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Diese Rubrik wurde am 18. April 2011 aktualisiert
Angelikas Livereport: "Namasté India!" Palast,
Basar & ein Nobelrestaurant Frauen
machen Männerarbeit - und umgekehrt Auf der
Suche nach Attraktionen sind wir selber eine Die Macht
Gottes ist nun mit uns Udaipur
begrüßt uns mit Folklore Die
"schlichte Hütte" des Maharana Hochzeiten
haben grad Hochkonjunktur Jaipur, die
Hauptstadt Rajasthans Ayurveda
nur in seinem Ursprungsland Kerala Von Rajasthan
nach Uttar Pradesh In der
Rajbansh "Garden Villa" Angela &
Peter: 5 Wochen Rajasthan Kleine
Ereignisse einer großen Reise Manchmal
ist Deutsch einfach praktisch ;-) Da war der
Irrtum der gefangen nahm Da war das
Elend und die Lebensbürde Da waren
auch die Freuden jener Tage Mir ward
gezeigt das Schlechte und das Gute Die voller
Licht und Freuden sind... Unvergessliche
Begegnungen im Land der Wüstensöhne!
Josef: Im Land
der Wüstenkünstler Rajasthan & Gujarat: "Three Ladies Going Native" Jodhpur -
Wiedersehen mit Bhavna & Chandra Reisebericht: "Qualität, nicht Quantität" Eva & Stefan: Unsere Seelen sind noch in Indien Nicht der
Wüstenwind wärmt das Herz Jodhpur:
Die Menschen sind uns ganz nahe Jeepsafari
über Land: Nach Chandelao Eine
Kamelsafari und eine charismatische Lady Report: Neue
Ziele & alte Freunde Wiedersehen
in der blauen Sun City Kurs
Himalaya - unbekannte Ziele locken Von
Chandigarh nach Jallandhar KD-Reisebericht:
Rajasthan ade… Prinzessinnen,
Prinzen und ein wüstes Kamel Charlotte & Johannes: Rajasthan Revival Plötzlich
sprach alles dagegen Stimmungsbarometer
steigt über „unerschütterlich“ auf „heiter“ Was der
Profitourismus nicht kann Wenn der
Plan mal hakt, dann zu unserem Glück! Rajasthan –
eine Discovery zu viert Silvia aus
Berlin berichtet von einer gewollt gestrafften Rajputana Discovery Suchen
nach den anderen – und nach den Indern Jaisalmer:
Prinzessin will nicht heiraten Chandelao
– touristenfreie Zone Die
leidige Commission: Mit dem Vijai mußt Du mal reden Josef:
„Beeindruckt und fasziniert“ Kino,
Küche, Kleidung & Krishna ... aber
auch Dreck und Verkehrshorror ***** für
Chandrashekhars Indrashan Mit
Pradyuman nach Chandelao, Pushkar und Udaipur Spontane
Planänderung „To touch Mahal“ Ursula:
Rajputana Discovery – ein großes Erlebnis Vorsicht
und Reisestornos nicht nachvollziehbar Man ist
als Tourist ja Analphabet Probleme
durch Reiserücktritte Besuch bei
den indischen Christen Karin &
Reiner: „Rundherum ein toller Urlaub“ Karin
& Reiner: Rajputana zur Pushkarzeit Rajputana – am
liebsten zu Fuß? Dezember 2000:
Danksagung an Bhavna & Chandra Ursel &
Hannes: Vier Wochen Rajputana – wie das
in Worte fassen? Mumbai –
ein Rucksack voll getackerter Geldbündel Kankarwa
Haveli in Udaipur – schöner geht’s nicht Fürstliche
Suite im Roop Niwas Verkehr:
Gordische Knoten lösen Das Taj:
Touristenabzocke, Kameraterror - aber ein Muß! Harald:
Maharajas, Märchen und Moderne Das kann
Pauschaltourismus nicht Keine
Hoteliers, sondern wirklich Freunde Rajputana
Discovery - eine gute Nische im Tourismus Jaisalmer
- Märchenstadt in der Wüste Von den
Stammesgemeinschaften bewirtet Heidi aus
München zieht Bilanz UNTERKUNFT
- nicht zu Hause und doch daheim KD-KONZEPT
und PREIS - gut organisiert und nicht zu teuer Eva: „Hab’ mein
Herz in Indien verloren!“ Alles
fremd - und dennoch fühle ich mich von Anfang an wohl Man fühlt
sich nicht als "zahlender Tourist" Mein
Körper kehrte heim - mein Herz ist noch dort...
Vorwort zur Letterbox
Dies sind unsere Dialoge nach den Reisen 1999-bis heute. Eure Briefe sind am kursivem Fettdruck zu erkennen - meine Kommentare sind so wie hier gedruckt. Ich greife aus Eurer Post ab und zu ein Thema auf und wende mich dann aber an alle - auch an die Gäste der kommenden Saison. Nimm's also nicht persönlich, wenn ich mal etwas weiter aushole. Beide Briefkästen - die Rajasthan-Box und die Kerala-Box - sind in den neuen Traumheften weit ausführlicher. Auch eingefleischte Websurfer sollten sich mit dem hier dargebotenen "Aperitif" nicht zufrieden geben! Damit möglichst viele verschiedene Themen angesprochen werden, habe ich aus Platzgründen die Teile Eurer Briefe gekürzt oder ausgespart, die bereits mit den Briefen der anderen angesprochen worden waren. Gerade die Letterbox kann für neue Interessenten eine gute Entscheidungshilfe sein. Neben exzessiver Schwärmerei werden auch Missstände aufgezeigt. Dazu kommt etwas Hintergrundinfo von mir für alle, die eine Kerala Discovery noch vor sich haben. Was verbessert werden kann, werden die Gastgeber verbessern. Was unabwendbar ist wird nochmals erklärt - damit neue Besucher vorbereitet sind. Besser lest Ihr's hier, als im Kleingedruckten. Zumal ich weiß, daß Interessenten solcher Reisen den Paragraphenkram der Reisebedingungen überhaupt nicht mögen. Auch in der letzten Saison habe ich bemerkt, daß viele sich "aus dem Bauch" für KD entschieden und das "Technische" überhaupt nicht gelesen haben. Für ein solches Vertrauen bin ich sehr dankbar - möchte aber trotzdem Missverständnisse vermeiden. "Namasthé India!"
Das Reisetagebuch von © Angelika Körber. Eine zur
Schnuppertour ausgedehnte Geschäftsreise - so will ich die 11 Tage Rajputana
Discovery der beiden Dolmetscherinnen aus NRW nennen. Unter dem Titel
"Namasthé India" begann in INN 596 bereits kurz nach der Landung in Delhi Angelikas
Live-Report im Ruhrstadt-Netzwerk - und natürlich in den InderNettNews Angelika aus Gladbeck und Monika aus Solingen sind zwei
befreundete Übersetzerinnen, die virtuell schon länger mit Kollegen aus
Indien in Verbindung standen. In erster Linie wollten die beiden diese
Kontakte vertiefen. Aber dieses faszinierende Land anschließend gleich wieder
zu verlassen, ohne wenigstens ein paar Highlights erlebt zu haben - das wäre eine
Versündigung an einer der ältesten noch lebendigen Kulturen der Welt gewesen. Aber wie das so bei Selbständigen ist: Sie arbeiten selbst
und ständig, und es bleibt oft viel zu wenig Zeit für die schönen Dinge des
Lebens. So zum Beispiel nur 11 Tage für eine Rundreise durchs Land der
Maharajas. das war natürlich für Maharaj Chandrashekhar aus Jodhpur und mich
keine leichte Aufgabe. Mit so wenig Zeit war eine entspannte Erlebnisreise
schier unmöglich. Zumal die zurückzulegende Strecke, auch wenn das eine oder
andere auf selbiger bleiben musste - dennoch fast so lang war, wie die
stressfreie Rajputana Discovery unserer 4-Wochengäste. Monika & Angelika waren gewarnt. Aber sie sind
belastbar, im besten Alter und trauten sich das zu. Sie haben sich auf dieser
Reise immer wieder vor Augen geführt, dass sie sich ja nur auf einem
Schnupperkurs befanden: "Wir kommen ja wieder!" So konnten sie sich
zumindest teilweise von diesem Gefühl lösen, so vieles versäumen zu müssen. Angelikas
Livereport: "Namasté India!"
Monika & Angelika sind gestern in Indien gelandet.
Ihre Rajputana Discovery hat nicht mal begonnen - schon ist Angelikas
Reisetagebuch im Netz gestartet. Oh Du herrlich vernetzte Welt. Noch sind die
beiden in Delhi. Das Tagebuch startet also mit dem EMIRATES-Flug ab
Düsseldorf über Dubai nach Delhi Mitternacht . 19 Grad Celsius. Nach einem äußerst
angenehmen und aufregenden Flug von 6 Stunden mit Emirates Airlines in einer
Boeing 777 mit knapp 400 Passagieren an Bord landen wir auf unserem Weg nach
Indien in Dubai. Hier herrscht ein Betrieb wie auf dem Essener Hauptbahnhof
zur Hauptverkehrszeit! Alle Duty-Free-Shops waren selbstverständlich geöffnet
– und wer darf auch hier keineswegs fehlen? Natürlich … Starbucks und
McDonalds. Für uns, die wir meistens Charter und Billigflieger
nutzen, war allein schon dieser Flug ein Erlebnis. Wir hatten offensichtlich
das Verwöhnprogramm gebucht: Sämtliche Getränke, von Alkohol bis
Zitronenlimo, wurden im
Viertelstundentakt gereicht und es
blieb kein Wunsch offen. Und auch das Essen war hervorragend ! Wenn wir nicht gerade mit Essen und Trinken beschäftigt
waren, bot das Unterhaltungsprogramm genug Abwechslung: 384 Kanäle zeigten
die neuesten Kinofilme, alte Schinken, Zeichentrickfilme für die Kleinen,
Rockkonzerte und natürlich Bollywood!
Um 5:00 h ging es
dann weiter, unserem Endziel entgegen, und pünktlich um 9:10 h landeten wir
auf dem International Airport Indira
Ghandi in Neu Delhi. Indien empfängt uns mit
kalten 10 °C und – man glaubt es kaum – man kann die Hand vor Augen nicht
sehen: Über Delhi liegt eine Dunstglocke und die benzin- und
abgasgeschwängerte Luft macht das Atmen extrem schwer. Wir wurden von unserem Fahrer abgeholt und in unser erstes
Quartier gebracht. Auf dem Weg
dorthin konnten wir uns recht eindrucksvoll davon überzeugen, dass hier der
Verkehrskollaps nicht mehr nur droht, sondern längst gelebt wird. Sehr gut
ausgebaute vierspurige Straßen wechseln sich mit Lehmwegen und Schotterwegen
ab, die den Autos (und auch den Insassen) wirklich viel abverlangen. Dazwischen
flanieren abgemagerte Kühe, mal einzeln, mal in Gruppen. Begleitet wird
unsere Fahrt von einem ständigen Hupkonzert. Warum das so ist, haben wir noch
nicht ergründen können, aber offensichtlich unterhalten sich die Fahrer mit
ihren Hupen untereinander. Von fernöstlicher Geduld ist hier jedenfalls
nichts zu merken. Unsere erste Unterkunft befindet sich in einem Vorort von
Delhi. Wir werden von der Frau des Hauses, Lakshmi, empfangen, die uns als
erstes unser Zimmer zeigt und uns dann zum Tee einlädt. In ihrem Wohnzimmer,
dessen Wände mit Fotografien
malerischer Männer und Frauen bedeckt
sind, besprechen wir unser heutiges und morgiges Programm. Mittlerweile ist es Mittag geworden. Der Smog hat sich
aufgelöst und die Sonne lacht vom Himmel. Im Haus ist es immer noch recht kühl.
Nach der langen Nacht sind wir etwas schläfrig geworden. Doch jetzt steht
unser erstes indisches Mittagessen auf dem Tisch: Reis, Chapati, Dalsuppe,
Salat mit einer Art Mozzarella, Hühnchencurry und eine köstliche Süßspeise
aus Kokos und roter Beete. Nach dem opulenten Mahl müssen wir nun doch endlich eine kleine Ruhepause einlegen. Für den Nachmittag ist Sightseeing und am Abend ein Treffen mit dem Vorsitzenden des indischen Übersetzerverbandes geplant. Wie uns versichert wurde, müssen wir uns keine Gedanken darüber machen, dass wir verloren gehen könnten. Unser Fahrer bleibt die ganze Zeit bei uns und wird uns wieder heil nach Hause bringen. Sightseeing in Neu-Delhi
Beim letzten Mal waren wir noch live dabei - doch die
INN erscheinen nur einmal wöchentlich, und so eilen Monika & Angelika uns
auf ihrer Rajputana Discovery inzwischen weit voraus. Während die beiden also
bereits Udaipur hinter sich ließen, stehen wir hier noch am Anfang der Reise:
In Delhi - aufgeschrieben von Angelika Körber Nachdem am Nachmittag die Sonne doch noch Mitleid mit uns
gehabt hat, haben wir die ersten Sehenswürdigkeiten in Augenschein nehmen
können. Hier schließen alle Museen und Monumente um 17:00 h, daher blieb uns
nicht viel Zeit. Als erstes begaben wir uns ins Regierungsviertel. Man glaubt sich schon wieder in einer anderen Welt:
Gepflegte Parkanlagen trennen das Parlamentsgebäude von den Ministerien und
dem Präsidentenpalast. Alles sieht so sauber aus, als sei hier gerade erst
gefegt worden. Ganz im Gegensatz zu den umliegenden Vierteln, durch die wir
gekommen waren.
Unser Guide, Major Chandrakant, berichtete übrigens, dass
wir unglaubliches Glück hätten, dass es gestern geregnet hatte. Deswegen sei
die Luft so schön klar (ach ja?), ansonsten sei es in Delhi unglaublich
staubig. Nach der politischen Bildung dann wollten wir die Sonne
nutzen und besuchten einen nahe gelegenen Park. Hier bekamen wir zufällig
noch ein ganz besonderes Event mit: Life and Tradition of the Mahabharata.
Das Mahabharata ist ein indisches Epos, dessen Entstehung nicht genau bekannt
ist. Rund drei Wochen wird in diesem Park die alte Tradition wieder aufleben,
und zwar in Form von Theater- und Musikstücken, die vor dem malerischen
Publikum lautstark aufgeführt werden. Interessanterweise waren wir die
einzigen Touristen und auch im Museum für Fotografie, das sich im Park
befand, gab es keine Touristen. Abgerundet wurde die Volksbelustigung noch
durch eine Fressmeile, auf der es verführerisch roch, und einen
Kunsthandwerkermarkt, auf dem allerlei Handwerkliches wie Scherenschnitte,
Masken, Wandbehänge usw. angeboten wurde. Nachdem wir den weitläufigen Park, der ansonsten wirklich
nichts zu bieten hatte, weiter erkundet hatten, wurde es auch wieder kälter.
Zum Abendessen waren wir mit dem Vorsitzenden des indischen
Übersetzerverbandes verabredet, der nicht nur das Essen zahlte, sondern auch
gleich das Menü festlegte – und dabei ein gutes Händchen bewies. Der Abend
war sehr nett und vor allen Dingen informativ, und wenn wir vom Flug nicht so
völlig geschafft gewesen wären, hätte es auch noch ein längeres Gespräch
werden können. Als wir aus dem Lokal kamen, mussten wir feststellen, dass
der Smog die Stadt wieder voll im Griff hatte. Ob wir uns wohl an diesen
Gestank gewöhnen? Der Verkehr ist wirklich unfassbar. Die gut ausgebauten
Straßen sind meist dreispurig in jede Richtung, allerdings sind die
Fahrtrichtungen nicht durch irgendwelche Barrieren getrennt. Das bedeutet,
dass die Fahrzeuge wild durcheinander fahren und niemand sich so richtig an
seine Fahrtrichtung hält. Verkehrszeichen gibt es keine und Regeln
offensichtlich auch nicht. Jeder deutsche Autofahrer bekäme wahrscheinlich
einen Anfall, wenn er von beiden Seiten von anderen Fahrzeugen so dicht
bedrängt wird, dass kein Haar mehr dazwischen passt. Hier interessiert das
niemanden. Das ausdauernde Hubkonzert scheint sich abends noch zu verstärken
und wir haben uns schon auf eine laute Nacht eingestellt.
Wir sind jedenfalls gespannt, was der morgige Tag uns
bringt. Es ist weiter Sightseeing angesagt, ehe wir den Nachtzug nach Jodhpur
besteigen. Philosophieren in Indien
Mit blauem Himmel, strahlendem Sonnenschein und angenehmen
Temperaturen um 20 °C begann unser zweiter Tag in Delhi. Das richtige Wetter
für weitere Erkundungen, dachten wir. Aber nach ein paar Minuten im Freien
wollten wir von Museen nichts mehr wissen, sondern einfach nur den schönen
Tag genießen. Major Chandrakant konnte uns aber trotzdem dazu überreden, uns
das Nationalmuseum wenigstens von außen anzusehen, denn er wollte uns Einiges
über die hinduistischen Götter erzählen, warum sie wie dargestellt werden und
warum sie welche tierischen Diener haben. Wir haben es nicht bereut, dieser
Aufforderung gefolgt zu sein, lernten wir doch auch etwas über die Edikte des
Kaisers Ashoka kennen, der im dritten Jahrhundert vor Christus seiner Zeit
weit voraus war. Die Geschichte ist zu lang, um hier erzählt zu werden, aber
wichtig ist sicherlich, dass Ashoka, nachdem er zahlreiche Kriege geführt
hatte, einsah, dass Kriege keine Lösung sind und fortan auf jegliche
Aggression verzichtete und sich lieber für Frieden und sozialen Wohlstand
seiner Untertanen einsetzte. Er war Anhänger Buddhas. Im Anschluss daran besuchten wir den Lodi-Park, eine
weitläufige Anlage, in der unter anderem ein Monument zu besichtigen ist,
dass Sikandar Lodi hier erbaut hatte, um seine Unsterblichkeit zu sichern. Die Besichtigung dieses Tempels hat zu weiteren
kontemplativen Gedanken und Gesprächen animiert und so saßen wir alsbald auf
Mauerresten in der Sonne und plauderten über die großen Religionen, deren Gemeinsamkeiten
und wichtigsten Unterschiede im Allgemeinen und die Unendlichkeit des Seins
im Besonderen. Unseren Guide, einen sehr liebenswürdigen und belesenen
Menschen, haben wir hier nun auch von seiner philosophischen Seite kennen
gelernt. Nach dem Mittagessen gönnten wir uns einen Nachtisch der
besonderen Art: Kaffee im Hotel Imperial. Wie sagte Major Chandrakant … der
Kaffee ist zehnmal so teuer wie woanders, aber es lohnt sich durchaus. Und
das hat es auch, sogar in mehrerer Hinsicht. Hier lernt man wirklich Luxus
pur kennen, die Bediensteten sind unglaublich freundlich (wie halt in allen
Luxushotels), das Interieur bietet in verschiedenen Räumen alle möglichen
Stilrichtungen, etwa aus 1000 und einer Nacht oder ein einem Zen-Garten
nachempfundenes Café oder eine Cafébar im Kolonialstil. Und hinzu kommt, dass
der Kaffee wirklich exzellent war. Es mag zwar teurer gewesen sein als
anderswo in Delhi, aber immer noch preisgünstiger als beispielsweise in einem
deutschen Café.
Doch damit nicht genug. Es wartete noch eine Überraschung
aus uns. Ein Geschäftspartner meiner Mitreisenden überreichte uns eine Einladung
für den Empfang in der deutschen Botschaft zu Ehren einer Delegation
Industrieller und des bayrischen Wirtschaftministers, Martin Zeil. Schade,
dass wir dieser Einladung nur eine gute Stunde Folge leisten konnten, denn um
22:35 h ging unser Nachtzug nach Jodhpur. Zu gerne hätten wir die
Bekanntschaft des Botschafters und des Ministers gemacht ... naja, vielleicht
beim nächsten Mal. Die letzte Überraschung des Tages war unser Zug, der
unsere wildesten Vorstellungen übertraf. Es hieß, wir würden höchstens in
einem Viererabteil untergebracht und natürlich in einem Frauenabteil (ich
persönlich glaube ja, so was gibt es gar nicht). Nun, unser Abteil war
geringfügig größer … es umfasste 20 Liegeplätze und war – wie sollte es auch anders sein –
komplett ausgebucht. Wir hatten NATÜRLICH auch die oberen Etagenbetten
erhalten (wenn schon Abenteuer, dann richtig!). Nun bin ich ja durchaus
jugendherbergserprobt, aber ich bin auch keine 18 mehr. Also Etagenbetten
sind ein absolutes NO GO. Da wir früh genug im Zug waren, haben wir einfach
zwei der unteren Betten requiriert
und hoffen nun, dass wir auf mitleidige Mitreisende treffen. Midnight
train to Jodhpur
Der Tag endete, wie er begonnen hatte – mit einer weiteren
Überraschung. Wir hatten, wie gesagt, einfach zwei Betten okkupiert in der
Hoffnung, man würde sie uns überlassen. Als erstes kam ein junges Mädchen,
das sich relativ schnell überreden ließ. Ich hatte aber das Bett eines jungen
Mannes in Beschlag belegt, der mit Frau und Kind unterwegs war. Der wollte sich
erst gar nicht auf einen Tausch einlassen, hat es sich dann aber doch noch
anders überlegt. Natürlich haben wir ihm angeboten, auf dem unteren Bett
Platz zu nehmen, und schon kurze Zeit später waren wir mit ihm in ein
Gespräch vertieft – und es ging, wer hätte das gedacht, wieder um Religion
und Ethik. Dieses Thema scheint uns ja mächtig beschäftigt zu haben! Bald schon tauschten wir nicht nur Ideen, sondern auch
Essbares aus. Die junge Familie hatte wirklich köstlich aussehende Trauben
dabei, die sie uns freimütig anbot. Aber getreu dem Motto „Peel it, heat it,
or leave it“ haben wir schweren Herzens dankend abgelehnt. Gegen 1:00 h dann
kehrte in unserem Abteil langsam Ruhe ein. Wir wünschten uns eine gute Nacht,
löschten die Lichter und ließen uns von dem eintönigen Rattern des Zuges in
den Schlaf wiegen. In 8 Stunden würden wir Jodhpur erreichen ... Gegen 7:00 h erwachte unser kleines Abteil langsam wieder
zum Leben. Einige Kinder quengelten, aber im Großen und Ganzen herrschte
Ruhe, so als müssten sich alle für einen anstrengenden Tag rüsten. Früher als
erwartet erreichten wir unsere Endstation für die nächsten Tage: Jodhpur. Der erste Eindruck: Die Straßen sind wesentlich besser als
in Delhi, die Rikschas noch bunter und verzierter, auf den Straßen flanieren
noch mehr Kühe und herrenlose Hunde. Jodhpur ist bunter, quirliger,
indischer. Wir wurden von Maharaj Chandrashekhar Singh of Rathor
abgeholt und zu seinem bescheidenen Haus gebracht, einem weitläufigen Anwesen
mit mehreren Innenhöfen, auf denen man in der Sonne Tee oder Kaffee genießen
kann. Und Sonne hatten wir wirklich reichlich: Gegen Mittag erreichte sie 32
°C. Nach einem ausgedehnten Frühstück ging es auf unsere erste
Entdeckungstour: Das Fort von Meherangarh. „Beeindruckend“ beschreibt dieses Bauwerk nur
unzulänglich. „Gigantisch“ mag in etwa das Ausmaß dieser Anlage schildern,
gibt aber keinen Aufschluss über die teilweise filigrane Gestaltung der
Räume, die Wandmalereien, die Intarsien usw. „(Ehr-)Furchteinflößend“ käme
angesichts der Tonnen von Gestein, die sich hier auftürmen, auch infrage. Mir
fehlen die Worte! Es ist auch gar nicht möglich, einen kurzen geschichtlichen
Abriss über diese Festung zu geben, dazu ist sie zu alt und die Geschichte zu
faszinierend. Bezeichnend aber ist, dass sie niemals von Feinden des
Rajputen-Clans eingenommen werden konnte. Es mag sich seltsam anhören, aber
nur, wer dieses Fort mit eigenen Augen sieht, kann unsere Begeisterung und
Ehrfurcht vielleicht nachempfinden. Und weil hier alles so geheimnisvoll ist, haben wir noch
etwas gemacht, was wir immer schon mal wollten: Wir haben uns aus der Hand
lesen lassen! Unser fortune teller war ein netter älterer Herr, der
uns zwar eigentlich nichts gesagt hat, was wir nicht schon wussten, aber es
war schon erstaunlich, was er alles gewusst hat! Vom Fort aus hat man einen fantastischen Blick über die
Stadt. Vor allem die blauen Häuser stechen in ihrer leuchtenden Pracht
hervor. Und wir haben etwas gelernt: Die blaue Farbe ist nicht nur schön,
sondern sie dient gleichzeitig als Schutz vor Hitze und Moskitos! Der zweite Höhepunkt des Tages war die Besichtigung des
Jaswant Thada, das Grabmal und Krematorium der Maharajas von Jodhpur. Der
wunderschöne Bau besteht vollständig aus weißem Marmor. Kein Wunder also,
dass man seine Schuhe am Fuße der ersten Treppe stehen lassen muss und nur
noch barfuß weitergehen darf. Das Grabmal selbst besteht aus einem großen
Raum, dessen Wände mit den verstorbenen Herrschern verziert sind. Von hier
aus hat man einen guten Blick auf die alte Stadtmauer von Jodhpur, die an
manchen Stellen bis zu 12 Meter hoch ist. Und man hat einen ebenso freien
Blick auf das Fort, das regelrecht drohend über der Stadt thront und so nahe
scheint, dabei aber einige Kilometer entfernt ist. Wir kehren in unser Quartier zurück. Die Hitze macht uns
zu schaffen. Nach einer Tasse Chai, einem Gewürztee mit Honig und Milch,
kehren die Kräfte aber langsam zurück. Bis zum Aperitif bleibt uns noch genug
Zeit, ein wenig zu relaxen. Das Abendessen nehmen wir zusammen mit unseren
Gastgebern und einem weiteren Gast, einer reizenden älteren Dame aus England,
ein. Für morgen ist eine Safari in die Wüste geplant. Wir sind
gespannt!
Kaffeefahrt in Indien
Die Inder sind geschäftstüchtig. Das ist bekannt. Aber
auch wer nach Tunesien, Ägypten oder Marokko reist, muss sich gegen aufdringliche
Händler zu Wehr setzen. Ob das die richtige Formulierung ist? Wer die Händler
in den Touristenzentren Indiens "aufdringlich" und
"aggressiv" empfindet, verdirbt sich unnötig die Erlebnisfreude.
Denn außer der Laune ändert sich gar nichts. Die Touristensaison ist kurz,
viele Mäuler sind in nur 3 Monaten zu stopfen, und wer nicht hartnäckig ist,
macht keine Schnitte. Angelika hatten aber nicht erwartet, dass eine
Jeepsafari durch die Dörfer zur Verkaufsveranstaltung degenerieren könnte ... Heute haben wir Indien mal von einer ganz anderen, nämlich
der materiellen, geschäftstüchtigen Seite kennen gelernt. Leider nicht ganz
freiwillig …
Am Morgen wurden wir von unserem heutigen Fahrer und
seinem wartungsintensiven Jeep zur Village Safari abgeholt. Wir hatten gehört,
es geht in die nähere Umgebung, sprich, in die steppenartige Wüste, wo wir
durch urwüchsige Dörfer fahren würden und indisches Wildlife zu sehen
bekämen. Nun, wir fuhren in die umliegenden Dörfer und zumindest die Straßen
waren tatsächlich „urwüchsig“. Als
erstes, so erklärte unser Fahrer, würden wir indisches Handwerk kennen lernen
und er brachte uns zu einem Haus, vor dem ein Töpfer uns stolz zeigte, wie er
Tonwaren auf einer Scheibe herstellte, die er selbst immer wieder
zwischendurch mit einem Stock auf eine entsprechende Arbeitsgeschwindigkeit
brachte. Neben sich hatte er ein Regal mit zahlreichen seiner Werke
aufgebaut. Als nächstes besuchten wir eine Teppichweberei. Der Herr
des Hauses und seine Mutter zeigten uns, wie man einen Teppich webt. Zufällig
hatte er auch schon einige fertige Teppiche auf dem Mauerabsatz liegen, die
er uns voller Stolz zeigte. Wir müssten nichts kauften, erklärte er, aber
wenn, dann könnten wir auch mit Kreditkarte bezahlen und er würde uns die
Teppiche auch mit der Post schicken. Als drittes besuchten wir eine Textilfabrik. Uns wurde
gezeigt, wie Decken und Ähnliches aus alten Saris geschneidert wurden. Wir
müssten nichts kaufen, aber wenn … jaja, den Spruch kannten wir ja nun schon
(und bisher war er mir nur aus Tunesien und Griechenland bekannt gewesen;
hier hätte ich ihn nicht erwartet). Einziges Highlight auf dieser Tour war der Besuch bei
einem Bishnoi-Bauern.
Wir durften uns überall umschauen und „in die Töpfe
gucken“. Beim Blick in die grasgedeckten Hütten erstaunte die
Mehrfachsteckdose am Innenpfahl. Und dann der Wassertank im Garten – der regelmäßig
von einem Tankwagen nachgefüllt wird. Der Bauer zeigte uns, wie ein Turban
gewickelt wird, und führte uns die Opiumzeremonie vor. Wir durften die lokalen Gewänder tragen und man war offen
für all unsere Fragen. Und ja: Wilde Tiere haben wir auch gesehen: 1 Antilope, 1
Gazelle, 2 Pfauen.
Wir sind wirklich dafür, dass man Handwerker vor Ort
unterstützen soll, aber wir fühlten uns heute ein bisschen überrumpelt und
vorgeführt. Es geht nicht darum, ob die angebotenen Waren gut oder schlecht
waren oder überteuert angeboten wurden, sondern nur um die Art und Weise, wie
wir in eine Situation gedrängt wurden, die wir so nicht haben wollten. Die
Fahrt war ganz offensichtlich nur auf Verkauf ausgelegt, also nichts Anderes
als eine Kaffeefahrt. Schade, aber wir würden nicht zur Teilnahme an einer
Village Safari raten*. Palast, Basar & ein Nobelrestaurant
Dafür wurden wir am Nachmittag und Abend reichlich
entschädigt. Nach der Safari besichtigten wir den Umaid Bhawan Palace, der
von Maharaja Umaid Singh Anfang des 20. Jahrhunderts in Auftrag gegeben
wurde. Mit seinen 374 Räumen, einem Thronsaal für Privataudienzen, der Durbar
Hall für öffentliche Audienzen, Bankettsaal, Ballsaal, Auditorium,
Bibliothek, Schwimmhalle, Billardzimmer, vier Tennisplätzen, zwei
einzigartigen Squashcourts aus Marmor, Crocket-Plätzen, einem
Marmor-Pavillon, Gärtnerei und einer Garage für 20 Luxusautos handelt es sich
um einen der größten Paläste weltweit.
Heute wird die Hälfte des Palastes als Hotel genutzt, 2 Säle stehen
als Museum zur Verfügung. Der Rest wird vom Maharaja immer noch privat
genutzt.
Von dort aus führte uns der Weg zum Markt in der Altstadt.
Rund um den „Clock Tower“ herrschte quirliges Leben. Händler neben Händler,
kleine Ladengeschäfte, Einheimische und Touristen wuselten umeinander. Es war
laut und hektisch und das bunte Treiben einfach ansteckend. Es war kaum möglich,
bei dieser Auswahl und Fülle die „richtigen“ Entscheidungen zu treffen, was
wir kaufen sollten. Obwohl ja hier kaum jemand Deutsch spricht, hatten die
Händler zwei wichtige Wörter gelernt: „Kuck mal …“ - und das war so niedlich, dass wir nicht widerstehen konnten
und gucken mussten. Leider blieb es nicht beim Gucken, und langsam leiden
unsere Koffer unter Platznot. Am Abend wartete noch ein besonderes Erlebnis auf uns. Wir
wurden zum Essen „On the Rocks“ eingeladen. Dieses Restaurant in Jodhpurs
Zentrum ist ein Gartenlokal, umgeben von Felsen. Die Tische sind von unten
beleuchtet und mit den Kerzen auf dem Tisch bilden sie kleine Lichtinseln im
ansonsten lichterlosen Raum. Wir verbrachten einen sehr netten Abend in
Begleitung unseres Gastgebers, Chandrashekhar, und zwei reizenden
Mitreisenden, einer 76-jährigen Lady aus England, die seit acht Jahren
hierher kommt, und einer älteren Dame aus der Schweiz. Leider ist damit unser Aufenthalt in Jodhpur zu Ende. Wir
bedauern wirklich, dass wir weiter müssen.
Sozialstaat Indien?
Für den weiteren Verlauf der Reise stellt Maharaj
Chandrashekhar unseren beiden Ladies einen entfernten Verwandten zur Seite.
Veer Bahadur mit seinem breiten Wissensspektrum war eine echte Bereicherung
für eine Reise, die unter Zeitmangel manchmal keine objektive Bewertung
zulässt. Mit seinen Hintergrundinfos sehen Angelika & Monika manches in
einem neuen Licht Unser letzter Morgen in Jodhpur. Noch einmal genießen wir
das köstliche Frühstück mit Chai und frischem Ananassaft, verabschieden uns
von unseren wundervollen Gastgebern und machen uns mit Guide und Fahrer auf
den Weg nach Udaipur. Unser Guide wollte als erstes wissen, ob wir die Village
Safari gemacht haben und wie unsere Erfahrung war. Vorsichtig äußerten wir
Kritik an der Kommerzialität des Ausflugs und bekamen prompt eine Lehrstunde
in Sachen Funktion einer Kooperative. Was wir nicht wussten und was unser gestriger Führer uns
auf alle Fälle hätte erklären müssen, ist, dass die von uns besuchte
Teppichweberei und die Stoffmanufaktur Musterbetriebe sind, von deren
Existenz die rund 50 Dörfer der Umgebung abhängen. Die Fabriken sind quasi
der Endpunkt jeder Kooperativen und sämtliche Erlöse, die hier erzielt
werden, kommen allen beteiligten Dörfern zugute und sichern deren Überleben.
Das Programm wurde nach einem Besuch von Prinz Charles ins
Leben gerufen und sorgt dafür, den Lebensstandard der ländlichen Familien
langsam aber sicher zu erhöhen. Unter diesem Gesichtspunkt muss man einfach
jedem Besucher raten, diese Village Safari mitzumachen und die hier lebenden
Menschen zu unterstützen. Schade, dass wir diese Informationen nicht schon
gestern hatten, dann hätten wir auch bei den besuchten Händlern entsprechende
Fragen stellen können. Von unserem Guide, Veer Bahadur Singh, erfahren wir viel
über die Bemühungen der Regierung, Elektrizität und vor allen Dingen
fluoriertes Trinkwasser in die entlegensten Dörfer zu bringen, damit die
Bewohner nicht länger verseuchtes Wasser aus den Teichen trinken müssen, das
vor allen Dingen Kleinkinder krank macht. Frauen machen Männerarbeit - und umgekehrt
Was uns auf unserer Reise bisher sehr gewundert hat, ist,
dass viele Männer in so genannten Frauenberufen tätig sind und Frauen
wiederum teilweise extrem hart arbeiten müssen. In der Stoffmanufaktur beispielsweise
saßen nur Männer an den Nähmaschinen, im Hause unserer Gastgeber wurden wir
hauptsächlich von männlichen Servants bewirtet. Was allen Bediensteten
gemeinsam war: Sie bewegten sich langsam und sehr leise durch das Haus und
sorgten für die Assoziation der „guten Geister“. Was wir noch erfuhren: Jede besser verdienende Familie
fühlt sich quasi moralisch verpflichtet, Dienstpersonal einzustellen. Und
wenn sie das tut, muss sie ihrem Personal einen Mindestlohn bezahlen. Doch
damit nicht genug: Die Dienstboten erhalten Unterkunft, Verpflegung und im
Krankheitsfall bezahlt der Arbeitgeber den Arzt und notwendige Medikamente.
Auf der anderen Seite sahen wir Frauen, die am Bau
arbeiteten und Steine schleppten, die Gräben aushoben und Vieh hüteten. Wir
sahen große Plätze, auf denen Tagelöhner auf Arbeitsangebote warteten – darunter zahlreiche Frauen –
und wir überholten zahlreiche LKW, auf deren Ladeflächen diese Tagelöhner zu
ihren Arbeitsstätten transportiert wurden. Frauen sind dafür zuständig, das Überleben ihrer Familien
zu sichern. Früher verkauften sie in schlechten Zeiten ihren wertvollen
Schmuck, heutzutage müssen sie ihre Arbeitskraft verkaufen. Gleicher Lohn für
gleiche Arbeit? Weit gefehlt … das ist hier nicht anders als im Westen. Auf der anderen Seite sind sie – zumindest in den Dörfern
- immer noch ihren Traditionen stark verhaftet. Nach der Eheschließung
verlassen sie ihre eigenen Familien, um mit den Familien ihrer Ehemänner zu
leben. Bei den Bishnois, einer Hindu-Sekte, dürfen die Frauen ihr Gesicht nur
dem Ehemann oder seinen jüngeren Brüder zeigen – vor ihrem Schwiegervater und
den älteren Brüdern müssen sie ihr Gesicht verhüllen und sie dürfen auch
nicht mit ihnen reden. In den Großstädten geht es „moderner“ zu. Hier wird
die Kleinfamilie langsam zur Normalität. Wie schade! Auf der Suche nach Attraktionen sind wir selber
eine
Auf unseren Besichtigungs- und Shopping-Touren wurden wir
häufig und sehr offen neugierig von Inderinnen und Indern bestaunt. Es wurde
getuschelt und gelacht, aber auch ohne die Sprache zu beherrschen, war es
offensichtlich, dass man uns freundlich gesonnen war. Oftmals winkten uns
Frauen am Straßenrand zu, wenn wir an ihnen vorbeifuhren, und wenn wir zu Fuß
unterwegs waren, konnte es durchaus passieren, dass wir angesprochen wurden,
ob „mein Freund ein Foto von dir und mir“ machen dürfte. Sie durften … Ich
möchte nicht wissen, mit welchen Kommentaren diese Fotos im Familienkreis
rumgereicht werden
;-) Wir sind zwar erst fünf Tage in Indien, aber wir haben
Eindrücke für ein ganzes Jahr gesammelt. Ich glaube, erst wenn wir wieder zu
Hause sind und Ruhe haben, diese Eindrücke zu sortieren, werden wir erfassen
können, welche Wirkung diese Reise auf uns hatte. Noch eine nette Kleinigkeit zum Schluss: In Indien
herrscht Helmpflicht für motorradfahrende Männer – für Frauen nicht. Der
Grund: Die Schädeldecke von Frauen ist härter als die der Männer. Deswegen
brauchen Männer einen Helm, weil deren Gehirn sonst so ungeschützt ist. Dem
ist nichts hinzuzufügen.
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Es ist die Frage, ob wir uns stören lassen. Die
Sehenswürdigkeiten werden zum Glück zu 90% immer noch von indischen Touristen
besucht, die einerseits mit ihren bunten Gewändern schöner auf den Fotos sind
als Hawaiihemden, Bermudas mit Stachelbeerbeinen und Strohhüte - aber auch
ein wesentlich dickeres Fell haben, an dem die Geschäftemacher abperlen. Das
müsst Ihr Euch auch zu eigen machen und an den harten Konkurrenzkampf denken,
der die Händler so hartnäckig macht. Statt eines ärgerlichen "No, I don't
want!" wirkt ein lächelndes "Nahin Jahir!" viel besser. Dabei
ist es das gleiche in Hindi.
Für mich war es damals auch ein schwerer Entschluss, nach
10 Jahren im 100% touristenfreien Kerala auch eine Tour zu den Hauptzielen
das organisierten Tourismus zu machen. Hätte ich nicht in Chandra einen
Freund gefunden, der die gleiche Philosophie vertritt wie ich, wäre Rajasthan
damals nach meiner ersten Tour auch gleich wieder für mich gestorben gewesen.
So schön es auch sein mag.
Seither suchen wir von Jahr zu Jahr immer wieder
unberührte Ecken und Gastgeber und werden regelmäßig vom Tourismus wieder
eingeholt. Unvermeidbar - aber wenn es nicht schlimmer wird als Eure
Kaffeefahrt, soll man es als das kleinere Übel sehen. Zumindest sehen wir die
Töpfer und Weber bei der Arbeit, worauf wir sonst inzwischen ganz verzichten
müssten.
Monika & Angelika haben den kleinen Umweg über
Ranakpur nach Udaipur nicht bereut. Immerhin treffen sie dort auf eines der
berühmtesten Beispiele sakraler Baukunst in ganz Indien. An Größe werden die
Ranakpur-Tempel nur von denen in Palitana (Gujarat) und an Schönheit ist nur
noch der Dilwara Temple in Mt. Abu vergleichbar.
Auf dem langen Weg von Jodhpur nach Udaipur machen wir
Station in Ranakpur. Unser Guide hatte uns ein außergewöhnliches Erlebnis
versprochen, aber das, was uns erwartete, übertraf jede Vorstellungskraft:
der größte Jain-Tempel Indiens
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Der Jainismus ist eine sehr asketische Religion, deren
Grundlage Gewaltlosigkeit, Ehrlichkeit, Keuschheit und Maßhalten sowie innere
Unabhängigkeit von materiellen Gütern ist. Mahatma Ghandi gehörte zwar nicht
dieser Religionsgemeinschaft an, lebte aber dennoch nach deren Regeln. Das
oberste Prinzip ist das Verbot, lebende Wesen zu töten. Also sind Jains konsequente
Vegetarier.
Um ihren Tempel zu betreten, müssen auch Besucher ganz
bestimmte Regeln einhalten. Dass wir am Fuße der Treppen unsere Schuhe
ausziehen müssen, ist ja völlig normal, aber auch Ledersachen, ob Gürtel,
Portemonnaie oder Handtasche, dürfen nicht in den Tempel gelangen. Es darf
kein Trinkwasser mitgenommen werden, denn es ist aufbereitet, also nicht mehr
rein.
Erbaut im 15. Jahrhundert, wurde der Tempel häufig
zerstört und immer wieder aufgebaut. Die letzte Wiederherstellung dauerte 60
Jahre und wurde von drei indischen Familien gestämmt, die auch heute noch
sehr mit dem Tempel verbunden sind. Eine der Familie hat den Aufbau
finanziert, die zweite Familie war für die handwerkliche Ausführung
zuständig, die dritte Familie versieht den Dienst im Tempel. Einmal jährlich
kommen alle Mitglieder dieser drei Familien zu einer Feier zusammen, egal, wo
auf der Welt sie gerade leben.
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Zum Tempel selbst ließen sich jetzt eine Fülle von Daten
und Fakten aufzählen, aber das lässt sich in jedem Reiseführer nachlesen und
sagt auch nichts über die Wirkung aus, die dieser Tempel auf uns (und sicher
auch auf andere Besucher) hatte und die sich gar nicht beschreiben lässt. Uns
hat er jedenfalls sehr bewegt.
Das Außergewöhnlichste an diesem Tempel ist sicherlich,
dass er zum größten Teil aus weißem Marmor besteht und seine Kuppeldächer von
1.444 Marmorsäulen getragen werden, von denen nicht eine der anderen gleicht.
Alle Säulen, bis auf eine, sind perfekt. Eine einzige Säule ist schief – und
das mit Absicht. Hindi glauben, dass das Böse auf alles Perfekte eifersüchtig
und neidisch ist. Deswegen haben die Schöpfer ihren Kunstwerken kleine
„Fehler“ zugefügt, um so das böse Auge abzuwenden. (Aus dem gleichen Grund
malen Mütter ihren Neugeborenen mit Kajal einen Punkt auf die Wange oder an
den Hals, um so das Böse davon zu überzeugen, dass ihr Kind nicht perfekt
ist.) Natürlich sieht man vor lauter Säulen nicht auf Anhieb die sonstigen
Schönheiten dieses Tempels.
Ich hatte das Glück, dass Monika, meine Mitreisende,
gleich am Eingang auf den Hohepriester traf, der offensichtlich gerade sie
aus den Hunderten von Besuchern ausgewählt hat, um mit ihr zu beten.
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Im Anschluss daran ließ er es sich, nachdem er uns nach
unseren Namen gefragt hatte, nicht nehmen, uns die Geschichte des Tempels und
seine Besonderheiten zu erklären. Er machte uns beispielsweise auf eine
unfertige Säule aufmerksam, die von einem reichen Geschäftsmann für ihn
selbst in Auftrag gegeben worden war, aber bevor er sie beenden konnte,
verstarb er. Warum? Weil er so überheblich und vermessen war, sich mit Gott
auf eine Stufe stellen zu wollen. Nach unserem Rundgang führte uns der
Hohepriester zu einer Götterstatue und erklärte, er wolle noch einmal für uns
und unsere Familien beten. Danach verschwand er so leise wie er gekommen war
und wir haben ihn auch nicht wiedergesehen.
Unser Guide machte uns später auf die Fenster in der
unfertigen Säule aufmerksam. Sie stehen für
Hochmut und das Ego eines Menschen, und jeder Besucher, der sich von
diesem Laster und seinem Ego befreien will, wirft eine Münze durch das
Fenster und mit ihr sein Ego, auf dass er von nun an ein besserer Mensch
werde.
Eine Skulptur im Tempel zeigt einen Kopf mit fünf Körpern.
Das Interessante daran ist, dass der Kopf je nach Betrachtungswinkel immer
mit einem anderen Körper verbunden zu sein scheint.
Am Eingang zum Tempel saßen zwei Männer, der eine stellte
aus Sandelholz und Wasser eine gelbe Paste her, die sich die Besucher, wenn
sie denn wissen, worum es geht, auf die Stirn tupfen. Da wir es nicht
wussten, hat unser Guide, natürlich Hindi, die Zeremonie an uns vollzogen: Er
tauchte ein Stück Holz in die Paste und malte dann einen breiten Strich auf
unsere Stirn und erklärte, „The power of the gods is now with you.“ So sei
es.
Eine weitere Kuriosität: Egal, wo man im Tempel steht, man
blickt in jede Richtung auf eine Götterskulptur.
Die Jains haben eine weitere Besonderheit: Es gibt
Priesterinnen, die weiß gewandet durchs Land reisen, stets barfuß unterwegs
sind und keinerlei materielle Güter besitzen. Auf ihren Pilgerreisen kehren
sie bei Glaubensbrüdern und –schwestern ein und jede Familie, bei der sie
anklopfen, wird sie mit Freuden aufnehmen, denn diese Familie fühlt sich
gesegnet, eine solche Priesterin beherbergen zu dürfen.
Überhaupt ist Religion hier in Indien bei allen Leuten,
die wir bisher getroffen haben, ein großes Thema. Aber darüber mehr im
nächsten Bericht.
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Selbst wenn es nur ein allein reisender Gast ist - ein
Privatwagen mit Fahrer und zusätzlich ein Familienescort der Gastgeber - das
ist bei der Rajputana Discovery obligatorisch. Die Unabhängigkeit eines
Privatwagens entzerrt die teilweise langen Strecken, denn man kann immer
wieder eine Pause einlegen, wo man will.
Nach Ranakpur fahren wir unserer Basis für die nächsten
eineinhalb Tage entgegen: Udaipur, angeblich die schönste Stadt in Rajasthan.
Doch bis wir die 9 Stunden Fahrt hinter uns gebracht haben, machen wir noch
drei Zwischenstopps. Das erste Mal hielt unser Fahrer rund 30 km hinter
Ranakpur mitten auf der Straße an. Unser Guide Veer stieg aus, öffnete den
Kofferraum und kam mit einem Sack Bananen zurück. Kaum war der Sack geöffnet,
waren wir von Affen umringt.
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Anscheinend kannten die dieses Ritual schon. Veer
erklärte, dass er sie immer füttere, wenn er diese Strecke fahre. Es war
unglaublich, wo diese Affen überall herkamen – sie fielen förmlich von den
Bäumen, kamen die Abhänge herauf- und heruntergesprungen und in kürzester
Zeit waren wir beliebte Mitglieder einer Affenherde. Es war schon
interessant, ihr Verhalten zu beobachten. Einige warten ganz gelassen mit
ausgestreckter Hand, dass sie eine Banane bekamen, andere versuchten, uns die
Bananen aus der Hand zu reißen, wieder andere bettelten regelrecht und
versuchten, an meiner Freundin hochzuklettern. Wieder andere griffen nach
einer Banane und verschwanden an einen ruhigen Platz.
Den zweiten Stopp legten wir an einem freien Feld ein.
Hier konnten wir sehen, wie ein Bauer seine Felder bewässerte bzw. einen
künstlich angelegten Bach mit Wasser versorgte. Es gab einen ziemlich tiefen
Brunnen, auf dessen Rand ein Rad befestigt war, über das eine lange Kette
geführt wurde, die mit rund 30 kleinen Eimerchen bestückt war. Um das Rad
anzutreiben, führte der Bauer Stunden um Stunden eine Kuh im Kreis herum, die
das Rad in Bewegung setzte.
Die Eimerchen tauchten ins Wasser, kamen gefüllt hoch und
entleerten sich in einen Trog, der wiederum an einem Ende offen war, so dass
das Wasser sich in den Bach entleeren konnte. Der Bach bewässerte sein
kleines Feld, auf dem soweit alles angebaut war, was der Bauer und seine
Familie zum Leben brauchten. Außerdem diente der Bach den umliegenden
Familien als Wasserstelle, wo die Frauen Trinkwasser in große Gefäße
abfüllten, die sie auf ihrem Kopf nach Hause trugen.
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Und noch einen Zwischenstopp legten wir ein: Auf der
Strecke von Jodhpur nach Udaipur gibt es zwei Bäume mit ganz besonderen
Früchten: Von weitem ist nichts zu erkennen, außer schwarzen Trauben, die
hoch oben im Baum hängen. Erst beim Näherkommen erkennt man, dass diese
Trauben leben: Es sind die rostbraunen fliegenden Hunde, die hier
"Flying Fox" heißen!
Von dort aus ging es dann aber geradewegs nach
Udaipur.
Als wir ankommen, ist es schon dunkel. Der erste Eindruck:
quirlig, lebhaft, verkehrsreich, laut – eben eine Großstadt und trotzdem
nicht mit unseren Maßstäben zu messen.
Wir sind spät dran und Veer erklärt, dass uns noch eine letzte
Veranstaltung des Tages bevorsteht, wir aber keine Zeit mehr hätten, vorher
ins Hotel zu fahren. Also lässt uns der Fahrer an einer Straßenecke unter
einem wahren Hupkonzert aussteigen und wir eilen zu unserem Zielort, während
der Fahrer unser Gepäck zum Hotel bringt.
Die Gassen sind eng und mit all dem Verkehr ist das
Vorwärtskommen nicht so einfach. Aber nach einem kurzen Fußweg haben wir es
geschafft: Wir sind im Museum, unser Guide besorgt die Eintrittskarten und treibt
uns dann wieder an: Schnell, schnell, sonst bekommen wir keinen Platz mehr.
Wir überwinden eine enge Treppe mit Stufen, die für einen Riesen kein Problem
gewesen wären, für uns Europäer aber schon eine Herausforderung sind. Die
Treppe führt auf einen Innenhof, der bis auf eine Art Bühne mit Teppichen und
Decken ausgelegt ist, auf denen schon einige Zuschauer Platz genommen haben.
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Kurz darauf beginnt auch schon die Vorstellung. Eine
Moderatorin erklärt, dass Mitglieder der Kunstakademie einige folkloristische
Darbietungen zeigen und wünscht viel Vergnügen – und das hatten wir!
Wir wurden von Sängern, Tänzerinnen, einem Puppenspieler,
einer Musikgruppe bestehend aus drei Frauen, die ihre Musikinstrumente,
nämlich Zimbeln, an ihrer Kleidung befestigt hatten, und mit diesen sowie
Armbändern und Fußkettchen ein Musikstück aufführten, gut unterhalten.
Es gab noch eine Tanzeinlage zweier jüngerer Mädchen, die
mit brennenden Öllampen auf dem Kopf wirklich erstaunliche Bewegungen
vollführen konnten. Zwei Männer führten tänzerisch einen Kampf Gut gegen Böse
auf, aber das Highlight der Show war für mich eine nicht mehr ganz junge Frau
(wie wir später erfuhren, war sie 57), die tanzend zeigte, was wir am
Nachmittag live gesehen hatten, wie nämlich die Frauen das Wasser vom Brunnen
nach Hause transportieren.
Sie schaffte es dabei nicht nur, 9 mehr oder weniger große
Gefäße auf dem Kopf zu transportieren und das Gleichgewicht zu halten, nein,
sie tanzte damit auch noch und vollführte kleine „Kunststücke“. Die ganze
Show war beeindruckend.
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Nach der
Vorstellung bekamen wir auf dem Fußweg einen kleinen Eindruck der näheren
Umgebung. Es gab Geschäfte über Geschäfte, sogar eine deutsche Bäckerei, eine
französische Patisserie, medizinische Anwendungen, Andenkenläden, Restaurants
und Hotels aller Preisklassen.
Im Hotel angekommen, der nächste „Schock“: Unsere Zimmer
(Flur, Bad, Salon, Schlafzimmer mit Sitzecke) befanden sich im 2. Stock und
die Treppenstufen dahin waren fast noch höher (und der Gang noch enger) als
im Museum. Das Restaurant befand sich weitere zwei Etagen höher. Es war eine
Dachterrasse und wir trauten unseren Augen kaum, als wir dort ankamen.
Mittlerweile war es stockdunkel, aber wir sahen, dass das
Hotel direkt am Ufer eines Sees stand. Auf der gegenüberliegenden Seite
beleuchteten zahlreiche Paläste (alles Hotels, wie wir am anderen Tag
erfuhren) das Seeufer, auf dem See kreuzten kleinere Schiffe, über unser der
sternenklare Himmel … hier konnten wir abschalten.
Am nächsten Morgen bot sich uns dann der See in voller
Pracht. Wir konnten uns gar nicht satt sehen an all der Schönheit. Die
wundervollen Häuser, der spiegelglatte See, am Horizont Berge und hinter uns
offensichtlich ein großer Palast. Als Veer uns abholte, fragten wir ihn,
warum die Stufen denn so hoch und die Aufgänge so eng sind. Die Erklärung ist
einleuchtend: Das Hotel – wie viele andere Gebäude auch – stammte aus einer
Zeit, in der kriegerische Überfälle seitens der Mogule (oder, wie er sie
nannte, der Muggels) an der Tagesordnung waren. Um sie bei einem Angriff
daran zu hindern, zu schnell oder auf ihren Pferden anzugreifen, hat man sich
auf diese wirkungsvolle Bauweise versteift.
Wie wir bald feststellen durften, gibt es in Udaipur fast
nur alte Häuser …
Wir sind gespannt, was dieser Tag uns an Eindrücken
bringt.
Als wir 1995 nach Udaipur kamen, hatte die alte Kankarwa
Haveli fast 80 Jahre leer und unbewohnt am Ufer des Pichola-Sees gestanden
und war mehr oder weniger eine Ruine. Chandras Freund Janvardhan
"Jannu" Singh hatte soeben den Plan gefasst, das alte Gemäuer
seiner Familie zusammen mit seinem Bruder wieder zum Leben zu erwecken und
ein paar Gästezimmer einzurichten. Damals schliefen wir noch in einem
muffigen Verlies hinter schweren, eisenbeschlagenen Türen und Bad &
Toilette teilten wir mit der Familie eine Etage tiefer. Heute ist die
Kankarwa Haveli ein florierendes Heritage Hotel mit Dachterrassen-Restaurant.
Ein wenig touristisch zwar - aber das Ergebnis macht uns stolz, das Projekt
damals angeschoben zu haben
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Das erste Ziel dieses Tages ist der relativ kleine
Jagdish-Tempel in der Altstadt, der eine schwarze Vishnu-Statue beherbergt.
Auch für diesen Tempel wurde Marmor verwendet (denn Marmor ist der reinste
Stein) und er zeigt die typischen Merkmale aller Tempel. Die unteren Teile
des Baus zieren Drachen und andere Bestien, um das Böse fernzuhalten. Darüber
kommen die Soldaten Gottes, die die Feinde in die Flucht schlagen sollen. Als
nächstes folgen die Tänzer. Das Besondere hier ist, dass dieser Tempel von
den Gläubigen frequentiert wird, die sich auch durch die umherlaufenden
Touristen in ihrer Zeremonie nicht stören lassen. Mehrere ältere Frauen und
Männer sitzen auf Decken inmitten des Tempels und chanten.
Von dort aus geht es weiter zum City Palace von Udaipur,
einem wahrlich imposanten Gebäude, das eine Länge von über 500 m hat und sich
oberhalb des Sees erstreckt. Während der zweistündigen Tour durch den Palast
erfahren wir von unserem Palastguide sehr viel über die königliche Familie,
die immer noch einen Teil des Palastes bewohnt, alle 73 Vorgänger des
jetzigen Maharadschas und natürlich über die wechselhafte Geschichte des
Palastes und des Landes – in allen blutigen Einzelheiten und mit
Jahreszahlen. Wir sehen Elefantenkampfplätze und Elefantenparkplätze – das
sind wellenförmig angelegte Straßen, in deren Wellentäler sich die Elefanten
hineingelegt haben. Die Erhöhungen dienten den Elefanten als Stütze.
Auch hier im Palast begegneten wir wieder den engen
Treppenhäusern und hohen Stufen. Und natürlich spielt auch hier wieder die
Religion eine große Rolle: Den Palast
betritt man durch drei nebeneinander angeordnete Portale. Sie symbolisieren
drei wichtige Götter im Hinduismus: Ganesha, Vishnu und Krishna.
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An den Eingängen zu den einzelnen Gebäuden finden sich
sehr schön gemalte Pferde und Elefanten. Unser Guide bemerkte unsere Blicke
und erklärte auch gleich, was es damit auf sich hat. Diese Malereien an
Eingangstüren sind nichts als ein Wandschmuck, aber die Tiere haben natürlich
eine Bedeutung. Das Pferd steht für Stärke, der Elefant steht für Glück und
das Kamel, das in der Tharwüste eher anzutreffen ist, steht für Liebe.
Und noch etwas haben wir gelernt: Es gab zahlreiche
kinderlose Maharadschas, die zur Sicherung ihrer Nachfolge die Söhne ihrer
Brüder oder anderer naher Verwandter adoptiert haben. Aber auch in
kinderlosen Ehen stand im Frauengemach eine Wiege, in der Krishna als
Kinderersatz verehrt wurde.
Man merkt sehr deutlich, dass Udaipur schon eine der
größeren Touristenstädte ist. Die hier angebotenen Waren sind teurer als
zuvor in Jodhpur, man kann in Euro und Dollar bezahlen, die Händler sind
aggressiver.
Am Nachmittag wollen wir einfach nur noch relaxen. Das
Programm schlaucht uns doch ziemlich. Zum Abendessen will uns unser Guide in
ein besonderes Restaurant führen – und dafür müssen wir mit der Rikscha
fahren, die von Touristen Tuktuk getauft wurde. Ich hatte schon in Delhi
gesagt, dass ich mit diesem Teil nicht fahren möchte, aber man hat mich
überredet – und Udaipur ist nicht Delhi, der Verkehr ist wesentlich ruhiger,
dafür die Gassen aber auch enger. Was soll ich sagen … es war ein Erlebnis.
Nicht nur das Tuktukfahren, sondern auch der ganze Abend.
Wir fuhren stadtauswärts in eine, wie wir sagen würden,
recht finstere Gegend. Irgendwo in einer unbeleuchteten Gasse hielt der
Fahrer an. Wir standen vor einem ziemlich nichtssagenden Haus, aber als unser
Guide die Tür öffnete, glaubten wir uns wieder in einen Palast versetzt.
Marmorstufen führten in die obere Etage, in der sich die Rezeption dieses
Hotels und ein Restaurant befanden. Eine Etage höher befand sich ein weiteres
Restaurant in einem kleinen Saal mit Panoramafenster. Da aber die Nacht so
schön und angenehm war, gingen wir noch eine Etage höher auf das Dach, wo
weitere Tische standen. Von hier aus hatten wir einen traumhaften Blick über
Udaipur. Da alle Attraktionen beleuchtet waren, konnten wir leicht ausmachen,
wo wir tagsüber gewesen waren.
Wir waren seltsamerweise die einzigen Gäste im Hotel. Der
Hotelbesitzer ließ es sich übrigens nicht nehmen, uns eines der Hotelzimmer
zu zeigen – einfach märchenhaft!
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Auf der Dachterrasse gab es kein elektrisches Licht, also
speisten wir im Kerzenschein und Sternenglanz (und das Essen war, wie immer
in all den Tagen, sehr gut, wenn auch wieder einmal höllisch scharf) und
betrachteten die Stadt. Etliche Häuser waren mit Leuchtgirlanden geschmückt
und wir wollten natürlich wissen, warum. Veer erklärte, dass in diesen
Häusern Hochzeiten stattfinden. Wir waren erstaunt, dass so viele Paare
gleichzeitig heiraten, aber Veer meinte, dass sei völlig normal, denn vor
einer Hochzeit würden Astrologen befragt, wann der beste Zeitpunkt ist, und
im Augenblick haben Eheschließungen Hochkonjunktur, zumal mehrere Monate im
Jahr (von November bis Ende Januar) aus religiösen Gründen (da war es wieder)
keine Hochzeiten stattfinden.
Und während wir noch darüber diskutierten, ob das sinnvoll
sei und ob wir persönlich an Horoskope glauben oder nicht, erschallte
plötzlich ein „Alluah Akbar“. Veer hat unseren fragenden Blick gleich richtig
gedeutet und erklärt, dass es sehr viele Moslems und somit auch Moscheen in
Udaipur gebe.
Und tatsächlich – mit einigen Minuten Unterschied erklang
der Gebetsruf aus allen Himmelsrichtungen. Währenddessen hatten sich
zahlreiche Hochzeitsmärsche auf den Weg gemacht und bildeten mit ihren
Kapellen und deren unterschiedlicher Musik eine ziemlich heftige
Geräuschkulisse. Hochzeitsmärsche sind übrigens der Auftakt zur
Hochzeitsfeier. Der in Landestracht herausgeputzte Bräutigam sitzt auf einem
prachtvoll geschmückten Pferd und reitet in Begleitung der eigenen und
zukünftigen Verwandten zu seiner Braut. Begleitet wird der Zug vorne und
hinten von zwei Fahrzeugen, die für die Beleuchtung sorgen, das heißt, sie
liefern Strom für die mitgeführten Lampen, die zwischen den Fahrzeugen rechts
und links an Elektrokabeln hängen. Die Festgemeinde läuft und tanzt praktisch
zwischen diesen zwischen den Fahrzeugen befestigten Leuchtgirlanden. Vorne
weg marschiert die Kapelle.
Nach unserem Mahl setzt unser Guide uns wieder in ein
Tuktuk und trägt dem Fahrer auf, an einem Hochzeitszug anzuhalten, damit wir
Fotos machen können. Unser Fahrer fuhr uns aber direkt zu einem
Hochzeitsplatz und forderte uns auf, uns unter die Feiernden zu mischen.
Wir fotografierten das Hochzeitspaar, aber der
Aufforderung unseres Fahrers, uns zum Hochzeitspaar, das auf einer Bühne saß,
zu gesellen, sind wir nicht nachgekommen. Zwischenzeitlich waren wir von
einigen der Feiernden eingeladen worden,
an der Feier teilzunehmen, aber wir haben es vorgezogen, nach Hause zu
fahren. Auf diese Situation waren wir einfach nicht vorbereitet. Wie wir
später erfahren haben, hätten wir unbedingt dort bleiben sollen, denn für das
Brautpaar wäre das eine besondere Segnung gewesen.
So aber fuhren wir zurück in unser Hotel, packten unseren
Koffer und verbrachten unsere letzte Nacht am See. Für den nächsten Tag stand
uns ein langer Weg bevor.
Im vorigen Kapitel klang es erstmals leicht an: Eine
Reise mit solcher Erlebnisdichte führt irgendwann zu einem Punkt, an dem die
Aufnahmefähigkeit nachlässt und man einfach nur mal ausspannen und die Seele
baumeln lassen möchte. Zum Glück hat Angelika die neuesten Eindrücke des
Tages am Abend in ihr elektronisches Reisetagebuch geleert. Das schafft
wenigstens etwas Platz im Hirn und gerät nicht in Vergessenheit.
Vor der Abfahrt gönnen wir uns noch eine kleine Bootstour
auf „unserem“ See, um das traumhaft schöne Panorama in voller Größe vom See
aus zu sehen. Es ist erst 10:00 h, aber die Sonne verspricht schon einen
heißen Tag.
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Unser Weg führt uns über Kailashpuri zu den Sas Bahu- oder
auch Nagda-Tempelanlagen. Diese Tempelruinen aus dem 10. Jahrhundert liegen
vom Tourismus kaum beachtet in einer malerischen Landschaft. Außer uns ist
nur noch ein Pärchen da, und wir können diese Ruinen in Ruhe genießen. Unser
Guide hat auch hier wieder viel zu erzählen. Er macht uns insbesondere auf
Skulpturen aus dem Kamasutra aufmerksam und quittiert unser Grinsen mit einem
Schulterzucken. Irgendwo müssten die jungen Männer ja lernen, wie es geht.
Weiter geht es nach Chittorgarh, dem ältesten
Siedlungsgelände der Mewar-Rajputen, das auf einem Hochplateau gelegen ist.
Die Stadt selbst stammt aus dem Jahr 728 und wurde im 12. Jahrhundert zur
Hauptstadt Mewars erklärt. Das
Städtchen ist lebhaft und quirlig und die Anlagen werden von vielen
hauptsächlich asiatischen und einheimischen Touristen besucht.
Die Altstadt innerhalb der Stadtmauern und der Palast sind
so groß, dass wir nur ein paar der wichtigsten Anlagen besuchen. Dreimal
wurde der Palast von muslimischen Heeren überfallen und viele der Frauen und
Kinder begingen Johar, kollektiven
Selbstmord auf dem Scheiterhaufen, um den Eroberern nicht in die Hände zu
fallen. Die Männer zogen in den Kampf und starben heldenhaft auf dem
Schlachtfeld. Wegen dieser Taten wird Chittorgarh auch Stadt des Mutes
genannt.
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Eine besondere Attraktion ist der 9 Stockwerke hohe Vijay
Stampha, der Siegesturm. Rana Kumbha
ließ hier im 15. Jahrhundert für jeden Sieg, den er davontrug, ein Stockwerk
anlegen.
Nach dem Mittagessen geht es nun auf die Autobahn. Wir
fahren endlose Stunden durch eine ständig wechselnde Landschaft. Felder mit
sattgrünem Gras und vereinzelten Bauernhäusern wechseln mit kargen Steppen,
auf den halb verhungerte Ziegen grasen. Und überall Autos, überfüllte Busse,
LKW, Rikschas, Radfahrer, Fußgänger, Hunde und Kühe – ja, selbst auf dem
Highway!
Ein kleiner Abstecher bringt uns zu einem lizenzierten
Opiumfeld. Die britische Regierung erteilte noch zu Zeiten ihrer Herrschaft
über Indien Lizenzen zum Anbau von Opium für medizinische Zwecke, die heute
noch Gültigkeit haben. Die Größe dieser Felder ist genau festgelegt und darf
nicht verändert werden.
Nach 6 Stunden Fahrt kommen wir endlich in Jaipur an. Beim
Anblick unseres Hotels stockt uns fast der Atem – es ist wie aus 1001 Nacht.
Aber wir sind einfach zu müde, um uns noch lange mit Staunen aufzuhalten. Das
muss bis morgen warten.
Am Morgen nach einem fantastischen Frühstück steht Veer
mit neuem Programm für uns bereit. Ehrlich, man hat uns vorgewarnt, dass die
Reise anstrengend wird und wir uns viel zu viel vorgenommen haben, aber wir
wollten es nicht glauben. Mittlerweile sind wir so mit Informationen
vollgestopft, dass wir kaum noch aufnahmefähig sind. Ab jetzt wird nur noch
„konsumiert“ – und das ist sehr schade.
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Als erstes ändern wir das Programm. Den Punkt City Palace
streichen wir – wir hatten genug Paläste, sei er auch noch so sehenswert. Das
Amber-Fort müssen wir laut unserem Guide aber unbedingt sehen und außerdem
steht uns noch die Attraktion „Elefantenritt“ bevor.
Schon die Anfahrt zum Fort lässt uns den Atem stocken.
Wir müssen zugeben, es ist wirklich gewaltig, noch größer
als das Meherangarh-Fort in Jodhpur. Dass sich auch hier enorm viele
Touristen einfinden, wissen wir spätestens, als wir aus dem Auto aussteigen
und sofort von einer Traube fliegender Händler umringt sind, die uns alle
ihre Waren aufdrängen wollen. Wir schaffen es, uns relativ ungeschoren in die
Schlange der auf einen Elefantenritt Wartenden zu reihen, nur um gleich von
den nächsten Händlern bedrängt zu werden, die jedes Zeichen von
Unentschlossenheit mit einer perfiden Zermürbungstaktik bestrafen. Sie lassen
einfach nicht nach!
Endlich sind wir außer Reichweite und der Elefant naht.
Eigentlich wollte ich das nicht, habe mich aber überreden lassen … Okay, es
war eine Erfahrung, die ich nicht noch mal machen muss. Besonders übers Ohr
gehauen fühlen wir uns, als unser Elefantentreiber kurz vor dem Endpunkt auf
ein Trinkgeld besteht (und das, obwohl überall angeschlagen steht „No tip
please“ – Kein Trinkgeld!) und wir das Gefühl haben, dass er uns erst
absteigen lassen würde, wenn er es erhalten hat. Tourismus lässt grüßen oder,
wie meine Mitreisende es ausgedrückt hat, „das gierige Indien schlägt zu“.
Wir erfahren von unserem Palastguide, dass Jaipur eine
sehr reiche Stadt ist, weil der damalige Herrscher Man Singh sich nicht nur
mit den moslemischen Nachbarn gut gestellt, sondern auch gleich dort
eingeheiratet hat (ich weiß, man liest auch die umgekehrte Version, dass
nämlich der Großmogul Akbar eine Hindu-Prinzessin aus Amber geheiratet hat,
aber die Version unseres Fort-Guides passt besser zur Fortsetzung J).
Man Singh unterstützte Akbar bei seinen Kriegszügen und
hatte ausgehandelt, dass Akbar das eroberte Land bekommt und Man Singh die
erbeuteten finanziellen Mittel, also Geld und Edelsteine. So wurde aus Amber
eine der reichsten und friedlichsten Provinzen Rajasthans. Und aufgrund
dieser Hochzeiten finden sich in Jaipur und insbesondere im Fort viele
Zeichen moslemischer Kunst und Architektur. Es war mal wieder ein sehr
aufschlussreicher Vortrag, von dem wir aber nicht mal einen Bruchteil
behalten haben.
Zwei Herzen
…
schlagen angesichts der Schlangenbeschwörer in der Brust des Touristen. Zum
einen ist das Bild eines Snake Charmers so typisch für Indien wie das Taj
Mahal - nur eben nicht an jeder Ecke zu bekommen. Zumal die Regierung das
Schlangenbeschwören mittlerweile verboten hat. Nicht
ohne Grund, denn für die armen Tiere ist es eine Qual. nach dem Herausbrechen
der Giftzähne verweigern die Kobras meist die Nahrung und überleben auch
bei Zwangsernährung nur ein knappes, leidvolles Jahr. Dieses
grausame Geschäft nicht unterstützen, ist die logische Folgerung. Wer
dennoch auf ein Foto nicht verzichten kann, soll es mit einem guten Zoom
aus der Entfernung schießen und keineswegs dafür zahlen. |
Auf unserem Abstieg von der Burg kommen wir an einer
weiteren Attraktion vorbei: Ein Schlangenbeschwörer sitzt mit Flöte und Kobra
in der Sonne. Veer will wissen, ob ich Schlangen mag - Ja, eigentlich mag ich
Schlangen, aber eine Kobra würde ich nicht unbedingt anfassen. Er meint, dass
sei kein Problem, der Schlangenbeschwörer hätte der Kobra längst das Gift
entzogen, und ich könnte sie ruhig anfassen. Gegen ein kleines Trinkgeld ist
der Schlangenbeschwörer auch bereit, mich mit dem Tier spielen zu lassen. Die
Kobra ist wirklich ein schönes Exemplar und lässt sich zunächst bereitwillig
streicheln, aber nach ein paar Minuten fängt sie an zu zischeln und ich
denke, es ist wohl besser, sie in Ruhe zu lassen.
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Von der Burgzinne aus hat man einen fantastischen Blick
über Jaipur und ich wäre gerne noch ein bisschen in der Sonne stehen
geblieben, um den Blick in das Tal und auf die umliegenden schroffen Felsen
weiter zu genießen.
Aber Programm ist Programm …
Mitten in Jaipur steht ein weiterer Palast, den wir uns
eigentlich viel schöner vorgestellt haben. Es ist das fünfstöckige Hawa Mahal
– der Palast der Winde, der seinen Namen den 953 Gitterfenstern in der
Fassade verdankt. Er steht mitten in der Altstadt von Jaipur, umringt von
einer enormen Anzahl kleiner Ladenlokale, die es so schon seit dem 16.
Jahrhundert gibt.
Es ist unfassbar, welche Fülle an Waren hier angeboten
wird. Seien wir ehrlich – das ist nur für die Touristen gedacht und wer glaubt,
hier findet das wahre Indien statt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.
Diese Shopping- und Flaniermeile könnte genauso in Tunesien, Marokko, Türkei
oder Griechenland stehen.
Aber wer auf Shoppen und Handeln und Kontakt zu
einheimischen Händlern steht, der ist hier genau richtig! Nach den
anstrengenden Besichtigungen haben wir uns hier köstlich amüsiert und ein
bisschen erholt. Okay, Souvenirs haben wir auch eingekauft.
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Zum Abschluss besuchen wir noch einen Juwelier mit einer
kleinen Edelsteinschleiferei. Schon interessant, wie hier Unikate hergestellt
werden und wie preiswert Silberschmuck sein kann.
Am Abend wollen wir uns wirklich etwas Gutes tun und haben
eine ayurvedische Ganzkörperölmassage in einem Ayurveda-Institut gebucht. Wir
dachten, das bringt uns wieder auf die Beine. Was soll ich sagen: Die Massage
dauerte die versprochenen 65 Minuten, es wurde viel Öl benutzt, wir hoffen,
die Massage hat wenigstens nicht geschadet, aber was immer es war, es war mit
Sicherheit keine Abhyanga. Und wohler gefühlt haben wir uns danach auch
nicht. Da es in unserem Hotel auch keinen Tropfen Alkohol gibt, können wir
den Vorurteilen der Inder gegenüber Westlern („alles Alkoholiker“) mal wieder
nicht gerecht werden und entspannen bei einem Masala-Tee im Hotelgarten.
Auf dem Weg zu unserem Hotel geraten wir dann noch in eine
wahre Hochzeitsparade. Von allen Seiten stürmen sozusagen Hochzeitsmärsche
auf uns zu und wir sind plötzlich regelrecht umzingelt. Natürlich werden wir
wieder aufgefordert mitzutanzen, aber so von Kopf bis Fuß eingeölt wie wir
noch sind, hätten wir uns kaum zwischen all den wundervollen Saris wohl
gefühlt.
Uns graut schon vor Morgen. Wieder steht wieder eine lange
Autofahrt bevor. Es geht nach Agra, der letzten Station vor unserem Abflug.
Inzwischen liest man zwischen Angelikas Zeilen deutlich,
dass die Erlebnisqualität und Aufnahmefähigkeit deutlich leiden, wenn man
sich in zu kurzer Zeit zu viel zumutet. Ich betone das deshalb so deutlich,
damit andere Indieninteressenten es nicht nachmachen. Lieber ein Jahr
aussetzen und dann im nächsten mindestens 3 oder besser 4 Wochen für Indien
reservieren. Dass Angelika & Monika die Belastung deutlich spüren, ist
leider meine Schuld. Hätten sie bei den Indienspezialisten eine Rundreise
"von der Stange" gebucht, hätten sie geglaubt, das müsse so sein.
Denn die meisten Indienprogramme versuchen auf dem umkämpften Markt in
kürzester Zeit die meisten Events zum niedrigsten Preis anzubieten. Und das
ist Turbotourismus.
Die letzte Station unserer Reise führt uns in den
Nachbarstaat von Rajasthan, nach Uttar Pradesh. An der Grenze erleben wir
eine Neuigkeit: Bei der Einreise muss unser Fahrer Steuern, eine Art
Straßennutzungsgebühr für Uttar Pradesh, bezahlen (dass auf den Highways alle
paar Kilometer Mautgebühren fällig sind, hat uns sowieso erstaunt).
Unser Ziel, Agra, ist ein Muss für jeden Indienreisenden,
denn hier steht es: das legendäre Taj Mahal.
Aber bis zu dessen Besichtigung haben wir ja noch Zeit.
Escort & Guide
...sind bei KD zweierlei.
Der Escort wird von den Gastgeberfamilien gestellt und ist Dolmetscher,
Bodyguard und für Besorgungen zuständig. Es sollten im Interesse unserer
privat-freundschaftlichen Reisephilosophie möglichst keine
Touristikexperten sein. An den Sehenswürdigkeiten
darf unser Escort kein Guide sein - dafür braucht man eine Lizenz. Wenn man
also mehr wissen will, heuert man einen der örtlichen Guides an. Kostet
nicht die Welt... |
Erst mal liegt eine lange Fahrt vor uns, nur unterbrochen
vom Mittagessen an einer Raststätte, der, wie in Deutschland auch, ein
kleines Geschäft angegliedert ist. Hier gibt es aber keine Süßigkeiten oder
Zeitschriften, sondern wirklich alles, was Indien an Mitbringseln zu bieten
hat, und das auf kleinstem Raum.
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Nach rund 7 Stunden Fahrt erreichen wir unser Ziel. Bevor
es zu unserer Gastfamilie geht, besichtigen wir das Red Fort, so genannt wegen des verwendeten
Baumaterials, roter Sandstein. Wir hatten schon vorher darum gebeten, keinen
Guide zu engagieren. Wir wollten einfach nur mal rumlaufen. Veer schien zwar
nicht davon überzeugt, dass das eine gute Idee ist, aber nachdem er uns alles
Wissenswerte über das Fort erzählt hatte, durften wir allein losziehen.
Für Geschichtsinteressierte: Erbaut wurde das Fort ab 1565
vom Großmogul Akbar auf den Grundmauern eines Palastes aus dem 11.
Jahrhundert. Der Erbauer des Taj Mahal, Shah Jahan, wurde hier von seinem
eigenen Sohn gefangen gehalten und konnte sich die Errichtung des Taj Mahal
als Grabstätte für seine Lieblingsfrau Mumtaz nur aus der Ferne ansehen.
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1803 wurde das Fort von den Briten erobert und stand immer
wieder im Zentrum harter Kämpfe. Große Teile des Forts wurden von den Briten
und jetzt von der indischen Armee genutzt, so dass nur ein kleiner Teil zur
Besichtigung freigegeben ist.
Der Ausländeranteil
...beträgt
zum Glück in ganz Indien nur weniger als 10% des Touristenaufkommens. Den
Ruf, ein schwieriges Reiseland zu sein, fördert Indien nicht nur mit seiner
unfreundlichen Visapolitik. Unruhen und Naturkatastrophen tun ihr übriges,
die Zahl der Indienfreunde "übersichtlich zu halten". Obwohl
alle Indienheimkehrer einstimmig berichten, dass die Reise sicher und
spannend war. |
Wir jedenfalls genossen einfach einen schönen Tag in der
Sonne, sind pflichtbewusst einmal durch die begehbaren Teile des Forts
gewandert, haben nicht auf jedes einzelne architektonische Detail geachtet
und uns stattdessen mal wieder darüber gewundert, wieso der Großteil der
Touristen offensichtlich einheimisch war. Das war uns auch bei den anderen
Forts schon aufgefallen und wir mutmaßten, dass Inder Forts besuchen und
westliche Touristen eher Paläste. War aber vielleicht auch nur ein Zufall.
Lustig war auf alle Fälle, dass wir noch nie so oft um ein
Foto gebeten wurden. Als erstes kam eine japanische Familie auf uns zu, dann
zwei Mädchen, schließlich zwei indische junge Männer und zum Schluss gleich
eine indische Gruppe – die Fotosession dauerte diesmal länger als sonst.
Einspruch, Euer Ehren!
Was
dieses Dortmunder Mädchen da absondert, kann ja wohl nicht unwidersprochen
bleiben! Gujarat ist eine der spannendsten
Provinzen Indiens. Paläste wie Rajasthan, Strände wie Goa und Palmenwälder
wie in Kerala - und zusätzlich die buntesten Stammesgruppen überhaupt! Gujarat
wegen des Alkoholverbots zu disqualifizieren, ist ja krass. Zumal das für
Ausländer gar nicht greift. |
Zum Schluss sprach uns noch eine junge Amerikanerin an, ob
wir ein Foto von ihr und ihren Freundinnen machen könnten. Wir kamen ins
Gespräch und die erste Frage war, woher wir denn wohl kämen – und da stellte
sich heraus, dass ein Mädchen aus der Gruppe aus Dortmund stammte und einen
neunmonatigen Schüleraustausch absolvierte. Zur Schule ginge sie nicht, das
sei zu schwierig, sie bliebe in der Familie und lerne kochen. Ganz begeistert
war sie von ihrem Aufenthalt nicht, zumal im Gujarat, wo sie sich aufhielt,
absolutes Alkoholverbot herrschte und auch sonst alles wohl eher
unspektakulär war.
Nach dem Red Fort ging es dann endlich in die Gastfamilie.
Der Weg dorthin führte durch die schlimmste und ärmste Gegend, die wir in all
den Tagen in Indien gesehen haben. Und mitten in diesen Slums lag unser
Quartier. Größer konnte ein Unterschied nicht sein! Die Siedlung, in die wir
kamen, bestand aus relativ großen Einfamilienhäusern mit wunderschön
gepflegten Vorgärten. Es hat uns nicht gewundert, dass sie von einem Zaun
umschlossen war und ein bewachtes Tor besaß. Allerdings fühlten wir uns auch
recht kaserniert. Unser Guide riet uns, am Abend nicht mehr so weit zu laufen,
aber dieser Warnung hätte es nicht bedurft: Hier wären wir freiwillig keinen
Schritt mehr vor die Tür gegangen.
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Wir wurden freundlich vom Herrn des Hauses begrüßt, in
unsere Zimmer gebracht und darauf hingewiesen, dass um 19:30 h das Abendessen
serviert würde. Wir wussten bereits, dass diese Familie einer
Religionsgemeinschaft angehörte, die sich ausschließlich vegetarisch ernährt,
aber da wir uns seit unserer Ankunft in Indien sowieso nur vegetarisch
ernährt hatten, war das nun kein Thema mehr für uns. Allerdings hatte Veer
uns schon erklärt, dass das Essen längst nicht so scharf sei wie in Rajasthan
und wir bestimmt ganz zufrieden sein würden (nicht, dass wir vorher
unzufrieden waren, aber die Schärfe des Essens ist schon etwas ganz
Besonderes).
Eine Überraschung gab es dann doch beim Abendessen: Wir
waren nicht die einzigen Gäste. Mit uns am Tisch saßen zwei Pärchen aus
Frankreich, beide ungefähr in unserem Alter. Wir waren ja schon ziemlich
geschafft, aber die Gewalttouren, die die vier hinter sich hatten … nein,
danke.
Zum Essen gab es vier verschiedene vegetarische Gerichte,
die alle sehr lecker waren, aber wie bisher nur mit Joghurt erträglich
entschärft werden konnten.
Relativ früh ging es diesmal zu Bett, denn am nächsten
Morgen sollte um 5:00 h die Nacht zu Ende sein. Uns war ein Sonnenaufgang am
Taj Mahal versprochen worden, und den wollten wir auf keinen Fall verpassen!
Der Eintrittspreis fürs Taj kostet zum Vollmond,
Sonnenaufgang und -untergang deutlich mehr. Ob das Wetter mitspielt oder
nicht. Aber nicht wegen des Eintrittspreises - in jedem Fall hätte ich mich
nach einem Blick aus dem Fenster im Bett noch einmal umgedreht. Aber die
Hoffnung stirbt zuletzt, und wie sagt Angelika so schön? "Programm ist
Programm"
5:00 Uhr. Der Wecker klingelt. Noch einmal umdrehen …
komisch, die Geräusche von draußen hören sich wie Regen an. Ich stehe unter
der Dusche und denke, der Gärtner wässert den Garten aber gründlich.
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Pünktlich um 6:30 h steht Veer mit besorgtem Gesicht in
der Tür. Wir sollten uns warm anziehen, es sei kalt da draußen. Wir treten
vor die Tür und uns trifft der Schlag. Nix Gärtner! Es gießt in Strömen! Veer
erklärt, den Sonnenaufgang würden wir wohl nicht erleben und es würde heute
wohl auch gar keine Sonne geben. Na toll!
Relativ schlecht gelaunt machen wir uns auf den Weg. Früh
aufstehen, keinen Kaffee, keinen Tee – und dann auch noch Regen! Bis wir an
der Empfangsstation zum Taj ankommen, hat es wenigstens aufgehört zu regnen.
Jetzt geht es mit dem Bus weiter. Wir fahren noch mal 15
Minuten. Vor dem ersten Eingang eine gut 500 m lange Schlange. Hier werden
wir einem Sicherheitscheck unterzogen, als wollten wir die nächste
El-Al-Maschine entführen. Ein großes Schild informiert uns, dass Feuer-,
Hieb- und Stichwaffen, Feuerzeuge, Streichhölzer, Taschenlampen und
dergleichen verboten sind. Die Schlange wird in drei Sektoren gegliedert:
Männer, Frauen, Inder. Ah ja …
Endlich haben wir auch das hinter uns gebracht und können
die letzten 500 m bis zum richtigen Eingangstor zu Fuß gehen. Das Taj kann
von allen vier Himmelsrichtungen aus durch die vier malerischen Eingangstore
betreten werden.
Kaum hat man die Toranlagen überwinden, liegt es in seiner
ganzen Pracht vor dem Besucher: das Taj Mahal.
Die Anlagen rings um das Taj Mahal sind gewaltig, daneben
nimmt sich das Mausoleum recht klein aus (obwohl es das nicht ist). Um die
Symmetrie zu wahren, befindet sich auf einer Seite des Taj eine Moschee, auf
der anderen Seite ein identisch gebautes Gästehaus.
Erbaut wurde das Taj Mahal am Ufer des Flusses Yamuna in
einem Zeitraum von 17 Jahren (1631 – 1648) und dient als Grabstätte für die
Lieblingsfrau des Shahs Jahan, Mumtaz Mahal. Shah Jahan wurde ebenfalls dort
beigesetzt. Allerdings werden die beiden dort nicht mehr wirklich aufgebahrt,
sondern es handelt sich tatsächlich nur eine Gedenkstätte.
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Das Taj Mahal besticht zum einen durch das schimmernde
Weiß, zum anderen aber auch durch die vielen Ornamente und kunstvoll
gestalteten Außenfassaden.
Es ist im Inneren sicher sehr prachtvoll, aber da wir an
einem wolkenverhangenen Tag ohne Sonne dort sind, haben wir unsere liebe Not,
überhaupt etwas zu erkennen, denn nur über den Sarkophagen brennt eine kleine
Lampe und leuchtet den Innenraum dürftig aus. Im Mausoleum selbst ist
Fotografieren verboten.
Ich könnte mir vorstellen, dass das Taj Mahal tatsächlich
in der Sonne funkelt und ein sehenswerter Anblick ist. An diesem dunstigen
und regnerischen Tag jedoch erschließt sich mir der Reiz kaum. Da habe ich
während meiner Reise schon wesentlich ergreifendere Gebäude gesehen.
Nach der Besichtigung geht es zurück zu unseren
Gastgebern, wo das übliche Frühstück auf uns wartet: Toast und Marmelade,
Tee, Kaffee und Bananen.
Auf unserem Weg nach Delhi besorgt unser Guide uns noch
eine indische Spezialität: Paan, den Betelbissen. Es handelt sich hierbei um
frische Betelnussstücke, die mit gebranntem Kalk (gut, dass ich das vorher
nicht gewusst habe!) und Zucker in ein frisches Betelpfefferblatt
eingewickelt werden. Man nimmt diese Köstlichkeit in den Mund und lässt sie
langsam zergehen, also nicht kauen. Laut Veer sorgt das Zeug für einen guten
Atem und eine gute Verdauung. Von den sonstigen Wirkungen, die wir später
ergoogelt haben, konnten wir nichts an uns feststellen – und das ist wohl
auch gut so.
Dann ging es auf die Autobahn und zurück nach Delhi, wo
wir unsere letzte Nacht in Indien verbringen sollten. Die knapp 300 km legen
wir in der Rekordzeit von knapp 7 Stunden zurück, inklusive einer
ausgedehnten Pause.
Unsere Gastgeber sind nicht da, aber das wussten wir
vorher schon. Dafür nehmen uns zwei Dienstboten in Empfang und versorgen uns
am Abend und am nächsten Morgen aufs Beste.
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Am Abend ruft Bhavna aus Jodhpur an und fragt nach, ob auf
unserer Rundreise alles in Ordnung gewesen sei, und um uns einen guten
Heimflug zu wünschen. Ein Seufzer … Jodhpur war toll.
Es kann eigentlich nicht sein, dass unsere Zeit hier schon
um ist. Wir sind doch gerade erst angekommen ...
Ich finde es toll, wie Angelika mit den Zwängen
umgegangen ist. Und das trotz allem eine Menge hängen geblieben ist - wenn
auch nur, weil das Gelernte & Erlebte immer gleich abends ins Netz
gestellt wurde. Angelikas Resümee hat Anflüge von Galgenhumor - ist aber
durchweg positiv, oder?
Nun heißt es also Abschied nehmen. Unsere 11 Tage sind um
und wir müssen nach Hause. Wir haben Rajasthan im Schnelldurchgang geschafft
und ich würde niemandem raten, es uns gleichzutun. Man verpasst einfach zu
viel und ist irgendwann nicht mehr aufnahmefähig.
Nächtliche Hupkonzerte, die gedämpft an unser Ohr drangen
und irgendwas Tröstliches hatten …
Palastguides, die uns mit Jahreszahlen und Wissen
vollstopften, das wir nicht haben wollten …
Unseren 28jährigen Guide Veer Bahadur Singh, der uns eine
Woche begleitete und der mir viel über indische Religion und Moralvorstellungen
nahe brachte (wir müssen unsere Handlungen davon leiten lassen, ob sie für
unser Karma gut sind).
Unseren Fahrer Kashendra, der uns halsbrecherisch durch
den mörderischen Verkehr gelotst hat ...
Das offene und immer freundlich-neugierig gesinnte Wesen
aller Inder, die uns begegnet sind, und überhaupt die Freundlichkeit und
Herzlichkeit unserer Gastgeber …
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Das überaus niedliche Englisch und ganz besonders
Erläuterungen wie „Have you seen the garden? It’s all of the Mughal art“ (sprich: muggel
art). „Do you have fountains in Germany? It’s all of the Indian style.“
Den Händler in Jodhpur, der seine Waren stolz mit „Kuck
mal“ darbot …
Männer, die an jeder Straßenecke ihre (großen und kleinen)
Geschäfte verrichten …
Aufdringliche Händler an den größeren Sehenswürdigkeiten …
Das zwar schmackhafte, aber höllisch-scharfe Essen …
Jede Stadt hat ihre Spezialitäten, die man auch nur dort
einkaufen sollte.
In Jodhpur sind es Schals, Teppiche und andere Textilien,
besonders Pashmina wird hier verarbeitet. In Udaipur ist es die
Seidenmalerei, in Jaipur sind es Silber und Edelsteine, Agra ist das Zentrum
für Lederherstellung. Wie uns von allen Seiten immer wieder versichert wurde,
lassen die großen europäischen Mode-Labels (wie Gucci, Versace, Valentino
usw.) hier arbeiten.
In Indien gibt es nicht nur Kühe und enorm viele Hunde,
die von der Gemeinschaft gefüttert werden, nein, man soll es nicht für
möglich halten – es gibt auch Wildschweine in den Städten! Sie dienen der
Sauberhaltung der Straßen, denn sie fressen den Dreck. Überhaupt … Indien
erschien uns sehr staubig, aber trotzdem kehrten alle Straßenhändler die
Bürgersteine und die Straße (!) vor ihren Geschäften.
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Schwarze Hunde tragen die Seelen der Verstorbenen in den
Himmel.
Straßenverkehr funktioniert auch ohne Regeln. Wir haben in
diesen 11 Tagen keinen Unfall gesehen – und das hat uns mehr als verwundert.
Auf Autobahnen gibt es Fußgängerüberwege, die niemanden interessieren. Kühe
kreuzen die Straßen und bringen den Verkehr zum Erliegen oder sonnen sich
mitten auf der Kreuzung. Es gibt Ampeln, die niemand zur Kenntnis, geschweige
denn ernst nimmt.
Auf den Autobahnen begegnen wir Autos, die für 5 Personen
zugelassen sind, aber 12 Insassen transportieren.
Wir haben Busse gesehen, darin saßen und standen die
Fahrgäste wie die Ölsardinen – die Mitfahrer auf dem Dach und rund um den Bus
hatten wenigstens frische Luft. Wir sahen Kleinlaster, die so beladen waren,
dass sie in Deutschland zum Schwertransporter geworden wären.
Motorräder/Mopeds dienen dem Transport der gesamten
Familie: Vater, Mutter, zwei bis drei Kinder. Wir haben mehr als einen Sozius
gesehen, der schlafend hinter dem Fahrer saß und sich noch nicht einmal
festhielt.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Autobahn liegt
bei ca. 100 km/h, inklusive diverser mehr oder weniger heftiger Schlenker
beim Fahrbahnwechsel.
Was uns gewundert hat, ist der hohe Benzinpreis angesichts
der ansonsten niedrigen Einkommen in Indien. Ein Liter Diesel kosten
umgerechnet 0,80 Euro.
Indien ist ein Land, das man nicht mit westlichen Augen
betrachten darf. Auch für arm und reich sollten keine westlichen Maßstäbe
angelegt werden, damit wird man dem Land nicht gerecht. Es gäbe noch so viel
zu berichten, aber am besten ist immer noch, man überzeugt sich selbst.
Indien ist wirklich eine Reise wert.
Verdankt haben wir dieses außergewöhnliche Erlebnis einem
versierten und unkonventionellen Reiseveranstalter: Bernd Symons von Kerala
Discovery. Der Besuch seiner Homepage (www.kerala-discovery.de) lohnt sich
immer, auch wenn man keine Reisepläne hat.
Und damit endet die Geschichte meiner persönlichen Reise
in die Vergangenheit.
Einer, der oft in Indien gereist ist, hat es so gesagt: "Die Armut in Indien ist nicht so schrecklich anzusehen. Es ist genauso schlimm wie die seelische Armut, die im Westen herrscht." Tatsache ist, dass das Thema Armut jeden Indienreisenden stark beschäftigt - manchen sogar ganz von der Reise abhält. Man kann der Armut in Indien nicht ausweichen. Aber man lernt vielleicht, dieses Wort neu zu definieren. Hier habe ich die Betrachtungen von Angela aus Wien, die mit Sohn Peter im Februar auf Rajputana Discovery ging:
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Da ist sie, die Armut, über die soviel geschrieben wird.
Jeder Indienreisende kann viel darüber berichten, die
sozialen Unterschiede können Seiten füllen, nur niemand kann sie ändern.
Armut und Elend erzeugen sehr viel Druck im westlichen Denken, deswegen wird
auch soviel darüber erzählt und geschrieben.
Ich will dir Beobachtungen meiner Reise schildern.
Währe ja alles in Ordnung, wenn da nicht ein Gedanke
auftauchen würde: Was hat der Reisende diesem Land und seinen Menschen
gegeben?
Madhuban in Jaipur, sehr bemühte Boy in diesem
kleinen schönen Hotel. 16 Schlampige Engländer die 2 Morgen mit Bergen von
Toast, Omelett und alles was zu einem Englischen Frühstück gehört, verwöhnt
worden sind.
Ihr Dankeschön an die 4 Boys bestand aus einem
Applaudieren, wie nach einer Aufführung, die ihnen gefallen hat.
Ich denke dass ein paar gesammelte Rupien den 4 Burschen
weiter geholfen hätten.
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Bharatpur in Udai Vilas Palace, Deutsche
Reisegruppe aus Agra kommend, beim Mittagstisch. Erschrocken über die
Verhältnisse in Agra, wurden viele Reden geschwungen. Das Entsetzen über die
Armut der Menschen wurde nach einem ausgiebigen Büfett-Essen mit einem Bier
hinuntergespült, das sich beim 3maligen Nachzählen des Wechselgeldes, als zu
teuer herausstellte. Deswegen gab’s auch kein Trinkgeld, schließlich muss das
Geld ja wieder hereinkommen.
Jodhpur, am Clock Tower, im Trubel des Marktes ging
eine „reifere Dame“ mit deutscher Aussprache, und verteilte Gummibärchen an
alle Kinder deren sie ansichtig wurde. So werden am Morgen meine Hühner
gefüttert, dachte ich mir. Welche Informationen haben solche Menschen von
Indien?
Was denkt sich in Delhi ein junger Rucksacktourist,
wenn er sein um 20 Rupien erworbenes Straßenessen, am Gehstein sitzend, mit
einen auf der Straße Lebenden teilen will? Seine Solidarität ist nicht so gut
angekommen, und so musste der Gut-Mann die Flucht ergreifen. Wie undankbar
doch Menschen sind!!!
Was denken sich junge Frauen in engen Jeans und
bauchfreien Tops, wenn sie über die Märkte gehen? Anscheinend wenig. Die
bettelnden Kinder hatten ihren Spaß beim Zertreten der einzeln ausgeteilten
Chips von diesen gedankenlosen Girls.
Jaisalmer, auf der Dachterrasse des hübschen
Nachana Haveli. Am Nebentisch saßen 2 Deutsch sprechende Frauen. Beide im
indischen Look mit Tüchern im grauen Haar. Sie konnten das Rätsel, ob Peter
mein junger Liebhaber ist auch in 2 Stunden nicht lösen, dafür habe ich viel
über Frauen, die Junge Liebhaber „aushalten“ erfahren. Ein Obstteller mit zu
wenig verschiedenen Früchten hat die Situation so ins Lächerliche gezogen,
dass ich mein Schandmaul nicht halten konnte. Mit der Frage: “Was tun Sie in
Indien“ werden sie sich nicht lange beschäftigt haben.
Agra, Baby Taj, 2 sichtbar begüterte ältere
Herrschaften, vor der Brust gekreuzte Arme, flankiert von 2 Indern als
Beschützer, ein dritter löste die Eintrittskarten und spielte den Rammbock.
An diesen Tag war es sehr ruhig und nur einzelne Händler wollten ihre
Andenken loswerden.
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Die Angst der Reichen ist eine besondere Form von Armut,
die ich in Indien sah.
Und wenn ich dann so lese, wie über Armut und Elend
geschrieben wird, wie über Arbeitsverhältnisse in Indiens Haushalten
diskutiert wird, Kofferträger die zuviel verlangen, Boys, Dienerinnen, Frauen
die kein Geld und Rechte haben, da will ich doch auch etwas dazu beitragen
und die Menschen, die sich diesem Thema so leidenschaftlich widmen, fragen:
Was tut der einzelne Mensch um es zu ändern?
Wer hat einer alten Dienerin schon mehr als 100 Rupien
gegeben? Sie hat auch Träume und Wünsche, sie hat auch eine Familie und
Gefühle und ist nicht nur zum Wäschewaschen für uns da. Überhaupt Frauen mit
Babys zu unterstützen, und wenn’s nur eine einzige ist, der man nicht nur 10
Rupien in die Hand drückt.
So wie Daniela aus Mumbai schreibt, ihr weggeworfener
Plastikbecher hat nicht den Müll erzeugt, aber ihn um einen Becher größer
gemacht.
So könnte man es ja umgekehrt sehen. Einen Menschen einen
Tag satt machen ...
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Warum kurbeln so wenige, die sich um viel Euro eine
Reise leisten können, die Fenster herunter, und warum geben die als Inder
Verkleideten Touristen nie mehr als in Reisebüchern angeraten wird.
Vielleicht sollte man die Preise für Bettler in den Reisebüchern anheben! Die
Boys die uns die Reise angenehm machen - jeder weiß anscheinend was sie
verdienen, Essen, Unterkunft, Arztkosten und kleines Taschengeld. Super,
denen geht’s wirklich gut, wie das ein westliches Herz beruhigen kann, und
vor allem brauch ich da nichts geben.
"Meine Reise kostet schon genug, da bleibt nichts
über was ich verteilen kann, wo soll ich bei dieser Armut anfangen."
Diesen Satz hab ich wirklich gehört und darauf geantwortet: Bei dir, nur bei
dir. Das wäre ein guter Anfang.
Die Europa-Ausrede "Die saufen und nehmen
Drogen", zieht auf Indienstraßen nicht, und so muss das „organisierte“
für uns herhalten. Und eine Organisation unterstützt man doch nicht, außer
sie hat ein westliches Weihnachtsmäntelchen an.
Was kann ich als kleine Frau verbessern? Ich kann
einen anderen Menschen für einen Tag das Leben leichter machen. Wenn das zu
wenig sein sollte - ja, dann kann man ja 2 oder 3 Tage wählen.
Die Welt kann niemand retten, aber die Scheuklappen
abnehmen und vor der eigenen Haustüre kehren bringt schon etwas mehr
Bewusstsein.
Und wenn ich an das Elend und an die Menschen in Indien
denke, dann denke ich auch an die Touristen, die sich über fehlende Speisen
am Büffet aufregen konnten. ...
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Angelas Engagement für die Hilfsbedürftigen sind keine
bloßen Lippenbekenntnisse. Das zeigt ein Blick in Rajus Spendentopf. Als wir
nach Rajus schwerem Verkehrsunfall für die Rettung seines rechten Beins
sammelten, kamen die höchsten Beträge von ehemaligen Kerala-Gästen, die Raju
persönlich kannten.
Ausnahme Angela, die sich mit bislang 7 Spendenzahlungen an die Spitze der Spenderliste setzte - ohne die Vettikavumgal-Familie in Kerala je kennen gelernt zu haben.
Natürlich war es kein Wettbewerb, wer am meisten spendet - die Spendenbeträge wurden ja nicht veröffentlicht. Es ergab sich einfach, dass Angela die Reihe der Spender anführt.
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Erinnerungen, Schnappschüsse und Geschichten von einer
ersten Begegnung mit Indien. Viele Jahre hat Angela von einer solchen Reise
geträumt, und am 20. Januar war es soweit. Für Sohn Peter eine besondere
Überraschung - dass er Mutter Angela begleiten darf, hat sie ihm erst kurz
vor der Reise verraten. Lies mal diesen Bericht einer ganz anderen Art!
Delhi. Flughafen sauber mit witzigen Beamten, unser
westliches Denken noch in der fest umklammerten Handtasche, Verfluchungen
Richtung Deutschland ausgestoßen, unfähig die genauen Reisepläne zu lesen,
keiner, der meine Koffer wollte oder überhaupt etwas von mir, wozu hab ich
Rupien wechseln müssen - aber als ich mich unter dem Arm eines Inders fand,
war der Anfang da.
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Er war der einzige, der den Zettel mit meinem Namen drauf zusammengerollt unter seinem Arm getragen hatte. Er war glücklich als wir ihn gefunden haben. Und da hab ich mein westliches Denken am Flughafen aufgegeben und warte noch heute auf die Rückerstattung an meine Heimatadresse in Ungarn.
Faszinierend, wie stark der Drang nach Harmonie im Inder
steckt. Ich hatte immer das Gefühl dass, wenn Probleme auftauchten, sie aus
dem Drang zur Harmonie gelöst werden. Sie waren glücklich, wenn wir glücklich
waren.
Deswegen habe ich die Menschen auch nie unterwürfig
empfunden. Egal ob Frauen schwere Lasten trugen oder bettelten, ihr Gang war
aufrecht und sie sahen in ihren Saris in rot und orange aus, als wenn sie
schwebten.
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Die Augen der Frauen, wenn sie mich anlächelten, waren mir
so vertraut. Beim Verlassen des gewaltigen Meherangarh Fort, die warmen
zierlichen Hände einer blinden Bettlerin, die meine Hand drückte. Die
gemeinsam vergossenen Tränen, als ich einem körperbehinderten Jungen 5
hässliche Elefanten abkaufte. Da war das Amber Fort sehr klein und auch die
Touristen, die uns verwundert anstarrten.
Nächsten Tag hat er uns im Trubel wieder gefunden und mir
einen der hässlichen Elefanten geschenkt. Jetzt daheim, kommt er mir nicht
mehr so hässlich vor.
Ein kleines Mädchen um 8 Uhr früh in Chandelao, das seine
Füße in dampfenden Kuhfladen wärmte. Ich tat es als Kind auch.
Das 4-gänge.Menü, dass ich in Chandelao kochen durfte und
die 5 Flaschen Wein dazu, haben 8 Menschen sehr lustig werden lassen. Die 3
Inder in Turbanen, die hinter mir in der Küche standen, und mir nur helfen
wollten, haben mich wie eine Maharani fühlen lassen.
Beschützt und umsorgt von 3 Männern, jeder Wunsch - und wenn er nur so halb dahin gesprochen war - wurde erfüllt. Ein kurzer Anruf in Jodhpur, und schon machten wir Umwege. Nie hatte ich das Gefühl das es für unsere Begleiter eine Last war, auf unsere Sonderwünsche einzugehen.
Auch die verschiedenen Unterkünfte waren eine
Überraschung. Immer sauber, manche wie im Märchen, andere wie alte Landsitze,
kleine Hotels die sich besondere Mühe gaben, private Unterkünfte mit
herzlichen Gastgebern, sogar das winzige Zimmer in Ranthambore hat der junge
bemühte Besitzer groß werden lassen.
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Und ich muss dazu sagen, dass alles von mir Gesprochene erst übersetzt werden musste. Und ich wollte viel wissen! Ich habe aus meinen mangelnden Englischkenntnissen nur die Vorteile heraus geholt. Verstanden habe ich alles, aber Peter war beim Übersetzen so schnell, dass ich’s einfach so belassen habe.
Ein sauberer kleiner Kerl mit neuen Turnschuhen in der Wüste…………
Dialog:
Er: Pen
Ich, auf Deutsch: Wie bitte
Er: Dollar
Ich, auf Deutsch: Bitte was??
Er: Money
Ich: noch immer auf Deutsch: Na so was……….
Beide haben wir wortlos den Sonnenuntergang beobachtet und
als ich auf meinen liebeshungrigen Kamelhengst saß, hat er gewinkt.
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2 Tage kein Warmwasser im Indrashan, alle waren Schuld,
nur nicht ich, die vergessen hat den Boiler einzuschalten (Wurde aber bei der
Ankunft genau erklärt) die Augen die mich beim rauchen in der Öffentlichkeit
anstarten, und ich erst nach 3 Tagen bemerkte das niemand rauchte.
„Rauchverbot in der Öffentlichkeit“ hat Chouhan erklärt, aber in
seiner Gegenwart darf ich alles, das nennt man auch Luxus.
Unser Guide geborener Offizier und Gentleman war eine
Überraschung. Unnahbar und stolz wie er wirkte, war es umso verwunderlicher
dass er oft den Bettlern Geld zusteckte. Nach 14 Tagen konnte er herzlich
lachen und hat sich selbst als Großmutter bezeichnet.
Indien ist laut und dreckig, erstickt im Müll, Armut,
Straßenmenschen, Bettler, magere Tiere auf den Strassen, viele Straßenkinder
usw.
So steht es meist geschrieben. Es stimmt.
Indien hat Bougainville wo hin man schaut, Indien hat
viele Tiere auf der Strasse, die den Müll entsorgen, Indien hat schwer
arbeitende Frauen und Männer, die trotzdem freundlich und neugierig sind,
Indien hat blühende Blumengärten die 3 Jahreszeiten auf einmal zeigen, Indien
hat Menschen, die aus dem Herzen heraus helfen wollen, Indien hat viele
Kinder, die auf der Strasse leben und lachen, Indien hat Märkte, wo das Obst
und Gemüse pedantisch geschichtet ist, Indien hat Gerüche die man daheim
vermisst, Indien nimmt Rücksicht auf unsere Andersartigkeit, Indien hat
Glaube - und vor allem will Indien uns keinen Stempel aufdrücken und uns
verändern.
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Land, Menschen, Küche, das war mir wichtig. So hab ich 25 verschiedene Dhal gekostet, alle Brotsorten, die Straßenküche in Jodhpur, Udaipur und Delhi ausgiebig getestet, Unmengen an Rezepten gesammelt, der große Vorteil unserer Reise war, dass wir alles bestimmen konnten und so kamen wir zu vielen Köstlichkeiten, die anderen versagt wurden.
Auch viele Überraschungen und Kostproben waren dabei.
Chou, wie Peter ihn nannte, (ich traute mich nie ihn so zu rufen, es klang
wie ein Abschiedswort) sorgte dafür, dass wir immer etwas Neues kosten
konnten, als Inder hat er uns die Türen in die Küchen geöffnet. Wir mögen
scharf und sind neugierig.
Wir konnten viele Tage durchs Land ziehen, nicht alle
Männer sitzen beim Chai, und nicht alle Frauen arbeiten wie die Pferde. Warum
Bauern ihren Turban vor Touristen wickeln und Opiumzeremonien zeigen, ist
beim näheren Hinschauen zu erkennen. Ganz hinten rechts steht ein Ziegelbau,
für uns mögen die Rundhütten romantisch sein, für ihn und seine Familie sind
die Sandstürme im Ziegelbau leichter zu ertragen.
Der fleißige Teppichweber will seine schöne Ware auch
verkaufen, ich bin auch kein Mensch der mit Bündel Banknoten aufs Land fährt.
Also, ich hab die Kreditkarte praktisch gesehen, niemand wird genötigt sie zu
benutzen.
Die Färber und Stoffdrucker haben es mir besonders leicht
gemacht mit 2 Saris heimzufahren. Jetzt habe ich endlich schöne Vorhänge.
Stundenlang waren wir in einem filmreifen Jeep unterwegs
und habe große Herden Antilopen beobachten können. Leider haben wir nur einen
Tag mit diesem verwegenen Fahrzeug unterwegs sein dürfen. Die Kuhgroßen
Antilopen und wir, sonst nur stilles Land.
Die Hunde sind meine Favoriten gewesen. Chandelao hat
leider ein großes Problem, alle dort lebenden Hunde sind mit Staupe infiziert
und kratzen sich sprichwörtlich in den Tod.
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Es hat mich sehr betrübt, mein europäisches Denken:
einschläfern, kastrieren, stand im Gegensatz zum indischen Denken: „Alles
Leben verdient Achtung und muss so sein“, ich habe mich für den Rest der
Reise ans indische Gedankengut gehalten. Die Kinder in diesem Ort sind an
Besucher schon gewöhnt, unser Bodyguard war ein lustiger Mann mit einem
riesigen Turban.
Ich habe viele Roti backen lassen und die kleinen Welpen
gefüttert. Oft Huhn bestellt und es nur gekostet. Pappu, Vater von 3 Söhnen
und unser Fahrer, hat schon nach dem ersten Mal, als ich mit Packeln ins Auto
gestiegen bin, gewusst was er zu tun hatte. So haben wir öfter als vorgesehen
Halt gemacht. Überhaupt war dieser stille Fahrer ein Genie. Die vielen
Kilometer in den Wochen hat er wie eine Schlange gemeistert. Ich habe ihm
100% vertraut, aber ich muss dazu sagen, ich finde den Verkehr auf indischen
Strassen sehr spannend.
Chou hat nach ein paar Tagen auch seine Liebe zu Hunden
entdeckt und mich auf alle jungen Hunde aufmerksam gemacht. Oder wollte er
mich nur zufrieden sehen?? So gab es sogar vorm Taj einen kleinen Hund der
spielen wollte. Jedenfalls hab ich ihn lebendiger gefunden als so manches im
Hintergrund.
Die vielen Paläste, Fort, alte schöne Havelis und Tempel,
jeder kann nachlesen wie alt sie sind und wer sie erbaut hat, aber ich hatte
das Glück sie meist alleine zu durchwandern. Aus irgendeinem Grund sind die
vielen Besucher nach einer Stunde nicht mehr da gewesen, und so hatte ich
Stunden Zeit, die Räume der Frauen und Bediensteten zu verinnerlichen.
Verträumt wie ich bin, habe ich bunte Stoffe über die Wände fliesen lassen
und Polster ausgelegt, Düfte und Musik einfliesen lassen und kein Mensch hat
mich gedrängt oder gestört.
Chou hat nie vorwurfsvoll geschaut als ich Traummännchen
angetrottet kam. Obwohl ich manchmal Rücksicht genommen habe und schneller
zurück war. Alle Forts und Paläste waren ja nicht so groß. Delwara Tempel in
Mt.Abu war der schönste und meistbesuchteste, und sogar dort habe ich mich
nicht erdrückt gefühlt. Der Jain-Tempel in Ranakpur hatte einen Bediensteten,
der mir die schönsten Aufnahmen ermöglicht hat. Als ich ihm Geld zustecken
wollte (das steht in Indienberichten, das es so üblich ist) hat er sich
verbeugt und weg war er. Ich war 2 cm groß.
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Und vor diesem wunderschönen Tempel lag die älteste Hündin
die ich je gesehen habe. Ich musste sie fotografieren und dabei weinte ich.
Müde, ausgelaugt, große Zitzen, faltige Haut, sehr abgemagert aber für mich war sie in diesem Augenblick der schönste Hund auf Erden. Wie viele Junge sie wohl hatte, die jetzt irgendwo streunen? Peter und Chau waren sehr rücksichtsvoll und sind weit vorgegangen. Und Pappu der stundenlang beim Auto wartete, hat meine verweinten Augen ignoriert. Bei jedem Schlagloch hat er mich durch den Rückspiegel angesehen, entweder jammern seine Fahrgäste - oder er wollte sich wortlos entschuldigen?
Ja und dann war noch Bundi. Von weiten kann man den Palast
schon sehen, meine Aufregung und Vorfreude haben meine 3 Männer bemerkt. Ich
glaube das Pappu schneller als üblich gefahren ist. Kleines Haveli, mich hat
es an eine Herberge erinnert und war genau so gemacht wie ich es mag. Vater
ein stolzer Inder, Söhne bemüht uns alles zu ermöglichen, Tee und PC aufs schönste
Zimmer das sie hatten, vom Sofa aus der Blick auf meinen Palast, der mitten
in der Stadt stand.
Bundi besuchen Rucksacktouristen die ich im Palast nicht gesehen habe. Da waren nur Peter und ich. Endlich mein Blumenzimmer, man muss es sehen, ich kann es nicht beschreiben. Der märchenhafte Palast ist nicht von dieser Welt, auch wenn viele sich an dem maroden Zustand stoßen mögen, für mich und meine Phantasie war er der Palast in dem ich leben könnte.
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Der angeheuerte Guide war sehr verwundert über mein Wissen über Bundi und hat mich in sein Herz geschlossen. Nach 4 Stunden Wandbilder und Fortbesichtigung zeigte er uns noch die Straßen von Bundi und den besten Chai-Stand in Indien. Krishna-Chai war nur mit Milch, Zucker, schwarzer Tee, Pfeffer und Nelken und viel frischem Ingwer gekocht, Kardamom treibt die Säfte im Körper, hat er uns erklärt, deswegen tut er keinen in den Chai und für seine Landsleute verwendet er zur Hälfte Wasser.
Der Guide hat trotzdem nicht mehr als die ausgemachten 200 Rupie haben wollen.
Den schönen Stufenbrunnen, der wie ein auf den Kopf gestelltes Schloss aussieht, hat uns der Haveli-Besitzer gezeigt. Im Gästehaus haben die Söhne viele, noch nie gekostete Naschsachen bereitgestellt. Chou hat sich mit dem Besitzer gut verstanden und so hat er unser Abendessen schon am Nachmittag besprochen.
Wer kann schon von sich sagen, so eine Reise gemacht zu haben? Peter und ich waren jeden Tag aufs Neue überrascht, was wir alles, nicht im Reiseplan vermerkte, ermöglicht bekommen haben.
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Die Umgebung von Bundi wollte ich aus einem einzigen Grund sehen! Meinen Palast von allen Seiten. Und noch etwas, Bundi schaut von oben gesehen Jodhpur ähnlich. Es waren glückliche Tage, ich wäre gerne noch geblieben, nicht nur wegen des dreckigsten und ärmsten Mannes auf dieser Reise. Dieser Mann hatte ganz helle Augen, die mir nachgesehen haben. 3mal hat er sich gezeigt, nie gebettelt, aber seine Augen haben mich ganz klar angesehen. Wer er wohl war?
Auf der ganzen Reise haben uns wenig Menschen angebettelt, auch die Händler habe ich nie aufdringlich empfunden, die vielen Menschen auf den Märkten gehen sich sanft aus dem Weg, nie wird man angerempelt oder berührt. Stunden verbrachte ich auf den Strassen, aber es wurde mir nie zuviel, auch war es nie unangenehm, selten haben mich Menschen angesprochen.
Eine hübsche Inderin hat mich im Ranthambore-Fort, das
irgendwie anders als die anderen Forts war, um den Weg zum Shiva-Tempel
gefragt, ich konnte ihr erklären wo der stand, ich war schon vor ihr da.
Der Autolärm, das Treiben auf den Strassen, die Trommler
und Sänger, die nächtlichen Tiergeräusche, ja was soll ich sagen, Indien ist
groß und hat viele Menschen. Der Schwarzwald ist klein und hat Ruhe zu
bieten.
Udaipur war die Stadt der Fahr-Profis, Delhi die Stadt der Fußgänger-Profis, Agra die Stadt der Überlebens-Profis, wobei ich bei Agra sagen muss, das wir nicht mitten im schlimmsten Ghetto gewohnt haben. Unsere Fahrt zur Garden Villa führte auch an einer schönen Schule vorbei, auch waren Gemüsestände und Warenstände auf den Weg, und ich habe auch kleine Bauernhöfe entdeckt. Neugierige Menschen wie ich, sehen fasst alles. Und so konnte ich die Papaya und das Jogurt auf dem Frühstückstisch der Garden Villa auch erkennen.
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Natürlich hab ich auch Tiger gesehen, aber nicht in einen Jeep für 6 Personen, sondern in einen großen offenen Bus, den ich anfangs abgelehnt habe. In Keoladeo hab ich auf eine Riksha bestanden, die ein vogelkundiger Sikh gelenkt hat. Als er zum Anmelden abstieg, hat sich sein Rad selbständig gemacht, und so konnte ich auch Termitenhügel aus nächster Nähe bewundern.
Die Freundschaft habe ich ihm bei der Anrede “Ma'm“
gekündigt (der Mann war über 50) obwohl er mir aufgeholfen hat, bekam
er sein Fernrohr erst 2 Stunden später zurück. Als er mir einen Schakal aus
nächster Nähe zeigte, war alles vergessen und er war sehr glücklich. Das
sagte er jedenfalls!
So gibt es zu den vielen Stationen immer auch witzige
Geschichten, für mich die Essenz der Reise.
Ich habe 70 Luftballone aufgeblasen und viele Zuckerl
ausgewickelt, Fliegen von Babys verscheucht und rotzige Kindernasen geputzt.
Hunde gestreichelt, nur vorm Hotel musste ich die Kumpel verabschieden. Sie
haben aber bis zum nächsten Morgen auf mich gewartet.
Chandra und Bhavna haben wir in Jodhpur nur kurz
getroffen, sie waren auf einer Hochzeit, so konnte ich die kleine Lakshmi nicht
besuchen, von Lady Ba wird mir der Sandelholz-Duft in Erinnerung bleiben, die
stille Vimlabai, die jeden morgen um Schmutzwäsche fragte und Chottu der
nicht schlafen ging, bevor wir aus ganzen Herzen lachend ins Bett
verschwanden.
Pradyuman der weltoffene Besitzer aus Chandelao, der mich
zum Kochen überredet und mir damit viel Freude geschenkt hat. Wer hat schon
einmal in einer indischen Küche ein Menü gekocht? Den englischen Ladys sind
die Augen übergegangen.
Udaipur-Balunda-Haus, mit der Köchin hätte ich gerne
gesprochen, der freundlichste Diener auf der ganzen Reise lebt auch dort.
Harji, schönes Anwesen, die Bauern die die Farm des
Besitzers bewirtschaften, waren einfach bezaubernd, die Hände voller Früchte
die wir alle kosten mussten.
Der Anfang war auch das Ende, meinen ersten indischen Rum
mit einen viel zu gescheiten Chandrakant getrunken, seine Gattin Lakshmi, die
ich einfach nur gern hatte und von der viele Köche Gemüse zubereiten lernen
könnten, die besten Roti, zubereitet von der zierlichen Inderin, die eine
ebenso zierliche 4jährige Tochter hat. Dieser Haushalt war, der für mich
bewundernswerteste. 2 Tage Delhi, es war einfach nur schön.
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Chou hat mich fest gedrückt, Pappu hat sich verbeugt und
wieder Tränen…………aber nicht nur bei mir………….Ich habe mein Versprechen „keine
Kinder und Hunde mitzubringen“ gehalten. Bei den Kindern ist es mir leicht
gefallen, in unserer „Kälte“ würden alle Kinder sehr schnell erfrieren. Bei
den Hunden verbietet es das Gesetz.
Der Weißwein, den die bemühte Flugbegleitung verschüttet
hat, war Gesprächsstoff für 4 Personen.
Und mich hat doch eine Frage beschäftigt: Was nehmen die
Menschen in diesem Flieger mit nach Hause?
50 Seiten Tagebuch habe ich meinen Kindern versprochen,
und so wird Indien noch lange in meinen Kopf bleiben.
Ich habe nicht die leisesten Befürchtungen etwas vergessen
oder versäumt zu haben, denn du hast mir einmal geschrieben, du bist mit
Indien noch lange nicht fertig. Und so fühle ich auch.
Wenn du noch etwas wissen willst, frag einfach. Es ist noch genug an Erlebnissen in meinem Kopf. Bilder werde ich dir auch senden, aber ich muss sie erst zusammen suchen. Ich hoffe ich hab nicht zu viel geschrieben. Einen schönen Abend und viel Gesundheit wünsche ich dir. Angela
Danke, liebe Angela - dieser Report war erfrischend anders. Keine Geschichtsstunde diesmal, sondern wahre Poesie. Und so habe ich tatsächlich nur 1 Wunsch: Schicke uns den Rest der 50 Tagebuchseiten!
Erstveröffentlichung in den INN
599 -
mit etlichen Fotos zusätzlich,
die hier keinen Platz mehr fanden
Als wir
unsere einmonatige Reise durch Rajasthan - unsere erste Reise außerhalb
Europas - antreten, sind wir voll Neugier und Erwartung auf dieses ferne Land
aus Tausend und einer Nacht. Ein Resümee von Monika & Markus aus Telfs, Tirol
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Wir hatten
viel darüber gelesen und zahlreiche Bilder gesehen und werden sofort von
seinen Kontrasten in den Bann gezogen: Menschenmassen überall im Kontrast zu
weiten, leeren Steppen- und Wüstenlandschaften, ständiger Lärm und Verkehr
sowie unaufhörliches reges Treiben in den Städten im Gegensatz zu völliger
Stille in ländlichen Gegenden, bitterste Armut neben unermesslichem Reichtum
der Maharadschas, Berge von Müll und Schmutz nächst prunkvollen Palästen,
Forts und Tempelanlagen, heilige Kühe, die gefüttert werden neben Bettlern
und Kindern, die am Straßenrand verhungern. All dies ist Rajasthan!
Jedoch was
diese Reise so unvergesslich für uns macht, sind die zahlreichen ergreifenden
und beeindruckenden Begegnungen mit seinen Menschen.
Allen voran
zu erwähnen ist unser geschätzter Escort Bhanu, der uns viereinhalb Wochen
lang bestens betreut und mit seinen zahlreichen Geschichten einen lebendigen
Einblick in Kultur und Lebensweise seines Landes gibt. Durch sein Interesse
an unserer Lebensweise ergeben sich viele interessante Gespräche über Zwangs-
vs. Liebesheirat, unterschiedliche Familienstrukturen, Religion und vieles
mehr. Bhanu nimmt uns sogar in seine Familie mit, wo wir Hochzeitsalben
ansehen und gastfreundlich bewirtet werden.
Weiters
werden unsere Erlebnisse besonders durch unsere verschiedenen Gastfamilien,
allen voran Chandra und Bhavna in Jodhpur, geprägt, die uns alle herzlich
willkommen heißen, köstlich verpflegen und immer für ein Gespräch bereit
sind. Durch sie lernen wir die köstliche, abwechslungsreiche rajasthanische
Küche kennen und lieben, was sich an unserer zunehmenden Leibesfülle zeigt.
Ein besonderes Highlight ist deshalb auch der Kochkurs, den wir bei Bhavna
besuchen und der uns, gerüstet mit einer tollen Rezeptsammlung, zum
Nachkochen inspiriert.
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Da wir mit
unserem Escort Bhanu und unserem super Fahrer Vinod alleine unterwegs sind,
findet sich in unserem Programm immer wieder Zeit, in entlegenen Dörfern zu
halten, Handwerkern bei ihrer Arbeit zuzusehen, eine Grundschule zu besuchen
und mit den Lehrern zu sprechen, in einem riesigen alten Kino einen richtigen
Bollywood-Film anzuschauen, mit einem Händler eine Tasse Tee zu trinken und
dem Wunsch vieler Inder nach einem gemeinsamen Foto nachzukommen.
All dies
macht unsere Reise durch Rajasthan neben den zahlreichen wunderbaren
Sehenswürdigkeiten so einzigartig und unvergesslich, sodass wir beide
einstimmig beschließen: Indien, wir kommen wieder!!!
Für einen
detaillierteren Reisebericht sowie für viele weitere Fotos möchten wir auf die Rubrik Indien auf unseren Reiseblog mit folgender
Adresse verweisen.
Viel Spaß
beim Lesen! Moni & Markus (z.Zt. im Outback, Australien)
Die schönsten Fotos von Moni & Markus findest Du in den
INN 592
Am heutigen Sylvesterabend wird es in vielen Gegenden Indiens ruhig zugehen - dort hat man bereits beim Diwali-Fest das neue Jahr begrüßt. Ute & Lutz aus Langen waren dabei. Diwali in Jodhpu mit Bhavna & Chandra war wortwörtlich ein Highlight ihrer Rajputana Discovery.
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Zwar bitte ich jeden KD-Gast um einen Bericht nach der
Reise, den ich als Entscheidungshilfe für Indieninteressenten im Forum und in
den INN veröffentliche - dennoch wundert es mich, warum nach so vielen Jahren
Ute & Lutz als Erste auf die Idee kamen, diesen Report vorrangig an die
zu richten, die hauptverantwortlich sind für das Gelingen unserer Reisen: Die
indische Gastgeberfamilie.
Ute & Lutz haben das getan und ihren Report mit Lob
und konstruktiver Kritik in Englisch verfasst:
Dear
Chandra, dear Bernd,
thank
you for this interesting trip and your warm welcome at Indrashan. Our journey
was a great success, we appreciated to see the sights as well as to have the
many personal contacts with the unique chance to have insight into what is
behind the foreground scenery.
We
experienced this as a perfect mixture, and we felt the distance to our
everyday life as we wanted.
We have
many colourful and deep impressions, which can be really evaluated over time
only (pls. find some Diwali pictures attached).
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This
already says everything, just as requested by Bernd please find some detailed
feedback further below, so that is somehow an optional part only containing
our personal opinion.
Now,
after a while, we are back in everyday life and back to other priorities. So
only this explains the late feedback, and we are still happy about our
booking decision.
We
felt especially well at Bhavna and Chandra, everything was perfect. After the
two days in Jaisalmer it was somehow like coming home.
In
general we experienced the locations as above average. We would have expected
fresh blankets at day of arrival in any location, which was not the case
except Indrashan and Chandelao. Our requests for change were fulfilled in
every case quickly and without discussion.
Our
general taste is to have more activity on our own, which was not the case
here by the nature of the journey.
We
enjoyed our cooking together with Bhavna very much. Also our city trip in
Harji was a very positive surprise (we did not expect something exciting due
to the short and general description).
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A more
detailed description of activity options in advance (jogging, biking or
hiking tours; other people may like other things like self made handicrafts,
music instruments) may have helped to better meet our personal taste.
The
wide knowledge background (history, politics, religion, cooking and spices,
plants) and the openness to all questions let us quickly forget some
necessary effort for bridging the „pronunciation gap". It was always
easy to make the plan according to our preferences. The always safe driving,
the punctuality and the always kind treatment made us happy about „our
guiding team". This was definitely an enrichment of our tour.
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After
knowing the Indian prices we feel a certain overpay. Anyway we would
recommend to include „the little remainders" (water, entry fees, a chai
at lunch, or even an excluded dinner like in Mt. Abu) into a total flat rate
to increase the "feeling covered effect" as we could appreciate at
Indrashan already. The extra amount of money for that may anyway not worth
being mentioned with the background of > 2000 EUR journey price per person
(excl. flights).
Just
an idea: The smooth „Homestay Tourism label could be probably well accompanied by a „Fair
treatment" label in terms of employees payment (i.e. „All our contract
partners pay their employees above average"). So just some situations
(i.e. camel ride, cotton manufacture) suggested that idea.
Zum letzten Punkt: Die Idee des sog. "Fair
Trade" ist in den letzten Jahren bei Kaffee, Tee und anderen Waren aus
den Schwellen- und Entwicklungsländern immer erfolgreicher geworden. Es ist
ein gutes Gefühl, für ein wenig mehr Geld die Gewissheit zu haben, dass die
Erzeuger in den Ursprungsländern fair bezahlt werden.
Bei Kerala Discovery ist das von Beginn an so. Das steht
in unseren Prinzipien für Sanften Tourismus (Kapitel "Sanfter
Tourismus"). Mit der Anregung von Ute & Lutz sollte man noch
einen Schritt weiter gehen und sicherstellen, dass auch Fahrer, Escort und
Hauspersonal unserer Gastgeber mit einbezogen werden.
Das gleiche "Fair Trade"-Prinzip bedingt aber
auch, dass die KD-Reisekostenanteile sich nicht vorrangig an den indischen
Lebenshaltungskosten orientieren dürfen. Sie müssen mit halbwegs
vergleichbaren Individualreisen wettbewerbsfähig sein. Nur so ergibt sich für
unsere Gastgeber durch Ausschaltung des "Zwischenhandels"
(Reisebüros) und Verzicht auf einen gut gepolsterten Werbeetat ein
ordentlicher Beitrag für die Familienkasse.
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Josef aus Oberhaching ist der erste, der von der eben zuende gegangenen Rajputana Discovery berichtet. Wie so oft ist die Fülle der Eindrücke einer solchen Reise so groß, dass man gar nicht weiß, wo man beginnen soll. So rate ich den Gästen, sich ein Thema der Reise auszuwählen und darüber zu berichten. Josef folgte diesem Rat, und freue mich, dass er die Region Shekhawati auswählte. Die ist in den Gästereports der letzten Jahre oft zu kurz gekommen - sehr zu Unrecht, wie Josef in Wort und Bild beweist
Mein Abstecher zu den Havelis im Shekhawati. Wie ein
Haveli aussieht, glaubte ich zu wissen, nachdem ich in Jaisalmer die
Wunderwerke in Stein gesehen hatte. Dass solche Handelshäuser aber auch ein
ganz anderes Aussehen haben können, lernte ich einige Tage später.
Zu unserem dreiwöchigen Intensivkurs in tausendjähriger
Geschichte, Kultur und Architektur Rajasthans gehörte auch ein Abstecher in
die Shekhawati-Region im Dreieck Jaipur – Bikaner – Delhi gelegen.
Wir quartierten uns mittags in Nawalgarh ein und fuhren
nach einem leckeren Lunch in das Dorf Mandawa, um uns die verfallende Pracht
bemalter Havelis näher anzusehen.
Seinen Namen verdankt das Shekhawati dem früheren
Herrscher namens Rao Shekha, der,dem
Clan der Kachhawah angehörte und im 15. Jahrhundert hier regierte. Shekhawati
heißt übersetzt einfach "Garten des Shekha" und wird von den
Dörflern bis heute landwirtschaftlich genutzt. Da das Gebiet an den großen,
aus dem Nordwesten kommenden Karawanenrouten gelegen war, konzentrierte sich
hier im Shekhawati seit früher Zeit der Handel.
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Hier verlief die alte Seidenstrasse und die Waren aus
Lahore und Peshawar, beides heute in Pakistan gelegen, wurden hier ebenso
umgeschlagen wie zahlreiche Güter auf dem Weg von den Hafenstädten der
Fürstentümer Sind und Gujarat nach Delhi. Denn der Weg durch das Shekhawati
war für die Karawanen zwar ein Umweg, aber trotzdem günstig, weil die
benachbarten Fürstentümer von Bikaner und Jaipur viel höhere Zölle für den
Transit verlangten, um so ihre Staatskassen zu füllen.
Im Shekawati hingegen wurden die Händler schnell reich und
bauten ihre prächtigen Häuser. Die meisten der heute noch erhaltenen Havelis
stammen erst aus dem 18. Jahrhundert, als die Kaufleute begannen, ihren
Reichtum durch künstlerische Ausgestaltung nach außen hin zu dokumentieren.
Dabei stellten sie ihren persönlichen Geschmack ganz unverblümt zur Schau,
genau dies macht den besonderen Reiz der Gestaltung aus. Die ersten Havelis,
die im 18. Jahrhundert noch aus Lehm erbaut wurden, sind heute längst
verfallen.
Ein Haveli war nicht nur einfach ein Wohnhaus für eine
Großfamilie und ihre Bediensteten, sondern es diente auch gleichzeitig als
Warenlager und als Schutz vor Überfällen, ähnlich wie eine Karawanserei. So
findet man immer Mauern mit kleinen Fenstern und Malereien im Außenbereich
und ein großes, gut verschließbares hohes Tor aus Messing oder Holz. Hier
passten auch hoch beladene Kamele durch, die dann im vorderen Hof lagern
konnten. Am Eingangsbereich findet man meist auch den besonders prachtvoll
ausgeschmückten Empfangsraum des Hausherrn namens Baithak, eine gegenüber dem
Hof etwas höher gelegte Terrasse und Säulenhalle, mit einem Seitenflügel des
Hauses überbaut. Hier empfing der Kaufmann seine Gäste und Handelspartner, es
gab rund um den Hof aber auch die Quartiere für Männer und Lagerräume.
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Dieser erste Hof ist meist von mehrstöckigen
Gebäudeflügeln umgeben, dahinter befinden sich dann weitere Höfe, die durch
eher kleine Türen erreichbar sind. Meist sind es drei Höfe, in besonders
prächtigen Häusern auch mal vier. Dort spielt sich das häusliche Leben ab,
die Frauen und Kinder konnten nur durch ein kleines Fenster der
Verbindungswand oder über eine Galerie zwischen den Höfen einen Blick auf das
öffentliche Geschehen im vorderen Hof werfen. Da ging es ihnen nicht besser
als den hochgestellten Damen in den Palästen. In den Obergeschossen wohnt das
Familienoberhaupt mit seiner meist sehr großen Familie.
Etwa ein Jahrhundert lang wuchs und gedieh der Wohlstand
durch Handel. Aus der häufigen Abbildung britischer Offiziere und Truppen an
den Wänden kann man auf ein recht gutes Verhältnis zu den Besatzern
schließen, aber auch Darstellungen der Portugiesen aus Goa sind zu finden.
Die Kaufleute machten keinen Hehl daraus, dass sie Nutznießer der Fremdherrschaft
waren, die militärisch ihre wichtigste Einkommensquelle, die Handelswege,
schützte. Doch als die Briten durch den Ausbau der Häfen Bombay und Calcutta
neue Zentren für den Handel schufen funktionierte das System nicht mehr. Nun
zogen weniger Karawanen durch das Land, doch die cleveren Kaufleute - meist
Jainas - erkannten schnell die sich für sie ergebenden Chancen und
verlagerten ihre Geschäftshäuser in die aufblühenden Handelsmetropolen Mumbai
und Kalkutta. Dort drehen Sie auch heute die großen Räder in der Wirtschaft.
Die Havelis blieben aber in Familienbesitz. Heute werden sie für Hochzeiten
oder Familientreffen noch verwendet, verfallen aber zusehends und sind oft
nur noch von Wächtern und ihren Familien kostenfrei bewohnt.
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Unser Rundgang durch den Ort Mandawa glich einem
Bilderbuch, stimmte uns aber meist auch ein wenig traurig. Denn überall sieht
man den Verfall der einstigen Pracht. An den Außenfassaden verlieren die
Farben durch Sonne und Witterung schnell an Kraft. Dazu kommen Umbauten,
neuer Putz als hässliche Flecken und vor allem zahlreiche Werbe- und
Wahlplakate die völlig sinnfrei über die Gemälde geklebt werden. Den Dörflern
fehlt wohl zum einen das Geld und zum anderen das Interesse am Erhalt.
Zum Glück bekamen wir am nächsten Tag morgens die
Gelegenheit, ein komplett restauriertes Haveli zu besichtigen, nämlich das
Dr. Ramnath A. Podar Haveli Museum. So gewannen wir einen realistischen
Eindruck von der einstmaligen Pracht solcher Häuser.
Ein gewisser Mr. A. Anandilal Podar, Gründer des
gleichnamigen Trusts, baute dieses Haveli 1902 als seine Residenz. Sein Enkel
Kantikumar R. Podar wndelte es um in ein Museum für Kunst und kulturelles
Erbe Rajasthans. Das Haus ist verschwenderisch überzogen mit 750 (!!)
Fresken. Durch die kunstvoll geschnitzte und gegen Elefantenangriffe sichere
Eingangstür gelangt man zunächst in den traditionellen Empfangsbereich für
die Geschäftspartner. Die Räume auf der Galerie sind den Themen Feste und
Festlichkeiten, Edelsteine und Juwelen, Brautkleider, Miniaturmalerei,
Kunsthandwerk, Turbane, Marmorkunst und schließlich noch Gandhi gewidmet, der
die Gründung des Museums befürwortet hat.
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Der Besuch dieses Hauses war nicht zuletzt dank der
kenntnisreichen Gratis-Führung durch den Verwalter namens Sunil Sharma ein
besonderer Leckerbissen der Reise durch „Incredible“ Rajasthan.
Link: DR. RAMNATH A.PODAR
HAVELI MUSEUM in Navalgarh
Der Leiter des Museums - Anandilal Podar, ein Bramahne - machte eine ausgezeichnete Führung.
(Mehr Fotos von Josefs Reise in den INN Nr. 535 vom Freitag,
18.12.2009)
A French guest, staying in a
Rajasthan hotel
called room service for some pepper.
"Black pepper, or white
pepper?" asked the
concierge. - "Toilette pepper!"
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Reiseberichte aus Gujarat sind selten. Weil sich nur selten Touristen dorthin verirren. Das gilt seit 2001 auch für auch für Kerala Discovery. Anscheinend ist es wie bei der Orissa-Reise (Kalinga Discovery) eine Grundvoraussetzung für die Gujarat Discovery, dass die Teilnehmer bereits vorher mit KD in Indien gewesen sind und von der Erlebnisqualität meiner Ideen überzeugt sind. Warum der Indientourismus gerade diese Provinz im Westen so vernachlässigt, ist kaum verständlich.
Mehr als doppelt so groß wie Österreich bietet Gujarat
nämlich etwas von allem, was den Reiz Indiens ausmacht. Es hat die Wüste, die
gastlichen Fürstenhäuser und uralten Tempel Rajasthans, die tropischen
Palmenlandschaften und Strände Keralas und nicht zuletzt die
farbenprächtigsten Stammesgemeinschaften, wie man sie sonst nur in Orissa
findet. Aber Gujarat bietet darüber hinaus auch vieles, was sonst nirgendwo
in Indien gibt. Das wollten Hille, Gisela und Rebecca erforschen -
gleichzeitig aber auch die alten Freunde in Rajasthan wiedersehen. Denn alle
drei waren bereits mindestens einmal mit Kerala Discovery in Indien.
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Natürlich braucht man dafür mehr Zeit. Denn wenn wir schon
Rajasthan wiedersehen, sollten auch ein paar andere Highlights dabei sein,
die wir auf den früheren Reisen nicht gesehen haben. Daher dauerte es über 2
Wochen, bis die drei die Grenze von Gujarat erreichten - und erst am 37.
Reisetag landeten sie wieder in Frankfurt. Lies heute den ausführlichen
Fotobericht von Hille aus Kaarst.
Natürlich kannst Du weiterführende Infos zu den meisten Stationen der Reise im KD-Onlinemagazin (Kapitel Gujarat-Discovery) nachblättern. Deshalb habe ich für die Links in Hilles Bericht auf anderen (teilw. englischen) Seiten im Internet recherchiert.
Hier nun Hilles Bericht:
Hallo lieber Bernd, es ist so viel zu berichten, ich weiß nicht, ob ich je fertig werde...Habe Haus und Hof vernachlässigt, um den Bericht endlich zu Ende zu führen!!!!!!!!
In Delhi angekommen, wurden wir von Chandrakant und seiner Frau Laxmi sehr nett empfangen. Mit Chandrakant verbrachten wir den Tag mit Bücher- und CD-Einkäufen, einer Führung durch einen kleinen Teil des Museums/Garten, wobei er uns liebevoll die einzelnen Bedeutungen der Statuen erläuterte. Er war ein Born an Wissen über die einzelnen Gottheiten und hatte immer eine lustige Geschichte dazu parat. Mittags aßen wir in einem typisch indischem Restaurant unsere geliebten Dosas, ein südindisches Gericht, das wir auf früheren Reisen durch Südindien kennen gelernt hatten.
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Abends fuhren wir dann mit dem Mandore Express nach Jodhpur, das wir am nächsten Morgen gegen neun Uhr erreichten. Und wer stand direkt an unserer Abteiltüre? Chandra! Wir begrüßten uns wieder einmal voller Freude.
Natürlich wurden wir von Bhavna in den nächsten Tagen wiederum mit Köstlichkeiten ihrer Küche verwöhnt. Wir fuhren mit ihr zum Basar, um Gewürze und Stoffe für unsere indischen Anzüge zu kaufen. Mit Engelsgeduld saß sie auch stundenlang dabei, als wir unsere Schals aussuchten und den angebotenen Chai tranken. Wir haben uns auf deine Empfehlung, lieber Bernd, auch das „beste Lassi“ im Shri Mishrilal am Stadttor geleistet.
Zwei Tage machten wir einen Abstecher nach Bikaner und besuchten Prinz Harshvardhan im Bhairon Vilas. Er ist der Cousin von Prinzessin Divya aus Jaisalmer. Das Fort gleich gegenüber seiner Haveli ist sehenswert! Es ist eines der schönsten Forts Indiens. Reich geschmückte Zimmer mit Spiegeln, Gold und bunten Mosaiken. Der Durbar (Empfangshalle) war enorm groß und hoch und einzigartig in seiner Art. Dort fand ich auch einen Vaidya, der mein verstauchtes Knie wieder zurecht massierte.
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Wieder Richtung Jodhpur hielten wir in Deshnoke und besuchten Karni Mata, den Rattentempel. Die Marmorfassade war künstlerisch wunderschön gestaltet. Die Ratten hatten sich hauptsächlich um ihre Freßnäpfe versammelt. Übernachtung in Khimsar Fort, Besichtigung des sehr abseits gelegenen Nagaur Forts mit einer sehr schönen großflächigen Park- und Gartenanlage. Sie war kaum besucht, strahlte es eine herrlich stille Atmosphäre aus. Wir verbrachten den Nachmittag dort, um nur in der Sonne zu sitzen. Ich muss noch bemerken, dass wir in den ersten vier Wochen einer ungewöhnliche Kälte für Indien - Rajastan und Gujarat - ausgesetzt waren. So dass wir jeden Sonnenstrahl genossen.
Zurück in Jodhpur fuhren wir einen Tag nach Chandelao, um noch einmal wunderschöne Erinnerungen an eine vergangene Reise mit Pradyumans Mutter auszutauschen. Ein alter Mann führte uns zu einem Patio, wo gegen zwanzig ältere Männer eine Opiumsession hatten. Sie tranken jeweils Opium aus der Hand eines anderen. Sie lachten und hatten nichts gegen unsere Gegenwart.
Spät am Nachmittag wieder in Jodhpur, holten wir unsere inzwischen genähten Kurtas (Salwar Kameez, indische Anzüge) ab. Als wir im Indrashan ins Patio kamen, um Bhavna unsere Sachen zu zeigen, trafen wir auf neue Gäste. Da stand ein älteres amerikanisches Ehepaar, beide sehr groß und sehr dünn, ausstaffiert im perfekten Safari-Look aus dem Kostümfundus des Films "Tiger von Eschnapur", mit entsprechender Kappe und riesigen Sonnenbrillen - bereit für einen kleinen Spaziergang um den Block.
Wir starrten die beiden fassungslos an, und während ich noch überlegte, wo sie wohl die doppelläufige Flinte gelassen hatten, riss die Amerikanerin bei unserem Anblick ihrerseits die Augen auf. Sie musterte entsetzt unsere indische Kleidung und rief ungläubig: "Oh, you are going native?!?"
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Das wurde unser Schlagwort in den nächsten Wochen. Unfassbar, mit welchem Standesdünkel gewisse Leute durch Indien reisen. Früher nannte man das "Non Fraternisation", und wir dachten, diese Zeiten wären überholt.
Doch nun hieß es, von unseren Freunden Bhavna und Chandra Abschied zu nehmen. Wie immer fiel uns das nicht leicht.
Wir fuhren nach Jojawar, eine sehr schöne Anlage, schöne Zimmer. Haben eine Jeepsafari durch Dorf und Land unternommen. Besichtigten einige Dörfer der Schäfer, einen kleinen Tempel und fuhren weiter durch die Savanne. Habe mir auch zweimal eine wunderbare Vollkörperölmassage im Rawla Jojawar geleistet!
Weiter ging es dann nach Pali in die Dhakri Rawla. Thakur Ghanshyam Singh und seine Frau Jhugno waren sehr zuvorkommende Gastgeber. Sie kochte sehr gut und Mr. Singh fuhr uns zwei Tage lang unermüdlich in seinem Jeep durch Dörfer, zu verschiedenen kleinen alten Tempel, einer alten Step Well und einem riesigen alten Wasserrad. Die Fahrten waren für uns etwas abenteuerlich, da Mr. Singh seine Hände fast nie am Steuerrad hatte und die liebenswürdige Eigenschaft besaß, sich immer mit dem Kopf nach hinten gewandt, zu unterhalten. Aber, dank Shiva, sind wir immer heil angekommen!
Heute fuhren wir mit Mr. Singh zum Fort Sojat. Es wird wieder restauriert und ist zur Zeit eine große Baustelle. Dort unterhielt sich Mr. Singh sehr freundschaftlich mit all seinen Bauarbeitern. Man hofft, dass mit der Zeit einige Touristen kommen.
Besonders interessant war als nächstes eine Hennafabrik. Die Arbeiter sind teilweise vermummt, um sich vor dem gelben Staub zu schützen. Sie sahen aus wie Marsmenschen, wie sie unbeweglich da standen und uns beobachteten.
Nach ein paar Tagen ging es über Mount Abu - Besichtigung der einmaligen Dilwara Tempel - weiter nach Vijaynagar. Dhakri und Vijaynagar hatten nicht auf unserem Reiseplan gestanden. Chandra hatte kurzfristig umdisponiert, da das vorgesehene Harji Fort nicht verfügbar war. Wir konnte aber in Vijaynagar weiter dem Homestay treu bleiben. Und wir haben es nicht bereut.
(Viele weitere Fotos, die hier keinen Platz fanden, findest Du in den InderNettNews 449)
Es ist lange her, seit Ingrid aus Überlingen bei uns in Kerala zu Gast war. Und fast ebenso lange hat es gedauert, bis sie auch unsere Rajputana Discovery verwirklichen konnte. Mitte Oktober 2007 war es dann soweit, und Ingrid, ihr Bruder Reinhold und seine Frau Maria nahmen sich diesmal richtig Zeit für Indien.
Fast vier Wochen für unsere Fürstentour durch Rajasthan, und gleich im Anschluss nach Kerala zu einer ausgiebigen Ayurvedakur - so war der Plan. Erst am 9. Dezember waren die drei wieder zurück. Das Resümee bekam ich nun im Januar: Ein kurzer, aber positiver Bericht und zwei prallvolle CDs mit Indienfotos!
Lieber
Bernd, vorab Danke für die Vorbereitung der Reiseroute. Hat bis auf
wenige Details unseren Vorstellungen (lt. Deinen Ankündigungen im Web oder
Prospekten) entsprochen bzw. oft übertroffen . Bei allen
Gastfamilien wurden wir überaus freundlich aufgenommen, sie waren bemüht uns
den Aufenthalt so angenehm als nur möglich zu machen, und hatten uns mit
bestem indischen essen verwöhnt.
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Dazu
kamen die vielen interessanten Gespräche über die Geschichte Indiens, ihre Vorfahren, die Unabhängigkeit, Kasten,
Medizin, Wirtschaft, neue Chancen für das Land ...... etc.
Wir
waren hervorragend untergebracht: Der Bogen spannte sich von Palast und
Havelis bis zum modernsten Gästehaus Die Zimmer sehr geschmackvoll
eingerichtet, geräumig genug und es gab überall WC-Dusche, Warm- u.
Kaltwasser, häufig nach westlichem Standard.
Ein
großes Lob müssen wir unserem Fahrer aussprechen: Grandios, wie ruhig,
gelassen und sicher er uns die 20 Tage zu den Sehenswürdigkeiten fuhr -
einfach zu bewundern!!! Auch unser Guide war sehr bemüht, diverse Extras zu
den Sehenswürdigkeiten zu erzählen, oder wenn notwendig einen lokalen Führer
zu organisieren. Manches war auch für ihn Neuland, und er hat sich
dementsprechend (war dazu noch eine Woche sehr verkühlt) gut geschlagen.
Übrigens
ist Gabriele, die sich unserer Tour anschloss, eine sehr nette Frau. Für uns
war sie eine Bereicherung und wir hatten gemeinsam viel Freude und nette
Stunden. Oft haben wir darüber gesprochen, wie froh wir sind, dass wir nicht
mit Bussen diverser Reiseunternehmungen unterwegs sind, nicht einsteigen und
weiterfahren müssen, wo wir doch noch so gerne hier bleiben möchten, in
Mittagszeit und Hitze fahren, statt auszuruhen ....etc.
Ja,
nicht Quantität sondern Qualität zählt!! Und die haben wir reichlich
genossen, "Dank Deiner Hilfe". Auch preislich sind wir
unter diesem Aspekt sehr günstig unterwegs gewesen.
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Ja, die Gabriele haben wir ja schon in der Ausgabe 433 anhand ihrer Fotos
kennen gelernt. Sie hatte sich für die ersten 24 Tage der Rajputana Discovery
angeschlossen und musste heim fliegen, als Ingrid, Maria und Reinhold nach
Kerala weiter zogen.
Euch allen Danke ich herzlich für Eure Beiträge und Bilder! Bildtexte und Fotobearbeitung stammen von mir - die Bilder sind © Reinhold - mit ihnen nutze ich die Gelegenheit, Euch einmal etwas ausführlicher an unserer Rajputana Discovery teilhaben zu lassen. Die Bilder finden sich in den InderNettNews 436 und den folgenden Ausgaben.
Reisebericht unserer Schweizer Gäste aus Bern. Zur Rajputana Discovery 'angestiftet' wurde Stefan von seiner Schwester Rebecca, die in den INN schon viele Fotos von ihrer Tharwüsten-Tour mit Töchterchen Anina veröffentlicht hat. Und auch Stefan und seine Eva waren begeistert von Rajasthan.
Seit Tagen oder eigentlich Wochen sind wir von
unserer Reise durch Rajasthan zurückgekehrt. Nicht so unsere Seelen, Sie sind
noch unterwegs.
Vorerst: Es war eine wunderbar intensive,
erlebnisreiche und farbenfrohe Reise.
Die Kontakte zu unseren Gastgeberfamilien Chandra
und Bhavna in Jodhpur - die Kochkunst von Bhavna ist einzigartig und
unvergesslich – und Jaideeps jointfamily in Jaipur waren geprägt von
Aufmerksamkeit und Herzlichkeit. Bei Ihnen fühlten wir uns sehr gut
aufgehoben. Es ergaben sich interessante, wertvolle Gespräche, die unser Bild
von Rajasthan noch ergänzten und vervollständigten.
Unsere Reise führte uns von Delhi nach Jodhpur,
Udaipur, Pushkar, Jaipur und wieder zurück nach Delhi. Unser Interesse galt
der städtischen Kultur, in erster Linie der Architektur.
Wir sahen zauberhafte Paläste von nie vorher
gesehener Schönheit, ( Citypalace, Udaipur und Taj Mahal – einfach
begeisternd -) wunderbar mystische Tempel, ( Ranakpur, Nagda ) aber auch
fantastische Landschaften. Zu all diesen Bildern gehören aber immer die
Menschen mit ihren sympathischen, offenen Gesichtern in bunten, schön
umhüllenden Kleidern und Turbanen, goldenem Schmuck und sehr speziellen
Schuhen.
Diese Bilder haben sich verinnerlicht und begleiten
uns täglich.
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Zu den Schönheiten Rajasthans zählen auch die
Handwerkskünste. Wir haben etliche Souvenirs mit nach Hause gebracht. Nebst
Silberschmuck und Papiermaché auch bunte Stoffe. Sie sind die nötigen
Farbtupfer in unserer nicht nur fürs Auge kälterer Umgebung.
Nebst all dieser Faszination haben uns verschiedene
Themen wie Armut, Analphabetismus, grosse soziale Unterschiede und
Umweltverschmutzung sehr aufgewühlt.
In diesem Zusammenhang möchten wir allen
Indienreisenden den Film „Water“ von Deepa Mehta empfehlen. In wunderschönen
Bildern erzählt sie eine sehr bewegende indische Geschichte.
Mai 2006 Stefan und Eva
Vielen Dank an Euch beide! Besonders natürlich für die vielen schönen Fotos von Eurer Reise - sie beherrschen die INN 347 fast vollständig. Mit Recht! Wer alle Bilder sehen möchte, möge die InderNettNews 347 anschauen…
Rajasthan im April 2006 - Geraldine ("Jelly") und Peter, Esther und Bruno aus Kempen - das waren die vier KD-Gäste, die sich im April auf eine heiße Wüstentour nach Rajasthan wagten.
Ein Glücksgriff für unsere Gastgeberfamilien, denn ihnen
begegneten vier besonders nette Europäer. Ein Glücksgriff aber auch für die
InderNettNews, denn in Peter haben wir wieder einmal einen Menschen gefunden,
der sehr gern und gut schreibt. Und nicht nur das: Er ist auch Fotograf, und
seine Rajasthan-Galerie enthält so schöne Stimmungsimpressionen, wie ich sie
in dieser Menge lange nicht gesehen habe. Für einen Foto-Aperitif zum Thema
Indien hat er soeben eine neue Webseite ins Leben gerufen. Da könnt Ihr schon
mal schnuppern: photo.roskothen.de
Besonders interessant an Peters Geschichten sind die Sichtweisen
eines Menschen, der Indien eigentlich gar nicht auf der Liste seiner
Traumziele hatte. In seinen Reportagen kann man miterleben, wie dieses eher
zufällige Urlaubsziel mit seinen Reizen seinen Besucher in kürzester Zeit für
sich zu gewinnen weiß.
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Schön auch, daß Peter über seine Rajasthaneindrücke
dreimal so viel schreibt wie andere, die dreimal so lange dort waren. Für das
gesamte Reisetagebuch habe ich in den INN nicht genug Platz und beschränke
mich daher auf das Vorwort, die ersten 3 tage und einige Nachgedanken. Wer
Appetit auf mehr bekommt, kann den ganzen Bericht hier auf Peters
Webseite lesen. Dort finden sich auch seine kompletten
Bildergalerien. Und die sind im Zusammenhang weitaus schöner als die wenigen
Bilder, die er mir für die INN zur Verfügung gestellt hat.
Im April haben wir uns nach Indien getraut. Der Besuch des
Landes hatte mehrere Hintergründe. Zunächst hatten unsere Aikido-Lehrer,
Esther-Senseis und Bruno-Sensei, gefragt ob wir auch an einer Indienreise
interessiert wären. Meine Frau Geraldine hatte als Engländerin immer schon
einen engeren Bezug zu dem Land und wollte gerne mit. Ich war zögerlich, da
ich ziemlich wenig über Indien wußte und keinerlei Erwartungen an das Land
hatte. Im Laufe der Wartezeit wurde immer klarer, dass es “interessant”
werden würde. Wir buchten British Airways getreu dem Motto “Fly British - Die
British” und Senseis schlugen vor Bernd Symons mit der Reiseplanung zu
beauftragen. Es sollte nach Rajasthan gehen, einem Land nord-westlich in
Indien. Meine persönlichen Erwartungen habe ich völlig im neutralen Bereich
gehalten. Alles wovor ich Respekt hatte, waren die hygienischen Bedingungen, die
jedoch - ich will es vorausschicken - perfekt waren. Und ach ja: die Kobras
wollte ich auch unbedingt verpassen.
Die Grundidee nach Indien zu fahren hatte keine
touristischen Gründe. Wir wollten mit dem Reiseauftrag an Bernd Symons
(Kerala-Discovery.de) keinesfalls in fünf Sterne Hotels untergebracht werden,
sondern direkt bei indischen Familien. Es ging uns nicht darum in
geschlossenen Hotelanlagen von den Indern abgeschottet zu sein, sondern die
Menschen und ihre Kultur kennen zu lernen. Das hat funktioniert - Bernd
Symons sei Dank. Was man in zehn Tagen sehen, hören, fühlen, riechen, tasten
und lernen kann, haben wir in vollen Zügen absolviert. Heraus kommt ein
Bericht über Indien, den ich den nächsten Tagen niederschreiben möchte. Jeden
Tag ein bißchen mehr und begleitet von Fotos unserer Erlebnisse.
Unser erster Tag in Indien, nachdem wir am Vortag nachmittags von Düsseldorf über London nach Delhi geflogen sind. Am frühen Morgen um etwa sechs Uhr kommen wir in Indien an und geraten unmittelbar aus der klimatisierten Luft in eine Wand aus Hitze und (zumindest an diesem ersten Tag) auch Schwüle. Nach der Immigration mit ähnlicher nerviger Prozedur wie in den USA, tauschen wir Euro in Rupien, da unsere europäischen Banken diese Währung nicht zu schätzen wissen. Das ist ein dickes Bündel was man für wenig Euro bekommt und erinnert an die frühere italienische Lira.
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Unseren Reiseführer für Delhi finden wir erst im zweiten Anlauf durch viele links und rechts hochgehaltene Schilder. Der wiederum führt uns zum Auto wo wir unsere Koffer deponieren, um gleich darauf noch einmal über den halben Flughafen zu laufen. Wir wollen unseren Rückflug bestätigen lassen, was wir aber bei British Airways gar nicht brauchen.
Die Eindrücke sind wirklich solche. Menschen überall, vor
allem auch schlafend auf dem Boden. Viele Gerüche und verschiedene Gedanken
blitzen wild auf und werden vorübergehend und mangels Lösungen auch sofort
wieder verdrängt. Man verspricht sich selber später wieder daran anzuknüpfen.
Deshalb wohl fällt man nach der Reise in ein großes tiefes Loch.
Wir fahren in unserem Klitzekleinbus mit Klimaanlage und
Einschußloch in der Windschutzscheibe zu einer Zwischenunterkunft und können
uns duschen und unter richtig vernünftigen Bedingungen auf die Toilette. Ich
hatte es mir bei weitem schlimmer vorgestellt. Das ist weitaus besser als die
Toilette im Flieger. Übrigens war eine davon durch zwei Italiener
instandbesetzt. Die beiden hatten sich alles was ging reingedröhnt und wir
hofften inständig, dass man sie bei der Immigration überging und nach Hause
schickte.
Geraldine hatte vorsichtshalber alles mit was feucht ist
und den Popo und die Hände desinfizieren kann. Es war nicht nötig, aber ein
besseres Gefühl. Nach kurzer Akklimatisation bekommen wir ein hervorragendes Frühstück
von super freundlichen Indern vorgesetzt. Das Frühstück ist sicher ein
bißchen englisch mit Bananen, Orangenmarmelade und Toast, Müsli und
Cornflakes. Der erste indische Masala-Chai (Gewürz-Tee) wird uns serviert und
wir sind begeistert. Später auf der Reise kaufen wir die Zutaten, aber zu
Hause schmeckt alles mitgebrachte Essen und Trinken gewöhnlich und nicht mehr
wie in der warmen Reiseumgebung.
Wir werden kreuz und quer durch Delhi von einem Monument zum Nächsten geführt. Auch sehr nett, aber wir sind tatsächlich nicht diese Art Touristen, die für Bautenbesichtigung hergekommen sind. Bernd Symons*, Du hättest das wissen können, wenn Du unsere Schreiben studiert hättest. Die Einführung ist aber lieb gemeint und wir trauen uns nicht zu widersprechen, denn unser Mann ist super lieb und kümmert sich vorbildlich.
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Es reicht dann hinterher aber auch wirklich. Die Fahrt
durch Delhi ist atemberaubend. Nicht furchteinflössend, sondern einfach sehr
dicht und eng und langsam und laut. Man sieht Hunde und Kühe auf der Straße
stehen, TucTucs (Rikschas), Autos, Fahrräder, Motorräder, Fußgänger, Kamele
und vieles mehr durcheinander und trotzdem im Einklang auf der falschen
Straßenseite. Die Zeit nutzen wir für Schnappschüsse durch die Fensterscheibe
unseres Büsschens. Ich werde diese Art zu fotografieren sicher nicht
kultivieren, aber sie ist authentische für die Eindrücke und Fülle von
Hinguckern.
Beim Lunch die erste Kobra aus dem Korb. Ich gucke weg und
überwinde mich vorbei zu gehen. Das Essen im Restaurant ist wunderbar.
Tandoori und Brot, eine tolle Kombination. Wir achten beim Getränkekauf auf
die Siegel an der Flasche und trinken zum ersten Mal das stille Wasser,
welches wir nach zehn Tagen Indien nicht mehr sehen wollen. Vielleicht auch
weil es einfach nach drei bis vier Litern am Tag nicht mehr so lecker ist.
Wir schwitzen aber alles brav wieder aus, ohne es richtig wahrzunehmen.
Um etwa fünf Uhr nachmittags setzten uns unser Mann und der Fahrer am Bahnsteig ab. Der Fahrer freut sich über eine kleine finanzielle Zuwendung. Er hat uns klasse gefahren! Ich frage mich immer noch woher das Einschlußloch kommt. So schlimm fährt der nicht!
Der Zug ist mit acht Betten pro offenem Abteil eine kleine Freude nach dem anstrengenden Tag. Wir schlafen zusammen mit einem älteren Inder im Abteil. Der Mann freute sich auf seine Pritsche unten im Abteil nicht ganz zu unrecht. Zwar ist der Zug bei Außentemperaturen von etwa 40 Grad Celsius mit ca. 25 Grad angenehm klimatisiert, aber oben unter der Decke ist es eng und man stößt sich beim Aufstehen ständig die Birne. Nach vielen Stunden Fahrt haben wir in der Nacht eine kurze Schreckminute, weil wir verstanden haben, wir wären angekommen. Der Mann der reinkam um Getränken zu verkaufen, hatte mit einem schwer zu verstehenden indischen Englisch aber “Jaipur” gesagt und nicht unser Ziel “Jodhpur” gemeint. Wir legen uns bis zum frühen Morgen wieder hin. Richtiges Schlafen geht nur in kleinen Perioden und so sind wir am nächsten Tag sehr froh als wir wohlbehalten in Jodhpur ankommen.
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*Anmerkung
von Bernd: Zu dem sanften Vorwurf "Du hättest das wissen
können…" könnte ich anmerken, daß Delhi eigentlich kein Teil der
Rajputana Discovery ist. Hier kommt man je nach Flugverbindung früher oder
später an, hat manchmal nur Zeit, sich frisch zu machen - in anderen Fällen
wie hier fast den ganzen Tag. Was wir mit der Anschlußwartezeit zum Nachtzug
nach Jodhpur machen, ist eigentlich unsere Entscheidung - dumm nur, daß die
Inder oft zu wissen glauben, was wir wollen, und einfach losfahren.
Doch das ist nicht
der Punkt - es ist vielmehr die Psychologie der Rajputana Discovery, die
Peter gleich in den ersten Stunden auf indischem Boden infrage stellte. Denn
im weiteren Bericht merken wir, daß die Vier aus Kempen noch eine Menge
Baudenkmäler besucht haben. Das habe sie auch dann sehr genossen. Es ist
nämlich ein Unterschied, ob man von einem "Touristen-Fahrer" (Delhi)
herumkutschiert wird, oder mit unseren Gastgebern Zeitzeugen ihrer eigenen
glorreichen Vergangenheit besucht. Insofern habe ich mich über den Denkanstoß
zum Thema Delhi gefreut: Wir müssen gerade in de ersten Stunden einer solchen
Reise ein passenderes Entree bieten. Und Chandra weiß das auch jetzt.
Bei unserer Ankunft auf dem Bahnhof in Jodhpur wird uns wieder klar, dass wir eine andere Hautfarbe haben. So fühlt sich das also an, wenn man anders ist in einem Land. Man wird in Indien noch sehr freundlich bemustert. Allerdings vergessen auch diese Menschen oft den Mund wieder zuzuklappen.
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Chandra holt uns persönlich am Bahnhof ab. Ein Träger schleppt die schweren Koffer für umgerechnet einen Euro - hier ist es viel Geld, was keiner zahlt, es sei denn er ist in einer anderen Bruttosozialproduktklasse unterwegs. Wir sind erleichtert als wir unsere Gastgeber Bhavna & Chandra näher kennen lernen und feststellen, dass sie besonders Nette sind. Ebenso die ältere Mutti Lady Ba, die ganz schön schlau und wach ist, die Angestellten und Köchin. Wir schreiben uns ins Verzeichnis und genießen die Ruhe und die unaufdringliche Art im freien Innenhof zu plauschen.
Gleich wird uns angeboten, auch mal in der Küche vorbeizusehen. Wie man an den vielen Fotos sieht, haben wir das reichlich genutzt. Jetzt lernen wir, wie der Masala Chai zubereitet wird: kochendes Wasser mit Tee, die Gewürze hinein, kochen lassen und zum Schluß die hier nicht pasteurisierte Milch auch noch mal mitköcheln lassen, fertig.
Zu Essen gibt es unter anderem die grünen “Ladyfinger”, in Deutschland Okra genannt. Zum Lunch/Mittagessen essen wir vegetarisch. Dabei könnte es unserer aller Meinung nach auch bleiben bei diesem wunderbaren Geschmack und der Vielfalt. Abends allerdings serviert man uns auch Fleisch in ganz herrlicher indischer Weise. Mal ist es Lamm, dann Leber von der Ziege (super lecker), mal Hähnchen. Immer etwas scharf und nachwürzen kann jeder nach belieben. Es stehen immer drei bis vier verschiedene Speisen zur Auswahl und man kann wirklich leicht nachvollziehen, dass wir zwei Teller voll aßen.
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Der Mond übrigens ist wie in Afrika ganz anders als in
Deutschland. Von Indien aus sieht man den Hasen!
Fazit: wir haben uns von der Reise erholt, haben eine
tolle Gastfamilie und ebenso gute Zimmer wie Essen erwischt. Und die Menschen
hier sind einem ganz nahe, selbst wenn einige kein Wort mit einem reden,
merkt man ganz genau, wie es warm wird ums Herz, wenn man hinfühlt.
Heute reisen wir von Jodhpur nach Chandelao in die Wüste.
Dabei sind wir in einem ziemlich kleinen Jeep untergebracht, in dem wir die
Köpfe flach halten müssen, um nicht mit dem nächsten Hupfer am Gestänge zu
enden. Die Tour lohnt sich, denn wir kommen bei einem Töpfer vorbei, von dem
man in Deutschland auf Grund der Arbeits-Verhältnisse wohl annehmen würde,
dass es nichts werden kann. Es kann aber sehr wohl. Der Mann dreht die
schwere Scheibe mit einem Ast und gibt Schwung, der sich wohl etwa acht
Minuten hält. Es reicht für drei Töpfe und die dreht der Mann so präzise,
dass Topf und Deckel keinen Millimeter überstehen. Auch hat er den nötigen
Witz für lustige Dinge die man nach der Vorführung ergattern kann und will.
Zweite Station ist eine Art Drogerie mitten in der Wüste.
Es läßt sich am Zubehör unschwer erkennen, dass es ernst wird und mit dieser
Art Medikament läßt sich der Magen bei Durchfall gut reparieren. Die Familie
ist sehr gastfreundlich uns zeigt und die komplette Wohnung, die nach unseren
Maßstäben spartanisch anmutet, jedoch alles bietet und sehr sauber ist. Bei
dem Staub und Sand in der indischen Wüste Rajasthans wundert man sich über
die saubere Kleidung und vor allem den sauberen Sari, den die Gastgeberin
trägt. Das Leben ist sicher minimalistisch, aber nicht unkultiviert und das
Lachen der Hausherrin zeigt dass die Menschen hier sehr wohl glücklich sein
können. Was uns in Europa nicht hindern darf zu helfen.
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Nächste Station ist ein Teppichhändler, der alle Frauen
der Umgegend engagiert zu haben scheint, um selber gut leben zu können. Drei
kleinere Solaranlagen und ein Telefon mitten in der Wüste muten völlig
paradox an, sind aber hier zu beobachten. Ich habe keine Fotos gemacht, da es
in der ganzen Verkaufsform an einen westlichen Laden erinnerte und mich neben
meinem Desinteresse auch von der Weltlichkeit des Inhabers nicht ansprach.
Aber das eigentliche Ziel ist Chandelao und damit ein kleines Dorf mit etwa
1.700 Einwohnern. Wir steigen bei Pradyuman Singh ab, einem sehr netten Mann,
der mit dem Wiederaufbau seines Forts auch das Dorf unterstützt und eine
wichtige Funktion als Arbeitgeber hat.
Am Mittag treffen wir Kinder, die auch zu Besuch in dem
Fort sind und machen ein bißchen Aikido mit Ihnen. Ein kleines Seminar sozusagen.
Rollen vorwärts, rückwärts, unten auf dem Boden und im Stehen. Die Kinder
machen alle mit und haben offenbar großen Spaß. Mir ist bei 40 Grad nach
kurzer Zeit sehr warm und es öffnen sich die Poren. Sprich ich schwitze alles
Wasser sofort wieder aus. Geraldine und Esther-Sensei vertreten mich ein
bißchen. Ich mache weiter und als die Kinder nachmittags gehen, spendieren
sie uns allen Blumen zum Dank. Eine sehr liebe Geste und schon haben wir ganz
viel kommuniziert ohne viele Worte zu reden.
Dieses Dorf ist näher dran als alles was wir bislang gesehen haben. Größere Städte wie Delhi, Jodhpur und andere, haben den Charakter von Geld und starken Kontrasten von Farben und Finanzen. Hier jedoch sind die meisten Bewohner sehr offen und aufgeschlossen uns gegenüber, lächeln uns an und machen den Eindruck, sich über unseren Besuch zu freuen.
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Wir gehen ins Dorf, treffen viele Kinder und auch teils deren Eltern, werden eingeladen in ein Haus wo uns der Hausherr Wasser anbietet, was wir mit Rücksicht auf unsere europäischen Gedärme dankend ablehnen. Geraldine und Esther-Sensei bekommen die Fingernägel lackiert. Das Mädchen möchte uns unbedingt etwas mit auf den Weg geben. Wir treffen Menschen vor dem Dorf in der Wüste und bekommen Bohnen zum Probieren, gehen zum Brunnen, wo einige junge Frauen das Wasser holen. Es ist eine sehr herzliche Tour mit vielen netten Gesten und Kindern die nicht genug fotografiert werden können. Farben, Kontraste, Eindrücke und viel menschliches. Wir sind einigermaßen erschöpft von all den Impressionen und lieben Begegnungen.
Nach ein paar Schnappschüssen vom Fort Chandelao Garh
machen wir eine Kameltour durch die Wüste. Gut eingeschmiert und mit Hütchen
habe ich die Kamera wegen des Staubes nicht mitgenommen. Zur Mittagszeit
sitzen wir an einer Trinkstelle für Menschen und Tiere, die uns wie eine Oase
vorkommt. Unsere Kamele legen sich hin und wir sitzen auf einer Decke und
machen Picknick. Ganz schön dekadent finden wir.
Der Höhepunkt des Tages ist aber nicht dieser Ausflug, sondern der Kochkurs bei Sajjan, der Dame des Hauses. Sie hat eine ganz besondere Ausstrahlung (ich nenne das auch gerne Aura) und wir lernen bei ihr nicht nur kochen sondern auch etwas über das Leben, doch dazu später. Sajjan hat dicke graue Haare, die ab und zu unter dem Sari hervorblitzen. Ihre Augen und Ausstrahlung sind überaus warmherzig und das äußert sich auch in ihren Worten.
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Sie kocht heute abend für uns draußen im Garten auf einem
Öfchen ein indisches Gericht mit Bohnen und anderem lokalen Gemüse.
Interessant wie zuerst der Knoblauch in Stücken ins heiße Öl kommt und braun
wird. Bei mir schmeckt der dann immer sehr bitter, aber vielleicht ist es
deshalb anders, weil ich den Knoblauch immer in Stückchen schneide und hier
von Sajjan ganze Zehen reingeworfen werden. Später folgt dann noch die
Knoblauch-Ingwer-Paste. Allerdings schmeckt man den Knoblauch bei diesem
Essen nicht wirklich raus. Das liegt sicher an den anderen Gewürzen wie
Garam-Masala und Kurkuma etc., die dem Essen einen einzigartigen wunderbaren
Geschmack verleihen. Wir reden mit Sajjan über das Essen, die Kultur und
merken schnell die Weisheit dieser alten, junggebliebenen Dame. Wir gehen in
die Küche, um den Koch und andere bei der Zubereitung des Abendessens zu
treffen. Wieder einmal wird das leckere Brot Chapati gebacken und wir sitzen
abends auf der Terasse, schauen in die Sterne, sehen den Hasen im Mond und
denken viel über Indien nach. Ein wunderbares Land voller Kontraste, was
wirklich sehr starke Emotionen loslöst, wie Geraldine es richtig ausdrückt.
Es ist ein besonderer Abend als sich auch Sajjan zu uns an den Tisch setzt und mit uns ißt. Wir sitzen ganz lange zusammen und reden ein bißchen, auch als wieder mal der Strom ausfällt und wir Kerzen auf dem Tisch haben. Dann sind da diese Pausen, die mir wie mehrere Minuten vorkommen, in denen wir gar nicht reden. Sajjan guckt uns alle einzeln der Reihe nach an und ich bekomme ein sehr warmes Gefühl im Herzen. Sie weiß alles über uns, in ganz kurzer Zeit, ohne uns gefragt zu haben. So viel ist sicher. Es ist schwer zu beschreiben was sich da an diesem Abend tut. Jedenfalls viel Kommunikation ohne Worte. Man muß es auch Liebe nennen. Und eine ganz besondere Erfahrung.
Anmerkung von Bernd: Wie es weiter ging auf der Reise,
kannst Du in Peters Blog lesen. Schon wegen der tollen Fotos lohnt der Besuch
bei Log.Roskothen.de
- Für die INN beschließen wir zunächst Peters Reisetagebuch mit ein paar
Gedanken, die Indienreisenden unweigerlich nach der Rückkehr durch den Kopf
gehen.
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Als Fotokünstler fällt mir nach unserer Reise noch was zum
Thema Indien ein: In Deutschland ist jeder sofort um seine
Persönlichkeitsrechte bemüht, wenn man ihn zufällig fotografiert. In Indien
ist das ein Grund in die Kamera zu lächeln und sich zu freuen. Es fällt mir
schwer zu verstehen, warum das so ist; warum die Deutschen gleich Panik
bekommen wenn sie ein Fotograf auf Zelluloid bannt. Liegt es daran, dass so
viele Menschen fremd gehen und nicht mit der Freundin am Arm auffallen
möchten? Oder hat es damit zu tun, dass jeder glaubt er hätte ein Recht und
müsse es nutzen, obwohl er es nicht in Anspruch nehmen muss und ohne es
wirklich zu kennen?
Zurückkommen aus Indien heißt auch ganz schön durcheinander zu sein. Es fällt mir nicht einfach, die Bedeutung von Haushalt und Job zu finden, nach den wichtigen Impressionen aus Indien. Alles scheint recht unwichtig im Vergleich zu den massiven Eindrücken von Schere zwischen finanzieller Armut und Reichtum, offenen Herzen, Freude von Menschen an uns als Besuchern und anderen sehr verwirrend uneuropäischen starken Emotionen. Das Sprechen über und Verstehen der anderen Kultur Indiens gehen einher mit dem dringenden Wunsch, den finanziell Ärmeren Hilfe zur Selbsthilfe geben zu können. Ein gutes Projekt mit eigener Hilfe oder Zuwendung zu unterstützen wie “Fairtrade” z.B.. Ich bin durch den Wind, in Gedanken immer wieder auf der Suche nach mehr Sinn als nur Geld verdienen und vor sich hin leben, essen, konsumieren, arbeiten und vergessen. Es war ein ordentlicher Schub in die Richtung über sich und den Sinn des Lebens nachzudenken. Ein sehr erhoffter und erwünschter Kick in den Allerwertesten.
So lieben es die Wiederholungstäter, wenn sie erneut nach Indien aufbrechen: Sie wollen lieb gewonnene Freunde wieder treffen - aber auch zu neuen Ufern aufbrechen. Bei den beiden Freundinnen Hille aus Kaarst und Gisela aus Dormagen waren das in erster Linie die Ufer des Ganges. Lest den "Krankheitsbericht" von Hille, die auch nach ihrer siebten Indienreise erkennen muß: Der "virus indicus" ist nicht heilbar!
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Im ganzen waren es vier ehemalige KD-Gäste, die ich erneut zu Bhavna & Chandra in die Wüste schicken durfte. Da aber eigentlich jeder für eine neuerliche Indienreise ganz individuelle Interessen anmeldet, gebührt der logistischen Leistung Chandras hier besonderes Lob. Unter seiner Regie machten Christine, Ursula, Hille und Gisela den ersten Teil der Tour gemeinsam. Erst nach der Zeltteilung auf der Pushkar Mela kam es dann zur Zellteilung: Die Vier teilten sich in zwei Zellen: Ursula und Christine gingen in den warmen Niederungen auf die Pirsch, während Hille und Gisela die Winterjacken auspackten und dem Ruf des heiligen Ganges folgten.
Hilles Bericht lag eine CD mit 137 Bildern von dieser Novemberreise 2005 bei. Aus dieser Fotoauswahl stammt die Garnierung dieser Reiseberichterstattung, die ich mit Bildunterschriften und einigen Überschriften zur Gliederung ergänzt habe. Der "O-Ton Hille" ist zu Ehren der Autorin wie üblich fett-kursiv hervorgehoben. Den Reiseverlauf können Interessenten online unter "Reise R53" nachschlagen.
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Die Vielfalt der Namen mag Euch verwirrend vorkommen, aber wichtig dabei ist lediglich, daß Bhavna & Chandra als Organisatoren unserer Nordindientouren wahrhaftig fast überall verwandt, verschwägert oder zumindest gut befreundet sind. Das ist unseren KD-Prinzipien wichtig, denn so kommen wir auch an neuen Wunschzielen privat bei netten Familien unter und brauchen nicht ins Hotel.
Bei unserer Ankunft in Jodhpur erwartet uns Chandra am Bahnhof und wir fahren zur Indrashan Residenz. Es ist ein herzliches Wiedersehen mit Bhavna und Lady Ba. Zu unserer Überraschung ist Margaret aus England auch wieder zu Besuch. Vor zwei Jahren hatten wir sie dort kennen gelernt. Wir haben drei wunderschöne Tage vor uns. Wir gehen verschiedentlich mit Bhavna Stoffe einkaufen und lassen uns Punjabi Suits machen oder bummeln durch die blaue Stadt und kaufen im alten Bazar jede Menge Gewürze. Und mittags und zum Abend gibt es immer köstliche Mahlzeiten im Indrashan.
Eines Nachmittags nimmt uns Lady Ba mit zu einem Dorf, wo wir den Hochzeitsvorbereitungen einer Braut beiwohnen dürfen. Am letzten Abend, Christine und Ursula sind inzwischen auch angekommen, lädt Chandra uns zum Abendessen ins ROCK ein, einem sehr schönen Gartenrestaurant. Nun heißt es wieder Abschied nehmen.
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Da Christine so ausführlich die Eindrücke der ersten zwei Wochen geschildert hat, werde ich ab Agra, wo sich unsere Wege trennten - Christine und Ursula zurück nach Rajasthan und Hille und Gisela Richtung Norden - weiter berichten.
Nur möchte ich noch erwähnen, dass ich im Gurdwara von Gwalior einen alten Sikh wieder traf, den ich vor sieben Jahren dort kennen gelernt hatte. Er lud uns zum Tee und zum Essen ein. Auch bot er uns an, beim nächsten Besuch kostenlos im Gurdwara zu wohnen und zu essen so lange es uns gefallen würde.
Wir fuhren mit dem Zug von Agra nach Dehradun. Zug fahren in Indien ist sehr komfortabel. Man wird mit Wasser, Tee und warmem Essen bei Laune gehalten. Als Gäste im Simur House von Maharaja Udai und seiner Frau Razika verbrachten wir wunderschöne Tage in Dehradun. Ein stilvolles Anwesen in einem herrlichen Garten. Beeindruckend ein großes Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad und Loggia zum Garten für jeden von uns. Auch wundervoll, endlich mal fünf Nächte im selben Bett! Im Empfangsraum hängt ein riesiges Tigerfell an der Wand. Mit verschmitztem Lächeln verweist Udai auf seinen Großvater als „Missetäter“.
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Jeden Tag sind wir unterwegs zu den verschiedenen Städten und Sehenswürdigkeiten. Abends vor dem Essen sitzen wir dann alle gemütlich beisammen, hören Musik, haben unseren Drink und jeder erzählt von sich, seinen Abenteuern und Familie. Wir haben oft alle so herrlich gelacht über Begebenheiten, auch unsere Gastgeber haben sich köstlich amüsiert. Anschließend wird immer ein mehrgängiges Abendessen serviert. Und stell dir vor, als Gisela sich nicht wohl fühlt, kommt Udai mit seiner Medizinbox herbeigeeilt - und siehe da, ich staune: Er hat alle zwölf Schüsseler Salze vorrätig. Udai und Razika erzählen auch einiges aus ihrem Leben. An einem Abend, Razika hat uns diese „Privataudienz“ ermöglicht, fahren wir alle zusammen zum Ashram eines Gurus und lernen „Babajee“, einen wunderbaren Menschen kennen.
Unsere liebenswürdigen Gastgeber haben zwei alte Hunde - Missie und Chips. Chips hat die typische „Liebenswürdigkeit“ alter Herren angenommen und knurrt Udai bei jeder Gelegenheit an. Dieser Chips sitzt abends sehr oft vor seiner Schlafzimmertüre, und sobald Udai erscheint, zieht er grimmig seine Lefzen, knurrt und bellt das Haus zusammen. Um diesen Lärm zu vermeiden, „schleicht“ sich Udai durch seinen Garten von hinten durch sein Arbeitszimmer ins Schlafzimmer. Da fragt man sich, wer wirklich der Herr im Hause ist!!
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Wir verbringen einen hochinteressanten Tag in Haridwar. Nach Besichtigung verschiedener Tempel - zum Chandra Devi Tempel mußten wir mit einer Seilbahn hoch auf den Berggipfel - Giselas bleich gewordenes Gesicht hatte schon fast einen Schimmer von grün - warten wir auf den Sonnenuntergang, um der heiligen Handlung des abendlichen Lichtopfers der Priester des Shivatempels beizuwohnen. Diese Handlung beginnt bei Sonnenuntergang mit Gesängen und Schwenken riesiger Feuerflammen. Zwischenzeitlich gehen wir zum Ufer des Ganges, sehen den Waschungen der Gläubigen zu, und Jaideep vollzieht eine Puja mit einem Priester, so dass wir auch dies kennen lernen.
Nachts auf dem Heimweg nach Dehradun sind mit uns Hunderte von Hochzeitsgesellschaften in ihren Autos auf den schmalen Straßen unterwegs. Bernd du weißt, was das heißt! Auf dieser zweispurigen Straße sind mindestens vier Autos nebeneinander unterwegs oder beim Überholen kommen uns zwei bis drei mit riesigem Hupkonzert gleichzeitig entgegen. Da kann man nur noch die Augen schließen und hoffen!
Rishikesh hat außer den Sehenswürdigkeiten ein Restaurant namens „Chotiwalla“. Die Mähr besagt, dass der erste Eigentümer sich immer den Kopf bis auf einen Haarbüschel rasierte und man ihn „Chotiwalla“ und sein Restaurant dann ebenfalls nur so nannte. Zum Amüsement aller sitzt heute immer noch ein als Chotiwalla verkleideter Mann vor der Türe und bittet die Gäste, einzutreten. (s. Foto).
In Moussorie angekommen wandern wir an vielen Buden vorbei zum Kempti Wasserfall. Dort lassen sich die Jungvermählten gerne auf einem kleinen Felsen, der mitten im Wasserbecken liegt, fotografieren. Nicht selten endet solch ein Hüpfer auf den Felsen mit einem Platsch ins Wasser! Das wird von den Zuschauern mit großem Gelächter belohnt. In Moussorie kann man wohl die besten Rudraksh Mala und auch Sphetic (Kristallperlen) Ketten kaufen.
Leider müssen wir nun von unseren wunderbaren Gastgebern Abschied nehmen und unsere abenteuerliche Fahrt geht über enge Serpentinen hoch in die Berge hinauf nach Shimla. Wir brauchen einen ganzen Tag dazu. Gisela hat wieder mit der Höhe zu kämpfen. Das Hotel ist sehr gut, aber bei 5° des Nachts ohne Heizung ist das Duschen auf eisigem Marmorboden ein Abenteuer.
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In Shimla hätte ein Tag genügt, dafür hätten wir gerne im ersten Teil unserer Reise in Gwalior (siehe Christines Bericht) noch einen weiteren Tag zur Verfügung gehabt. Aber eine spontane Einladung zum Tee von Jaideeps Tante hoch auf dem Berg war eine schöne Erfahrung. Wir lernen eine sehr interessante und liebenswürdige Dame kennen. Sie und ihr Bruder leben zusammen in einem wunderschönen Haus mit einem herrlichen Rosengarten. Natürlich wurde wieder viel erzählt, auch von Familienfesten, wo sich dann hier locker zwanzig oder mehr Gäste einquartierten.
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Die Aussicht von den Höhen rund um Shimla ist fantastisch. Wir steigen auf dem höchsten Punkt, 2800 m hoch, hinauf zum Zakhu Tempel. Die Herren in und um diesen Hanuman Tempel herum sind natürlich die Affen. Diese rotgesichtigen kleinen Teufel sind sehr angriffslustig, springen uns an, um Brillen oder Kameras wegzureißen. Blitzschnell verstecken wir alles unter unsere schnell zugeknüpften Jacken. Einer springt mich von hinten an und will mir in die Hosentasche greifen. Dadurch findet die Besichtigung ein relativ schnelles Ende!
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Abends kommt Gisela auf die tolle Idee, uns bei der Kälte Rum, Zucker, Zitrone und heißes Wasser zu bestellen und mischen uns damit alle drei einen steifen Grog. Die Kellner im Restaurant schauen etwas ratlos zu. Na ja, diese komischen Ausländer!
Nach zwei Tagen Shimla fahren wir hinunter nach Chandigarh. Dort verbringen wir ein paar schöne Tage in einem wiederum wunderschönen Haus. Roopa, die Hausherrin ist Bhavnas Cousine. Auch hier wieder die Ahnengalerie gespickt von Maharajas und Maharanis. Die Schwester von Roopa ist mit dem Rana von Nepal verheiratet. Sie haben einen riesigen Dalmatiner, der auf den Namen „Spike“ hört - aber auch nur, wenn er will! Die Haustiere in den indischen Familien werden alle sehr geliebt und verwöhnt. Die Gespräche abends mit Roopa, einer modernen jungen Frau, sind auch wieder bereichernd und lustig. Einen Tag werden wir zu den Schwiegereltern Roopas und Jaideeps auf ihr Fort zum Mittagessen eingeladen. Ein toller alter Bau mit einem wunderschönen kleinen privaten Shivatempel mit Spiegeldecke.
Interessant in Chandigarth ist auch der „ROCK GARDEN“. Aus Glas, Porzellanabfällen, alten Steckdosen etc. wurden die phantastischsten Figuren und Szenen erstellt und farbig bemalt...
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Unsere letzte Station ist Jallandhar im Punjab. Wir werden von der Hausherrin Asha und ihren Dienern herzlich begrüßt. Wiederum ein toller Feudalsitz. Beide haben wir große Zimmer mit Bad. Aber Asha hat wohl das Kopfkissen und die Decken aus einer Kiste mit vielen Mottenkugeln genommen und ohne zu lüften auf die Betten legen lassen. Bei jedem Atemzug: Mottenkugel. In der ersten Nacht bin ich fast erstickt und hätte am liebsten die Nacht in der Halle verbracht. Asha war sehr liebenswürdig, aber hatte auch ein „einnehmendes“ Wesen. Sie hatte unsere Tage schon total für uns und natürlich mit ihr zusammen so verplant wie sie es sich dachte, ohne uns mit einzubeziehen. Auch eine neue Erfahrung.
Ein Tag Amritsar, ein ganz wunderbares Erlebnis. Würde ich gerne noch einmal wiederholen. Die Atmosphäre in diesem riesigen Tempelkomplex mit kostenloser Garküche für jeden ist einmalig.
Am nächsten Tag hatte Asha die Erlaubnis zur Besichtigung einer Fabrik bekommen, die alles fürs Kricketspiel herstellt. Leider habe ich keine Ahnung von diesem Spiel. Es ist das Lieblingsspiel der Inder. Aber zuzusehen, in welch penibler Handarbeit Schläger, Bälle und ganzen Ausrüstungen bearbeitet werden, ist schon beeindruckend.
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Des Abends sind unsere Gastgeber zu einem Hochzeitsempfang eingeladen. Sie nehmen Gisela und mich mit. Der Empfang findet in einem angemieteten Garten statt. An die dreihundert oder mehr Gäste erscheinen und die Damen sind alle in wunderschönen Saris und mit ihrem herrlichen Schmuck bekleidet. Wir wandeln überall an Garküchen und Kuchen- und Getränkeständen vorbei, wo wir uns beliebig bedienen können. Bei Punjabi Musik werden von den Tänzern typische Volkstänze vorgeführt und später tanzen auch die Gäste - männlich und weiblich - mit. Habe auch einfach mitgetanzt. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht.
Am nächsten Morgen um 6 h fahren wir dann mit dem Zug nach Delhi, und von dort fliegen wir wieder nach Düsseldorf.
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Bernd, dies war einer der schönsten all meiner Indienreisen. Wir lebten immer mit den Familien und Jaideep war mit allen irgendwie verwandt. Er machte es oft möglich, dass wir Zugang zu Dingen und Menschen fanden, die wir auf einer normalen Reise nie hätten erleben können. Besonders schön war es, Menschen wie Bhavna, Chandra, Giri und den alten Sikh wiederzusehen. Auf solch einer Reise hinterlässt man immer Freunde und hofft, sie alle und auch die neuen Freunde, zum Beispiel Udai und Razika, wiederzusehen. Ich nehme immer mit Wehmut Abschied von diesem Land und seinen liebenswürdigen Menschen.
Nebenbei, es war meine siebte Indienreise! Schwersterkrankung am Virus Indicus, sozusagen unheilbar!!
Weitere Fotos
von dieser Reise im Rahmen der Erstveröffentlichung in den INN 332
Dieser Titel soll nicht an die gleichnamige Flucht aus dem Iran erinnern, aber er trifft es trotzdem sehr gut. Auf ihrer Rajputana Discovery im November war für Rebecca ihre Tochter Anina Hauptperson. Nicht zuletzt ihretwegen hat die geborene Schweizerin mit Wahlheimat Spanien vornehmlich das ländliche Indien gesucht. Rebecca war nicht zum ersten Mal im Land der Maharajas, und sie wußte, daß Gandhi recht hatte: Die Seele Indiens findet man in seinen Dörfern. Deshalb hat Rebecca sich und ihre Tochter auch frühzeitig angemeldet, um mit dem KD-Recht der Erstanmeldung den Reiseplan anpassen zu können. Und dies geschah zu Gunsten der Landaufenthalte. Lest heute, was Rebecca für Euch zu berichten weiß.
Lieber Bernd
ich möchte in meinem
„Rückblick“ v.a. auf meine absoluten Highlights eingehen – nämlich: das
Land-und Dorfleben. Zuerst möchte ich sagen: “Es war so wie ich es mir
gewünscht habe!“
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Chandelao hat mir enorm
gut gefallen. Bei unserer Ankunft dort haben die Kinder sofort Anina entdeckt
und die Annäherungsversuche blieben auf beiden Seiten nicht aus. Nachdem wir
uns in den schönen und ansprechenden Zimmern eingerichtet hatten ging Anina
dann raus vor das Tor und war natürlich sofort umringt. Nach einer
Viertelstunde kam sie rein und sagte: „Mama, ich bin bei den Mädchen schräg
gegenüber.“ Nach einiger Zeit ging ich um die Situation zu „prüfen“. Da
hockten sie dann alle vereint am Boden, lachten, staunten und versuchten
Anina ein Spiel mit Steinen beizubringen. Die Knöpfe sprachen alle kein
englisch aber es funktionierte bestens. So ging das mit den Dorfkindern und
Anina all die Tage. Schon am morgen früh hörten wir die ersten unter unserem
Fenster wie sie „Aniiiiiiiiiiiiiiiiiina“ riefen. Es gab dann auch prompt
etwas Knatsch unter den Knirpsen weil sie sich nicht einig waren zu wem denn
Anina heute gehen soll. Sie haben sie mitgenommen zum See um Wasser zu holen,
sie haben ihr gezeigt wie man Chapatis zubereitet und am Abend die
Wasserbüffel melkt.
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Nach zwei Tagen bemerkte
ich, dass Anina immer ein kleines Mädchen auf der Hüfte mit sich herumtrug.
Auf meine Nachfrage meinte Anina: „das ist Dimpal und sie will einfach immer
getragen werden“.
Monshu hat Anina ein
wunderschönes Mendi auf die Hand gemalt und alle girls waren sich einig – die
Jungs nerven, man will unter sich sein!
Ich selber habe jeden Tag meinen Dorfspaziergang gemacht, aber nur einmal ohne jemanden mitzunehmen als Begleitung. Am Schluss konnte ich mich kaum mehr fortbewegen vor lauter Kinder. Da gerade Diwali gefeiert wurde hatten sie auch alle schulfrei. Mit einem angestellten Pradhumans war´s wesentlich angenehmer.
Häufig wurde ich
reingebeten. Meist wurde dann Chai serviert und ich habe meiner Bewunderung
über die vielen Ziegen und Wasserbüffel die in den Innenhöfen standen
kundgetan, was dann die indische Farmersbrust stolz anschwellen liess. Alle
waren freundlich, offen und fröhlich. Obwohl wenig da war hatte man das
Gefühl, dass die Menschen hier geschützt und aufgehoben in einem sozialen,
dörflichen Netz zufrieden sind.
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Zu Diwali, dem indischen
Neujahrsfest, gab der Fürst, Pradhuman, eine Art Audienz. Da strömten sie
herbei, die „beturbanten“ Männer und hockten sich rund um den Fürsten um zu
diskutieren. Zerfurchte und gegerbte Gesichter konnte man da sehen, ältere
und jüngere, mit goldenen Ohrringen die wunderbar zu der dunklen Haut
passten. Und dann die Schuhe erst…… einfach schön! Etwas schüchtern, bei
soviel männlicher Übermacht, habe ich Pradhuman gefragt ob ich ein Foto
machen könne. Ich durfte, und habe dann auch dem Fotografierten auf dem Display sein Bild gezeigt. Er war
begeistert und tat das auch kund. Alle wollten sein Bild sehen. Einer nach
dem anderen fragten mich dann ob ich sie auch fotografieren würde. Natürlich
tat ich das noch so gerne und alle hatten wir unseren Spass. Und so kam ich
zu einer kleinen Sammlung wunderschöner Männerbilder.
Ein tolles Erlebnis war
auch der Auflug mit dem Kamelkarren. An einer grossen Wasserstelle machten
wir halt. Es wurden unter einem grossen, schattenspendenden Baum Decken
ausgebreitet. Wir bekamen ein Picknick serviert vom Feinsten. Nix da mit
Sandwiches und Co! Reis, Dal, verschiedene Gemüse und Nan – perfekt! Urs und
Tina wurden sogar mit einem kühlen Bier verwöhnt.
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Die Kulisse war genial.
Eine Baumgruppe weiter lagerten Hirten mit ihren Schafen und Ziegen im
Schatten. Kinder schauten uns belustigt beim Essen zu. Drei junge Frauen,
Wasserkrüge unter ihren Armen, kamen um das kühle, kostbare Nass in ihre
Gefässe zu füllen und diese dann, wunderbar balancierend, auf ihren Köpfen
nach Hause zu tragen. Mit den farbigen Saris waren sie in der kargen Lanschaft
Farbtupfen wie sie schöner nicht sein könnten.
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Pradhuman gönnte sich
ein Nickerchen und Urs fackelte nicht lange und tat es ihm gleich.
Einige Wasserbüffel
genossen ein kühles Bad während kleine, weiss-braune Vögel auf ihnen
rumhüpften um sie von Ungeziefer zu befreien. Ich entdeckte eine
Wasserschildkröte die auftauchte um sich zu sonnen. Friedlich war es hier –
wunderbar.
In Pershawar war die
Landschaft grüner. Überall wurde Gemüse angepflanzt.Da fand man von Karotten,
Auberginen, Blumenkohl, Paprika, Chilly über Futterpflanzen für die Tiere
alles. Nur der Dorfteich sei so schmutzig, dass nicht mal mehr die
Wasserbüffel darin baden wollen, sagte man uns. Irgendwie werden solche Dinge
einfach als Tatsache, an der sich nichts ändern lässt, hingenommen - schade!
Die Verschmutzung mit Plastikabfällen überall am Wegrand tut einem in der
Seele weh.
Aber auch da wieder
wunderbar freundliche, offene Menschen die sich riesig freuen wenn man ihnen,
nachdem man gefragt hat natürlich, das soeben gemachte Foto auf dem Display
zeigt. Sich fotografieren lassen ist übrigens eine sehr ernste Angelegenheit.
Militärisch wirft „Mann“ sowie “ Frau„ sich in Pose. Angemessen ernsthaft
fällt dann auch der Gesichtsausdruck aus – wie herrlich!!
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Was mir auch gut gefallen hat war Jaisalmer. Obwohl natürlich mittlerweile mit vielen Touristen, empfand ich es nicht als so enorm laut und hektisch wie Jodhpur oder Udaipur. Die alten oder zum Teil auch schon neu renovierten Havelis sind eine Augenweide. Das immer noch bewohnte Fort mit seinen engen Gassen und kleinen Läden war für uns wie ein Abenteuerspielplatz. Es gab so viel zu entdecken!
Anina war von Dyvia und
ihrem Bruder Shakti begeistert. Immer wieder fragte sie Dyvia ob sie wirklich
eine echte Prinzessin sei.
Da ich den indischen
Silberschmuck sehr gerne mag, fragte ich Dyvia wo ich wohl etwas spezielle
Stücke finden würde. Kurzentschlossen fuhr sie mit mir in einer Motorriksha
zu einem Haus irgendwo in der Stadt. Treppe hoch in den ersten Stock und
schon brachte man riesige Gefässe gefüllt mit Silberschmuck und leerte sie
vor uns auf dem Teppich aus. Da wurde die Wahl wirklich zur Qual.
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Am Schluss, als ich einige Sachen ausgesucht hatte, fragte ich Dyvia leise (ab