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Gastgeber und
Unterkünfte in Rajasthan
Wer, Wie & Wo - unsere
Stützpunkte in Rajasthan In den Foothills der Aravallis BHARATPUR: Chandra
Mahal Haveli
Diese Rubrik wurde am 12. Oktober 2010 aktualisiert Wer, Wie & Wo
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Gadi
Sagar (o.) - künstlicher See als
Wasserspeicher vor den Toren Jaisalmers. Divya & Vikram (l.) haben Sinn
für Nostalgie und sich entsprechend ablichten lassen: Dieses Foto von 1999
paßt perfekt in die vergilbten Alben ihrer Vorfahren. Sie haben sie mit
Liebe zum Detail restauriert: Die Nachana-Haveli (u.l.) Fotos: Sven (Rangsdorf)
und Marion (Ravensburg) |
Prinzessin Divya
und die Prinzen Vikram und Shakti haben mit ihren
Schulfreunden jede
Menge Schutt aus der unbewohnten Haveli herausgekarrt,
Farbpinsel geschwungen und liebevoll die Möbel und Accessoires aus der guten
alten Zeit restauriert und aufpoliert. Wir gehörten zu den ersten Gästen, die
in den Gewölben der Haveli beherbergt und bewirtet wurden. Und wir alle haben
uns in das nostalgische Flair verliebt - atmete es doch genau die historische
Atmosphäre, die für die alte Wüstenstadt Jaisalmer typisch ist.
Kaum ein Reisender kann sich den Tagträumen entziehen, die von den
wehrhaften Mauern der Festung des Prinzen Jaisal herabschweben. Zusammen mit
den exotischen Düften lassen sie ganze Filme vor Deinem inneren Auge
ablaufen. Da nähern sich die endlosen Kamelkarawanen aus den frühen Jahren
dieses Jahrtausends. Beladen sind sie mit Gewürzen, wertvollen Stoffen und
den Schätzen der Fürsten, die in wilden Kriegszügen erbeutet worden waren,
geleitet von schwerbewaffneten Reitern im blitzenden Harnisch. Hier in
Jaisalmer bekommen die müden Reisenden Obdach und Nahrung, und sie sind
bereit, das Wertvollste in dieser flirrenden Wüste Thar mit Gold und
Edelsteinen aufzuwiegen: Wasser.
Mit zunehmenden Touristenzahlen und damit steigendem Angebot an
Unterkünften, Kamelsafaris, Restaurants und Handicraft-Shops gab es in den
letzten Jahren jede Menge häßlicher Plakate (“Cleen Rooms - 1 minit walk”) in
grellen Farben und freizügigem Englisch.
Doch ändert immer noch nichts daran, daß jeder Besucher in Jaisalmer
das Gefühl hat, die Zeit sei vor 500 Jahren stehen geblieben.
In der Nachana Haveli sind wir 10 spannende
Fußminuten von der Festung entfernt, klettern durch die unvergleichlich
filigran geschnitzten Erker der prächtigen Havelis (Kaufmannspaläste),
lauschen den schwermütigen Liedern der Straßenmusikanten (Giselas Kommentar
zu den traurigen Gesängen: “Hoffentlich ist der morgen wieder gesund!”),
machen mit Vikram‘s offenem Jeep Kurzausflüge zu den Grabmalen der Könige (Chhattris),
oder Halbtages-Ausflüge über die Dörfer zu Wüstentempeln der Jains bis zu den
Kamellagern am Wegesrand. Je nach Widerstandskraft Deines Sitzfleischs
unternehmen wir 1-4stündige Kamelritte hinaus in die Sanddünen, um den
Sonnenuntergang in der Wüste Thar zu genießen.
Derweil bereitet Divya‘s Mutter in den Küchengewölben der Nachana
Haveli unser Dinner. Wenn wir heimkommen, speisen wir im Innenhof, wo Vikram
ein loderndes Holzfeuer pflegt. Meist gibt es traditionelle Musik dazu, denn
Divya lädt regelmäßig vorbeiziehende Musikantenfamilien zu einem Ständchen
ein.
Finde Dich damit ab: Ob 3 Tage oder 2 Wochen - der Aufenthalt in
Jaisalmer wird Dir immer zu kurz vorkommen.
(Bernd Symons, KD-2003) Es ist eine karge Landschaft, die an
Maharaj Chandrashekhar Singhs Auto vorbeiflitzt. Stacheliges Buschwerk
versucht sich gegen die Dürre zu behaupten. Gelegentlich ein Kamelfuhrwerk,
ab und zu eine Gruppe von Dörflerinnen mit vollen Wasserkrügen auf dem
Heimweg ins Nirgendwo. Wo mögen sie ihr Dorf haben, und wie weit haben sie es
täglich zum Brunnen? Es müssen viele Kilometer sein, denn als wir vorbei
sind, sehe ich lange Zeit kein Zeichen menschlicher Ansiedlung in ihrer
Marschrichtung. Wie schaffen die dieses grazile Schweben mit mindestens 20 kg
auf dem Kopf? Und das über Strecken, die mir europäischem Wasserhahnaufdreher
völlig unvorstellbar sind?
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Der Wagen hat neben dem
Maharaj noch mehr elitäre Passagiere - ich bin der einzige Bürgerliche, der
in Jodhpur zugestiegen ist. Dabei ist Thakur Pradyuman of Chandelao, und
Ex-Commander "Chou" Chouhan ist ebenfalls mitgekommen. Unsere
Rajputana-Gäste kennen die beiden Noblen aus dem Jodhpur-Adel, denn sie
eskortieren uns gern und oft auf unseren Reisen.
Daher hat Chandra sie auch für diesen Ausflug eingeladen. Wir wollen im 150 Kilometer entfernten Jojawar eine hochgestellte Fürstenfamilie besuchen, und Pradyuman & Chou wissen, was die Kerala Discovery Gäste suchen. Aus sprachlichen wie auch gesellschaftlichen Gründen können sie besser beurteilen, ob sich unsere Gäste dort wohlfühlen werden. Zumindest besser als ich kasten- und titelloser Deutscher.
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Ich bin ganz glücklich damit.
Ich kann mich beim höfischen Zeremoniell etwas im Hintergrund halten und die
Gelegenheit nutzen, ein paar Aufnahmen zu machen.
Als die Wasserträgerinnen aus
dem Blickfeld verschwinden, wende ich mich an Chouhan: "Die Jojawars
gehören doch zur Chouhan-Dynastie - bedeutet das, daß Ihr vom gleichen Clan
seid?" - "Richtig. Wir Chouhans sind die Nachkommen des großen Feldherrn
Prithviraj Chouhan, der viele der frühen persischen Invasoren
zurückgeschlagen hat.", Chou's befehlsgewohnte Stentorstimme hatte keine
Mühe mit dem Fahrgeräusch: "Sieben Mal war er siegreich - aber beim
achten Mal unterlag er. Der persische Eroberer konnte sich keinen Fehler
erlauben und tötete ihn."
Bei der Air-Force hat der
Commander früher gedient und Hubschrauber geflogen. Das hört man nicht nur an
der Stimme, die mühelos auch Helikopter-Rotoren übertönt. Auch seine Werte
sind immer noch ziemlich militärisch geprägt. Im Stillen hoffe ich, daß die
Kanonen des Herrschers von Jojawar auch wirklich nach oben gerichtet sind,
falls es zu Salutschüssen kommen sollte.
Langsam wird die Landschaft
abwechslungsreicher. Gerade noch hatte ich meinen indischen Freunden zu
übersetzen versucht, was man bei uns scherzhaft über mein Rheinland sagt:
"Man sieht Mittwochs schon, wer Samstags zu Besuch kommt." Wenn man
von der niederrheinischen Tiefebene nämlich sämtliche grünen Felder und Wälder
abzieht und dafür die Temperatur um 20° erhöht, dann hat man vielleicht die
gleiche Szenerie, durch die wir nun 2 Stunden gefahren sind.
Klingt negativ? Nicht so
gemeint. Immerhin hat die unversperrte Weitsicht auch ihre Vorteile. Immer
wieder sieht man nämlich Wild. Mit Rebhuhnfamilien, Fasanen und Pfauen begann
es, und ich habe mich dann langsam zu Wüstenfüchsen, Mungos und
Nilgai-Antilopen hochgearbeitet. Von freilaufenden, herrlich bunten
Wasserträgerinnen ganz zu schweigen. Geduldig hat Chandra jedesmal kurz
angehalten, weil ich mir die freie Wildbahn mit dem Camcorder wackelfrei
heranzoomen wollte. Selbst wenn es für eine gute Aufnahme nicht reicht, ist
dieses Gerät für Naturbeobachtungen besser als der stärkste Feldstecher.
Aber jetzt wird es langsam
hügelig. Die Vegetation wird üppiger. Es sind die Vorboten des
erdgeschichtlich ältesten Gebirgszuges der Welt: Die Aravalli-Berge nähern
sich. Erste sandige Geröllhaufen mit kargem Grün und diesem
charakteristischen Rautenmuster. Das sind die Pfade der Ziegen, die mit ihren
Hirten hier weite Strecken wandern, um genügend Nahrung zu finden. Alt sind
sie, die Aravallis - nicht hoch. Aber die 1200 Meter, die sie unweit von hier
in Mt. Abu erreichen, garantieren schon ein kühles Klima für die
Sommerpaläste der Rajputenfürsten.
Aus den 150 Kilometern, die
ein kundiger Driver von Jodhpur aus nach Jojawar fahren muß, werden ein paar
mehr. Wir haben nämlich keinen Fahrer, und Chandra am Steuer läßt sich von
den Rabari-Hirten der vorbeiziehenden Kamelherden eine "Abkürzung"
aufschwatzen. Sehr schnell landen wir auf unbefestigten Kamelpfaden und ich
mutmaße mal, daß die Rabari die Geländegängigkeit unseres Kleinwagens
deutlich überschätzt haben. Geblendet von den Staubschwaden, die wir auf den
Sandpfaden aufwirbeln, zieht Chandra seine dunkelste Sonnenbrille an und
fährt fortan nach Gehör. Der Staub hat mehr PS als wir - kaum hinter uns in
die Mittagsluft geschleudert, überholt er uns auch schon und macht uns blind.
Wandernde Saris und Turbanträger tauchen vor dem Wagen aus den Schwaden auf,
und alle bestätigen uns, daß wir in sämtlichen Himmelsrichtungen richtig
sind.
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Dann plötzlich ein Dorf. Enge
Gassen, in denen Rinder und Ziegen mit einem altersschwachen Trecker um Vorfahrt
rangeln, Handkarren, kläffende Hunde, gaffende Menschen: Jojawar! Im
Schrittempo arbeiten wir uns durch das Gewühl, und ich bedaure, daß wir zum
Lunch schon überfällig sind - in solchen Dörfern gehe ich am liebsten
spazieren.
Ein Schwenk nach links führt
aus der dörflichen Szenerie in eine andere Welt. Wir rollen durch ein
prächtiges Tor in den Vorhof des alten Garnisons-Forts in eine noble Oase der
Ruhe. Nichts mehr ist zu hören vom lauten Spektakel in den Kleinstadtgassen.
Chandra parkt den Wagen
vorschriftsmäßig in der prallen Mittagssonne. Recht hat er, denn im Schatten
auf der anderen Seite würde niemand bemerken, daß Pappu den Wagen in Jodhpur
für unseren Ausflug frisch gewaschen hat. Zumal die dicke Staubschicht der
Kamelpfade den Glanz schon arg gefiltert hat.
Ehrlich, ich bitte die Inder
seit 2 Jahrzehnten um Schattenparkplätze - aber das scheint einer dieser
verrückten Europäerwünsche zu sein, die ein echter Inder nie verstehen wird.
Er tut es zwar, wenn Du darum bittest - beim nächsten Mal aber brät das
Vehikel wieder in der prallen Sonne.
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Als wir uns einer nach dem
anderen aus dem Auto schälen, wird am zweiten Tor des Forts sogleich die
Prügelstrafe vollzogen. Die Delinquenten: Zwei alte Trommeln, auf die
vermutlich schon bei Feindberührung im Mittelalter genauso rücksichtslos und
unrhythmisch eingeschlagen wurde. Vermutlich das Signal für die Verteidiger
hinter einem weiteren schweren Tor, die Kanonen in Stellung zu bringen.
Also bleiben wir im Vorhof
erst einmal abwartend stehen, bis ein Parlamentär aus dem Schatten des
Torbogens auf uns zuschreitet und zum Zeichen der Friedfertigkeit die
Handflächen auf der Brust zusammenlegt: Namasthé!
Der gegenwärtige Rao (so sein
Fürstentitel) Kesri Singhji schickt seinen Prinzen Amitvikram zur Begrüßung,
und die erfolgt mit allen königlichen Ehren.
Amitvikram verbeugt sich vor
Chandra, und weil dieser der älteste unserer Delegation ist, versucht er
auch, Chandras Füße mit den Fingerspitzen zu berühren. Dazu kommt es aber bei
Chandra nie - immer fängt er die Hand auf halbem Wege mit beiden Händen ab
und richtet den Jüngeren wieder auf. Es ist das immer wieder gleiche Ritual,
das mich an die Zeiten bei uns erinnert, als wir noch wohlerzogen waren. Da
deuteten die Anwesenden auch an, aufstehen zu wollen, wenn ein Älterer den
Raum betrat, und dieser sagte dann generös "Bitte, behalten Sie doch
Platz!".
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Als zweite Angriffswelle des Royal
Welcome Rituals kommt die Dienerschaft. Ein Talglicht mit Blütendekoration
auf einem Tablett, das rote Pulver aus den Fruchtkapseln des Orleansbaumes,
mit dem jeder von uns reihum einen dicken Tupfer auf die Stirn bekommt. Und
trotz lebendiger militärischer Tradition ist dies kein Symbol für einen
blutenden Kopfschuß - sieht aber genauso aus.
Es ist der Segen der Götter,
die der Gastgeber dem Gast zuteil werden läßt und dokumentiert, daß er mit
Hilfe aller himmlischen Heerscharen für die Sicherheit und das Wohlbefinden
des Gastes einsteht. Und das notfalls unter Einsatz des eigenen Lebens. Ein
beruhigendes Gefühl, das ich in der Fremde zu schätzen weiß.
Nachdem ein weiterer Diener
uns Blütenblätter über den Kopf gestreut hat, bittet der Prinz uns durch das
zweite Tor in den Innenhof des Forts, das die Rajputen hier "Rawla"
nennen.
Dort lernen wir auch den Rao
kennen. Rao Kesri Singhji ist ein ruhiger, zurückhaltender Mann um die 60,
der jüngst seine Söhne "heim ins Reich" gerufen hat, um sich aufs
Altenteil zurückzuziehen. Wir nehmen in den Art decó Sesselchen der
Empfangsarkade Platz, und der alte Herrscher fragt in gepflegtem Englisch, ob
wir Tee mögen.
Ich nicke dankbar - immerhin
liegt meine letzte Chaipause bereits über eine Stunde zurück. Chandra erklärt
dem Diener sogleich, daß der Sahib den landesüblichen Masala Chai bevorzugt.
Damit bewahrt er mich vor der westlichen Vergewaltigung des Teerituals, bei dem Tee, Milch und Zucker
getrennt aufgefahren werden. Dieser Konzession an den westlichen Lebensstil
versuche ich immer zu entgehen, denn selbst gemischt schmeckt einfach nicht
so gut wie gemeinsam aufgekochter Milchtee mit Zucker und Gewürzen.
Während der Tee zubereitet
wird, gibt es nach Wüstentradition zunächst eine Runde Wasser. Der Diener
öffnet mir zu Ehren eine originalversiegelte Flasche Mineralwasser, und wir
alle trinken gemeinsam ein Glas. In einem Zug, wie es sich gehört.
Im Gespräch erfahre ich, daß
beide Söhne des Rao Hotelmanagement studiert haben und Erfahrung in
Nobelhotels in Indien und Großbritannien gesammelt haben. Das kann nicht
schaden, denke ich und finde es gut, daß die Prinzen vor einigen Jahren dem
Ruf des Vaters gefolgt sind, um das damals halbverfallene Fort wieder auf
Vordermann zu bringen. Der Rao hat sich dem Heritage Programm der Rajput
Special Hotels angeschlossen und inzwischen 15 schöne Suiten renoviert - hell
und luftig und im farbenprächtigen Stil der Region antik eingerichtet. Neben
indischen Touristen, die vornehmlich aus dem nahen Gujarat herüberkommen,
haben sich hier auch schon einige Reisende aus Frankreich, Israel und England
wohlgefühlt.
Ebenso wohl wie die Maharajas
und Kolonialoffiziere, die hier vor 150 Jahren regelmäßig zu Gast waren. Die
Ruler zu Jojawar waren weithin bekannt für ihre "sumptuous feasts served
to royalty".
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Den "Old World Charme of
Princely Lifestyle of Yesteryear" hat man in der Rawla Jojawar in jedem Winkel
konserviert - dazu kommen aber auch Bequemlichkeiten der Neuzeit:
Elektrischer Strom, Deckenventilatoren und vor allem komfortable Badezimmer
mit Heißwasserboiler. Nach dem Tee habe ich sie mir angesehen und
festgestellt: Hier läßt sich's leben. Ein paar Fotos kannst Du Dir in der Jojawar-Galerie ansehen.
Umgeben ist das Fort von den
wilden Bergdschungeln des Aravalli-Naturschutzgebiets. Hier regieren Bären,
Leoparden und Hyänen. Viele Kamele werden in der Gegend ums Dorf gezüchtet.
Die Rabari sollen hier etwa 5.000 Kamele halten. Vielleicht sollte man mal
eine Runde mit der alten Schmalspur-Eisenbahn fahren, die hier durch die
Berge schnauft. Weiterhin hält die Fürstenfamilie einige Pferde aus der weltberühmten
Rasse der Marwari, die sie interessierten Gästen für organisierte Horse
Safaris durch eine aufregende Naturlandschaft zur Verfügung stellen.
Bevor wir aber mit dem
Allrad-Mahindrajeep in die benachbarte Wildnis aufbrechen (siehe Fotogalerie),
gibt es natürlich erst einmal einen königlichen Lunch.
Königlich? Na, wenn das mal
nicht untertrieben ist!
Die Rani Sahiba als Regentin
der Jojawar-Küche könnte wahrhaftig unserer Rani Bhavna in Jodhpur Konkurrenz
machen. Über 225 Jahre war das Schlemmen hohe Tradition bei den Nachkommen
der Chouhans, und die Rani ist im Besitz einer Sammlung königlicher Rezepte,
die die Frauen der Herrscher von Generation zu Generation weitergegeben
haben.
Was uns dort im Speisesaal der
Rawla Jojawar aufgefahren wurde, bläst alle guten Vorsätze hinsichtlich der
Figur in den Wind! Und ich will so bald wie möglich ein weiteres Mahl dahin!
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Eine Menge verschiedener
Gemüse fand sich in kupfernen Tiegeln, ein köstliches Dal (diese Linsensuppe,
die Chandra für sein Leben gern ißt). Das sah alles so festlich aus, daß es
mir hochnotpeinlich war, als der Diener meine Flasche Coca-Cola brachte. Was
für ein Banausentum US-amerikanischer Burger-King-Mentalität an einer solch
fürstlichen Tafel! Aber da mußte ich durch. Hätte ich es ahnen sollen, als
man mich vor dem Lunch draußen gefragt hat, was ich gern trinke?
Die Krone der Tafel aber war
das "Be Masale ka Maas" - eine unnachahmlich köstliche
Kreation aus Lamm. Ein so schmackhaftes und zartes Fleisch habe ich noch nie
gegessen, deshalb habe ich die Rani Sahiba Pushpendra nach dem Essen gleich
verhört. Sie fragte nämlich ganz besonders besorgt, ob es alles recht gewesen
sei.
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Und es klang so einfach, was
sie mir da in schlichten Worten verriet. Für uns 4 Personen hat die Rani 1 kg
Lammfleisch aus der Keule gebraucht, 115 Gramm Ghee (geklärte Butter - soweit
reicht's bei mir noch) und 7 mL Kewara-Wasser (Da reicht's schon nicht mehr).
Einfach das Ghee auf kleiner Flamme erhitzen, vom Ofen nehmen und kurz etwas
abkühlen lassen; dann das Lammfleisch mit Joghurt und Salz dazugeben, und das
ganze wiederum auf kleiner Flamme solange köcheln, bis das enthaltene Wasser
komplett verdampft ist. Ist das Fleisch noch nicht zart genug, muß man noch
einmal etwas Wasser zugeben. Das ganze nun kochen lassen, bis das Fleisch ein
helles Goldbraun bekommt. Das kann schon mal 40 Minuten dauern. Anschließend
mit dem Kewara-Wasser übergießen und servieren. Schmecke diese Köstlichkeit,
die einmal nicht in einer Masalamischung gekocht wurde, so daß das ganze
Fleischaroma nicht von der scharfen indischen Gewürzvielfalt überlagert wird!
Göttlich, sage ich Dir! Erst
später wurde mir klar, daß Pushpendra ihre geheimen Familienrezepte unbesorgt
einem Europäer verraten kann: Der kriegt das trotz genauester Beschreibung ja
sowieso nie hin. Zum Beispiel habe ich später Bhavna in Jodhpur gefragt, was
dieses Kewara sei. Sie hat's mir gesagt, und ich verstehe ihr Englisch gut -
aber ich bin trotzdem so schlau wie vorher. Bhavna: "Kewara is some flower whose
essence is extracted and made into Kewara flavoured water, something like
rose water." Aha…
Kommen wir lieber zum Dessert.
Die mich kennen, wissen es: Ich sterbe für die nordindische Küche - aber die
Süßigkeiten - nee! Wenn ich mit Marion unterwegs bin, bekommt sie immer
meinen Nachtisch. Aber hier war Marion nicht dabei, und ich habe dann mal
probiert…
Die Rani nennt es "Lahsun
ki Kheer", und das war gar nicht der pure Zucker wie so oft. Es war
exotisch nussig, und das Rezept noch viel exotischer. Eine solche Kombination
würde sicherlich auch jemand komisch finden, der sonst in der Lage ist, mit
Appetit Rollmöpse mit Erdbeermarmelade zu essen.
Ein normales Kheer besteht aus
Milch, Zucker und Reis, die zusammen mit Trockenfrüchten, Gewürzen und Safran
aufgekocht werden. Beim Lahsun ki Kheer kommen aber Knoblauchzehen und Alaun
hinein! Hätte man mir das vorher gesagt, ich hätte glatt Diabetes
vorgetäuscht! Knoblauch mit Zucker! Und Alaun kenne ich nur vom
Blutstillstift meines Vaters her.
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Aber glaub's oder nicht - die
Knoblauchzehen zergingen im Mund wie junge Mandeln und hatten tatsächlich
einen eher nussigen Geschmack! Und die Rani hat mir netterweise ihren
geheimen Prozeß verraten, bei dem der scharfe Knoblauchgeschmack
verschwindet.
Man nehme einen Liter Milch,
250 Gramm Zucker, 120 Gramm Knoblauchzehen, 6-7 Kardamomschoten (gemahlen),
15 ml Rosenwasser, 12 Gramm Alaun.
Zuerst werden die
Knoblauchzehen geschält und beide Enden abgeschnitten und weggeworfen. Dann
längs einschneiden und den Faden aus der Mitte der Zehe entfernen - damit entfernst
Du auch den Großteil des scharfen Geruchs und Geschmacks. Jede Zehe wird nun
längs in 4 Streifen geschnitten und das ganze 1 Stunde gewässert. Danach das
Wasser wegschütten und den Knoblauch in frischem Wasser eine weitere Stunde
wässern. Auch dieses Wasser wird weggeschüttet. Die Knoblauchstreifen nun in einen Topf geben und mit 4 Tassen
Wasser und 6 Gramm Alaun 10 Minuten kochen. Danach den Sud wiederum
wegschütten und den Vorgang wiederholen. Zusätzlich wird anschließend der
Knoblauch noch einmal mit frischem Wasser abgespült.
Derweil wird die Milch solange
gekocht, bis die Hälfte verdunstet ist. Dann Knoblauch und den Zucker
dazugeben und kochen, bis es dick ist. Zum Schluß vom Feuer nehmen,
Rosenwasser und Kardamom hinzugeben und gekühlt servieren.
Also, das halbe Pfund Zucker
habe ich jedenfalls ebensowenig geschmeckt wie den Knoblauch. Naja, nach
einer solchen Grundreinigung! Daß ich kein Koch bin, siehst Du sicherlich
schon an meiner Ausdrucksweise beim Rezepteschreiben - deshalb konnte ich mich
auch des Gedankens nicht erwehren: Wenn man doch Knofi so lange reinigt und
spült, bis sein gesamtes Aroma verschwunden ist und das ganze wie Mandeln
schmeckt - warum nimmt man dann nicht gleich diese Nüsse und nennt es
"Badaam ki Kheer"? Weil es vermutlich doch wieder völlig anders
schmeckt? Wahrscheinlich.
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Zumindest ahnst Du nun, wie es
zu meiner Wortschöpfung "Kulinatour" im Titel gekommen ist. Weil
eine Tour nach Jojawar sich hauptsächlich für naturliebende Leckermäuler wie
mich lohnt! Kommst Du mit?
Zumindest für die Rajputana
Discovery wird künftig die Station Bhenswara durch den Aufenthalt bei Kumar
Amitvikram Singhji und seiner Rani Sahiba Pushpendra Kumari in der
Rawla Jojawar ersetzt.
Warum? Weil die Landschaft
schöner ist, und Jojawar verkehrsgünstiger liegt. Von hier sind es nur 60 km
zu den prächtigen Tempeln von Ranakpur, die auf dem direkten Weg nach Udaipur
liegen, das nur 150 km von Jojawar entfernt liegt. Wichtig aber ist vor allem
die Tatsache, daß Jojawar erst im Juli frisch restauriert 2002 seine Tore für
zahlende Gäste geöffnet hat. Es hat noch viel Ursprüngliches, weil man nur
wenig Erfahrung mit Ausländern hat. Dagegen hat Bhenswara inzwischen einen
hohen Bekanntheitsgrad, so daß es winters bereits Reservierungsprobleme gibt.
Ansonsten haben beide Rawlas gleich schöne Gästezimmer, und die Royals zu
Bhenswara sind langjährige Freunde derer zu Jojawar. Seit einem Jahr steht
nun auch Jojawar im indischen Heritage Hotelindex, und viele indische
Reiseveranstalter bieten es an. Es ist eine Frage der Zeit, bis sich auch
hier die Dörfler und Stammesgruppen auf Touristen einstellen. Dann wird
unsere kleine Karawane wieder weiterziehen.
In den letzten Jahren haben wir des öfteren eine unserer ländlichen Burgen zu Gunsten einer weniger bekannten aufgegeben. Und wir werden dies sicher noch öfter tun. Einfach, weil einer der wichtigen Grundsätze der Kerala Discovery Philosophie das Reisen abseits der Touristenpfade ist. In Rajasthan ist das nicht immer einfach, denn seit der Unabhängigkeit kommen 90% aller ausländischen Touristen genau in diese Region.
Besuche auch die Jojawar-Galerie
Nachdem Thakur Devi Singh sein Resort in Bera scheinbar aufgegeben hat (s. Traumheft), wurde die Rawla Bhenswara bis 2003 unser neuer Stützpunkt auf dem Wege zwischen Jodhpur und Udaipur. Je nach Termin und Verfügbarkeit werden wir in Bhenswara auch wieder einkehren - haben aber ab 2004 eine schöne Alternative in Jojawar gefunden.
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Ravla Bhenswara – das war der Eingang zu
unserem Zimmer. Zu einem Fotostreifzug durch das Schloß und
seine Umgebung klicke auf das Foto oder hier... |
Unterkunft: Ravla Bhenswara
(Rajasthan)
Gastgeber: Familie Kanvar
Shivpratap Singh und Frau Umakumar
Schönes Anwesen, sehr nette
Familie, gute Küche, keine Moskitos,
superbequeme Betten (die sonst anderswo bretthart sind)
Dorfspaziergang bei den Bhil
und Rabari, der warme Empfang ist auf Shivprataps Idee zurückzuführen: Keiner
seiner Gäste darf den Dörflern Geld geben – wohl aber die dort gemachten
Schnappschüsse an ihn senden. Zur Verteilung kommen die Fotos dann beim
nächsten Besuch in den Dörfern. Deshalb bekommen auch wir einen warmen
Empfang, und auch diesmal hat Shivpratap Bilder dabei, die mit großem Hallo
verteilt werden. Logisch, daß sich die Stammesgemeinschaften hier besonders
gern fotografieren lassen.
Panthersafari – Füchse,
Stachelschwein und 3 Augenpaare: Leopardenmutti mit 2 Jungen am Felshang.
Trotz Lockruf kommen sie nicht herunter. Für die Kameras zu weit und zu
dunkel - das menschliche Auge ist doch immer noch leistungsfähiger als die
Technik.
Shivpratap fährt den
Allradjeep mit schlafwandlerischer Sicherheit durch Sanddünen und Dornbüsche
– aber an allen Plätzen, die die Panther sonst bevorzugen, haben wir heute
Pech. Dafür gibt es Tee und harte Drinks, die der Kanvar vorsorglich
eingepackt hat. Abends im Video erkennen wir die Stellen wieder – mit
bildfüllendem Panther vor wenigen Tagen aufgenommen.
Der Bhenswara-Palast wird bei
unserer künftigen Rajputana-Discovery den Stützpunkt Bera ersetzen. Wir sind
sicher, daß das Programm hierdurch erheblich verbessert wird.
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Kanvar Shivpratap Singh und Frau Umakumar Mit Shivpratap’a Allrad über Land – zur Fotogalerie |
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In Bera hat Thakur Devi Singh in letzter Zeit
Schwierigkeiten mit der Polizei: Mit einer Jagdeinladung für die Fürsten aus
Udaipur hat Devi seine Privilegien überreizt, und seine Safaris stehen nun
unter ständiger Beobachtung. Kontrollen machen die Fotoausflüge nicht nur
schwierig, sondern auch unattraktiv.
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Das Ravla Bhenswara liegt im gleichen Gebiet –
Panthersafaris von dort haben die gleichen Erfolgsaussichten.
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Für unsere Route von Chandelao Garh nach Ranakpur
liegt Bhenswara verkehrsgünstiger.
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Die Familie ist sehr sympathisch und aufgeschlossen.
Die Hauptverbesserung: Das
Ravla ist ein wunderschönes Heritage Property. Wir leben hier in der
liebevoll restaurierten Zenana des alten Castle Bhenswara mit altem
Originalmobiliar und vielen antiken Accessoires aus der Zeit von Shivprataps
Vorfahren. Solche Original-Unterkünfte ziehe ich den zugegebenermaßen
komfortableren aber neuen Cottages in Bera vor.
Schwalben, Adler, Geier, Milane, Enten, Kormorane, Stone Plower,
“Didcha-do-it”, Reiher und jede Menge Spatzen und Tauben - ich sitze auf dem
Dach der Haveli und zähle die Artenvielfalt der Vogelwelt am Pichola Lake.
Und bin wie jedes Mal fasziniert. Immerhin sind wir hier mitten in der Stadt
Udaipur. Aber trotz der vielen Leute, trotz Tourismus - der Mensch ist hier
immer noch eindeutig in der Minderheit.
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KANKARWA
– die Zimmer: Restauriert nach Jannus Ideen. Vom Fenster meines
Lieblingszimmers hat man einen tollen Blick auf den See und den Lake Palace |
Hier an den Ghats des Pichola-Sees hat sich nichts verändert. Einzig
die Küche auf dem Dach der Haveli “bessert” sich rapide. Wenn ich “bessern”
in Anführungszeichen setze, so bedeutet das eine allmähliche Anpassung an die
besonderen Wünsche der ausländischen Gäste. Noch im Vorjahr konnten Jannu und
seine Schwägerin “nur” ihre rituelle, streng vegetarische Küche anbieten -
selbst die Zubereitung von Spiegeleiern hätte für die indische Pure
Kitchen eine Verunreinigung bedeutet, und die strenggläubige Familie
hätte dort nichts mehr für sich selbst zubereiten dürfen.
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... und vom Lake Palace wiederum schaut man auf
unsere Kankarwa Haveli (am Ufer links) – was ist schöner?? Oben sieht man
den prächtigen City Palace des Maharana von Udaipur |
Doch der Hindu ist tolerant. Mag er auch für sich selbst strengste
Reinheitsgebote einhalten - die Vorlieben Andersgläubiger werden ebenso
streng respektiert und toleriert. Nur eine Küche mußte geschaffen werden, in
der die nicht-vegetarische Zubereitung in einem getrennten Bereich
stattfinden konnte.
Dennoch - Udaipurs Angebot an Restaurants in der umliegenden Altstadt
ist so reichhaltig, daß wir in Jannu‘s Kankarwa Haveli keine
Vollpension in Anspruch nehmen. Für viele ist das Angebot immer noch zu
spartanisch, zumal wir von den anderen Gastgebern zuvor hoffnungslos verwöhnt
wurden.
Kankarwa Haveli war 1995 noch eine Ruine, die fast 80 Jahre leer
gestanden hatte. Im Erdgeschoß hatten sich Obdachlose niedergelassen, in den
oberen Etagen flogen die Fledermäuse durch die leeren Fensteröffnungen ein
und aus. Dann sind Jannu mit Bruder und Schwägerin hier eingezogen, um das
alte Gemäuer zu restaurieren. (Foto links unten: Jannu mit seiner kleinen
Nichte Tapasha)
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KANKARWA
– der Gastgeber: Jannu (hier mit seiner Nichte Tapasha) hat aus dem alten
Gemäuer einen romantischen Palast gemacht. Bis 1995 war es nahezu eine
Ruine und war 90 Jahre unbewohnt gewesen. |
Wer dort heute Gast ist, spürt sofort die liebevolle Hand des
traditionsverhafteten Jannu - seine Handschrift ist in allen Zimmern unschwer
wiederzuerkennen. Und ich persönlich weiß, daß es für mich schöner ist, vom
Dach der Kankarwa Haveli über den See, auf den berühmten Lake Palace und in
den Sonnenuntergang zu schauen - als aus einer Luxussuite eben dieses Lake
Palace auf die Kankarwa hinüber zu sehen.
Von hier durchstreifen wir die schönsten Gassen, den
schönsten Tempel Udaipurs sowie den City Palace des
Maharana bequem zu Fuß. Außerdem möchten wir ein bißchen raus -
vielleicht nach Nagda oder Eklingji fahren (30
km) oder auch zum Monsoon Palace, den ich von hier aus im Dunst
oben auf dem Berg jenseits des Sees sehen kann.
Von dort oben kann man über die ganze “City of Lakes” schauen,
kilometerweit über das Land blicken und die Jahrtausende atmen hören.
(Manchmal ist der Wasserstand des Pichola-Lake niedrig oder der See
fast ganz leer - in solchen Jahren ist eine Unterkunft direkt am See wenig
attraktiv und unangenehme Gerüche beeinträchtigen ebenfalls. Wir haben auch
in Udaipur eine Ausweichmöglichkeit und kehren auch im Hause des Pahuna
Clans ein - dort ist z.B. im Gegensatz zur Kankarwa Haveli gute
Vollpension am Familientisch inklusive.)
Das MadhuBan der Patan-Familie in Jaipur
ist ein gutes Beispiel für die Auswahl unserer Unterkünfte. Es ist eine noble
Familie der Tanwar-Dynastie, der früheren Herrscher des alten Delhi. Es ist
nur ein Beispiel für mehrere Unterbringungsmöglichkeiten, die wir in Jaipur
nutzen können. Aber auch die anderen Gastgeber haben ein vergleichbares
Niveau.
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Altertümliches Ambiente, gute Küche und komfortable
Zimmer im MADHUBAN der fürstlichen Familie des ... |
Das Familienoberhaupt trägt den Titel “Rao” und verwaltet das etwa 50
Jahre alte alte MadhuBan zusammen mit seiner Mutter und seiner Frau Kaivita
(die Chandrashekhar's Kusine ist) und etwa 10 Dienern. Auch hier verlangt man
zum Glück nicht, daß wir uns den vollen, klangvollen Namen Rao Digvijay
Singh Tanwar of Patan merken - er mag von seinen Freunden schlicht Dikki
gerufen werden. Dikki und Kaivita sind Mitte 30 und haben zwei Kinder: Rudru
ist 4 und seine kleine Schwester Rudri gerade 14 Monate alt. (Stand 1998)
Du magst nun glauben, ein 50 Jahre altes Haus könne doch kaum das
Flair der mehr als 200 Jahre alten Burgen und Havelis haben, in denen wir auf
dieser Reise bisher eingekehrt sind. Schau hinein, und Du stellst überrascht
fest, daß diese alte Familienresidenz durchaus 100 bis 200 Jahre älter sein
könnte. Zumindest das Haupthaus, das von winkligen Gängen und
Treppenaufgängen durchzogen etliche grundverschiedene Zimmer mit antiken
Möbeln hat. Manchmal fast eine Suite mit eigener Terrasse, ein anderes Mal
klein und schlicht - immer aber mit gekacheltem Bad, Western-Style-Toilet und
Warmwasserversorgung.
Insgesamt 18 Zimmer sind so großzügig im MadhuBan (wörtlich “Schöner
Garten”) verteilt, daß die von Dikki angestrebte familiäre Atmosphäre
erhalten werden kann. Zumal der Rao das Haus seiner Familie erst vor wenigen
Jahren in ein Gästehaus umwandelte.
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... Rao Digvijai Singh Tanwar of Patan –
hier mit Ehefrau Kaivita und Töchterchen Rudru |
Lobenswert auch die Küche: Eine Reichhaltige Speisekarte präsentiert
einen guten Querschnitt durch die nordindische Küche, und wer es einmal
milder mag, der kann auf einige Nudelgerichte im Kapitel “Continental”
ausweichen.
MadhuBan ist nicht Luxus - es ist ein komfortables, gemütliches Haus
nur 3 km von der rosaroten Altstadt der Pink City entfernt.
Du kannst Dir also Jaipurs Sehenswürdigkeiten von hier aus durchaus
per Fahrradrikscha erschließen - es warten meist einige vor dem Haupttor.
Der Weg zum alten Castle von Thakur
Pradyuman Singh (40) und seiner Frau Kiran (33)
führt von Jodhpur aus etwa 40 Kilometer durch wildes Wüstenrandgebiet mit dem
höchsten Wildaufkommen dieser Region. Auf der Fahrt mit dem Jeep sehen wir
jede Menge Chinkara-Antilopen, Nilgai und Black-Bucks.
Zwei Mungos kreuzten den Weg von rechts nach links - was hier genau das
Gegenteil unserer schwarzen Katze bedeutet, sagt Praduman: “We'll have very
good luck!” - was sich gleich wenige Minuten später bestätigt: Kaum fünf
Meter von den sandigen Wagenspuren, die unseren Weg markieren, sitzt ein
Fuchs und schaut uns interessiert entgegen. Er vertraut ganz auf seine
Tarnung und läuft erst davon, als der Jeep auf gleicher Höhe ist.
Kleine Dörfer zwischendurch, in denen wir
den Webern, Töpfern und Schmieden
zuschauen oder ein paar Minuten bei den Bishnoifrauen am
Brunnen verweilen. Außer den Bishnoi sind hier auch Stammesgemeinschaften der
Raikas zu Hause. Die Dörfer sind sogar jungfräulich, was den
Besuch von Touristen angeht: Keines der Kinder hat mich mit dem üblichen
“Hallo, one Rupees?” oder “Please, one Pen!” angebettelt. das ist in
Rajasthan echt selten geworden.
Im Dorf Chandelao führt mich
Praduman zunächst an den kleinen See in der Nachbarschaft seines Kastells.
Das hat mir von der ganzen Villagesafari eigentlich am meisten Spaß gemacht:
Einfach im Schatten des 500 Jahre alten, heiligen Peepul-Baumes am Ufer
sitzen und die Tierwelt beobachten. Da sind jede Menge großer Kraniche
und Löffelreiher auf den kleinen Inselchen, und unmittelbar vor
mir schmatzt eine große Wasserschildkröte gemütlich an den Uferpflanzen
herum. Als einen knappen Meter neben ihr ein Pied-Kingfisher
(die schwarzweiße Variante) wie ein Pfeil ins Wasser platscht, da haben wir
uns beide gleichermaßen erschrocken. Die Schildkröte taucht blitzschnell
unter - ich aber muß mich beherrschen: das ist Trinkwasser und Baden für
Menschen ist verboten.
Dann aber sind wir am Ziel: Chandelao Garh.
Sein Home ist wirklich sein Castle: Pradyuman erklärt, daß “Garh”
soviel heißt wie “Burg” und eigentlich “Gad” ausgesprochen wird, mit ganz
weichem “d” am Ende. Zur Begrüßung gibt's eine Blumengirlande um den Hals und
vom Brahmanen eine Glück und Segen bringende Tikka auf die
Stirn. Beim Bier auf der Terrasse geht es dann wieder weltlicher zu: Wir
machen Pläne für meinen nächsten Besuch.
Dann wollen wir hier ein paar Tage bleiben, eine kleine Safari mit
Camel-Carts machen, mit Picknick am See, den 700 Jahre alten Jain-Tempel in Kaparda
sehen und abends unterm herrlichen Sternenhimmel auf dem Dach des Castles
nach Rajputenart dinieren - natürlich nicht ohne die kulturellen Gesangs- und
Tanzdarbietungen der Stämme aus dem Dorf Chandelao..
Jetzt müßte Dich diese Beschreibung
eigentlich langsam an unseren Stützpunkt Durjan Niwas in Daspan erinnern. Und
richtig - der Vergleich trifft zu. Chandelao Garh ist in seiner Anlage dem
Castle in Daspan sehr ähnlich und ein Aufenthalt hat durchaus den gleichen
Erlebniswert. Für unsere Reise Ende Oktober würde ich statt Daspan in jedem
Fall Chandelao wählen, da bei dieser Reise unser Weg über Pushkar
führt, und da liegt Chandelao genau am Weg.
Aber auch sonst ist Chandelao Garh eine gute Alternative für den Fall,
daß Daspan gerade mal andere Gäste hat.
Fotos: Pradyuman und Kiran
(o.l.) – Das Haupttor zum Castle Chandelao (o.r.) – Das hauptgebäude ist der
Wohnsitz der fürstlichen Familie (l.) – Die Zimmer für Gäste befinden sich im
Seitentrakt (u.)

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Chandra Mahal – unsere Haveli in Peharsar nahe Bharatpur. Der typische Innenhof
hat im Obergeschoß eine Galerie, von der man in die geräumigen, antik
eingerichteten Gästezimmer. Bild unten links: Giriraj (Mitte links) Angad
(m.) und Yoginder (r.), umringt von seinen Dienern Bild unten Mitte: Das Portal zur Chandra Mahal |
Diese alte, liebevoll restaurierte Haveli ist unsere Endstation. Von hier
aus sind wir in ca. 3 Stunden am Flughafen in Delhi. Verzeih mir die
Taktlosigkeit, schon jetzt vom Rückflug zu reden - schließlich haben wir hier
ja noch einiges vor!
Im Chandra Mahal zu Peharsar residiert (oder sollte ich 'regiert'
sagen?) ein Kanwar des Bharatpur-Adels: Yoginder Singh, seine
Frau Giriraj und sein Sohn Angad (9).
Yoginders Ehefrau ist Chandrashekars Cousine 2. Grades, und zwischen
beiden Familie bestehen enge, freundschaftliche Kontakte. Giriraj ist es
auch, die sich in fürstlicher Gastfreundschaft um uns kümmert - 22
Bedienstete hat sie hierzu aus dem Dorf Peharsar rekrutiert und selbst
ausgebildet.
Wir sind mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Die Diener flitzen für
unsere Bequemlichkeit, und von der Qualität der Küche haben bereits die
großen Travel-Agencies Indiens Wind bekommen. Fast jeden Mittag fahre am
Chandra Mahal große, vollklimatisierte Reisebusse vor und ein bis zwei
Touristengruppen aus Frankreich und Amerika kehren bei Yoginder zum Lunch
ein.
Für uns spielt Trubel um die Mittagszeit
eine untergeordnete Rolle, denn Chandrashekar hat uns hier nicht
untergebracht, damit wir den lieben langen Tag in der Sonne sitzen.
Wir machen von hier aus Tagesausflüge ins 20 km entfernte Keoladeo-Vogelschutzgebiet
und ins 80 km entfernte Agra zum Taj Mahal. Auf
halbem Weg dorthin lohnt auch ein Stopp in Fatepur Sikri, der
verlassenen Kaiserstadt Akbars des Großen.

“Indrashan” ist Chandra‘s Heim. Der Indrashan-Bungalow
ist keine Burg und auch keine Haveli - die Ausnahme auf unserer Reise.
Dennoch wird dort unser erster Stützpunkt sein, seit und so lange es die
Rajputana-Discovery gibt.
Denn es ist das Haus unserer
“Schlüsselfigur”, die alle Adelsfamilien kennt und dort gut angesehen ist: Maharaj
Chandrashekhar Singh of Rathor ist unser Toröffner zu den
wunderschönen, romantischen Palästen und Burgen seiner fürstlichen Freunde,
die in diesem Kapitel beschrieben sind. Und was dem Indrashan an
nostalgischer Pracht fehlt, macht er durch seine familiäre Atmosphäre und
hervorragende Küche wett.
Mag das nostalgische Flair der anderen Häuser hier auch fehlen,
Chandra und seine Familie rechtfertigen 100%ig Deinen Besuch. Seine Frau Rani
Bhavna ist fanatische Sammlerin antiker Rezepte der indischen
Mogul-Küche. Und sie verwirklicht sie auch für uns. Bhavna‘s Küche beweist
schnell , daß es bei der indischen Küche nicht unbedingt auf scharfe Gewürze
ankommt. Ihre Kreationen sind Philosophie, sie kennt ruhige und lebhafte,
belebende und beruhigende, heiße und kühle Gewürze und wer hier zu Gast ist
und europäischen Wohlstandsspeck abbauen möchte, der wird in seinen
Bemühungen um etliches zurückgeworfen!
|
... sorgen für unser Wohlergehen. Während Maharaj
Chandra (o.l.) uns auf unseren Ausflügen begleitet, kümmern sich unter der
sanften Leitung Rani Bhavna’s (Foto) seit Jahren um saubere Zimmer und
hervorragende Küche: Pappu (l.) und Chottu (u.l.). Von Vimlabai, dem guten
Geist in Bhavnas Küche, war es nicht leicht, ein Foto zu bekommen – sie
schwebt immer so lautlos durchs Haus, daß sie von unseren Kameras unbemerkt
blieb ... (Marion hat ihr dennoch
aufgelauert) |
Im Indrashan leben Chandra & Bhavna,
Chandra‘s Mutter Lady Lakshmi, die wunderschöne und weise
Geschichten zu erzählen weiß, und nicht zuletzt deer kleine Prinz Yashvardan
(“Yashu”, 10), der allerdings seit 1998 das Nobel-Internat “Mayo-College” in
Ajmer besucht und nicht mehr so oft daheim ist. Dazu gibt es immer drei bis
vier Bedienstete, die mithelfen, daß wir uns wohl fühlen.
Chandrashekhar hat im Indrashan nur 4 Doppelzimmer (mit warmer u.
kalter Dusche, WC, Einzelbetten und Deckenventilator). Da konnte es
vorkommen, daß auch das Gästezimmer des Onkels ein paar Häuser weiter für die
Unterbringung von Chandra‘s Gästen einbezogen werden mußte. Alles ist sehr
familiär, und jeder kümmert sich so intensiv um uns, daß ich oft ein
schlechtes Gewissen bekomme.
Weil mancher Komfort - bei uns
selbstverständlich - hier in Indien durch einen so personal- und
arbeitsintensiven Einsatz wettgemacht wird, wie wir ihn nicht mehr kennen.
Ich denke, mit diesem Kapitel habe ich Dir einen guten Eindruck von
den Häusern und Leuten vermittelt - es erhebt jedoch keinen Anspruch auf
Vollständigkeit. Nicht alle Orte sind hier beschrieben, ein paar fanden
keinen Platz mehr im Heft - Nimaj und Nawalgarh, um nur zwei zu nennen.

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