
Reports
der Rajasthan-Gäste im Dialog mit Bernd
Diese Rubrik wurde am 16. Mai 2010 aktualisiert
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1. Reiseziele |
Inhalt
Josef: Im Land
der Wüstenkünstler
Rajasthan & Gujarat: "Three Ladies Going Native"
Jodhpur -
Wiedersehen mit Bhavna & Chandra
Reisebericht: "Qualität, nicht Quantität"
Eva &
Stefan: Unsere Seelen sind noch in
Indien
Nicht der
Wüstenwind wärmt das Herz
Jodhpur: Die
Menschen sind uns ganz nahe
Jeepsafari
über Land: Nach Chandelao
Eine
Kamelsafari und eine charismatische Lady
Report: Neue
Ziele & alte Freunde
Wiedersehen
in der blauen Sun City
Kurs
Himalaya - unbekannte Ziele locken
Von
Chandigarh nach Jallandhar
KD-Reisebericht:
Rajasthan ade…
Prinzessinnen,
Prinzen und ein wüstes Kamel
Charlotte & Johannes: Rajasthan Revival
Plötzlich
sprach alles dagegen
Stimmungsbarometer
steigt über „unerschütterlich“ auf „heiter“
Was der
Profitourismus nicht kann
Wenn der
Plan mal hakt, dann zu unserem Glück!
Rajasthan – eine
Discovery zu viert
Silvia aus
Berlin berichtet von einer gewollt gestrafften Rajputana Discovery
Suchen nach
den anderen – und nach den Indern
Jaisalmer:
Prinzessin will nicht heiraten
Chandelao –
touristenfreie Zone
Die leidige
Commission: Mit dem Vijai mußt Du mal reden
Josef:
„Beeindruckt und fasziniert“
Kino, Küche,
Kleidung & Krishna
... aber
auch Dreck und Verkehrshorror
***** für
Chandrashekhars Indrashan
Mit
Pradyuman nach Chandelao, Pushkar und Udaipur
Spontane
Planänderung „To touch Mahal“
Ursula: Rajputana
Discovery – ein großes Erlebnis
Vorsicht und
Reisestornos nicht nachvollziehbar
Man ist als
Tourist ja Analphabet
Probleme
durch Reiserücktritte
Besuch bei
den indischen Christen
Karin &
Reiner: „Rundherum ein toller Urlaub“
Karin &
Reiner: Rajputana zur Pushkarzeit
Rajputana – am
liebsten zu Fuß?
Dezember 2000:
Danksagung an Bhavna & Chandra
Ursel &
Hannes: Vier Wochen Rajputana – wie das
in Worte fassen?
Mumbai – ein
Rucksack voll getackerter Geldbündel
Kankarwa
Haveli in Udaipur – schöner geht’s nicht
Fürstliche
Suite im Roop Niwas
Verkehr:
Gordische Knoten lösen
Das Taj:
Touristenabzocke, Kameraterror - aber ein Muß!
Harald: Maharajas,
Märchen und Moderne
Das kann
Pauschaltourismus nicht
Keine
Hoteliers, sondern wirklich Freunde
Rajputana
Discovery - eine gute Nische im Tourismus
Jaisalmer -
Märchenstadt in der Wüste
Von den
Stammesgemeinschaften bewirtet
Heidi aus München
zieht Bilanz
UNTERKUNFT -
nicht zu Hause und doch daheim
KD-KONZEPT
und PREIS - gut organisiert und nicht zu teuer
Eva: „Hab’ mein
Herz in Indien verloren!“
Alles fremd
- und dennoch fühle ich mich von Anfang an wohl
Man fühlt sich
nicht als "zahlender Tourist"
Mein Körper
kehrte heim - mein Herz ist noch dort...
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Dies sind unsere Dialoge nach den Reisen 1999-bis heute. Eure Briefe sind am kursivem Fettdruck zu erkennen - meine Kommentare sind so wie hier gedruckt. Ich greife aus Eurer Post ab und zu ein Thema auf und wende mich dann aber an alle - auch an die Gäste der kommenden Saison. Nimm's also nicht persönlich, wenn ich mal etwas weiter aushole.
Beide Briefkästen - die Rajasthan-Box und die Kerala-Box - sind in den neuen Traumheften weit ausführlicher. Auch eingefleischte Websurfer sollten sich mit dem hier dargebotenen "Aperitif" nicht zufrieden geben!
Damit möglichst viele verschiedene Themen angesprochen werden, habe ich aus Platzgründen die Teile Eurer Briefe gekürzt oder ausgespart, die bereits mit den Briefen der anderen angesprochen worden waren.
Gerade die Letterbox kann für neue Interessenten eine gute Entscheidungshilfe sein. Neben exzessiver Schwärmerei werden auch Missstände aufgezeigt. Dazu kommt etwas Hintergrundinfo von mir für alle, die eine Kerala Discovery noch vor sich haben.
Was verbessert werden kann, werden die Gastgeber verbessern. Was unabwendbar ist wird nochmals erklärt - damit neue Besucher vorbereitet sind. Besser lest Ihr's hier, als im Kleingedruckten. Zumal ich weiß, daß Interessenten solcher Reisen den Paragraphenkram der Reisebedingungen überhaupt nicht mögen. Auch in der letzten Saison habe ich bemerkt, daß viele sich "aus dem Bauch" für KD entschieden und das "Technische" überhaupt nicht gelesen haben.
Für ein solches Vertrauen bin ich sehr dankbar - möchte aber trotzdem Missverständnisse vermeiden.
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Josef aus Oberhaching ist der erste, der von der eben
zuende gegangenen Rajputana Discovery berichtet. Wie so oft ist die Fülle der
Eindrücke einer solchen Reise so groß, dass man gar nicht weiß, wo man beginnen
soll. So rate ich den Gästen, sich ein Thema der Reise auszuwählen und darüber
zu berichten. Josef folgte diesem Rat, und freue mich, dass er die Region
Shekhawati auswählte. Die ist in den Gästereports der letzten Jahre oft zu kurz
gekommen - sehr zu Unrecht, wie Josef in Wort und Bild beweist
Mein Abstecher zu den Havelis im Shekhawati. Wie ein Haveli
aussieht, glaubte ich zu wissen, nachdem ich in Jaisalmer die Wunderwerke in
Stein gesehen hatte. Dass solche Handelshäuser aber auch ein ganz anderes
Aussehen haben können, lernte ich einige Tage später.
Zu unserem dreiwöchigen Intensivkurs in tausendjähriger
Geschichte, Kultur und Architektur Rajasthans gehörte auch ein Abstecher in die
Shekhawati-Region im Dreieck Jaipur – Bikaner – Delhi gelegen.
Wir quartierten uns mittags in Nawalgarh ein und fuhren nach
einem leckeren Lunch in das Dorf Mandawa, um uns die verfallende Pracht
bemalter Havelis näher anzusehen.
Seinen Namen verdankt das Shekhawati dem früheren
Herrscher namens Rao Shekha, der,dem
Clan der Kachhawah angehörte und im 15. Jahrhundert hier regierte. Shekhawati
heißt übersetzt einfach "Garten des Shekha" und wird von den Dörflern
bis heute landwirtschaftlich genutzt. Da das Gebiet an den großen, aus dem
Nordwesten kommenden Karawanenrouten gelegen war, konzentrierte sich hier im
Shekhawati seit früher Zeit der Handel.
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Hier verlief die alte Seidenstrasse und die Waren aus Lahore
und Peshawar, beides heute in Pakistan gelegen, wurden hier ebenso umgeschlagen
wie zahlreiche Güter auf dem Weg von den Hafenstädten der Fürstentümer Sind und
Gujarat nach Delhi. Denn der Weg durch das Shekhawati war für die Karawanen
zwar ein Umweg, aber trotzdem günstig, weil die benachbarten Fürstentümer von
Bikaner und Jaipur viel höhere Zölle für den Transit verlangten, um so ihre
Staatskassen zu füllen.
Im Shekawati hingegen wurden die Händler schnell reich und
bauten ihre prächtigen Häuser. Die meisten der heute noch erhaltenen Havelis
stammen erst aus dem 18. Jahrhundert, als die Kaufleute begannen, ihren
Reichtum durch künstlerische Ausgestaltung nach außen hin zu dokumentieren.
Dabei stellten sie ihren persönlichen Geschmack ganz unverblümt zur Schau,
genau dies macht den besonderen Reiz der Gestaltung aus. Die ersten Havelis,
die im 18. Jahrhundert noch aus Lehm erbaut wurden, sind heute längst
verfallen.
Ein Haveli war nicht nur einfach ein Wohnhaus für eine
Großfamilie und ihre Bediensteten, sondern es diente auch gleichzeitig als
Warenlager und als Schutz vor Überfällen, ähnlich wie eine Karawanserei. So
findet man immer Mauern mit kleinen Fenstern und Malereien im Außenbereich und
ein großes, gut verschließbares hohes Tor aus Messing oder Holz. Hier passten
auch hoch beladene Kamele durch, die dann im vorderen Hof lagern konnten. Am
Eingangsbereich findet man meist auch den besonders prachtvoll ausgeschmückten
Empfangsraum des Hausherrn namens Baithak, eine gegenüber dem Hof etwas höher
gelegte Terrasse und Säulenhalle, mit einem Seitenflügel des Hauses überbaut.
Hier empfing der Kaufmann seine Gäste und Handelspartner, es gab rund um den
Hof aber auch die Quartiere für Männer und Lagerräume.
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Dieser erste Hof ist meist von mehrstöckigen Gebäudeflügeln
umgeben, dahinter befinden sich dann weitere Höfe, die durch eher kleine Türen
erreichbar sind. Meist sind es drei Höfe, in besonders prächtigen Häusern auch
mal vier. Dort spielt sich das häusliche Leben ab, die Frauen und Kinder
konnten nur durch ein kleines Fenster der Verbindungswand oder über eine
Galerie zwischen den Höfen einen Blick auf das öffentliche Geschehen im
vorderen Hof werfen. Da ging es ihnen nicht besser als den hochgestellten Damen
in den Palästen. In den Obergeschossen wohnt das Familienoberhaupt mit seiner
meist sehr großen Familie.
Etwa ein Jahrhundert lang wuchs und gedieh der Wohlstand
durch Handel. Aus der häufigen Abbildung britischer Offiziere und Truppen an
den Wänden kann man auf ein recht gutes Verhältnis zu den Besatzern schließen,
aber auch Darstellungen der Portugiesen aus Goa sind zu finden. Die Kaufleute
machten keinen Hehl daraus, dass sie Nutznießer der Fremdherrschaft waren, die
militärisch ihre wichtigste Einkommensquelle, die Handelswege, schützte. Doch
als die Briten durch den Ausbau der Häfen Bombay und Calcutta neue Zentren für
den Handel schufen funktionierte das System nicht mehr. Nun zogen weniger Karawanen
durch das Land, doch die cleveren Kaufleute - meist Jainas - erkannten schnell
die sich für sie ergebenden Chancen und verlagerten ihre Geschäftshäuser in die
aufblühenden Handelsmetropolen Mumbai und Kalkutta. Dort drehen Sie auch heute
die großen Räder in der Wirtschaft. Die Havelis blieben aber in Familienbesitz.
Heute werden sie für Hochzeiten oder Familientreffen noch verwendet, verfallen
aber zusehends und sind oft nur noch von Wächtern und ihren Familien kostenfrei
bewohnt.
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Unser Rundgang durch den Ort Mandawa glich einem Bilderbuch,
stimmte uns aber meist auch ein wenig traurig. Denn überall sieht man den
Verfall der einstigen Pracht. An den Außenfassaden verlieren die Farben durch
Sonne und Witterung schnell an Kraft. Dazu kommen Umbauten, neuer Putz als
hässliche Flecken und vor allem zahlreiche Werbe- und Wahlplakate die völlig
sinnfrei über die Gemälde geklebt werden. Den Dörflern fehlt wohl zum einen das
Geld und zum anderen das Interesse am Erhalt.
Zum Glück bekamen wir am nächsten Tag morgens die
Gelegenheit, ein komplett restauriertes Haveli zu besichtigen, nämlich das Dr.
Ramnath A. Podar Haveli Museum. So gewannen wir einen realistischen Eindruck
von der einstmaligen Pracht solcher Häuser.
Ein gewisser Mr. A. Anandilal Podar, Gründer des
gleichnamigen Trusts, baute dieses Haveli 1902 als seine Residenz. Sein Enkel
Kantikumar R. Podar wndelte es um in ein Museum für Kunst und kulturelles Erbe
Rajasthans. Das Haus ist verschwenderisch überzogen mit 750 (!!) Fresken. Durch
die kunstvoll geschnitzte und gegen Elefantenangriffe sichere Eingangstür
gelangt man zunächst in den traditionellen Empfangsbereich für die
Geschäftspartner. Die Räume auf der Galerie sind den Themen Feste und
Festlichkeiten, Edelsteine und Juwelen, Brautkleider, Miniaturmalerei,
Kunsthandwerk, Turbane, Marmorkunst und schließlich noch Gandhi gewidmet, der
die Gründung des Museums befürwortet hat.
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Der Besuch dieses Hauses war nicht zuletzt dank der
kenntnisreichen Gratis-Führung durch den Verwalter namens Sunil Sharma ein
besonderer Leckerbissen der Reise durch „Incredible“ Rajasthan.
Link: DR. RAMNATH A.PODAR
HAVELI MUSEUM in Navalgarh
Der Leiter des Museums - Anandilal Podar, ein Bramahne - machte eine ausgezeichnete Führung.
(Mehr Fotos von Josefs Reise in den INN Nr. 535 vom Freitag,
18.12.2009)
A French guest, staying in a
Rajasthan hotel
called room service for some pepper.
"Black pepper, or white pepper?"
asked the
concierge. - "Toilette pepper!"
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Reiseberichte aus Gujarat sind selten. Weil sich nur selten Touristen dorthin verirren. Das gilt seit 2001 auch für auch für Kerala Discovery. Anscheinend ist es wie bei der Orissa-Reise (Kalinga Discovery) eine Grundvoraussetzung für die Gujarat Discovery, dass die Teilnehmer bereits vorher mit KD in Indien gewesen sind und von der Erlebnisqualität meiner Ideen überzeugt sind. Warum der Indientourismus gerade diese Provinz im Westen so vernachlässigt, ist kaum verständlich.
Mehr als doppelt so groß wie Österreich bietet Gujarat
nämlich etwas von allem, was den Reiz Indiens ausmacht. Es hat die Wüste, die
gastlichen Fürstenhäuser und uralten Tempel Rajasthans, die tropischen
Palmenlandschaften und Strände Keralas und nicht zuletzt die farbenprächtigsten
Stammesgemeinschaften, wie man sie sonst nur in Orissa findet. Aber Gujarat
bietet darüber hinaus auch vieles, was sonst nirgendwo in Indien gibt. Das
wollten Hille, Gisela und Rebecca erforschen - gleichzeitig aber auch die alten
Freunde in Rajasthan wiedersehen. Denn alle drei waren bereits mindestens
einmal mit Kerala Discovery in Indien.
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Natürlich braucht man dafür mehr Zeit. Denn wenn wir schon
Rajasthan wiedersehen, sollten auch ein paar andere Highlights dabei sein, die
wir auf den früheren Reisen nicht gesehen haben. Daher dauerte es über 2
Wochen, bis die drei die Grenze von Gujarat erreichten - und erst am 37.
Reisetag landeten sie wieder in Frankfurt. Lies heute den ausführlichen
Fotobericht von Hille aus Kaarst.
Natürlich kannst Du weiterführende Infos zu den meisten Stationen der Reise im KD-Onlinemagazin (Kapitel Gujarat-Discovery) nachblättern. Deshalb habe ich für die Links in Hilles Bericht auf anderen (teilw. englischen) Seiten im Internet recherchiert.
Hier nun Hilles Bericht:
Hallo lieber Bernd, es ist so viel zu berichten, ich weiß nicht, ob ich je fertig werde...Habe Haus und Hof vernachlässigt, um den Bericht endlich zu Ende zu führen!!!!!!!!
In Delhi angekommen, wurden wir von Chandrakant und seiner Frau Laxmi sehr nett empfangen. Mit Chandrakant verbrachten wir den Tag mit Bücher- und CD-Einkäufen, einer Führung durch einen kleinen Teil des Museums/Garten, wobei er uns liebevoll die einzelnen Bedeutungen der Statuen erläuterte. Er war ein Born an Wissen über die einzelnen Gottheiten und hatte immer eine lustige Geschichte dazu parat. Mittags aßen wir in einem typisch indischem Restaurant unsere geliebten Dosas, ein südindisches Gericht, das wir auf früheren Reisen durch Südindien kennen gelernt hatten.
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Abends fuhren wir dann mit dem Mandore Express nach Jodhpur, das wir am nächsten Morgen gegen neun Uhr erreichten. Und wer stand direkt an unserer Abteiltüre? Chandra! Wir begrüßten uns wieder einmal voller Freude.
Natürlich wurden wir von Bhavna in den nächsten Tagen wiederum mit Köstlichkeiten ihrer Küche verwöhnt. Wir fuhren mit ihr zum Basar, um Gewürze und Stoffe für unsere indischen Anzüge zu kaufen. Mit Engelsgeduld saß sie auch stundenlang dabei, als wir unsere Schals aussuchten und den angebotenen Chai tranken. Wir haben uns auf deine Empfehlung, lieber Bernd, auch das „beste Lassi“ im Shri Mishrilal am Stadttor geleistet.
Zwei Tage machten wir einen Abstecher nach Bikaner und besuchten Prinz Harshvardhan im Bhairon Vilas. Er ist der Cousin von Prinzessin Divya aus Jaisalmer. Das Fort gleich gegenüber seiner Haveli ist sehenswert! Es ist eines der schönsten Forts Indiens. Reich geschmückte Zimmer mit Spiegeln, Gold und bunten Mosaiken. Der Durbar (Empfangshalle) war enorm groß und hoch und einzigartig in seiner Art. Dort fand ich auch einen Vaidya, der mein verstauchtes Knie wieder zurecht massierte.
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Wieder Richtung Jodhpur hielten wir in Deshnoke und besuchten Karni Mata, den Rattentempel. Die Marmorfassade war künstlerisch wunderschön gestaltet. Die Ratten hatten sich hauptsächlich um ihre Freßnäpfe versammelt. Übernachtung in Khimsar Fort, Besichtigung des sehr abseits gelegenen Nagaur Forts mit einer sehr schönen großflächigen Park- und Gartenanlage. Sie war kaum besucht, strahlte es eine herrlich stille Atmosphäre aus. Wir verbrachten den Nachmittag dort, um nur in der Sonne zu sitzen. Ich muss noch bemerken, dass wir in den ersten vier Wochen einer ungewöhnliche Kälte für Indien - Rajastan und Gujarat - ausgesetzt waren. So dass wir jeden Sonnenstrahl genossen.
Zurück in Jodhpur fuhren wir einen Tag nach Chandelao, um noch einmal wunderschöne Erinnerungen an eine vergangene Reise mit Pradyumans Mutter auszutauschen. Ein alter Mann führte uns zu einem Patio, wo gegen zwanzig ältere Männer eine Opiumsession hatten. Sie tranken jeweils Opium aus der Hand eines anderen. Sie lachten und hatten nichts gegen unsere Gegenwart.
Spät am Nachmittag wieder in Jodhpur, holten wir unsere inzwischen genähten Kurtas (Salwar Kameez, indische Anzüge) ab. Als wir im Indrashan ins Patio kamen, um Bhavna unsere Sachen zu zeigen, trafen wir auf neue Gäste. Da stand ein älteres amerikanisches Ehepaar, beide sehr groß und sehr dünn, ausstaffiert im perfekten Safari-Look aus dem Kostümfundus des Films "Tiger von Eschnapur", mit entsprechender Kappe und riesigen Sonnenbrillen - bereit für einen kleinen Spaziergang um den Block.
Wir starrten die beiden fassungslos an, und während ich noch überlegte, wo sie wohl die doppelläufige Flinte gelassen hatten, riss die Amerikanerin bei unserem Anblick ihrerseits die Augen auf. Sie musterte entsetzt unsere indische Kleidung und rief ungläubig: "Oh, you are going native?!?"
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Das wurde unser Schlagwort in den nächsten Wochen. Unfassbar, mit welchem Standesdünkel gewisse Leute durch Indien reisen. Früher nannte man das "Non Fraternisation", und wir dachten, diese Zeiten wären überholt.
Doch nun hieß es, von unseren Freunden Bhavna und Chandra Abschied zu nehmen. Wie immer fiel uns das nicht leicht.
Wir fuhren nach Jojawar, eine sehr schöne Anlage, schöne Zimmer. Haben eine Jeepsafari durch Dorf und Land unternommen. Besichtigten einige Dörfer der Schäfer, einen kleinen Tempel und fuhren weiter durch die Savanne. Habe mir auch zweimal eine wunderbare Vollkörperölmassage im Rawla Jojawar geleistet!
Weiter ging es dann nach Pali in die Dhakri Rawla. Thakur Ghanshyam Singh und seine Frau Jhugno waren sehr zuvorkommende Gastgeber. Sie kochte sehr gut und Mr. Singh fuhr uns zwei Tage lang unermüdlich in seinem Jeep durch Dörfer, zu verschiedenen kleinen alten Tempel, einer alten Step Well und einem riesigen alten Wasserrad. Die Fahrten waren für uns etwas abenteuerlich, da Mr. Singh seine Hände fast nie am Steuerrad hatte und die liebenswürdige Eigenschaft besaß, sich immer mit dem Kopf nach hinten gewandt, zu unterhalten. Aber, dank Shiva, sind wir immer heil angekommen!
Heute fuhren wir mit Mr. Singh zum Fort Sojat. Es wird wieder restauriert und ist zur Zeit eine große Baustelle. Dort unterhielt sich Mr. Singh sehr freundschaftlich mit all seinen Bauarbeitern. Man hofft, dass mit der Zeit einige Touristen kommen.
Besonders interessant war als nächstes eine Hennafabrik. Die Arbeiter sind teilweise vermummt, um sich vor dem gelben Staub zu schützen. Sie sahen aus wie Marsmenschen, wie sie unbeweglich da standen und uns beobachteten.
Nach ein paar Tagen ging es über Mount Abu - Besichtigung der einmaligen Dilwara Tempel - weiter nach Vijaynagar. Dhakri und Vijaynagar hatten nicht auf unserem Reiseplan gestanden. Chandra hatte kurzfristig umdisponiert, da das vorgesehene Harji Fort nicht verfügbar war. Wir konnte aber in Vijaynagar weiter dem Homestay treu bleiben. Und wir haben es nicht bereut.
(Viele weitere Fotos, die hier keinen Platz fanden, findest Du in den InderNettNews 449)
Es ist lange her, seit Ingrid aus Überlingen bei uns in Kerala zu Gast war. Und fast ebenso lange hat es gedauert, bis sie auch unsere Rajputana Discovery verwirklichen konnte. Mitte Oktober 2007 war es dann soweit, und Ingrid, ihr Bruder Reinhold und seine Frau Maria nahmen sich diesmal richtig Zeit für Indien.
Fast vier Wochen für unsere Fürstentour durch Rajasthan, und gleich im Anschluss nach Kerala zu einer ausgiebigen Ayurvedakur - so war der Plan. Erst am 9. Dezember waren die drei wieder zurück. Das Resümee bekam ich nun im Januar: Ein kurzer, aber positiver Bericht und zwei prallvolle CDs mit Indienfotos!
Lieber
Bernd, vorab Danke für die Vorbereitung der Reiseroute. Hat bis auf wenige
Details unseren Vorstellungen (lt. Deinen Ankündigungen im Web oder Prospekten)
entsprochen bzw. oft übertroffen . Bei allen Gastfamilien wurden wir
überaus freundlich aufgenommen, sie waren bemüht uns den Aufenthalt so angenehm
als nur möglich zu machen, und hatten uns mit bestem indischen essen
verwöhnt.
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Dazu
kamen die vielen interessanten Gespräche über die Geschichte Indiens, ihre Vorfahren, die Unabhängigkeit, Kasten,
Medizin, Wirtschaft, neue Chancen für das Land ...... etc.
Wir
waren hervorragend untergebracht: Der Bogen spannte sich von Palast und
Havelis bis zum modernsten Gästehaus Die Zimmer sehr geschmackvoll
eingerichtet, geräumig genug und es gab überall WC-Dusche, Warm- u.
Kaltwasser, häufig nach westlichem Standard.
Ein
großes Lob müssen wir unserem Fahrer aussprechen: Grandios, wie ruhig, gelassen
und sicher er uns die 20 Tage zu den Sehenswürdigkeiten fuhr - einfach zu
bewundern!!! Auch unser Guide war sehr bemüht, diverse Extras zu den
Sehenswürdigkeiten zu erzählen, oder wenn notwendig einen lokalen Führer zu
organisieren. Manches war auch für ihn Neuland, und er hat sich dementsprechend
(war dazu noch eine Woche sehr verkühlt) gut geschlagen.
Übrigens
ist Gabriele, die sich unserer Tour anschloss, eine sehr nette Frau. Für uns
war sie eine Bereicherung und wir hatten gemeinsam viel Freude und nette
Stunden. Oft haben wir darüber gesprochen, wie froh wir sind, dass wir nicht
mit Bussen diverser Reiseunternehmungen unterwegs sind, nicht einsteigen und
weiterfahren müssen, wo wir doch noch so gerne hier bleiben möchten, in
Mittagszeit und Hitze fahren, statt auszuruhen ....etc.
Ja,
nicht Quantität sondern Qualität zählt!! Und die haben wir reichlich genossen,
"Dank Deiner Hilfe". Auch preislich sind wir unter diesem
Aspekt sehr günstig unterwegs gewesen.
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Ja, die Gabriele haben wir ja schon in der Ausgabe 433 anhand ihrer Fotos kennen
gelernt. Sie hatte sich für die ersten 24 Tage der Rajputana Discovery
angeschlossen und musste heim fliegen, als Ingrid, Maria und Reinhold nach Kerala
weiter zogen.
Euch allen Danke ich herzlich für Eure Beiträge und Bilder! Bildtexte und Fotobearbeitung stammen von mir - die Bilder sind © Reinhold - mit ihnen nutze ich die Gelegenheit, Euch einmal etwas ausführlicher an unserer Rajputana Discovery teilhaben zu lassen. Die Bilder finden sich in den InderNettNews 436 und den folgenden Ausgaben.
Reisebericht unserer Schweizer Gäste aus Bern. Zur Rajputana Discovery 'angestiftet' wurde Stefan von seiner Schwester Rebecca, die in den INN schon viele Fotos von ihrer Tharwüsten-Tour mit Töchterchen Anina veröffentlicht hat. Und auch Stefan und seine Eva waren begeistert von Rajasthan.
Seit Tagen oder eigentlich Wochen sind wir von
unserer Reise durch Rajasthan zurückgekehrt. Nicht so unsere Seelen, Sie sind
noch unterwegs.
Vorerst: Es war eine wunderbar intensive,
erlebnisreiche und farbenfrohe Reise.
Die Kontakte zu unseren Gastgeberfamilien Chandra und
Bhavna in Jodhpur - die Kochkunst von Bhavna ist einzigartig und unvergesslich
– und Jaideeps jointfamily in Jaipur waren geprägt von Aufmerksamkeit und
Herzlichkeit. Bei Ihnen fühlten wir uns sehr gut aufgehoben. Es ergaben sich
interessante, wertvolle Gespräche, die unser Bild von Rajasthan noch ergänzten
und vervollständigten.
Unsere Reise führte uns von Delhi nach Jodhpur,
Udaipur, Pushkar, Jaipur und wieder zurück nach Delhi. Unser Interesse galt der
städtischen Kultur, in erster Linie der Architektur.
Wir sahen zauberhafte Paläste von nie vorher
gesehener Schönheit, ( Citypalace, Udaipur und Taj Mahal – einfach begeisternd
-) wunderbar mystische Tempel, ( Ranakpur, Nagda ) aber auch fantastische
Landschaften. Zu all diesen Bildern gehören aber immer die Menschen mit ihren
sympathischen, offenen Gesichtern in bunten, schön umhüllenden Kleidern und
Turbanen, goldenem Schmuck und sehr speziellen Schuhen.
Diese Bilder haben sich verinnerlicht und begleiten
uns täglich.
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Zu den Schönheiten Rajasthans zählen auch die
Handwerkskünste. Wir haben etliche Souvenirs mit nach Hause gebracht. Nebst
Silberschmuck und Papiermaché auch bunte Stoffe. Sie sind die nötigen
Farbtupfer in unserer nicht nur fürs Auge kälterer Umgebung.
Nebst all dieser Faszination haben uns verschiedene
Themen wie Armut, Analphabetismus, grosse soziale Unterschiede und
Umweltverschmutzung sehr aufgewühlt.
In diesem Zusammenhang möchten wir allen
Indienreisenden den Film „Water“ von Deepa Mehta empfehlen. In wunderschönen
Bildern erzählt sie eine sehr bewegende indische Geschichte.
Mai 2006 Stefan und Eva
Vielen Dank an Euch beide! Besonders natürlich für die vielen schönen Fotos von Eurer Reise - sie beherrschen die INN 347 fast vollständig. Mit Recht! Wer alle Bilder sehen möchte, möge die InderNettNews 347 anschauen…
Rajasthan im April 2006 - Geraldine ("Jelly") und Peter, Esther und Bruno aus Kempen - das waren die vier KD-Gäste, die sich im April auf eine heiße Wüstentour nach Rajasthan wagten.
Ein Glücksgriff für unsere Gastgeberfamilien, denn ihnen
begegneten vier besonders nette Europäer. Ein Glücksgriff aber auch für die
InderNettNews, denn in Peter haben wir wieder einmal einen Menschen gefunden,
der sehr gern und gut schreibt. Und nicht nur das: Er ist auch Fotograf, und
seine Rajasthan-Galerie enthält so schöne Stimmungsimpressionen, wie ich sie in
dieser Menge lange nicht gesehen habe. Für einen Foto-Aperitif zum Thema Indien
hat er soeben eine neue Webseite ins Leben gerufen. Da könnt Ihr schon mal
schnuppern: photo.roskothen.de
Besonders interessant an Peters Geschichten sind die
Sichtweisen eines Menschen, der Indien eigentlich gar nicht auf der Liste
seiner Traumziele hatte. In seinen Reportagen kann man miterleben, wie dieses
eher zufällige Urlaubsziel mit seinen Reizen seinen Besucher in kürzester Zeit
für sich zu gewinnen weiß.
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Schön auch, daß Peter über seine Rajasthaneindrücke dreimal
so viel schreibt wie andere, die dreimal so lange dort waren. Für das gesamte
Reisetagebuch habe ich in den INN nicht genug Platz und beschränke mich daher
auf das Vorwort, die ersten 3 tage und einige Nachgedanken. Wer Appetit auf
mehr bekommt, kann den ganzen Bericht hier auf Peters Webseite
lesen. Dort finden sich auch seine kompletten Bildergalerien. Und die sind im
Zusammenhang weitaus schöner als die wenigen Bilder, die er mir für die INN zur
Verfügung gestellt hat.
Im April haben wir uns nach Indien getraut. Der Besuch des
Landes hatte mehrere Hintergründe. Zunächst hatten unsere Aikido-Lehrer,
Esther-Senseis und Bruno-Sensei, gefragt ob wir auch an einer Indienreise
interessiert wären. Meine Frau Geraldine hatte als Engländerin immer schon
einen engeren Bezug zu dem Land und wollte gerne mit. Ich war zögerlich, da ich
ziemlich wenig über Indien wußte und keinerlei Erwartungen an das Land hatte.
Im Laufe der Wartezeit wurde immer klarer, dass es “interessant” werden würde.
Wir buchten British Airways getreu dem Motto “Fly British - Die British” und
Senseis schlugen vor Bernd Symons mit der Reiseplanung zu beauftragen. Es sollte
nach Rajasthan gehen, einem Land nord-westlich in Indien. Meine persönlichen
Erwartungen habe ich völlig im neutralen Bereich gehalten. Alles wovor ich
Respekt hatte, waren die hygienischen Bedingungen, die jedoch - ich will es
vorausschicken - perfekt waren. Und ach ja: die Kobras wollte ich auch
unbedingt verpassen.
Die Grundidee nach Indien zu fahren hatte keine
touristischen Gründe. Wir wollten mit dem Reiseauftrag an Bernd Symons
(Kerala-Discovery.de) keinesfalls in fünf Sterne Hotels untergebracht werden,
sondern direkt bei indischen Familien. Es ging uns nicht darum in geschlossenen
Hotelanlagen von den Indern abgeschottet zu sein, sondern die Menschen und ihre
Kultur kennen zu lernen. Das hat funktioniert - Bernd Symons sei Dank. Was man
in zehn Tagen sehen, hören, fühlen, riechen, tasten und lernen kann, haben wir
in vollen Zügen absolviert. Heraus kommt ein Bericht über Indien, den ich den
nächsten Tagen niederschreiben möchte. Jeden Tag ein bißchen mehr und begleitet
von Fotos unserer Erlebnisse.
Unser erster Tag in Indien, nachdem wir am Vortag nachmittags von Düsseldorf über London nach Delhi geflogen sind. Am frühen Morgen um etwa sechs Uhr kommen wir in Indien an und geraten unmittelbar aus der klimatisierten Luft in eine Wand aus Hitze und (zumindest an diesem ersten Tag) auch Schwüle. Nach der Immigration mit ähnlicher nerviger Prozedur wie in den USA, tauschen wir Euro in Rupien, da unsere europäischen Banken diese Währung nicht zu schätzen wissen. Das ist ein dickes Bündel was man für wenig Euro bekommt und erinnert an die frühere italienische Lira.
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Unseren Reiseführer für Delhi finden wir erst im zweiten Anlauf durch viele links und rechts hochgehaltene Schilder. Der wiederum führt uns zum Auto wo wir unsere Koffer deponieren, um gleich darauf noch einmal über den halben Flughafen zu laufen. Wir wollen unseren Rückflug bestätigen lassen, was wir aber bei British Airways gar nicht brauchen.
Die Eindrücke sind wirklich solche. Menschen überall, vor
allem auch schlafend auf dem Boden. Viele Gerüche und verschiedene Gedanken
blitzen wild auf und werden vorübergehend und mangels Lösungen auch sofort
wieder verdrängt. Man verspricht sich selber später wieder daran anzuknüpfen.
Deshalb wohl fällt man nach der Reise in ein großes tiefes Loch.
Wir fahren in unserem Klitzekleinbus mit Klimaanlage und
Einschußloch in der Windschutzscheibe zu einer Zwischenunterkunft und können
uns duschen und unter richtig vernünftigen Bedingungen auf die Toilette. Ich
hatte es mir bei weitem schlimmer vorgestellt. Das ist weitaus besser als die
Toilette im Flieger. Übrigens war eine davon durch zwei Italiener
instandbesetzt. Die beiden hatten sich alles was ging reingedröhnt und wir
hofften inständig, dass man sie bei der Immigration überging und nach Hause
schickte.
Geraldine hatte vorsichtshalber alles mit was feucht ist und
den Popo und die Hände desinfizieren kann. Es war nicht nötig, aber ein
besseres Gefühl. Nach kurzer Akklimatisation bekommen wir ein hervorragendes
Frühstück von super freundlichen Indern vorgesetzt. Das Frühstück ist sicher
ein bißchen englisch mit Bananen, Orangenmarmelade und Toast, Müsli und
Cornflakes. Der erste indische Masala-Chai (Gewürz-Tee) wird uns serviert und
wir sind begeistert. Später auf der Reise kaufen wir die Zutaten, aber zu Hause
schmeckt alles mitgebrachte Essen und Trinken gewöhnlich und nicht mehr wie in
der warmen Reiseumgebung.
Wir werden kreuz und quer durch Delhi von einem Monument zum Nächsten geführt. Auch sehr nett, aber wir sind tatsächlich nicht diese Art Touristen, die für Bautenbesichtigung hergekommen sind. Bernd Symons*, Du hättest das wissen können, wenn Du unsere Schreiben studiert hättest. Die Einführung ist aber lieb gemeint und wir trauen uns nicht zu widersprechen, denn unser Mann ist super lieb und kümmert sich vorbildlich.
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Es reicht dann hinterher aber auch wirklich. Die Fahrt durch
Delhi ist atemberaubend. Nicht furchteinflössend, sondern einfach sehr dicht
und eng und langsam und laut. Man sieht Hunde und Kühe auf der Straße stehen,
TucTucs (Rikschas), Autos, Fahrräder, Motorräder, Fußgänger, Kamele und vieles
mehr durcheinander und trotzdem im Einklang auf der falschen Straßenseite. Die
Zeit nutzen wir für Schnappschüsse durch die Fensterscheibe unseres Büsschens.
Ich werde diese Art zu fotografieren sicher nicht kultivieren, aber sie ist
authentische für die Eindrücke und Fülle von Hinguckern.
Beim Lunch die erste Kobra aus dem Korb. Ich gucke weg und
überwinde mich vorbei zu gehen. Das Essen im Restaurant ist wunderbar. Tandoori
und Brot, eine tolle Kombination. Wir achten beim Getränkekauf auf die Siegel
an der Flasche und trinken zum ersten Mal das stille Wasser, welches wir nach
zehn Tagen Indien nicht mehr sehen wollen. Vielleicht auch weil es einfach nach
drei bis vier Litern am Tag nicht mehr so lecker ist. Wir schwitzen aber alles
brav wieder aus, ohne es richtig wahrzunehmen.
Um etwa fünf Uhr nachmittags setzten uns unser Mann und der Fahrer am Bahnsteig ab. Der Fahrer freut sich über eine kleine finanzielle Zuwendung. Er hat uns klasse gefahren! Ich frage mich immer noch woher das Einschlußloch kommt. So schlimm fährt der nicht!
Der Zug ist mit acht Betten pro offenem Abteil eine kleine Freude nach dem anstrengenden Tag. Wir schlafen zusammen mit einem älteren Inder im Abteil. Der Mann freute sich auf seine Pritsche unten im Abteil nicht ganz zu unrecht. Zwar ist der Zug bei Außentemperaturen von etwa 40 Grad Celsius mit ca. 25 Grad angenehm klimatisiert, aber oben unter der Decke ist es eng und man stößt sich beim Aufstehen ständig die Birne. Nach vielen Stunden Fahrt haben wir in der Nacht eine kurze Schreckminute, weil wir verstanden haben, wir wären angekommen. Der Mann der reinkam um Getränken zu verkaufen, hatte mit einem schwer zu verstehenden indischen Englisch aber “Jaipur” gesagt und nicht unser Ziel “Jodhpur” gemeint. Wir legen uns bis zum frühen Morgen wieder hin. Richtiges Schlafen geht nur in kleinen Perioden und so sind wir am nächsten Tag sehr froh als wir wohlbehalten in Jodhpur ankommen.
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*Anmerkung
von Bernd: Zu dem sanften Vorwurf "Du hättest
das wissen können…" könnte ich anmerken, daß Delhi eigentlich kein Teil
der Rajputana Discovery ist. Hier kommt man je nach Flugverbindung früher oder
später an, hat manchmal nur Zeit, sich frisch zu machen - in anderen Fällen wie
hier fast den ganzen Tag. Was wir mit der Anschlußwartezeit zum Nachtzug nach
Jodhpur machen, ist eigentlich unsere Entscheidung - dumm nur, daß die Inder
oft zu wissen glauben, was wir wollen, und einfach losfahren.
Doch das ist nicht der Punkt - es ist vielmehr die Psychologie der
Rajputana Discovery, die Peter gleich in den ersten Stunden auf indischem Boden
infrage stellte. Denn im weiteren Bericht merken wir, daß die Vier aus Kempen
noch eine Menge Baudenkmäler besucht haben. Das habe sie auch dann sehr
genossen. Es ist nämlich ein Unterschied, ob man von einem
"Touristen-Fahrer" (Delhi) herumkutschiert wird, oder mit unseren
Gastgebern Zeitzeugen ihrer eigenen glorreichen Vergangenheit besucht. Insofern
habe ich mich über den Denkanstoß zum Thema Delhi gefreut: Wir müssen gerade in
de ersten Stunden einer solchen Reise ein passenderes Entree bieten. Und
Chandra weiß das auch jetzt.
Bei unserer Ankunft auf dem Bahnhof in Jodhpur wird uns wieder klar, dass wir eine andere Hautfarbe haben. So fühlt sich das also an, wenn man anders ist in einem Land. Man wird in Indien noch sehr freundlich bemustert. Allerdings vergessen auch diese Menschen oft den Mund wieder zuzuklappen.
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Chandra holt uns persönlich am Bahnhof ab. Ein Träger schleppt die schweren Koffer für umgerechnet einen Euro - hier ist es viel Geld, was keiner zahlt, es sei denn er ist in einer anderen Bruttosozialproduktklasse unterwegs. Wir sind erleichtert als wir unsere Gastgeber Bhavna & Chandra näher kennen lernen und feststellen, dass sie besonders Nette sind. Ebenso die ältere Mutti Lady Ba, die ganz schön schlau und wach ist, die Angestellten und Köchin. Wir schreiben uns ins Verzeichnis und genießen die Ruhe und die unaufdringliche Art im freien Innenhof zu plauschen.
Gleich wird uns angeboten, auch mal in der Küche vorbeizusehen. Wie man an den vielen Fotos sieht, haben wir das reichlich genutzt. Jetzt lernen wir, wie der Masala Chai zubereitet wird: kochendes Wasser mit Tee, die Gewürze hinein, kochen lassen und zum Schluß die hier nicht pasteurisierte Milch auch noch mal mitköcheln lassen, fertig.
Zu Essen gibt es unter anderem die grünen “Ladyfinger”, in Deutschland Okra genannt. Zum Lunch/Mittagessen essen wir vegetarisch. Dabei könnte es unserer aller Meinung nach auch bleiben bei diesem wunderbaren Geschmack und der Vielfalt. Abends allerdings serviert man uns auch Fleisch in ganz herrlicher indischer Weise. Mal ist es Lamm, dann Leber von der Ziege (super lecker), mal Hähnchen. Immer etwas scharf und nachwürzen kann jeder nach belieben. Es stehen immer drei bis vier verschiedene Speisen zur Auswahl und man kann wirklich leicht nachvollziehen, dass wir zwei Teller voll aßen.
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Der Mond übrigens ist wie in Afrika ganz anders als in
Deutschland. Von Indien aus sieht man den Hasen!
Fazit: wir haben uns von der Reise erholt, haben eine tolle
Gastfamilie und ebenso gute Zimmer wie Essen erwischt. Und die Menschen hier
sind einem ganz nahe, selbst wenn einige kein Wort mit einem reden, merkt man
ganz genau, wie es warm wird ums Herz, wenn man hinfühlt.
Heute reisen wir von Jodhpur nach Chandelao in die Wüste.
Dabei sind wir in einem ziemlich kleinen Jeep untergebracht, in dem wir die
Köpfe flach halten müssen, um nicht mit dem nächsten Hupfer am Gestänge zu
enden. Die Tour lohnt sich, denn wir kommen bei einem Töpfer vorbei, von dem
man in Deutschland auf Grund der Arbeits-Verhältnisse wohl annehmen würde, dass
es nichts werden kann. Es kann aber sehr wohl. Der Mann dreht die schwere
Scheibe mit einem Ast und gibt Schwung, der sich wohl etwa acht Minuten hält.
Es reicht für drei Töpfe und die dreht der Mann so präzise, dass Topf und
Deckel keinen Millimeter überstehen. Auch hat er den nötigen Witz für lustige
Dinge die man nach der Vorführung ergattern kann und will.
Zweite Station ist eine Art Drogerie mitten in der Wüste. Es
läßt sich am Zubehör unschwer erkennen, dass es ernst wird und mit dieser Art
Medikament läßt sich der Magen bei Durchfall gut reparieren. Die Familie ist
sehr gastfreundlich uns zeigt und die komplette Wohnung, die nach unseren
Maßstäben spartanisch anmutet, jedoch alles bietet und sehr sauber ist. Bei dem
Staub und Sand in der indischen Wüste Rajasthans wundert man sich über die
saubere Kleidung und vor allem den sauberen Sari, den die Gastgeberin trägt.
Das Leben ist sicher minimalistisch, aber nicht unkultiviert und das Lachen der
Hausherrin zeigt dass die Menschen hier sehr wohl glücklich sein können. Was
uns in Europa nicht hindern darf zu helfen.
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Nächste Station ist ein Teppichhändler, der alle Frauen der Umgegend
engagiert zu haben scheint, um selber gut leben zu können. Drei kleinere
Solaranlagen und ein Telefon mitten in der Wüste muten völlig paradox an, sind
aber hier zu beobachten. Ich habe keine Fotos gemacht, da es in der ganzen
Verkaufsform an einen westlichen Laden erinnerte und mich neben meinem
Desinteresse auch von der Weltlichkeit des Inhabers nicht ansprach. Aber das
eigentliche Ziel ist Chandelao und damit ein kleines Dorf mit etwa 1.700
Einwohnern. Wir steigen bei Pradyuman Singh ab, einem sehr netten Mann, der mit
dem Wiederaufbau seines Forts auch das Dorf unterstützt und eine wichtige
Funktion als Arbeitgeber hat.
Am Mittag treffen wir Kinder, die auch zu Besuch in dem Fort
sind und machen ein bißchen Aikido mit Ihnen. Ein kleines Seminar sozusagen.
Rollen vorwärts, rückwärts, unten auf dem Boden und im Stehen. Die Kinder
machen alle mit und haben offenbar großen Spaß. Mir ist bei 40 Grad nach kurzer
Zeit sehr warm und es öffnen sich die Poren. Sprich ich schwitze alles Wasser
sofort wieder aus. Geraldine und Esther-Sensei vertreten mich ein bißchen. Ich
mache weiter und als die Kinder nachmittags gehen, spendieren sie uns allen
Blumen zum Dank. Eine sehr liebe Geste und schon haben wir ganz viel
kommuniziert ohne viele Worte zu reden.
Dieses Dorf ist näher dran als alles was wir bislang gesehen haben. Größere Städte wie Delhi, Jodhpur und andere, haben den Charakter von Geld und starken Kontrasten von Farben und Finanzen. Hier jedoch sind die meisten Bewohner sehr offen und aufgeschlossen uns gegenüber, lächeln uns an und machen den Eindruck, sich über unseren Besuch zu freuen.
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Wir gehen ins Dorf, treffen viele Kinder und auch teils deren Eltern, werden eingeladen in ein Haus wo uns der Hausherr Wasser anbietet, was wir mit Rücksicht auf unsere europäischen Gedärme dankend ablehnen. Geraldine und Esther-Sensei bekommen die Fingernägel lackiert. Das Mädchen möchte uns unbedingt etwas mit auf den Weg geben. Wir treffen Menschen vor dem Dorf in der Wüste und bekommen Bohnen zum Probieren, gehen zum Brunnen, wo einige junge Frauen das Wasser holen. Es ist eine sehr herzliche Tour mit vielen netten Gesten und Kindern die nicht genug fotografiert werden können. Farben, Kontraste, Eindrücke und viel menschliches. Wir sind einigermaßen erschöpft von all den Impressionen und lieben Begegnungen.
Nach ein paar Schnappschüssen vom Fort Chandelao Garh machen
wir eine Kameltour durch die Wüste. Gut eingeschmiert und mit Hütchen habe ich
die Kamera wegen des Staubes nicht mitgenommen. Zur Mittagszeit sitzen wir an
einer Trinkstelle für Menschen und Tiere, die uns wie eine Oase vorkommt.
Unsere Kamele legen sich hin und wir sitzen auf einer Decke und machen
Picknick. Ganz schön dekadent finden wir.
Der Höhepunkt des Tages ist aber nicht dieser Ausflug, sondern der Kochkurs bei Sajjan, der Dame des Hauses. Sie hat eine ganz besondere Ausstrahlung (ich nenne das auch gerne Aura) und wir lernen bei ihr nicht nur kochen sondern auch etwas über das Leben, doch dazu später. Sajjan hat dicke graue Haare, die ab und zu unter dem Sari hervorblitzen. Ihre Augen und Ausstrahlung sind überaus warmherzig und das äußert sich auch in ihren Worten.
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Sie kocht heute abend für uns draußen im Garten auf einem
Öfchen ein indisches Gericht mit Bohnen und anderem lokalen Gemüse. Interessant
wie zuerst der Knoblauch in Stücken ins heiße Öl kommt und braun wird. Bei mir
schmeckt der dann immer sehr bitter, aber vielleicht ist es deshalb anders,
weil ich den Knoblauch immer in Stückchen schneide und hier von Sajjan ganze
Zehen reingeworfen werden. Später folgt dann noch die Knoblauch-Ingwer-Paste.
Allerdings schmeckt man den Knoblauch bei diesem Essen nicht wirklich raus. Das
liegt sicher an den anderen Gewürzen wie Garam-Masala und Kurkuma etc., die dem
Essen einen einzigartigen wunderbaren Geschmack verleihen. Wir reden mit Sajjan
über das Essen, die Kultur und merken schnell die Weisheit dieser alten,
junggebliebenen Dame. Wir gehen in die Küche, um den Koch und andere bei der
Zubereitung des Abendessens zu treffen. Wieder einmal wird das leckere Brot
Chapati gebacken und wir sitzen abends auf der Terasse, schauen in die Sterne,
sehen den Hasen im Mond und denken viel über Indien nach. Ein wunderbares Land
voller Kontraste, was wirklich sehr starke Emotionen loslöst, wie Geraldine es
richtig ausdrückt.
Es ist ein besonderer Abend als sich auch Sajjan zu uns an den Tisch setzt und mit uns ißt. Wir sitzen ganz lange zusammen und reden ein bißchen, auch als wieder mal der Strom ausfällt und wir Kerzen auf dem Tisch haben. Dann sind da diese Pausen, die mir wie mehrere Minuten vorkommen, in denen wir gar nicht reden. Sajjan guckt uns alle einzeln der Reihe nach an und ich bekomme ein sehr warmes Gefühl im Herzen. Sie weiß alles über uns, in ganz kurzer Zeit, ohne uns gefragt zu haben. So viel ist sicher. Es ist schwer zu beschreiben was sich da an diesem Abend tut. Jedenfalls viel Kommunikation ohne Worte. Man muß es auch Liebe nennen. Und eine ganz besondere Erfahrung.
Anmerkung von Bernd: Wie es weiter ging auf der Reise, kannst
Du in Peters Blog lesen. Schon wegen der tollen Fotos lohnt der Besuch bei Log.Roskothen.de - Für
die INN beschließen wir zunächst Peters Reisetagebuch mit ein paar Gedanken,
die Indienreisenden unweigerlich nach der Rückkehr durch den Kopf gehen.
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Als Fotokünstler fällt mir nach unserer Reise noch was zum
Thema Indien ein: In Deutschland ist jeder sofort um seine
Persönlichkeitsrechte bemüht, wenn man ihn zufällig fotografiert. In Indien ist
das ein Grund in die Kamera zu lächeln und sich zu freuen. Es fällt mir schwer
zu verstehen, warum das so ist; warum die Deutschen gleich Panik bekommen wenn
sie ein Fotograf auf Zelluloid bannt. Liegt es daran, dass so viele Menschen
fremd gehen und nicht mit der Freundin am Arm auffallen möchten? Oder hat es damit
zu tun, dass jeder glaubt er hätte ein Recht und müsse es nutzen, obwohl er es
nicht in Anspruch nehmen muss und ohne es wirklich zu kennen?
Zurückkommen aus Indien heißt auch ganz schön durcheinander zu sein. Es fällt mir nicht einfach, die Bedeutung von Haushalt und Job zu finden, nach den wichtigen Impressionen aus Indien. Alles scheint recht unwichtig im Vergleich zu den massiven Eindrücken von Schere zwischen finanzieller Armut und Reichtum, offenen Herzen, Freude von Menschen an uns als Besuchern und anderen sehr verwirrend uneuropäischen starken Emotionen. Das Sprechen über und Verstehen der anderen Kultur Indiens gehen einher mit dem dringenden Wunsch, den finanziell Ärmeren Hilfe zur Selbsthilfe geben zu können. Ein gutes Projekt mit eigener Hilfe oder Zuwendung zu unterstützen wie “Fairtrade” z.B.. Ich bin durch den Wind, in Gedanken immer wieder auf der Suche nach mehr Sinn als nur Geld verdienen und vor sich hin leben, essen, konsumieren, arbeiten und vergessen. Es war ein ordentlicher Schub in die Richtung über sich und den Sinn des Lebens nachzudenken. Ein sehr erhoffter und erwünschter Kick in den Allerwertesten.
So lieben es die Wiederholungstäter, wenn sie erneut nach Indien aufbrechen: Sie wollen lieb gewonnene Freunde wieder treffen - aber auch zu neuen Ufern aufbrechen. Bei den beiden Freundinnen Hille aus Kaarst und Gisela aus Dormagen waren das in erster Linie die Ufer des Ganges. Lest den "Krankheitsbericht" von Hille, die auch nach ihrer siebten Indienreise erkennen muß: Der "virus indicus" ist nicht heilbar!
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Im ganzen waren es vier ehemalige KD-Gäste, die ich erneut zu Bhavna & Chandra in die Wüste schicken durfte. Da aber eigentlich jeder für eine neuerliche Indienreise ganz individuelle Interessen anmeldet, gebührt der logistischen Leistung Chandras hier besonderes Lob. Unter seiner Regie machten Christine, Ursula, Hille und Gisela den ersten Teil der Tour gemeinsam. Erst nach der Zeltteilung auf der Pushkar Mela kam es dann zur Zellteilung: Die Vier teilten sich in zwei Zellen: Ursula und Christine gingen in den warmen Niederungen auf die Pirsch, während Hille und Gisela die Winterjacken auspackten und dem Ruf des heiligen Ganges folgten.
Hilles Bericht lag eine CD mit 137 Bildern von dieser Novemberreise 2005 bei. Aus dieser Fotoauswahl stammt die Garnierung dieser Reiseberichterstattung, die ich mit Bildunterschriften und einigen Überschriften zur Gliederung ergänzt habe. Der "O-Ton Hille" ist zu Ehren der Autorin wie üblich fett-kursiv hervorgehoben. Den Reiseverlauf können Interessenten online unter "Reise R53" nachschlagen.
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Die Vielfalt der Namen mag Euch verwirrend vorkommen, aber wichtig dabei ist lediglich, daß Bhavna & Chandra als Organisatoren unserer Nordindientouren wahrhaftig fast überall verwandt, verschwägert oder zumindest gut befreundet sind. Das ist unseren KD-Prinzipien wichtig, denn so kommen wir auch an neuen Wunschzielen privat bei netten Familien unter und brauchen nicht ins Hotel.
Bei unserer Ankunft in Jodhpur erwartet uns Chandra am Bahnhof und wir fahren zur Indrashan Residenz. Es ist ein herzliches Wiedersehen mit Bhavna und Lady Ba. Zu unserer Überraschung ist Margaret aus England auch wieder zu Besuch. Vor zwei Jahren hatten wir sie dort kennen gelernt. Wir haben drei wunderschöne Tage vor uns. Wir gehen verschiedentlich mit Bhavna Stoffe einkaufen und lassen uns Punjabi Suits machen oder bummeln durch die blaue Stadt und kaufen im alten Bazar jede Menge Gewürze. Und mittags und zum Abend gibt es immer köstliche Mahlzeiten im Indrashan.
Eines Nachmittags nimmt uns Lady Ba mit zu einem Dorf, wo wir den Hochzeitsvorbereitungen einer Braut beiwohnen dürfen. Am letzten Abend, Christine und Ursula sind inzwischen auch angekommen, lädt Chandra uns zum Abendessen ins ROCK ein, einem sehr schönen Gartenrestaurant. Nun heißt es wieder Abschied nehmen.
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Da Christine so ausführlich die Eindrücke der ersten zwei Wochen geschildert hat, werde ich ab Agra, wo sich unsere Wege trennten - Christine und Ursula zurück nach Rajasthan und Hille und Gisela Richtung Norden - weiter berichten.
Nur möchte ich noch erwähnen, dass ich im Gurdwara von Gwalior einen alten Sikh wieder traf, den ich vor sieben Jahren dort kennen gelernt hatte. Er lud uns zum Tee und zum Essen ein. Auch bot er uns an, beim nächsten Besuch kostenlos im Gurdwara zu wohnen und zu essen so lange es uns gefallen würde.
Wir fuhren mit dem Zug von Agra nach Dehradun. Zug fahren in Indien ist sehr komfortabel. Man wird mit Wasser, Tee und warmem Essen bei Laune gehalten. Als Gäste im Simur House von Maharaja Udai und seiner Frau Razika verbrachten wir wunderschöne Tage in Dehradun. Ein stilvolles Anwesen in einem herrlichen Garten. Beeindruckend ein großes Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad und Loggia zum Garten für jeden von uns. Auch wundervoll, endlich mal fünf Nächte im selben Bett! Im Empfangsraum hängt ein riesiges Tigerfell an der Wand. Mit verschmitztem Lächeln verweist Udai auf seinen Großvater als „Missetäter“.
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Jeden Tag sind wir unterwegs zu den verschiedenen Städten und Sehenswürdigkeiten. Abends vor dem Essen sitzen wir dann alle gemütlich beisammen, hören Musik, haben unseren Drink und jeder erzählt von sich, seinen Abenteuern und Familie. Wir haben oft alle so herrlich gelacht über Begebenheiten, auch unsere Gastgeber haben sich köstlich amüsiert. Anschließend wird immer ein mehrgängiges Abendessen serviert. Und stell dir vor, als Gisela sich nicht wohl fühlt, kommt Udai mit seiner Medizinbox herbeigeeilt - und siehe da, ich staune: Er hat alle zwölf Schüsseler Salze vorrätig. Udai und Razika erzählen auch einiges aus ihrem Leben. An einem Abend, Razika hat uns diese „Privataudienz“ ermöglicht, fahren wir alle zusammen zum Ashram eines Gurus und lernen „Babajee“, einen wunderbaren Menschen kennen.
Unsere liebenswürdigen Gastgeber haben zwei alte Hunde - Missie und Chips. Chips hat die typische „Liebenswürdigkeit“ alter Herren angenommen und knurrt Udai bei jeder Gelegenheit an. Dieser Chips sitzt abends sehr oft vor seiner Schlafzimmertüre, und sobald Udai erscheint, zieht er grimmig seine Lefzen, knurrt und bellt das Haus zusammen. Um diesen Lärm zu vermeiden, „schleicht“ sich Udai durch seinen Garten von hinten durch sein Arbeitszimmer ins Schlafzimmer. Da fragt man sich, wer wirklich der Herr im Hause ist!!
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Wir verbringen einen hochinteressanten Tag in Haridwar. Nach Besichtigung verschiedener Tempel - zum Chandra Devi Tempel mußten wir mit einer Seilbahn hoch auf den Berggipfel - Giselas bleich gewordenes Gesicht hatte schon fast einen Schimmer von grün - warten wir auf den Sonnenuntergang, um der heiligen Handlung des abendlichen Lichtopfers der Priester des Shivatempels beizuwohnen. Diese Handlung beginnt bei Sonnenuntergang mit Gesängen und Schwenken riesiger Feuerflammen. Zwischenzeitlich gehen wir zum Ufer des Ganges, sehen den Waschungen der Gläubigen zu, und Jaideep vollzieht eine Puja mit einem Priester, so dass wir auch dies kennen lernen.
Nachts auf dem Heimweg nach Dehradun sind mit uns Hunderte von Hochzeitsgesellschaften in ihren Autos auf den schmalen Straßen unterwegs. Bernd du weißt, was das heißt! Auf dieser zweispurigen Straße sind mindestens vier Autos nebeneinander unterwegs oder beim Überholen kommen uns zwei bis drei mit riesigem Hupkonzert gleichzeitig entgegen. Da kann man nur noch die Augen schließen und hoffen!
Rishikesh hat außer den Sehenswürdigkeiten ein Restaurant namens „Chotiwalla“. Die Mähr besagt, dass der erste Eigentümer sich immer den Kopf bis auf einen Haarbüschel rasierte und man ihn „Chotiwalla“ und sein Restaurant dann ebenfalls nur so nannte. Zum Amüsement aller sitzt heute immer noch ein als Chotiwalla verkleideter Mann vor der Türe und bittet die Gäste, einzutreten. (s. Foto).
In Moussorie angekommen wandern wir an vielen Buden vorbei zum Kempti Wasserfall. Dort lassen sich die Jungvermählten gerne auf einem kleinen Felsen, der mitten im Wasserbecken liegt, fotografieren. Nicht selten endet solch ein Hüpfer auf den Felsen mit einem Platsch ins Wasser! Das wird von den Zuschauern mit großem Gelächter belohnt. In Moussorie kann man wohl die besten Rudraksh Mala und auch Sphetic (Kristallperlen) Ketten kaufen.
Leider müssen wir nun von unseren wunderbaren Gastgebern Abschied nehmen und unsere abenteuerliche Fahrt geht über enge Serpentinen hoch in die Berge hinauf nach Shimla. Wir brauchen einen ganzen Tag dazu. Gisela hat wieder mit der Höhe zu kämpfen. Das Hotel ist sehr gut, aber bei 5° des Nachts ohne Heizung ist das Duschen auf eisigem Marmorboden ein Abenteuer.
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In Shimla hätte ein Tag genügt, dafür hätten wir gerne im ersten Teil unserer Reise in Gwalior (siehe Christines Bericht) noch einen weiteren Tag zur Verfügung gehabt. Aber eine spontane Einladung zum Tee von Jaideeps Tante hoch auf dem Berg war eine schöne Erfahrung. Wir lernen eine sehr interessante und liebenswürdige Dame kennen. Sie und ihr Bruder leben zusammen in einem wunderschönen Haus mit einem herrlichen Rosengarten. Natürlich wurde wieder viel erzählt, auch von Familienfesten, wo sich dann hier locker zwanzig oder mehr Gäste einquartierten.
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Die Aussicht von den Höhen rund um Shimla ist fantastisch. Wir steigen auf dem höchsten Punkt, 2800 m hoch, hinauf zum Zakhu Tempel. Die Herren in und um diesen Hanuman Tempel herum sind natürlich die Affen. Diese rotgesichtigen kleinen Teufel sind sehr angriffslustig, springen uns an, um Brillen oder Kameras wegzureißen. Blitzschnell verstecken wir alles unter unsere schnell zugeknüpften Jacken. Einer springt mich von hinten an und will mir in die Hosentasche greifen. Dadurch findet die Besichtigung ein relativ schnelles Ende!
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Abends kommt Gisela auf die tolle Idee, uns bei der Kälte Rum, Zucker, Zitrone und heißes Wasser zu bestellen und mischen uns damit alle drei einen steifen Grog. Die Kellner im Restaurant schauen etwas ratlos zu. Na ja, diese komischen Ausländer!
Nach zwei Tagen Shimla fahren wir hinunter nach Chandigarh. Dort verbringen wir ein paar schöne Tage in einem wiederum wunderschönen Haus. Roopa, die Hausherrin ist Bhavnas Cousine. Auch hier wieder die Ahnengalerie gespickt von Maharajas und Maharanis. Die Schwester von Roopa ist mit dem Rana von Nepal verheiratet. Sie haben einen riesigen Dalmatiner, der auf den Namen „Spike“ hört - aber auch nur, wenn er will! Die Haustiere in den indischen Familien werden alle sehr geliebt und verwöhnt. Die Gespräche abends mit Roopa, einer modernen jungen Frau, sind auch wieder bereichernd und lustig. Einen Tag werden wir zu den Schwiegereltern Roopas und Jaideeps auf ihr Fort zum Mittagessen eingeladen. Ein toller alter Bau mit einem wunderschönen kleinen privaten Shivatempel mit Spiegeldecke.
Interessant in Chandigarth ist auch der „ROCK GARDEN“. Aus Glas, Porzellanabfällen, alten Steckdosen etc. wurden die phantastischsten Figuren und Szenen erstellt und farbig bemalt...
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Unsere letzte Station ist Jallandhar im Punjab. Wir werden von der Hausherrin Asha und ihren Dienern herzlich begrüßt. Wiederum ein toller Feudalsitz. Beide haben wir große Zimmer mit Bad. Aber Asha hat wohl das Kopfkissen und die Decken aus einer Kiste mit vielen Mottenkugeln genommen und ohne zu lüften auf die Betten legen lassen. Bei jedem Atemzug: Mottenkugel. In der ersten Nacht bin ich fast erstickt und hätte am liebsten die Nacht in der Halle verbracht. Asha war sehr liebenswürdig, aber hatte auch ein „einnehmendes“ Wesen. Sie hatte unsere Tage schon total für uns und natürlich mit ihr zusammen so verplant wie sie es sich dachte, ohne uns mit einzubeziehen. Auch eine neue Erfahrung.
Ein Tag Amritsar, ein ganz wunderbares Erlebnis. Würde ich gerne noch einmal wiederholen. Die Atmosphäre in diesem riesigen Tempelkomplex mit kostenloser Garküche für jeden ist einmalig.
Am nächsten Tag hatte Asha die Erlaubnis zur Besichtigung einer Fabrik bekommen, die alles fürs Kricketspiel herstellt. Leider habe ich keine Ahnung von diesem Spiel. Es ist das Lieblingsspiel der Inder. Aber zuzusehen, in welch penibler Handarbeit Schläger, Bälle und ganzen Ausrüstungen bearbeitet werden, ist schon beeindruckend.
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Des Abends sind unsere Gastgeber zu einem Hochzeitsempfang eingeladen. Sie nehmen Gisela und mich mit. Der Empfang findet in einem angemieteten Garten statt. An die dreihundert oder mehr Gäste erscheinen und die Damen sind alle in wunderschönen Saris und mit ihrem herrlichen Schmuck bekleidet. Wir wandeln überall an Garküchen und Kuchen- und Getränkeständen vorbei, wo wir uns beliebig bedienen können. Bei Punjabi Musik werden von den Tänzern typische Volkstänze vorgeführt und später tanzen auch die Gäste - männlich und weiblich - mit. Habe auch einfach mitgetanzt. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht.
Am nächsten Morgen um 6 h fahren wir dann mit dem Zug nach Delhi, und von dort fliegen wir wieder nach Düsseldorf.
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Bernd, dies war einer der schönsten all meiner Indienreisen. Wir lebten immer mit den Familien und Jaideep war mit allen irgendwie verwandt. Er machte es oft möglich, dass wir Zugang zu Dingen und Menschen fanden, die wir auf einer normalen Reise nie hätten erleben können. Besonders schön war es, Menschen wie Bhavna, Chandra, Giri und den alten Sikh wiederzusehen. Auf solch einer Reise hinterlässt man immer Freunde und hofft, sie alle und auch die neuen Freunde, zum Beispiel Udai und Razika, wiederzusehen. Ich nehme immer mit Wehmut Abschied von diesem Land und seinen liebenswürdigen Menschen.
Nebenbei, es war meine siebte Indienreise! Schwersterkrankung am Virus Indicus, sozusagen unheilbar!!
Weitere Fotos von
dieser Reise im Rahmen der Erstveröffentlichung in den INN 332
Dieser Titel soll nicht an die gleichnamige Flucht aus dem Iran erinnern, aber er trifft es trotzdem sehr gut. Auf ihrer Rajputana Discovery im November war für Rebecca ihre Tochter Anina Hauptperson. Nicht zuletzt ihretwegen hat die geborene Schweizerin mit Wahlheimat Spanien vornehmlich das ländliche Indien gesucht. Rebecca war nicht zum ersten Mal im Land der Maharajas, und sie wußte, daß Gandhi recht hatte: Die Seele Indiens findet man in seinen Dörfern. Deshalb hat Rebecca sich und ihre Tochter auch frühzeitig angemeldet, um mit dem KD-Recht der Erstanmeldung den Reiseplan anpassen zu können. Und dies geschah zu Gunsten der Landaufenthalte. Lest heute, was Rebecca für Euch zu berichten weiß.
Lieber Bernd
ich möchte in meinem
„Rückblick“ v.a. auf meine absoluten Highlights eingehen – nämlich: das
Land-und Dorfleben. Zuerst möchte ich sagen: “Es war so wie ich es mir
gewünscht habe!“
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Chandelao hat mir enorm
gut gefallen. Bei unserer Ankunft dort haben die Kinder sofort Anina entdeckt
und die Annäherungsversuche blieben auf beiden Seiten nicht aus. Nachdem wir
uns in den schönen und ansprechenden Zimmern eingerichtet hatten ging Anina
dann raus vor das Tor und war natürlich sofort umringt. Nach einer
Viertelstunde kam sie rein und sagte: „Mama, ich bin bei den Mädchen schräg
gegenüber.“ Nach einiger Zeit ging ich um die Situation zu „prüfen“. Da hockten
sie dann alle vereint am Boden, lachten, staunten und versuchten Anina ein
Spiel mit Steinen beizubringen. Die Knöpfe sprachen alle kein englisch aber es funktionierte
bestens. So ging das mit den Dorfkindern und Anina all die Tage. Schon am
morgen früh hörten wir die ersten unter unserem Fenster wie sie
„Aniiiiiiiiiiiiiiiiiina“ riefen. Es gab dann auch prompt etwas Knatsch unter
den Knirpsen weil sie sich nicht einig waren zu wem denn Anina heute gehen
soll. Sie haben sie mitgenommen zum See um Wasser zu holen, sie haben ihr
gezeigt wie man Chapatis zubereitet und am Abend die Wasserbüffel melkt.
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Nach zwei Tagen bemerkte
ich, dass Anina immer ein kleines Mädchen auf der Hüfte mit sich herumtrug. Auf
meine Nachfrage meinte Anina: „das ist Dimpal und sie will einfach immer
getragen werden“.
Monshu hat Anina ein
wunderschönes Mendi auf die Hand gemalt und alle girls waren sich einig – die
Jungs nerven, man will unter sich sein!
Ich selber habe jeden Tag meinen Dorfspaziergang gemacht, aber nur einmal ohne jemanden mitzunehmen als Begleitung. Am Schluss konnte ich mich kaum mehr fortbewegen vor lauter Kinder. Da gerade Diwali gefeiert wurde hatten sie auch alle schulfrei. Mit einem angestellten Pradhumans war´s wesentlich angenehmer.
Häufig wurde ich
reingebeten. Meist wurde dann Chai serviert und ich habe meiner Bewunderung
über die vielen Ziegen und Wasserbüffel die in den Innenhöfen standen
kundgetan, was dann die indische Farmersbrust stolz anschwellen liess. Alle
waren freundlich, offen und fröhlich. Obwohl wenig da war hatte man das Gefühl,
dass die Menschen hier geschützt und aufgehoben in einem sozialen, dörflichen
Netz zufrieden sind.
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Zu Diwali, dem indischen
Neujahrsfest, gab der Fürst, Pradhuman, eine Art Audienz. Da strömten sie herbei,
die „beturbanten“ Männer und hockten sich rund um den Fürsten um zu
diskutieren. Zerfurchte und gegerbte Gesichter konnte man da sehen, ältere und
jüngere, mit goldenen Ohrringen die wunderbar zu der dunklen Haut passten. Und
dann die Schuhe erst…… einfach schön! Etwas schüchtern, bei soviel männlicher
Übermacht, habe ich Pradhuman gefragt ob ich ein Foto machen könne. Ich durfte,
und habe dann auch dem Fotografierten
auf dem Display sein Bild gezeigt. Er war begeistert und tat das auch kund.
Alle wollten sein Bild sehen. Einer nach dem anderen fragten mich dann ob ich
sie auch fotografieren würde. Natürlich tat ich das noch so gerne und alle
hatten wir unseren Spass. Und so kam ich zu einer kleinen Sammlung
wunderschöner Männerbilder.
Ein tolles Erlebnis war
auch der Auflug mit dem Kamelkarren. An einer grossen Wasserstelle machten wir
halt. Es wurden unter einem grossen, schattenspendenden Baum Decken
ausgebreitet. Wir bekamen ein Picknick serviert vom Feinsten. Nix da mit
Sandwiches und Co! Reis, Dal, verschiedene Gemüse und Nan – perfekt! Urs und
Tina wurden sogar mit einem kühlen Bier verwöhnt.
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Die Kulisse war genial.
Eine Baumgruppe weiter lagerten Hirten mit ihren Schafen und Ziegen im
Schatten. Kinder schauten uns belustigt beim Essen zu. Drei junge Frauen,
Wasserkrüge unter ihren Armen, kamen um das kühle, kostbare Nass in ihre
Gefässe zu füllen und diese dann, wunderbar balancierend, auf ihren Köpfen nach
Hause zu tragen. Mit den farbigen Saris waren sie in der kargen Lanschaft
Farbtupfen wie sie schöner nicht sein könnten.
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Pradhuman gönnte sich ein
Nickerchen und Urs fackelte nicht lange und tat es ihm gleich.
Einige Wasserbüffel
genossen ein kühles Bad während kleine, weiss-braune Vögel auf ihnen rumhüpften
um sie von Ungeziefer zu befreien. Ich entdeckte eine Wasserschildkröte die
auftauchte um sich zu sonnen. Friedlich war es hier – wunderbar.
In Pershawar war die
Landschaft grüner. Überall wurde Gemüse angepflanzt.Da fand man von Karotten,
Auberginen, Blumenkohl, Paprika, Chilly über Futterpflanzen für die Tiere
alles. Nur der Dorfteich sei so schmutzig, dass nicht mal mehr die Wasserbüffel
darin baden wollen, sagte man uns. Irgendwie werden solche Dinge einfach als
Tatsache, an der sich nichts ändern lässt, hingenommen - schade! Die
Verschmutzung mit Plastikabfällen überall am Wegrand tut einem in der Seele
weh.
Aber auch da wieder
wunderbar freundliche, offene Menschen die sich riesig freuen wenn man ihnen,
nachdem man gefragt hat natürlich, das soeben gemachte Foto auf dem Display
zeigt. Sich fotografieren lassen ist übrigens eine sehr ernste Angelegenheit.
Militärisch wirft „Mann“ sowie “ Frau„ sich in Pose. Angemessen ernsthaft fällt
dann auch der Gesichtsausdruck aus – wie herrlich!!
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Was mir auch gut gefallen hat war Jaisalmer. Obwohl natürlich mittlerweile mit vielen Touristen, empfand ich es nicht als so enorm laut und hektisch wie Jodhpur oder Udaipur. Die alten oder zum Teil auch schon neu renovierten Havelis sind eine Augenweide. Das immer noch bewohnte Fort mit seinen engen Gassen und kleinen Läden war für uns wie ein Abenteuerspielplatz. Es gab so viel zu entdecken!
Anina war von Dyvia und
ihrem Bruder Shakti begeistert. Immer wieder fragte sie Dyvia ob sie wirklich
eine echte Prinzessin sei.
Da ich den indischen
Silberschmuck sehr gerne mag, fragte ich Dyvia wo ich wohl etwas spezielle
Stücke finden würde. Kurzentschlossen fuhr sie mit mir in einer Motorriksha zu
einem Haus irgendwo in der Stadt. Treppe hoch in den ersten Stock und schon
brachte man riesige Gefässe gefüllt mit Silberschmuck und leerte sie vor uns
auf dem Teppich aus. Da wurde die Wahl wirklich zur Qual.
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Am Schluss, als ich einige
Sachen ausgesucht hatte, fragte ich Dyvia leise (aber scheinbar nicht leise
genug!) ob man denn hier auch über den Preis verhandle. Der Mann schaute mich an
– schmunzelte und sagte dann: „Madam wir können das gerne tun, aber bitte
beachten sie, dass ich dieses Spiel jeden Tag spiele und sehr geübt bin darin.“
Er lachte mich an und ich war erst mal platt! Das werde ich nie mehr vergessen
und während ich das jetzt so niederschreibe, muss ich wieder lachen, wie jedes
Mal wenn ich daran denke.
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Alle unsere Gastgeber
gaben ihr Bestes und ich habe mich überall wohl gefühlt (auch wenn schon mal
andere unsere Dusche benutzten). Das Essen war, ausser ein-zweimal in
Chandelao, hervorragend! Über unsere Guides kann ich beim besten Willen auch
nichts Negatives sagen. Saber in Delhi war etwas schüchtern. Siwi in Jodhpur
etwas introvertiert aber das ist ja legitim – wir sind auch nicht alle gleich.
Jaideep der ca. 31/2
Wochen mit uns verbrachte war genial. Offen, herzlich und zuverlässig war er
immer bemüht unsere Wünsche zu erfüllen. Auch mit Anina hat er immer viel Spass
gehabt. Ich mochte ihn sehr gerne.
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Abschliessend möchte ich
noch kurz über meinen Besuch bei einem
amerikanischen Ehepaar ausserhalb Udaipurs berichten. Die Beiden haben eine
Tierschutzstiftung gegründet. Da ich hier in Spanien auch etwas im Tierschutz tätig
bin, hat mich das natürlich sehr interessiert. Unsere Familie in Udaipur hat
für uns telefoniert und einen Termin vereinbart. Jaideep und der Hausherr (ich habe leider seinen Namen
vergessen) begleiteten mich und Anina. Wir wurden bereits erwartet. Jack und
seine Tochter Claire zeigten uns die ganze Anlage. Im Gegesatz zu dem was immer gesagt wird, gibt es eben sehr
viele und schlimme Unfälle mit Kühen und Strassenhunden. Da werden Esel mit
gebrochenen Beinen verarztet. Affen langen sehr oft in Stromleitungen und
brauchen dann Hilfe, sowie auch die vielen Strassenhunde die gesundgepflegt
und kastriert werden.
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Es gibt ein
Schlangenprojekt. Da gehen Jack, der übrigens die Landessprache beherrscht, zusammen
mit Mitarbeitern in die Dörfer um die Bewohner darüber aufzuklären, dass nicht
jede Schlage gleich getötet werden müsse. Auch ein Dorfprojekt gibt es, d.h.
ein Vetrinär besucht, bis jetzt leider nur zwei oder drei Dörfer ausserhalb
Udaipurs, und erklärt den Menschen, dass sie ihre Büffel und Kühe regelmässig
entwurmen und impfen müssen damit diese wieder mehr Milch geben und… und… und.
Unser Besuch bei „Animal Aid Society“ (www.animalaidunlimited.org)
war sehr interessant. Auch Jaideep und unser Hausherr waren sichtlich
beeindruckt.
Ich hoffe sehr, nein ich weiss, dass es für mich und auch
für unsere Tochter ein „nächstes Mal“ gibt in Indien. Dir Bernd und allen
Beteiligten ein herzliches „Dankeschön“!
Mit einem Grüezi aus der Schweiz schreiben Doris und Urs über ihr intensives Indienerlebnis mit Kerala Discovery. Sie waren im November zu fünft in Indiens Wüstenprovinz Rajasthan und haben auch das gewaltige Pushkarfest erlebt.
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Lieber Bernd,
schon eine Woche sind wir nun wieder in der nebligen,
kalten Schweiz. Die Fotos sind entwickelt und sortiert. Wir können uns nicht genug
satt sehen an den tollen Erinnerungen. Das ist die Gelegenheit Dir für die
tolle Organisation zu danken. Unsere Erwartungen wurden sogar übertroffen. So
zu reisen war genau unser Wunsch. Mit der Pünktlichkeit eines schweizerischen
Uhrwerkes klappte alles und wir konnten uns auf die Menschen und die
Sehenswürdigkeiten konzentrieren.
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Die abwechslungsreiche Zusammenstellung der Reise durch
Städte, Dörfer und Wüste hat uns begeistert. Chandelao mit dem gemütlichen Picknick
am See, der Kamelritt zu den Dünen, der Kamelmarkt in Pushkar, das Dorfleben in
Peharsar und der Taj Mahal waren für uns die absoluten Highlights. Die Städte
mit den Menschenmengen, dem lärmenden Verkehr, den Kühen und den Marktständen waren ein bunter Kontrast wie
ein Kaleidoskop. Natürlich sind hier auch die netten Gastfamilien, allen voran
Chandra und Bhavna zu erwähnen. Auch als Urs wegen seiner Nackenstarre die ihn
in Chandelao plagte einen Arzt benötigte, waren sie zur Stelle. Auch durften wir
nach dem Arztbesuch noch eine Nacht bei ihnen verbringen. Dankbar waren wir
auch unserem Busfahrer, der uns sicher durch diesen gefährlichen Verkehr
chauffierte.
Mit unserer Reisegruppe hatten wir keine Probleme.
Einzig fanden wir schade, dass Tina sich (warum auch immer) nie an Gesprächen
weder mit den Gastfamilien noch mit Jaideep oder der Gruppe beteiligte.
Leider gehört nun diese tolle Reise, die wir uns schon
so lange gewünscht haben, der Vergangenheit an. Vergessen werden wir Rajasthan
und ihre freundlichen Menschen nie! Für uns steht schon jetzt fest: Indien muss
uns nochmals ertragen. In ein paar Jahren, wenn alle Steuern, teuren
Zahnarztrechnungen, Hochzeit der Tochter etc. bezahlt sind würden wir gerne
noch Kerala kennen lernen. Selbstverständlich greifen wir dann wieder auf
Kerala-Discovery zurück.
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Alle Fotos können wir Dir nun doch nicht schicken, sonst
würde Dein Computer explodieren. Aber hier erhältst Du eine kleine Auswahl. Wir
wünschen Dir schöne Feiertage und grüssen Dich herzlich
Doris und Urs
Urs hatte zunächst Hemmungen, meine Mailbox mit allzu dicken Fotos zu verstopfen - als ich versicherte, daß es mit meiner DSL-Flatrate kein Problem sein, habe ich noch einmal "Nachschlag" bekommen. Und das hat sich gelohnt, wie Ihr hier heute selbst feststellen könnt. Bis auf zwei themenbezogene Ausnahmen sind heute alle Bilder von Doris & Urs. Danke!!
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Einem Sprichwort zufolge ist Neid die aufrichtigste Form
der Anerkennung. Die Furcht vor Neidern förderte jedoch in allen Kulturen
Formen der Beschwichtigung, Amulette und Gegenzeichen. So baumelt in Indien
eine große Puppe am Gerüst eines Neubaus, um den »bösen Blick«, das heißt
neidische Augen, abzufangen. Auch hängt bisweilen ein zerrissener Schuh am
Kühler eines PS-starken Autos. Er soll demonstrieren, wie oft ein Fußmarsch
erforderlich war, weil das Auto streikte. Kein Grund, neidisch zu sein, will
uns das sagen.
Trotzdem ist es therapeutisch gesehen vermutlich nicht
gesund, Euch des öfteren von der Indienreise zu berichten, die ich im
Januar-Februar für Hille aus Kaarst und ihre Freundin Gisela organisiert habe.
Denn hier bricht sogar bei mir der Neid offen durch: Wann hat man schon einmal
die Zeit, so lange in Indien zu sein wie die beiden? Lest, was Hille diesmal zu
berichten hat:
Hallo Bernd,
hier kommt die Fortsetzung unserer Reise. Von Kerala
flogen wir nach Bombay, um die Insel Elefanta aufzusuchen. Bombay selbst hatten
wir auf anderen Reisen schon intensiver kennengelernt.
Weiter ging es nach zwei Tagen "im Flug"
nach Jodhpur. Die Fluggesellschaft Jet Air ist wirklich zu empfehlen. In Jodhpur wurden wir von Chandra und
Chandraveer abgeholt. Zu der Zeit ahnten wir noch nicht, mit welch einer
wunderbaren Familie wir einige Tage verbringen würden. Chandra und Bhavna waren
tolle Gastgeber. Sie verwöhnten uns in jeder Hinsicht. Bhavnas köstliche
Mahlzeiten und immer, wenn mir etwas besonders gut schmeckte, wurde es in den
nächsten Tagen nochmals serviert mit dem Hinweis: "Hille liked it so
much". Suchten wir im Basar etwas Besonderes, gab uns Bhavna gezielte
Hinweise oder fuhr mit uns, damit wir ja auch den richtigen Schneider und die
richtigen Stoffe finden würden. Sonst begleitete Chandraveer uns auf unseren
Entdeckungsreisen.
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Am schönsten war es immer, im gemütlichen Innenhof zu
sitzen und mit Lady Ba zu plaudern. In sehr guten Englisch erzählte sie mir bei
vielen Tassen Masala Tee Geschichten über Sati Mataji und deren Wundertaten oder erklärte mir die Historie der Familie.
Abends saßen wir mit der ganzen Familie - und auch ihren Gästen - im Salon und
entspannten uns zur "Happy Hour" mit einem Whisky oder Gin. Anschließend
folgte das mehrgängige Dinner. Ein richtiges Luxusleben!
Lady Ba ist die Mutter von Maharaj Chandrashekhar (Chandra).
Die alte Dame, die eigentlich Lakshmi heißt, wird von allen Familienmitgliedern
mit "Ba" angeredet. Auch mir gewährte die liebenswerte Patriarchin
diese Gunst - aber der Respekt veranlaßte mich, zumindest "Lady Ba"
zu sagen. Erst später erfuhr ich, daß dieses "Ba" wie auch die Lady
selbst aus Gujarat stammt, wo es soviel wie "Mami" bedeutet. Ich war
erst besorgt, ob es nicht als lächerlich empfunden wird, "Lady Mama"
zu sagen - aber Lady Ba fand es originell und war stolz, in den Traumheften und
im Internet diesen Titel zu tragen. Also haben wir es beibehalten. Die Mutter
mit ihrem Namen Lakshmi anzureden, würde allerdings als unhöflich gelten.
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Wer das Rajputana Traumheft nicht hat und Lady Ba's
Geschichten über Bala Sati Mataji noch einmal nachlesen möchte, der mag zu den INN 220 vom
4.12.03 zurückblättern.
Dann verließen wir unser "trautes Heim" für
einige Tage und fuhren mit dem Nachtzug nach Jaisalmer. Zugfahren ist ein
Erlebnis. Mit angeketteten Koffern unter dem Sitz versuchten wir mit 50
weiteren Reisenden, in sechser Schlafkojen etwas unterteilt, in den Schlaf zu
kommen.
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Es röchelte, schnarchte und redete ununterbrochen um
uns herum. Jeder packte im Laufe der Fahrt auch sein Essen aus, dementsprechend
wurde die Luft mit den Stunden immer "dicker".
Morgens um 6.30 h kamen wir an und jemand mit
verschlafenen Augen holte uns ab. Gisela, Birgit und ich wurden zusammen mit
unserem Reisegepäck hinten in ein Tucktuck gezwängt, vorne saß der Fahrer mit
unserer "Begleitung". So ging
es dann zum Mendir Palast, wo wir in den nächsten Tagen wohnten. Später lernten
wir Prinzessin Dyvia und ihre Brüder, die Prinzen Vikram und Shakti vom Nachana
Haveli nebenan kennen. Mit Shakti fuhren wir hinaus in die Wüste, um einen
Kamelritt über die Dünen bei Sonnenuntergang zu erleben. Es war ja ganz
romantisch, nur war mein Kamel wohl etwas ungehalten, sprang hoch, ehe ich mich
zurecht gesetzt hatte und kam ganz bösartig in Berührung mit meinem Steißbein.
Die "Erinnerung" hielt einige Tage an!
Abends saßen wir im romantischen Innenhof des Nachana
Haveli und speisten mit Divya, während Sänger und Tänzerinnen uns unterhielten.
Vikram und Shakti hatten auf dem Dach ein großes Holzfeuer gezündet, und wir
saßen mit unseren Drinks davor und lauschten den Musikern. Mit Divya hatten wir
intensive Gespräche über ihr Leben, ihre Wünsche und die Traditionen wiederum,
die sie einengten. Ihre Garderobe entwarf sie selber und ließ sie dann nähen.
Ganz modern aber auch mit indischem Touch.
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Wir erlebten das jährliche Desert Festival in
Jaisalmer. Die stolzen Rajputenreiter in ihren traditionellen Gewändern kamen auf
herrlich geschmückten Kamelen und Pferden daher. Sie versammelten sich im
Vorhof des Forts und ritten in geschlossenen Reihen durch die Stadt. Wir fanden
das nun ganz toll.
Nach einigen Tagen fuhren wir per Zug wieder zurück
nach Jodhpur. Jaisalmer Bahnhof: Wir warten auf den sich verspätenden Zug.
Neben mir ein indisches Ehepaar, die ihren Lunch auspacken. Eine Kuh riecht den
Leckerbissen, schiebt mein Gepäck zur Seite, kommt mit ihrer labernden Zunge
dicht an meinem Gesicht vorbei und will der Nachbarin das Brot entwenden.
Ehemann ganz schlau, lockt sie mit "Ts-ts-ts" und Fingerbewegungen
eine kleine Strecke weg. Kuh kommt wieder, schmeißt mich fast von der Bank.
Ehemann wieder mit "Ts-ts-ts", lockt sie auf die Straße, schließt das
Eingangsgitter des Bahnhofs, kommt zurück und ißt ruhig weiter.
Chandra und Bhavna empfingen uns wie lang vermißte
Verwandte. Am letzten Tag in Jodhpur luden sie uns des Abends zum Dinner hoch
oben aufs Fort ein. Der Anblick über die beleuchtete Stadt hinweg war einmalig
schön. Es fiel uns schwer, Chandra, Bhavna und Lady Ba zu verlassen.
Wir fuhren mit Chandraveer nun mit dem Auto neuen
Abenteuern entgegen. Fortsetzung folgt.
Ich hoffe, Ihr seid nicht böse, wenn ich für die
Veröffentlichung in den INN Eure Berichte mit Überschriften und Absätzen etwas
gliedere. Natürlich will ich dadurch die Aussagen der Gäste nicht verfälschen.
Hilles Bericht wurde deshalb Wort für Wort übernommen, und ich habe nichts
weggelassen. Insofern würde ich mir wünschen, wenn Ihr auch ab und zu etwas
schreibt, was Euch nicht so gut gefallen hat. Die Leser auf dieses
gegensätzliche Land vorzubereiten und mir die Möglichkeit geben, von Euren
Eindrücken zu lernen - das ist seit jeher der Sinn unserer Reisereports.
"Wieder daheim" habe ich über Hilles letzten
Absatz geschrieben. Ich will Euch damit auf etwas aufmerksam machen, das beim Lesen
unserer Routenpläne niemandem auffällt. Auf der Reise selbst ist es aber ein
besonders angenehmes Erlebnis, "wieder nach Hause zu kommen". Gerade
in einer so fremden Kultur sucht der Gast automatisch nach einer engeren
Beziehung zu den Menschen, die ihn begleiten und ihm helfen, sich zurecht zu
finden. Daher stehen die Gastgeberfamilien in besonderem Maße für Sicherheit
und Geborgenheit. Dies ist um so
ausgeprägter, weil es sich um Privatfamilien handelt. Auf einer Hotelreise sucht man zwar ebenfalls nach einem
besonderen Vertrauensverhältnis zu Personal und Guide - ist sich aber ständig
bewußt: "Die werden ja dafür bezahlt."
Das werden unsere Gastgeber natürlich auch. Aber jeder Gast
spürt schnell: Das ist nicht deren Lebenszweck und Haupteinkommen. Im Gegenteil
- man kann bei der kompromißlosen Gastlichkeit sogar ein schlechtes Gewissen
bekommen. Denn das, was uns Fremden dort an Wärme und Aufopferung
entgegengebracht wird, ist unbezahlbar.
Was für ein schönes Gefühl es sein kann, nach unseren Expeditionen
wieder nach Hause zur Gastgeberfamilie zurückzukehren, habe ich schon sehr früh
in Kerala gespürt. So hat sich dort auch das Prinzip der Stützpunktreise bis
heute erhalten. Fachtouristisch gesehen ist eine Rundreise allerdings
wirtschaftlicher. In Rajasthan zum Beispiel geht es nicht anders, weil die
sehenswerten Ziele sehr weit auseinander liegen. Wir lernen dort also alle paar
Tage neue Gastgeber kennen.
Immerhin ist es gelungen, die übliche Hetzerei der
Nordindientouren soweit zu entzerren, daß man auch die Menschen an den anderen Orten
ein wenig besser kennenlernt. Für den Tourist, der jede Nacht in einem anderen
Bett schläft, kommen die Menschen schwerlich über den Status von
"Fotostatisten" hinaus.
Besonderen Halt geben uns zusätzlich unsere Hauptgastgeber
Bhavna und Chandra, indem sie und ihre Family uns auf der gesamten Reise
begleiten. Um so intensiver ist das Erlebnis, nach einem Abstecher in die
Wüstenstadt Jaisalmer wieder zu ihnen heimzukehren. Probiert es aus!
Danke, liebe Hille, für Deinen Bericht und die schönen
Bilder! Ich hoffe, wir werden noch viel von Dir lesen und sehen!
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(2.1.03) Charlotte aus
Lübeck ist wie stets federführend in der Indienberichterstattung. So ist das
meist, wenn Ehepaare mit uns reisen: Es schreiben immer die Frauen. Ich bin
damit sehr glücklich, denn die KD-Reisephilosophie scheint sowieso einen
leichten "Östrogenüberhang" zu haben: Der überwiegende Teil unserer
Gäste sind von Beginn an weiblich.
Charlotte & Johannes
haben in diesem Winter unsere neue Gujarat Discovery gebucht - aber
gleichzeitig noch einmal alte und neue Freunde in Rajasthan besucht. Daraus
sind wieder fast 2 Monate Indien geworden, und die beiden aus dem hohen Norden
sind damit unbestritten die KD-Langzeitgäste Nr. 1 - hier ein kurzer Abriß vom
ersten Teil der Reise, der nach Rajasthan führte.
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Namasthé Bernd,
bevor Du einen (sicher
falschen) Endruck von den Nordlichtern bekommst, werde ich mich mal gaaaaanz langsam an die
Berichterstattung heranwagen.
Grund für die
lange (Schreib-) Pause ist u.a., daß wir einfach nicht wieder den richtigen
Rhythmus finden nach den zwei Monaten Indien. Liegt wohl auch am Alter, daß uns
das Eingewöhnen sehr schwer fällt.
Trotzdem werde
ich Dir nach dem folgenden in Kürze etwas "Werbewirksames" für die
InderNettNews schreiben, vielleicht auch den einen oder anderen Bericht - Fotos
gibt´s wieder reichlich (knapp
1.000) und z. T. sehr eindrucksvolle.
...
Rajasthan.
Dieser Teil der Reise hat auch unsere kühnsten Erwartungen übertroffen. Eine
Wiederholung einer schönen Reise birgt immer ein Risiko, geht man doch mit
nicht unerheblichen Erwartungen und Erfahrungen auf die nächst Reise. Die Tage
in Indrashan waren wie bei guten, alten
Freunden. Wir lernten Chou und seine Familie kennen, wir trafen - schon einmal
vorab - mit Pradyuman zusammen und
konnten auch Raggie wiedersehen. Reich beschenkt und mit dem Versprechen
versehen, daß wir uns vor unserer Rückkehr nach Deutschland noch einmal sehen
würden, haben wir Jodhpur verlassen. (Das Versprechen ließ mich gleich ahnen,
daß der liebe Bernd wohl geplaudert haben könnte...)
Auch die Tage
mit Praduman in Chandelao haben wir sehr genossen. Er ist ein rundum
liebenswerter Gastgeber und Freund (..
hat außerdem einen interessanten Onkel und wieder einen Traum von
Hund...)
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Jawohl, ich hatte geplaudert! Daß Ihr in Jaisalmer bei Prinzessin
Divya (Foto) Euren Hochzeitstag feiern werdet, konnte ich doch Chandra
nicht verschweigen! Er der für die Organisation aller Familienfeste seines
Clans verantwortlich ist, hätte mir das übelgenommen. (Foto Charlotte aus
Lübeck) |
Mit Ravla
Bhenswara hast Du wirklich einen guten Griff getan. Auch wenn sich der Leopard
versteckte, die Gastgeber sind überaus liebenswert, interessant und interessiert,
Kr. Shiv Pratap Singh´s Humor umwerfend, die Unterbringung lässt keine Wünsche
offen. Die Fahrten in die "Botanik" brachten viele neue Eindrücke.
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In Jaisalmer
kamen wir zu "alten" - wenn
auch jungen Freunden. Und was sich Divya, Vikram und Shakti zu unserem
Hochzeitstag einfallen lassen haben, hat uns beschämt und erfreut. Es war ein rauschendes
Fest, das unsere schon außergewöhnliche Hochzeit in der Südsee noch getoppt
hat. Und hier kam dann auch die Überraschung aus Jodhpur. Bhavna, Chandra und
Chou´s Tochter kamen angereist, um mit
uns und weiteren internationalen Gästen zu feiern. Kannst Du Dir vorstellen,
daß Chandra (durchgehend fast die ganze Nacht - siehe Foto oben) tanzte? Es
gibt Video-Aufzeichnungen, die in Jaisalmer zusammengeschnitten und Michael dann mitgegeben werden sollen. Fotos
gibt´s natürlich auch.
Die Tage auf Fort
Pokaran - wohin uns Bhavna und Chandra
noch begleiteten - war ebenfalls "Spitze". Die Hausherrin Ruby hat
mir besonders gefallen, weil sie - trotz Sari - auf eine ganz charmante Art die
Hosen anhat. Die Unterbringung war optimal in jeder Beziehungen. Man hat noch
viel vor mit dem Fort, und wir hoffen, daß man die Vorstellungen umsetzen kann.
Auch
Bikaner hat uns begeistert, (Ich hätte
mir Harshvardhan als Zukünftigen für
Divya gewünscht.) H. und seine Schwester Mandvi sind nicht nur gut aussehend, sondern auch ganz reizend. Und wieder einmal
fiel es uns schwer, die Gastgeber zu verlassen.
Mit Roop Niwas kamen wir wieder zu guten alten Freunden. Wir haben die Gastfreundschaft von Durga und Devendra Singh ebenso genossen wie die exzellenten Pferde und unsere Reitexkursionen in die Wüste.
So etwa fühlen sich Monika und Dieter auf ihrer Rajputana Discovery. Eine Reise, die von langer Hand geplant war – schon im April hatte sich die beiden mit zwei Freunden für die Dezemberreise 2001 angemeldet. Doch im September war die Welt plötzlich nicht mehr in Ordnung, die Freunde mußten aus familiären Gründen absagen und plötzlich schien das Indienabenteuer unter einem schlechten Stern zu stehen.
Und die schlechten Zeichen hörten auch nicht auf, als die beiden trotz aller Unkenrufe dennoch abgeflogen und in Delhi angekommen waren: Sie waren dort genau an dem Tage, als das Attentat auf das Parlament verübt wurde!
Wuppertal,
den 8.01.02
Lieber Bernd,
nach unserer Rückkehr von
unserer Rajputana‑Discovery war mein Glücksgefühl ob all des Gesehenen
und Erlebten so gross, dass ich Dich einen Tag später anrufen musste (so lange
hatte ich noch ausgehalten) , um alles aus mir heraussprudeln zu lassen. Du
warst ein geduldiger Zuhörer.!
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Dabei hatte die Reise
anfänglich wahrlich unter keinem guten Stern gestanden: Maja und Dieter E., unsere
langjährigen allbewährten Reisepartner, mussten ja leider in letzter Minute aus
Dir bekannten Gründen von der Reise zurücktreten. „Mein" Dieter laborierte
wochenlang an hartnäckigen Rückenbeschwerden, die ihn an seiner Reisefähigkeit
zweifeln liessen und schliesslich gab es auch noch das Problem Afghanistan.
Ausgang und Ende des Krieges waren zu dem Zeitpunkt nicht sicher vorhersehbar.
Alle Freunde warnten! Das ganze Unternehmen war für uns also nicht sehr
ermutigend, die Vorfreude mehr als gedämpft, um nicht zu sagen nicht vorhanden.
Ein Anruf bei Ursel und Johannes Reppe in Kassel, die diese Reise im November
2000 zusammen mit Freunden in ähnlicher Weise durchgeführt hatten, liess uns
dann erstmalig etwas optimistischer dreinblicken. Vielen Dank Reppes, die Sie
uns in so liebenswerter Weise aufmunterten und uns noch einige wertvolle Tipps
mit auf den Weg gaben! (Das Video, das wir Chandra nach Jodhpur mitnehmen
sollten, haben wir uns natürlich mit grösstem Interesse angeschaut )
Lasse ich jetzt
rückblickend die Reise vor meinem geistigen Auge Revue passieren, so kann ich
nur sagen, dass mit jedem Tag unseres Aufenthaltes in Rajasthan mein
Stimmungsbarometer stieg und ich bereits ab dem 3. Tag die euphorische
Bemerkung zu Dieter machte: wir sind Glückskinder!
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Vergessen sind an den
Tagen 1 und 2 der Lärm, Gestank, das ständige Gehupe und das Verkehrschaos in Delhi
( und wir mittendrin in einer wackligen Fahrradrikscha mit noch nicht
abgelegten europäischen Vorstellungen), der nachträgliche Schrecken, am 13.12.
zehn Minuten vor dem Attentat das Parlament passiert zu haben (wie recht hatten
doch die Freunde mit ihren Mahnungen..), der nicht funktionierende
Filmtransport meiner Kamera (die zweite Kamera lag bei Sonis in der Wohnung,
deshalb gibt es keine Fotos vom Red Fort und dem Quatb‑Minar‑Komplex),
die erste Nachtfahrt im Sleeper von Delhi nach Jodhpur,ich auf der „zweiten
Etage"ca 2 '/ m vom Fussboden entfernt unter der Decke schwebend (Wehe, Du
hast nachts in dieser aussichtslosen Lage mal ein Bedürfnis), Dieter mit seinen
barocken Formen krampfhaft sich bemühend die erste Etage zu erklimmen (ein Lacherfolg
fürs ganze Abteil) - all dies gerät im nachherein zu totaler
Bedeutungslosigkeit!
Und hast Du erst einmal
Deine europäische Messlatte für sanitäre Einrichtungen auf indisches Mass
gebracht, dann empfindest Du wackelnde Klodeckel, kalte Duschen, ausfallende
Elektrizität als völlig unbedeutend und irrelevant! Und das hat ganz stark mit
den wunderbaren Menschen zu tun, denen wir das Glück hatten, im Rahmen unserer
einzelnen Stationen zu begegnen und ins Gespräch zu kommen.
Natürlich kann man auch
mit jeder anderen Reisegesellschaft Jodhpur, Jaipur, Udaipur etc besuchen, die
sog. touristischen Highlights.
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Aber dann fehlten z.B .die
gemütlichen Frühstücke in Chandras Indrashan (Bhavnas köstliches Omelett mit Tomaten,
Zwiebeln und frischem Koriander muss ich unbedingt nachmachen, wie überhaupt
ihre Kochkunst überwältigend ist ), die interessanten Gespräche mit der
weltoffenen, wahrhaft weisen Grossmutter Lakshmi, die ihren Sohn einen halben
Tag lang souverän vertrat.
Wer wird drei Tage lang
von so einem liebenswerten, bescheidenen, immer aufmerksamen Menschen wie
Chandraveer nach Ranakpur und Udaipur begleitet, (reizende Kankarwa Haveli mit
traumhaftem Blick morgens früh auf der Dachterrasse frühstückend auf den
Pichola‑See und das Lake‑Palace‑Hotel ), nicht zu vergessen
die gemeinsame nächtliche Leopardensafari per Jeep im Aravalli‑Gebirge
mit dem rasantesten aller Fahrer Kanvar Shivpratap Singh (und wir sahen einen
Leoparden!).
Ich sage nur: Wenn Engel reisen...! Du hattest es mir ja bereits am Telefon erzählt, liebe Monika – auch daß Euch Shivpratap gestehen mußte, daß ich bei unserem letzten Besuch in Bhenswara den Panther nicht zu Gesicht bekommen hatte....
Unvergessen die Gespräche
mit der klugen Divya in Jaisalmer, die tiefe Einblicke in soziale Strukturen,
die schwierige Situation moderner junger Frauen hohen Standes „in der
Provinz" gewährten, ihr Spagat zwischen festverankerten, familiären
Traditionen und Verpflichtungen und eigenen modernen Ansichten.
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Liebenswerte, mutige
Divya, ich wünsche Dir und Deinen weiteren Plänen für die zauberhafte Haveli Nachana
alles Gute, denn so kommt die Welt, an der Du so interessiert bist, zu Dir!
Und dann der Glücksfall,
Pradyuman Singh aus Chandelao. Wir genossen die Erkundungsfahrten mit ihm per
Jeep und Kamelkarren in die Umgebung, wobei wir neben zahlreichen Nilgai‑Antilopen,
black‑bucks und Chinkaras auch eine unendlich vielfältige Vogelwelt an
den nahe gelegenen Teichen und Seen erleben durften. (Er erwies sich als
grosser Vogelkenner).
Wir genossen die Abende
mit ihm in zahlreichen Gesprächen (Aber nur einmal „dinner auf dem roof', denn
es war auf gut deutsch abends dort schweinekalt, da half auch der indische Rum
nicht), wobei er an allem interessiert war, uns für vieles die Augen öffnete
und auch uns auf alle Fragen offen antwortete.
Die Küche seiner Mutter
versetzte Dieter im übrigen auch immer wieder in helles Entzücken.
Ich hoffe, es hat auch Dir gemundet? „Geschmeckt“ darf ich ja hier angesichts der Schweizer Leserschaft nicht sagen.
Übrigens toll, wie Du schreibst! Man spürt förmlich, wie die Erinnerungen aus Dir heraussprudeln – noch weit bevor der Satz zu Ende geht, ist da schon wieder etwas Neues, Beeindruckendes einzuflechten.
Aber Du hast recht: Die Reisegruppen der professionellen Großveranstalter, denen Ihr oft an den gleichen Sehenswürdigkeiten begegnet, die natürlich auch wir uns nicht entgehen lassen, können selbst auf der gleichen Route nicht die Erlebnisqualität erreichen, die unsere Rajputana Discovery bieten kann.
Zum einen reisen sie zu schnell. Wie kann man Kontakte zu netten Menschen knüpfen, wenn man jede Nacht in einem anderen Hotelbett verbringen muß? Bleiben denen also nur Kontakte zu Indern, die sich auf die Spezies „Tourist“ spezialisiert haben – und schon aus diesem Grunde für Indien nicht mehr repräsentativ sind.
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Wir hingegen sind Gäste der Maharajas, seiner Fürsten bis hin zum Landadel. Das sind genau die Menschen, die Kunst, Kultur und Geschichte seit Jahrhunderten geprägt haben. Ihre Tempel, Paläste und Havelis sind heute jedem zugänglich – aber unsere Gastgeber machen sie für uns mit gelebter, authentischer Geschichte lebendig.
Wer hat da noch Lust, den unpersönlichen, schwer verständlichen Litaneien eines amtlich bestallten Tourist-Guide zu lauschen?
Wen hätte es da also mehr
gefreut als uns, als wir erfuhren, dass die Plätze im Nachtzug von Udaipur nach
Jaipur ausgebucht waren (Was für ein Glück!) und wir statt dessen mit Pradyuman
„über Land“, d.h. mit Auto und Fahrer die Strecke bewältigen sollten.
Was gewannen wir
unverhofft alles auf diese Weise dazu!
Wir durften in Basi im
Freien lunchen im ca. 400 Jahre alten grösstenteils renovierten Castle seines
Onkels (zauberhafte Atmosphäre ), wir durften das Chittorgarh‑Fort hoch
droben auf einem Felssporn gelegen besichtigen, den Ort legendärer rajputischer
Heldentaten gegenüber muslimischen Invasoren über mehrere Jahrhunderte hindurch
(reizender alter Herr als Guide, der bereits Queen Elizabeth (1960?) führen
durfte ‑ heute sei aber ich (!) seine Queen!) und wir sahen Bundi, eine
mittelalterliche Perle mit herrlicher Festung und Palast mit wunderschönen
Wandmalereien im Moghul‑Style, leider wenn nicht bald etwas passiert
massiv vom Verfall bedroht.
Wir genossen den
abendlichen gemeinsamen Bummel durch die Altstadt von Bundi, in der die Zeit
stillgestanden zu sein scheint (und wo einen kein Händler belästigte) und wir
entdeckten in der Innenstadt die unglaublich beeindruckende Brunnenanlage
Ranijee Ki‑Baori, ein kleines architektonisches Wunder! Die Übernachtung
im Garh Palace Bundi, Royal Retreat, liess übrigens auch nichts zu wünschen
übrig.
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Danach empfanden wir die
rummelige Millionenstadt Jaipur ‑ die Altstadt im „Einheitsanstrich"
pink (würde ich eher als ocker oder sienabraun bezeichnen) als weniger
attraktiv, um nicht zu sagen nervig, den Palast der Winde ‑ pardon ‑
ein wenig als Operettenkulisse, das hübsche Madhuban‑Hotel, ruhig gelegen
mit freundlichem Personal und schöner Gartenanlage, war da eine kleine Oase!
Natürlich sind Amber,
Fatepur Sikri (leider fast die ganze Zeit im Nebel), Agra Fort und Taj Mahal
absolute Höhepunkte ‑ letzteres übrigens in Natura viel, viel schöner und
beeindruckender, als ich von Fotos und Bildbänden her erwartet hatte.
Natürlich ist man da auch
nicht allein (aber es waren vorzugsweise indische Touristen), doch waren wir
dies auch nicht im Keoladeo‑Nationalpark: Am 1 Januar, wie bei uns ein
Feiertag, schien sich halb Rajasthan dorthin aufgemacht zu haben. Die obligatorische
Fahrradrikscha habe ich grosszügig Dieter allein überlassen und mich statt
dessen auf ein gleichfalls zu leihendes Fahrrad geschwungen. Vielleicht eine
Alternative für bewegungsfreudige Menschen, denn die Rikscha holt man immer
wieder ein und kann so gleichermassen an der Führung und Erklärung des rührend
bemühten Rikschafahrers teilhaben.
Das ist gut gelöst im Keoladeo Ghana: Die Fahrradrikschafahrer sind ausgebildete Guides, die nach Zeit bezahlt werden. Je mehr Spezies sie also mit ihren verblüffend scharfen Augen ausmachen, desto mehr verdienen sie – unser Vorteil. Meine Augen sind nicht mehr ganz so gut, ich kam mir schon recht blöd vor, als ich die kaum sechs Meter im Baum verschlungene Felsenpython erst nach minutenlangem „There, there, rock python, big one!“ – „No, there“ – No-no, there, very near!“ entdeckt habe. Denn das Biest war armdick und mindestens vier Meter lang!
Zu erwähnen bleibt noch
der Aufenthalt in Peharsar in der Chandra Mahal Haveli, ehemaliger Landsitz
eines noblen Muslims, der 1947 nach Pakistan floh und Ausgangspunkt für die
zuvor genannten Ausflüge nach Fatepur Sikri, Agra Fort, Taj Mahal und Bharatpur
war.
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Dort erlebten wir
Silvester im Innenhof am Lagerfeuer in internationaler Runde: Engländer,
Schweden, Franzosen). Wunderschön - nur sollte man Unkundigen vorher sagen,
dass Peharsar (zumindest in dieser Jahreszeit) der weit und breit kälteste und
zugleichst feuchteste Ort ist, den man sich vorstellen kann! Kaum zu glauben,
dass wir zum Abendbrot mit allem Wärmenden vermummt, was greifbar war, im
Speisesaal erschienen, Pradyuman zudem mit der extra hierfür ausgeliehenen
Wollkappe seines Grossvaters auf dem Kopf!
Trotzdem schnatterten wir
noch immer, da musste mal wieder der indische Rum herhalten. Bezeichnenderweise
erhielten wir vor dem Zubettgehen von dem freundlichen Personal unaufgefordert
eine hot‑water‑bottle gereicht, in dieser Situation ein himmlisches
Geschenk!
Die Inder – und letztlich auch unsere winterhärtesten Gäste haben es berichtet: Dieser Winter war im indischen Norden in diesem Jahr besonders kalt. Das fing bereits im November an und hat sich zu Eurer Reisezeit Dez-Jan noch gesteigert. Schon Anfang Dezember berichteten die Medien von den ersten Kältetoten im Raum Delhi.
Sonst mußte ich nur vor den kalten Nächten in Jaisalmer warnen – jetzt allerdings ist eine warme Garnitur wohl für die ganze Rajputana Discovery zu empfehlen. Den man friert um so mehr, als die Tageshöchsttemperaturen durchaus über 30 Grad steigen können.
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Auf der Fahrt zum Flughafen
nach Delhi hatte sich Pradyuman abschliessend nochmals ein kleines Geschenk für
uns ausgedacht: ein Zwischenstop in Deeg, Sommerresidenz und Refugium der
Herrscher von Bharatpur aus dem 17. Jahrhundert, eine wunderschöne grosszügige
Palastanlage mit herrschaftlichem Park. Die Eintrittsgebühr (für Ausländer) war
mal wieder erfrischend hoch, wenn's dem Erhalt des Ganzen dient, zahlt man es
aber gerne.
Bleibt zum Schluss der
ganz aufrichtige Dank an alle, die uns den Aufenthalt in Rajasthan so zur
Herzensangelegenheit werden liessen, insbesondere Chandrashekkar Singh, der vor
Ort alles offensichtlich bestens, zuverlässig, flexibel und unkonventionell in
seinen Händen hält, Dank seiner liebenswerten Frau Bhavna, die in ihrer
Natürlichkeit den Einstieg in Indien leicht macht, Dank vor allem auch
Pradyuman, mit dem wir 9 Tage zusammensein durften und der uns in dieser Zeit
ein Freund wurde.
Ganz zuletzt natürlich
auch Dir Dank, dass Du eine so glückliche Hand bei der Zusammenstellung dieser
Reise hattest.!
Bleibt unnötig zu
erwähnen, dass der Abschied uns schwer fiel.
Es grüssen herzlich Monika
und Dieter aus Wuppertal
(der Name dieser
„Metropole aus dem Bergischen Lande" muss für indische Ohren recht komisch
klingen, zumindest sorgte er jedesmal für einen garantierten Heiterkeitserfolg
)
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Ihr könnt Euch kaum vorstellen, wie groß der Stein war, der mir nach Monikas Anruf und erst recht nach diesem Report vom Herzen gefallen ist. Die Reise stand aufgrund der ungünstigen Umstände schon vor dem Abflug unter derart widrigen Vorzeichen, daß man durchaus von einer äußerst kritischen Erwartungshaltung ausgehen konnte.
Wenn man eine Reise in ein solch gegensätzliches Land antritt, wo das Schöne unmittelbar neben dem Häßlichen liegt, dann genügen schon wenige Skrupel, und man sieht das berühmte Glas halb leer statt halb voll.
Ihr habt es nach anfänglichem Zaudern exzellent gemeistert und sehr schnell zur positiven Einstellung gefunden – nicht zuletzt auch durch unsere Gastgeber. Deshalb könnte man Euren bericht auch so überschreiben: „Idealgast trifft Idealgastgeber“.
Und Ihr werdet wiederkommen – da bin ich sicher!
Es ist unvermeidbar, immer auch ein paar
Wiederholungen und Übereinstimmungen zu lesen, wenn mehrere Gäste von ein und
derselben Reise berichten. Doch selbst wenn die Autoren zusammen unterwegs
gewesen sind, merke ich deutlich, wie unterschiedlich bewertet wird, wie
verschieden dieses gegensätzliche Indien auf seine Besucher wirkt. Silvia
berichtet nicht nur von den schönsten Erlebnissen, sondern nimmt
auch bei negativen Eindrücken kein Blatt vor den Mund – für zaudernde
Indieninteressenten also wieder ein guter und ausgewogener Bericht. Ihr seht,
wie eine Reise durch ein angeblich so schwieriges Reiseland abläuft und wie
sich Vorurteile und Befürchtungen durch kompetente Partner schnell
neutralisieren lassen.
Hallo, lieber Bernd,
Ich glaube,
schriftstellerisch bin ich auch nicht allzu begabt, aber ich kanns ja mal
versuchen.
Eigentlich kann ich es
ganz kurz machen: es war toll! Es .hat alles geklappt, die Züge waren
pünktlich, das Wetter gut, das Essen lecker (das Wort darf ich nicht benutzen,
Josef mochte das nicht). Aber vielleicht willst Du es doch etwas ausführlicher.
Also dann von Anfang an:
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Da wir nur zu viert waren,
habe ich kurz vor Abfahrt versucht, mit den Mitreisenden Kontakt aufzunehmen,
was bei Klaus und Josef auch geklappt hat. Eigentlich hatten wir uns auf dem
Wiener Flughafen verabredet.
Allerdings haben nur Josef
und ich uns getroffen und sind dann gemeinsam nach Delhi geflogen. Das war
schon mal prima. In Delhi haben wir dann auch Klaus gefunden und dann gemeinsam
auf Familie Soni gewartet, die allerdings auf sich warten lies. Allerdings
hatten wir schon während der Wartezeit Hilfe von einem freundlichen Inder, der für
uns bei Chandra angerufen hatte und dann durch ihn versucht hat, Familie Soni
aufzutreiben, die aber wegen irgendwelcher VIPs nicht zum Flughafen vordringen
konnten, na glauben wir das mal...
Wirklich unglaublich – aber wahr: Als ihr in Delhi angekommen seid, war das gesamte Umfeld des Indira Gandhi Airports wegen der Landung des Premiers Vajpayee abgesperrt und die Abholerfamilie Soni konnte nicht zu Euch vordringen. Aber...:
Irgendwie haben wir uns
dann doch gefunden und sind dann auch bei Familie Soni gelandet. Um es gleich
vorweg zu nehmen, war die 1. Station nicht gerade das Highlight der Reise. Wir
hatten alle nicht den Eindruck, daß unsere Hosts viel mit uns anzufangen
wußten, obwohl sie sich unbestreitbar Mühe gegeben haben. Mr. Soni ist ein ‑
mit Verlaub ‑ lausiger Autofahrer, was in Delhi nicht uneingeschränkt
ideal ist, die Wohnung kann man nicht zwingend als einladend bezeichnen. Wir
haben darüber auch mit Chandra gesprochen und auch ihm gesagt., daß der 1.
Eindruck doch für Neulinge wie wir es waren prägend ist. Hier sollte man
vielleicht etwas ändern. Ideal wäre es, Chandra könnte die Gäste in Delhi in
Empfang nehmen, dann wäre das sicherlich der gelungene Einstieg.
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Da hast Du nicht unrecht. Je nach Belastbarkeit sind unsere früheren Gäste mit den Sonis gut zurechtgekommen – doch inzwischen haben Chandra und ich beschlossen, doch lieber auf Nummer Sicher zu gehen. Künftige Rajputana Discovery Gäste werden also von Chandras Cousin Kirit betreut, der uns im netten Shant Kunj Guest House unterbringt.
Jedenfalls sind wir dann
nach einer überraschend angenehmen Zugfahrt in Jodhpur angekommen, und dort
begann dann wohl auch der Urlaub. Es waren noch 2 weitere Paare da ‑ sehr
angenehme Leute (Kanada und Texas). Chandra und Bhavna sind äußerst aufmerksame,
warmherzige Gastgeber. Insbesondere Bhavna hat es mir angetan. Sie ist wohl
eine vollendete Dame im angenehmsten Sinne des Wortes. Wir wurden umsorgt,
gehegt, gepflegt, ausgeführt, eingeführt, eine Geburtstagstorte habe ich auch
bekommen, und zum Abschied gab es auch noch schöne Geschenke.
Hier muß ich jetzt wohl
ein Wort zur Tour an sich verlieren. Ziemlich schnell waren Klaus, Josef und
ich und dann auch Ursula uns einig darüber, daß wir das Taj Mahal sehen wollen
und haben Chandra gebeten, diesbezüglich was für uns zu tun, und er tat ....
Er hat eine ziemlich
umfassende Touränderung organisiert. Das hat schnell geklappt, war nicht zu
teuer (ca 180 DM) und hat sich unserer Meinung nach auf jeden Fall gelohnt, und
das nicht nur wegen des Taj Mahals, sondern insgesamt war der Umweg an sich die
Sache schon wert. Wir waren uns ja nicht oft einig, aber hier schon. Zwar waren
wir dadurch ziemlich viel unterwegs, aber uns hat das jedenfalls gefallen. Du
könntest darauf ja mal einen Gedanken verschwenden, das Taj Mahal nicht nur als
Verlängerung anzubieten.
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Hier muß ich für die Leser etwas zur Reisephilosophie sagen: Grundsätzlich sind spontane Änderungen der Planung vor Ort immer möglich, und Chandra beweist hier ebenso große Flexibilität wie Organisationstalent. Nicht zuletzt können wir auf seine enorm guten Beziehungen bauen: Ein paar Telefonate mit den richtigen Leuten, und die Sache ist geregelt.
Aber Du sagst es selbst: Ihr habt das Programm enorm straffen müssen und ich kann es nicht verantworten, unsere künftigen Gäste von vorn herein zu Kilometerfressern zu machen. Es würde Beschwerden geben – so schön das Taj auch sein mag. Denn ich kann nicht ständig über den indischen Turbotourismus schimpfen und letztlich genau das anbieten.
Bedenke auch die psychologische Seite: Die Belastung habt Ihr eher hinnehmen können, weil es ja Euer eigener Wunsch gewesen war. Von mir „verordnet“ sieht die Sache dann schon anders aus.
Aber wie wäre der Vorschlag, für die Taj-Fans die Reiseroute umzukehren? Bei der Ankunft in Indien landet Ihr ja in Delhi – da ist das Taj Mahal nicht weit.
Jaisalmer war super, nicht
zuletzt wegen Vikram und seiner Schwester, mit der ich tolle Gespräche geführt
habe (über ihre bevorstehende Eheschließung, die sie nicht will, zum Beispiel).
Vikram hat uns zu 2 Geburtstagsfeiern mitgenommen, die ziemlich peinliche Veranstaltungen
waren. Josef und ich hatten jedenfalls Spaß, weil die Situation ziemlich bizarr
war. Ich glaube nicht, daß irgend jemand mit uns etwas anzufangen wußte,
allerdings mit sich selbst offenbar auch nicht. Na ja, man muß ja alles mal
mitgemacht haben.
Chandelao war wunderschön
und idyllisch, ruhig und auch interessant. Vor allem wir waren offensichtlich
der Hit im Dorf. Alle kamen mal zum Tourigucken und hatten sicherlich ihren
Spaß mit uns, vor allem mit meinen langen, lackierten Fingernägeln ....
Davon hast Du mir in Deiner Fotosammlung aber kein Bild gesandt, liebe Silvia. Doch gut – wir wollen ja Indien zeigen, nicht wahr?
Der größte Kamelmarkt der Welt, Pilgerfest für
Brahma und Rummelplatz – das ist die Pushkar Mela, die im Jahr 2001 nach dem
Mondkalender auf die letzte Novemberwoche. Wir hatten die Reiseroute so
geplant, das dieses Highlight nicht versäumt wurde. Entgegen der offiziell
bekanntgegeben Zahlen waren diesmal auch hier kaum Touristen anzutreffen.
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Pushkar war für mich mein
persönliches Highlight, denn da wollte ich ja unbedingt hin. Allerdings ist der
Tourismus ja überall ziemlich eingebrochen. Deshalb war es dort ‑ ganz
gegen meine Erwartungen ‑ sehr ruhig und auch in der Zeltstadt fast schon
ein wenig zu leer. Aber ansonsten fand ich es genial. Ich glaube allerdings, daß
ich die einzige aus unserer Gruppe war, die so begeistert gewesen ist. Den
anderen war nachts eher kalt im Zelt ....
Udaipur und Jaipur waren
für mich die angenehmsten Städte, allerdings ging dort natürlich die familiäre
Atmosphäre verloren. Unseren Guide Vijai dort fand ich nicht so berauschend. Er
war zwar sehr kompetent, hatte aber etwas oberlehrerhaftes und neigte zu
ernsthaften wissenschaftlichen Vorträgen, auch wenn sie keiner hören wollte.
Die eigentliche Kritik aber war, daß er uns in irgendwelche Läden geschleppt
hat und anschließend sehr deutlich seiner Enttäuschung Ausdruck verliehen hat,
als wir nichts gekauft haben. Das hat mich und auch Ursula ziemlich genervt,
aber das war auch das einzige Negative an ihm.
Mit Vijai hat Chandra bereits gesprochen. Allerdings war er ebenso wie Marion und ich über diese erste Negativkritik über unseren Escort erstaunt – bisher haben wir alle seine hohe Kompetenz und seine lustigen Legenden schätzen gelernt. Allerdings verlaufen alle Reisen anders, und vielleicht hat Vijai diesmal tatsächlich des Guten zuviel getan. Genau das müssen wir erfahren, damit wir daran arbeiten können – Danke.
Für alle Gäste ist es aber auch wichtig, etwas über dieses indische Commission System zu wissen. Eine Commission (Provision) wird immer und überall gefordert und auch bezahlt. Das ist einfach üblich in Indien. Deshalb braucht der jeweilige Escort uns auch nicht in ganz spezielle Läden zu schleppen (weil er angeblich nur dort Provision bekommt) – im Gegenteil: Er kann sich auch für einen besseren Preis für uns einsetzen und mit dem Händler feilschen – seinen Anspruch auf Commission berührt das nicht. Das geht sogar so weit, daß ich den Gästen sowie auch den touristisch weniger erfahrenen Reisebegleitern unserer Gastgeber immer wieder geraten habe, auf diese Gepflogenheiten zu achten. Sonst kann es passieren, daß ein Unbeteiligter die Provision kassiert und unsere Jungs leer ausgehen.
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Der Provisionsanspruch ist so selbstverständlich, daß es sogar vorkam, daß wildfremde Rikshafahrer im Anschluß an unseren Einkauf in den Laden gingen und die Commission geltend machten. Sie behaupten einfach, sie hätten Euch dorthin gefahren.
Das System funktioniert im Normalfall auch ziemlich gut auf unseren Reisen. Die Gäste suchen immer nach bestimmten Dingen – und die Guides lernten schnell, wo es die beste Seide, die schönsten Sandelholzseifen oder die filigransten Schnitzereien gibt. Im Einzelfall etwas mehr Zeit zu haben und zu einem abgelegenen Geschäft zu fahren, ist dann sogar vorteilhaft – die Läden in der Touristenzone sind viel teurer.
Insgesamt war die Reise
sehr gut organisiert, ich war erstaunt, dass alles so gut geklappt hat (ich
hatte ja „überhaupt keine“ Vorurteile ....), die Unterkünfte waren sorgfältig ausgesucht,
die Begegnungen mit den Menschen sehr interessant, wir haben viele
aufschlußreiche Gespräche führen können über arrangierte Ehen, Prostitution,
Stellung der Frau usw. Ich fühlte mich immer wohl und behütet, manchmal fast zu
sehr umsorgt. Das Essen war so gut, dass ich ‑ leider ‑ nicht
abnehmen konnte. Der Preis der Reise war sicherlich angemessen.
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Im nächsten Jahr werde ich
mich noch mal dran machen und vielleicht einzelne Geschichten erzählen und mal
die Bilder nach den schönsten durchforsten. Da allerdings ist mir ein kleines
Missgeschick passiert: gleich am 3. Tag (mein Geburtstag) war ich unaufmerksam
und bin gestürzt, habe mir dabei den Fuss ruiniert und gleichzeitig meine
Kamera in den vorzeitigen Tod geschickt, so dass ich mir in Jodhpur so eine 60
DM‑Kamera kaufen musste. Das hat die Freude am Fotografieren doch etwas
getrübt.
Jedenfalls bin ich froh,
die Reise ‑ auch zu diesem Zeitpunkt ‑ gemacht zu haben, jetzt wäre
ich wohl doch zu unruhig gewesen. Es war alles ruhig, wenn auch der Konflikt in
Afghanistan ständig Gesprächsgegenstand war. Gemerkt haben wir nichts, bis auf
die geplante Zugfahrt von Jodhpur nach Jaisalmer, die nicht stattfand, weil
der Zug voller Militärs war. Chandra musste uns mit dem Auto fahren, was
zumindest im Dunkeln nicht nur vergnüglich ist (er fährt aber gut, wie übrigens
auch alle anderen Fahrer).
Übrigens: Mut brauchte man
zur Rajputana‑Discovery nicht, wenn man auch natürlich Abstriche zum europäischen
Standard machen muß - das wird aber allemal durch die aufmerksame Begleitung
und Betreuung wett gemacht. Ich jedenfalls hätte nicht in einem ‑
sicherlich feinerem ‑ internationalen Hotel wohnen mögen und die
Rundreise mit 50 anderen Neckermannreisenden machen wollen. Obwohl wir uns um
wirklich gar nicht kümmern mussten, hatten wir doch das Gefühl, eine ganz
individuelle Reise gemacht zu haben.
Diejenigen, die sich von Kriegsgefahr und Terror seit dem 11. September nicht von einer Indienreise abhalten ließen, sind sogar mancherorts die wahren „Kriegsgewinnler“. Da ein Großteil der erwarteten Reisenden ausblieb, hat man sich um die Unentwegten weit intensiver gekümmert.
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Das gilt im Besonderen für die Verhandlungsbereitschaft der Händler, die Bedienung in Restaurants und die vielen kleinen Dienste, die man so unterwegs braucht. Weniger allerdings für unsere Gastgeberfamilien, die ja von vornherein nicht auf Massentourismus eingestellt sind und sich immer gleich gut um uns kümmern.
(KD) Da schickt Silvia mir ein paar schöne Fotos – zusammen mit einem ebensolchen Bericht von der Rajputana Discovery. Und gleich als erstes fällt mir das nebenstehende Bild in die Hände:
Die Praxis eines Basar-Zahnarztes aus Jodhpur!
Auf einer vorsorglich blutroten Decke (damit er sie wegen ein paar Spritzern während der Behandlung nicht immer gleich waschen muß...) liegen sie fein säuberlich aufgereiht, die Symbole des Grauens:
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Links gebrauchte Brücken, Kronen und ganze Gebisse – deren Vorbesitzer das Atmen längst eingestellt haben. Man weiß ja, wo sich diese Dentisten mit Ersatzteilen eindecken... Dann die Zangen, die hier bei uns eher ein Autoschlosser nützlich finden würde. Und besonders scharf: Der Drillbohrer!
So ein Ding hatte ich als Kind in meinem Laubsägekasten. Ihr kennt das sicher noch: Man muß so ein Holzding an einer Art Gewinde auf und ab bewegen, damit sich der Bohrer dreht. Abgerundet wird das Bild von einem wiederverwendbaren Plastikbecher und einer Flasche Wasser unbekannter Herkunft, damit der Patient spülen kann.
Helm und Mofa signalisieren immerhin, daß der Doktor nicht ganz erfolglos arbeitet – immerhin ist er motorisiert. Was für einen Rhesusfaktor der mysteriöse Rostfleck rechts neben der Decke hat, bleibt im Dunklen... Auch die Hindischrift auf den Werbeschildern des Zahnarztes ist etwas undeutlich: Meine Kusine Serisha entzifferte „Hier erhalten Sie wunderschöne Zähne“ oder so ähnlich. Na denn...
...so ist das Resümee, das Josef aus Wien für seine Indienreise zieht. Er war Mitglied des 4-köpfigen Teams, das die diesjährige Pushkar-Discovery in Rajputana machte. Trotzdem fällt aber sein Report aus dem Rahmen anderer positiver KD-Reportagen: Josef bewertet die besuchten Ziele ganz anders als die meisten anderen Gäste, und genau das braucht man. Nur so kann sich jemand aus allen Reports ein objektives Bild herausfiltern.
Lieber
Bernd!
Seit
beinahe 3 Wochen bin ich wieder in Wien. Du hast Recht, da wird es Zeit die
Reiseeindrücke auf Papier festzuhalten.
Die
beiden Wörter „beeindruckend“ und „faszinierend“ beschreiben die Reise am
besten.
Es
war ein Kennenlernen einer fremden Kultur und das positive Erlebnis, dass es
außerhalb unserer westlichen Lebensart noch andere Kulturen gibt.
Nach
meinem Empfinden ist die Religion in Indien viel stärker in das tägliche Leben
integriert als bei uns. Ich muss dazusagen, dass ich nicht besonders religiös
bin, aber ich habe mich erstmals seit längerer Zeit wieder mit religiösen
Fragen beschäftigt.
... und ich kann nur hinzufügen: Wer sich aus spirituellen Gründen ein erstes Mal in seinem Leben nach Indien begeben möchte, braucht wahrhaftig keinen Ashram als Ziel. Der ganz normale Alltag als Gast unserer indischen Familien ist stark, doch unaufdringlich von der indischen Spiritualität bestimmt, daß man nicht umhin kann, sich mit (vielleicht schon seit langem ungewohnten) Strömungen zu befassen.
Es
ist auch faszinierend, dass Indien eine riesige eigene Film- und Musikindustrie
hat und in den indischen Kinos diese Filme laufen und nicht die
Hollywood-Produktionen.
Mir
persönlich gefällt auch die traditionelle Bekleidung der InderInnen und auch
die Ernährung war ein Erlebnis der positiven Art. Es stimmt mich optimistisch,
dass sich die westliche Kultur (noch) nicht überall durchgesetzt hat, obwohl es
z. B. in New Delhi schon einige McD......’s gibt.
Unsere Indienreisen sind wahrhaftige Zeitreisen. Auf dem Lande reist man vom Mittelalter über die Welt aus 1001 Nacht zurück bis in die Steinzeit – in den Großstädten hat man wiederum alle Annehmlichkeiten unserer modernen Zeit (wobei ein Essen bei einem gewissen amerikanischen Millionär hier wahrlich kein Musterbeispiel ist).
Natürlich
darf man die Augen vor den negativen Dingen wie schlechte Hygiene, Armut,
Überbevölkerung,.... nicht verschließen. Den Straßenverkehr habe ich als Horror
erlebt, ich würde dort nie selbst mit dem Auto fahren. Der rauhe Umgang mit den
Tieren und die Kühe auf den Straßen sind ebenso gewöhnungsbedürftig.
Dabei ist der Straßenverkehr in den Metropolen Österreichs und Deutschlands im Grunde der wirkliche Horror. Statt mich im gnadenlosen Gegeneinander zwischen selbsternannten Fahrlehrern zu bewegen, lasse ich mich viel lieber durch das vordergründig chaotische Verkehrsgewühl Indiens kutschieren. Denn dort ist es von einem konsequenten Miteinander bestimmt, das jegliches Fehlverhalten anderer Driver mit unvorstellbarer Geduld absorbiert.
Zugegeben – wer mit der über Jahre hier gelernten Verkehrsmentalität nach Indien kommt, der muß den dortigen Straßenverkehr unbedingt als die Hölle erleben. Kein Vorwurf gegen Dich, lieber Josef – das gilt für uns alle und nicht zuletzt auch immer noch für mich. Daher stimme ich zu: Auch ich möchte in Indien lieber nicht selbst fahren.
Alles
in allem habe ich in den 3 Wochen einen ersten Eindruck von Indien gewonnen.
Für ein richtiges Kennenlernen der indischen Kultur war diese Zeit natürlich
nicht ausreichend. Ich glaube auch, dass es für uns Europäer schwierig ist,
Indien wirklich gänzlich zu verstehen, selbst wenn man längere Zeit dort lebt.
Die Unterschiede sind doch zu groß.
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Kann ich nur unterschreiben. Auch nach fast 20 Jahren ist Indien für mich in vielerlei Hinsicht rätselhaft geblieben. Ein Grund dafür, daß ich mit diesem Land noch lange nicht „fertig“ bin.
Ganz wichtig hierbei ist der gravierende Unterschied in der Denkweise. Wir Europäer haben ein analytisches Sortierwesen (um einmal den schnöden Begriff „Schubladendenken“ zu umgehen) entwickelt, das uns immer wieder hindert, die abstrakte – ja amorphe Logik des indischen Geistes zu begreifen.
Interessant hierbei ist die Erkenntnis, daß die Welt auch so funktioniert – ganz ohne die gewohnte rationale Klarheit. Und man versteht sich sogar sehr gut mit den Indern – auch wenn wir vieles nicht verstehen.
Bei
unserer Ankunft in Delhi hat uns das Ehepaar Soni empfangen und wir haben in
ihrer Wohnung die erste Nacht verbracht. Sie haben uns am nächsten Tag durch
die Stadt begleitet und uns die Hauptsehenswürdigkeiten gezeigt. Alles in allem
ist es ganz gut gelaufen, ich schlage jedoch vor, bei der nächsten Reise bei
der Ankunft in Delhi in einem Hotel zu schlafen und nicht bei der Familie Soni.
Das Ehepaar Soni hat für uns ihr Schlafzimmer geräumt (sie haben im Wohnzimmer
geschlafen) und es war generell ein wenig beengt.
Ein guter Tipp, lieber Josef – und wir arbeiten bereits daran. Bei den Sonis und ihren Verwandten wird es bei mehr als zwei Gästen tatsächlich eng.
Einen
besonders positiven Beitrag zum Kennenlernen Indiens hat der Aufenthalt bei
Chandras Familie in Jodhpur geleistet. Ich habe mich dort weniger als zahlender
Gast als viel mehr als Freund gefühlt. Die Atmosphäre dort war einfach toll und
die zuvorkommende und freundliche Art der gesamten Familie „Chandra“ ist
besonders hervorzuheben.
Fünf Sterne für Rani Bhavna und Maharaj Chandrashekhar Singh of Rathor – das haben nun schon so viele geschrieben, das selbst die es langsam glauben, die noch nie mit uns in Indien waren.
Auch
Vikram und Divya in Jaisalmer haben uns wie ihre Freunde behandelt. Leider war
Divya nicht die ganze Zeit anwesend, sie ist erst gegen Ende unseres
Aufenthaltes aus Italien vom Urlaub zurückgekehrt. Divya hat sich mit viel
Charme um uns gekümmert, und sie ist wirklich eine Prinzessin (im positiven
Sinn).
Und ich fürchtete, Ihr würdet die grazile Prinzessin gar nicht zu Gesicht bekommen. Da haben wir ja Glück gehabt. In den INN Nr. 123 berichtete ich darüber: „Divya war übrigens schon wieder in Europa. Diesmal auf Einladung einer italienischen Freundin in Italien. Man muß schon sehr nett sein, um von seinen paying guests auf deren Kosten eine Gegeneinladung zu bekommen! Und Divya ist nett, und sie hat es verdient – das bestätigen unzählige Berichte unserer Rajputana-Gäste.“
An
einem Abend zeigte uns Divya ihre Filme aus Italien. Ihr Bruder Vikram war
jedoch weniger an den römischen Kunstwerken als viel mehr an den italienischen
Frauen interessiert. Daher wurden die Filme dauernd vor- und zurückgespielt.
Eine normale geschwisterliche „Harmonie“ sozusagen.
Danach
ging es weiter nach Chandelao. Es war sehr interessant nun ein kleines Dorf
kennenzulernen. Nachdem dort wenige Touristen sind, waren wir sehr bald der Mittelpunkt.
Die Kinder waren die ersten, die mit uns Kontakt aufnahmen.
Und das tun sie in Indien landesweit – wo auch immer man über Land fährt. Die Kinder sind die Herolde der indischen Dörfer. Sie verkünden mit glockenhellen Stimmen unser Kommen und sind mit ihren riesigen, staunenden Augen meine beliebtesten Fotomotive. Und gleichzeitig sind die indischen Dorfkinder auch eine Meßlatte für die touristische Entwicklung der Region. Je nachdem wie sie Dich begrüßen, kannst Du erkennen, wie viele Touristen bereits vor Dir da waren.
In Kerala ging das so: „Velha karin, velha karin!“ („Weiße Leute, weiße Leute!“) riefen die Kinder – und da bist Du vielleicht der Erste. Wenn die Kinder „Hello!“ riefen, dann ging es noch so grad – aber wenn Dir „Chocalate!“ oder „Please, Rupees!“ entgegenschallte, dann war das Dorf bereits fester Bestandteil des „Grand Master Plan of Tourism Development“...
Das
Pushkar Fest war ebenfalls ein Höhepunkt der Reise. Der größte Kamelmarkt ist
sehenswert und außerdem war es faszinierend die verschiedenen Menschen zu
beobachten. Pushkar selbst ist eine sehr schöne Stadt. Wir schliefen in sehr
komfortablen Zelten, in der Nacht war es jedoch sehr kalt.
Udaipur
war meiner Meinung nach eine der touristischsten Städte der Reise. Die Paläste
im Wasser sind auch faszinierend. Die Bootsfahrt auf dem Pichola Lake bei
Sonnenuntergang war ein Höhepunkt.
Das ist besonders zur Zeit des Pushkar Mela sicher richtig – besonders viele Traveller sind dann in Udaipur anzutreffen. Die City of Lakes ist nicht nur beliebter Ausgangspunkt für die Reise nach Pushkar – auch nach dem Fest fallen Tourihorden hier ein.
Dennoch – Spaziergänge in die Gassen der Altstadt führen sehr schnell weg vom Rummel, vorbei an wunderschön bemalten Häusern und kleinen Läden, die eine wahre Fundgrube für Sammler aller Art sind.
Von
Chandelao bis inklusive Udaipur hat uns Thakur Pradyuman of Chandelao
begleitet. Auch er hat durch seine freundliche und positive Art zu einem
angenehmen Aufenthalt beigetragen.
Den Namen von Pradyuman habe ich nachgetragen – Josef schrieb, daß er ihn leider vergessen hatte. Aber nach meinen Informationen dürfte er es gewesen sein, der Euch von seinem kleinen Castle Chandelao bis nach Udaipur geleitet hat.
Nach
Udaipur sind wir von unserem ursprünglichen Reiseplan abgewichen. Chandra hat
uns schon in Jodhpur kurzfristig und unbürokratisch die Reiseroute geändert und
alles organisiert, denn unsere Gruppe wollte unbedingt das Taj Mahal sehen, das
ursprünglich nicht am Plan war.
In der 21-Tage-Reise das Pushkarfest erleben und auch noch das Taj – das verlangt nach einem Reiseteam, das belastbar ist. Aber da keiner von Euch sich über lange Fahrstrecken beklagte, hat es sich bestimmt gelohnt.
Ansonsten sind spontane Änderungen fast immer möglich, und an ihnen beweist Chandra sein Organisationstalent. Sollten hierbei zusätzlich Hotel- oder Fahrtkosten anfallen, kann man das immer noch vor Ort regeln.
Bevor
wir nach Agra zum Taj Mahal gefahren sind, haben wir noch Jaipur besichtigt.
Diese Stadt war mir sehr sympathisch und hat mir überhaupt am besten gefallen.
Mir ist es dort etwas ruhiger und sauberer als in den anderen Städten
vorgekommen, und außerdem waren das Fort und der Markt besonders beeindruckend.
Dieses Statement hat mich am meisten verwundert, lieber Josef. Sollte ich mir dieses Jaipur doch noch einmal näher ansehen??
Am
Ende unserer Reise haben wir das Taj Mahal besichtigt. Es hat sich auf jeden
Fall gelohnt. Natürlich ist es auch eine Touristenfalle, die Eintrittskarte
kostet für Ausländer 750 Rupien (für Inländer 20 Rupien). Aber nicht umsonst
gehört das Taj Mahal zu den 10 wichtigsten oder bekanntesten Gebäuden der Welt.
Wenn es denn so einfach in Aus- und Inländer aufzuteilen wäre! Doch hier herrscht rassistische Willkür, wobei jeder Hellhäutige sogleich mit dem Foreigner-Tariff gepreßt wird. Ganapathiseidank läßt es nach – inzwischen gehen die Preise wieder runter.
Ab
Jaipur bis zu unserer Rückkehr nach Delhi war die Reise eher eine „normale“
Touristenfahrt und weniger ein Aufenthalt bei Freunden. Wir haben in (guten)
Hotels geschlafen, wir sind in einem Jeep mit Chauffeur unterwegs gewesen und
haben einen Guide gehabt. Die Betreuung durch den Guide Vijai Singh war meiner
Meinung nach jedoch sehr gut.
Was vornehmlich an der gestrafften Routenplanung lag. Dank an Chandra, daß er auf die schnelle gute Unterkünfte fand.
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Vijai – dieses Füllhorn indischer Legenden – wäre uns in diesem Jahr beinahe verloren gegangen. Gut daß er nun doch noch im Flachland verfügbar ist. Dieser Philosoph und Yogi sei allen Gästen wärmstens empfohlen.
Generell
möchte ich sagen, dass die Reise sehr gut organisiert war, die Reisezeit war
ideal (tagsüber zwischen 25 und 35 Grad, trocken), mit der Airline (AUA) hat
alles geklappt, die Abwechslung zwischen der Besichtigung von Kulturdenkmälern
und Naturerlebnissen war gegeben, und die Ausflüge waren generell interessant.
Der Kamelritt in Jaisalmer und der Elefantenritt in Jaipur sind eher als
typische touristische Ausflüge zu werten, die ich wahrscheinlich nicht gemacht
hätte, wenn ich alleine in Indien gewesen wäre. Allerdings bin ich das erste
mal auf einem Kamel und einem Elefanten gesessen. Auch nicht so schlecht oder?
Da kommt er wieder hoch, der Zwist
zwischen Tourist und Individualist.
Kamel und Elefant will er erleben
und läßt sich gern in den Sattel heben –
Doch mit anderen Touristen teilen – das ist Mist!
Diesen selbstgebastelten Limerick konnte ich mir jetzt nicht verkneifen. Doch im Grunde hat Deine Denkweise ja die richtige Tendenz, sonst wärst Du ja nicht mit KD, sondern mit Neckermann gereist. Sanfter Tourismus heißt doch lediglich, das man verträglich reist und sich besser in der Welt verteilt. Überall dort, wo die Touristenmassen einfallen, ist es mit der Authentizität gleich vorbei.
Also reisen wir in kleiner Zahl – sind aber doch ansonsten nicht anders als die anderen Touristen. Vielleicht ist unser Erlebnishunger sogar noch größer?
Die
Transportmittel, die wir verwendeten, waren alle in Ordnung. Selbst die
Zugfahrten im Liegewagen waren einigermaßen komfortabel - auf keinen Fall
schlechter als die Benützung von Liegewagen in europäischen Zügen. In den
letzten 9 Tagen waren wir in einem Jeep unterwegs. Er war geräumig,
klimatisiert und wurde ausgezeichnet vom Fahrer gepflegt. Dem Fahrer kann ich
überhaupt ein großes Lob aussprechen.
In Ordnung. Wecke Du nur solche Erwartungen! Oder was habt Ihr in Österreich für Eisenbahnen?? So mancher, der vorher einen Horror vor der indischen Eisenbahn hatte, war zwar später angenehm überrascht – aber Ihr müßt schon brandneue Liegewaggons gehabt haben, um den Komfort mit europäischen Standards annähernd vergleichen zu können. Erwartet also nicht zuviel, Ihr anderen – und Ihr werdet zufrieden sein.
Mit
dem Reiseführer „Dumont visuell“ konnte ich wenig anfangen. Er war mir viel zu
unübersichtlich und ich habe in kaum verwendet.
Soso... und ich habe Klimmzüge gemacht, die letzten Exemplare dieses Reisebuches aus den hintersten Ecken des deutschen Buchhandels aufzukaufen. Getragen von der Begeisterung für dieses Buch konnte ich mich nicht so ohne weiteres damit abfinden, daß der Dumont-Verlag die Produktion eingestellt hat. Nun – jetzt gibt es einen neuen Reiseführer, den Ihr bei einer Reisebuchung gratis bekommt und ansonsten zum Sonderpreis bei KD bestellen könnt. Schaut einmal unter:
http://www.kerala-discovery.de/KD_Web/Publikationen.htm ins Kapitel „Gute Reiseführer - frei Haus“
Das
Preis-Leistungsverhältnis bei KD hat auch gepasst und ich habe KD in der
Zwischenzeit schon vielen Freunden und Bekannten weiterempfohlen.
Das ist Weichspüler für meine Seele – die meisten Anmeldungen gehen immer noch auf Mundpropaganda zurück, obwohl KD-online Tausende von Besuchern hat.
Laut
Chandra sind in Indien heuer nur etwa 20 % der Touristen im Vergleich mit dem
Vorjahr. Die Ereignisse um den 11. September sind wohl der Grund dafür. Ich
kann jedoch sagen, dass ich mich auf der Reise immer sicher gefühlt habe und
meiner Meinung nach derzeit kein Grund besteht, nicht nach Indien zu fahren.
Ein sehr wichtiges Statement, über das sich alle Verunsicherten sicher freuen. Im Interview mit Peter Gries kommen wir darauf noch einmal zurück.
Ursula aus München berichtet von der Rajputana Discovery 2001 – mit Überschriften und Kommentaren von Bernd.
Hallo, Bernd, endlich
schaffe ich es, Dir zu schreiben. Es war immer soviel los hier, und ausserdem
muss ich sagen, diese Reise war so ein grosses Erlebnis für mich, dass ich erst
mal gar keine Lust hatte auf Schreiben, ich wollte einfach erst mal so langsam
die vielen Eindrucke sich setzen lassen.
Dafür habe ich volles Verständnis, und nicht nur Dir geht es so. Natürlich ist es schade, wenn wir dann monatelang auf Post warten müssen – aber wenn ein so netter Report dabei herauskommt...
Ich möchte Dir und allen
Beteiligten meinen ganz herzlichen Dank für diese vorzüglich organisierte Reise
aussprechen. So allmählich kriegten wir ja mit, wie es doch recht schwierig
ist, in Indien bestimmte Dinge zu organisieren, vor allem wenn man ja als
ausländischer Tourist ein Analphabet ist, was die Sache, jenseits der
verschiedenen Verwaltungs- und Organisationsstrukturen und -kulturen nochmals
schwieriger macht.
Ich jedenfalls war
heilfroh, dass wir so verwöhnt wurden und wirklich interessante Tage und
Fahrten hatten.
Das hast Du gut auf den Punkt gebracht. Abgesehen davon, daß so mancher Abenteurer es als einen wichtigen Teil der Reise ansieht, alles selbst zu planen, spart man mit KD nicht nur jede Menge Zeit, sondern sogar Geld. Individualtouristen bestätigen es: Indien auf eigene Faust ist zeitraubend und teuer.
Die wunderschönen Häuser,
in denen wir lebten und deren Bewohner waren sowieso ein Erlebnis für sich. Das
ist wirklich ein sehr gutes Konzept von Kerala Discovery! Mich hat am meisten
die Weltläufigkeit und Freundlichkeit von Chandra und Familie beeindruckt, ich
wünschte ich wäre dort länger geblieben, nicht zuletzt um Bhavna noch mehr in
der Küche was abzuschauen.
Ich muß hier für unsere Leser noch einmal betonen: Bhavna und Chandra sind zwar Mitglieder des uralten Jodhpur-Adels – haben aber als einzige Gastgeber kein Schloß, keine Burg oder Haveli, in der sie uns bewirten und unterbringen. Beide sind sehr stolz, von allen Gästen dennoch einstimmig 5 Sterne zu bekommen. Rani Bhavna für ihre sagenhafte Küche (sie hat eine riesige Rezeptsammlung trad. Mogul-Küche) und ihr überaus freundliches Wesen – Maharaj Chandrashekhar für seine perfekte, zuvorkommende Gastfreundschaft, sein Wissen um Religion, Kultur und Geschichte seiner Heimat und nicht zuletzt für seine gute Reiseorganisation. Denn Chandra öffnet uns die Tore zu allen anderen Häusern und organisiert die Rajputana Discovery und neuerdings auch die Gujarat Discovery vom ersten bis zum letzten Tag.
Ich freue mich so richtig,
dass wir so viele schöne und interessante Dinge erlebt haben, so im Nachhinein
ging ja alles viel zu schnell und nun ist es so richtig schön, die Photos
anzuschauen und in Ruhe ein Reisetagebuch mit Bildern zu machen. Das werde ich
jetzt die nächsten Tage machen, denn ich habe die kommende Woche noch frei.
Darf ich hoffen, einige Deiner Foto-Highlights ausleihen zu dürfen, bevor sie eingeklebt werden?
Was mich bedrückte waren die
grossen Probleme, die viele Leute in Indien damit hatten, dass der Tourismus
wegen dieser üblen Weltlage so zum Erliegen kam und dadurch viele Familien auch
in Not geraten.
Die Vorsicht und die
Stornierung der vielen Reisen nach Indien kann ich nicht nachvollziehen, denn
wir hatten überhaupt keine Probleme während unserer Reise, alles klappte und es
gab keinerlei Gefährdungen. Das ist auch wichtig für andere potentielle
Reiseinteressierte.
Das habe alle gesagt, die seit dem 11.9.2001 in Indien waren. Doch das Problem liegt ja nicht in Indien. Vielen ist am 11. September auf schreckliche Weise klargemacht worden, welche Gefahren beim Betreten eines Flugzeuges auf uns warten. Das allein öffnete eine Kluft zwischen uns und Indien, die fast 3 Monate lang unüberbrückbar schien. Da änderte auch meine brandaktuelle „fight-the-fear-with-the-facts“-Berichterstattung in den Online-Sondermeldungen wenig.
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Aber diese blöde
Geschichte jetzt wegen des Überfalls in Delhi und der zunehmende Verschärfung
des Kaschmir-Konfliktes ist natürlich sehr ungut. Ich fürchte, nun treten noch
mehr Leute von einer Indienreise zurück.
Insgesamt 6 tapfere Abenteurer haben wir für unsere Vettikavumgal-Gastgeber in Kerala gefunden – für Gujarat und Rajasthan ließen sich die bereits gemeldeten Gäste von den neuesten Problemen nicht beirren – nach Kalinga (Orissa) allerdings ist niemand gemeldet, so wie überhaupt im Moment wenig Nachfrage von neuen Interessenten besteht.
Wie sieht es denn mit
Deinen Reiseplänen im Februar aus? Ich hoffe ja so, dass alles stattfinden
kann. Es ist bedrückend, was dieser 11. September für verheerende Nachwirkungen
hat und wer da alles seine Suppe drauf kocht. Und wird dürfen nur noch
draufzahlen, sowohl geldmässig als auch politisch und als Bürger einer sich
verengenden Gesellschaft.
Unsere Gujarat Discovery Mitte Februar ist fest gebucht. Sie findet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit statt, denn hier gibt es nur ein geringes Risiko – in meinem Kiefer: Sollte die soeben erfolgte Implantation noch Komplikationen machen, dann wollen auch die anderen die Reise ohne mich nicht antreten.
Insgesamt aber hast Du ja so recht: Für den Fanatismus der Extremisten und die Fehlentscheidungen der Regierungen muß immer der kleine Mann bezahlen – oft sogar mit dem Leben. So kann ich nur hoffen, daß Deine Berichterstattung einigen Zauderern hilft, ein spannendes Abenteuer gegen einen vergleichsweise geringen Obolus in die Familienkasse der indischen Gastgeber einzutauschen.
Das wäre aber eine dringend notwendige Last-Minute-Entscheidung, denn ab Sylvester macht KD bekanntlich Notdienst, und ich kann neue Gäste nur begrenzt buchen.
Ich muss gestehen, dass
ich ein paar Wünsche hätte falls wieder ein Gruppe nach Indien fährt, erst mal
würde ich gerne was Kleines an Chandra und Familie mitgeben und zweitens hätte
ich gerne ein paar Gewürze. Na ja, jetzt warte ich erst mal ab, wie sich alles
so entwickelt.
Eine gute Tradition bei KD seit Jahren: Unsere neuen Gäste und ich sind „Geldbriefträger“ und nehmen auch Geschenke, Fotos und Post von Euch mit. Das ist immer noch der sicherste und schnellste Weg nach Indien, und ich bin allen sehr dankbar, die das für uns tun. Bei Geschenken achte aber bitte auf Volumen und Gewicht, denn die 20 kg Gepäcklimit bei den Fernflügen sind immer schnell ausgeschöpft.
Am liebsten würde ich
nochmals mitfahren, denn würde ich noch mehr sehen, da schon an das Leben dort
etwas gewöhnter und routinierter.
Warum meldest Du Dich nicht gleich an? Mit einer Gujarat-Discovery im nächsten Herbst läßt sich auch ein Besuch bei „alten Freunden“ in Rajasthan kombinieren.
Was meine Reise natürlich
noch spezieller machte war mein Aufenthalt bei dieser Christlichen Kongregation
in Bombay und die Besuche bei diversen medizinischen und sozialen Projekten
zusammen mit den Schwestern. Das war eine andere Seite Indiens, die ich nicht
missen möchte.
Das ist eine Erfahrung, die Ursula mit ihrer ersten Indienreise kombiniert hatte. Erst nach ihrem Aufenthalt bei den Schwestern traf sie das Reiseteam zur Rajputana Discovery in Jodhpur.
Die Begegnung mit den indischen Christen ist sicherlich ein intensives Erlebnis. Wir kommen aus einem zwar über zwei Jahrtausende christlich geprägten Kulturkreis, in dem aber die Religion ganz allgemein ihre Stellung in der Werteskala verloren hat. Da ist das Zusammentreffen mit der Multi-Religionen-Gesellschaft Indiens gerade aus christlicher Sicht bewegend. Einmal wegen der Toleranz der Religionen untereinander, zum anderen wegen der Intensität, mit der jede Religion in Indien gelebt wird. Auseinandersetzungen kommen zwar vor – sind aber immer politisch motiviert. Da sind die traurigen Zwischenfälle der letzten Jahre keine Ausnahme, die die indischen Christen besonders in Maharashtra und Orissa in den letzten Jahren erdulden mußten.
Mein Aufenthalt in Delhi
war doch kürzer als geplant, ich hatte das grosse Glück als paying guest bei
Verwandten der Familie Soni zu leben, eine nocheinmal besonders schöne Zeit mit
sehr angenehmer indischer Gastfreundschaft. Ich habe Chandra über diese Erlebnisse
und Gründe meines Umzuges von Familie S. und P. Soni zu deren Verwandten
geschrieben, aber leider hat er mein e-mail noch nicht bestätigt, ich rufe ihn
jetzt bald mal an. Vor kurzem was ja sein Computer bei der Reparatur.
Ja, auch Chandras PC ist von den Viren abgeschossen worden – ich selbst habe ebenfalls schon länger nichts von ihm gehört.
Ja, die verschiedenen
Reiseziele waren wirklich hervorragend ausgesucht, ich bin immer noch bezaubert
von Chandelao, und wäre es nicht für das wirklich sehenswerte Taj Mahal so wäre
ich gerne länger in Chandelao geblieben. Aber unsere Routenänderung war
wirklich sehr gut, es passte alles so gut zusammen und ich bin sehr glücklich,
dass ich dabei war.
So, nun will ich mal
aufhören und mich nochmals für die tolle Organisation der Reise bedanken.
Mit vielen guten Wünschen für das kommende Jahr von Ursula.
Danke für die guten Wünsche, die ich gern zurückgebe. Und noch mehr Dank für diesen Bericht – ich bin sicher, er wird auch allen anderen aus der KD-Lesergemeinde Freude machen.
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Spaziergang
am See (Foto: Karin & Reiner aus Kassel) |
Man nehme eine Balkenwaage. Auf die linke Schale stapeln wir alle Schönheit dieser Welt, bis sie schier überquillt – auf der rechten Schale hingegen findet alles Grausige, Häßliche und Unbequeme Platz – soviel Du Dir vorstellen kannst - bis die Waage im Gleichgewicht ist. Das ist Indien, und Du erkennst: Balance ist durchaus nicht nur positiv.
Aber es ist das Leben, ungeschminkt und alle Sinne betörend. Darum zieht es uns als Besucher aus einer synthetischen Welt so an. Außerdem sind wir auf Reisen in unserer subjektiven Gier nach schönen Dingen stets geneigt, die Einstellschraube unserer Balkanwaage zu manipulieren, bis die linke Seite des Herzens, der Schönheit und Pracht deutlich schwerer wiegt und sich langsam senkt.
Allerdings – Balearentouris wird das in Indien schwer fallen. Animation nach Stundenplan, wie sie es in den Ferienclubs gewohnt waren – die gibt’s hier nicht.
Karin & Reiner haben schon auf Ihrer KD in Kerala die nötige Flexibilität und Gelassenheit bewiesen – das garantierte ihnen einen „rundherum tollen Urlaub“ in Rajasthan. Lest selbst:
Die kalte deutsche Realität hat uns längst voll im Griff. Das Neue Jahr beginnt schon wieder zu galoppieren. Bevor die intensiven Eindrücke immer mehr verblassen, will ich unsere Euphorie schnell zu Papier bringen.
Wir sind gar nicht da?
Unsere Ankunft in Bombay wurde ziemlich bald ein Alptraum, denn wir, Dieter und Irene , Reiner und ich sollten nicht mit der gebuchten Maschine nach Jodhpur fliegen können, da wir angeblich gar nicht in Bombay gelandet waren. Diese Auskunft bekamen wir zumindest am Schalter. Unsere dummen Gesichter hättest Du sehen sollen. Wir alle verstanden die Welt nicht mehr. Wahrscheinlich war es letztlich nur Wichtigtuerei und Kompetenzgerangel zweier Ladies. Nach vielem Telefonieren und Hin und Her ging es dann doch nach Jodhpur, wo Chandra uns am Air Port empfing. Bhavna wartete bereits mit ihrem exzellenten Essen auf uns. Wir alle fühlten uns pudelwohl in ihrem Haus. Chandra führte uns zum Fort und in die Umgebung und zeigte uns sehr alte Baudenkmäler. Die Baukunst der Architekten und Steinmetze von vor 500 Jahren ließ uns ständig in Ahs und Ohs ausbrechen.
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Freiluft-Zahnarzt auf dem
Basar (Foto: Karin & Reiner aus Kassel) |
Die alte „Blaue Stadt“ Jodhpur sollte meiner Meinung nach ein Programmteil, wenigstens aber ein Besuchstip sein.
Die Nachtfahrten von und nach Jaisalmer waren ein Erlebnis. Der Zug rüttelte uns in alle Richtungen durch, und wenn wir Glück hatten, auch in den Schlaf.
Die Jaisalmer-Gastgeber Divya und Vikram haben uns ganz lieb bewirtet. Unser Dinner bekamen wir im Innenhof serviert und genossen es bei Musik von Spielleuten. Die angefutterten Kalorien konnten wir nach dem Essen bei den Klängen und Gesängen der Musikanten wieder durch tanzen los werden.
Jaisalmer ist ein Traum: Man weiß nicht, welches Haveli das schönste ist. – Die Tempel, die Wüste und die Sanddünen sind sehr beeindruckend. Der Kamelritt in die Dünen zum Sonnenuntergang wurde von jedem von uns anders empfunden. Hannes hatte das „running Camel“ erwischt, kurz nach dem Start ward er nicht mehr gesehen. Unter dem Spezialsattel leidet er heute noch etwas. Reiner ist beim Zurückreiten mit einem anderen Kamel kollidiert, und seine Hose hatte eine Sieben weg, aber sein Bein konnte zum Glück „gerettet“ werden. Imre hatte das Pech, das störrischste Kamel zu erwischen. Die Folge war, es mußte die ganze Zeit vom Jockey geführt werden. Auch er war anschließend etwas lädiert.
Die Fahrt mit Praduman nach Chandelao durch die Wüste war interessant, denn wir konnten in einigen Orten den Handwerkern bei ihrer Arbeit zusehen. (Wir hätten gerne noch mehr und noch öfter solche Orte gesehen.)
Chandelao ist eine Oase, wo man alles, inklusive Seele baumeln lassen kann. Es war toll, ohne Autolärm und –gestank, mit dem Kamelkarren durch die Wüste zu zuckeln und am See geruhsam das Picknick einzunehmen.
Fahrer und Guide sehr gut
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Der alte
Weber (Foto: Karin & Reiner aus Kassel) |
Die folgenden Gastgeber waren alle sehr nett, aber distanziert und machten sich rar. Dafür wurden wir durch Vijai Singh, der ein sehr kompetenter Guide war und uns bis zum letzten Tag nach Delhi begleitete, entschädigt. Auch möchte ich dem Fahrer Rakish ein ganz großes Lob aussprechen, denn er war der beste, achtsamste und umsichtigste Fahrer unserer gesamten Reise. Er war sehr gläubig und liebte seinen Bus über alles.
Pushkar: Zelte mit WC
Der Abstecher nach Pushkar war ein Highlight, das vielleicht noch higher hätte sein können, wenn wir den Viehmarkt mehr hätten erleben können, denn der war bei unserer Ankunft bereits beendet. Eine Übernachtung in einem Zelt-Hotel ist schon ein Erlebnis, denn man kann gar nicht so recht glauben, daß das Wasser im Bad läuft und das WC funktioniert. Aber es tat`s .
Auf unserem Abstecher nach Navalgarh ereilte uns in einem Ort, ca. 20 km vor unserem Ziel, das Schicksal. Wir gerieten nämlich in eine Straßensperre, die aus Baumstämmen und dicken Steinen bestand. Bis unser Fahrer und unser Guide sich besannen und umkehren wollten, hatten die Dorfbewohner auch die Straße hinter uns auf die gleiche Art gesperrt. Wie Rakish herausfand, protestierten die Leute gegen das totale Abschalten des Stromes. (Sie hatten ihre Stromrechnungen schon lange nicht mehr bezahlt.) Nun hatten sie uns sozusagen als Pfand und wollten erst einmal mit Regierungsvertretern verhandeln. Anfangs fanden wir die Sache noch spaßig, aber bald heizte sich unser Bus in der Sonne stark auf, und die Leute wurden zunehmend ungeduldig. Ein Ende war nicht abzusehen, also machten wir uns (da ja wandererfahren) zu Fuß und mit Wasser bestückt auf die Piste in der Annahme, es seien nur 14 km zu bewältigen. Zum Glück konnten unsere Männer einen Jeep anhalten, der uns mitnahm. Wir „stapelten“ uns neben Gasflaschen auf der Ladefläche. Das war nicht sehr bequem, aber bekanntlich ist ja schlecht gefahren, besser als gut gelaufen. Die Straße wollte in unserem „gestapelten Zustand“ kein Ende nehmen. Hinterher wußten wir, daß die Strecke 20 km lang war. Ein Glück, daß wir sie nicht laufen mußten!
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Wie geflochten aus Stein –
Haveli in Jaisalmer (Foto: Karin
& Reiner aus Kassel) |
Unser Ziel war das Castle in Nawalgarh, wo wir von Dienern in Livree und Turban mit Blumenketten empfangen wurden. Nach einer erfrischenden Bananen-Lassie ging es uns wieder so richtig gut. Von dem Castle waren wir völlig begeistert, wenn auch die Betten steinhart waren.
Die Havelis in Nawalgarh sind wunderschön, aber leider dem Verfall preisgegeben, bis auf eines, das als Schule genutzt wird.
Vogelwelt und Riesenschlange
Das Chandra Mahal nahe Bharatpur ist ein kleiner Traum. Wir sind wie die Kinder von einem Zimmer zum anderen gegangen und waren begeistert. Kein Raum glich dem anderen. Die Gastgeberin bemühte sich sehr um unser Wohlergehen.
Das große Vogelschutzgebiet interessierte uns sehr, und wir haben es genossen, anstatt mit der Rikscha zufahren, mit einem sehr fachkundigen Führer zu laufen. Es waren am Ende zwar 5 Stunden, die wir unterwegs waren aber die haben sich gelohnt, zumal wir vom vielen Busfahren allmählich unter Bewegungsmangel litten. Die Vogelwelt, die wir beobachten konnten, war großartig. Unser Führer überraschte uns sogar mit einen Baum-Python.
Gordische Knoten elegant gelöst
Bahnübergänge waren für uns ein Erlebnis für sich: Ein Fahrzeug hält wegen geschlossener Schranke an, die nächsten dahinter. Allmählich füllt sich die Straße rechts und links ebenfalls mit Fahrzeugen auf. Das gleiche Spiel auf der anderen Seite der Schranke. Nun ist man als ordentlicher Deutscher gespannt, wie der Verkehr nach sich wieder öffnender Schranke wohl laufen wird. Wir trauten unseren Augen nicht, als nach ca. 5 Minuten mit ohrenbetäubendem Gehupe fast alles wieder rollte, ohne daß Fahrzeuge Blessuren davon trugen. Auch das ist Indien.
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Pushkar –
wohnen im Komfortzelt: So hatten wir uns das „Campingklo“ nicht vorgestellt –
das Zelt hatte eine richtige Naßzelle mit Dusche! (Foto: Karin & Reiner
aus Kassel) |
Die ganz großen Erlebnisse unserer 4-Wochen-Rundreise waren das Taj Mahal und die Tote Stadt Fathepur Sikri. Diese Stätten sollte man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen!
Es war rundherum ein toller Urlaub.
Einen lieben Gruß
von
Karin
Resümee in Stichworten
Zu Deinen vorgegebenen Stichworten einige kurze Anmerkungen:
Airline:
Bei LH gibt es nichts auszusetzen. Ich empfand den Flug in beiden Richtungen
ok.
Ausflüge und Rundreise:
Die Ausflüge waren alle sehr interessant. Sie brachten uns Natur, Kultur und natürlich Land und Leute nahe. So wie Du die Reise zusammengestellt hast, war es optimal. Möglicherweise solltest Du Dir überlegen, ob Nawalgarh nicht durch eine andere Sehenswürdigkeit nahe Jaipur zu ersetzen ist, da die An- und - Abreise unverhältnismäßig lang ist.
Den Vogelpark nahe Bharatpur sollte man immer, wenn möglich, zu Fuß anschauen, Man sieht mehr, aber das hängt letztlich von den Interessen der Reiseteilnehmer ab.
In Udaipur hatten wir den Wunsch, zu Fuß den Sommerpalast des Maharadschas zu besuchen, der auf einem steilen Bergkegel steht (vom Parkplatz bis zur Spitze ca. 5 km). Chandra marschierte eifrig mit. Er erzählte uns in Jodhpur zwar, er würde jeden Abend 5 km laufen, was wir aber nicht recht glauben mochten, um so erstaunter waren wir, daß er so gut mithielt.
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An der Straßensperre werden
wir von bekränzten Turbanträgern neugierig beobachteet (Foto: Karin & Reiner aus Kassel) |
KD-Infos & Vorbereitung:
Soweit alles ok. Nur: Wieviel Trinkgeld gibt man dem netten Fahrer? In den KD-Infos dazu kein Hinweis. Vijai mochten wir auch nicht befragen. Sollte er als selbständiger Unternehmer ebenfalls ein Trinkgeld bekommen oder würden wir ihn damit beleidigen? Wir wußten es nicht und wissen es immer noch nicht.
Chandra, Bhavna und
Grandmother Lakshmi:
Du darfst den Aufenthalt in diesem Hause keinesfalls verlängern. Es hätte böse Folgen für die Leibesfülle mancher Reiseteilnehmer. Das Essen war köstlich, die Familie muß man lieb haben incl. der netten Grandmother, von der wir annahmen, daß sie die 80 erreicht oder aber überschritten haben mußte. Wir waren sehr erstaunt, als wir feststellten, daß sie in unserem Alter war. Diese Erfahrung machten wir dann noch häufiger. Umgekehrt waren auch die Inder erstaunt, wenn sie unser Alter erfuhren. Differenz zwischen Alter und Aussehen ca. 20 Jahre nach meiner Schätzung.
Klima:
Keine Probleme! Im Westen (Jaisalmer) am Tage bis 38 °C, nachts im Zimmer 29 °C, im Osten (Delhi) am Tage 25 °C nachts draußen 15 °C. Wegen der geringen Luftfeuchte in der Wüste, besser zu ertragen als in Kerala.
Essen und Trinken:
Überall ausgezeichnet und wohlschmeckend aber bei Bhavna besonders gut.
Anmerkung nebenbei:
Die holde Damenwelt war in Kerala vom Gesicht her lieblicher und ansprechender als im Norden. Die Damen dort oben sind etwas herber in ihren Gesichtszügen. Man spürt die Nähe zum Himalaja.
Liebe Grüße von Reiner
Vom
Kasseler Team haben wir kürzlich schon etwas gelesen. Die 8 waren Freunde, die
zum Teil auch schon auf unserer Keralafarm zu Gast waren. Sie wollten die
Rajputen unbedingt im November besuchen, weil in diese Zeit auch die berühmte
Pushkar Mela fällt. Gerade in Indien haben auch Teilnehmer eines besonders
harmonischen Teams unterschiedliche Sichtweisen – selbst dann, wenn man sich
schon seit Jahren kennt. Heute lesen wir den Report von Helga & Imre –
geschmückt mit ihren Fotos. Einige der schönsten Bilder habe ich bereits in den
INN Nr. 84 zum Bericht von Ursel und Hannes veröffentlicht, weil Hannes als
Videofilmer keine Fotos liefern konnte.
Bei
Helga und Imre bedanke ich mich herzlichst für diese schöne Reisegeschichte.
Schade, daß Ihr zu den ganz wenigen zählt, die ich mit meinen INN gar nicht
mehr erreiche – weil Euer wohlabgeschirmter Ruhesitz weder Fax noch Email
hereinläßt. Zumindest von diesem Bericht sollt Ihr deshalb einen Ausdruck in
Farbe bekommen. Doch nun Euer Report:
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Rani Bhavna – die Königin
der Moghul-Kochkunst bittet zu Tisch (Foto: Helga & Imre aus Kassel) |
Hallo Bernd,
die Rajasthan-Reise – das vorneweg – übertraf unsere Erwartungen.
Durch fleißige Einarbeitung mit Hilfe Deiner „Traumhefte“ und der einschlägigen
Reiseführer (Dein DuMont visuell – Rajasthan war gut zu
gebrauchen) betraten wir schon gut informiert indischen Boden.
Das Erlebte hat uns dennoch stark beeindruckt. besonders
möchten wir unseren „Bezugspersonen“ Chandra, Bhavna, Divya, Pradyuman und
Vijai einen Dank abstatten. Denn sie waren es, die uns ihre Kultur, ihr Denken
und ihre Götter versucht haben, näherzubringen.
Chandra und Bhavna sorgten sich rührend um unser leibliches
und kulturelles Wohlergehen.
Jaisalmer war Exotik pur. Mittelalter und Gegenwart
wurden durch Divya lebendig. in Chandelao dagegen ist die Gegenwart noch
nicht angekommen. Castle, Dorf und Umfeld waren anheimelnd archaisch. Töpfer,
Weber und Bauern (nur der Traktor war ein Zugeständnis) arbeiteten wie in
vergangenen Zeiten. Wir genossen die Tage am Rande der Tharwüste, die Abende
auf der Dachterrasse und das dörfliche Leben.
Pushkar-Fest – überfüllte Busse, verstopfte Straßen –
es war schwierig, sich zu unserem Zelt durchzuarbeiten. Rakesh – unser Fahrer –
hat alles souverän gemeistert. Ein farbenprächtiges Treiben erwartete uns.
Leider war der eigentliche Kamelmarkt schon gelaufen. Alles in allem ein
unbedingt lohnender Abstecher.
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Augenlust der
Farbenpracht – Rajasthans Frauen im festlichen Ornat zum Pushkarfest (Foto:
Helga & Imre aus Kassel) |
Fahrt nach Udaipur durchs Aravalli-Gebirge mit einem Spontanbesuch
in einer marmorverarbeitenden Industrieanlage. Die Maschinen zwar museal – aber
die Ergebnisse sahen passabel aus.
Per pedes hoch zum Bergpalast...
Udaipur: Der Maharaja-Palast, Reste eines alten
Jaintempels und unsere Dachterrasse begeisterten uns ebenso wie die Wanderung
zum Monsunpalast am nächsten Tag (dadurch wurde eine Kulturüberfütterung
vermieden). Chandra ließ es sich nicht nehmen, uns zu begleiten – und nicht nur
er kam ins Schwitzen.
Jaipur – Madhuban Guest House war behaglich, bis auf
die stinkenden Naphthalinkugeln im Zimmer.
Weniger interessant und unseres Erachtens entbehrlich war
die Fahrt in die Shekawati-Region. Die Unterkunft war zwar herrschaftlich, doch
die zerfallenen Havelis waren nicht interessant genug, um nahezu zwei volle
Tage Bus zu fahren. An dieser Tour war das Aufregendste die Straßensperre der
Dorfbevölkerung etwa 20 km vor Nawalgarh. Der Grund war eine zweitägige
Stromsperre. wir mußten unseren Weg zu Fuß und per Anhalter fortsetzen. Vijai begleitete
uns und Rakesh hütete und verteidigte unseren Bus samt Gepäck. Die Zeit in
Jaipur
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Begegnungen, die den
eigentlichen Reiz einer Indienreise ausmachen – hier auf dem Viehmarkt (Foto:
Helga & Imre aus Kassel) |
fanden wir dadurch zu kurz.
Keoladeo Birds Sanctuary – auch zu Fuß
Bharatpur war dann wieder Erholung vom Feinsten. Das Chandra
Mahal Haveli war so richtig zum Wohlfühlen. Das schönste für mich (Helga) war
eine sternenklare Nacht, totale Stille und nur die wundervoll exotische Musik
aus dem Dorf drang zu uns. Es war wie im Märchen.
Unbedingt sehenswert auch das Vogelreservat in Bharatpur.
Nachdem wir dankend auf die Fahrradrikscha verzichtet hatten, konnten wir
endlich mal wieder laufen (4 Stunden) und unter sachkundiger Führung aus
nächster Nähe Schlangenhalsvögel. Löffelreiher, Eisvögel (King fisher),
Kraniche und sogar eine Python bestaunen.
Agra – schöner als jede Kitschpostkarte – das Taj Mahal.
Imre war begeistert!
Fatepur Sikri – Vijai lief zu Hochtouren auf. Er erwies sich
auf der gesamten Strecke als kompetenter Kenner der indischen Geschichte und
als Vermittler einer uns fremden Kultur und Denkweise.
Die indische Kost war immer schmackhaft und meist auch
bekömmlich.
Der Gestank und Schmutz war oftmals nervig. Bedrückend
dagegen die Armut – vorwiegend in den Städten.
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Fröhlicher
Empfang durch die Kinder – so in allen Dörfern Rajasthans. Hier in unserer
letzten Station Peharsar, wo wir in der Chandra Mahal Haveli
gastierten (Foto: Helga & Imre aus Kassel) |
Lieber Bernd. wir haben viel gesehen. Das stille Indien –
das laute Indien mit seinen Slums, die heiligen Kühe, das Land der Tempel und
vor allem freundliche und aufgeschlossene Menschen.
Es war ein Super-Urlaub!
„namaskaar“ – Helga und Imre
Dear
Bhavna, dear Chandra,
now
we are 2 days at home. First looking around in the house, then a smalltalk with
friends, and then begin to clear away the content of our baggage - all the work
each one does when he comes home after a longer time.
But
now I must thank you for all you have done for us! It was a very good time not
only in your house, but also the time you, dear Chandra, was with us in your
land. We (all!) enjoyed your hospitality, your kindness, your help and your
patience you've had with our questions, with our effort at understanding the
life and the customs in your country, we saw first time.
It
was a wonderful time we have had with you, and we hope you also have enjoyed
it. In any case it was the best start for our travel we could have! Thank You
very much for all!
The following
tour with Vijai as our guide was very good and interesting, but sometimes a
little bit strenuous because of the long distances with the bus. So we were
glad to relax in the Chandra Mahal Haveli and in Delhi before flying home.
Now
we begin to sort the impressions we brought with us. But you can be shure, that
we always keep first YOU in our mind, not only with but also without the
pictures we made.
With love
Ursel + Hannes, Karin + Reiner, Helga + Imre, Irene +
Dieter
Dies ist der erste Report vom November-Team – aber auch die
anderen werde ich Euch nicht vorenthalten. Sie zeigen nämlich, dass selbst in
den harmonischsten Teams sehr unterschiedliche Sichtweisen vorkommen.
Nach der begeisterten Danksagung eben dieses Teams (s.o.)
konnte ich selbstverständlich mit einem ebenso begeisterten Reisereport
rechnen. Das ist er auch – aber er zeigt auch, dass Indien immer wieder einmal
Situationen serviert, die hohe Ansprüche an die Flexibilität und Toleranz des
Reisenden stellen.
Mit Bildern der anderen Teilnehmer Eures Teams (und aus dem
KD-Archiv) geschmückt und Überschriften von mir gegliedert: Es berichten Ursel
& Hannes aus Kassel:
Lieber Bernd,
|
Begegnung
auf dem Felde – herrlich bunte Neugier: „Was sind es für seltsame Wesen, die da
vorüberwandern? Wahrlich sonderbar sehen sie aus – mit ihrer blassen Haut und
Kleidung...!“ (Foto Helga & Imre,
Kassel) |
nach einer Reise, wie wir sie gemacht haben, sollte
man eigentlich viel zu erzählen haben. Aber wo anfangen – wo aufhören?
4 Wochen unterwegs sein, 4 Wochen lang jeden Tag
Neues, Fremdes sehen, in eine Kultur versetzt zu werden, die man kaum vom
Hörensagen kannte, geschweige denn sich vorstellen konnte, trotz der Bilder und
Filme, die man im Zuge der Reisevorbereitungen gesehen hatte – wo soll man
anfangen zu berichten, zu erzählen, die Eindrücke in Worte zu fassen?
Laß mich ein paar Dinge herausgreifen – nicht, weil
sie vielleicht am meisten beeindruckt haben, sondern weil sie für die vielen
Erlebnisse stehen, die man mehr als andere im wahrsten Sinne des Wortes
„erlebt“ hat.
BOMBAY zum Beispiel: Wir landeten nach Mitternacht,
hatten vorher die Lichter der Stadt aus der Luft gesehen, und standen dann in
der Immigration-Schlange an, um die „tausend“ Stempel auf den
Einwanderungsformularen zu bekommen. Ausgebuffte Nordamerikareisende konnte das
nicht er
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Beim ersten Geldwechsel
Kleingeld verlangen - diese 114 Rupien sandten
mir übrigens diese Woche Christa & Arndt aus Odenthal. Ich soll mit dem
Restgeld ihrer Rajputana Discovery im Februar in Indien Gutes tun. Bei uns
sind es nach heutigem Wechselkurs mal eben 5,- DM – in Indien aber werde ich
Menschen finden, für die 10 Rupien einmal richtig Sattessen bedeutet... |
schüttern – wir kannten die Prozedur und den
Zeitaufwand einschließlich der ‚Freundlichkeit‘ der Beamten – aber wissen das
Andere?
Der Geldumtausch ging schneller – nur: wem ist klar,
daß er für z.B. DM 500,00 einen Rucksack braucht, wenn er dafür die indischen
Rupien kriegt? Mengen sind das –
unvorstellbar! Und die Geldbündel alle mit Heftklammern zusammengeheftet, mit
denen man bei uns große Wellpappenkartons zusammenhält ...
Wer aber sagt einem, daß man beim Umtausch (fast)
keine kleineren Scheine als 100 Rupien bekommt? 10 Rupien Trinkgeld (und die
Hand hält jeder offen, auch wenn er nichts getan hat) oder 20 sind da nicht mit
zu bezahlen, vor allem, da die Trinkgeldempfänger grundsätzlich kein
Wechselgeld haben. Man nimmt alles – am liebsten größere Scheine.
Wir hatten das Glück, mit Hilfe der Zimmervermittlung in einem Hotel
unterzukommen, welches nicht weit vom Airport entfernt war und welches uns mit
einem Shuttlebus hinbrachte. In meiner Hotelliste von Bombay hatte das
Etablissement einen Stern – aber der kann sich nur auf die Rezeption bezogen
haben. Unser Zimmer jedenfalls hatte den Charme eines Obdachlosenasyls, mit
einer Klimaanlage aus dem 19. Jahrhundert, mit einem Sanitärraum, in dem an
einem dreckigen Waschbecken nur kaltes Wasser aus dem Hahn kam, und dessen
Wasserspülung oberhalb der Kloschüssel zur Bedienung einer Gebrauchsanweisung
bedurfte, die nicht da war. Mit entsprechendem Ergebnis!
Links ist überall
Na ja, und dann der Morgen, nach einer Mütze voll
Schlaf: Der Blick aus dem vor vielen Jahren geputzten Fenster ging auf einen
Müllhaufen in einer Seitenstraße, an dem sich Kühe, Hunde und Raben um die
besten genießbaren Stücke zankten. Dazwischen und drumherum Tucktucks,
Fahrräder, Autos, Fußgänger und Lkws – chaotisch anzusehen, obwohl wir ja
wußten, daß in Indien Linksverkehr herrscht. Aber wo ist links, fragt man sich,
wenn man das sah?! (Später ist uns klar geworden, daß ‚Linksverkehr‘ nur dann
gilt, wenn garnichts anderes mehr geht. Aber davon, wie gesagt, später mehr.)
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BSE =
Bulle sucht Enge – mag das Tier auch noch so bedächtig einherschreiten, seine Augen
milde Duldsamkeit predigen – angesichts dieser hochwirksamen Touristenforke
auf seinem Kopf drückt man sich wohl besser ganz eng an die Wand der engen
Gasse! Im Hintergrund das Ehepaar Jakob*
aus Kreuzfeld*, dass sich mit dem befreiten Lachen des Überlebenden von der
Wand löst...(*Namen von der Red. geändert; Foto Helga & Imre, Kassel) |
Bombay, oder Mumbai, wie es heißt – eine gut
2-stündige Stadtrundfahrt mit zwei Taxis brachte uns die Stadt auch nicht
näher, aber man sah etwas (einschließlich einiger Kaufhäuser, in denen die
Taxifahrer wohl Prozente bekommen, wenn man etwas kauft), und die Zeit bis zum
nachmittäglichen Abflug nach Jodhpur verging wenigstens nicht zu langweilig.
Immerhin lernten wir auf dieser Rundfahrt, daß die Verständigung mit den
Einheimischen auf Englisch ein Umdenken erfordert, was das Verstehen der
englischen Sprache angeht. Wenn wir englisch sprachen, bedeutete das nicht
automatisch, daß man uns verstand – und umgekehrt. Wehe, man versucht zu
übersetzen – man muß das Gesagte einfach auf sich wirken lassen, dann merkt man
früher (oder später), was das Gegenüber meint.
Und
die Vier neben mir sind gar nicht da...
Was sich so alles abspielte, bis wir in dem nach Plan
eigentlich um 15.30 Uhr Ortszeit abgehenden Flugzeug schließlich um 18 Uhr
saßen, überlasse ich den Betroffenen zu erzählen. Es lag jedenfalls nicht nur
an dem angeblich verspäteten Flug, bei dem dann die Flugnummer immer mal wieder
wechselte – es lag auch daran, daß nach Auskunft des Computers vier von uns
acht people gar nicht in Bombay angekommen sein sollten ...
UDAIPUR: Erst muß man mal ankommen, bevor man erzählen
kann. Ankommen, das heißt mit dem Fahrzeug über einen Paß fahren, mit vielen
Serpentinen auf beiden Seiten. Das heißt aber auch, daß der Fahrer wild hupend
in den nicht sehr übersichtlichen Kurven überholt, immer nach dem Motto: wer
zuerst zur Seite fährt, hat verloren. Wir kannten diesen Fahrstil inzwischen
schon, wenngleich es in unserer Runde einen gab, dessen Nerven diese Fahrweise
schwer zu schaffen machte und der sich deswegen lieber auf die rückwärtigeren
Sitze verzog. Seinen Namen habe ich inzwischen vergessen ...
Angekommen, bezogen wir die am Pichola-See gelegene
Kankarwa Haveli – eine traumhafte Lage des Hotels. Das zeigte sich abends, als
wir auf der Dachterrasse gemeinsam Dinner hatten:
|
„Abendessen in gemütlicher
Runde mit Freunden“: ...auf dem Dach der Kankarwa Haveli, unserer Unterkunft in Udaipur.
Wahrlich: Nicht im 500-Dollar-Luxus des Lake Palace sollte man logieren –
sondern mit Blick auf diesen Palast und den herrlichen Picholasee! (Foto
Helga & Imre, Kassel) |
Die Aussicht über den See, mit dem Lake Palace und dem
älteren Jag Mandir Palast darin, und dann, beim Drehen des Kopfes, der
unvergleichliche Blick auf den City Palace in seiner ganzen Pracht in der
untergehenden Sonne und im Dunklen von Lampen angestrahlt – es gibt keinen
schöneren Platz in dieser Stadt, wo man die Schönheit der alten Paläste besser
erleben könnte als da. Das Fort Mehrangarh in Jodhpur, das gewaltige Fort in
Jaisalmer – alle beeindruckend, gewaltig und schön, doch nicht zu vergleichen
mit dem Anblick des Palastes in Udaipur nach einem indischen Abendessen in
gemütlicher Runde mit Freunden. Erst wenn man Muße hat zu betrachten, erkennt
man die Schönheit und bewundert die Leistung derer, die diese Bauwerke errichtet
haben – Eindrücke, die bei Besichtigungen naturgemäß ein bißchen in den
Hintergrund treten: Selbst wenn man stehenbleibt, geht man vorüber.
Sajjangarh – Aufstieg zum Monsoon-Palace
Wir hatten Glück, daß nicht nur wir, sondern auch
Chandra an einem Vormittag keine Lust hatten, groß in der Umgebung
herumzufahren. Wir wollten uns bewegen können, nicht im Bus sitzen müssen. Also
ließen wir uns bis zum Tor am Fuße des Berges bringen, auf dem oben der
Sajjangarh Palast steht, und liefen dann die Straße entlang hinauf auf den
Gipfel zum (allerdings für Besucher geschlossenen) Palast.
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„...in
ihren leuchtend bunten Saris waren das schöne Farbtupfer...“– Die Begegnung mit den fremden
Wanderern ist wohl für die Grasballenmädels eine willkommene Gelegenheit, das
schwere Bündel kurz abzulegen. Im Hintergrund die Ausläufer des
erdgeschichtlich ältesten Gebirges der Welt – die Aravallis. (Foto Helga
& Imre, Kassel) |
Uns kamen viele Frauen und Mädchen mit großen
Grasballen auf dem Kopf entgegen, die sie vorher in der kargen Landschaft
geschnitten haben mußten – in ihren leuchtend bunten Saris waren das schöne
Farbtupfer, solange sie noch weiter entfernt von uns waren (waren sie näher gekommen,
freuten wir uns über die anmutigen, schönen Gesichter mit den dunklen Augen und
den dunklen Haaren. Schönheiten sieht man da ...... Donnerwetter!).
Dabei waren die Grasballen, die die Frauen trugen,
sehr schwer: bei Pausen auf dem Wege ins Tal halfen sie sich vor dem
Weitergehen gegenseitig, die Last wieder auf den Kopf zu heben; nur die letzte
von denen brauchte einmal unsere Hilfe, und zwei von uns hatten richtig Mühe,
den gewichtigen Ballen hochzuheben.
Ein unvergleichlicher Rundblick über die Stadt, den
See und die umgebenden Berge war der Lohn für unseren Aufstieg in praller Sonne
– und unserem Bewegungsdrang war Genüge getan.
Vogelpirsch: Guide mit Adleraugen
Wir hatten sowieso mehr Interesse, uns ab und zu
bewegen zu können, als es vielleicht bei anderen Gruppen der Fall sein mag.
Diesem Wunsch kam Vijai im Keoladeo Nationalpark dann auch nach dadurch, daß
wir auf die Fahrradrikshas verzichteten, dafür aber mit einem (hervorragend
wissens- und
|
Buntstörche zum Greifen nah
–
(painted stork) Im Keoladeo Ghana Nationalpark bei Barathpur gibt es mehr als
1200 Vogelarten, und besonders im Winter brüten hier viele Zugvögel aus
Sibirien und der Mongolei. |
sprachkundigen!) Führer den Nationalpark zu Fuß
erkundeten. Unser Parkführer wußte und entdeckte natürlich die Tiere viel
früher als wir und zeigte und erklärte uns, was wir mit seiner Hilfe sehen
konnten. Beeindruckend die große Phytonschlange auf einem abgestorbenen Baum.
Als sie sich fortschlängelte, meine Imre: “Jetzt ist Hannes dran – sie bewegt
sich“ nämlich für die Videokamera. - Daß wir insgesamt rund 5 Stunden per pedes
unterwegs waren, hat uns genauso wenig gestört wie die rotgesichtigen Affen am
Wegrand, vor deren Belästigung uns unser Guide gewarnt hatte.
NAWALGARH: Hier konnten wir erleben, wie die Fürsten
früher gewohnt haben: Unser Hotel, der Roop Niwas Palace, empfing uns mit Musik,
mit uniformierten Bediensteten an der Freitreppe und mit einem Willkommenstrunk
auf dem Freisitz.
Und dann die Zimmer – was sage ich: die Gemächer, die
uns zur Verfügung standen: ein Wohn- und Schlafzimmer mit , na, ich würde sagen: 50 qm Größe, dann ein Ankleideraum mit
allen Utensilien, und ein Badezimmer mit allem Komfort. Ein prächtiger
Speisesaal für Dinner und Frühstück war ein weiterer Höhepunkt.
Schade, daß wir nur eine Nacht bleiben konnten.
Electric
Road: Strom weg – Straße zu!
Von Jaipur aus nach Nawalgarh sind es rund 160 km.
Nach unseren deutschen Begriffen rund 2 Stunden Fahrt – da wir inzwischen die
indischen Verhältnisse auf den Straßen kannten, rechneten wir mit gut 4
Stunden. Aber wir kannten noch nicht alles! Denn etwa 20 km vor unserem Ziel
wurde unsere Fahrt erst einmal am Anfang eines kleinen Dorfes gestoppt durch
auf der Straße liegende Steine und Baumstämme. Viele Leute auf der Straße - vor
uns noch ein Pkw mit einem älteren Ehepaar darin – nichts ging mehr. Unser
Fahrer Rakish (ein zuverlässiger, ausgesprochen umsichtiger Fahrer!) ging zu
den Leuten und kam zurück mit der Erklärung, daß die Dorfbewohner
demonstrierten, weil ihnen schon seit einigen Tagen der Strom abgestellt worden
war.
|
Unser
Mann in Jaipur: ...Vijai Singh führt unsere Gäste in Jaipur, Nawalgarh – bis nach
Agra und Delhi. Ein Füllhorn spannender Geschichten und kompetentes Wissen
über Kultur, Geschichte und Religion – und man kann sich auch bei einer
unvorhersehbaren Geiselnahme stromloser Dörfler auf sein Krisenmanagement
verlassen. (Foto Marion 1999) |
Inzwischen kam nicht nur ein Jeep mit Polizei, sondern
auch die Dorfjugend an unseren Bus, um die Ausländer zu bestaunen. Später kamen
irgendwelche Beamte irgendeiner Bezirksregierung oder woher auch immer, um mit
den Leuten zu diskutieren. Unser Guide und unser Fahrer, die sich den Disput
angehört hatten, meinten, der Strom sei abgestellt worden, weil die Leute ihre
Rechnungen nicht bezahlt hätten –- die Ursache der Abschaltung war uns jedoch ziemlich
egal, denn im Bus war es angesichts des sehr warmen Wetters nicht gerade kühl.
Und es war kein Fortschritt in der Straßensperrung zu erkennen. Später war
Reiner von unserer Gruppe draußen und diskutierte lebhaft mit den Jugendlichen
– unter anderem, um sie von irgendwelchen Aktivitäten abzuhalten.
Nach anderthalb Stunden schließlich wollten wir drehen
und zurückfahren, aber da war hinter uns die Straße auch entsprechend
verrammelt und zu. Was macht man in so einem Falle? Man tritt die Flucht nach vorn
an. Das heißt, wir beschlossen, den Rest der Strecke zu Fuß zurückzulegen, nur
mit Wasserflasche in der Hand, ohne alles Gepäck. Es sollten ja „nur noch“ 14
km bis Nawalgarh sein. Gesagt, getan, wir marschierten los, allerdings mit dem
älteren Ehepaar im Schlepptau, welches bei unserem „Abgang“ die Panik gekriegt
hatte, allein zurückzubleiben. Es waren Franzosen: Sie mit hochhackigen
eleganten Schuhen, er mit seinen schätzungsweise 75 Jahren ziemlich mühsam zu
Fuß, und alles, ohne ein Wort Englisch zu können. Die richtigen Voraussetzungen
für einen langen Marsch in praller Sonne bei etwa 30 Grad im Schatten. Dabei
wollten die beiden gar nicht nach Nawalgarh, sondern noch weiter.
Glücklicherweise brauchten wir nicht zu lange zu
laufen: Nach gut 2 km hielt ein Jeep und nahm uns mit – allerdings: wenn man
bedenkt, daß wir einschließlich Fahrer mit 12 (zwölf!!) Personen in einem Jeep
fuhren, dann kann man sich vorstellen, daß wir mehr oder weniger
aufeinandergestapelt mitfahren mußten.
Wir kamen in Nawalgarh an, mit eingeschlafenen
Extremitäten, wie zu erwarten. In der Ortsmitte wurden wir aus dem Jeep
„entladen“, dann gingen wir zu Fuß noch etwa 1 km auf sehr staubiger
Buckelpiste – sprich: Hauptstraße, bis zu unserem Palast –- der Empfang, wie
vorher geschildert, war unter diesen Umständen besonders wohltuend. – Übrigens
kamen unser Bus und der Pkw der Franzosen etwa 1 1/2 Std. später, und unser
Fahrer erzählte, daß nur 3 Fahrzeuge mit Hilfe der Polizei auf der blockierten
Straße hätten weiterfahren dürfen, nachdem die Jugendlichen aggressiv geworden
seien und versucht hätten, u.a. die Reifen zu zerstechen.
Was den Straßenverkehr angeht – ich habe ja schon ein
paar Mal davon berichtet -, gibt es nichts beeindruckenderes als den
„Aufmarsch“ der Autos, Lkws, Tucktucks, Fahrräder, Karren und was weiß ich
nicht alles vor einem geschlossenen Bahnübergang. Wir haben das zweimal erlebt,
und der Höhepunkt ist nicht nur, wenn die Bahnschranke wieder hochgegangen ist
und jeder, egal auf welcher Seite, zuerst über den Bahnübergang kommen will -
der Höhepunkt für uns war der Bahnübergang, bei dem die sogenannte Gegenspur auch
noch wegen eines umgefahrenen Stahlträgers blockiert war:
|
„Über die gesamte
Straßenbreite fährt jeder so links, wie es geht...“ Zwar sind diese
Threewheeler aus meiner Kerala-Fotosammlung, aber das Bild ist landesweit
überall gleich |
Die Neigung unseres Busses, als wir uns fast im
Straßengraben vorwärts „tasteten“, war bestimmt 30 Grad nach links, bei
gleichzeitig permanentem Hupen, bei immer wieder dem Versuch, anderen
Drängelnden zuvorzukommen, und beim Abschätzen, ob man am Gegenverkehr mit weniger
als 1 cm vorbeikommen würde. Dagegen war das ‚Sich-durchstehen‘ durch Agra oder
die Rush-hour in Delhi ein harmloses Vergnügen. Man kann nicht sagen, daß die
Inder offensiv fahren – sie nutzen nur jede Gelegenheit, schneller vorwärts zu
kommen als der andere, aber sie nehmen Rücksicht auf alles, was lebt, egal, ob
Kuh (heilig!) oder Hund, ob Ziege oder Federvieh. Irritierend ist, daß im
Dunklen grundsätzlich nur mit Fernlicht gefahren wird – aber wenn man tagsüber
sieht, wie liegengebliebene Fahrzeuge nur mit auf die Straße gelegten Steinen
“abgesichert“ werden, und wenn man nachts die vielen unbeleuchteten Tucktucks,
Fahrräder oder auch die Omnibusse erlebt, die hinten überhaupt keine
Beleuchtung haben, dann könnte man alles, was keinerlei (Rück-)Licht hat, mit
dem, was bei uns Abblendlicht heißt, überhaupt nicht erkennen. Wobei Fußgänger
das schwächste Glied in dieser Kette sind, wie wir an den Schuhen auf der
Straße bei einem Unfall abends sehen konnten. Fußgänger müssen einen ständigen
Rundumblick haben, um überleben zu können, z.B. wenn der Fahrer den
Kreisverkehr infolge nicht so lebhaften Verkehrs einfach in der Gegenrichtung
abkürzt.
TAJ MAHAL: Das Touristen-MUSS! Wirklich, es ist
sehenswert, ohne jede Frage. Nur: ich warne jeden, den Versuch zu unternehmen,
mit einer Videokamera hinzugehen. Man darf nämlich nur auf der Plattform hinter
dem Eingangstor filmen; aber als Videofilmer hat man danach das Vergnügen,
seinen Apparat gegen eine ‚lächerliche‘ Gebühr von 250 Rupien in einem
Schließfach zu deponieren. Und wenn man auf dem Rückweg die Kamera wieder holt,
dann zahlt man ‚natürlich‘ für das Öffnen des Schließfaches (immerhin eine
Amtshandlung!) noch einmal ein ‚kleines‘ Trinkgeld. Alles natürlich exclusive
Eintrittsgeld, welches sich im übrigen kurz vor unserem Aufenthalt für
Ausländer auf 10 US$ = knapp 500 Rupien erhöht hatte (zum Vergleich: Inder
bezahlen 50 Rupien Eintritt ins Taj Mahal). Dieselben Eintrittspreise erlebten
wir auch in Delhi an exponierten Stellen; mit dem Erfolg, daß Ausländer
zumindest während unseres Aufenthaltes diese an sich sehenswerten Punkte nicht
mehr besuchten. Es gibt verschiedene Methoden, den Tourismus abzuwürgen ... (...bliebe
von Bernd noch nachzutragen, dass der Eintrittsobolus zum Taj per 28.10.00 eine
weiteres mal erhöht wurde: von 10,-$ auf 30,-$ ! Haben die indischen
Tourismusstrategen endlich auch erkannt, dass die Menge der Touristen sich
schädlich auf Umwelt und Moral auswirkt? jedenfalls sind sie auf dem
|
Genau
diesen Blickwinkel auf das erhabene Denkmal der Liebe gestattete man auch mir ...dann flankierten mich zwei
Khakiaufpasser zurück zu den Blechschränken, und auch meine Kamera wurde
gebührenpflichtig weggeschlossen. Erst dann durfte ich mich zum 50 m
entfernten Taja Mahal aufmachen. |
besten Wege, die schönsten Bauwerke der Welt zur
„sahibfreien“ Zone zu machen.)
Es gäbe ein Vielfaches zu erzählen von unserer Reise.
Aber ich habe mich auf ein paar Punkte beschränkt, die mir so einfielen. Auf
einiges möchte ich jedoch aufmerksam machen für zukünftige Reisen, was uns
verbesserungswürdig erscheint:
1.) Die
Frage der Unterbringung bei der Ankunft in Bombay sollte vorab von Deutschland
aus abgeklärt werden, z.B. dadurch, daß man ein (ordentliches!) Hotel vorher
fest bucht. Unsere (nicht ganz billige) Erfahrung am Ende unserer Reise in
Delhi bestätigt diesen Vorschlag. (Bernd: Ich habe die Vorreservierung
von D aus vor 2 Jahren aufgegeben, weil sie nur jedes zweite Mal geklappt hat.
Die Inder bestätigen - und kommen dann doch nicht zum Airport. Über den Hotel
Reservation Counter aber geht es sicher, zügig und man steht vor allem nicht
gleich zu Anfang mit einer unerfüllten Erwartungshaltung da – Indien hat
sowieso schon in den ersten Stunden manches Schwerverdauliche zu bieten.
2.) Die
Fahrt von Jaipur nach Nawalgarh und zurück (innerhalb von 2 Tagen gute 320 km!)
ist, trotz der interessanten Havelis, die man sieht, ziemlich strapaziös.
Abgesehen davon, daß die Aufnahmefähigkeit angesichts der vielen schönen
Tempel, Forts, Paläste usw., die man bis dahin schon gesehen hat, insofern
etwas eingeschränkt ist, als daß es auf der Reise praktisch keinen (halben) Tag
gibt, den man zur eigenen Verfügung hat, um zu „verdauen“ oder Tagebuch zu
schreiben oder auch nur nichts zu tun. Abgesehen davon, daß man aufgrund der
Entfernungen sowieso viel gefahren werden muß. (Bernd: Auch Euer Tipp 2
relativiert sich im Vergleich zu den Stimmen vieler anderer - vielleicht lag es
an der Straßensperre und den damit verbundenen Unbequemlichkeiten? Indien geht
da mit unseren Teams übrigens sehr umsichtig um: Irgendwo testet dieses Land auf
jeder Reise Deine Frustrationstoleranzgrenze - aber stets woanders und
unerwartet. jedenfalls hat noch niemand bisher die Länge der Anfahrt auf der
einen Wagschale so stark gegen das Erlebnis Roop Niwas und Shekawati auf der
anderen Schale aufgewichtet.)
3.) Der
Hinweis (wie eingangs gesagt), daß man sich auf jeden Fall beim Geldwechsel in
Bombay eine Menge 10-Rupien-Scheine geben lassen sollte, damit man die laufend
entgegengehaltenen Hände entsprechend versorgen kann. Man erwartet von uns Ausländern
nun einmal Trinkgeld für die kleinsten Handreichungen. (Bernd: Mit
diesem Verbesserungs-Tipp habe ich die FAQ (Merkblatt auf der Teamliste)
überarbeitet, was die Wechselstückelung betrifft
Keine Kritik am KD-Konzept
Lieber Bernd, ich kann Dir im Namen von Ursel und mir
(und nicht nur von uns!) versichern, daß wir die Reise vom ersten bis zum
letzten Tage voll genossen haben. Wenn einige Punkte nicht so nach unserem
Gusto waren, dann ist das beileibe keine Kritik an Deinem Konzept, Indien abseits der Touristenpfade zu erleben. Wir
hätte Land und Leute nicht besser erleben können, als mit Hilfe all der
freundlichen Menschen, die wir kennenlernen durften, die für uns in jeder
Beziehung gesorgt haben und die uns, nicht nur dadurch, zu Freunden geworden
sind.
1001 Geschichten gäbe es noch...
Eindrücke, die
einem die Reise nachhaltig im Gedächtnis bleiben lassen, wie die
Erfahrung mit dem „running camel“, welches mit mir im Sattel immer zuerst
ankam, egal, ob auf der Düne oder auf dem Sattelplatz, und woran mich mein
Steißbein noch Wochen danach erinnerte – oder die Rundfahrt auf dem Pichola-See
in Udaipur, wo ich, vorne stehend, erst mal im falschen Boot saß (weil
freundliche Einheimische mir hineingeholfen hatten) – oder die Erfahrung, daß
die von uns mit Spannung erwarteten „Candlelight-Dinner“ einfach gar nicht
anders durchgeführt werden konnten, weil je nach Gegend der Strom zu mehr oder
weniger bestimmten Tageszeiten mangels Kapazität abgeschaltet wird - Eindrücke
wie diese hätten wir nie gehabt, wenn wir als Sightseeing-Touristen durch
Indien getourt wären. Genauso wenig hätten wir vom Leben, aber auch von den
Problemen der indischen Bevölkerung erfahren
|
Unser Mann in Jodhpur: ...Maharaj
Chandrashekhar Singh of Rathor und seine großartige Rani Bhavna – warmest
regards from me to you and thanks a heartful for being always No. 1 in the
Chart of Hosts – voted by ALL guests! Without ou I’d never had created a
Rajputana Discovery! (Foto Helga & Imre, Kassel) |
können, wenn unsere Gastgeber nicht einheimisch und
gebildet gewesen wären: Sie versuchten immer, jede Frage, die wir zu allem
Möglichen hatten, möglichst umfassend zu beantworten – ich frage Dich, wie
anders kann man ein Land und seine Menschen verstehen lernen (von den
Momentaufnahmen, die das waren, einmal abgesehen)?!
Die Seite ist gleich voll, deswegen Schluß für heute.
Wir hoffen, daß Du auch weiter so viel Erfolg mit Deinen Reisen hast – für uns
jedenfalls war es ein voller Erfolg!
Danke!!
Ursel und Hannes Kassel,
den 14.Januar 2001
Wenn hier jemand zu danken hat, dann
doch wohl ich! Nach dem Schriftsteller gibt es nun auch den Beruf des
Schriftlegers: Euer Bericht hat mich umgehauen!
Warum geht das nicht immer so -
wie kann ich's den Gästen besser erklären, daß ich es genau so schätze? Damit
meine ich keineswegs das (für mich überaus günstige) Verhältnis von Positiv-
und Negativkritik, sondern die Art, an den Report heranzugehen.
Nun weiß ich nicht, ob ich mich
freuen oder mit den "Ex-Keralagästen" oder auch mir selbst schimpfen
sollte: Aus Eurem Bericht geht eindeutig hervor, daß man Euch in meinem
Kerala-(ver)Führer nicht hat lesen lassen. Aber manches wäre vielleicht gar
kein Abenteuer geworden, und manches auch nicht so intensiv erlebt und erzählt.
Vielleicht wäre es sinnvoll, das
KD-Merkblatt und den Kerala(ver)Führer – bereinigt um die rein südindischen
Kapitel – zu einer kleinen Broschüre zusammenzufassen, die man zusammen mit den
anderen Dokumenten mit auf die Reise nimmt.
Dann wäre einerseits alles
greifbar – andererseits können unsere Gäste es nach Belieben nutzen. Wie
seinerzeit Helga, die mir nach der Rückkehr aus Indien schrieb: „Du glaubst
nicht, mit welchem Vergnügen ich mich jetzt mit Deinen Heften beschäftige. Ich
erkenne vieles wieder, manches wird auf wundersame Weise klarer – vor der Reise
mochte ich mich darin nicht lesen, weil ich dies fremde Welt unbelastet selbst
entdecken wollte...“
Lieber
Bernd,................................................. Leipzig, 22.09.1998
wir leben noch ... Heute
möchte ich endlich wieder ein Signal von mir geben. In einer kleinen Pause -
sozusagen der Ruhe vor dem Sturm - will ich mich jetzt publizistisch Rajasthan
zuwenden und Dir zunächst ein paar Zeilen schreiben.
So leitet Harald seinen Reisebericht ein. Die "kleine Pause" hatte immerhin ein halbes Jahr gedauert - lange genug, um mich bereits zweifeln zu lassen: Hat meine kleine private Rajputana Discovery vor den gestrengen Augen des promovierten Fachjournalisten nicht bestanden? Das konnte eigentlich nicht sein - nach so vielen positiven Gefühlsausbrüchen "einfacher Konsumenten". Doch lassen wir Harald (der übrigens die Reise mit seiner 20jährigen Tochter Daniela gemacht hatte) nun selbst zu Wort kommen:
Es war in mehrfacher
Hinsicht eine märchenhafte Reise, Die von Dir geplante und von Chandra
organisierte Reiseroute war wirklich ein Traum, von dem ich eigentlich erst
jetzt erwacht bin. Sechs Monate habe ich gebraucht, um die vielen, vielen
Eindrücke zu verarbeiten. Mit Chandra hatte ich abgesprochen, daß die
Veröffentlichung einiger Artikel vom Timing her am günstigsten im Herbst sei.
Das war mir aus zweierlei Gründen sehr lieb: Zum einen hatte ich geschäftlich
vorher keine Zeit. Zum anderen ist es immer gut, einige Zeit zwischen
Erlebnissen und dem Schreiben verstreichen zu lassen, Jetzt habe ich auch von
dem Reisemagazin der LEIPZIGER VOLKSZEITUNG den nötigen Druck. Bis nächste
Woche muß ich eine Seite (Tageszeitungsformat) fertig geschrieben und gestaltet
haben. Bisher habe ich als Hauptschlagzeile vorgesehen: Maharajas, Märchen und
Moderne.
Die Seite setzt sich aus
einem Hauptartikel mit kleinen Geschichten und mehreren kleinen Beiträgen
zusammen. Dazu gehören selbstverständlich Fotos, ein kleiner Serviceteil und
eine Mini-Landkarte.
Lieber Bernd, ich würde
mich freuen, wenn ich mich mit der einen oder anderen kleinen Frage an Dich
telefonisch wenden könnte, Wie gesagt, das kann in den nächsten 5 bis 8 Tagen
geschehen Beim Schreiben tauchen bekanntlich Fragen und Zweifel auf, Eine Frage
habe ich bereits: Hat sich der Umtauschkurs DM zu Rupien seit Februar geändert?
In diesen Tagen sende ich
auch allen unseren Freunden einige Fotos. Die dicken Briefe gehen zu Chandra nach
Jodhpur, zu Raggie nach Jaisalmer und zur Familie Thakur Mahipal. Vor allem in
Daspan habe ich viele Bilder während einer Hochzeit fotografiert. Wir hatten
das große Glück, an zwei Abenden und einem Tag (dem letzten) der Hochzeitsfeier
in Daspan dabei zu sein. Das schöne dabei war: Wir waren keine Fremden und das
Fotografieren wurde nicht nur akzeptieren, sondern gern gesehen.
Lieber Bernd,
selbstverständlich sende ich auch Dir gern Fotos. Gib mit doch bitte ein paar
Tips, an welchen Themen Du Interesse hättest. Im Laufe der Jahre hast Du ja
selbst schon eine große Sammlung. Bei den etwa 800 bis 900 Fotos ist es schwer
für mich, eine Auswahl :u treffen. Es wird leichter, wenn Du mir sagst, was Du
nicht möchtest.
Also, was den Rupienkurs angeht, so hat der seit Deinem Indienbesuch arg Federn lassen müssen. Zu Gunsten der Reisekasse aller kommenden KD-Gäste ist die Rupie Ende September sogar unter die legendäre 4-Marks-Grenze für 100 RS gerutscht - das bedeutet mehr als 25 Rupien pro DM! Chandra, Raju und ich haben dem vor Monaten bei der Festlegung der neuen Reisepreise Rechnung getragen: Die Reise ist nun deutlich billiger geworden!
Was die Fotos angeht, so kenne ich die Qual der Wahl nur zu gut! Versuche doch einfach, diesen Bericht hier zu illustrieren - ich hoffe, ich kann hier bald einige Deiner Highlights einfügen!
So, und nun will ich Deinen Vortrag nicht weiter unterbrechen:
Selbstverständlich schicke
ich Dir auch meine Veröffentlichungen, die in den nächsten Wochen oder gar
Monaten erscheinen werden. Heute möchte ich - wie von Dir gewünscht - einige
Anmerkungen zur Reise für Dich machen. Du hast in dem Brief vom 27. Januar eine
Übersicht angefertigt. An diese Punkte halte ich mich:
Der Tourismus mit Familien
und den engen Kontakten zu den Gastgebern ist ein Erlebnis für sich - wenn
nicht überhaupt das Erlebnis. Der Gast hat so Gelegenheit, Indien pur
(zumindest das der Mittelschicht) nahezu 24 Stunden am Tag zu erleben. Es ist
sozusagen ein Crash-Kurs zum Kennenlernen von Rajasthan in drei Wochen. Es
werden viele Emotionen und Zwischentöne geboten, die ein Pauschaltourist
keinesfalls in diesem Umfang erleben kann. Das betrifft auch die Kontakte
außerhalb der Familie. Wie sonst wäre es möglich, mit der Landbevölkerung zu
reden und ohne penetrant zu sein, einen Einblick in ihre Lebensweise und
berufliche Tätigkeit zu bekommen. Die Gastgeber sind sozusagen in mehrfacher
Hinsicht die Dolmetscher auch zu anderen Bevölkerungsgruppen und Kasten. Der
Gast hat die Gelegenheit, den armen Landbauern, den Händler, Handwerker, den
Wissenschaftler und Künstler, den Millionär und den Maharaja zu kontaktieren.
Auch die Sehenswürdigkeiten
werden aus einem anderen Blickwinkel gesehen, Wer sich für Details
interessiert, bekommt sie geboten. Das ist wertvoller - denke ich, als eine
kunsthistorische Führung durch einen Profi.
Alles in allem, ich denke,
das KD-Konzept ist sehr gut und wird dank des Engagements und der Motivation
der Gastgeber ausgezeichnet umgesetzt.
Das Rajputana Traumheft - bald mit "Reiseknigge"?
Die Heftchen von Dir halte
ich für eine ausgezeichnete Information vor, während und nach der Tour. Auch
die Fotos lockern das ganze nicht nur auf, sondern sind ebenfalls sehr
informativ. Der Gast erfährt so z. B., wer ihm begegnen wird ... Einen kleinen
Vorschlag hätte ich allerdings, der dem Wunsch der Gastgeber auf Etikette und
Höflichkeit entgegenkommt: Wie wär's, wenn Du eine kleine Übersicht über unsere
Gastgeber herausgibst: Ort der Begegnung, offizieller Name mit Titel usw. des
Gastgebers bzw. der Gastgeber, Rufname der Gastgeber / wie die Gastgeber gern
angeredet werden wollen (z.B. Chandra).
"Fluchzeuge"
Wir sind mit Delta Air
geflogen. Der Service ist wie bei allen amerikanischen Fluggesellschaften
mittelmäßig, Das betrifft das wenig schmackhafte Essen ebenso wie zusätzliche
Leistungen.
Wie schon gesagt, war das
Gepäck von meiner Tochter Daniela verspätet angekommen. Hier hat sich Chandra
sehr engagiert eingesetzt. Ohne seine Hilfe hätten wir sehr große Probleme
gehabt, Ich schulde ihm noch Geld, das - wie abgesprochen - er entweder in
Deutschland bei seinem Besuch oder in Indien erhält. Delta Air hat allerdings
den entstanden Schaden sehr rasch und relativ zufriedenstellend ausgeglichen.
Der Erstschaden wurde bezahlt.
Indian Airlines ist eine
sehr unzuverlässige Inlands-Fluggesellschaft. Wir hatten eine Flugverspätung
von fünf bis sechs Stunden von Mumbai nach Jodhpur. Davon saßen wir zwei bis
drei Stunden im Flugzeug in Mumbai. Deshalb war ich beim Rückflug nach Mumbai
von Udaipur sofort einverstanden - als wir einen Tag eher fliegen mußten. Wie
Du weißt, war mein Überseeflug auf Grund der Rabattgewährung fest. Eine
Verspätung bzw. Umbuchung wäre mich teuer zu stehen gekommen. Deshalb war ich
auch nicht traurig, einen Tag eher die schöne, aber von Touristen überlaufene
Stadt Udaipur zu verlassen. Sicher ist sicher.
Ökonomisch von A nach B
Ansonsten waren wir mit
den Transportmitteln (Nachtzug, Pkw, Jeep) zufrieden. Diese Transportmittel
waren gut ausgewählt, um ökonomisch in puncto Zeit und Geld zu reisen, aber
trotzdem Indien kennenzulernen. Wenn es ökonomisch und organisatorisch
vertretbar ist, würde ich vorschlagen, eine Tour von Jodhpur noch Jaisalmer mit
dem Nachtzug und eine Tour mit einem anderen Verkehrsmittel (Auto oder
Flugzeug) zu organisieren. So wäre eine zusätzliche Abwechslung gegeben. Aber
das könnte vielleicht unnötige Kosten verursachen...
Darüber in wenigen Worten
zu schreiben ist nahezu unmöglich. Dieser Teil Indiens bietet in der Kürze der
Zeit so viele Farben, Gerüche, Töne, Kontakte und viele, viele neue Erlebnisse.
Sicher auch dank unserer Gastgeber war es möglich, daß wir überall freundlich
aufgenommen wurden. Mich hat vor allem die Neugier, die Aufgeschlossenheit und
Toleranz und die hohe Bildung der indischen Mittelschicht beeindruckt. Obwohl
die meisten noch nie in Europa waren, wußten sie über Europa und speziell Ober
Deutschland sehr gut Bescheid. Das betraf auch die vielen innerdeutschen
Probleme wie Arbeitslosigkeit, Konflikte mit dem Zusammenwachsen Deutschlands
usw. So wurde ich in Jaisalmer nach der Meinung der Deutschen zur Währungsunion
gefragt,..
Lieber Bernd, weitere
Eindrücke sende ich Dir dann mit meinen kleinen Beiträgen.
Eine tolle Mischung
Ich denke, daß das Konzept
der Stationen der Rundreise gut ist. Für jeden ist etwas dabei: Von der heißen Wüste
bis zum kühlen Mt. Abu, von der Bauernhütte bis zum Palast ... Gut ist auch der
Mix von touristischen Highlights und den sogenannten kleinen Schönheiten in der
touristischen Provinz. So war ich z. B. fasziniert von dem äußerlich
unansehnlichen alten Palast in Dungarpur, der im Inneren eine Märchenwelt war.
Ich hatte eigentlich von
dieser Rundreise am Programm kaum etwas zu ändern. Allerdings fehlten meiner
Tochter und mir zur Reisehalbzeit ein Ruhetag. Die Chance auf Mt. Abu konnten
wir nicht nutzen, weil es zu kalt war. In Dungarpur konnten wir den
Verlockungen der reizvollen Umgebung der Stadt nicht widerstehen und waren
immer unterwegs ... Aber das ist eben vielleicht unsere Schuld gewesen,
Geier in der Wüste Thar
Es gab eigentlich keine
negativste Erinnerung. Die einzige (von der wissen aber unsere Gastgeber in
Jaisalmer nichts) hatten wir vielleicht auf der Festung dieser schönen goldenen
Stadt, Ich warne alle Nachfolger vor dem Besuch der Tempel auf der Festung. Ich
habe noch nie auf der Welt bei meinen Reisen so penetrante und so betrügerische
Gotteshelfer getroffen, wie in den beiden Tempeln im Burgviertel. Sie wollten
als Spende gleich mehrmals Geld von uns haben., Einmal am Eingang, einmal in
einem Gang abseits das Altars und einmal beim Ausgang. Am Eingang habe ich noch
gern gegeben, Doch als der Priester mich beim Rundgang nochmals ansprach, ob
wir nicht spenden wollen, dann kam mir das recht merkwürdig vor. Da es auf der
Reise wesentlich schönere und interessantere Tempel gibt, denke ich, muß man
diese Tempel nicht unbedingt von innen sehen. Diese kleine Episode hatte ich
schon fast vergessen, sie fiel mir beim Aufarbeiten wieder ein.
Ich habe selten auf einer
Reise durchgängig so viele, nicht nur freundliche, sondern sehr aufmerksame,
gebildete und engagierte Gastgeber erlebt wie auf der Tour durch Rajasthan.
Diese Gastgeber (alle!) machen die Reise zu einem so großartigen Erlebnis, Ich
habe ja über die Begegnungen bereits geschrieben.
Über Chandra und seine
Familie waren ja schon viele Gäste sehr beglückt. Er wurde für uns nicht nur
zum Gastgeber, sondern zu einem wahren Freund. Ich hoffe, daß ich ihn und seine
Familie, die kluge Frau mit den wunderbaren Rezepten, die liebenswerte
Großmutter und den munteren Sohn, bald wieder begegnen kann,
Sie dolmetschen, schlagen
Brücken zu allen Kasten und werden gar zu "Entwicklungshelfern"
Ebenfalls sehr zufrieden
sind wir mit den Helfern unserer Gastgeber - den Boys, den Fahrern ...
Übrigens, wäre ohne unsere Gastgeber eine Begegnung mit den Indern der unteren
Kaste nicht möglich gewesen. Viele von den einfachen Indern können kein
Englisch. So brauchten wir in mehrfacher Hinsicht Dolmetscher. Wie sonst hätte
ich mit den Bauern reden können oder den Mann mit dem zweitlängsten Bart der
Welt dazu bewegen können, seinen Bart auszuwickeln.
Sonnenmilch, Regenschirm und Pullover
Das Klima im Januar ist in
Rajasthan für Europäer sehr angenehm. Allerdings war es auch für unsere
Gastgeber ein Erlebnis, als es in der Wüste regnete. Ich hätte auch nicht
gedacht, daß ich in Jodhpur und erst recht auf dem Mt. Abu (mit zwei Pullovern
und einer Jacke bekleidet) frieren muß ...
"A votre sanitär" - die Zimmer
Die Unterkünfte waren
durchweg sauber. Mir hat es sehr gefallen, daß wir bei den meisten Gastgebern
annähernd landestypisch übernachten durften. Als Angehöriger des
"Mittelalters" lege ich Wert auf einigermaßen vernünftige sanitäre
Einrichtungen. Ich wer angenehm überrascht, daß wir auf allen Stationen in
dieser Hinsicht zufrieden sein konnten.
Gut wäre es, wenn beim
Transit über Mumbai vor allem bei der Anreise ein Hotelübernachtung fest
gebucht wird, Das Hotel, in dem Du für uns hast reservieren lassen, wußte von
nichts. Allerdings hatten sie zum Glück ein Zimmer frei. Es ist wichtig, wenn
man bei der Anreise (Ankunft 02.00 Uhr) ein Zimmer sicher hat. Bei der
Rückreise hatte Chandra für uns ein gutes Hotel reserviert. Die Buchung war
auch erfolgt.