unserem Weg nach Delhi besorgt unser Guide uns noch eine indische Spezialität: Paan, den Betelbissen. Es handelt sich hierbei um frische Betelnussstücke, die mit gebranntem Kalk (gut, dass ich das vorher nicht gewusst habe!) und Zucker in ein frisches Betelpfefferblatt eingewickelt werden. Man nimmt diese Köstlichkeit in den Mund und lässt sie langsam zergehen, also nicht kauen. Laut Veer sorgt das Zeug für einen guten Atem und eine gute Verdauung. Von den sonstigen Wirkungen, die wir später ergoogelt haben, konnten wir nichts an uns feststellen – und das ist wohl auch gut so.

Dann ging es auf die Autobahn und zurück nach Delhi, wo wir unsere letzte Nacht in Indien verbringen sollten. Die knapp 300 km legen wir in der Rekordzeit von knapp 7 Stunden zurück, inklusive einer ausgedehnten Pause.

Unsere Gastgeber sind nicht da, aber das wussten wir vorher schon. Dafür nehmen uns zwei Dienstboten in Empfang und versorgen uns am Abend und am nächsten Morgen aufs Beste.

Am Abend ruft Bhavna aus Jodhpur an und fragt nach, ob auf unserer Rundreise alles in Ordnung gewesen sei, und um uns einen guten Heimflug zu wünschen. Ein Seufzer … Jodhpur war toll.

Es kann eigentlich nicht sein, dass unsere Zeit hier schon um ist. Wir sind doch gerade erst angekommen ...

 

Alavida, India

Ich finde es toll, wie Angelika mit den Zwängen umgegangen ist. Und das trotz allem eine Menge hängen geblieben ist - wenn auch nur, weil das Gelernte & Erlebte immer gleich abends ins Netz gestellt wurde. Angelikas Resümee hat Anflüge von Galgenhumor - ist aber durchweg positiv, oder?

Nun heißt es also Abschied nehmen. Unsere 11 Tage sind um und wir müssen nach Hause. Wir haben Rajasthan im Schnelldurchgang geschafft und ich würde niemandem raten, es uns gleichzutun. Man verpasst einfach zu viel und ist irgendwann nicht mehr aufnahmefähig.

Was werde ich vermissen?

Nächtliche Hupkonzerte, die gedämpft an unser Ohr drangen und irgendwas Tröstliches hatten …

Palastguides, die uns mit Jahreszahlen und Wissen vollstopften, das wir nicht haben wollten …

Unseren 28jährigen Guide Veer Bahadur Singh, der uns eine Woche begleitete und der mir viel über indische Religion und Moralvorstellungen nahe brachte (wir müssen unsere Handlungen davon leiten lassen, ob sie für unser Karma gut sind).

Unseren Fahrer Kashendra, der uns halsbrecherisch durch den mörderischen Verkehr gelotst hat ...

Das offene und immer freundlich-neugierig gesinnte Wesen aller Inder, die uns begegnet sind, und überhaupt die Freundlichkeit und Herzlichkeit unserer Gastgeber …

Das überaus niedliche Englisch und ganz besonders Erläuterungen wie „Have you seen the garden? It’s all of the Mughal art“ (sprich: muggel art). „Do you have fountains in Germany? It’s all of the Indian style.“

Den Händler in Jodhpur, der seine Waren stolz mit „Kuck mal“  darbot …

Was wird mir nicht fehlen?

Männer, die an jeder Straßenecke ihre (großen und kleinen) Geschäfte verrichten …

Aufdringliche Händler an den größeren Sehenswürdigkeiten …

Das zwar schmackhafte, aber höllisch-scharfe Essen …

Was haben wir gelernt?

Jede Stadt hat ihre Spezialitäten, die man auch nur dort einkaufen sollte.

In Jodhpur sind es Schals, Teppiche und andere Textilien, besonders Pashmina wird hier verarbeitet. In Udaipur ist es die Seidenmalerei, in Jaipur sind es Silber und Edelsteine, Agra ist das Zentrum für Lederherstellung. Wie uns von allen Seiten immer wieder versichert wurde, lassen die großen europäischen Mode-Labels (wie Gucci, Versace, Valentino usw.) hier arbeiten.

In Indien gibt es nicht nur Kühe und enorm viele Hunde, die von der Gemeinschaft gefüttert werden, nein, man soll es nicht für möglich halten – es gibt auch Wildschweine in den Städten! Sie dienen der Sauberhaltung der Straßen, denn sie fressen den Dreck. Überhaupt … Indien erschien uns sehr staubig, aber trotzdem kehrten alle Straßenhändler die Bürgersteine und die Straße (!) vor ihren Geschäften.

Schwarze Hunde tragen die Seelen der Verstorbenen in den Himmel.

Straßenverkehr funktioniert auch ohne Regeln. Wir haben in diesen 11 Tagen keinen Unfall gesehen – und das hat uns mehr als verwundert. Auf Autobahnen gibt es Fußgängerüberwege, die niemanden interessieren. Kühe kreuzen die Straßen und bringen den Verkehr zum Erliegen oder sonnen sich mitten auf der Kreuzung. Es gibt Ampeln, die niemand zur Kenntnis, geschweige denn ernst nimmt.

Auf den Autobahnen begegnen wir Autos, die für 5 Personen zugelassen sind, aber 12 Insassen transportieren.

Wir haben Busse gesehen, darin saßen und standen die Fahrgäste wie die Ölsardinen – die Mitfahrer auf dem Dach und rund um den Bus hatten wenigstens frische Luft. Wir sahen Kleinlaster, die so beladen waren, dass sie in Deutschland zum Schwertransporter geworden wären.

Motorräder/Mopeds dienen dem Transport der gesamten Familie: Vater, Mutter, zwei bis drei Kinder. Wir haben mehr als einen Sozius gesehen, der schlafend hinter dem Fahrer saß und sich noch nicht einmal festhielt.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Autobahn liegt bei ca. 100 km/h, inklusive diverser mehr oder weniger heftiger Schlenker beim Fahrbahnwechsel.

Was uns gewundert hat, ist der hohe Benzinpreis angesichts der ansonsten niedrigen Einkommen in Indien. Ein Liter Diesel kosten umgerechnet 0,80 Euro.

Indien ist ein Land, das man nicht mit westlichen Augen betrachten darf. Auch für arm und reich sollten keine westlichen Maßstäbe angelegt werden, damit wird man dem Land nicht gerecht. Es gäbe noch so viel zu berichten, aber am besten ist immer noch, man überzeugt sich selbst. Indien ist wirklich eine Reise wert.

Verdankt haben wir dieses außergewöhnliche Erlebnis einem versierten und unkonventionellen Reiseveranstalter: Bernd Symons von Kerala Discovery. Der Besuch seiner Homepage (www.kerala-discovery.de) lohnt sich immer, auch wenn man keine Reisepläne hat.

Und damit endet die Geschichte meiner persönlichen Reise in die Vergangenheit.

 

 

 

Angela: "Was ist Armut?"

Einer, der oft in Indien gereist ist, hat es so gesagt: "Die Armut in Indien ist nicht so schrecklich anzusehen. Es ist genauso schlimm wie die seelische Armut, die im Westen herrscht." Tatsache ist, dass das Thema Armut jeden Indienreisenden stark beschäftigt - manchen sogar ganz von der Reise abhält. Man kann der Armut in Indien nicht ausweichen. Aber man lernt vielleicht, dieses Wort neu zu definieren. Hier habe ich die Betrachtungen von Angela aus Wien, die mit Sohn Peter im Februar auf Rajputana Discovery ging:

Da ist sie, die Armut, über die soviel geschrieben wird.

Jeder Indienreisende kann viel darüber berichten, die sozialen Unterschiede können Seiten füllen, nur niemand kann sie ändern. Armut und Elend erzeugen sehr viel Druck im westlichen Denken, deswegen wird auch soviel darüber erzählt und geschrieben.

Ich will dir Beobachtungen meiner Reise schildern.

  • Nachdem jeder lesen kann, hat er vor der Reise schon erfahren was ihn erwartet.
  • Nachdem jeder rechnen kann, weiß er was so eine Reise kostet.
  • Nachdem jeder viel Schönes erwartete und auch bekommen wird, ist es ganz natürlich, dass er auch einen Preis zahlen muss.

Währe ja alles in Ordnung, wenn da nicht ein Gedanke auftauchen würde: Was hat der Reisende diesem Land und seinen Menschen gegeben?

Madhuban in Jaipur, sehr bemühte Boy in diesem kleinen schönen Hotel. 16 Schlampige Engländer die 2 Morgen mit Bergen von Toast, Omelett und alles was zu einem Englischen Frühstück gehört, verwöhnt worden sind.

Ihr Dankeschön an die 4 Boys bestand aus einem Applaudieren, wie nach einer Aufführung, die ihnen gefallen hat.

Ich denke dass ein paar gesammelte Rupien den 4 Burschen weiter geholfen hätten.

Bharatpur in Udai Vilas Palace, Deutsche Reisegruppe aus Agra kommend, beim Mittagstisch. Erschrocken über die Verhältnisse in Agra, wurden viele Reden geschwungen. Das Entsetzen über die Armut der Menschen wurde nach einem ausgiebigen Büfett-Essen mit einem Bier hinuntergespült, das sich beim 3maligen Nachzählen des Wechselgeldes, als zu teuer herausstellte. Deswegen gab’s auch kein Trinkgeld, schließlich muss das Geld ja wieder hereinkommen.

Jodhpur, am Clock Tower, im Trubel des Marktes ging eine „reifere Dame“ mit deutscher Aussprache, und verteilte Gummibärchen an alle Kinder deren sie ansichtig wurde. So werden am Morgen meine Hühner gefüttert, dachte ich mir. Welche Informationen haben solche Menschen von Indien?

Was denkt sich in Delhi ein junger Rucksacktourist, wenn er sein um 20 Rupien erworbenes Straßenessen, am Gehstein sitzend, mit einen auf der Straße Lebenden teilen will? Seine Solidarität ist nicht so gut angekommen, und so musste der Gut-Mann die Flucht ergreifen. Wie undankbar doch Menschen sind!!!

Was denken sich junge Frauen in engen Jeans und bauchfreien Tops, wenn sie über die Märkte gehen? Anscheinend wenig. Die bettelnden Kinder hatten ihren Spaß beim Zertreten der einzeln ausgeteilten Chips von diesen gedankenlosen Girls.

Jaisalmer, auf der Dachterrasse des hübschen Nachana Haveli. Am Nebentisch saßen 2 Deutsch sprechende Frauen. Beide im indischen Look mit Tüchern im grauen Haar. Sie konnten das Rätsel, ob Peter mein junger Liebhaber ist auch in 2 Stunden nicht lösen, dafür habe ich viel über Frauen, die Junge Liebhaber „aushalten“ erfahren. Ein Obstteller mit zu wenig verschiedenen Früchten hat die Situation so ins Lächerliche gezogen, dass ich mein Schandmaul nicht halten konnte. Mit der Frage: “Was tun Sie in Indien“ werden sie sich nicht lange beschäftigt haben.

Agra, Baby Taj, 2 sichtbar begüterte ältere Herrschaften, vor der Brust gekreuzte Arme, flankiert von 2 Indern als Beschützer, ein dritter löste die Eintrittskarten und spielte den Rammbock. An diesen Tag war es sehr ruhig und nur einzelne Händler wollten ihre Andenken loswerden.

Die Angst der Reichen ist eine besondere Form von Armut, die ich in Indien sah.

Und wenn ich dann so lese, wie über Armut und Elend geschrieben wird, wie über Arbeitsverhältnisse in Indiens Haushalten diskutiert wird, Kofferträger die zuviel verlangen, Boys, Dienerinnen, Frauen die kein Geld und Rechte haben, da will ich doch auch etwas dazu beitragen und die Menschen, die sich diesem Thema so leidenschaftlich widmen, fragen:

Was tut der einzelne Mensch um es zu ändern?

Wer hat einer alten Dienerin schon mehr als 100 Rupien gegeben? Sie hat auch Träume und Wünsche, sie hat auch eine Familie und Gefühle und ist nicht nur zum Wäschewaschen für uns da. Überhaupt Frauen mit Babys zu unterstützen, und wenn’s nur eine einzige ist, der man nicht nur 10 Rupien in die Hand drückt.

So wie Daniela aus Mumbai schreibt, ihr weggeworfener Plastikbecher hat nicht den Müll erzeugt, aber ihn um einen Becher größer gemacht.

So könnte man es ja umgekehrt sehen. Einen Menschen einen Tag satt machen ...

Warum kurbeln so wenige, die sich um viel Euro eine Reise leisten können, die Fenster herunter, und warum geben die als Inder Verkleideten Touristen nie mehr als in Reisebüchern angeraten wird. Vielleicht sollte man die Preise für Bettler in den Reisebüchern anheben! Die Boys die uns die Reise angenehm machen - jeder weiß anscheinend was sie verdienen, Essen, Unterkunft, Arztkosten und kleines Taschengeld. Super, denen geht’s wirklich gut, wie das ein westliches Herz beruhigen kann, und vor allem brauch ich da nichts geben.

"Meine Reise kostet schon genug, da bleibt nichts über was ich verteilen kann, wo soll ich bei dieser Armut anfangen." Diesen Satz hab ich wirklich gehört und darauf geantwortet: Bei dir, nur bei dir. Das wäre ein guter Anfang.

Die Europa-Ausrede "Die saufen und nehmen Drogen", zieht auf Indienstraßen nicht, und so muss das „organisierte“ für uns herhalten. Und eine Organisation unterstützt man doch nicht, außer sie hat ein westliches Weihnachtsmäntelchen an.

Was kann ich als kleine Frau verbessern? Ich kann einen anderen Menschen für einen Tag das Leben leichter machen. Wenn das zu wenig sein sollte - ja, dann kann man ja 2 oder 3 Tage wählen.

Die Welt kann niemand retten, aber die Scheuklappen abnehmen und vor der eigenen Haustüre kehren bringt schon etwas mehr Bewusstsein.

Und wenn ich an das Elend und an die Menschen in Indien denke, dann denke ich auch an die Touristen, die sich über fehlende Speisen am Büffet aufregen konnten. ...

Angelas Engagement für die Hilfsbedürftigen sind keine bloßen Lippenbekenntnisse. Das zeigt ein Blick in Rajus Spendentopf. Als wir nach Rajus schwerem Verkehrsunfall für die Rettung seines rechten Beins sammelten, kamen die höchsten Beträge von ehemaligen Kerala-Gästen, die Raju persönlich kannten.

Ausnahme Angela, die sich mit bislang 7 Spendenzahlungen an die Spitze der Spenderliste setzte - ohne die Vettikavumgal-Familie in Kerala je kennen gelernt zu haben.

Natürlich war es kein Wettbewerb, wer am meisten spendet - die Spendenbeträge wurden ja nicht veröffentlicht. Es ergab sich einfach, dass Angela die Reihe der Spender anführt.

 

 

 

 

Angela & Peter: 5 Wochen Rajasthan

Erinnerungen, Schnappschüsse und Geschichten von einer ersten Begegnung mit Indien. Viele Jahre hat Angela von einer solchen Reise geträumt, und am 20. Januar war es soweit. Für Sohn Peter eine besondere Überraschung - dass er Mutter Angela begleiten darf, hat sie ihm erst kurz vor der Reise verraten. Lies mal diesen Bericht einer ganz anderen Art!

Delhi. Flughafen sauber mit witzigen Beamten, unser westliches Denken noch in der fest umklammerten Handtasche, Verfluchungen Richtung Deutschland ausgestoßen, unfähig die genauen Reisepläne zu lesen, keiner, der meine Koffer wollte oder überhaupt etwas von mir, wozu hab ich Rupien wechseln müssen - aber als ich mich unter dem Arm eines Inders fand, war der Anfang da.

Er war der einzige, der den Zettel mit meinem Namen drauf zusammengerollt unter seinem Arm getragen hatte. Er war glücklich als wir ihn gefunden haben. Und da hab ich mein westliches Denken am Flughafen aufgegeben und warte noch heute auf die Rückerstattung an meine Heimatadresse in Ungarn.

Kleine Ereignisse einer großen Reise

Faszinierend, wie stark der Drang nach Harmonie im Inder steckt. Ich hatte immer das Gefühl dass, wenn Probleme auftauchten, sie aus dem Drang zur Harmonie gelöst werden. Sie waren glücklich, wenn wir glücklich waren.

Deswegen habe ich die Menschen auch nie unterwürfig empfunden. Egal ob Frauen schwere Lasten trugen oder bettelten, ihr Gang war aufrecht und sie sahen in ihren Saris in rot und orange aus, als wenn sie schwebten.

Die Augen der Frauen, wenn sie mich anlächelten, waren mir so vertraut. Beim Verlassen des gewaltigen Meherangarh Fort, die warmen zierlichen Hände einer blinden Bettlerin, die meine Hand drückte. Die gemeinsam vergossenen Tränen, als ich einem körperbehinderten Jungen 5 hässliche Elefanten abkaufte. Da war das Amber Fort sehr klein und auch die Touristen, die uns verwundert anstarrten.

Nächsten Tag hat er uns im Trubel wieder gefunden und mir einen der hässlichen Elefanten geschenkt. Jetzt daheim, kommt er mir nicht mehr so hässlich vor.

Ein kleines Mädchen um 8 Uhr früh in Chandelao, das seine Füße in dampfenden Kuhfladen wärmte. Ich tat es als Kind auch.

Das 4-gänge.Menü, dass ich in Chandelao kochen durfte und die 5 Flaschen Wein dazu, haben 8 Menschen sehr lustig werden lassen. Die 3 Inder in Turbanen, die hinter mir in der Küche standen, und mir nur helfen wollten, haben mich wie eine Maharani fühlen lassen.

Beschützt und umsorgt von 3 Männern, jeder Wunsch - und wenn er nur so halb dahin gesprochen war - wurde erfüllt. Ein kurzer Anruf in Jodhpur, und schon machten wir Umwege. Nie hatte ich das Gefühl das es für unsere Begleiter eine Last war, auf unsere Sonderwünsche einzugehen.

Auch die verschiedenen Unterkünfte waren eine Überraschung. Immer sauber, manche wie im Märchen, andere wie alte Landsitze, kleine Hotels die sich besondere Mühe gaben, private Unterkünfte mit herzlichen Gastgebern, sogar das winzige Zimmer in Ranthambore hat der junge bemühte Besitzer groß werden lassen.

Und ich muss dazu sagen, dass alles von mir Gesprochene erst übersetzt werden musste. Und ich wollte viel wissen! Ich habe aus meinen mangelnden Englischkenntnissen nur die Vorteile heraus geholt. Verstanden habe ich alles, aber Peter war beim Übersetzen so schnell, dass ich’s einfach so belassen habe.

Manchmal ist Deutsch einfach praktisch ;-)

Ein sauberer kleiner Kerl mit neuen Turnschuhen in der Wüste…………

Dialog:

Er: Pen

Ich, auf Deutsch: Wie bitte

Er: Dollar

Ich, auf Deutsch: Bitte was??

Er: Money

Ich: noch immer auf Deutsch: Na so was……….

Beide haben wir wortlos den Sonnenuntergang beobachtet und als ich auf meinen liebeshungrigen Kamelhengst saß, hat er gewinkt.

Da war der Irrtum der gefangen nahm

 

2 Tage kein Warmwasser im Indrashan, alle waren Schuld, nur nicht ich, die vergessen hat den Boiler einzuschalten (Wurde aber bei der Ankunft genau erklärt) die Augen die mich beim rauchen in der Öffentlichkeit anstarten, und ich erst nach 3 Tagen bemerkte das niemand rauchte.   „Rauchverbot in der Öffentlichkeit“ hat Chouhan erklärt, aber in seiner Gegenwart darf ich alles, das nennt man auch Luxus.

Unser Guide geborener Offizier und Gentleman war eine Überraschung. Unnahbar und stolz wie er wirkte, war es umso verwunderlicher dass er oft den Bettlern Geld zusteckte. Nach 14 Tagen konnte er herzlich lachen und hat sich selbst als Großmutter bezeichnet.

Da war das Elend und die Lebensbürde

Indien ist laut und dreckig, erstickt im Müll, Armut, Straßenmenschen, Bettler, magere Tiere auf den Strassen, viele Straßenkinder usw.

So steht es meist geschrieben. Es stimmt.

Indien hat Bougainville wo hin man schaut, Indien hat viele Tiere auf der Strasse, die den Müll entsorgen, Indien hat schwer arbeitende Frauen und Männer, die trotzdem freundlich und neugierig sind, Indien hat blühende Blumengärten die 3 Jahreszeiten auf einmal zeigen, Indien hat Menschen, die aus dem Herzen heraus helfen wollen, Indien hat viele Kinder, die auf der Strasse leben und lachen, Indien hat Märkte, wo das Obst und Gemüse pedantisch geschichtet ist, Indien hat Gerüche die man daheim vermisst, Indien nimmt Rücksicht auf unsere Andersartigkeit, Indien hat Glaube - und vor allem will Indien uns keinen Stempel aufdrücken und uns verändern.

Da waren auch die Freuden jener Tage

Land, Menschen, Küche, das war mir wichtig. So hab ich 25 verschiedene Dhal gekostet, alle Brotsorten, die Straßenküche in Jodhpur, Udaipur und Delhi ausgiebig getestet, Unmengen an Rezepten gesammelt, der große Vorteil unserer Reise war, dass wir alles bestimmen konnten und so kamen wir zu vielen Köstlichkeiten, die anderen versagt wurden.

Auch viele Überraschungen und Kostproben waren dabei. Chou, wie Peter ihn nannte, (ich traute mich nie ihn so zu rufen, es klang wie ein Abschiedswort) sorgte dafür, dass wir immer etwas Neues kosten konnten, als Inder hat er uns die Türen in die Küchen geöffnet. Wir mögen scharf und sind neugierig.

Wir konnten viele Tage durchs Land ziehen, nicht alle Männer sitzen beim Chai, und nicht alle Frauen arbeiten wie die Pferde. Warum Bauern ihren Turban vor Touristen wickeln und Opiumzeremonien zeigen, ist beim näheren Hinschauen zu erkennen. Ganz hinten rechts steht ein Ziegelbau, für uns mögen die Rundhütten romantisch sein, für ihn und seine Familie sind die Sandstürme im Ziegelbau leichter zu ertragen.

Der fleißige Teppichweber will seine schöne Ware auch verkaufen, ich bin auch kein Mensch der mit Bündel Banknoten aufs Land fährt. Also, ich hab die Kreditkarte praktisch gesehen, niemand wird genötigt sie zu benutzen.

Die Färber und Stoffdrucker haben es mir besonders leicht gemacht mit 2 Saris heimzufahren. Jetzt habe ich endlich schöne Vorhänge.

Stundenlang waren wir in einem filmreifen Jeep unterwegs und habe große Herden Antilopen beobachten können. Leider haben wir nur einen Tag mit diesem verwegenen Fahrzeug unterwegs sein dürfen. Die Kuhgroßen Antilopen und wir, sonst nur stilles Land.

Mir ward gezeigt das Schlechte und das Gute

Die Hunde sind meine Favoriten gewesen. Chandelao hat leider ein großes Problem, alle dort lebenden Hunde sind mit Staupe infiziert und kratzen sich sprichwörtlich in den Tod.

Es hat mich sehr betrübt, mein europäisches Denken: einschläfern, kastrieren, stand im Gegensatz zum indischen Denken: „Alles Leben verdient Achtung und muss so sein“, ich habe mich für den Rest der Reise ans indische Gedankengut gehalten. Die Kinder in diesem Ort sind an Besucher schon gewöhnt, unser Bodyguard war ein lustiger Mann mit einem riesigen Turban.

Ich habe viele Roti backen lassen und die kleinen Welpen gefüttert. Oft Huhn bestellt und es nur gekostet. Pappu, Vater von 3 Söhnen und unser Fahrer, hat schon nach dem ersten Mal, als ich mit Packeln ins Auto gestiegen bin, gewusst was er zu tun hatte. So haben wir öfter als vorgesehen Halt gemacht. Überhaupt war dieser stille Fahrer ein Genie. Die vielen Kilometer in den Wochen hat er wie eine Schlange gemeistert. Ich habe ihm 100% vertraut, aber ich muss dazu sagen, ich finde den Verkehr auf indischen Strassen sehr spannend.

Chou hat nach ein paar Tagen auch seine Liebe zu Hunden entdeckt und mich auf alle jungen Hunde aufmerksam gemacht. Oder wollte er mich nur zufrieden sehen?? So gab es sogar vorm Taj einen kleinen Hund der spielen wollte. Jedenfalls hab ich ihn lebendiger gefunden als so manches im Hintergrund.

Die voller Licht und Freuden sind...

Die vielen Paläste, Fort, alte schöne Havelis und Tempel, jeder kann nachlesen wie alt sie sind und wer sie erbaut hat, aber ich hatte das Glück sie meist alleine zu durchwandern. Aus irgendeinem Grund sind die vielen Besucher nach einer Stunde nicht mehr da gewesen, und so hatte ich Stunden Zeit, die Räume der Frauen und Bediensteten zu verinnerlichen. Verträumt wie ich bin, habe ich bunte Stoffe über die Wände fliesen lassen und Polster ausgelegt, Düfte und Musik einfliesen lassen und kein Mensch hat mich gedrängt oder gestört.

Chou hat nie vorwurfsvoll geschaut als ich Traummännchen angetrottet kam. Obwohl ich manchmal Rücksicht genommen habe und schneller zurück war. Alle Forts und Paläste waren ja nicht so groß. Delwara Tempel in Mt.Abu war der schönste und meistbesuchteste, und sogar dort habe ich mich nicht erdrückt gefühlt. Der Jain-Tempel in Ranakpur hatte einen Bediensteten, der mir die schönsten Aufnahmen ermöglicht hat. Als ich ihm Geld zustecken wollte (das steht in Indienberichten, das es so üblich ist) hat er sich verbeugt und weg war er. Ich war 2 cm groß.

Und vor diesem wunderschönen Tempel lag die älteste Hündin die ich je gesehen habe. Ich musste sie fotografieren und dabei weinte ich.

Müde, ausgelaugt, große Zitzen, faltige Haut, sehr abgemagert aber für mich war sie in diesem Augenblick der schönste Hund auf Erden. Wie viele Junge sie wohl hatte, die jetzt irgendwo streunen? Peter und Chau waren sehr rücksichtsvoll und sind weit vorgegangen. Und Pappu der stundenlang beim Auto wartete, hat meine verweinten Augen ignoriert. Bei jedem Schlagloch hat er mich durch den Rückspiegel angesehen, entweder jammern seine Fahrgäste - oder er wollte sich wortlos entschuldigen?

Bundi - Palast meiner Träume

Ja und dann war noch Bundi. Von weiten kann man den Palast schon sehen, meine Aufregung und Vorfreude haben meine 3 Männer bemerkt. Ich glaube das Pappu schneller als üblich gefahren ist. Kleines Haveli, mich hat es an eine Herberge erinnert und war genau so gemacht wie ich es mag. Vater ein stolzer Inder, Söhne bemüht uns alles zu ermöglichen, Tee und PC aufs schönste Zimmer das sie hatten, vom Sofa aus der Blick auf meinen Palast, der mitten in der Stadt stand.

Bundi besuchen Rucksacktouristen die ich im Palast nicht gesehen habe. Da waren nur Peter und ich. Endlich mein Blumenzimmer, man muss es sehen, ich kann es nicht beschreiben. Der märchenhafte Palast ist nicht von dieser Welt, auch wenn viele sich an dem maroden Zustand stoßen mögen, für mich und meine Phantasie war er der Palast in dem ich leben könnte.

 

 

Der angeheuerte Guide war sehr verwundert über mein Wissen über Bundi und hat mich in sein Herz geschlossen. Nach 4 Stunden Wandbilder und Fortbesichtigung zeigte er uns noch die Straßen von Bundi und den besten Chai-Stand in Indien. Krishna-Chai war nur mit Milch, Zucker, schwarzer Tee, Pfeffer und Nelken und viel frischem Ingwer gekocht, Kardamom treibt die Säfte im Körper, hat er uns erklärt, deswegen tut er keinen in den Chai und für seine Landsleute verwendet er zur Hälfte Wasser.

Der Guide hat trotzdem nicht mehr als die ausgemachten 200 Rupie haben wollen.

Den schönen Stufenbrunnen, der wie ein auf den Kopf gestelltes Schloss aussieht, hat uns der Haveli-Besitzer gezeigt. Im Gästehaus haben die Söhne viele, noch nie gekostete Naschsachen bereitgestellt. Chou hat sich mit dem Besitzer gut verstanden und so hat er unser Abendessen schon am Nachmittag besprochen.

Wer kann schon von sich sagen, so eine Reise gemacht zu haben? Peter und ich waren jeden Tag aufs Neue überrascht, was wir alles, nicht im Reiseplan vermerkte, ermöglicht bekommen haben.

Die Umgebung von Bundi wollte ich aus einem einzigen Grund sehen! Meinen Palast von allen Seiten. Und noch etwas, Bundi schaut von oben gesehen Jodhpur ähnlich. Es waren glückliche Tage, ich wäre gerne noch geblieben, nicht nur wegen des dreckigsten und ärmsten Mannes auf dieser Reise. Dieser Mann hatte ganz helle Augen, die mir nachgesehen haben. 3mal hat er sich gezeigt, nie gebettelt, aber seine Augen haben mich ganz klar angesehen. Wer er wohl war?

Wer fühlt sich belästigt?

Auf der ganzen Reise haben uns wenig Menschen angebettelt, auch die Händler habe ich nie aufdringlich empfunden, die vielen Menschen auf den Märkten gehen sich sanft aus dem Weg, nie wird man angerempelt oder berührt. Stunden verbrachte ich auf den Strassen, aber es wurde mir nie zuviel, auch war es nie unangenehm, selten haben mich Menschen angesprochen.

Eine hübsche Inderin hat mich im Ranthambore-Fort, das irgendwie anders als die anderen Forts war, um den Weg zum Shiva-Tempel gefragt, ich konnte ihr erklären wo der stand, ich war schon vor ihr da.

Der Autolärm, das Treiben auf den Strassen, die Trommler und Sänger, die nächtlichen Tiergeräusche, ja was soll ich sagen, Indien ist groß und hat viele Menschen. Der Schwarzwald ist klein und hat Ruhe zu bieten.

Udaipur war die Stadt der Fahr-Profis, Delhi die Stadt der Fußgänger-Profis, Agra die Stadt der Überlebens-Profis, wobei ich bei Agra sagen muss, das wir nicht mitten im schlimmsten Ghetto gewohnt haben. Unsere Fahrt zur Garden Villa führte auch an einer schönen Schule vorbei, auch waren Gemüsestände und Warenstände auf den Weg, und ich habe auch kleine Bauernhöfe entdeckt. Neugierige Menschen wie ich, sehen fasst alles. Und so konnte ich die Papaya und das Jogurt auf dem Frühstückstisch der Garden Villa auch erkennen.

Erinnerungssplitter

Natürlich hab ich auch Tiger gesehen, aber nicht in einen Jeep für 6 Personen, sondern in einen großen offenen Bus, den ich anfangs abgelehnt habe. In Keoladeo hab ich auf eine Riksha bestanden, die ein vogelkundiger Sikh gelenkt hat. Als er zum Anmelden abstieg, hat sich sein Rad selbständig gemacht, und so konnte ich auch Termitenhügel aus nächster Nähe bewundern.

Die Freundschaft habe ich ihm bei der Anrede “Ma'm“ gekündigt  (der Mann war über 50) obwohl er mir aufgeholfen hat, bekam er sein Fernrohr erst 2 Stunden später zurück. Als er mir einen Schakal aus nächster Nähe zeigte, war alles vergessen und er war sehr glücklich. Das sagte er jedenfalls!

So gibt es zu den vielen Stationen immer auch witzige Geschichten, für mich die Essenz der Reise.

Ich habe 70 Luftballone aufgeblasen und viele Zuckerl ausgewickelt, Fliegen von Babys verscheucht und rotzige Kindernasen geputzt. Hunde gestreichelt, nur vorm Hotel musste ich die Kumpel verabschieden. Sie haben aber bis zum nächsten Morgen auf mich gewartet.

Chandra und Bhavna haben wir in Jodhpur nur kurz getroffen, sie waren auf einer Hochzeit, so konnte ich die kleine Lakshmi nicht besuchen, von Lady Ba wird mir der Sandelholz-Duft in Erinnerung bleiben, die stille Vimlabai, die jeden morgen um Schmutzwäsche fragte und Chottu der nicht schlafen ging, bevor wir aus ganzen Herzen lachend ins Bett verschwanden.

Pradyuman der weltoffene Besitzer aus Chandelao, der mich zum Kochen überredet und mir damit viel Freude geschenkt hat. Wer hat schon einmal in einer indischen Küche ein Menü gekocht? Den englischen Ladys sind die Augen übergegangen.

Udaipur-Balunda-Haus, mit der Köchin hätte ich gerne gesprochen, der freundlichste Diener auf der ganzen Reise lebt auch dort.

Harji, schönes Anwesen, die Bauern die die Farm des Besitzers bewirtschaften, waren einfach bezaubernd, die Hände voller Früchte die wir alle kosten mussten.

Der Anfang war auch das Ende, meinen ersten indischen Rum mit einen viel zu gescheiten Chandrakant getrunken, seine Gattin Lakshmi, die ich einfach nur gern hatte und von der viele Köche Gemüse zubereiten lernen könnten, die besten Roti, zubereitet von der zierlichen Inderin, die eine ebenso zierliche 4jährige Tochter hat. Dieser Haushalt war, der für mich bewundernswerteste.  2 Tage Delhi, es war einfach nur schön.

Chou hat mich fest gedrückt, Pappu hat sich verbeugt und wieder Tränen…………aber nicht nur bei mir………….Ich habe mein Versprechen „keine Kinder und Hunde mitzubringen“ gehalten. Bei den Kindern ist es mir leicht gefallen, in unserer „Kälte“ würden alle Kinder sehr schnell erfrieren. Bei den Hunden verbietet es das Gesetz.

Der Weißwein, den die bemühte Flugbegleitung verschüttet hat, war Gesprächsstoff für 4 Personen.

Und mich hat doch eine Frage beschäftigt: Was nehmen die Menschen in diesem Flieger mit nach Hause?

50 Seiten Tagebuch habe ich meinen Kindern versprochen, und so wird Indien noch lange in meinen Kopf bleiben.

Ich habe nicht die leisesten Befürchtungen etwas vergessen oder versäumt zu haben, denn du hast mir einmal geschrieben, du bist mit Indien noch lange nicht fertig. Und so fühle ich auch.

Wenn du noch etwas wissen willst, frag einfach. Es ist noch genug an Erlebnissen in meinem Kopf. Bilder werde ich dir auch senden, aber ich muss sie erst zusammen suchen. Ich hoffe ich hab nicht zu viel geschrieben. Einen schönen Abend und viel Gesundheit wünsche ich dir. Angela

Danke, liebe Angela - dieser Report war erfrischend anders. Keine Geschichtsstunde diesmal, sondern wahre Poesie. Und so habe ich tatsächlich nur 1 Wunsch: Schicke uns den Rest der 50 Tagebuchseiten!

Erstveröffentlichung in den INN 599 -
mit etlichen Fotos zusätzlich,
die hier keinen Platz mehr fanden

 

 

 

Unvergessliche Begegnungen im Land der Wüstensöhne!

Als wir unsere einmonatige Reise durch Rajasthan - unsere erste Reise außerhalb Europas - antreten, sind wir voll Neugier und Erwartung auf dieses ferne Land aus Tausend und einer Nacht. Ein Resümee von Monika & Markus aus  Telfs, Tirol

Wir hatten viel darüber gelesen und zahlreiche Bilder gesehen und werden sofort von seinen Kontrasten in den Bann gezogen: Menschenmassen überall im Kontrast zu weiten, leeren Steppen- und Wüstenlandschaften, ständiger Lärm und Verkehr sowie unaufhörliches reges Treiben in den Städten im Gegensatz zu völliger Stille in ländlichen Gegenden, bitterste Armut neben unermesslichem Reichtum der Maharadschas, Berge von Müll und Schmutz nächst prunkvollen Palästen, Forts und Tempelanlagen, heilige Kühe, die gefüttert werden neben Bettlern und Kindern, die am Straßenrand verhungern. All dies ist Rajasthan!

Jedoch was diese Reise so unvergesslich für uns macht, sind die zahlreichen ergreifenden und beeindruckenden Begegnungen mit seinen Menschen.

Allen voran zu erwähnen ist unser geschätzter Escort Bhanu, der uns viereinhalb Wochen lang bestens betreut und mit seinen zahlreichen Geschichten einen lebendigen Einblick in Kultur und Lebensweise seines Landes gibt. Durch sein Interesse an unserer Lebensweise ergeben sich viele interessante Gespräche über Zwangs- vs. Liebesheirat, unterschiedliche Familienstrukturen, Religion und vieles mehr. Bhanu nimmt uns sogar in seine Familie mit, wo wir Hochzeitsalben ansehen und gastfreundlich bewirtet werden.

Weiters werden unsere Erlebnisse besonders durch unsere verschiedenen Gastfamilien, allen voran Chandra und Bhavna in Jodhpur, geprägt, die uns alle herzlich willkommen heißen, köstlich verpflegen und immer für ein Gespräch bereit sind. Durch sie lernen wir die köstliche, abwechslungsreiche rajasthanische Küche kennen und lieben, was sich an unserer zunehmenden Leibesfülle zeigt. Ein besonderes Highlight ist deshalb auch der Kochkurs, den wir bei Bhavna besuchen und der uns, gerüstet mit einer tollen Rezeptsammlung, zum Nachkochen inspiriert.

Da wir mit unserem Escort Bhanu und unserem super Fahrer Vinod alleine unterwegs sind, findet sich in unserem Programm immer wieder Zeit, in entlegenen Dörfern zu halten, Handwerkern bei ihrer Arbeit zuzusehen, eine Grundschule zu besuchen und mit den Lehrern zu sprechen, in einem riesigen alten Kino einen richtigen Bollywood-Film anzuschauen, mit einem Händler eine Tasse Tee zu trinken und dem Wunsch vieler Inder nach einem gemeinsamen Foto nachzukommen.

All dies macht unsere Reise durch Rajasthan neben den zahlreichen wunderbaren Sehenswürdigkeiten so einzigartig und unvergesslich, sodass wir beide einstimmig beschließen: Indien, wir kommen wieder!!!

Für einen detaillierteren Reisebericht sowie für viele weitere Fotos möchten wir auf die Rubrik Indien auf unseren Reiseblog mit folgender Adresse verweisen.

Viel Spaß beim Lesen! Moni & Markus (z.Zt. im Outback, Australien)

Die schönsten Fotos von Moni & Markus findest Du in den INN 592

 

 

*  Diwali Rajputana Discovery mit Ute & Lutz

Am heutigen Sylvesterabend wird es in vielen Gegenden Indiens ruhig zugehen - dort hat man bereits beim Diwali-Fest das neue Jahr begrüßt. Ute & Lutz aus Langen waren dabei. Diwali in Jodhpu mit Bhavna & Chandra war wortwörtlich ein Highlight ihrer Rajputana Discovery.

Zwar bitte ich jeden KD-Gast um einen Bericht nach der Reise, den ich als Entscheidungshilfe für Indieninteressenten im Forum und in den INN veröffentliche - dennoch wundert es mich, warum nach so vielen Jahren Ute & Lutz als Erste auf die Idee kamen, diesen Report vorrangig an die zu richten, die hauptverantwortlich sind für das Gelingen unserer Reisen: Die indische Gastgeberfamilie.

Ute & Lutz haben das getan und ihren Report mit Lob und konstruktiver Kritik in Englisch verfasst:

Dear Chandra, dear Bernd,

thank you for this interesting trip and your warm welcome at Indrashan. Our journey was a great success, we appreciated to see the sights as well as to have the many personal contacts with the unique chance to have insight into what is behind the foreground scenery.

We experienced this as a perfect mixture, and we felt the distance to our everyday life as we wanted. 

We have many colourful and deep impressions, which can be really evaluated over time only (pls. find some Diwali pictures attached).

This already says everything, just as requested by Bernd please find some detailed feedback further below, so that is somehow an optional part only containing our personal opinion.

Now, after a while, we are back in everyday life and back to other priorities. So only this explains the late feedback, and we are still happy about our booking decision.

Accommodation

We felt especially well at Bhavna and Chandra, everything was perfect. After the two days in Jaisalmer it was somehow like coming home.

In general we experienced the locations as above average. We would have expected fresh blankets at day of arrival in any location, which was not the case except Indrashan and Chandelao. Our requests for change were fulfilled in every case quickly and without discussion.

Activity

Our general taste is to have more activity on our own, which was not the case here by the nature of the journey.

We enjoyed our cooking together with Bhavna very much. Also our city trip in Harji was a very positive surprise (we did not expect something exciting due to the short and general description).

A more detailed description of activity options in advance (jogging, biking or hiking tours; other people may like other things like self made handicrafts, music instruments) may have helped to better meet our personal taste.

Guide and driver

The wide knowledge background (history, politics, religion, cooking and spices, plants) and the openness to all questions let us quickly forget some necessary effort for bridging the „pronunciation gap". It was always easy to make the plan according to our preferences. The always safe driving, the punctuality and the always kind treatment made us happy about „our guiding team". This was definitely an enrichment of our tour.

Price

After knowing the Indian prices we feel a certain overpay. Anyway we would recommend to include „the little remainders" (water, entry fees, a chai at lunch, or even an excluded dinner like in Mt. Abu) into a total flat rate to increase the "feeling covered effect" as we could appreciate at Indrashan already. The extra amount of money for that may anyway not worth being mentioned with the background of > 2000 EUR journey price per person (excl. flights).

Just an idea: The smooth „Homestay Tourism label could be  probably well accompanied by a „Fair treatment" label in terms of employees payment (i.e. „All our contract partners pay their employees above average"). So just some situations (i.e. camel ride, cotton manufacture) suggested that idea.

Zum letzten Punkt: Die Idee des sog. "Fair Trade" ist in den letzten Jahren bei Kaffee, Tee und anderen Waren aus den Schwellen- und Entwicklungsländern immer erfolgreicher geworden. Es ist ein gutes Gefühl, für ein wenig mehr Geld die Gewissheit zu haben, dass die Erzeuger in den Ursprungsländern fair bezahlt werden.

Bei Kerala Discovery ist das von Beginn an so. Das steht in unseren Prinzipien für Sanften Tourismus (Kapitel "Sanfter Tourismus"). Mit der Anregung von Ute & Lutz sollte man noch einen Schritt weiter gehen und sicherstellen, dass auch Fahrer, Escort und Hauspersonal unserer Gastgeber mit einbezogen werden.

Das gleiche "Fair Trade"-Prinzip bedingt aber auch, dass die KD-Reisekostenanteile sich nicht vorrangig an den indischen Lebenshaltungskosten orientieren dürfen. Sie müssen mit halbwegs vergleichbaren Individualreisen wettbewerbsfähig sein. Nur so ergibt sich für unsere Gastgeber durch Ausschaltung des "Zwischenhandels" (Reisebüros) und Verzicht auf einen gut gepolsterten Werbeetat ein ordentlicher Beitrag für die Familienkasse.

 

 

Josef: Im Land der Wüstenkünstler

Josef aus Oberhaching ist der erste, der von der eben zuende gegangenen Rajputana Discovery berichtet. Wie so oft ist die Fülle der Eindrücke einer solchen Reise so groß, dass man gar nicht weiß, wo man beginnen soll. So rate ich den Gästen, sich ein Thema der Reise auszuwählen und darüber zu berichten. Josef folgte diesem Rat, und freue mich, dass er die Region Shekhawati auswählte. Die ist in den Gästereports der letzten Jahre oft zu kurz gekommen - sehr zu Unrecht, wie Josef in Wort und Bild beweist

Mein Abstecher zu den Havelis im Shekhawati. Wie ein Haveli aussieht, glaubte ich zu wissen, nachdem ich in Jaisalmer die Wunderwerke in Stein gesehen hatte. Dass solche Handelshäuser aber auch ein ganz anderes Aussehen haben können, lernte ich einige Tage später.

Zu unserem dreiwöchigen Intensivkurs in tausendjähriger Geschichte, Kultur und Architektur Rajasthans gehörte auch ein Abstecher in die Shekhawati-Region im Dreieck Jaipur – Bikaner – Delhi gelegen.

Wir quartierten uns mittags in Nawalgarh ein und fuhren nach einem leckeren Lunch in das Dorf Mandawa, um uns die verfallende Pracht bemalter Havelis näher anzusehen.

Seinen Namen verdankt das Shekhawati dem früheren Herrscher  namens Rao Shekha, der,dem Clan der Kachhawah angehörte und im 15. Jahrhundert hier regierte. Shekhawati heißt übersetzt einfach "Garten des Shekha" und wird von den Dörflern bis heute landwirtschaftlich genutzt. Da das Gebiet an den großen, aus dem Nordwesten kommenden Karawanenrouten gelegen war, konzentrierte sich hier im Shekhawati seit früher Zeit der Handel.

Hier verlief die alte Seidenstrasse und die Waren aus Lahore und Peshawar, beides heute in Pakistan gelegen, wurden hier ebenso umgeschlagen wie zahlreiche Güter auf dem Weg von den Hafenstädten der Fürstentümer Sind und Gujarat nach Delhi. Denn der Weg durch das Shekhawati war für die Karawanen zwar ein Umweg, aber trotzdem günstig, weil die benachbarten Fürstentümer von Bikaner und Jaipur viel höhere Zölle für den Transit verlangten, um so ihre Staatskassen zu füllen.

Im Shekawati hingegen wurden die Händler schnell reich und bauten ihre prächtigen Häuser. Die meisten der heute noch erhaltenen Havelis stammen erst aus dem 18. Jahrhundert, als die Kaufleute begannen, ihren Reichtum durch künstlerische Ausgestaltung nach außen hin zu dokumentieren. Dabei stellten sie ihren persönlichen Geschmack ganz unverblümt zur Schau, genau dies macht den besonderen Reiz der Gestaltung aus. Die ersten Havelis, die im 18. Jahrhundert noch aus Lehm erbaut wurden, sind heute längst verfallen.

Ein Haveli war nicht nur einfach ein Wohnhaus für eine Großfamilie und ihre Bediensteten, sondern es diente auch gleichzeitig als Warenlager und als Schutz vor Überfällen, ähnlich wie eine Karawanserei. So findet man immer Mauern mit kleinen Fenstern und Malereien im Außenbereich und ein großes, gut verschließbares hohes Tor aus Messing oder Holz. Hier passten auch hoch beladene Kamele durch, die dann im vorderen Hof lagern konnten. Am Eingangsbereich findet man meist auch den besonders prachtvoll ausgeschmückten Empfangsraum des Hausherrn namens Baithak, eine gegenüber dem Hof etwas höher gelegte Terrasse und Säulenhalle, mit einem Seitenflügel des Hauses überbaut. Hier empfing der Kaufmann seine Gäste und Handelspartner, es gab rund um den Hof aber auch die Quartiere für Männer und Lagerräume.

Dieser erste Hof ist meist von mehrstöckigen Gebäudeflügeln umgeben, dahinter befinden sich dann weitere Höfe, die durch eher kleine Türen erreichbar sind. Meist sind es drei Höfe, in besonders prächtigen Häusern auch mal vier. Dort spielt sich das häusliche Leben ab, die Frauen und Kinder konnten nur durch ein kleines Fenster der Verbindungswand oder über eine Galerie zwischen den Höfen einen Blick auf das öffentliche Geschehen im vorderen Hof werfen. Da ging es ihnen nicht besser als den hochgestellten Damen in den Palästen. In den Obergeschossen wohnt das Familienoberhaupt mit seiner meist sehr großen Familie.

Etwa ein Jahrhundert lang wuchs und gedieh der Wohlstand durch Handel. Aus der häufigen Abbildung britischer Offiziere und Truppen an den Wänden kann man auf ein recht gutes Verhältnis zu den Besatzern schließen, aber auch Darstellungen der Portugiesen aus Goa sind zu finden. Die Kaufleute machten keinen Hehl daraus, dass sie Nutznießer der Fremdherrschaft waren, die militärisch ihre wichtigste Einkommensquelle, die Handelswege, schützte. Doch als die Briten durch den Ausbau der Häfen Bombay und Calcutta neue Zentren für den Handel schufen funktionierte das System nicht mehr. Nun zogen weniger Karawanen durch das Land, doch die cleveren Kaufleute - meist Jainas - erkannten schnell die sich für sie ergebenden Chancen und verlagerten ihre Geschäftshäuser in die aufblühenden Handelsmetropolen Mumbai und Kalkutta. Dort drehen Sie auch heute die großen Räder in der Wirtschaft. Die Havelis blieben aber in Familienbesitz. Heute werden sie für Hochzeiten oder Familientreffen noch verwendet, verfallen aber zusehends und sind oft nur noch von Wächtern und ihren Familien kostenfrei bewohnt.

Unser Rundgang durch den Ort Mandawa glich einem Bilderbuch, stimmte uns aber meist auch ein wenig traurig. Denn überall sieht man den Verfall der einstigen Pracht. An den Außenfassaden verlieren die Farben durch Sonne und Witterung schnell an Kraft. Dazu kommen Umbauten, neuer Putz als hässliche Flecken und vor allem zahlreiche Werbe- und Wahlplakate die völlig sinnfrei über die Gemälde geklebt werden. Den Dörflern fehlt wohl zum einen das Geld und zum anderen das Interesse am Erhalt.

Zum Glück bekamen wir am nächsten Tag morgens die Gelegenheit, ein komplett restauriertes Haveli zu besichtigen, nämlich das Dr. Ramnath A. Podar Haveli Museum. So gewannen wir einen realistischen Eindruck von der einstmaligen Pracht solcher Häuser.

Ein gewisser Mr. A. Anandilal Podar, Gründer des gleichnamigen Trusts, baute dieses Haveli 1902 als seine Residenz. Sein Enkel Kantikumar R. Podar wndelte es um in ein Museum für Kunst und kulturelles Erbe Rajasthans. Das Haus ist verschwenderisch überzogen mit 750 (!!) Fresken. Durch die kunstvoll geschnitzte und gegen Elefantenangriffe sichere Eingangstür gelangt man zunächst in den traditionellen Empfangsbereich für die Geschäftspartner. Die Räume auf der Galerie sind den Themen Feste und Festlichkeiten, Edelsteine und Juwelen, Brautkleider, Miniaturmalerei, Kunsthandwerk, Turbane, Marmorkunst und schließlich noch Gandhi gewidmet, der die Gründung des Museums befürwortet hat.

Der Besuch dieses Hauses war nicht zuletzt dank der kenntnisreichen Gratis-Führung durch den Verwalter namens Sunil Sharma ein besonderer Leckerbissen der Reise durch „Incredible“ Rajasthan.

Link: DR. RAMNATH A.PODAR HAVELI MUSEUM in Navalgarh

Der Leiter des Museums - Anandilal Podar, ein Bramahne - machte eine ausgezeichnete Führung.

 

(Mehr Fotos von Josefs Reise in den INN Nr. 535 vom Freitag, 18.12.2009)

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A French guest, staying in a Rajasthan hotel
called room service for some pepper.

"Black pepper, or white pepper?" asked the
concierge. - "Toilette pepper!"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

Rajasthan & Gujarat:
"Three Ladies Going Native"

Reiseberichte aus Gujarat sind selten. Weil sich nur selten Touristen dorthin verirren. Das gilt seit 2001 auch für auch für Kerala Discovery. Anscheinend ist es wie bei der Orissa-Reise (Kalinga Discovery) eine Grundvoraussetzung für die Gujarat Discovery, dass die Teilnehmer bereits vorher mit KD in Indien gewesen sind und von der Erlebnisqualität meiner Ideen überzeugt sind. Warum der Indientourismus gerade diese Provinz im Westen so vernachlässigt, ist kaum verständlich.

Mehr als doppelt so groß wie Österreich bietet Gujarat nämlich etwas von allem, was den Reiz Indiens ausmacht. Es hat die Wüste, die gastlichen Fürstenhäuser und uralten Tempel Rajasthans, die tropischen Palmenlandschaften und Strände Keralas und nicht zuletzt die farbenprächtigsten Stammesgemeinschaften, wie man sie sonst nur in Orissa findet. Aber Gujarat bietet darüber hinaus auch vieles, was sonst nirgendwo in Indien gibt. Das wollten Hille, Gisela und Rebecca erforschen - gleichzeitig aber auch die alten Freunde in Rajasthan wiedersehen. Denn alle drei waren bereits mindestens einmal mit Kerala Discovery in Indien.

Natürlich braucht man dafür mehr Zeit. Denn wenn wir schon Rajasthan wiedersehen, sollten auch ein paar andere Highlights dabei sein, die wir auf den früheren Reisen nicht gesehen haben. Daher dauerte es über 2 Wochen, bis die drei die Grenze von Gujarat erreichten - und erst am 37. Reisetag landeten sie wieder in Frankfurt. Lies heute den ausführlichen Fotobericht von Hille aus Kaarst.

Natürlich kannst Du weiterführende Infos zu den meisten Stationen der Reise im KD-Onlinemagazin (Kapitel Gujarat-Discovery) nachblättern. Deshalb habe ich für die Links in Hilles Bericht auf anderen (teilw. englischen) Seiten im Internet recherchiert.

Hier nun Hilles Bericht:

Über Delhi nach Rajasthan

Hallo lieber Bernd, es ist so viel zu berichten, ich weiß nicht, ob ich je fertig werde...Habe Haus und Hof vernachlässigt, um den Bericht endlich zu Ende zu führen!!!!!!!!

In Delhi angekommen, wurden wir von Chandrakant und seiner Frau Laxmi sehr nett empfangen. Mit Chandrakant verbrachten wir den Tag mit Bücher- und CD-Einkäufen, einer Führung durch einen kleinen Teil des Museums/Garten, wobei er uns liebevoll die einzelnen Bedeutungen der Statuen erläuterte. Er war ein Born an Wissen über die einzelnen Gottheiten und hatte immer eine lustige Geschichte dazu parat. Mittags aßen wir in einem typisch indischem Restaurant unsere geliebten Dosas, ein südindisches Gericht, das wir auf früheren Reisen durch Südindien kennen gelernt hatten.

Abends fuhren wir dann mit dem Mandore Express nach Jodhpur, das wir am nächsten Morgen gegen neun Uhr erreichten. Und wer stand direkt an unserer Abteiltüre? Chandra! Wir begrüßten uns  wieder einmal voller Freude.

Jodhpur - Wiedersehen mit Bhavna & Chandra

Natürlich wurden wir von Bhavna in den nächsten Tagen wiederum mit Köstlichkeiten ihrer Küche verwöhnt. Wir fuhren mit ihr zum Basar, um Gewürze und Stoffe für unsere indischen Anzüge zu kaufen. Mit Engelsgeduld saß sie auch stundenlang dabei, als wir unsere Schals aussuchten und den angebotenen Chai tranken. Wir haben uns auf deine Empfehlung, lieber Bernd, auch das „beste Lassi“ im Shri Mishrilal am Stadttor geleistet.

Zwei Tage machten wir einen Abstecher nach Bikaner und besuchten Prinz Harshvardhan im Bhairon Vilas. Er ist der Cousin von Prinzessin Divya aus Jaisalmer. Das Fort gleich gegenüber seiner Haveli ist sehenswert! Es ist eines der schönsten Forts Indiens. Reich geschmückte Zimmer mit Spiegeln, Gold und bunten Mosaiken. Der Durbar (Empfangshalle) war enorm groß und hoch und einzigartig in seiner Art. Dort fand ich auch einen Vaidya, der mein verstauchtes Knie wieder zurecht massierte.

Wieder Richtung Jodhpur hielten wir in Deshnoke und besuchten Karni Mata, den Rattentempel. Die Marmorfassade war künstlerisch  wunderschön gestaltet. Die Ratten hatten sich hauptsächlich um ihre Freßnäpfe versammelt. Übernachtung in Khimsar Fort, Besichtigung des sehr abseits gelegenen Nagaur Forts mit einer sehr schönen großflächigen Park- und Gartenanlage. Sie war kaum besucht, strahlte es eine herrlich stille Atmosphäre aus. Wir verbrachten den Nachmittag dort, um nur in der Sonne zu sitzen. Ich muss noch bemerken, dass wir in den ersten vier Wochen einer ungewöhnliche Kälte für Indien - Rajastan und Gujarat - ausgesetzt waren. So dass wir jeden Sonnenstrahl genossen.

"Going Native"

Zurück in Jodhpur fuhren wir einen Tag nach Chandelao, um noch einmal wunderschöne Erinnerungen  an eine vergangene Reise mit Pradyumans Mutter auszutauschen. Ein alter Mann führte uns zu einem Patio, wo gegen zwanzig ältere Männer eine Opiumsession hatten. Sie tranken jeweils Opium aus der Hand eines anderen. Sie lachten und hatten nichts gegen unsere Gegenwart.

Spät am Nachmittag wieder in Jodhpur, holten wir unsere inzwischen genähten Kurtas (Salwar Kameez, indische Anzüge) ab. Als wir im Indrashan ins Patio kamen, um Bhavna unsere Sachen zu zeigen, trafen wir auf neue Gäste. Da stand ein älteres amerikanisches Ehepaar, beide sehr groß und sehr dünn, ausstaffiert im perfekten Safari-Look aus dem Kostümfundus des Films "Tiger von Eschnapur", mit entsprechender Kappe und riesigen Sonnenbrillen - bereit für einen kleinen Spaziergang um den Block.

Wir starrten die beiden fassungslos an, und während ich noch überlegte, wo sie wohl die doppelläufige Flinte gelassen hatten, riss die Amerikanerin bei unserem Anblick ihrerseits die Augen auf. Sie musterte entsetzt unsere indische Kleidung und rief ungläubig: "Oh, you are going native?!?"

Das wurde unser Schlagwort in den nächsten Wochen. Unfassbar, mit welchem Standesdünkel gewisse Leute durch Indien reisen. Früher nannte man das "Non Fraternisation", und wir dachten, diese Zeiten wären überholt.

Doch nun hieß es, von unseren Freunden Bhavna und Chandra Abschied zu nehmen. Wie immer fiel uns das nicht leicht.

Über Jojawar nach Dhakri

Wir fuhren nach Jojawar, eine sehr schöne Anlage, schöne Zimmer. Haben eine Jeepsafari durch Dorf und Land unternommen. Besichtigten einige Dörfer der Schäfer, einen kleinen Tempel und fuhren weiter durch die Savanne. Habe mir auch zweimal eine wunderbare Vollkörperölmassage im Rawla Jojawar geleistet!

Weiter ging es dann nach Pali in die Dhakri Rawla. Thakur Ghanshyam Singh und seine Frau Jhugno waren sehr zuvorkommende Gastgeber. Sie kochte sehr gut und Mr. Singh fuhr uns zwei Tage lang unermüdlich in seinem Jeep durch Dörfer, zu verschiedenen kleinen alten Tempel, einer alten Step Well und einem riesigen alten Wasserrad.  Die Fahrten waren für uns etwas abenteuerlich, da Mr. Singh seine Hände fast nie am Steuerrad hatte und die liebenswürdige Eigenschaft besaß, sich immer mit dem Kopf nach hinten gewandt, zu unterhalten. Aber, dank Shiva, sind wir immer heil angekommen!

Heute fuhren wir mit Mr. Singh zum Fort Sojat. Es wird wieder restauriert und ist zur Zeit eine große Baustelle. Dort unterhielt sich Mr. Singh sehr freundschaftlich mit all seinen Bauarbeitern. Man hofft, dass mit der Zeit einige Touristen kommen.

Besonders interessant war als nächstes eine Hennafabrik. Die Arbeiter sind teilweise vermummt, um sich vor dem gelben Staub zu schützen. Sie sahen aus wie Marsmenschen, wie sie unbeweglich da standen und uns beobachteten.

Nach ein paar Tagen ging es über Mount Abu - Besichtigung der einmaligen Dilwara Tempel - weiter nach Vijaynagar. Dhakri und Vijaynagar hatten nicht auf unserem Reiseplan gestanden. Chandra hatte kurzfristig  umdisponiert, da das vorgesehene Harji Fort nicht verfügbar war. Wir konnte aber in Vijaynagar weiter dem Homestay treu bleiben. Und wir haben es nicht bereut.

(Viele weitere Fotos, die hier keinen Platz fanden, findest Du in den InderNettNews 449)

 

Reisebericht:
"Qualität, nicht Quantität"

Es ist lange her, seit Ingrid aus Überlingen bei uns in Kerala zu Gast war. Und fast ebenso lange hat es gedauert, bis sie auch unsere Rajputana Discovery verwirklichen konnte. Mitte Oktober 2007 war es dann soweit, und Ingrid, ihr Bruder Reinhold und seine Frau Maria nahmen sich diesmal richtig Zeit für Indien.

Fast vier Wochen für unsere Fürstentour durch Rajasthan, und gleich im Anschluss nach Kerala zu einer ausgiebigen Ayurvedakur - so war der Plan. Erst am 9. Dezember waren die drei wieder zurück. Das Resümee bekam ich nun im Januar: Ein kurzer, aber positiver Bericht und zwei prallvolle CDs mit Indienfotos!

Lieber Bernd, vorab Danke für die Vorbereitung der Reiseroute. Hat bis auf wenige Details unseren Vorstellungen (lt. Deinen Ankündigungen im Web oder Prospekten) entsprochen bzw. oft übertroffen .  Bei allen Gastfamilien wurden wir überaus freundlich aufgenommen, sie waren bemüht uns den Aufenthalt so angenehm als nur möglich zu machen, und hatten uns mit bestem indischen essen verwöhnt.

Dazu kamen die vielen interessanten Gespräche über die Geschichte Indiens, ihre Vorfahren, die Unabhängigkeit, Kasten, Medizin, Wirtschaft, neue Chancen für das Land ...... etc.

Wir waren hervorragend untergebracht: Der Bogen spannte sich von Palast und Havelis bis zum modernsten Gästehaus Die Zimmer sehr geschmackvoll eingerichtet, geräumig genug und es gab überall  WC-Dusche, Warm- u. Kaltwasser, häufig nach westlichem Standard.

Ein großes Lob müssen wir unserem Fahrer aussprechen: Grandios, wie ruhig, gelassen und sicher er uns die 20 Tage zu den Sehenswürdigkeiten fuhr - einfach zu bewundern!!! Auch unser Guide war sehr bemüht, diverse Extras zu den Sehenswürdigkeiten zu erzählen, oder wenn notwendig einen lokalen Führer zu organisieren. Manches war auch für ihn Neuland, und er hat sich dementsprechend (war dazu noch eine Woche sehr verkühlt) gut geschlagen.

Übrigens ist Gabriele, die sich unserer Tour anschloss, eine sehr nette Frau. Für uns war sie eine Bereicherung und wir hatten gemeinsam viel Freude und nette Stunden. Oft haben wir darüber gesprochen, wie froh wir sind, dass wir nicht mit Bussen diverser Reiseunternehmungen unterwegs sind, nicht einsteigen und weiterfahren müssen, wo wir doch noch so gerne hier bleiben möchten, in Mittagszeit und Hitze fahren, statt auszuruhen ....etc.

Ja, nicht Quantität sondern Qualität zählt!! Und die haben wir reichlich genossen, "Dank Deiner Hilfe". Auch preislich sind wir unter diesem Aspekt sehr günstig unterwegs gewesen. 

Ja, die Gabriele haben wir ja schon in der Ausgabe 433 anhand ihrer Fotos kennen gelernt. Sie hatte sich für die ersten 24 Tage der Rajputana Discovery angeschlossen und musste heim fliegen, als Ingrid, Maria und Reinhold nach Kerala weiter zogen.

Euch allen Danke ich herzlich für Eure Beiträge und Bilder! Bildtexte und Fotobearbeitung stammen von mir - die Bilder sind © Reinhold - mit ihnen nutze ich die Gelegenheit, Euch einmal etwas ausführlicher an unserer Rajputana Discovery teilhaben zu lassen. Die Bilder finden sich in den InderNettNews 436 und den folgenden Ausgaben.

 

Eva & Stefan:
Unsere Seelen sind noch in Indien

Reisebericht unserer Schweizer Gäste aus Bern. Zur Rajputana Discovery 'angestiftet' wurde Stefan von seiner Schwester Rebecca, die in den INN schon viele Fotos von ihrer Tharwüsten-Tour mit Töchterchen Anina veröffentlicht hat. Und auch Stefan und seine Eva waren begeistert von Rajasthan.

Seit Tagen oder eigentlich Wochen sind wir von unserer Reise durch Rajasthan zurückgekehrt. Nicht so unsere Seelen, Sie sind noch unterwegs.

Vorerst: Es war eine wunderbar intensive, erlebnisreiche und farbenfrohe Reise.

Die Kontakte zu unseren Gastgeberfamilien Chandra und Bhavna in Jodhpur - die Kochkunst von Bhavna ist einzigartig und unvergesslich – und Jaideeps jointfamily in Jaipur waren geprägt von Aufmerksamkeit und Herzlichkeit. Bei Ihnen fühlten wir uns sehr gut aufgehoben. Es ergaben sich interessante, wertvolle Gespräche, die unser Bild von Rajasthan noch ergänzten und vervollständigten.

Unsere Reise führte uns von Delhi nach Jodhpur, Udaipur, Pushkar, Jaipur und wieder zurück nach Delhi. Unser Interesse galt der städtischen Kultur, in erster Linie der Architektur.

Wir sahen zauberhafte Paläste von nie vorher gesehener Schönheit, ( Citypalace, Udaipur und Taj Mahal – einfach begeisternd -) wunderbar mystische Tempel, ( Ranakpur, Nagda ) aber auch fantastische Landschaften. Zu all diesen Bildern gehören aber immer die Menschen mit ihren sympathischen, offenen Gesichtern in bunten, schön umhüllenden Kleidern und Turbanen, goldenem Schmuck und sehr speziellen Schuhen.

Diese Bilder haben sich verinnerlicht und begleiten uns täglich.


"Was guckst Du? Ich bin ein Teil des indischen Wirtschaftswunders!" Genau so optimistisch sind unsere Eltern in den 50er Jahren zu viert auf der Vespa in die Zukunft gefahren (Foto: Eva & Stefan)

Zu den Schönheiten Rajasthans zählen auch die Handwerkskünste. Wir haben etliche Souvenirs mit nach Hause gebracht. Nebst Silberschmuck und Papiermaché auch bunte Stoffe. Sie sind die nötigen Farbtupfer in unserer nicht nur fürs Auge kälterer Umgebung.

Nebst all dieser Faszination haben uns verschiedene Themen wie Armut, Analphabetismus, grosse soziale Unterschiede und Umweltverschmutzung sehr aufgewühlt.

In diesem Zusammenhang möchten wir allen Indienreisenden den Film „Water“ von Deepa Mehta empfehlen. In wunderschönen Bildern erzählt sie eine sehr bewegende indische Geschichte.

Mai 2006   Stefan und Eva

Vielen Dank an Euch beide! Besonders natürlich für die vielen schönen Fotos von Eurer Reise - sie beherrschen die INN 347 fast vollständig. Mit Recht! Wer alle Bilder sehen möchte, möge die InderNettNews 347 anschauen…

Nicht der Wüstenwind wärmt das Herz

Rajasthan im April 2006 - Geraldine ("Jelly") und Peter, Esther und Bruno aus Kempen - das waren die vier KD-Gäste, die sich im April auf eine heiße Wüstentour nach Rajasthan wagten.

Ein Glücksgriff für unsere Gastgeberfamilien, denn ihnen begegneten vier besonders nette Europäer. Ein Glücksgriff aber auch für die InderNettNews, denn in Peter haben wir wieder einmal einen Menschen gefunden, der sehr gern und gut schreibt. Und nicht nur das: Er ist auch Fotograf, und seine Rajasthan-Galerie enthält so schöne Stimmungsimpressionen, wie ich sie in dieser Menge lange nicht gesehen habe. Für einen Foto-Aperitif zum Thema Indien hat er soeben eine neue Webseite ins Leben gerufen. Da könnt Ihr schon mal schnuppern: photo.roskothen.de

Besonders interessant an Peters Geschichten sind die Sichtweisen eines Menschen, der Indien eigentlich gar nicht auf der Liste seiner Traumziele hatte. In seinen Reportagen kann man miterleben, wie dieses eher zufällige Urlaubsziel mit seinen Reizen seinen Besucher in kürzester Zeit für sich zu gewinnen weiß.


Eine ganz neue Saite von Rani Bhavna fing Peter mit der Kamera ein. Unsere königliche Gastgeberin in Jodhpur ist den meisten von uns eher durch ihre kulinarischen Kompositionen bekannt.

Schön auch, daß Peter über seine Rajasthaneindrücke dreimal so viel schreibt wie andere, die dreimal so lange dort waren. Für das gesamte Reisetagebuch habe ich in den INN nicht genug Platz und beschränke mich daher auf das Vorwort, die ersten 3 tage und einige Nachgedanken. Wer Appetit auf mehr bekommt, kann den ganzen Bericht hier auf Peters Webseite lesen. Dort finden sich auch seine kompletten Bildergalerien. Und die sind im Zusammenhang weitaus schöner als die wenigen Bilder, die er mir für die INN zur Verfügung gestellt hat.

Prolog

Im April haben wir uns nach Indien getraut. Der Besuch des Landes hatte mehrere Hintergründe. Zunächst hatten unsere Aikido-Lehrer, Esther-Senseis und Bruno-Sensei, gefragt ob wir auch an einer Indienreise interessiert wären. Meine Frau Geraldine hatte als Engländerin immer schon einen engeren Bezug zu dem Land und wollte gerne mit. Ich war zögerlich, da ich ziemlich wenig über Indien wußte und keinerlei Erwartungen an das Land hatte. Im Laufe der Wartezeit wurde immer klarer, dass es “interessant” werden würde. Wir buchten British Airways getreu dem Motto “Fly British - Die British” und Senseis schlugen vor Bernd Symons mit der Reiseplanung zu beauftragen. Es sollte nach Rajasthan gehen, einem Land nord-westlich in Indien. Meine persönlichen Erwartungen habe ich völlig im neutralen Bereich gehalten. Alles wovor ich Respekt hatte, waren die hygienischen Bedingungen, die jedoch - ich will es vorausschicken - perfekt waren. Und ach ja: die Kobras wollte ich auch unbedingt verpassen.

Die Grundidee nach Indien zu fahren hatte keine touristischen Gründe. Wir wollten mit dem Reiseauftrag an Bernd Symons (Kerala-Discovery.de) keinesfalls in fünf Sterne Hotels untergebracht werden, sondern direkt bei indischen Familien. Es ging uns nicht darum in geschlossenen Hotelanlagen von den Indern abgeschottet zu sein, sondern die Menschen und ihre Kultur kennen zu lernen. Das hat funktioniert - Bernd Symons sei Dank. Was man in zehn Tagen sehen, hören, fühlen, riechen, tasten und lernen kann, haben wir in vollen Zügen absolviert. Heraus kommt ein Bericht über Indien, den ich den nächsten Tagen niederschreiben möchte. Jeden Tag ein bißchen mehr und begleitet von Fotos unserer Erlebnisse.

Mit Einschußloch durch Delhi

Unser erster Tag in Indien, nachdem wir am Vortag nachmittags von Düsseldorf über London nach Delhi geflogen sind. Am frühen Morgen um etwa sechs Uhr kommen wir in Indien an und geraten unmittelbar aus der klimatisierten Luft in eine Wand aus Hitze und (zumindest an diesem ersten Tag) auch Schwüle. Nach der Immigration mit ähnlicher nerviger Prozedur wie in den USA, tauschen wir Euro in Rupien, da unsere europäischen Banken diese Währung nicht zu schätzen wissen. Das ist ein dickes Bündel was man für wenig Euro bekommt und erinnert an die frühere italienische Lira.


Als Einstieg hätte es Peter auf Delhis Basaren sicher besser gefallen als bei den Altbauten. Doch diesen Gewürzhändler trafen sie erst später

Unseren Reiseführer für Delhi finden wir erst im zweiten Anlauf durch viele links und rechts hochgehaltene Schilder. Der wiederum führt uns zum Auto wo wir unsere Koffer deponieren, um gleich darauf noch einmal über den halben Flughafen zu laufen. Wir wollen unseren Rückflug bestätigen lassen, was wir aber bei British Airways gar nicht brauchen.

Die Eindrücke sind wirklich solche. Menschen überall, vor allem auch schlafend auf dem Boden. Viele Gerüche und verschiedene Gedanken blitzen wild auf und werden vorübergehend und mangels Lösungen auch sofort wieder verdrängt. Man verspricht sich selber später wieder daran anzuknüpfen. Deshalb wohl fällt man nach der Reise in ein großes tiefes Loch.

Wir fahren in unserem Klitzekleinbus mit Klimaanlage und Einschußloch in der Windschutzscheibe zu einer Zwischenunterkunft und können uns duschen und unter richtig vernünftigen Bedingungen auf die Toilette. Ich hatte es mir bei weitem schlimmer vorgestellt. Das ist weitaus besser als die Toilette im Flieger. Übrigens war eine davon durch zwei Italiener instandbesetzt. Die beiden hatten sich alles was ging reingedröhnt und wir hofften inständig, dass man sie bei der Immigration überging und nach Hause schickte.

Geraldine hatte vorsichtshalber alles mit was feucht ist und den Popo und die Hände desinfizieren kann. Es war nicht nötig, aber ein besseres Gefühl. Nach kurzer Akklimatisation bekommen wir ein hervorragendes Frühstück von super freundlichen Indern vorgesetzt. Das Frühstück ist sicher ein bißchen englisch mit Bananen, Orangenmarmelade und Toast, Müsli und Cornflakes. Der erste indische Masala-Chai (Gewürz-Tee) wird uns serviert und wir sind begeistert. Später auf der Reise kaufen wir die Zutaten, aber zu Hause schmeckt alles mitgebrachte Essen und Trinken gewöhnlich und nicht mehr wie in der warmen Reiseumgebung.

Wir werden kreuz und quer durch Delhi von einem Monument zum Nächsten geführt. Auch sehr nett, aber wir sind tatsächlich nicht diese Art Touristen, die für Bautenbesichtigung hergekommen sind. Bernd Symons*, Du hättest das wissen können, wenn Du unsere Schreiben studiert hättest. Die Einführung ist aber lieb gemeint und wir trauen uns nicht zu widersprechen, denn unser Mann ist super lieb und kümmert sich vorbildlich.


In Rajasthans Dörfern zeigt man uns stolz seinen Kleinen und freut sich, wenn wir fotografieren. Wenn man noch zu jung ist für eigene Kinder, ist es auch schon mal ein Zicklein.

Es reicht dann hinterher aber auch wirklich. Die Fahrt durch Delhi ist atemberaubend. Nicht furchteinflössend, sondern einfach sehr dicht und eng und langsam und laut. Man sieht Hunde und Kühe auf der Straße stehen, TucTucs (Rikschas), Autos, Fahrräder, Motorräder, Fußgänger, Kamele und vieles mehr durcheinander und trotzdem im Einklang auf der falschen Straßenseite. Die Zeit nutzen wir für Schnappschüsse durch die Fensterscheibe unseres Büsschens. Ich werde diese Art zu fotografieren sicher nicht kultivieren, aber sie ist authentische für die Eindrücke und Fülle von Hinguckern.

Beim Lunch die erste Kobra aus dem Korb. Ich gucke weg und überwinde mich vorbei zu gehen. Das Essen im Restaurant ist wunderbar. Tandoori und Brot, eine tolle Kombination. Wir achten beim Getränkekauf auf die Siegel an der Flasche und trinken zum ersten Mal das stille Wasser, welches wir nach zehn Tagen Indien nicht mehr sehen wollen. Vielleicht auch weil es einfach nach drei bis vier Litern am Tag nicht mehr so lecker ist. Wir schwitzen aber alles brav wieder aus, ohne es richtig wahrzunehmen.

Um etwa fünf Uhr nachmittags setzten uns unser Mann und der Fahrer am Bahnsteig ab. Der Fahrer freut sich über eine kleine finanzielle Zuwendung. Er hat uns klasse gefahren! Ich frage mich immer noch woher das Einschlußloch kommt. So schlimm fährt der nicht!

Der Zug ist mit acht Betten pro offenem Abteil eine kleine Freude nach dem anstrengenden Tag. Wir schlafen zusammen mit einem älteren Inder im Abteil. Der Mann freute sich auf seine Pritsche unten im Abteil nicht ganz zu unrecht. Zwar ist der Zug bei Außentemperaturen von etwa 40 Grad Celsius mit ca. 25 Grad angenehm klimatisiert, aber oben unter der Decke ist es eng und man stößt sich beim Aufstehen ständig die Birne. Nach vielen Stunden Fahrt haben wir in der Nacht eine kurze Schreckminute, weil wir verstanden haben, wir wären angekommen. Der Mann der reinkam um Getränken zu verkaufen, hatte mit einem schwer zu verstehenden indischen Englisch aber “Jaipur” gesagt und nicht unser Ziel “Jodhpur” gemeint. Wir legen uns bis zum frühen Morgen wieder hin. Richtiges Schlafen geht nur in kleinen Perioden und so sind wir am nächsten Tag sehr froh als wir wohlbehalten in Jodhpur ankommen.


Zu Gast im Indrashan, Jodhpur: Audienz bei Maharaj Chandra & Rani Bhavna unter Verzicht auf jegliche höfische Etikette. Diesen warmherzigen Gastgebern merkt man nie an, daß sie zur ersten Gesellschaft Indiens gehören.

 *Anmerkung von Bernd: Zu dem sanften Vorwurf "Du hättest das wissen können…" könnte ich anmerken, daß Delhi eigentlich kein Teil der Rajputana Discovery ist. Hier kommt man je nach Flugverbindung früher oder später an, hat manchmal nur Zeit, sich frisch zu machen - in anderen Fällen wie hier fast den ganzen Tag. Was wir mit der Anschlußwartezeit zum Nachtzug nach Jodhpur machen, ist eigentlich unsere Entscheidung - dumm nur, daß die Inder oft zu wissen glauben, was wir wollen, und einfach losfahren.

Doch das ist nicht der Punkt - es ist vielmehr die Psychologie der Rajputana Discovery, die Peter gleich in den ersten Stunden auf indischem Boden infrage stellte. Denn im weiteren Bericht merken wir, daß die Vier aus Kempen noch eine Menge Baudenkmäler besucht haben. Das habe sie auch dann sehr genossen. Es ist nämlich ein Unterschied, ob man von einem "Touristen-Fahrer" (Delhi) herumkutschiert wird, oder mit unseren Gastgebern Zeitzeugen ihrer eigenen glorreichen Vergangenheit besucht. Insofern habe ich mich über den Denkanstoß zum Thema Delhi gefreut: Wir müssen gerade in de ersten Stunden einer solchen Reise ein passenderes Entree bieten. Und Chandra weiß das auch jetzt.

Jodhpur: Die Menschen sind uns ganz nahe

Bei unserer Ankunft auf dem Bahnhof in Jodhpur wird uns wieder klar, dass wir eine andere Hautfarbe haben. So fühlt sich das also an, wenn man anders ist in einem Land. Man wird in Indien noch sehr freundlich bemustert. Allerdings vergessen auch diese Menschen oft den Mund wieder zuzuklappen.


Lady Ba ist Chandras Mutter und heißt eigentlich Lakshmi - aber so nennt sie niemand hier.

Chandra holt uns persönlich am Bahnhof ab. Ein Träger schleppt die schweren Koffer für umgerechnet einen Euro - hier ist es viel Geld, was keiner zahlt, es sei denn er ist in einer anderen Bruttosozialproduktklasse unterwegs. Wir sind erleichtert als wir unsere Gastgeber Bhavna & Chandra näher kennen lernen und feststellen, dass sie besonders Nette sind. Ebenso die ältere Mutti Lady Ba, die ganz schön schlau und wach ist, die Angestellten und Köchin. Wir schreiben uns ins Verzeichnis und genießen die Ruhe und die unaufdringliche Art im freien Innenhof zu plauschen.

Gleich wird uns angeboten, auch mal in der Küche vorbeizusehen. Wie man an den vielen Fotos sieht, haben wir das reichlich genutzt. Jetzt lernen wir, wie der Masala Chai zubereitet wird: kochendes Wasser mit Tee, die Gewürze hinein, kochen lassen und zum Schluß die hier nicht pasteurisierte Milch auch noch mal mitköcheln lassen, fertig.

Zu Essen gibt es unter anderem die grünen “Ladyfinger”, in Deutschland Okra genannt. Zum Lunch/Mittagessen essen wir vegetarisch. Dabei könnte es unserer aller Meinung nach auch bleiben bei diesem wunderbaren Geschmack und der Vielfalt. Abends allerdings serviert man uns auch Fleisch in ganz herrlicher indischer Weise. Mal ist es Lamm, dann Leber von der Ziege (super lecker), mal Hähnchen. Immer etwas scharf und nachwürzen kann jeder nach belieben. Es stehen immer drei bis vier verschiedene Speisen zur Auswahl und man kann wirklich leicht nachvollziehen, dass wir zwei Teller voll aßen.


Rani Bhavna bittet zu Tisch: Zu den verschiedenen Curries gibt es Reis und - in speziellen Thermosbehältern - frische Chapathi.

Der Mond übrigens ist wie in Afrika ganz anders als in Deutschland. Von Indien aus sieht man den Hasen!

Fazit: wir haben uns von der Reise erholt, haben eine tolle Gastfamilie und ebenso gute Zimmer wie Essen erwischt. Und die Menschen hier sind einem ganz nahe, selbst wenn einige kein Wort mit einem reden, merkt man ganz genau, wie es warm wird ums Herz, wenn man hinfühlt.

Jeepsafari über Land: Nach Chandelao

Heute reisen wir von Jodhpur nach Chandelao in die Wüste. Dabei sind wir in einem ziemlich kleinen Jeep untergebracht, in dem wir die Köpfe flach halten müssen, um nicht mit dem nächsten Hupfer am Gestänge zu enden. Die Tour lohnt sich, denn wir kommen bei einem Töpfer vorbei, von dem man in Deutschland auf Grund der Arbeits-Verhältnisse wohl annehmen würde, dass es nichts werden kann. Es kann aber sehr wohl. Der Mann dreht die schwere Scheibe mit einem Ast und gibt Schwung, der sich wohl etwa acht Minuten hält. Es reicht für drei Töpfe und die dreht der Mann so präzise, dass Topf und Deckel keinen Millimeter überstehen. Auch hat er den nötigen Witz für lustige Dinge die man nach der Vorführung ergattern kann und will.

Zweite Station ist eine Art Drogerie mitten in der Wüste. Es läßt sich am Zubehör unschwer erkennen, dass es ernst wird und mit dieser Art Medikament läßt sich der Magen bei Durchfall gut reparieren. Die Familie ist sehr gastfreundlich uns zeigt und die komplette Wohnung, die nach unseren Maßstäben spartanisch anmutet, jedoch alles bietet und sehr sauber ist. Bei dem Staub und Sand in der indischen Wüste Rajasthans wundert man sich über die saubere Kleidung und vor allem den sauberen Sari, den die Gastgeberin trägt. Das Leben ist sicher minimalistisch, aber nicht unkultiviert und das Lachen der Hausherrin zeigt dass die Menschen hier sehr wohl glücklich sein können. Was uns in Europa nicht hindern darf zu helfen.


Die Burg in Jodhpur heißt Meherangarh - "Garh" heißt "Fort, Burg", und "Meherangarh" bedeutet "Majestätische Burg".  Und das ist sie zweifellos mit 5 km Länge und bis zu 35 m hohen Mauern auf einem 125 m hohen Felsen inmitten von Jodhpur.

Nächste Station ist ein Teppichhändler, der alle Frauen der Umgegend engagiert zu haben scheint, um selber gut leben zu können. Drei kleinere Solaranlagen und ein Telefon mitten in der Wüste muten völlig paradox an, sind aber hier zu beobachten. Ich habe keine Fotos gemacht, da es in der ganzen Verkaufsform an einen westlichen Laden erinnerte und mich neben meinem Desinteresse auch von der Weltlichkeit des Inhabers nicht ansprach. Aber das eigentliche Ziel ist Chandelao und damit ein kleines Dorf mit etwa 1.700 Einwohnern. Wir steigen bei Pradyuman Singh ab, einem sehr netten Mann, der mit dem Wiederaufbau seines Forts auch das Dorf unterstützt und eine wichtige Funktion als Arbeitgeber hat.

Am Mittag treffen wir Kinder, die auch zu Besuch in dem Fort sind und machen ein bißchen Aikido mit Ihnen. Ein kleines Seminar sozusagen. Rollen vorwärts, rückwärts, unten auf dem Boden und im Stehen. Die Kinder machen alle mit und haben offenbar großen Spaß. Mir ist bei 40 Grad nach kurzer Zeit sehr warm und es öffnen sich die Poren. Sprich ich schwitze alles Wasser sofort wieder aus. Geraldine und Esther-Sensei vertreten mich ein bißchen. Ich mache weiter und als die Kinder nachmittags gehen, spendieren sie uns allen Blumen zum Dank. Eine sehr liebe Geste und schon haben wir ganz viel kommuniziert ohne viele Worte zu reden.

Dieses Dorf ist näher dran als alles was wir bislang gesehen haben. Größere Städte wie Delhi, Jodhpur und andere, haben den Charakter von Geld und starken Kontrasten von Farben und Finanzen. Hier jedoch sind die meisten Bewohner sehr offen und aufgeschlossen uns gegenüber, lächeln uns an und machen den Eindruck, sich über unseren Besuch zu freuen.


Aikido auf dem Rasen des Chandelaogarh

Wir gehen ins Dorf, treffen viele Kinder und auch teils deren Eltern, werden eingeladen in ein Haus wo uns der Hausherr Wasser anbietet, was wir mit Rücksicht auf unsere europäischen Gedärme dankend ablehnen. Geraldine und Esther-Sensei bekommen die Fingernägel lackiert. Das Mädchen möchte uns unbedingt etwas mit auf den Weg geben. Wir treffen Menschen vor dem Dorf in der Wüste und bekommen Bohnen zum Probieren, gehen zum Brunnen, wo einige junge Frauen das Wasser holen. Es ist eine sehr herzliche Tour mit vielen netten Gesten und Kindern die nicht genug fotografiert werden können. Farben, Kontraste, Eindrücke und viel menschliches. Wir sind einigermaßen erschöpft von all den Impressionen und lieben Begegnungen.

Eine Kamelsafari und eine charismatische Lady

Nach ein paar Schnappschüssen vom Fort Chandelao Garh machen wir eine Kameltour durch die Wüste. Gut eingeschmiert und mit Hütchen habe ich die Kamera wegen des Staubes nicht mitgenommen. Zur Mittagszeit sitzen wir an einer Trinkstelle für Menschen und Tiere, die uns wie eine Oase vorkommt. Unsere Kamele legen sich hin und wir sitzen auf einer Decke und machen Picknick. Ganz schön dekadent finden wir.

Der Höhepunkt des Tages ist aber nicht dieser Ausflug, sondern der Kochkurs bei Sajjan, der Dame des Hauses. Sie hat eine ganz besondere Ausstrahlung (ich nenne das auch gerne Aura) und wir lernen bei ihr nicht nur kochen sondern auch etwas über das Leben, doch dazu später. Sajjan hat dicke graue Haare, die ab und zu unter dem Sari hervorblitzen. Ihre Augen und Ausstrahlung sind überaus warmherzig und das äußert sich auch in ihren Worten.


Mit Chandra (m.) im Jain-Tempel. Der Priester erklärt gestenreich in Marwar, und Chandra übersetzt für uns ins Englische

Sie kocht heute abend für uns draußen im Garten auf einem Öfchen ein indisches Gericht mit Bohnen und anderem lokalen Gemüse. Interessant wie zuerst der Knoblauch in Stücken ins heiße Öl kommt und braun wird. Bei mir schmeckt der dann immer sehr bitter, aber vielleicht ist es deshalb anders, weil ich den Knoblauch immer in Stückchen schneide und hier von Sajjan ganze Zehen reingeworfen werden. Später folgt dann noch die Knoblauch-Ingwer-Paste. Allerdings schmeckt man den Knoblauch bei diesem Essen nicht wirklich raus. Das liegt sicher an den anderen Gewürzen wie Garam-Masala und Kurkuma etc., die dem Essen einen einzigartigen wunderbaren Geschmack verleihen. Wir reden mit Sajjan über das Essen, die Kultur und merken schnell die Weisheit dieser alten, junggebliebenen Dame. Wir gehen in die Küche, um den Koch und andere bei der Zubereitung des Abendessens zu treffen. Wieder einmal wird das leckere Brot Chapati gebacken und wir sitzen abends auf der Terasse, schauen in die Sterne, sehen den Hasen im Mond und denken viel über Indien nach. Ein wunderbares Land voller Kontraste, was wirklich sehr starke Emotionen loslöst, wie Geraldine es richtig ausdrückt.

Es ist ein besonderer Abend als sich auch Sajjan zu uns an den Tisch setzt und mit uns ißt. Wir sitzen ganz lange zusammen und reden ein bißchen, auch als wieder mal der Strom ausfällt und wir Kerzen auf dem Tisch haben. Dann sind da diese Pausen, die mir wie mehrere Minuten vorkommen, in denen wir gar nicht reden. Sajjan guckt uns alle einzeln der Reihe nach an und ich bekomme ein sehr warmes Gefühl im Herzen. Sie weiß alles über uns, in ganz kurzer Zeit, ohne uns gefragt zu haben. So viel ist sicher. Es ist schwer zu beschreiben was sich da an diesem Abend tut. Jedenfalls viel Kommunikation ohne Worte. Man muß es auch Liebe nennen. Und eine ganz besondere Erfahrung.

Anmerkung von Bernd: Wie es weiter ging auf der Reise, kannst Du in Peters Blog lesen. Schon wegen der tollen Fotos lohnt der Besuch bei Log.Roskothen.de - Für die INN beschließen wir zunächst Peters Reisetagebuch mit ein paar Gedanken, die Indienreisenden unweigerlich nach der Rückkehr durch den Kopf gehen.

Persönlichkeitsrechte?


Mit Lady Ba (l.) und Rani Bhavna (m.) auf dem Innenhof des Indrashan in Jodhpur. Bhavna hat neue Kuncha-Sessel angeschafft - traditionelle und bequeme Möbel der Region aus Kuncha, einem Wüstengras, das nur hier wächst.

Als Fotokünstler fällt mir nach unserer Reise noch was zum Thema Indien ein: In Deutschland ist jeder sofort um seine Persönlichkeitsrechte bemüht, wenn man ihn zufällig fotografiert. In Indien ist das ein Grund in die Kamera zu lächeln und sich zu freuen. Es fällt mir schwer zu verstehen, warum das so ist; warum die Deutschen gleich Panik bekommen wenn sie ein Fotograf auf Zelluloid bannt. Liegt es daran, dass so viele Menschen fremd gehen und nicht mit der Freundin am Arm auffallen möchten? Oder hat es damit zu tun, dass jeder glaubt er hätte ein Recht und müsse es nutzen, obwohl er es nicht in Anspruch nehmen muss und ohne es wirklich zu kennen?

Ganz schön durcheinander

Zurückkommen aus Indien heißt auch ganz schön durcheinander zu sein. Es fällt mir nicht einfach, die Bedeutung von Haushalt und Job zu finden, nach den wichtigen Impressionen aus Indien. Alles scheint recht unwichtig im Vergleich zu den massiven Eindrücken von Schere zwischen finanzieller Armut und Reichtum, offenen Herzen, Freude von Menschen an uns als Besuchern und anderen sehr verwirrend uneuropäischen starken Emotionen. Das Sprechen über und Verstehen der anderen Kultur Indiens gehen einher mit dem dringenden Wunsch, den finanziell Ärmeren Hilfe zur Selbsthilfe geben zu können. Ein gutes Projekt mit eigener Hilfe oder Zuwendung zu unterstützen wie “Fairtrade” z.B.. Ich bin durch den Wind, in Gedanken immer wieder auf der Suche nach mehr Sinn als nur Geld verdienen und vor sich hin leben, essen, konsumieren, arbeiten und vergessen. Es war ein ordentlicher Schub in die Richtung über sich und den Sinn des Lebens nachzudenken. Ein sehr erhoffter und erwünschter Kick in den Allerwertesten.

Report: Neue Ziele & alte Freunde

So lieben es die Wiederholungstäter, wenn sie erneut nach Indien aufbrechen: Sie wollen lieb gewonnene Freunde wieder treffen - aber auch zu neuen Ufern aufbrechen. Bei den beiden Freundinnen Hille aus Kaarst und Gisela aus Dormagen waren das in erster Linie die Ufer des Ganges. Lest den "Krankheitsbericht" von Hille, die auch nach ihrer siebten Indienreise erkennen muß: Der "virus indicus" ist nicht heilbar!


Neue Zimmer
hat Chandra im letzten Sommer auf der Terrasse des Indrashan gebaut - 2 Doppelzimmer mit Bad im ersten Stock

Im ganzen waren es vier ehemalige KD-Gäste, die ich erneut zu Bhavna & Chandra in die Wüste schicken durfte. Da aber eigentlich jeder für eine neuerliche Indienreise ganz individuelle Interessen anmeldet, gebührt der logistischen Leistung Chandras hier besonderes Lob. Unter seiner Regie machten Christine, Ursula, Hille und Gisela den ersten Teil der Tour gemeinsam. Erst nach der Zeltteilung auf der Pushkar Mela kam es dann zur Zellteilung: Die Vier teilten sich in zwei Zellen: Ursula und Christine gingen in den warmen Niederungen auf die Pirsch, während Hille und Gisela die Winterjacken auspackten und dem Ruf des heiligen Ganges folgten.

Hilles Bericht lag eine CD mit 137 Bildern von dieser Novemberreise 2005 bei. Aus dieser Fotoauswahl stammt die Garnierung dieser Reiseberichterstattung, die ich mit Bildunterschriften und einigen Überschriften zur Gliederung ergänzt habe. Der "O-Ton Hille" ist zu Ehren der Autorin wie üblich fett-kursiv hervorgehoben. Den Reiseverlauf können Interessenten online unter "Reise R53" nachschlagen.


Die guten Adressen für traumhafte Stoffe kennt Bhavna (r), und Hille (m) & Gisela (l) sind schon ganz geschafft von der Durchsicht meterhoher Stapel schöner Schals. Zum Glück ist es Tradition, guten Kunden Chai zu servieren. Und "Guter Kunde" ist eine Übersetzung des Wortes "Tourist"…

Die Vielfalt der Namen mag Euch verwirrend vorkommen, aber wichtig dabei ist lediglich, daß Bhavna & Chandra als Organisatoren unserer Nordindientouren wahrhaftig fast überall verwandt, verschwägert oder zumindest gut befreundet sind. Das ist unseren KD-Prinzipien wichtig, denn so kommen wir auch an neuen Wunschzielen privat bei netten Familien unter und brauchen nicht ins Hotel.

Wiedersehen in der blauen Sun City

Bei unserer Ankunft in Jodhpur erwartet uns Chandra am Bahnhof und wir fahren zur Indrashan Residenz. Es ist ein herzliches Wiedersehen mit Bhavna und Lady Ba. Zu unserer Überraschung ist Margaret aus England auch wieder zu Besuch. Vor zwei Jahren hatten wir sie dort kennen gelernt. Wir haben drei wunderschöne Tage vor uns. Wir gehen verschiedentlich mit Bhavna Stoffe einkaufen und lassen uns Punjabi Suits machen oder bummeln durch die blaue Stadt und kaufen im alten Bazar jede Menge Gewürze. Und mittags und zum Abend gibt es immer köstliche Mahlzeiten im Indrashan.

Eines Nachmittags nimmt uns Lady Ba mit zu einem Dorf, wo wir den Hochzeitsvorbereitungen einer Braut beiwohnen dürfen. Am letzten Abend, Christine und Ursula sind inzwischen auch angekommen, lädt Chandra uns zum Abendessen ins ROCK ein, einem sehr schönen Gartenrestaurant. Nun heißt es wieder Abschied nehmen.


Mit Lady Ba, Chandras Mutter, durften sie in einem nahegelegenen Dorf bei den Vorbereitungen einer bunten Landhochzeit dabei sein. Die verhüllten Gesichter der Musikerinnen haben nichts mit der Qualität der Darbietung zu tun. Zu Harmonium und Dholaktrommel werden glückbringende, manchmal auch frivole Lieder für das Brautpaar gesungen.

Da Christine so ausführlich die Eindrücke der ersten zwei Wochen geschildert hat, werde ich ab Agra, wo sich unsere Wege trennten - Christine und Ursula zurück nach Rajasthan und Hille und Gisela Richtung Norden - weiter berichten.

Kurs Himalaya - unbekannte Ziele locken

Nur möchte ich noch erwähnen, dass ich im Gurdwara von Gwalior einen alten Sikh wieder traf, den ich vor sieben Jahren dort kennen gelernt hatte. Er lud uns zum Tee und zum Essen ein. Auch bot er uns an, beim nächsten Besuch kostenlos im Gurdwara zu wohnen und zu essen so lange es uns gefallen würde.

Wir fuhren mit dem Zug von Agra nach Dehradun. Zug fahren in Indien ist sehr komfortabel. Man wird mit Wasser, Tee und warmem Essen bei Laune gehalten. Als Gäste im Simur House von Maharaja Udai und seiner Frau Razika verbrachten wir wunderschöne Tage in Dehradun. Ein stilvolles Anwesen in einem herrlichen Garten. Beeindruckend ein großes Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad und Loggia zum Garten für jeden von uns. Auch wundervoll, endlich mal fünf Nächte im selben Bett! Im Empfangsraum hängt ein riesiges Tigerfell an der Wand. Mit verschmitztem Lächeln verweist Udai auf seinen Großvater als  „Missetäter“.


Die bekränzte Braut lächelt selten - am wichtigsten Tag des Lebens steht man unter ganz besonderer Anspannung.

Jeden Tag sind wir unterwegs zu den verschiedenen Städten und Sehenswürdigkeiten. Abends vor dem Essen sitzen wir dann alle gemütlich beisammen, hören Musik,  haben unseren Drink und jeder erzählt von sich, seinen Abenteuern und Familie. Wir haben oft alle so herrlich gelacht über Begebenheiten, auch unsere Gastgeber haben sich köstlich amüsiert. Anschließend wird immer ein mehrgängiges Abendessen serviert. Und stell dir vor, als Gisela sich nicht wohl fühlt, kommt Udai mit seiner Medizinbox herbeigeeilt -  und siehe da, ich staune: Er hat alle zwölf  Schüsseler Salze vorrätig. Udai und Razika erzählen auch einiges aus ihrem Leben. An einem Abend, Razika hat uns diese „Privataudienz“ ermöglicht,  fahren wir alle zusammen zum Ashram eines Gurus und lernen „Babajee“, einen wunderbaren Menschen kennen.

Herrschen Herrchen?

Unsere liebenswürdigen Gastgeber haben zwei alte Hunde - Missie und Chips. Chips hat die typische „Liebenswürdigkeit“ alter Herren angenommen und knurrt Udai bei jeder Gelegenheit an. Dieser Chips sitzt abends sehr oft vor seiner Schlafzimmertüre, und sobald Udai erscheint, zieht er grimmig seine Lefzen, knurrt und bellt das Haus zusammen. Um diesen Lärm zu vermeiden, „schleicht“ sich Udai durch seinen Garten von hinten durch sein Arbeitszimmer ins Schlafzimmer. Da fragt man sich, wer wirklich der Herr im Hause ist!!

"Giselae Himmelfahrt" in Grün


Wunderschöne alte Häuser sahen sie beim Spaziergang durch die Altstadt der Blauen Stadt Jodhpur

Wir verbringen einen hochinteressanten Tag in Haridwar. Nach Besichtigung verschiedener Tempel - zum Chandra Devi Tempel mußten wir mit einer Seilbahn hoch auf den Berggipfel - Giselas bleich gewordenes Gesicht hatte schon fast einen Schimmer von grün - warten wir auf den Sonnenuntergang, um der heiligen Handlung des abendlichen Lichtopfers der Priester des Shivatempels beizuwohnen. Diese Handlung beginnt bei Sonnenuntergang mit Gesängen und Schwenken riesiger Feuerflammen. Zwischenzeitlich gehen wir zum Ufer des Ganges, sehen den Waschungen der Gläubigen zu, und Jaideep vollzieht eine Puja mit einem Priester, so dass wir auch dies kennen lernen.

Nachts auf dem Heimweg nach Dehradun sind mit uns Hunderte von Hochzeitsgesellschaften in ihren Autos auf den schmalen Straßen unterwegs. Bernd du weißt, was das heißt! Auf dieser zweispurigen Straße sind mindestens vier Autos nebeneinander unterwegs oder beim Überholen kommen uns zwei bis drei mit riesigem Hupkonzert gleichzeitig entgegen. Da kann man nur noch die Augen schließen und hoffen!

Rishikesh hat außer den Sehenswürdigkeiten ein Restaurant namens „Chotiwalla“. Die Mähr besagt, dass der erste Eigentümer sich immer den Kopf bis auf einen Haarbüschel rasierte und man ihn „Chotiwalla“ und sein Restaurant dann ebenfalls nur so nannte. Zum Amüsement aller sitzt heute immer noch ein als Chotiwalla verkleideter Mann vor der Türe und bittet die Gäste, einzutreten. (s. Foto).

In Moussorie angekommen wandern wir an vielen Buden vorbei zum Kempti Wasserfall. Dort lassen sich die Jungvermählten gerne auf einem kleinen Felsen, der mitten im Wasserbecken liegt, fotografieren. Nicht selten endet solch ein Hüpfer auf den Felsen mit einem Platsch ins Wasser! Das wird von den Zuschauern mit großem Gelächter belohnt. In Moussorie kann man wohl die besten Rudraksh Mala und auch Sphetic (Kristallperlen) Ketten kaufen.

Hinauf nach Shimla

Leider müssen wir nun von unseren wunderbaren Gastgebern Abschied nehmen und unsere abenteuerliche Fahrt geht über enge Serpentinen hoch in die Berge hinauf nach Shimla. Wir brauchen einen ganzen Tag dazu. Gisela hat wieder mit der Höhe zu kämpfen. Das Hotel ist sehr gut, aber bei 5° des Nachts ohne Heizung ist das Duschen auf eisigem Marmorboden ein Abenteuer.


Das (K)inderbild der Woche wird langsam obligatorisch für die
(K)inderNettNews - dieses hier fing Hille in einer Jodhpur-Schule ein - wohl just in dem Moment als die Girls herausfanden, daß die sonderbar gekleideten Fremden ebenfalls weiblich waren….

 In Shimla hätte ein Tag genügt, dafür hätten wir gerne im ersten Teil unserer Reise in Gwalior (siehe Christines Bericht) noch einen weiteren Tag zur Verfügung gehabt. Aber eine spontane Einladung zum Tee von Jaideeps Tante hoch auf dem Berg war eine schöne Erfahrung.  Wir lernen eine sehr interessante und liebenswürdige Dame kennen. Sie und ihr Bruder leben zusammen in einem wunderschönen Haus mit einem herrlichen Rosengarten. Natürlich wurde wieder viel erzählt, auch von Familienfesten, wo sich dann hier locker zwanzig oder mehr Gäste einquartierten.


Seit Jahrzehnten die gute Seele des Indrashan, Jodhpur:
Vimlabai ist Köchin und Dienerin der fürstlichen Gastgeberfamilie. Fotos sind selten, denn sie ist sehr scheu. Mir als Mann hätte Vimlabai niemals so offen in die Kamera geschaut - bei Hilles Linse war das anders.

Die Aussicht von den Höhen rund um Shimla ist fantastisch. Wir steigen auf dem höchsten Punkt, 2800 m hoch, hinauf zum Zakhu Tempel. Die Herren in und um diesen Hanuman Tempel herum sind natürlich die Affen. Diese rotgesichtigen kleinen Teufel sind sehr angriffslustig, springen uns an, um Brillen oder Kameras wegzureißen. Blitzschnell verstecken wir alles unter unsere schnell zugeknüpften Jacken. Einer springt mich von hinten an und will mir in die Hosentasche greifen. Dadurch findet die Besichtigung ein relativ schnelles Ende!


Freude über das Wiedersehen auf beiden Seiten - Hille traf den freundlichen Sikh mit dem prächtigen Bart im Gurudwar von Gwalior wieder

Abends kommt Gisela auf die tolle Idee, uns bei der Kälte Rum, Zucker, Zitrone und heißes Wasser zu bestellen und mischen uns damit alle drei einen steifen Grog. Die Kellner im Restaurant schauen etwas ratlos zu. Na ja, diese komischen Ausländer!

Jetzt geht's wieder bergab

Nach zwei Tagen Shimla fahren wir hinunter nach Chandigarh. Dort verbringen wir ein paar schöne Tage in einem wiederum wunderschönen Haus. Roopa, die Hausherrin ist Bhavnas Cousine. Auch hier wieder die Ahnengalerie gespickt von Maharajas und Maharanis. Die Schwester von Roopa ist mit dem Rana von Nepal verheiratet. Sie haben einen riesigen Dalmatiner, der auf den Namen „Spike“ hört - aber auch nur, wenn er will! Die Haustiere in den indischen Familien werden alle sehr geliebt und verwöhnt. Die Gespräche abends mit Roopa, einer modernen jungen Frau, sind auch wieder bereichernd und lustig. Einen Tag werden wir zu den Schwiegereltern Roopas und Jaideeps auf ihr Fort zum Mittagessen eingeladen. Ein toller alter Bau mit einem wunderschönen kleinen privaten Shivatempel mit Spiegeldecke.

Interessant in Chandigarth ist auch der „ROCK GARDEN“. Aus Glas, Porzellanabfällen, alten Steckdosen etc. wurden die phantastischsten Figuren und Szenen erstellt und farbig bemalt...

Von Chandigarh nach Jallandhar


Im Altarraum des Gurudwar von Gwalior

Unsere letzte Station ist Jallandhar im Punjab. Wir werden von der Hausherrin Asha und ihren Dienern herzlich begrüßt. Wiederum ein toller Feudalsitz. Beide haben wir große Zimmer mit Bad. Aber Asha hat wohl das Kopfkissen und die Decken aus einer Kiste mit vielen Mottenkugeln genommen und ohne zu lüften auf die Betten legen lassen. Bei jedem Atemzug: Mottenkugel. In der ersten Nacht bin ich fast erstickt und hätte am liebsten die Nacht in der Halle verbracht. Asha war sehr liebenswürdig, aber hatte auch ein „einnehmendes“ Wesen. Sie hatte unsere Tage schon total für uns und natürlich mit ihr zusammen so verplant wie sie es sich dachte, ohne uns mit einzubeziehen. Auch eine neue Erfahrung.

Ein Tag Amritsar, ein ganz wunderbares Erlebnis. Würde ich gerne noch einmal wiederholen. Die Atmosphäre in diesem riesigen Tempelkomplex mit kostenloser Garküche für jeden ist einmalig.

Am nächsten Tag hatte Asha die Erlaubnis zur Besichtigung einer Fabrik bekommen, die alles fürs Kricketspiel herstellt. Leider habe ich keine Ahnung von diesem Spiel. Es ist das Lieblingsspiel der Inder. Aber zuzusehen, in welch penibler Handarbeit Schläger, Bälle und ganzen Ausrüstungen bearbeitet werden, ist schon beeindruckend.


Beeindruckt waren unsere Gäste beim Besuch des buddhistischen Klosters in Dehradun

Des Abends sind unsere Gastgeber zu einem Hochzeitsempfang eingeladen. Sie nehmen Gisela und mich mit. Der Empfang findet in einem angemieteten Garten statt. An die dreihundert oder mehr Gäste erscheinen und die Damen sind alle in wunderschönen Saris und mit ihrem herrlichen Schmuck bekleidet. Wir wandeln überall an Garküchen und Kuchen- und Getränkeständen vorbei, wo wir uns beliebig bedienen können. Bei Punjabi Musik werden von den Tänzern typische Volkstänze vorgeführt und später tanzen auch die Gäste - männlich und weiblich - mit. Habe auch einfach mitgetanzt. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht.

Resümee

Am nächsten Morgen um 6 h fahren wir dann mit dem Zug nach Delhi, und von dort fliegen wir wieder nach Düsseldorf.


Zu Gast beim Maharaja Udai und seiner Maharani Razika in Dehradun - Hille (l.) in nobler Runde

Bernd, dies war einer der schönsten all meiner Indienreisen. Wir lebten immer mit  den Familien und Jaideep war mit allen irgendwie verwandt. Er machte es oft möglich, dass wir Zugang zu Dingen und Menschen fanden, die wir auf einer normalen Reise nie hätten erleben können. Besonders schön war es, Menschen wie Bhavna, Chandra, Giri und den alten Sikh wiederzusehen. Auf solch einer Reise hinterlässt man immer Freunde und hofft, sie alle und auch die neuen Freunde, zum Beispiel Udai und Razika, wiederzusehen. Ich nehme immer mit Wehmut Abschied von diesem Land und seinen liebenswürdigen Menschen.

Nebenbei, es war meine siebte Indienreise! Schwersterkrankung am Virus Indicus, sozusagen unheilbar!!

Weitere Fotos von dieser Reise im Rahmen der Erstveröffentlichung in den INN 332

"Nicht ohne meine Tochter"

Dieser Titel soll nicht an die gleichnamige Flucht aus dem Iran erinnern, aber er trifft es trotzdem sehr gut. Auf ihrer Rajputana Discovery im November war für Rebecca ihre Tochter Anina Hauptperson. Nicht zuletzt ihretwegen hat die geborene Schweizerin mit Wahlheimat Spanien vornehmlich das ländliche Indien gesucht. Rebecca war nicht zum ersten Mal im Land der Maharajas, und sie wußte, daß Gandhi recht hatte: Die Seele Indiens findet man in seinen Dörfern. Deshalb hat Rebecca sich und ihre Tochter auch frühzeitig angemeldet, um mit dem KD-Recht der Erstanmeldung den Reiseplan anpassen zu können. Und dies geschah zu Gunsten der Landaufenthalte. Lest heute, was Rebecca für Euch zu berichten weiß.

Lieber Bernd

ich möchte in meinem „Rückblick“ v.a. auf meine absoluten Highlights eingehen – nämlich: das Land-und Dorfleben. Zuerst möchte ich sagen: “Es war so wie ich es mir gewünscht habe!“


Kurzzeitig auf eigenen Füßen - die kleine Dimpal mit ihrer großen Schwester am kleinen See von Chandelao  (Foto: Rebecca aus Alicante)

Chandelao hat mir enorm gut gefallen. Bei unserer Ankunft dort haben die Kinder sofort Anina entdeckt und die Annäherungsversuche blieben auf beiden Seiten nicht aus. Nachdem wir uns in den schönen und ansprechenden Zimmern eingerichtet hatten ging Anina dann raus vor das Tor und war natürlich sofort umringt. Nach einer Viertelstunde kam sie rein und sagte: „Mama, ich bin bei den Mädchen schräg gegenüber.“ Nach einiger Zeit ging ich um die Situation zu „prüfen“. Da hockten sie dann alle vereint am Boden, lachten, staunten und versuchten Anina ein Spiel mit Steinen beizubringen. Die Knöpfe sprachen alle kein englisch aber es funktionierte bestens. So ging das mit den Dorfkindern und Anina all die Tage. Schon am morgen früh hörten wir die ersten unter unserem Fenster wie sie „Aniiiiiiiiiiiiiiiiiina“ riefen. Es gab dann auch prompt etwas Knatsch unter den Knirpsen weil sie sich nicht einig waren zu wem denn Anina heute gehen soll. Sie haben sie mitgenommen zum See um Wasser zu holen, sie haben ihr gezeigt wie man Chapatis zubereitet und am Abend die Wasserbüffel melkt.


(Foto: Rebecca aus Alicante)

Nach zwei Tagen bemerkte ich, dass Anina immer ein kleines Mädchen auf der Hüfte mit sich herumtrug. Auf meine Nachfrage meinte Anina: „das ist Dimpal und sie will einfach immer getragen werden“.

Monshu hat Anina ein wunderschönes Mendi auf die Hand gemalt und alle girls waren sich einig – die Jungs nerven, man will unter sich sein!

Ich selber habe jeden Tag meinen Dorfspaziergang gemacht, aber nur einmal ohne jemanden mitzunehmen als Begleitung. Am Schluss konnte ich mich kaum mehr fortbewegen vor lauter Kinder. Da gerade Diwali gefeiert wurde hatten sie auch alle schulfrei. Mit einem angestellten Pradhumans  war´s  wesentlich angenehmer.

Häufig wurde ich reingebeten. Meist wurde dann Chai serviert und ich habe meiner Bewunderung über die vielen Ziegen und Wasserbüffel die in den Innenhöfen standen kundgetan, was dann die indische Farmersbrust stolz anschwellen liess. Alle waren freundlich, offen und fröhlich. Obwohl wenig da war hatte man das Gefühl, dass die Menschen hier geschützt und aufgehoben in einem sozialen, dörflichen Netz zufrieden sind.


Das Vieh kommt zur Tränke (Foto: Rebecca aus Alicante)

Zu Diwali, dem indischen Neujahrsfest, gab der Fürst, Pradhuman, eine Art Audienz. Da strömten sie herbei, die „beturbanten“ Männer und hockten sich rund um den Fürsten um zu diskutieren. Zerfurchte und gegerbte Gesichter konnte man da sehen, ältere und jüngere, mit goldenen Ohrringen die wunderbar zu der dunklen Haut passten. Und dann die Schuhe erst…… einfach schön! Etwas schüchtern, bei soviel männlicher Übermacht, habe ich Pradhuman gefragt ob ich ein Foto machen könne. Ich durfte, und habe dann auch dem  Fotografierten auf dem Display sein Bild gezeigt. Er war begeistert und tat das auch kund. Alle wollten sein Bild sehen. Einer nach dem anderen fragten mich dann ob ich sie auch fotografieren würde. Natürlich tat ich das noch so gerne und alle hatten wir unseren Spass. Und so kam ich zu einer kleinen Sammlung wunderschöner Männerbilder.

Ein tolles Erlebnis war auch der Auflug mit dem Kamelkarren. An einer grossen Wasserstelle machten wir halt. Es wurden unter einem grossen, schattenspendenden Baum Decken ausgebreitet. Wir bekamen ein Picknick serviert vom Feinsten. Nix da mit Sandwiches und Co! Reis, Dal, verschiedene Gemüse und Nan – perfekt! Urs und Tina wurden sogar mit einem kühlen Bier verwöhnt.


Attacke auf sämtliche Sinne - ein Basarbesuch 
(Foto: Rebecca aus Alicante)

Die Kulisse war genial. Eine Baumgruppe weiter lagerten Hirten mit ihren Schafen und Ziegen im Schatten. Kinder schauten uns belustigt beim Essen zu. Drei junge Frauen, Wasserkrüge unter ihren Armen, kamen um das kühle, kostbare Nass in ihre Gefässe zu füllen und diese dann, wunderbar balancierend, auf ihren Köpfen nach Hause zu tragen. Mit den farbigen Saris waren sie in der kargen Lanschaft Farbtupfen wie sie schöner nicht sein könnten.


Eine weise Frau, die viel zu erzählen hat - die Patriarchin der Gastgeberfamilie in Jodhpur: Chandras Mutter Lady "Ba" Lakshmi
(Foto: Rebecca aus Alicante)

Pradhuman gönnte sich ein Nickerchen und Urs fackelte nicht lange und tat es ihm gleich.

Einige Wasserbüffel genossen ein kühles Bad während kleine, weiss-braune Vögel auf ihnen rumhüpften um sie von Ungeziefer zu befreien. Ich entdeckte eine Wasserschildkröte die auftauchte um sich zu sonnen. Friedlich war es hier – wunderbar.

In Pershawar war die Landschaft grüner. Überall wurde Gemüse angepflanzt.Da fand man von Karotten, Auberginen, Blumenkohl, Paprika, Chilly über Futterpflanzen für die Tiere alles. Nur der Dorfteich sei so schmutzig, dass nicht mal mehr die Wasserbüffel darin baden wollen, sagte man uns. Irgendwie werden solche Dinge einfach als Tatsache, an der sich nichts ändern lässt, hingenommen - schade! Die Verschmutzung mit Plastikabfällen überall am Wegrand tut einem in der Seele weh.

Aber auch da wieder wunderbar freundliche, offene Menschen die sich riesig freuen wenn man ihnen, nachdem man gefragt hat natürlich, das soeben gemachte Foto auf dem Display zeigt. Sich fotografieren lassen ist übrigens eine sehr ernste Angelegenheit. Militärisch wirft „Mann“ sowie “ Frau„ sich in Pose. Angemessen ernsthaft fällt dann auch der Gesichtsausdruck aus – wie herrlich!!


"(K)Inderlieb" - daß unsere Kinder bei den Gastgebern besonders gut aufgehoben sind, versteht sich von selbst - Anina & Maharaj Chandra (Foto: Rebecca aus Alicante)


Kamera? Pose! (Foto: Rebecca)

Was mir auch gut gefallen hat war Jaisalmer. Obwohl natürlich mittlerweile mit vielen Touristen, empfand ich es nicht als so enorm laut und hektisch wie Jodhpur oder Udaipur. Die alten oder zum Teil auch schon neu renovierten Havelis sind eine Augenweide. Das immer noch bewohnte Fort mit seinen engen Gassen und kleinen Läden war für uns wie ein Abenteuerspielplatz. Es gab so viel zu entdecken!

Anina war von Dyvia und ihrem Bruder Shakti begeistert. Immer wieder fragte sie Dyvia ob sie wirklich eine echte Prinzessin sei.

Da ich den indischen Silberschmuck sehr gerne mag, fragte ich Dyvia wo ich wohl etwas spezielle Stücke finden würde. Kurzentschlossen fuhr sie mit mir in einer Motorriksha zu einem Haus irgendwo in der Stadt. Treppe hoch in den ersten Stock und schon brachte man riesige Gefässe gefüllt mit Silberschmuck und leerte sie vor uns auf dem Teppich aus. Da wurde die Wahl wirklich zur Qual.

Am Schluss, als ich einige Sachen ausgesucht hatte, fragte ich Dyvia leise (ab