Gastgeber und Unterkünfte in Rajasthan

 

Inhalt

Wer, Wie & Wo  - unsere Stützpunkte in Rajasthan

JAISALMER: Nachana-Haveli

"Kulinatour" nach Jojawar

Uralter Adel

In den Foothills der Aravallis

Rawla Jojawar

Der Charme aus alten Tagen

Fürstliches Mahl, fürwahr!

Neuer Stützpunkt

Rawla Bhenswara

UDAIPUR: Kankarwa Haveli

JAIPUR: MadhuBan

CHANDELAO: Chandelao Garh

BHARATPUR: Chandra Mahal Haveli

JODHPUR: Indrashan

           

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Diese Rubrik wurde am 12. Oktober 2010 aktualisiert

 

Wer, Wie & Wo
- unsere Stützpunkte in Rajasthan

Ich wähle unsere Stützpunkte und Gastgeber immer nach drei Schwerpunkten aus:

  • Menschen: Wir suchen in Indien in erster Linie die Nähe zu traditionsbewußten, gastfreundlichen Familien. Sie stammen in Rajasthan fast alle aus den Adelsfamilien der Region, und in den Geschichten ihrer Vorfahren werden alte Mauern und eine bewegte Vergangenheit wieder lebendig. Das ist spannender als die auswendig abgespulten Geschichtsdaten der professionellen Fremdenführer.

Wir nehmen eine Weile an ihrem Alltag teil und genießen bei gemeinsamen Mahlzeiten vor allem die Vielfalt der ältesten und berühmtesten Küche der Welt. Genüsse, die um ein Vielfaches ausgleichen, daß die Unterkünfte in ihrer angestaubten Nostalgie dem modernen westlichen Standard oft nicht entsprechen können.

(Und wer gegen allzu scharf gewürzte Speisen empfindlich ist, sollte auf gemäßigte Gerichte ausweichen können.)

  • Ambiente: Ich mag keine Hotels im üblichen Sinne, mit langen Gängen und identischen Zimmern in Reihe - sowas dient höchstens einer leichteren Orientierung. Ich liebe hingegen die verwinkelte, unübersichtliche Bauweise der alten Rajputen, mit schmalen Treppen und Galerien, gebaut, um in wilder Vergangenheit Eindringlinge irrezuführen - und heute verlaufen sich dort unsere Gäste. Jedes Zimmer ist hier ein wenig anders, jeder Gast hat sein individuelles Ambiente;
  • Verkehrsgünstig: Natürlich möchten wir nicht allzu weit von der Route abweichen. Je weiter die Anreise, desto attraktiver müssen der Weg und das Ziel sein. Das Reisen auf Indiens Straßen ist beschwerlich, und mit der Kilometerzahl steigt schließlich die Erwartungshaltung.

Um diesen Prioritäten zu folgen, haben Chandrashekhar und ich seit 1995 alljährlich an der Tourenplanung gefeilt. Auch in Zukunft bleiben wir dran - obwohl die Rajputana Discovery schon jetzt eine runde Sache ist. Immerhin wollen wir auch etwas Abwechslung. Auch setze ich bei Dir eine gewisse Flexibilität bei der endgültigen Routenplanung voraus. Sollte der eine oder andere Gastgeber an Deinen Terminen nicht verfügbar sein, sichere ich aber gleichwertige Alternativ-Familien zu.

In den folgenden Rubriken beschreibe ich unsere Stützpunkte der letzten Jahre. Du wirst erkennen, daß die Route sich wiederum verändert hat. Einige Ziele (Daspan, Mt. Abu, Dungarpur, Bijaynagar) fallen zugunsten der neuen Regionen Chandelao, Bera und Jojawar keinesfalls endgültig fort - je nach Wunsch der Teilnehmer und je nach Route werden wir auch die anderen Stützpunkte wieder anlaufen.

 

JAISALMER: Nachana-Haveli

Maharaj Kishan Singh of Nachana hat es nicht nötig, zu arbeiten. Er lebt von seinen Ländereien und für seine Waffensammlung. Seine 3 Kinder waren es, die sich 1995/96 daran machten, den jahrhundertealten Familienbesitz unter den Zinnen der Jaisalmer-Bastionen vor dem drohenden Verfall zu retten.


Golden City - Jaisalmer    

Gadi Sagar (o.)  - künstlicher See als Wasserspeicher vor den Toren Jaisalmers. Divya & Vikram (l.) haben Sinn für Nostalgie und sich entsprechend ablichten lassen: Dieses Foto von 1999 paßt perfekt in die vergilbten Alben ihrer Vorfahren. Sie haben sie mit Liebe zum Detail restauriert: Die Nachana-Haveli (u.l.)

Fotos: Sven (Rangsdorf) und Marion (Ravensburg)

Prinzessin Divya und die Prinzen Vikram und Shakti haben mit ihren Schulfreunden jede Menge Schutt aus der unbewohnten Haveli herausgekarrt, Farbpinsel geschwungen und liebevoll die Möbel und Accessoires aus der guten alten Zeit restauriert und aufpoliert. Wir gehörten zu den ersten Gästen, die in den Gewölben der Haveli beherbergt und bewirtet wurden. Und wir alle haben uns in das nostalgische Flair verliebt - atmete es doch genau die historische Atmosphäre, die für die alte Wüstenstadt Jaisalmer typisch ist.

Kaum ein Reisender kann sich den Tagträumen entziehen, die von den wehrhaften Mauern der Festung des Prinzen Jaisal herabschweben. Zusammen mit den exotischen Düften lassen sie ganze Filme vor Deinem inneren Auge ablaufen. Da nähern sich die endlosen Kamelkarawanen aus den frühen Jahren dieses Jahrtausends. Beladen sind sie mit Gewürzen, wertvollen Stoffen und den Schätzen der Fürsten, die in wilden Kriegszügen erbeutet worden waren, geleitet von schwerbewaffneten Reitern im blitzenden Harnisch. Hier in Jaisalmer bekommen die müden Reisenden Obdach und Nahrung, und sie sind bereit, das Wertvollste in dieser flirrenden Wüste Thar mit Gold und Edelsteinen aufzuwiegen: Wasser.

Mit zunehmenden Touristenzahlen und damit steigendem Angebot an Unterkünften, Kamelsafaris, Restaurants und Handicraft-Shops gab es in den letzten Jahren jede Menge häßlicher Plakate (“Cleen Rooms - 1 minit walk”) in grellen Farben und freizügigem Englisch.

Doch ändert immer noch nichts daran, daß jeder Besucher in Jaisalmer das Gefühl hat, die Zeit sei vor 500 Jahren stehen geblieben.

In der Nachana Haveli sind wir 10 spannende Fußminuten von der Festung entfernt, klettern durch die unvergleichlich filigran geschnitzten Erker der prächtigen Havelis (Kaufmannspaläste), lauschen den schwermütigen Liedern der Straßenmusikanten (Giselas Kommentar zu den traurigen Gesängen: “Hoffentlich ist der morgen wieder gesund!”), machen mit Vikram‘s offenem Jeep Kurzausflüge zu den Grabmalen der Könige (Chhattris), oder Halbtages-Ausflüge über die Dörfer zu Wüstentempeln der Jains bis zu den Kamellagern am Wegesrand. Je nach Widerstandskraft Deines Sitzfleischs unternehmen wir 1-4stündige Kamelritte hinaus in die Sanddünen, um den Sonnenuntergang in der Wüste Thar zu genießen.

Derweil bereitet Divya‘s Mutter in den Küchengewölben der Nachana Haveli unser Dinner. Wenn wir heimkommen, speisen wir im Innenhof, wo Vikram ein loderndes Holzfeuer pflegt. Meist gibt es traditionelle Musik dazu, denn Divya lädt regelmäßig vorbeiziehende Musikantenfamilien zu einem Ständchen ein.

Finde Dich damit ab: Ob 3 Tage oder 2 Wochen - der Aufenthalt in Jaisalmer wird Dir immer zu kurz vorkommen.

"Kulinatour" nach Jojawar

(Bernd Symons, KD-2003)   Es ist eine karge Landschaft, die an Maharaj Chandrashekhar Singhs Auto vorbeiflitzt. Stacheliges Buschwerk versucht sich gegen die Dürre zu behaupten. Gelegentlich ein Kamelfuhrwerk, ab und zu eine Gruppe von Dörflerinnen mit vollen Wasserkrügen auf dem Heimweg ins Nirgendwo. Wo mögen sie ihr Dorf haben, und wie weit haben sie es täglich zum Brunnen? Es müssen viele Kilometer sein, denn als wir vorbei sind, sehe ich lange Zeit kein Zeichen menschlicher Ansiedlung in ihrer Marschrichtung. Wie schaffen die dieses grazile Schweben mit mindestens 20 kg auf dem Kopf? Und das über Strecken, die mir europäischem Wasserhahnaufdreher völlig unvorstellbar sind?

Der Wagen hat neben dem Maharaj noch mehr elitäre Passagiere - ich bin der einzige Bürgerliche, der in Jodhpur zugestiegen ist. Dabei ist Thakur Pradyuman of Chandelao, und Ex-Commander "Chou" Chouhan ist ebenfalls mitgekommen. Unsere Rajputana-Gäste kennen die beiden Noblen aus dem Jodhpur-Adel, denn sie eskortieren uns gern und oft auf unseren Reisen.

Daher hat Chandra sie auch für diesen Ausflug eingeladen. Wir wollen im 150 Kilometer entfernten Jojawar eine hochgestellte Fürstenfamilie besuchen, und Pradyuman & Chou wissen, was die Kerala Discovery Gäste suchen. Aus sprachlichen wie auch gesellschaftlichen Gründen können sie besser beurteilen, ob sich unsere Gäste dort wohlfühlen werden. Zumindest besser als ich kasten- und titelloser Deutscher.

Ich bin ganz glücklich damit. Ich kann mich beim höfischen Zeremoniell etwas im Hintergrund halten und die Gelegenheit nutzen, ein paar Aufnahmen zu machen.

Uralter Adel

Als die Wasserträgerinnen aus dem Blickfeld verschwinden, wende ich mich an Chouhan: "Die Jojawars gehören doch zur Chouhan-Dynastie - bedeutet das, daß Ihr vom gleichen Clan seid?" - "Richtig. Wir Chouhans sind die Nachkommen des großen Feldherrn Prithviraj Chouhan, der viele der frühen persischen Invasoren zurückgeschlagen hat.", Chou's befehlsgewohnte Stentorstimme hatte keine Mühe mit dem Fahrgeräusch: "Sieben Mal war er siegreich - aber beim achten Mal unterlag er. Der persische Eroberer konnte sich keinen Fehler erlauben und tötete ihn."

Bei der Air-Force hat der Commander früher gedient und Hubschrauber geflogen. Das hört man nicht nur an der Stimme, die mühelos auch Helikopter-Rotoren übertönt. Auch seine Werte sind immer noch ziemlich militärisch geprägt. Im Stillen hoffe ich, daß die Kanonen des Herrschers von Jojawar auch wirklich nach oben gerichtet sind, falls es zu Salutschüssen kommen sollte.

In den Foothills der Aravallis

Langsam wird die Landschaft abwechslungsreicher. Gerade noch hatte ich meinen indischen Freunden zu übersetzen versucht, was man bei uns scherzhaft über mein Rheinland sagt: "Man sieht Mittwochs schon, wer Samstags zu Besuch kommt." Wenn man von der niederrheinischen Tiefebene nämlich sämtliche grünen Felder und Wälder abzieht und dafür die Temperatur um 20° erhöht, dann hat man vielleicht die gleiche Szenerie, durch die wir nun 2 Stunden gefahren sind.

Klingt negativ? Nicht so gemeint. Immerhin hat die unversperrte Weitsicht auch ihre Vorteile. Immer wieder sieht man nämlich Wild. Mit Rebhuhnfamilien, Fasanen und Pfauen begann es, und ich habe mich dann langsam zu Wüstenfüchsen, Mungos und Nilgai-Antilopen hochgearbeitet. Von freilaufenden, herrlich bunten Wasserträgerinnen ganz zu schweigen. Geduldig hat Chandra jedesmal kurz angehalten, weil ich mir die freie Wildbahn mit dem Camcorder wackelfrei heranzoomen wollte. Selbst wenn es für eine gute Aufnahme nicht reicht, ist dieses Gerät für Naturbeobachtungen besser als der stärkste Feldstecher.

Aber jetzt wird es langsam hügelig. Die Vegetation wird üppiger. Es sind die Vorboten des erdgeschichtlich ältesten Gebirgszuges der Welt: Die Aravalli-Berge nähern sich. Erste sandige Geröllhaufen mit kargem Grün und diesem charakteristischen Rautenmuster. Das sind die Pfade der Ziegen, die mit ihren Hirten hier weite Strecken wandern, um genügend Nahrung zu finden. Alt sind sie, die Aravallis - nicht hoch. Aber die 1200 Meter, die sie unweit von hier in Mt. Abu erreichen, garantieren schon ein kühles Klima für die Sommerpaläste der Rajputenfürsten.

Aus den 150 Kilometern, die ein kundiger Driver von Jodhpur aus nach Jojawar fahren muß, werden ein paar mehr. Wir haben nämlich keinen Fahrer, und Chandra am Steuer läßt sich von den Rabari-Hirten der vorbeiziehenden Kamelherden eine "Abkürzung" aufschwatzen. Sehr schnell landen wir auf unbefestigten Kamelpfaden und ich mutmaße mal, daß die Rabari die Geländegängigkeit unseres Kleinwagens deutlich überschätzt haben. Geblendet von den Staubschwaden, die wir auf den Sandpfaden aufwirbeln, zieht Chandra seine dunkelste Sonnenbrille an und fährt fortan nach Gehör. Der Staub hat mehr PS als wir - kaum hinter uns in die Mittagsluft geschleudert, überholt er uns auch schon und macht uns blind. Wandernde Saris und Turbanträger tauchen vor dem Wagen aus den Schwaden auf, und alle bestätigen uns, daß wir in sämtlichen Himmelsrichtungen richtig sind.


Rawla Jojawar -
eine noble Oase der Ruhe

Dann plötzlich ein Dorf. Enge Gassen, in denen Rinder und Ziegen mit einem altersschwachen Trecker um Vorfahrt rangeln, Handkarren, kläffende Hunde, gaffende Menschen: Jojawar! Im Schrittempo arbeiten wir uns durch das Gewühl, und ich bedaure, daß wir zum Lunch schon überfällig sind - in solchen Dörfern gehe ich am liebsten spazieren.

Rawla Jojawar

Ein Schwenk nach links führt aus der dörflichen Szenerie in eine andere Welt. Wir rollen durch ein prächtiges Tor in den Vorhof des alten Garnisons-Forts in eine noble Oase der Ruhe. Nichts mehr ist zu hören vom lauten Spektakel in den Kleinstadtgassen.

Chandra parkt den Wagen vorschriftsmäßig in der prallen Mittagssonne. Recht hat er, denn im Schatten auf der anderen Seite würde niemand bemerken, daß Pappu den Wagen in Jodhpur für unseren Ausflug frisch gewaschen hat. Zumal die dicke Staubschicht der Kamelpfade den Glanz schon arg gefiltert hat.

Ehrlich, ich bitte die Inder seit 2 Jahrzehnten um Schattenparkplätze - aber das scheint einer dieser verrückten Europäerwünsche zu sein, die ein echter Inder nie verstehen wird. Er tut es zwar, wenn Du darum bittest - beim nächsten Mal aber brät das Vehikel wieder in der prallen Sonne.


Mehr Fotos von meinem Ausflug in der Jojawar-Galerie

Als wir uns einer nach dem anderen aus dem Auto schälen, wird am zweiten Tor des Forts sogleich die Prügelstrafe vollzogen. Die Delinquenten: Zwei alte Trommeln, auf die vermutlich schon bei Feindberührung im Mittelalter genauso rücksichtslos und unrhythmisch eingeschlagen wurde. Vermutlich das Signal für die Verteidiger hinter einem weiteren schweren Tor, die Kanonen in Stellung zu bringen.

Also bleiben wir im Vorhof erst einmal abwartend stehen, bis ein Parlamentär aus dem Schatten des Torbogens auf uns zuschreitet und zum Zeichen der Friedfertigkeit die Handflächen auf der Brust zusammenlegt: Namasthé!

Der gegenwärtige Rao (so sein Fürstentitel) Kesri Singhji schickt seinen Prinzen Amitvikram zur Begrüßung, und die erfolgt mit allen königlichen Ehren.

Amitvikram verbeugt sich vor Chandra, und weil dieser der älteste unserer Delegation ist, versucht er auch, Chandras Füße mit den Fingerspitzen zu berühren. Dazu kommt es aber bei Chandra nie - immer fängt er die Hand auf halbem Wege mit beiden Händen ab und richtet den Jüngeren wieder auf. Es ist das immer wieder gleiche Ritual, das mich an die Zeiten bei uns erinnert, als wir noch wohlerzogen waren. Da deuteten die Anwesenden auch an, aufstehen zu wollen, wenn ein Älterer den Raum betrat, und dieser sagte dann generös "Bitte, behalten Sie doch Platz!".


Begrüßt uns mit freundlichem Namasthé: Raokumar Amitvikram Singhji of Jojawar

Als zweite Angriffswelle des Royal Welcome Rituals kommt die Dienerschaft. Ein Talglicht mit Blütendekoration auf einem Tablett, das rote Pulver aus den Fruchtkapseln des Orleansbaumes, mit dem jeder von uns reihum einen dicken Tupfer auf die Stirn bekommt. Und trotz lebendiger militärischer Tradition ist dies kein Symbol für einen blutenden Kopfschuß - sieht aber genauso aus.

Es ist der Segen der Götter, die der Gastgeber dem Gast zuteil werden läßt und dokumentiert, daß er mit Hilfe aller himmlischen Heerscharen für die Sicherheit und das Wohlbefinden des Gastes einsteht. Und das notfalls unter Einsatz des eigenen Lebens. Ein beruhigendes Gefühl, das ich in der Fremde zu schätzen weiß.

Nachdem ein weiterer Diener uns Blütenblätter über den Kopf gestreut hat, bittet der Prinz uns durch das zweite Tor in den Innenhof des Forts, das die Rajputen hier "Rawla" nennen.

Dort lernen wir auch den Rao kennen. Rao Kesri Singhji ist ein ruhiger, zurückhaltender Mann um die 60, der jüngst seine Söhne "heim ins Reich" gerufen hat, um sich aufs Altenteil zurückzuziehen. Wir nehmen in den Art decó Sesselchen der Empfangsarkade Platz, und der alte Herrscher fragt in gepflegtem Englisch, ob wir Tee mögen.

Ich nicke dankbar - immerhin liegt meine letzte Chaipause bereits über eine Stunde zurück. Chandra erklärt dem Diener sogleich, daß der Sahib den landesüblichen Masala Chai bevorzugt. Damit bewahrt er mich vor der westlichen Vergewaltigung  des Teerituals, bei dem Tee, Milch und Zucker getrennt aufgefahren werden. Dieser Konzession an den westlichen Lebensstil versuche ich immer zu entgehen, denn selbst gemischt schmeckt einfach nicht so gut wie gemeinsam aufgekochter Milchtee mit Zucker und Gewürzen.

Während der Tee zubereitet wird, gibt es nach Wüstentradition zunächst eine Runde Wasser. Der Diener öffnet mir zu Ehren eine originalversiegelte Flasche Mineralwasser, und wir alle trinken gemeinsam ein Glas. In einem Zug, wie es sich gehört.

Der Charme aus alten Tagen

Im Gespräch erfahre ich, daß beide Söhne des Rao Hotelmanagement studiert haben und Erfahrung in Nobelhotels in Indien und Großbritannien gesammelt haben. Das kann nicht schaden, denke ich und finde es gut, daß die Prinzen vor einigen Jahren dem Ruf des Vaters gefolgt sind, um das damals halbverfallene Fort wieder auf Vordermann zu bringen. Der Rao hat sich dem Heritage Programm der Rajput Special Hotels angeschlossen und inzwischen 15 schöne Suiten renoviert - hell und luftig und im farbenprächtigen Stil der Region antik eingerichtet. Neben indischen Touristen, die vornehmlich aus dem nahen Gujarat herüberkommen, haben sich hier auch schon einige Reisende aus Frankreich, Israel und England wohlgefühlt.

Ebenso wohl wie die Maharajas und Kolonialoffiziere, die hier vor 150 Jahren regelmäßig zu Gast waren. Die Ruler zu Jojawar waren weithin bekannt für ihre "sumptuous feasts served to royalty".

Den "Old World Charme of Princely Lifestyle of Yesteryear" hat man in der Rawla Jojawar in jedem Winkel konserviert - dazu kommen aber auch Bequemlichkeiten der Neuzeit: Elektrischer Strom, Deckenventilatoren und vor allem komfortable Badezimmer mit Heißwasserboiler. Nach dem Tee habe ich sie mir angesehen und festgestellt: Hier läßt sich's leben. Ein paar Fotos kannst Du Dir in der Jojawar-Galerie ansehen.

Umgeben ist das Fort von den wilden Bergdschungeln des Aravalli-Naturschutzgebiets. Hier regieren Bären, Leoparden und Hyänen. Viele Kamele werden in der Gegend ums Dorf gezüchtet. Die Rabari sollen hier etwa 5.000 Kamele halten. Vielleicht sollte man mal eine Runde mit der alten Schmalspur-Eisenbahn fahren, die hier durch die Berge schnauft. Weiterhin hält die Fürstenfamilie einige Pferde aus der weltberühmten Rasse der Marwari, die sie interessierten Gästen für organisierte Horse Safaris durch eine aufregende Naturlandschaft zur Verfügung stellen.

Bevor wir aber mit dem Allrad-Mahindrajeep in die benachbarte Wildnis aufbrechen (siehe Fotogalerie), gibt es natürlich erst einmal einen königlichen Lunch.

Königlich? Na, wenn das mal nicht untertrieben ist!

Die Rani Sahiba als Regentin der Jojawar-Küche könnte wahrhaftig unserer Rani Bhavna in Jodhpur Konkurrenz machen. Über 225 Jahre war das Schlemmen hohe Tradition bei den Nachkommen der Chouhans, und die Rani ist im Besitz einer Sammlung königlicher Rezepte, die die Frauen der Herrscher von Generation zu Generation weitergegeben haben.

Fürstliches Mahl, fürwahr!

Was uns dort im Speisesaal der Rawla Jojawar aufgefahren wurde, bläst alle guten Vorsätze hinsichtlich der Figur in den Wind! Und ich will so bald wie möglich ein weiteres Mahl dahin!

Eine Menge verschiedener Gemüse fand sich in kupfernen Tiegeln, ein köstliches Dal (diese Linsensuppe, die Chandra für sein Leben gern ißt). Das sah alles so festlich aus, daß es mir hochnotpeinlich war, als der Diener meine Flasche Coca-Cola brachte. Was für ein Banausentum US-amerikanischer Burger-King-Mentalität an einer solch fürstlichen Tafel! Aber da mußte ich durch. Hätte ich es ahnen sollen, als man mich vor dem Lunch draußen gefragt hat, was ich gern trinke?

Die Krone der Tafel aber war das "Be Masale ka Maas" - eine unnachahmlich köstliche Kreation aus Lamm. Ein so schmackhaftes und zartes Fleisch habe ich noch nie gegessen, deshalb habe ich die Rani Sahiba Pushpendra nach dem Essen gleich verhört. Sie fragte nämlich ganz besonders besorgt, ob es alles recht gewesen sei.

Und es klang so einfach, was sie mir da in schlichten Worten verriet. Für uns 4 Personen hat die Rani 1 kg Lammfleisch aus der Keule gebraucht, 115 Gramm Ghee (geklärte Butter - soweit reicht's bei mir noch) und 7 mL Kewara-Wasser (Da reicht's schon nicht mehr). Einfach das Ghee auf kleiner Flamme erhitzen, vom Ofen nehmen und kurz etwas abkühlen lassen; dann das Lammfleisch mit Joghurt und Salz dazugeben, und das ganze wiederum auf kleiner Flamme solange köcheln, bis das enthaltene Wasser komplett verdampft ist. Ist das Fleisch noch nicht zart genug, muß man noch einmal etwas Wasser zugeben. Das ganze nun kochen lassen, bis das Fleisch ein helles Goldbraun bekommt. Das kann schon mal 40 Minuten dauern. Anschließend mit dem Kewara-Wasser übergießen und servieren. Schmecke diese Köstlichkeit, die einmal nicht in einer Masalamischung gekocht wurde, so daß das ganze Fleischaroma nicht von der scharfen indischen Gewürzvielfalt überlagert wird!

Göttlich, sage ich Dir! Erst später wurde mir klar, daß Pushpendra ihre geheimen Familienrezepte unbesorgt einem Europäer verraten kann: Der kriegt das trotz genauester Beschreibung ja sowieso nie hin. Zum Beispiel habe ich später Bhavna in Jodhpur gefragt, was dieses Kewara sei. Sie hat's mir gesagt, und ich verstehe ihr Englisch gut - aber ich bin trotzdem so schlau wie vorher. Bhavna: "Kewara is some flower whose essence is extracted and made into Kewara flavoured water, something like rose water." Aha…

Kommen wir lieber zum Dessert. Die mich kennen, wissen es: Ich sterbe für die nordindische Küche - aber die Süßigkeiten - nee! Wenn ich mit Marion unterwegs bin, bekommt sie immer meinen Nachtisch. Aber hier war Marion nicht dabei, und ich habe dann mal probiert…

Die Rani nennt es "Lahsun ki Kheer", und das war gar nicht der pure Zucker wie so oft. Es war exotisch nussig, und das Rezept noch viel exotischer. Eine solche Kombination würde sicherlich auch jemand komisch finden, der sonst in der Lage ist, mit Appetit Rollmöpse mit Erdbeermarmelade zu essen.

Ein normales Kheer besteht aus Milch, Zucker und Reis, die zusammen mit Trockenfrüchten, Gewürzen und Safran aufgekocht werden. Beim Lahsun ki Kheer kommen aber Knoblauchzehen und Alaun hinein! Hätte man mir das vorher gesagt, ich hätte glatt Diabetes vorgetäuscht! Knoblauch mit Zucker! Und Alaun kenne ich nur vom Blutstillstift meines Vaters her.


Lassen das Herz des Pferdeliebhabers höher schlagen: Marwari Horses

Aber glaub's oder nicht - die Knoblauchzehen zergingen im Mund wie junge Mandeln und hatten tatsächlich einen eher nussigen Geschmack! Und die Rani hat mir netterweise ihren geheimen Prozeß verraten, bei dem der scharfe Knoblauchgeschmack verschwindet.

Man nehme einen Liter Milch, 250 Gramm Zucker, 120 Gramm Knoblauchzehen, 6-7 Kardamomschoten (gemahlen), 15 ml Rosenwasser, 12 Gramm Alaun.

Zuerst werden die Knoblauchzehen geschält und beide Enden abgeschnitten und weggeworfen. Dann längs einschneiden und den Faden aus der Mitte der Zehe entfernen - damit entfernst Du auch den Großteil des scharfen Geruchs und Geschmacks. Jede Zehe wird nun längs in 4 Streifen geschnitten und das ganze 1 Stunde gewässert. Danach das Wasser wegschütten und den Knoblauch in frischem Wasser eine weitere Stunde wässern. Auch dieses Wasser wird weggeschüttet.  Die Knoblauchstreifen nun in einen Topf geben und mit 4 Tassen Wasser und 6 Gramm Alaun 10 Minuten kochen. Danach den Sud wiederum wegschütten und den Vorgang wiederholen. Zusätzlich wird anschließend der Knoblauch noch einmal mit frischem Wasser abgespült.

Derweil wird die Milch solange gekocht, bis die Hälfte verdunstet ist. Dann Knoblauch und den Zucker dazugeben und kochen, bis es dick ist. Zum Schluß vom Feuer nehmen, Rosenwasser und Kardamom hinzugeben und gekühlt servieren.

Also, das halbe Pfund Zucker habe ich jedenfalls ebensowenig geschmeckt wie den Knoblauch. Naja, nach einer solchen Grundreinigung! Daß ich kein Koch bin, siehst Du sicherlich schon an meiner Ausdrucksweise beim Rezepteschreiben - deshalb konnte ich mich auch des Gedankens nicht erwehren: Wenn man doch Knofi so lange reinigt und spült, bis sein gesamtes Aroma verschwunden ist und das ganze wie Mandeln schmeckt - warum nimmt man dann nicht gleich diese Nüsse und nennt es "Badaam ki Kheer"? Weil es vermutlich doch wieder völlig anders schmeckt? Wahrscheinlich.


Die wilde Schönheit der Natur in den Aravalli-Bergen

Zumindest ahnst Du nun, wie es zu meiner Wortschöpfung "Kulinatour" im Titel gekommen ist. Weil eine Tour nach Jojawar sich hauptsächlich für naturliebende Leckermäuler wie mich lohnt! Kommst Du mit?

Neuer Stützpunkt

Zumindest für die Rajputana Discovery wird künftig die Station Bhenswara durch den Aufenthalt bei Kumar Amitvikram Singhji und seiner Rani Sahiba Pushpendra Kumari in der Rawla Jojawar ersetzt.

Warum? Weil die Landschaft schöner ist, und Jojawar verkehrsgünstiger liegt. Von hier sind es nur 60 km zu den prächtigen Tempeln von Ranakpur, die auf dem direkten Weg nach Udaipur liegen, das nur 150 km von Jojawar entfernt liegt. Wichtig aber ist vor allem die Tatsache, daß Jojawar erst im Juli frisch restauriert 2002 seine Tore für zahlende Gäste geöffnet hat. Es hat noch viel Ursprüngliches, weil man nur wenig Erfahrung mit Ausländern hat. Dagegen hat Bhenswara inzwischen einen hohen Bekanntheitsgrad, so daß es winters bereits Reservierungsprobleme gibt. Ansonsten haben beide Rawlas gleich schöne Gästezimmer, und die Royals zu Bhenswara sind langjährige Freunde derer zu Jojawar. Seit einem Jahr steht nun auch Jojawar im indischen Heritage Hotelindex, und viele indische Reiseveranstalter bieten es an. Es ist eine Frage der Zeit, bis sich auch hier die Dörfler und Stammesgruppen auf Touristen einstellen. Dann wird unsere kleine Karawane wieder weiterziehen.

In den letzten Jahren haben wir des öfteren eine unserer ländlichen Burgen zu Gunsten einer weniger bekannten aufgegeben. Und wir werden dies sicher noch öfter tun. Einfach, weil einer der wichtigen Grundsätze der Kerala Discovery Philosophie das Reisen abseits der Touristenpfade ist. In Rajasthan ist das nicht immer einfach, denn seit der Unabhängigkeit kommen 90% aller ausländischen Touristen genau in diese Region.

Besuche auch die Jojawar-Galerie

 

 

Rawla Bhenswara

Nachdem Thakur Devi Singh sein Resort in Bera scheinbar aufgegeben hat (s. Traumheft), wurde die Rawla Bhenswara bis 2003 unser neuer Stützpunkt auf dem Wege zwischen Jodhpur und Udaipur. Je nach Termin und Verfügbarkeit werden wir in Bhenswara auch wieder einkehren - haben aber ab 2004 eine schöne Alternative in Jojawar gefunden.

 

Ravla Bhenswara – das war der Eingang zu unserem Zimmer.

Zu einem Fotostreifzug durch das Schloß und seine Umgebung klicke auf das Foto oder hier...

Unterkunft: Ravla Bhenswara (Rajasthan)

Gastgeber: Familie Kanvar Shivpratap Singh und Frau Umakumar

Schönes Anwesen, sehr nette Familie, gute Küche, keine Moskitos,  superbequeme Betten (die sonst anderswo bretthart sind)

Dorfspaziergang bei den Bhil und Rabari, der warme Empfang ist auf Shivprataps Idee zurückzuführen: Keiner seiner Gäste darf den Dörflern Geld geben – wohl aber die dort gemachten Schnappschüsse an ihn senden. Zur Verteilung kommen die Fotos dann beim nächsten Besuch in den Dörfern. Deshalb bekommen auch wir einen warmen Empfang, und auch diesmal hat Shivpratap Bilder dabei, die mit großem Hallo verteilt werden. Logisch, daß sich die Stammesgemeinschaften hier besonders gern fotografieren lassen.

Panthersafari – Füchse, Stachelschwein und 3 Augenpaare: Leopardenmutti mit 2 Jungen am Felshang. Trotz Lockruf kommen sie nicht herunter. Für die Kameras zu weit und zu dunkel - das menschliche Auge ist doch immer noch leistungsfähiger als die Technik.

Shivpratap fährt den Allradjeep mit schlafwandlerischer Sicherheit durch Sanddünen und Dornbüsche – aber an allen Plätzen, die die Panther sonst bevorzugen, haben wir heute Pech. Dafür gibt es Tee und harte Drinks, die der Kanvar vorsorglich eingepackt hat. Abends im Video erkennen wir die Stellen wieder – mit bildfüllendem Panther vor wenigen Tagen aufgenommen.

Der Bhenswara-Palast wird bei unserer künftigen Rajputana-Discovery den Stützpunkt Bera ersetzen. Wir sind sicher, daß das Programm hierdurch erheblich verbessert wird.

Kanvar Shivpratap Singh und Frau Umakumar

Mit Shivpratap’a Allrad über Land – zur Fotogalerie

·         In Bera hat Thakur Devi Singh in letzter Zeit Schwierigkeiten mit der Polizei: Mit einer Jagdeinladung für die Fürsten aus Udaipur hat Devi seine Privilegien überreizt, und seine Safaris stehen nun unter ständiger Beobachtung. Kontrollen machen die Fotoausflüge nicht nur schwierig, sondern auch unattraktiv.

·         Das Ravla Bhenswara liegt im gleichen Gebiet – Panthersafaris von dort haben die gleichen Erfolgsaussichten.

·         Für unsere Route von Chandelao Garh nach Ranakpur liegt Bhenswara verkehrsgünstiger.

·         Die Familie ist sehr sympathisch und aufgeschlossen.

Die Hauptverbesserung: Das Ravla ist ein wunderschönes Heritage Property. Wir leben hier in der liebevoll restaurierten Zenana des alten Castle Bhenswara mit altem Originalmobiliar und vielen antiken Accessoires aus der Zeit von Shivprataps Vorfahren. Solche Original-Unterkünfte ziehe ich den zugegebenermaßen komfortableren aber neuen Cottages in Bera vor.

 

UDAIPUR: Kankarwa Haveli

Schwalben, Adler, Geier, Milane, Enten, Kormorane, Stone Plower, “Didcha-do-it”, Reiher und jede Menge Spatzen und Tauben - ich sitze auf dem Dach der Haveli und zähle die Artenvielfalt der Vogelwelt am Pichola Lake. Und bin wie jedes Mal fasziniert. Immerhin sind wir hier mitten in der Stadt Udaipur. Aber trotz der vielen Leute, trotz Tourismus - der Mensch ist hier immer noch eindeutig in der Minderheit.

KANKARWA – die Zimmer: Restauriert nach Jannus Ideen. Vom Fenster meines Lieblingszimmers hat man einen tollen Blick auf den See und den Lake Palace

Hier an den Ghats des Pichola-Sees hat sich nichts verändert. Einzig die Küche auf dem Dach der Haveli “bessert” sich rapide. Wenn ich “bessern” in Anführungszeichen setze, so bedeutet das eine allmähliche Anpassung an die besonderen Wünsche der ausländischen Gäste. Noch im Vorjahr konnten Jannu und seine Schwägerin “nur” ihre rituelle, streng vegetarische Küche anbieten - selbst die Zubereitung von Spiegeleiern hätte für die indische Pure Kitchen eine Verunreinigung bedeutet, und die strenggläubige Familie hätte dort nichts mehr für sich selbst zubereiten dürfen.

... und vom Lake Palace wiederum schaut man auf unsere Kankarwa Haveli (am Ufer links) – was ist schöner?? Oben sieht man den prächtigen City Palace des Maharana von Udaipur

Doch der Hindu ist tolerant. Mag er auch für sich selbst strengste Reinheitsgebote einhalten - die Vorlieben Andersgläubiger werden ebenso streng respektiert und toleriert. Nur eine Küche mußte geschaffen werden, in der die nicht-vegetarische Zubereitung in einem getrennten Bereich stattfinden konnte.

Dennoch - Udaipurs Angebot an Restaurants in der umliegenden Altstadt ist so reichhaltig, daß wir in Jannu‘s Kankarwa Haveli keine Vollpension in Anspruch nehmen. Für viele ist das Angebot immer noch zu spartanisch, zumal wir von den anderen Gastgebern zuvor hoffnungslos verwöhnt wurden.

Kankarwa Haveli war 1995 noch eine Ruine, die fast 80 Jahre leer gestanden hatte. Im Erdgeschoß hatten sich Obdachlose niedergelassen, in den oberen Etagen flogen die Fledermäuse durch die leeren Fensteröffnungen ein und aus. Dann sind Jannu mit Bruder und Schwägerin hier eingezogen, um das alte Gemäuer zu restaurieren. (Foto links unten: Jannu mit seiner kleinen Nichte Tapasha)

KANKARWA – der Gastgeber: Jannu (hier mit seiner Nichte Tapasha) hat aus dem alten Gemäuer einen romantischen Palast gemacht. Bis 1995 war es nahezu eine Ruine und war 90 Jahre unbewohnt gewesen.

Wer dort heute Gast ist, spürt sofort die liebevolle Hand des traditionsverhafteten Jannu - seine Handschrift ist in allen Zimmern unschwer wiederzuerkennen. Und ich persönlich weiß, daß es für mich schöner ist, vom Dach der Kankarwa Haveli über den See, auf den berühmten Lake Palace und in den Sonnenuntergang zu schauen - als aus einer Luxussuite eben dieses Lake Palace auf die Kankarwa hinüber zu sehen.

Von hier durchstreifen wir die schönsten Gassen, den schönsten Tempel Udaipurs sowie den City Palace des Maharana bequem zu Fuß. Außerdem möchten wir ein bißchen raus - vielleicht nach Nagda oder Eklingji fahren (30 km) oder auch zum Monsoon Palace, den ich von hier aus im Dunst oben auf dem Berg jenseits des Sees sehen kann.

Von dort oben kann man über die ganze “City of Lakes” schauen, kilometerweit über das Land blicken und die Jahrtausende atmen hören.

 

(Manchmal ist der Wasserstand des Pichola-Lake niedrig oder der See fast ganz leer - in solchen Jahren ist eine Unterkunft direkt am See wenig attraktiv und unangenehme Gerüche beeinträchtigen ebenfalls. Wir haben auch in Udaipur eine Ausweichmöglichkeit und kehren auch im Hause des Pahuna Clans ein - dort ist z.B. im Gegensatz zur Kankarwa Haveli gute Vollpension am Familientisch inklusive.)

 

 

JAIPUR: MadhuBan

Das MadhuBan der Patan-Familie in Jaipur ist ein gutes Beispiel für die Auswahl unserer Unterkünfte. Es ist eine noble Familie der Tanwar-Dynastie, der früheren Herrscher des alten Delhi. Es ist nur ein Beispiel für mehrere Unterbringungsmöglichkeiten, die wir in Jaipur nutzen können. Aber auch die anderen Gastgeber haben ein vergleichbares Niveau. 

Altertümliches Ambiente, gute Küche und komfortable Zimmer im MADHUBAN der fürstlichen Familie des ...

Das Familienoberhaupt trägt den Titel “Rao” und verwaltet das etwa 50 Jahre alte alte MadhuBan zusammen mit seiner Mutter und seiner Frau Kaivita (die Chandrashekhar's Kusine ist) und etwa 10 Dienern. Auch hier verlangt man zum Glück nicht, daß wir uns den vollen, klangvollen Namen Rao Digvijay Singh Tanwar of Patan merken - er mag von seinen Freunden schlicht Dikki gerufen werden. Dikki und Kaivita sind Mitte 30 und haben zwei Kinder: Rudru ist 4 und seine kleine Schwester Rudri gerade 14 Monate alt. (Stand 1998)

Du magst nun glauben, ein 50 Jahre altes Haus könne doch kaum das Flair der mehr als 200 Jahre alten Burgen und Havelis haben, in denen wir auf dieser Reise bisher eingekehrt sind. Schau hinein, und Du stellst überrascht fest, daß diese alte Familienresidenz durchaus 100 bis 200 Jahre älter sein könnte. Zumindest das Haupthaus, das von winkligen Gängen und Treppenaufgängen durchzogen etliche grundverschiedene Zimmer mit antiken Möbeln hat. Manchmal fast eine Suite mit eigener Terrasse, ein anderes Mal klein und schlicht - immer aber mit gekacheltem Bad, Western-Style-Toilet und Warmwasserversorgung.

Insgesamt 18 Zimmer sind so großzügig im MadhuBan (wörtlich “Schöner Garten”) verteilt, daß die von Dikki angestrebte familiäre Atmosphäre erhalten werden kann. Zumal der Rao das Haus seiner Familie erst vor wenigen Jahren in ein Gästehaus umwandelte.

... Rao Digvijai Singh Tanwar of Patan – hier mit Ehefrau Kaivita und Töchterchen Rudru

Lobenswert auch die Küche: Eine Reichhaltige Speisekarte präsentiert einen guten Querschnitt durch die nordindische Küche, und wer es einmal milder mag, der kann auf einige Nudelgerichte im Kapitel “Continental” ausweichen.

MadhuBan ist nicht Luxus - es ist ein komfortables, gemütliches Haus nur 3 km von der rosaroten Altstadt der Pink City entfernt.

Du kannst Dir also Jaipurs Sehenswürdigkeiten von hier aus durchaus per Fahrradrikscha erschließen - es warten meist einige vor dem Haupttor.

 

 

 

 

CHANDELAO: Chandelao Garh

Der Weg zum alten Castle von Thakur Pradyuman Singh (40) und seiner Frau Kiran (33) führt von Jodhpur aus etwa 40 Kilometer durch wildes Wüstenrandgebiet mit dem höchsten Wildaufkommen dieser Region. Auf der Fahrt mit dem Jeep sehen wir jede Menge Chinkara-Antilopen, Nilgai und Black-Bucks. Zwei Mungos kreuzten den Weg von rechts nach links - was hier genau das Gegenteil unserer schwarzen Katze bedeutet, sagt Praduman: “We'll have very good luck!” - was sich gleich wenige Minuten später bestätigt: Kaum fünf Meter von den sandigen Wagenspuren, die unseren Weg markieren, sitzt ein Fuchs und schaut uns interessiert entgegen. Er vertraut ganz auf seine Tarnung und läuft erst davon, als der Jeep auf gleicher Höhe ist.

Kleine Dörfer zwischendurch, in denen wir den Webern, Töpfern und Schmieden zuschauen oder ein paar Minuten bei den Bishnoifrauen am Brunnen verweilen. Außer den Bishnoi sind hier auch Stammesgemeinschaften der Raikas zu Hause. Die Dörfer sind sogar jungfräulich, was den Besuch von Touristen angeht: Keines der Kinder hat mich mit dem üblichen “Hallo, one Rupees?” oder “Please, one Pen!” angebettelt. das ist in Rajasthan echt selten geworden.

Im Dorf Chandelao führt mich Praduman zunächst an den kleinen See in der Nachbarschaft seines Kastells. Das hat mir von der ganzen Villagesafari eigentlich am meisten Spaß gemacht: Einfach im Schatten des 500 Jahre alten, heiligen Peepul-Baumes am Ufer sitzen und die Tierwelt beobachten. Da sind jede Menge großer Kraniche und Löffelreiher auf den kleinen Inselchen, und unmittelbar vor mir schmatzt eine große Wasserschildkröte gemütlich an den Uferpflanzen herum. Als einen knappen Meter neben ihr ein Pied-Kingfisher (die schwarzweiße Variante) wie ein Pfeil ins Wasser platscht, da haben wir uns beide gleichermaßen erschrocken. Die Schildkröte taucht blitzschnell unter - ich aber muß mich beherrschen: das ist Trinkwasser und Baden für Menschen ist verboten.

Dann aber sind wir am Ziel: Chandelao Garh.

Sein Home ist wirklich sein Castle: Pradyuman erklärt, daß “Garh” soviel heißt wie “Burg” und eigentlich “Gad” ausgesprochen wird, mit ganz weichem “d” am Ende. Zur Begrüßung gibt's eine Blumengirlande um den Hals und vom Brahmanen eine Glück und Segen bringende Tikka auf die Stirn. Beim Bier auf der Terrasse geht es dann wieder weltlicher zu: Wir machen Pläne für meinen nächsten Besuch.

Dann wollen wir hier ein paar Tage bleiben, eine kleine Safari mit Camel-Carts machen, mit Picknick am See, den 700 Jahre alten Jain-Tempel in Kaparda sehen und abends unterm herrlichen Sternenhimmel auf dem Dach des Castles nach Rajputenart dinieren - natürlich nicht ohne die kulturellen Gesangs- und Tanzdarbietungen der Stämme aus dem Dorf Chandelao..

Jetzt müßte Dich diese Beschreibung eigentlich langsam an unseren Stützpunkt Durjan Niwas in Daspan erinnern. Und richtig - der Vergleich trifft zu. Chandelao Garh ist in seiner Anlage dem Castle in Daspan sehr ähnlich und ein Aufenthalt hat durchaus den gleichen Erlebniswert. Für unsere Reise Ende Oktober würde ich statt Daspan in jedem Fall Chandelao wählen, da bei dieser Reise unser Weg über Pushkar führt, und da liegt Chandelao genau am Weg.

Aber auch sonst ist Chandelao Garh eine gute Alternative für den Fall, daß Daspan gerade mal andere Gäste hat.

Fotos: Pradyuman und Kiran (o.l.) – Das Haupttor zum Castle Chandelao (o.r.) – Das hauptgebäude ist der Wohnsitz der fürstlichen Familie (l.) – Die Zimmer für Gäste befinden sich im Seitentrakt (u.)

 

 

 

 

 

 

BHARATPUR: Chandra Mahal Haveli

Chandra Mahal – unsere Haveli in Peharsar nahe Bharatpur. Der typische Innenhof hat im Obergeschoß eine Galerie, von der man in die geräumigen, antik eingerichteten Gästezimmer.

Bild unten links: Giriraj (Mitte links) Angad (m.) und Yoginder (r.), umringt von seinen Dienern

Bild unten Mitte: Das Portal zur Chandra Mahal

Diese alte, liebevoll restaurierte Haveli ist unsere Endstation. Von hier aus sind wir in ca. 3 Stunden am Flughafen in Delhi. Verzeih mir die Taktlosigkeit, schon jetzt vom Rückflug zu reden - schließlich haben wir hier ja noch einiges vor!

Im Chandra Mahal zu Peharsar  residiert (oder sollte ich 'regiert' sagen?) ein Kanwar des Bharatpur-Adels: Yoginder Singh, seine Frau Giriraj und sein Sohn Angad (9).

Yoginders Ehefrau ist Chandrashekars Cousine 2. Grades, und zwischen beiden Familie bestehen enge, freundschaftliche Kontakte. Giriraj ist es auch, die sich in fürstlicher Gastfreundschaft um uns kümmert - 22 Bedienstete hat sie hierzu aus dem Dorf Peharsar rekrutiert und selbst ausgebildet.

Wir sind mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Die Diener flitzen für unsere Bequemlichkeit, und von der Qualität der Küche haben bereits die großen Travel-Agencies Indiens Wind bekommen. Fast jeden Mittag fahre am Chandra Mahal große, vollklimatisierte Reisebusse vor und ein bis zwei Touristengruppen aus Frankreich und Amerika kehren bei Yoginder zum Lunch ein.

Für uns spielt Trubel um die Mittagszeit eine untergeordnete Rolle, denn Chandrashekar hat uns hier nicht untergebracht, damit wir den lieben langen Tag in der Sonne sitzen.

Wir machen von hier aus Tagesausflüge ins 20 km entfernte Keoladeo-Vogelschutzgebiet und ins 80 km entfernte Agra zum Taj Mahal. Auf halbem Weg dorthin lohnt auch ein Stopp in Fatepur Sikri, der verlassenen Kaiserstadt Akbars des Großen.

 

JODHPUR: Indrashan

Indrashan” ist Chandra‘s Heim. Der Indrashan-Bungalow ist keine Burg und auch keine Haveli - die Ausnahme auf unserer Reise. Dennoch wird dort unser erster Stützpunkt sein, seit und so lange es die Rajputana-Discovery gibt.

Denn es ist das Haus unserer “Schlüsselfigur”, die alle Adelsfamilien kennt und dort gut angesehen ist: Maharaj Chandrashekhar Singh of Rathor ist unser Toröffner zu den wunderschönen, romantischen Palästen und Burgen seiner fürstlichen Freunde, die in diesem Kapitel beschrieben sind. Und was dem Indrashan an nostalgischer Pracht fehlt, macht er durch seine familiäre Atmosphäre und hervorragende Küche wett.

Mag das nostalgische Flair der anderen Häuser hier auch fehlen, Chandra und seine Familie rechtfertigen 100%ig Deinen Besuch. Seine Frau Rani Bhavna ist fanatische Sammlerin antiker Rezepte der indischen Mogul-Küche. Und sie verwirklicht sie auch für uns. Bhavna‘s Küche beweist schnell , daß es bei der indischen Küche nicht unbedingt auf scharfe Gewürze ankommt. Ihre Kreationen sind Philosophie, sie kennt ruhige und lebhafte, belebende und beruhigende, heiße und kühle Gewürze und wer hier zu Gast ist und europäischen Wohlstandsspeck abbauen möchte, der wird in seinen Bemühungen um etliches zurückgeworfen!


"Gute Geister"- im INDRASHAN

... sorgen für unser Wohlergehen. Während Maharaj Chandra (o.l.) uns auf unseren Ausflügen begleitet, kümmern sich unter der sanften Leitung Rani Bhavna’s (Foto) seit Jahren um saubere Zimmer und hervorragende Küche: Pappu (l.) und Chottu (u.l.). Von Vimlabai, dem guten Geist in Bhavnas Küche, war es nicht leicht, ein Foto zu bekommen – sie schwebt immer so lautlos durchs Haus, daß sie von unseren Kameras unbemerkt blieb ... (Marion hat ihr dennoch aufgelauert)

Im Indrashan leben Chandra & Bhavna, Chandra‘s Mutter Lady Lakshmi, die wunderschöne und weise Geschichten zu erzählen weiß, und nicht zuletzt deer kleine Prinz Yashvardan (“Yashu”, 10), der allerdings seit 1998 das Nobel-Internat “Mayo-College” in Ajmer besucht und nicht mehr so oft daheim ist. Dazu gibt es immer drei bis vier Bedienstete, die mithelfen, daß wir uns wohl fühlen.

Chandrashekhar hat im Indrashan nur 4 Doppelzimmer (mit warmer u. kalter Dusche, WC, Einzelbetten und Deckenventilator). Da konnte es vorkommen, daß auch das Gästezimmer des Onkels ein paar Häuser weiter für die Unterbringung von Chandra‘s Gästen einbezogen werden mußte. Alles ist sehr familiär, und jeder kümmert sich so intensiv um uns, daß ich oft ein schlechtes Gewissen bekomme.

Weil mancher Komfort - bei uns selbstverständlich - hier in Indien durch einen so personal- und arbeitsintensiven Einsatz wettgemacht wird, wie wir ihn nicht mehr kennen.

Ich denke, mit diesem Kapitel habe ich Dir einen guten Eindruck von den Häusern und Leuten vermittelt - es erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nicht alle Orte sind hier beschrieben, ein paar fanden keinen Platz mehr im Heft - Nimaj und Nawalgarh, um nur zwei zu nennen.

 

                                  

 

 

 

 

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