InderNett-Tour

1. Reiseziele
Abenteuerberichte von dort, wo der Pfeffer wächst!
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5. Mitreiseantrag

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Die Reiseberichte unserer Gäste im Dialog mit Bernd

 

 

            Geduld - es lohnt! Die Gästereports sind sehr fotolastig
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*        Inhalt

Die KERALA-Letterbox

Kerala Letters

Sigret & Herbert: Unser Südindien-Protokoll

Die Anreise und die ersten Tage auf der Vettikavumgal-Farm im Busch

Immer beliebter: Stopover in Dubai

Flug nach Kerala

Erster Tag im Busch

Planschen im Dschungel

Mysuru (Mysore)

Ausflug Sravana Belagola & Ranganathittu

In & um Mysore

Rückfahrt zur Farm

Südwärts an der Küste entlang: Kochi

Nach Kovalam

4 müssen heim  - wir bleiben noch

Die INN-Links:  Sigrets & Herberts  Reiseprotokoll in 4 Teilen

Majestätisch:  Im Kettuvallam durch die romantischen Backwaters

Alle Mann an Bord!

Pack die Badehose ein

Abendstimmung

"Geht die KD auch mit Madurai?"

Alte Hafenstadt Kochi

Mit dem Zug nach Madurai

Madurai Tempeltour

Beim Pongal Erntedankfest

Verwöhn-Ausklang am Beach

"Einfach mal wieder Kerala"

Unser Stützpunkt für 4 Wochen: Das AyurBay

Wellness? Von wegen!

Seele baumeln & Schlemmen

Backwaters …

... und alte Kultur

Bei den Fischern von Vizhinjam

Ein typischer Tag  auf der Farm

Frühaufsteherin

Köstlicher Start: das Frühstück

Familienanschluss

Bernd meint...

Anneli: Meine Geburtstagsreise nach Kerala

Ein wunderschöner Geburtstag

Beauty Parlour

Silvester 2008

Raumschiff Enterprise oder die unendlichen Weiten des Universums

Genügsam entschleunigt: Lasta & Edgar

Traumreisetelegramm

Susanne: Engelstrompeten & verpackte Tempel

Gaumenfreuden

United Colours of India

Wo die Gondeln Tränen weinen

Café Crema

Madurai, Tamil Nadu

Tempel in Geschenkverpackung

Hartnäckiger Schlepper

Blütenpracht in den Nilgiri

Endstation Kochi

Annette: "Kerala - alles im grünen Bereich!" (1)

Vettikavumgal Farm - sanftes Ankommen

Dorfgehupe & Dschungelgeräusche

Entschleunigen lernen

Klasse Gefühl: Essen mit den Fingern!

Schnupper-Ayurveda

Ab heute Kerala Discovery mit 6 Ladies

Agrar-Tourismus

Dschungelbad am Eruvanhippuzha Arriparam

Jeden Morgen das bunte Studentenvolk

Stiche in der Tonne

Annette: "Kerala - alles im grünen Bereich!" (2)

Wir hören "das Gras wachsen"

In Mysore ist man Tourist

Bekränzt zum Palast de Märchenprinzen

Seidenbasar und Früchtemarkt

Auch die Großstadt erwacht ohne Hektik

Unverhofft Hochzeits-Ehrengäste

Kunst aus Speckstein und Bronze

Gordischer Verkehrsknoten

Dosa essen abseits des Touristenstroms

Großer Koloss und kleiner Deal

Gibt's coin Segen?

Am letzten Abend Bollywood ohne Untertitel

Ein letzter Erinnerungsgang - dann los!

Die wilden Tiere sind im Urlaub

Erfrischungsbad mit Foto-Showdown

Gute & schlechte Schneider

Tropenwetter

Raju's Bruder kommt - und spricht schwäbisch!

Vattashira River

Trekking nein - Hausboot unbedingt

Das Fremdwort "Ruhe"

Genau hier landete da Gama vor 186.480 Tagen!

Unser "freier Tag" mit Küchendienst und Adventsgottesdienst

Tourismussünde  Tusharagiri ?

Egelhafter Dschungel-Walk

Das Ende naht

Abschiedsdinner mit Tandoori

Hochhäuser und andere Fremdkörper

Da waren's nur noch zwei

Annette: "Kerala - alles  im grünen Bereich!" (3)

Langsam ankommen

Meeresbrise und sanfte Hände

Touristenrummel Kovalam

Erlebnisreich: Fahrt zum Südkap

Proppevolle Schiffschaukel

Krippe unter Palmen

Christmas-Dinner am Touri-Beach

Besuch im Ashram

Kovalam ist nicht Indien

Annette: "Kerala - alles  im grünen Bereich!" (4)

Ein Basar, ein Todesfall und der Mann im Glück

Keralas Hauptstadt

Ein steriles Luxusresort

Sylvester á la Lalitha

Ein neues Jahr wird langsam wach

Wehmütiger Abschied von Kerala und letzten Rupien

Voller Rucksack - leeres Herz

Froh, "zu Bernd zu gehören"

Wieder in (c)old Germany

Barbara: "Insgesamt toll!"

Ein richtig gutes Team

Schulbesuch wurde zum Fest

Gut behütet in der Fremde

"Verbesserungsvorschläge":

Bernd:

Monika: "Daheim? Wo ist daheim?"

Monikas Bollywood-Parodien

„Achtung Herzlichkeit !“

Heidi: Von der Überholspur auf die Erholspur

Kerala: Kaleidoskop schöner Erinnerungen

Tief einatmen: Das ist Indien!

Vertraute Töne: Raju's "Indglish"

Agrartourismus im Garten Eden

"Prishemenilla!" (No Problem)

Kinder: Zu laut? Zu leise?

Familienanschluss genießen

Warum Kerala Discovery?

Meine bisher schönste Indienreise!

Manfredo: Der Blick hinter den Spiegel

Bernds Kommentar

Nellikunnu Beach - in den warmen Händen von  Dr. Lalitha Babu

Tipps:

Erika & Josef: Ohne Hetze viel erlebt

Gutes Konzept - viel Info

Umweltbewusst

Temporäre Familienmitglieder

Kerala-Kulturhappen

Im Verkehrschaos sicher fühlen

Volles Programm

Bewegend sind oft die kleinen Dinge

Aus Anja wurde Aniya

Süßholz? Nein - Kokos raspeln…

Besser über Mumbai?

Sonderwünsche? Prishnemilla!

Mein schönstes Erlebnis?

Feuerspeiende Drachen

Adelheids Kerala:  Das AyurBay bei Kovalam

Adelheid: Begegnungen im Dorf

12.03.06 Adelheid: "Meine Backwaters"

Backwatertouren in Quilandi & Allapuzha - ein Vergleich

Kurzbesuch in Rajus "VettikaJungle-Palace"

Adelheid: Die Kinder der Inder

Carmen & Lucas: "Im Farbenrausch Indiens"

Meine Bilder

Superteam

Daynee Driver

Einkaufsparadies

Airline

Trekking

Ankunft in Kochi (Cochin)

Ayurvedamassagen

Schwimmen im Nellipoyil River:

Rund um die Uhr

Gastgeschenke

Reiseverlauf:

Resümee

.Christa & Walter:  "Der wirkliche Garten Eden"

Kein Touristenrummel

Bouillabaisse im Unterhemd

Solch liebe, hilfsbereite Menschen!

Göttliche Ayurveda

Volkskrankheit Rückenschmerzen

Exkursionen: Ideale Mischung

Das Zusammensein mit den Menschen beeindruckt am meisten

Kovalam: Die Überraschung war Lalitha

Zum südlichsten Punkt Indiens

Reisebericht: Claudia aus Gelnhausen

Meine Keralareise vom 09.01.05 bis 30.01.05

Das Standardzeugnis: Sehr gut

KD-Reiseinfos

1. Geldwechsel:

2.Unterkunft

3.Mückenschutz

4. Backwatertour

Unser neues Kettuvallam in Feroke

5. Rückreise

6. Kommunikation mit zu Hause

7. Tsunamihilfe in Kerala

8. Ayurveda

Reisebericht: "Kerala Discovery im November"

Lob für Sri Lankan Airlines

Die ersten Tage auf Vettikavumgal

Ausflug in die Nachbarprovinz Karnataka

Von der Farm nach Süden

Auf dem Hausboot

Kovalam - das Neptune gefällt uns nicht

Viel zu schnell vorbei

Kurzkommentare von Bernd

Kerala Discovery: Hilles Fotobericht

Unser Wohl war 1. Gebot

Colin's Deutsch

Gebratenes Wechselgeld - köstlich!

Wir sind die Stars

Elefanten

Grundsteinweihe

Reisereport: Christine in Kerala

Apropos "Essen"

Deine Hefte über Kerala

Unser Backwatertrip auf dem Kettuvallam

Madurai

Straßenverkehr

Schwerlastverkehr

Indien - ein toller Saftladen!

Gesamturteil:

Beti: Kerala-Discovery Oktober 2003

Ruth & Manfred: Kerala im November 2002

Unser Keralabericht

Strandverkäufer

Atemberaubend und schlaflos

Die Farm - paradiesisch

Bestaunte Exoten

Expeditionen

Wilde Elefanten greifen an

24 Stunden auf dem Kettuvallam

Aufgehoben & angenommen

Margarete aus Karlsruhe: Kerala in Bildern

Birgit – in Südindien unterwegs

Wunderwelt Tausendundeiner Begegnung

Kerala im November 2000 - Horst & Georgine aus Rheinfelden

Brigitte:  ALLE WOLLEN UNSER BESTES

Südindien ‑ oder Fische fangen, wo der Pfeffer wächst

Über Weihnachten in Indien

Makaken

Family Anne and Heinz, with all kids

Der schönste, intensivste und erlebnisreichste und, und, und .... Urlaub in meinem Leben!

Wasser muß dabei sein ...

Können wir das veröffentlichen??

KD-Infos - zu viel des Guten?

Kein blauer Dunst in den Blauen Bergen

Urlaub im Regenwald

Nach Kovalam Beach nicht zum Baden!

Verbesserungsvorschläge gern aufgegriffen

Joke, Janny, Job & Günter in Kerala

„Wir werden wiederkommen!“

Familienfarm contra Beach 1:0

Ein dickes Lob

Diese Herzlichkeit!

Some like it hot

„Weiße“ können nicht verloren gehen

Indien hat uns gepackt!

 

Diese Rubrik wurde am 17. April 2011 aktualisiert

 

 

 

 

Die KERALA-Letterbox  

Eure Briefe sind am kursivem Fettdruck zu erkennen - meine Kommentare sind normal gedruckt. Ich greife aus Eurer Post ab und zu ein Thema auf und wende mich dann aber an alle - auch an die Gäste der kommenden Saison. Nimm's also nicht persönlich, wenn ich mal etwas weiter aushole.

Alle Briefkästen - die Rajasthan-Box, die Kerala-Box und künftig auch die Orissa-Box - sind in den neuen Traumheften weit ausführlicher. Auch eingefleischte Websurfer sollten sich mit dem hier dargebotenen "Aperitif" nicht zufriedengeben!

Damit möglichst viele verschiedene Themen angesprochen werden, habe ich aus Platzgründen die Teile Eurer Briefe gekürzt oder ausgespart, die bereits mit den Briefen der anderen angesprochen worden waren.

Gerade die Letterbox kann für neue Interessenten eine gute Entscheidungshilfe sein. Neben exzessiver Schwärmerei werden auch Mißstände aufgezeigt. Dazu kommt etwas Hintergrundinfo von mir für alle, die eine Kerala Discovery noch vor sich haben.

Was verbessert werden kann, werden die Gastgeber verbessern. Was unabwendbar ist wird nochmals erklärt - damit neue Besucher vorbereitet sind. Besser lest Ihr's hier, als im Kleingedruckten. Zumal ich weiß, daß Interessenten solcher Reisen den Paragraphenkram der Reisebedingungen überhaupt nicht mögen. Auch in der letzten Saison habe ich bemerkt, daß viele sich "aus dem Bauch" für KD entschieden und das "Technische" überhaupt nicht gelesen haben.

Für ein solches Vertrauen bin ich sehr dankbar - möchte aber trotzdem Missverständnisse vermeiden.

 

Kerala Letters

 

Sigret & Herbert: Unser Südindien-Protokoll

Die Anreise und die ersten Tage auf der Vettikavumgal-Farm im Busch

Sigret & Herbert aus Berlin erlebten mit KD Kerala und Umgebung vom 22.11.2009 bis 23.12.2009. Die beiden waren bereits auf Rajputana Discovery, als sie noch im Raum Köln gewohnt haben - mehr als ein Jahrzehnt musste vergehen, bevor sich für die beiden Gelegenheit bot, nun auch den tropischen Süden zu erforschen. Und dieses Erlebnis haben die beiden minutiös protokolliert. Da auch eine 10.000-Kilometer-Reise mit dem ersten Schritt beginnt, wollen wir auch den Aufbruch in Berlin nicht weglassen

Immerhin haben wir hier auch einmal die Möglichkeit, die "technischen Daten" eines solchen Indienabenteuers zu beleuchten: Wie kommt man zum Airport, wie lang dauert der Flug und die Zollformalitäten? Etliche Tipps und Tricks haben die beiden auch nicht vergessen. Dinge, die in den anderen Reiseberichten selten vorkommen. Weil man bei so vielen fremden Eindrücken solche Details einfach vergisst. Natürlich gilt das auch für Sigret & Herbert - aber sie haben Reisetagebuch geführt.

Sonntag, 22.11.2009 und Montag, 23.11.09 - Michael bringt uns zum Bahnhof nach Lichterfelde-Ost. Wir fahren um 10:17 Uhr mit dem  Regio nach Spandau. Hier steigen wir um in den ICE nach Frankfurt/Hbf. Hier holt uns Peter ab. Mit Peter, Elke, Marius und Jannis machen wir, bei schönem Herbstwetter, einen Spaziergang am Main. Nach Austausch der letzten Neuigkeiten und leckerem Kaffee und Kuchen im Museumscafe, verabschieden wir uns von Elke und schon schlafendem Jannis. Peter bringt uns mit seinem Auto zum Flughafen, Marius begleitet ihn.

Immer beliebter: Stopover in Dubai

Im Flughafen vor dem Schalter von Emirates Airline treffen wir, wie verabredet, unsere neuen Urlaubsbekannten Gerry + Heide und Harald + Silke. Nach dem Einschecken gibt es noch für die Männer ein großes deutsches Bier zum Abschluss.

Dann geht es hinein in den Flieger. Um 20:15 Uhr heben wir ab und sind um 5:30 Uhr (Ortszeit, Uhr 3 Stunden vorstellen) zur Zwischenlandung in Dubai. Der Flug war ruhig, das Essen lecker, der Service gut.

Nach der Zollkontrolle (ca. ¾ Stunde) sind wir im super tollen Flughafen, Terminal 3, der nur von Emirates benutzt wird.

Da wir über 8 Stunden Aufenthalt haben, nehmen unsere Kaiserstühler das Angebot der Fluggesellschaft wahr und begeben sich ins Hotel zum Schlafen.

Wir aber fühlen uns noch fit und machen eine Stadtrundfahrt in Dubai.

Zunächst holen wir uns  Dirham am Automaten für ca. 100,00 €.

Nun fahren wir mit der neuen Metro (seit August 2009 in Betrieb) zum Deira City Centre. Wir durchqueren das Einkaufscenter. Es ist noch früh und nur wenige Gaststätten haben schon geöffnet. Wir treffen viele hilfsbereite Leute und sind so zügig am Bus-Stopp für die Big-Bus-Tour. Sie beginnt um 9.00 Uhr und dauert ca. 3,5 Stunden (blaue Tour).

Das Big-Bus-Ticket gilt für 24 Stunden und schließt die rote Tour (ca. 2 Stunden), verschiedene Eintritte und andere Vergünstigungen ein. Man kann die Touren an vielen Haltepunkten unterbrechen. Der Fahrpreis beträgt 220 Dirham = 60 US $.

Wir sitzen hinten im offenen Doppeldecker-Bus und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es ist morgens noch etwas frisch, aber das ändert sich schnell und der Fahrtwind ist  angenehm.

Es sind super tolle, punktvolle Bauten. Neben jeder Straße sieht es aus wie im Park, Blumen, Rollrasen und blühende Hecken. Alles ist sehr gut gepflegt. Überall sind Arbeiter bei der Pflege.

Eine Beschreibung der einzelnen Bauten führt hier zu weit. Wir schauen uns hierfür unsere CD über Dubai an.

Glücklich und voll mit tollen Eindrücken über die gigantischen Bauten, aber auch müde, treffen wir wieder am Flughafen ein. Wir haben ein wenig Hunger und suchen im riesigen Areal des Flughafens den von Bernd hoch gelobten  Imbiss „Cosi“. Hier essen wir Beide ein köstliches „Thai Chicken Masala“ wie von Bernd empfohlen.

Wir machen noch einige Einkäufe im Duty Free und checken ein.

Flug nach Kerala

Der Flug nach Calicut dauert ca. 3 ½ Stunden, aber wir sitzen noch 1 Stunde im Flieger bis zum Start. Der Flieger ist rappelvoll. Viele Inder mit Familie kaufen in Dubai ein. Wir haben unsere Plätze schon per Internet vorgebucht, auf Empfehlung von Bernd. Es sollten Plätze mit besonders viel Beinfreiheit sein. Stimmte auch. Aber diese Plätze werden Familien mit Klein-Kindern freigehalten und so plärrten fast die ganze Zeit Kinder um uns herum. Aufgrund unserer Müdigkeit schliefen wir dennoch einige Zeit.

Die Formalitäten am Airport Calicut dauern ca. 1,5 Stunden, einschließlich Fiebermessung, wegen der Schweinegrippe. Aber es war alles ok.

Vor dem Flughafenge-bäude einige hundert Menschen, die alle auf ihre Angehörigen warten - unglaublich. In diesem Getümmel findet uns Raju.

Die Fahrt mit einem Kleinbus dauert ca. 1 ½ Stunden. Es ist schon dunkel. Gott sei Dank, so bekommen wir nicht direkt das von uns empfundene Chaos auf den Straßen mit.

Wir machen noch einen Zwischenstopp für den ersten Chai in einem Restaurant am Wege.

Hier könnten wir auch etwas essen, so Raju. Aber wir haben ja noch keine Rupien. Das Trinkgeld für die kleine Karaoke-Sängerin übernimmt Raju denn auch.

Auf der Farm kommen wir endlich gegen Mitternacht (Ortszeit, ca. 4 ½  vor Europa-Zeit) an.

Wir beide sind nun schon 36 Stunden auf den Beinen und freuen uns auf unser Bett.

Erster Tag im Busch

Dienstag, 24.11.09 - Nach spätem Frühstück erkunden wir gemächlich mit Raju die Umgebung der Farm. Raju erklärt uns die Bäume, Kräuter und Pflanzen. Vorbei an einigen Reisfeldern, sehen wir Kinder, die sich im glasklaren Bach tummeln, und Familien zeigen uns stolz ihre kleinen Zicklein. Vorher schauen wir noch Bauarbeiter zu, wie sie per Hand Steine bearbeiten und ein Grundstück für den Hausbau vorbereiten. Das Grundstück wird mit einer Bruchsteinmauer eingezäumt. Wir sind im Poolavalli Tal im kleinen Muslim-Dorf Murambathi.

Nach einem Chai-Stopp kommen wir gegen 14.00 Uhr wieder auf der Farm an.

Leckeres Mittagessen steht bereit. Nach der Siesta wollen wir ins Dorf, jedoch es gewittert. So ruhen wir uns aus und warten auf die Kinder und auf die Oma, die in der Kirche sind. Am Abend machen wir noch einen kurzen Spaziergang mit Kopflampe und Taschenlampe auf der Straße, in naher Umgebung der Farm.

Um 22.00 Uhr endlich erneut warmes Essen mit der Familie.

Ach, da war doch noch etwas!

Herbert hatte Geburtstag und wurde 66 Jahre alt. Sigret war es mittags während des Spazierganges eingefallen und gratulierte ihn heimlich und küsste Herbert mitten auf der Straße. Das ist an sich in Indien nicht erlaubt und die Anderen wunderten sich, wie sie später sagten. Sigret hatte aber Raju informiert und ihn gebeten für den Abend Sekt und Rotwein zu besorgen. Zur allgemeinen Überraschung hatte Raju eine kleine Geburtstagstorte machen lassen. Die sehr süße Torte wurde dann abends mit allen verspeist.

Hiernach überreichten wir sechs dann unsere Gastgeschenke. Nach einem letzten Glas Wein ging’s dann ab ins Bett.

Planschen im Dschungel

Mittwoch, 25.11.09 - Raju hat den Ayurveda-Masseur bestellt. Heute früh ist Sigret dran. Mit super viel Öl (das Gesicht wird mit Kokosöl massiert) ist es neu aber sehr wohltuend. Nach einer halbstündigen Ruhepause wird das Öl abgespült. Hierfür bekommen wir von Lovely heißes Wasser im Eimer mit einer Schöpfkelle.

Heute fahren wir mit einem Jeep zum Dschungelfluss Nellipoyil Adiparam ins Adivasi-Gebiet. Adivasi sind die Ureinwohner von Kerala, teils sehr negroide. Sie sind unserer Meinung nach etwas scheu. Auch die Häuser sind etwas ärmlicher als in Kodancherry.

Der Wasserfall hat ein großes Becken gebildet, indem wir in klarem Wasser baden. Die Felsen und Steine sind vom nächtlichen Gewitter aalglatt und glitschig. Silke badet, mit Rücksicht auf die Einheimischen, mit einem Ganzkörperbadeanzug. Wir sind aber ganz alleine am Wasserfall. Hier haben wir natürlich auch ein leckeres Picknick dabei.             

Auf der Rückfahrt halten wir in unserem Dorf (Kodancherry). Sigret kauft Stoff für eine Saribluse, die sie beim lady-tailor nähen lässt (Stoff 49 Rs, Dress 295 Rs, kurzer Dress 200 Rs.

Auf der Farm warten schon Kaffee und selbst gebackener Kuchen auf uns.

Jetzt ruhen wir uns auf der oberen Terrasse, mit Blick aufs Gebirge aus.

Jetzt hat Herbert seine erste Massage. Wie bei Sigret, mit sehr viel Öl und kräftiger Ganzmassage. Das Anlegen und Entfernen des Lendenschurz-Stofffetzens durch den Masseur ist fast wie eine Zeremonie - lustig.

Donnerstag, 26.11.09 - Sigret und Herbert erhalten  ihre 2. Massage am Morgen.

Mit Gerry und Heide wandern wir nach Kodancherry. Silke und Harald leihen sich Rajus Motorrad und erkunden die nähere Umgebung (mangels einer Landkarte zeichnet Raju die Fahrstrecke auf).

Überall im Wald verteilt stehen Häuser. Weiter von der Straße weg sind es kleinere, aber gepflegte Häuser. Die Leute sind freundlich und lassen sich gerne, besonders mit ihren kleinen Kindern fotografieren. Man hat den Eindruck, sie sind stolz darauf, fotografiert zu werden. Am Straßenrand treffen wir Gäste einer Silberhochzeit und werden spontan eingeladen. Wir probieren vom Hochzeitskuchen. Ein katholischer Priester, der sehr gut deutsch spricht, erklärt uns einiges (er war mehrere Jahre im Raum Stuttgart). Natürlich machen wir Fotos vom Brautpaar.

Als wir weiter auf Kodancherry zu gehen, sehen wir viele villenartige Häuser.

Wir trinken zunächst einen Chai, und dann sieht uns Paulson, den wir gestern schon trafen, und er kommt zu uns. Paul spricht ein wenig deutsch und kommt von einer Hochzeitsfeier im Dorf. Er besteht darauf, dass wir mitgehen und dem Hochzeitspaar gratulieren, damit es Glück für das Brautpaar bringt. Im Saal sind einige hundert Gäste und wir, im Freizeitlook, werden gefilmt, als wenn wir die Hauptakteure wären. Das Brautpaar verlässt kurz den Raum, um sich die Hände zu waschen. Erst dann können wir ihm gratulieren. Und wieder wird gefilmt und geknipst.

Wie selbstverständlich zeigt uns Paulson auch noch stolz sein nettes Haus.

 

 

Nun besichtigen wir die katholische Kirche von Kodancherry. Sie ist von außen ein sehr imposanter Bau, innen ein schlichter großer Raum ohne Bänke. An der Seite stehen wenige blaue Plastikstühle in Zweierreihen für Alte und Gebrechliche. Große plastische 3-dimensionale Bilder von der Heiligen Familie hängen an den Wänden. Wir treffen einen jungen Vikar. Er erklärte uns: „Kerala hat 25 Bistümer und 90 % der Katholiken gehen in die Kirche. Schon bevor Christen nach Europa kamen, kam der heilige Thomas nach Kerala und brachte das Christentum mit“.

Als wir aus der Kirche kamen, war gerade Schulschluss. Trauben von Kindern umringen uns. Immer die gleichen Fragen: „What is your name, where do you come from, have you pen? Herrlich auch die Schulkleidung.

Mit dem Tuk Tuk fahren wir vier für 20 Rs zur Farm.

 

 

 

Freitag, 27.11.09: bis 2.12.09 fahren wir nach Mysore. Wir starten gegen 11.30 Uhr. 1. Stopp für 1 Stunde an der Passstraße in den Nilgiris am kleinen Pookot-See. Wir wandern um ihn herum und haben noch Zeit für eine Chai. Der nächste Stopp ist hoch in den Nilgiris an Kurve 9. Hier wissen die wilden Makaken-Affen, dass sie von Touristen mit Bananen gefüttert werden. Ein Schauspiel!

Auf dem Hochplateau (Dekkan-Plateau) sehen wir riesige Teeplantagen. Die Häuser sind hier anders. Bald sehen wir die ersten Reisfelder. Dann fahren wir durch ein Naturschutzgebiet an der Grenze zu Karnataka. Wir machen in einem Bambus-Urwald Pause und verzehren ein von Lovely hergerichtetes leckeres Picknick. Die Knochen bekommt ein hungriger Welpe, den Rest holen sich die Ziegen. Die Teller werden im Fluss gewaschen und dann geht’s weiter. Durch eine fruchtbare Landschaft und kleinere Dörfer geht es nach Mysore. Um 18.00 Uhr kommen wir am Hotel Parklane, Harsha Road, nahe dem Palast, in der Altstadt an.

Mysuru (Mysore)

Mysore liegt auf einer Höhe von 800 Meter und hat ca. 500.000 Einwohner. Das Klima ist heiß und trocken.

Nach dem Abendessen im Hotel machen wir noch einen Spaziergang rund um den Block, um erste Eindrücke einer indischen Großstadt zu bekommen.

Samstag, 28.11.09 - Nach dem selbstbestellten Frühstück im Hotel ist um 10.00 Uhr Abmarsch zur Besichtigung des Mainpalace. Raju und der Fahrer schlafen nicht im Parklane.

Die Bauzeit des Palastes ist von 1906 bis 1912. Viel Stein und Metall, wenig Holz, weil der alte Palast abgebrannt war. Überwältigend und vorherrschend sind die Farben Türkis, Blau und Gold. Sehr beeindruckend ist der Baustil mit bunten, gläsernen Dächern.

Elektrischer Strom und sogar ein eiserner Aufzug ist vorhanden. Wunderschöne Gewölbegänge sind bemalt. Der vom alten Palast erhaltene Teil ist jetzt Museum. Viele Mogulelemente, teakholzgeschnitzte Kastendecken und goldverzierte, durchbrochene Decken. In der Palastanlage sind 4 Hindutempel.

Nach kurzem Snack im einheimischen Lokal, besuchen wir das Museum of Art: Bilder, alte Möbelstücke und Sänften sind zu sehen. Eine große Standuhr mit Aufmarsch zum Dussehra Festival. Ein Trommler trommelt im Sekundentakt, der Bläser hebt die Trompete im Minutentakt und lässt sie schnell wieder fallen, nach 30 Minuten kurzes Anspiel der Kapelle.

Anschließend besuchen wir den Devaraja Obst- und Gemüsemarkt. Ein tolles Gewimmel von Menschen. Wir lernen einige neue Sorten von Früchten und Gemüse kennen. Interessiert schauen wir den Blütenketten-Aufziehern zu. Es gibt Ketten aus Jasminblüten, Astern, Tagetes, gelben Margariten und Rosen oder auch gemischte Blühten, weiß mit pink oder Rosen mit Fresien.

Wir kaufen Gewürze und Cashewkerne. Wir sehen Zucker, gekochte und getrocknete Melasse in Vierecke geformt und in verschiedenen Farben. Und natürlich machen wir jede Menge Fotos. Bis jetzt habe ich schon über 300 Bilder gemacht.

Nach einem Chai gehen wir gegen 17.00 Uhr todmüde ins Hotel zurück.

Abends um 19.00 Uhr treffen wir uns mit Raju und Driver zum Essen auf der Dachterrasse des Shilpashri Restaurants.

Nach dem Essen machen wir noch einen Bummel durch quirlige Gassen in Richtung Hotel, vorbei an Garküchen und geschlossenen Geschäften. Gegen 22.00 Uhr schließt der „große Basar“ seine Pforten. Wir genehmigen uns noch ein Abschlussbier (Kingfisher strong, 6,5 %) im Hotel. Ein toller Tag geht zu Ende.

Ausflug Sravana Belagola & Ranganathittu

Sonntag, 29.11.09 - 7.00 Uhr Frühstück, 7.30 Uhr Abfahrt nach Sravana Belagola.

Hier ist der wichtigste Pilgerort der Jain in Südindien. Wir besichtigen den Vindyagiri Tempel der auf einem kahlen Felsen nach 614 Stufen erreicht wird. Hier steht die größte aus einem Stück gemeißelte Statue eines Menschen, Bahubali oder Gomatta genannt. Es strömen hier viele Schulklassen hinauf. Man kann sich auch tragen lassen.

Wieder unten angekommen führt uns Raju in eine kleine Bude, in der wir, auf dem Boden sitzend, den besten Masala Chai der ganzen Reise zu uns nehmen. Vorausschauend nehmen wir gleich zwei Chai.

Im Dorf selber ist noch ein alter Tempel zu besichtigen.

Von hier aus nehmen wir draußen direkt an einem Fluss einen Imbiss ein. Anschließend besichtigen wir das Ranganathittu Reservat. Wir unternehmen eine Bootstour und sehen Vögel und einige Krokodile. Es sind noch nicht viele Vögel zum Überwintern hier.

Bevor wir uns im Hotel ausruhen, fummele ich noch an meiner Camera herum. Und irgendwie schaffe ich es, den Knopf von „konfigurieren“ zu drücken. – Über 300 Schnappschüsse, vor allem die in Dubai gemachten, sind futsch. Na prima!

Zurück in Mysore werden wir am Abend Zeuge der Palastbeleuchtung. Jeden Sonntag von 19.00 Uhr bis 20.00 Uhr lassen 940.000 Lichter den Palast erstrahlen. Wie ein Märchen aus „Tausend und einer Nacht“!!!

Das Abendessen nehmen wir auf der Dachterrasse eines benachbarten Hotels ein.

In & um Mysore

Montag, 30.11.09 - Heute starten wir schon früh um 8.00 Uhr. Es ist eine Tempel-Tour rund um Mysore angesagt. Wir besichtigen als erstes auf dem Chamundi-Hill den prächtigen Chamundeswara-Tempel und danach den schwarzen Nandi Bull-Hindu-Tempel.

Anschließend geht’s nach Somnathpur. Ein alter Hindu-Tempel (1246-1542) zeigt uns in Speckstein gemeißelte tolle Figuren und Elemente von außen und innen in den Kuppeln, alles Hoysala Architektur. Raju zeigt uns die Kamasutra Szenen.

Zuletzt sehen wir uns noch den Moslem-Tempel Sridahan Gabatna an.

Als nächstes fahren wir zum weißen Palast der Prinzessin Lalitha. Das Lalitha Mahal Hotel liegt auf einem Hügel über der Stadt. Es ist das teuerste Luxushotel Südindiens. Wir gönnen uns Eis und Chai (für uns durchaus bezahlbar) und bekommen auch einen kleinen Einblick vom Hotel. Man zeigte uns gerne die Suite, in der Altkanzler Helmut Kohl übernachtete.

Anschließend treffen wir den Zauberer Babu (ein Freund von Bernd) und lassen uns von seinen Zauberkünsten verführen, toll. Sigret ersteht von ihm eine selbstgebastelte Zimbel, aus einer halben Kokosnuss gemacht, als Andenken.

Zurück in der Stadt machen wir Halt in einem Art- und Seidenshop.

Am Abend erkunden wir alle die Stadt und finden, nach Silkes Reiseführer, ein tolles Lokal für Einheimische. Wir essen, auf Bambusblätter mit den Fingern, das beste Biriyani bisher.

Anschließend suchen und finden wir eine RR-Bar (auch in Silkes Reiseführer empfohlen). Hier gibt es Kingfisher aus dem Hahn. Wir halten es aber nur für 2 Pitchers aus. Die Musik ist laut und es verkehren und tanzen Schwule und Transvestiten. Dem Besitzer scheint es zu gefallen.

Dienstag, 1.12.09 - Tag zur freien Verfügung in Mysore. Mit Gerry und Heide erkunden wir die Stadt. Abmarsch um 10.00 Uhr. Herbert findet an einer Straßenecke  einen Uhrmacher, der ihm für 10 Rs sein Uhrarmband wieder in Ordnung bringt. Heide will Steine kaufen, Sigret bekommt eine Peridott-Kette. Sie soll laut Heide ihre Warzen entfernen. Wir finden aber auch sonst noch einige Mitbringsel, so auch schöne Oberhemden für Gerry und Herbert.

Den Obst- und Gemüsemarkt müssen wir noch mal aufsuchen um Bilder zu machen. Die ersten sind ja „konfiguriert“. Beim Gewürzeinkauf bekommen wir gleich einen Chai serviert, um das Masala gleich auszuprobieren. Den findigen, lustigen, kleinen Verkäufer finden wir besonders nett. Weil er in der Schule keine Lust hatte, schickte ihn seine Mutter hierher, damit er nicht auf der Straße landete.

Uns kommt vor, die ganze Stadt ist ein  Basar. Um 17.00 Uhr sind wir müde wieder im Hotel zurück.

Um 19.00 Uhr treffen wir uns zum Abendessen im Rolf Garden Hotel gleich neben unserem Hotel auf der Dachterrasse.

Mittwoch, 2.12.09 - Silke, Harald, Sigret und Herbert gönnen sich zum Abschluss ein besonderes Frühstück.

In Silkes Reiseführer war das Tiger Trail  Restaurant im Hotel Metropole als Tipp genannt.

Wir brauchen 20 Minuten Fußweg (warum nehmen wir kein Tuk Tuk?).

Im imposanten Innenhof des Hotels genießen wir gemütlich ein tolles Frühstücksbuffet.

Die Abfahrt aus Mysore ist um 11.00 Uhr.

Rückfahrt zur Farm

Erster Stopp ist Hunsur, wo wir ein Kloster des Daila Lama Buddhismus besichtigen. Es liegt im Rajiv Gandhi Nationalpark. Die Dörfer ringsherum bewohnen Menschen, die aus Tibet eingewandert sind. Die Häuser hier sind typisch für Tibet. Im Kloster sehen wir Mönche bei der Gestaltung von Mandala-Gemälden zu (pusten durch ein feines Rohr auf Holzuntergrund).

Jetzt erreichen  wir den Nagarhole Nationalpark. Hier leben noch Ureinwohner, sehr schwarz und arm, in bereitgestellten Häusern, auch in großen Zelten.

Den zweiten Stopp machen wir in einem kleinen Elefantencamp, geleitet von den Ureinwohnern dieses Nationalparks. Es sind sehr freundliche Leute, die uns jede Frage beantworten.

Der dritte Stopp ist eine einstündige Busfahrt durch das Gelände. Wir sehen Axishirsche, chopped deer (weiß gefleckte Rehe) in Mengen. Eine Elefantenfamilie stolziert an einem Wasserloch vorbei. Auch 2 schwarze Wasserbüffel, Wasserschildkröten und Eichhörnchen sehen wir. Später zieht ein weiterer, wilder Elefant vorbei.

Auf sehr schlechten Straßen geht es in Richtung Kerala. Auf der Str. Nr. 212 wird der Belag endlich besser. Über die Nilgiri-Passstraße erreichen wir gegen 20.30 Uhr wieder die Farm. Nach tollem Essen von Lovely fallen wir todmüde ins Bett.

Donnerstag, 3.12.09 - Zeit zum Entspannen auf der Farm. Nach dem Frühstück laufen wir durch den Wald nach Kodancherry. Herbert kauft sich ein Hemd und Stoff für seinen Schlafanzug. Den geben wir gegenüber beim Schneider in Auftrag.

Zurück mit dem Tuk-Tuk auf der Farm, gibt es am Nachmittag ein schweres Gewitter.

Abends bleiben wir auf der Farm. Silke und Sigret haben sich etwas erkältet und bekommen von Lovely einen super Trunk dagegen. Am nächsten Morgen geht es beiden schon wieder viel besser.

Freitag, 4.12.09 - Abfahrt 10.30 Uhr zur kleinen Trekking-Tour zu den Tusharagiri Fällen. Es ist eine tolle Tour bergauf über 3 Wasserfälle. Ein Guide und Raju laufen mit Badelatschen. Wir anderen mit festem Schuhwerk. Es gibt viele Blutegel. Herbert wird am meisten befallen. Sobald wir stehen bleiben, kommen die Blutegel. Raju hat gegen sie eine Mixtur (Petroleum mit Kaktussaft) in einer Flasche mitgenommen. Damit werden die Füße eingerieben, damit sie wegbleiben. Sie kommen trotzdem.

Die Fälle über die Felsen sind gigantisch und die Aussicht über Urwald und Gebirge ist toll. Bis zum mittleren Wasserfall sind es 200 Höhenmeter. Der höchste Gipfel den wir sehen, liegt bei 1800 Meter.

Leider erwischt uns beim Rückweg ein Gewitterregen. Wir sind alle pitschnass.

Unser Hunger wird gegen 15.00 Uhr in einem Urwaldrestaurant mit einem Imbiss gestillt.

Den Abend verbringen wir auf der Farm.

Samstag, 5.12.09 und Sonntag, 6.12.09 - Wir fahren ca. 1 Stunde nordwärts zur Küste, um auf unser Boot für die Backwater Tour zu kommen. Dort angekommen, gehen wir an Bord und fahren sogleich los.

Die Landschaft ist herrlich, palmenumsäumte Seen. Die Fische springen in kleinen Schwärmen neben uns her. Skipper, Serviceman (Manni) und Koch versorgen uns mit Essen und Trinken. Außer einigen Fischern in ihren kleinen Einbaumbooten sind wir das einzige Schiff.

Wir schippern bis in die Nähe des Arabischen Meeres, denn die Backwaters liegen ca. 1 km entfernt vom Meer. Wir legen an und steigen in einen Einbaum, denn unser Schiff kann die Brücke nicht unterqueren, und so erreichen wir das Meer. Wir sehen einen kilometerlangen,  menschenleeren Strand, nur eine Gruppe Jungen spielt Ball. In der Ferne sieht man einige Fischerboote.

Das Wasser ist badewannenwarm, herrlich. Fast schon zu warm. Wir wandern am Wasser entlang und treffen auf Fischer die ein paar Fische in ihrem Netz haben und diese mühevoll sichern. Es sind gelb umsäumte Plattfische.

Im Artikel "Keralas grüner Traum: Die Backwaters (INN545)" habe ich von dieser Backwater-Kreuzfahrt berichtet. Zum ersten Mal ist hier der Backwatertraum zum Albtraum geworden, und ich bin Sigret & Herbert dankbar, dass sie das Desaster vergleichsweise tolerant schildern.

Was wirklich passiert ist, liest Du im obigen Artikel der Nr. 545

Manni, unser Serviceman, wohnt hier und führt uns voll Stolz in sein Dorf und zeigt uns sein Haus. Es sind kleine Steinhäuser unter Palmen direkt hinter dem Sandstrand. Seine 9 Monate alte Tochter hat Fieber und Sigret soll sagen was sie hat. Er hält Sigret wahrscheinlich für eine Ärztin.

Zurück an Bord, müssen wir uns für die Nacht einrichten, denn es wird schnell dunkel.

Leider ist unser Boot etwas heruntergekommen und es entspricht nicht ganz dem Traum von einer romantischen Bootsfahrt. Das Boot an sich hat zwei geräumige Zimmer mit Bad und Toilette. Eine 3. Übernachtungsmöglichkeit, über eine Leiter zu erreichen, Matratze auf dem Boden und nur Kniehöhe, ist aber unzumutbar. Das Boot ist u.E. nur für 4 Gäste geeignet, sollte aber dringend überholt werden. Die Akkus könnten auch vorher aufgeladen werden. Das muss nicht mit einem lauten Generator nachts passieren. Der Bitte um Abstellen des Generators nach 1 Stunde wurde aber von Manni sofort entsprochen!

Wir überstehen die Nacht, sind uns aber alle einig, dass wir hier keine 2. Nacht mehr bleiben wollen. Silke ruft Raju an, dass wir am Abend abgeholt werden wollen. Leider ein Wehrmutstropfen unserer Reise.

Manni, unser Service-Man, der Koch und der Skipper waren freundlich und haben sich um uns bemüht. Das Essen war ausgezeichnet.

Am nächsten Morgen bringt uns der Skipper an eine Stelle, bis zu der das Salzwasser nicht mehr vordringt und hier baden wir nach dem Frühstück im warmen Süßwasser. Hier gibt es einige bewohnte Inseln. Die Menschen am Ufer winken uns überall freundlich zu. Nachmittags machen wir noch einen kurzen Spaziergang in der Umgebung. Durch hohe Wälle sind die Häuser vor den Sturzbächen in der Regenzeit geschützt, jetzt sind es Wege. Hier an der Küste werden die Tigerprawns und auch andere Fische gezüchtet in natürlichen riesigen Teichen durch Wälle getrennt vom Backwatersystem.

Am Abend holt uns der Fahrer ab und wir kehren zur Farm zurück. Wir freuen uns auf unsere Betten, denn in der vorigen Nacht war kaum Schlaf möglich.

Montag, 7.12.09

Wir fahren gut 1 ½ Stunden nach Calicut. Die Stadt kommt uns vor, wie eine hektische Küstenstadt ohne besondere Sehenswürdigkeiten. Wir nehmen uns aber auch wenig Zeit dafür.

Wir kaufen für Herbert Brillengläser. Sie sind mit 240,00 € um die Hälfte günstiger als bei uns. Gerry leistet sich eine schöne Uhr, auch die ist hier sehr günstig. Ein Versuch, einen goldenen Anhänger für Sigret’s Kette zu bekommen schlägt fehl. Ihr gefallen die aufwendig geschmiedeten Goldsachen nicht. Raju erledigt in der Zwischenzeit die Rückbestätigung des Rückfluges.

Am Nachmittag fahren wir weiter zum Fischerdorf Beypore. Hier beeindruckt gerade der Bau der langen neuen Seebrücke. Sie wird mit Granitplatten gefliest. Wir wandern bis zum Ende und beobachten Delfine zwischen einfahrenden Fischerbooten. Sie zu fotografieren fällt uns trotz vieler Versuche schwer.

Wir fahren weiter zum Fischerhafen. Hier wird gerade entladen. Die größeren Boot-Trawler bringen Fische, die kleineren bringen Krabben. Die Krabben werden auf dem Boden sortiert. Der Abfall kommt zurück ins Meer. Alles wird auf dem Kopf in die Halle gebracht und mit Eis in Kisten verfüllt. Ein herrliches buntes Bild - aber es stinkt furchtbar. Die Fischer sind trotz der Hektik sehr freundlich. Sie lassen Harry in den Laderaum klettern. Er sieht dort die Mengen von Fisch, schön sortiert nach Sorten.

Nun besuchen wir noch Teile der alten Bootswerft. Zurzeit werden hier einige alte Schiffe restauriert.

Zurück durch die hektische Stadt kaufen die Ladies für Diana, die am 9.12.09 10 Jahre alt wird, einen Rock mit Shirt. Die Herren gehen derweil in eine naheliegende Bar zum Bier trinken.

Spät abends sind wir wieder zurück auf der Farm.

Dienstag, 8.12.09

Geweckt werden wir vom Toddy-Tapper. Er klopft auf den Stamm, um Saft aus dem männlichen Teil der Palmblüte zu entlocken. Die Palmblüte ist dafür mit einem Topf umgeben, in dem der Saft aufgefangen wird. Er gärt und wird gebraucht für Wein oder Schnaps brennen.

Anschließend fahren wir zum Picknick an den Vattashira-Wasserfall. Er ist der schönste bisher. Im Hintergrund ist die Bergkette der Nilgiris bis zu 1800 Meter hoch. Wir sitzen auf großen Steinen unter Bäumen auf den mit Palmen umsäumten Wasserfall. Natürlich baden wir ausgiebig und bauen aus lauter Übermut Dämme mit Raju.

Auf der Rückfahrt steigen Geri und Herbert in Kodancherry aus und gehen zum Barbier. Für 1,50 € werden sie rasiert und erhalten noch eine hervorragende Kopfmassage. Nachdem Herbert seinen neuen Schlafanzug abgeholt hat (ca. 3,00 €) leisten sie sich selbstverständlich noch einen Chai (4 Rupien pro Chai).

Mittwoch, 9.12.09

Nachmittags letzte Fahrt nach Kodancherry. Wir erledigen einige Sachen und haben wieder ein nettes Chai-Erlebnis.

Diana hat heute Geburtstag und wir beschenken sie mit dem in Calicut gekauften Kleid und singen ihr ein Geburtstagslied. Sie zieht das Kleid sofort an und sieht aus wie eine kleine Prinzessin.

Heute Abend gibt es Tandoori-Essen auf der Dachterrasse der Farm. Raju hat den Tandoori-Ofen angefeuert und grillt die Spieße darin. Er sieht verwegen aus, hat sich ein Kopftuch umgebunden und seinen Lunghi hochgebunden. Lustig!

Tische und Stühle werden auf die Dachterrasse geschleppt. Wir sitzen am Tisch und die Familie und die Bekannten (Schüler die bei Raju wohnen) nehmen auf dem Teppich Platz. Es ist ein tolles Essen. Unser Geburtstagskind Diana tanzt für uns und die Schüler singen Lieder.

Ein schöner Abschiedsabend für uns. Morgen müssen wir leider die Farm mit den uns liebevoll umsorgenden Familienmitgliedern verlassen. Wir werden noch lange an die super von Lovely gekochten Mahlzeiten zurück denken.

Südwärts an der Küste entlang: Kochi

Donnerstag, 10.12.09 - Heute starten wir um 10.00 Uhr nach Kochi. Die 8-stündige Fahrt ist für uns Sechs im zu engen Van sehr anstrengend. Keine Klimaanlage, deshalb Fenster auf und zügig über holprige Straßen. Die Fenster müssen aber geöffnet bleiben, da es sonst zu heiß ist.

Unterwegs machen wir Stopp an einem Elefantencamp in Guruvayur bei Thrissur. Hier leben ca. 55 Tempelelefanten angekettet. Sie werden jeweils von 2 Mahouts gepflegt, versorgt und trainiert, um einmal im Jahr beim Tempelfest geschmückt zu paradieren. Einige Tiere sind gerade brünftig und deshalb aggressiv. 1 Stunde laufen wir durch das Camp. Sigret gefällt es hier gar nicht.

Erschöpft kommen wir in Kochi im Dunkeln an und können nur noch duschen und im Nebenhotel (Southern Star) essen gehen. Vor unserem  Hotel Sealord (in  Ernakulam) sind viele fahrbare Verkaufsstände und es ist ein hektisches Gewusel. Gegen 22.00 Uhr ist alles ruhig und es fahren kaum noch Autos. Auch die Strandpromenade ist menschenleer und die Geschäfte sind geschlossen.

Freitag, 11.12.09 - Heute besichtigen wir die alte Stadt Kochi auf der Insel. Mit der Fähre geht es hinüber. Auf dem Oberdeck müssen alle Fahrgäste eine Schwimmweste tragen. Das ist Pflicht, denn vor 3 Jahren sei ein Schiff gesunken mit vielen Toten, erklärt man uns. Im Stadtteil Mattancherry angekommen, laufen wir an Häuser aus dem 15. Jahrhundert vorbei, die die Hauptstrasse säumen. Eines der Häuser hat Vasco da Gama gebaut und darin gelebt. Heute sind fast alle Geschäfte und Läden. Am Dutch Palace, früher Rathaus, heute Museum (leider geschlossen), vorbei gehen wir zum jüdischen Viertel. Auch die Synagoge ist heute am Freitag geschlossen und so können wir leider nicht die schönen Wand- und Deckengemälde anschauen. In einem Riesenladen gibt es viele schöne Antiquitäten aus Holz. Geht man durch den Laden, kommt man zu einem Luxusrestaurant am Wasser gelegen mit Aussicht auf das moderne Stadtviertel von Kochi, dazwischen liegt der Hafen. Die offene St. Francis-Church lassen wir uns nicht entgehen. Sie ist die erste von Europäern erbaute Kirche in Indien (Anfang 16. Jahrhundert).

Mit dem Tuk Tuk fahren wir zum anderen Ende der Insel, wo die chinesischen Fischer ihre Netze haben. Wir kaufen uns Fische, die in einem Lokal in der Nähe für uns gegrillt werden.

Wieder auf dem Festland, bringt uns unser Auto nach 2 Stunden zum Hotel in Allapuzha. Hier ist die nächste Übernachtung, um am nächsten Tag schon ein Stück auf der Strecke nach Kovalam zu sein. Wir nehmen noch einen kleinen Abendsnack am Pool zu uns und nach einem Absacker an der Hotelbar fallen wir müde ins Bett.

Nach Kovalam

Samstag, 12.12.09 - Wir starten um 8.15 Uhr nach Kovalam. Nach 4 ½  Stunden kommen wir geschafft bei Lalitha an. Bei einem Chaia-Stopp kaufen wir auf Raju’s Rat günstig 2 Karton Kingfisher, denn bei Lalitha gibt es kein Bier.

Lalitha’s Beach- and Ayurveda-Farm ist ein kleines Hotel unter Palmen, direkt am Meer in einer kleinen Bucht, abseits der Stadt Kovalam gelegen.

Heute ist eine tolle Brandung. Der Sand ist gelb, rot, schwarz gemustert. Das Schwimmen macht Spaß im 28° Grad warmen Wasser. Dann schlafen wir auf der Terrasse oberhalb im Sand unter Palmen ein. Im Ohr das Geräusch der tosenden Brandung. Himmlisch!

Das Abendessen nehmen wir auf der Terrasse des Hotels ein. Die ganze Nacht hören wir das Tosen der Brandung, hier im Nellikunnu Beach.

Sonntag, 13.12.09 - Wir werden vom Tosen des Meeres und dem Stimmengewirr der Fischer geweckt. Draußen auf dem Meer gibt es etliche Einbaum-Fischerboote und viele Fischer die nach Muscheln tauchen. Ein tolles Bild, aber weniger Brandung als gestern. Sigret sitzt auf der Terrasse und schaut in die Palmen. Sie fühlt sich wie im Film „Klinik unter Palmen“

Während unseres Frühstücks plötzlich Aufregung im Ressort. Lalitha und die Angestellten laufen zusammen. Waltraud, unsere Nachbarin hat sich noch nicht gemeldet. Ihre Türe wird gewaltsam geöffnet und man findet sie tot in ihrem Bett. Am Samstag haben wir sie zum ersten Mal gesehen. Sie verbrachte die letzten Tage nach ihrer Nordindienreise im Ressort. Sie bekam am Samstag ihre Massage und ruhte sich auf der Terrasse aus. Beim Gang in ihr Zimmer ist sie auf den Kopf gefallen. Das war wohl ihre Todesursache. Die nächsten Tage waren öfters mehrere Polizisten zu Gesprächen bei Lalitha.

Das Meer hat sich etwas beruhigt und wir schwimmen und liegen auf unserer Terrasse direkt am Strand unter Palmen und lassen heute die Seele baumeln.

Nach dem Abendessen Fahrt zum „Ligthhouse Beach“. Hier am Strand reihen sich Cafes, Restaurants und Läden aneinander. Jedoch ist es kein Mallorca, obwohl hier fast nur Touristen am Abend sind.

Zum Abschluss sitzen wir Sechs noch zusammen auf der vorderen Terrasse, und trinken heimlich vom mitgebrachten Bier.

Montag, 14.12.09 - Schon früh am Morgen wandert Sigret den Strand entlang. Fischerboote liegen in der Bucht und nur 2-3 Leute sind am Strand. Nach dem Frühstück Gespräch mit Lalitha und Massagebeginn für Herbert (7x Ganzmassage= 1 Stunde, 2x Schwitzkasten= ½ Stunde, 5x Stirnguss).

Wir verbringen den Tag mit Lesen, Schwimmen und Sonnen am Strand.

Gegen Abend erkunden wir die Umgebung. Wir schauen uns an, wie aus grünen Kokosnüssen Öl gemacht wird. Die Arbeiter sind sehr freundlich zu uns, trotz Schwierigkeiten mit der Verständigung. Natürlich nehmen wir uns auch einen Chaia an der Straße. Die Bude und der Mann sind sehr urig. Dafür kostet der Chaia 16 Rupien, 4x teurer als in Kondancherry. Zum Abendessen sind wir auf der Terrasse vom  Ressort Thapovan. Eine sehr schöne Anlage mit herrlichem Blick über Palmen und unsere Bucht. Das Ambiente ist toll und das Essen ist gut, allerdings 1/3 teurer als in Mysore, aber immer noch günstig für uns.

Der Inhaber kommt aus Kiel und ist seit Jahren hier.

Dienstag, 15.12.09 - Am frühen Morgen ist das Schwimmen am Schönsten, denn dann ist das Meer noch ruhig.

Nach dem Frühstück wandern wir mit Gerry und Heide durch die Anlage des Resorts Thapovan zum Kokonut-Beach. Eine kleinere Bucht als unsere mit vielen Einheimischen die nach Muscheln tauchen. Eine Frau wäscht mit jeder Welle Muscheln aus dem Meer. Wir sehen Berge von Muschelschalen. Wir erfahren, dass sie verbrannt werden und dabei ein weißes Pulver zurückbleibt, das zum Malern gebraucht wird. Oberhalb der Bucht grünt und blüht es unter den Palmen. Überall sind kleine Häuser verteilt. Wir laufen, bis wir an einen kleinen Hindu-Tempel kommen. Auf dem Rückweg gönnen wir uns noch einen Chaia in der Hotelanlage Coconut-Bay, sehr gut!  Es ist auch ein schönes Ressort mit kleinen Bungalows im Palmenhain für Gäste.

4 müssen heim
 - wir bleiben noch

Abends sitzen wir Sechs noch einmal alle beim Essen zusammen. Silke isst Lobster, der heute frisch im Meer gefangen wurde.

Heide, Gerry, Silke und Harald fliegen heute Nacht zurück. Wir sitzen auf der Terrasse beim Scheidebier zusammen, bis sie gegen 1.00 Uhr mit dem großen neuen Kombi von Lalitha zum Flughafen gefahren werden. Ein Schweizer und Günter und Evi aus Leverkusen-Schlebusch  sind auch noch dabei. Es gewittert ein wenig zum Abschied.

Mittwoch, 16.12.09 - Alleingelassen nehmen wir nach dem Frühstück um 10.00 Uhr unsere Anwendungen und lümmeln uns auf der Meerterrasse. Nachmittags machen wir uns auf den Weg zum Hafen von Kovalam. Wir kommen an der schönen katholischen Kirche vorbei,  in der gerade ein Gottesdienst stattfindet. Durch enge Dorfstraßen erreichen wir den Hafen. Marktfrauen verkaufen Fisch, Fischer spielen Karten oder ruhen sich aus. An den beiden Moscheen vorbei erreichen wir den Lighthouse Beach. Hier treffen wir Günter und Evi.

Donnerstag, 17.12.09 - Heute ist pure Erholung mit Lesen, Schwimmen usw. angesagt. Herbert verschlingt das Buch „Der Swani“.

Am Abend nach dem Essen gehen wir noch auf ein Bier zu Thapovan. Ein seriöser, älterer Gast aus Zürich fliegt morgen nach Hause. Er genießt mit uns seine letzten Stunden in Kerala. Günter, Evi und Maurice, ein netter, junger Schweiz-Italiener, sind auch dabei.

Freitag, 18.12.09 - Nach dem Frühstück um 8.00 Uhr fahren wir nach Kanniyakumari an die Südspitze. In einem bequemen, alten Ambassador von Lalitha werden wir gefahren (30,00 €).

Unser 1. Stopp war am alten Palast des Königs von Kerala, gebaut 1746. Es ist alles aus Holz gebaut, nur der Tempel und der Saal für Veranstaltungen sind aus Stein gebaut, jedoch mit Holzdecken ausgestattet.

Wieder mussten wir einen Eintrittspreis für Touristen zahlen (200 Rs, Inder 25 Rs).

Dann geht es weiter zum Suchindram-Temple, der letzte wichtigste Tempel für Pilger aus Nordindien vor der Südspitze, ein Hindu-Tempel. Der Eintritt für Männer ist hier nur mit freiem Oberkörper gestattet! Herbert nimmt zusätzlich eine Opfergabe: Ein Teller mit 5 brennenden Schalen, mit dem er die liegende Statue mindestens 3x umschreiten muss.

Die INN-Links:
Sigrets & Herberts
Reiseprotokoll in 4 Teilen

Im Juni/Juli 2010 war die Erstveröffentlichung des Protokolls in den InderNettNews - wie üblich finden sich dort viel mehr Reisefotos als hier Platz fanden:

 

Teil I - INN 562 v.25.06.10:
Hinflug und die ersten Tage auf der Vettikavumgal-Farm in Kerala

Teil II - INN 564 v.09.07.10
Der Exkurs in die Nachbarprovinz Karnataka mit Mysuru und Umgebung

Teil III - INN 566 v.23.07.10
Zurück auf der Farm erkunden wir das Umland und machen eine Kreuzfahrt durch die Quilandi Backwaters

Teil IV - INN 567 v. 30.07.10
Fahrt nach Süden über Kochi. Ausklang der Reise am Strand des Arabischen Meers: Was geht ab bei Lalitha?

Die Tempelanlage hat einen schönen großen Haupttempel in Vishnu-Architektur. Hier verehrt man u.a. den Gott Balsnan.

Nun geht es weiter nach Kanniyakumari. Dort haben wir zunächst einen Mittagssnack mit unserem Fahrer. Vom Parkplatz aus marschieren wir an endlosen Verkaufsständen, ohne angesprochen zu werden, vorbei zur Schiffsanlegestelle. Vorher sehen wir noch das Gandhi Mandapan-Memorial. Es ist ein gelb-roter Bau und soll die Nachbildung eines Orissa-Tempels sein. Er ist so konstruiert, dass am Geburtstag Gandhis, 2.Oktober, die Sonnenstrahlen kurz vor Sonnenuntergang jene Stelle berühren, an der seine Asche bestattet wurde.

Die Fähre bringt uns zu zwei Felsen, dem südlichten Punkt in Indien, wo Arabisches Meer, Indischer Ozean und Golf von Bengalen zusammen kommen. Auf dem linken Felsen ist 1970 das Vivekananda Memorial erbaut worden. Hier sind die Fußabdrücke von Kania Devi zu sehen. Pitra und Matrutirthas sind 1892 zum hinduistischen Reformer Vivekanande herausgeschwommen um dort zu meditieren.

Der rechte Felsen ist ca. 500 Meter entfernt. Hier steht eine 40 Meter hohe schwarze Statue des alten tamilischen Heiligen Thiruvallnar.

Gegen 16.00 Uhr treten wir die Rückfahrt an und treffen gegen 18.45 Uhr wieder in Ayur Bay ein. Es war wieder eine lange Fahrt, doch bequemer für uns als bisher die Fahrten.

Nach dem Abendessen leisure auf der Terrasse.

Samstag, 19.12.09 - Nach unserem morgendlichen Schwimmen ist Ausruhen angesagt.

Gegen Mittag werden wir von Lalitha gefragt, ob wir zur Einäscherung von Waltraud mitfahren wollen. Sigret, Günter und Daniel (Masseur aus Hannover) fahren mit nach Trivandrum, um an der Einäscherung teilzunehmen. Wir wollen den aus Deutschland angereisten Sohn nicht alleine lassen bei dieser Zeremonie. Sie sind dabei, als Waltraud in den automatischen Brennofen geschoben wird.

Am Abend sehen wir endlich den ersten wunderschönen Sonnenuntergang am Meer.

Sonntag, 20.12.09 - Heute nach dem morgendlichen Schwimmen und Frühstück ist Massage und leisure angesagt.

Am Nachmittag wandern wir noch über die Coconut Bay hinaus in die nächste kleine Bucht. Hier ist der Sand ganz fein und es sind kaum Leute hier. Zu einer privaten Hotelanlage führt eine lange Treppe den Felsen hinauf. Zurück am Coconut Bay verfolgen wir bei einem leckeren Chaia wieder einen wunderschönen Sonnenuntergang vom Liegestuhl aus.

Heute Essen in unserer AyurBay mit Weihnachtsbeleuchtung.

Montag, 21.12.09 - Direkt nach unserem morgendlichen Schwimmen hat Sigret ihre Anwendung. Herbert ist nach dem Frühstück um 11.00 Uhr dran. Über Mittag will Sigret schon mal anfangen mit packen, denn morgen wollen wir nach Trivandrum und letzte Einkäufe tätigen. Heute ist Taxi-Streik und so müssen wir umplanen.

Um 18.00 Uhr besuchen wir mit Günter und Evi einen Ayurveda Vortrag im Thapovan Ressort. Wir essen auch dort in schöner Atmosphäre und genießen ein letztes Mal den schönen Ausblick über die Palmen unserer Bucht.

Dienstag, 22.12.09 und Mittwoch, 23.12.09 - Übliches Ritual am Morgen.

Dann werden wir mit Lalitha’s Auto nach Trivandrum gefahren um letzte Einkäufe zu tätigen. Am Nachmittag verabschieden wir Evi und Günter, die nach Bangalore auf eine Hochzeit fliegen. Jetzt sind wir in der Anlage noch mit Maurice alleine. Nachmittags kommen indische Gäste an.

 Wir gehen jetzt noch ein letztes Mal bei starker Brandung schwimmen und genießen den Blick am Beach.

Die Krippe ist jetzt aufgebaut und die Bäume sind mit bunten Lichterketten geschmückt.

Nach dem Abendessen legen wir uns schlafen. Um 1.00 Uhr werden wir geweckt und zum Flughafen gebracht. Um 4.30 Uhr hebt der Flieger ab, wieder mit einer Zwischenlandung in Dubai, diesmal aber nur 1 ½ Stunden, ins kalte Europa.

Es waren erlebnisreiche, herrliche fünf Wochen in Kerala.

Sigret und Herbert

 

Majestätisch:
Im Kettuvallam durch die romantischen Backwaters

Hausboot-Impressionen von KD-Gast Tanja aus Dietenheim - ein Bericht von einer Kreuzfahrt durch eine archaische, vortechnologische Welt. Die Fotos dazu habe ich passend zur Reportage aus Tanjas üppig bestückter Foto-DVD ausgesucht und mit meinen Texten versehen.

Ich hatte während meiner KD-Reise das Glück 2mal mit dem Hausboot zu cruisen, sowohl in lebhafter & lustiger Begleitung von 3 Sebastian-Familien, als auch ruhig & besinnlich zu zweit mit meinem Reisebegleiter.

Vor unserem Ausflug auf das Kettuvallam  musste ich mich erst einmal mit der Geschichte des Reisboots beschäftigen. Und kaum zu glauben, es waren ursprünglich Arbeitsboote, sie befördern die Ernte und andere Erzeugnisse auf den Wasserstraßen, die   k e i n e   Schlaglöcher haben!. Die Entstehung der Touristenversion von Kettuvallams ist angeblich einem älteren Bootsbesitzer zuzuschreiben. Mit drei heiratsfähigen Töchtern geriet er in Geldnot. Da kam ihm die Idee, dass Passagiere zu befördern profitabler sein könnte als Warentransporte.

3. Januar 2010  Sonn(en)tags-Familien-Ausflug: Nach meinem Lieblings-Frühstück (Milktea & Pfannkuchen gefüllt mit Kokos, Zucker, Kardamom & Kreuzkümmel, mmmh!!!) herrscht rege Aufbruchstimmung im Vettikavumgal-Haus, der Kleinbus und das Taxi für die Fahrt in Richtung Norden warten schon.
Die drei Sebastian-Brüder Gilson, Johnson & Raju haben mit ihren Familien einen Sonntagsausflug mit dem Hausboot ausgemacht und ich darf mich anschließen.

Also nun fangen wir mal mit dem Einsteigen in den Kleinbus an…….es passen alle rein.
Erst noch mal durchzählen, sind auch alle da? …wir kommen auf 17 Personen! Dafür bräuchten wir in Deutschland fast einen halben Linienbus, aber in Indien….?!? Als wir alle sitzen und das Fahrzeug die holperige Abfahrt zur öffentlichen Straße hinunterfährt werden wir erst noch mal wach gerüttelt.

Ich genieße die Fahrt durch die vielen Palmen- und Bananenhaine und wir erzählen Witze und lachen & die kleine Kitty, mit ihren dunklen Knopfaugen, weicht nicht von meiner Seite.

In Quilandi angekommen warten wir auf das Hausboot, dort tankt die Besatzung noch Frischwasser.
Unter der Brücke suchen wir Schatten und nutzen die Gelegenheit für ein Groß-Familien-Foto.

Alle Mann an Bord!

 

Endlich ist „Bo(o)arding“! Der Koch hat zum Empfang leckeren Ananassaft zubereitet. Ich staune darüber, dass es trotz der 22 Personen auf dem Boot nicht zu eng ist.

Der Kapitän Manou hat mächtig Unterstützung. Ich setze mich zusammen mit Diana, Jaimon & Kitty auf die Rattanbank und George & Martin vorn am Bug, um ihm über die Schulter zu schauen und das ausgeklügelte Kommunikationssystem zum Maschinenführer zu bestaunen ;-) Staunen muss ich auch über das ausgedehnte Kanal- und Flusssystem, in dem sich Salz- und Süßwasser vereinigen. Die vorbeiziehende Landschaft wechselt dabei von unberührten Wäldern zu Reisfeldern und Bananenplantagen, von Kokoshainen zu kleinen Dörfern. Wie im Garten Eden – denke ich!

Oft befinden sich die Häuser auf nur sehr schmalen Landstrichen, lediglich ein paar Meter breit.

Der Koch verwöhnt uns mit Papaya- & Wassermelonen-Häppchen und es wird heftig „gezockt“. Ich kann nicht sagen, wie viele indische Kartenspiele ich inzwischen gelernt habe: Kitsche, Donkey, Mangus, Keys, Rummy…..

In der winzigen Küche zaubert der Koch, zusammen mit dem netten „Jung-Chef des Motors“, während dessen für alle ein ganzes Büffet mit Hähnchen-Curry, Bohnengemüse, Parota, gebackenem Kingfisch, scharfen Garnelen, Papadams, Gurken-Raita, Reis…….(da läuft mir beim Schreiben immer noch das Wasser im Mund zusammen – Schluck!)

Nach dem Essen werden von einigen die Betten für ein Nickerchen beansprucht und ich hole Luftballons heraus. Eine pfiffige Idee hatten Jasmin & Rico, die einen Ballon mit Wasser gefüllt haben. So entstand ein neues Spiel mit der Wasserbombe, die hin & hergeworfen wurde………..bei wem platzt sie?? …………………….Onkel Raju hatte den nassen Spaß auf der Hose!

Er hat mitgelacht und einfach seinen Doti angezogen & die Hose zum Trocknen in die Sonne gelegt.

Die Zeit vergeht wie im Flug.

Plötzlich kommt eine brenzlige Situation auf dem Wasser, wir müssen einem Fischernetz ausweichen und Manou manövriert das Boot immer näher ans Ufer, der Motor muss ausgemacht werden – aber wo ist die Bremse!?!  Wir schrammen an Ästen und kommen doch noch zum Stehen!

Es ist kein Schaden entstanden & die Aufregung verfliegt dann auch schon wieder.

Kurz bevor wir wieder im Heimathafen anlegen hat der Koch noch für alle was „Süsses“. Wir lassen uns zum Abschied mit Kaffee, Milktea, Ananas und gebackenen Bananen verwöhnen.

Wir üben wieder das Durchzählen im Kleinbus vor der Rückfahrt und ernten gemeinsam nach der Rückkehr auf der Farm eine Tapioka, die es dann auch später zum Abendessen gibt.

Eine der angenehmsten Reiseerfahrungen der Welt!

13. Januar 2010: Nach unserer gestrigen späten Rückkehr von dem Ausflug nach Karnartaka/Mysore ist für heute und morgen die Hausboot-Tour geplant.

Lovely macht Putte mit gewürzter Sauce, Banane & Milktea zum Frühstück, da leuchten Johnsons Augen, der mitfrühstückt und für heute auch mit aufs Hausboot geht.

Raju fährt uns mit seinem grünen Bus zur Quilandi Lagoon. Johnson scherzte, das ist wie ein Pferderitt.

Das Hausboot & die freundliche Crew warten schon und wir werden mit einem Welcome-Drink begrüßt.

Ausgestattet mit WC & Dusche (oder die indische Variante mit Eimer & Krug), 2 Doppel-Schlafzimmer (einfach & sauber) und gemütlichen Rattan-Möbeln ist es ein Erlebnis, idyllisch auf dem Wasser dahinzutreiben — vom Standpunkt des Passagiers aus betrachtet — ist eine der angenehmsten Reiseerfahrungen der Welt. In der beschaulichen Ruhe der Wasserläufe fahren wir diesmal in Richtung Meer, vorbei an einer Garnelenfarm, kleinen Hütten vor denen Kokosnuss getrocknet wird, einer Dorfkirche, Fischern auf Booten und Muschelsuchern.

Diesmal haben wir einen anderen Koch, der es jedoch genau so gut versteht uns zu verwöhnen!

Pack die Badehose ein

für unseren Badeausflug an den Strand müssen wir auf ein kleines Boot umsteigen und für ca. 20 Minuten sitzen wir wie 5 Sardinen in einer kleinen Nussschale. Ich teste mit der Hand, wie warm das Wasser ist – ja, baden wäre möglich.

Am Strand angekommen treffen wir auf ein paar Fischer, die sich die Mittagspause mit Kartenspielen vertreiben. Scherzhaft sage ich zu Johnson: „Die spielen Keys, sollen wir fragen, ob wir mitmachen dürfen? – Die würden nicht schlecht staunen?!?“ J

Der Strand war menschenleer – nur für uns! Da stehe ich erst mal da, mache Bilder und bin etwas sprachlos. Das Meerwasser ist so warm, man kann ohne ein frösteln einfach hineinlaufen und sich auf den Wellen tragen lassen.

Wieder zurück auf dem Hausboot ist Tea-Time und kurz darauf geht Johnson und wir fahren weiter.

Wenn man durch die seitlichen Fenster dieses Panorama mit Palmen ohne Ende betrachtet kommt man sich wie in einem großen Kino vor.

Während der Himmel seinen in den Tropen üblichen schnellen Farbwechsel von Blau über Kupfer zu Rot malt, ist es leicht, die Zeit zu vergessen und zu träumen. Ich fange ein paar tolle Bilder vom Sonnenuntergang ein und wie wir an unserem Übernachtungsplatz am Stausee, mitten auf dem Wasser, den Anker werfen.

Ich genieße die besondere Stimmung. Wenn es Abend wird auf den Backwaters, zünden die Fischer auf ihren Einbäumen und kleinen Seglern die Öllampen und Räucherwerke an. So gleiten kleine Lichter langsam übers Wasser und die Luft ist erfüllt von Geräuschen des Dschungels, die über das Wasser zu uns getragen werden.

In der kleinen Küche wird das Abendessen zubereitet: Fisch-Curry, Muscheln in Tomatensauce, Reis, Chapathi, gebratenes Hühnchen, Salat & zum Nachtisch Sevian Kher – besser kann es einem König nicht gehen.

Man merkt, das bei der Crew das Wohl der Gäste an oberster Stelle steht & sie versuchen, sehr freundlich und unaufdringlich die Wünsche zu erfüllen.

Zum Dinner habe ich meinen neuen Salwar Kameez angezogen. Da staunte die Crew über den original Indian style.

Abendstimmung

Ich sitze auf dem vorderen Deck und beobachte das Ufer. Dort sieht man die Lichter der kleinen Häuser und vereinzelt das Flimmern eines Fernsehers. Plötzlich sind alle Lichter weg und es ist dunkel – Stromausfall! Nur der Mond spiegelt sich im Wasser und man kann kleine Neonfische beobachten.

Nach ca. 10 Minuten kam der Strom wieder und es gingen alle Lichter gleichzeitig wieder an.

Gut, dass das Boot über einen eigenen Generator verfügt, der für den Strom sorgt. Mit den vielen Schaltern muss ich mich allerdings zurecht finden, und die Spannung, ob´s funktioniert oder nicht, ist immer mit dabei ;-) Müde aber hochzufrieden schlüpfe ich nach einer funktionierenden & angenehmen Dusche in mein Über-Wasserbett im 1.000-Sterne-Hotel.

Nur das Geräusch des Strom-Generators der auch die ganze Nacht leider läuft, lässt mich nicht los.

Noch vor den ersten Sonnenstrahlen werde ich vom Gebetsruf eines Muezzins geweckt. Ich sitze auf meinem Bett & genieße die Morgenstimmung. Die ersten Fischer sind auch schon unterwegs. Die Sonne geht auf und das Wasser beginnt richtig zu Glitzern.

Nun sehe ich sogar einen Jelly-Fish (eine Qualle) und der Kapitän freut sich, dass wir nun doch noch eine gesehen haben. Nach einem gemütlichen Frühstück während der Rückfahrt nimmt uns Raju in Quilandi wieder freundlich in Empfang und wollte wissen: „How was your house boat stay????“

Unsere Tour für diesen Tag führte uns weiter nach Kappad & Calicut.

 

(Mehr Fotos von dieser Reise findest Du bei der Erstveröffentlichung das Reports in den INN Nr. 545 vom Freitag, 26.02.2010)

"Geht die KD auch mit Madurai?"

... lautete bei der Anmeldung die Frage von KD-Gast Tanja aus Dietenheim. Natürlich geht das. Besonders die Gäste, die sich als erste für einen Reisetermin vormerken, können nach Belieben am Reiseplan basteln. Damit es wirklich eine echte "Pauschal-Individualreise" wird. Seit Tanjas erstem Bericht "Majestätisch: Im Kettuvallam durch die romantischen Backwaters" in INN-Ausgabe 545 sind inzwischen 2,5 Monate vergangen. Nun folgt die Fortsetzung, in der Tanja tatsächlich von der bewährten KD-Route abweicht: Die Tempelstadt Madurai wollte sie keinesfalls versäumen.

Über die Madurai-Idee hat sich auch Gastgeber Raju Vettikavumgal gefreut - die prächtigen bunten Tempel wollte er selbst gern wiedersehen. Um Tanjas Wunsch zu erfüllen, haben wir die übliche Fahrt mit dem Auto von der Farm nach Süden gestrichen und sind mit dem Zug gefahren. Aber lassen wir nun Tanja berichten. Die Fotos dazu habe ich passend zur Reportage aus Tanjas üppig bestückter Foto-DVD ausgesucht, verkleinert (leider) und mit meinen Texten versehen.

Alte Hafenstadt Kochi

Das neue Jahr war 16 Tage alt und jeder Tag bisher spannend. Hinter uns liegt ein erlebnisreicher Tag. Wir sind früh morgens mit dem Schiff nach Fort Kochi gefahren. Die verschiedenen Architekturstiele des Viertels zeugen von seiner bewegten Vergangenheit. Es zeig sich ganz anders als die kosmopolitische Stadt Ernakulam.

Der Mattancherry-Palast wirkt von außen eher unscheinbar, ist jedoch innen mit tollen Holz-Kassettendecken und Freskos verziert. Die Geschichte der Maharaja-Familie wird sehr ausführlich dargestellt.

Wir schlendern durch die Gässchen, vorbei an vielen kleinen Läden die allerlei Kunst & Krempel anpreisen, zur ältesten Synagoge Indiens (die wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist). Mich interessierte brennend die Kochi International Pepper Exchange, die in meinem Reiseführer als einzigartige Einrichtung beschieben wird, in der immer Tumult herrscht.

Als wir jedoch dort ankommen, lauter leere Räume und eher normale Büros. Diese Pfefferbörse gibt es dort seit 3 Jahren nicht mehr. .schade. Ich bin etwas enttäuscht.

Raju bringt es aber fertig gleich die nächste Überraschung aufzutischen (im wahrsten Sinne des Wortes).

Wir gehen zum Hafen mit den chinesischen Fischernetzen. Ich traue diesen übergroßen Keschern nicht viel zu. Die Technik ist simpel und die Fischer sind fleißig dabei, ihre Fänge einzuholen.

Raju fängt lieber die Fische am Verkaufsstand der Fischer direkt bei den Netzen ein ;-) Ich stehe daneben und staune: Was wird denn das, wir kommen doch gar nicht zur Farm, was machen wir mit dem frischen Fisch, Garnelen & Co.????? Abwarten – hielt mich Raju hin.

Wir schlendern mit unserem Fischpaket weiter vorbei an der St. Francis Church, am Koder House und gehen dann auf eines der Restaurants an der Tower Road zu.

Raju fragte, wie wir den Fisch zubereitet haben wollen? Mein Staunen wurde immer größer. Er erklärte, ja, man kann den Fisch mitbringen und dort so zubereiten lassen wie man es wünscht.

So was hatte ich bisher noch nicht!

Wir warten auf unser Spezial-Meeresmenü und verfolgen das Geschehen am Nebentisch von einer ca. 15-köpfigen Truppe französischer Touristen. (...) Nach ca. 45 Minuten ist es so weit: Köstlich, lecker!!!!

Das war ein richtiges Highlight!

An der Seepromenade erholen wir uns von der leckeren Völlerei. Dann etwas shoppen und Tea-Time und dann geht es mit dem Schiff zurück nach Ernakulam.

Das nächste Highlight wartet auf uns: der Katakali-Tanz.

Die Vorstellung beginnt mit dem Schminken, und der 83-jährige Inhaber der Tanzschule erzählt von der Tradition und erklärt die Hintergründe und Bedeutungen. Man merkt ihm an, dass er mit Feuer & Flamme dabei ist und dafür eine Leidenschaft hat. Er wirkt fast schon mystisch.

Die Tanzvorführung selbst ist sehr eindrücklich mit einem prachtvollen Gewand. Ich werde diesen Abend nicht so schnell vergessen.

Mit dem Zug nach Madurai

Mit einem weißen Ambassador fahren wir zum Bahnhof von Ernakulam und warten dort auf den Nachtzug nach Madurai. Viele Menschen warten, ein buntes Gewirr an Stimmen, Farben und ………………..na ja, Gerüchen ;-)

22:45 Uhr – der Zug ist pünktlich und wir steigen in unseren Schlafwagen erster Klasse. Ich bin erstaunt: Die Waggons sind klimatisiert, es liegen genügend saubere Kissen & Decken parat und man kann die Kabinen abteilen.

Der Zug fährt sanft an und bremst auch sanft ab – es war also ohne Probleme möglich Schlaf zu finden, denn nun hatten wir eine 14-stündige Zugfahrt vor uns.

Sonntagmorgen ……….ratter, ratter, ratter, retter……..ich stehe an der offenen Wagontüre und lasse mir die Morgenluft um die Nase wehen. Es ist wirklich so, dass die Zugtüren auch während der Fahrt immer offen sind!

Zum Frühstück kaufe ich bei einem der mitfahrenden Händler einen Tee & Samosa, gefülltes Teigtäschchen.

Am Bahnhof in Madurai ist sehr viel Betrieb, und wir schlängeln uns mit dem Gepäck zum Ausgang. Dort nehmen wir zu meiner Freude wieder ein Ambassador-Taxi zum Hotel.

Ich genieße die Fahrt in dem schönen Wagen, der Dach-Himmel ist mit besticktem Stoff verziert.

Nach einer kurzen Erfrischung gehen wir zum Mittagessen auf die Dachterrasse des Hotels in den 12 Stock. Ich staune, was für eine Aussicht. Die erste Impression von Madurai und den vielen Gopurams des Meenakshi-Sundareshvara-Tempels.

Wir haben uns über unseren „Schwarz-Fuß-Ober“ amüsiert: Er bediente barfuß mit rabenschwarzen Fußsolen!!

Als Raju ihn fragte, warum er keine Schuhe an hat, erzählte er, dass er auf einer langen Pilgerreise war und ihm momentan kein Schuh passt!?! So was! Darüber staune & schmunzle ich ;-)

Nach einem Nickerchen machen wir den Orientierungs-Stadtrundgang, und ich sehe die erste Fahrrad-Rikscha der jetzigen Indien-Rundreise! Wir probieren Zuckerrohrsaft, und ich lasse mir die Zubereitung von leckerem Parota zeigen & probieren (!).

Im Thirumalai-Nayaka-Palast sehen wir uns die Sound&Light-Show am Abend an. Macht und Reichtum der Nayaka wird in einer eindrücklichen Geschichte erzählt umrahmt mit Musik & Lichteffekten.

Madurai Tempeltour

Wir frühstücken auf meinen Wunsch nicht im Hotel das Touri-Einheits-Continental-Frühstück, sondern außerhalb, wo auch die Einheimischen sind. Das Pepper-Dosa bringt meinen Stoffwechsel auf 280! So scharf habe ich noch selten zum Frühstück gegessen, aber wir hatten unseren Spaß dabei und sind dann putzmunter in den Meenakshi-Sundareshvara-Tempel-Anlage.

Man kommt aus dem Staunen nicht heraus: Thousand-Pillared-Hall, „Saal der 8 Göttinen“, viele Läden, Meenakshi-Schrein und Sundareshvara-Schrein, goldenes Lotosbecken, Flagmasten-Saal, ein Elefant nimmt Spenden – gibt mit dem Rüssel Segen, 12 Gopuras teilweise mehr als 50 m hoch, rundherum verziert mit Stuckarbeiten

Unser Fahrer wartet schon und bringt uns zu 2 weiteren Tempeln etwas außerhalb der Stadt: der Felsentempel Thirupurankunram in einem Granithügel und der Alargarkoli-Tempel.

Wir besuchen auch das große Becken von Theppakulam - es wird ebenfalls Thirumalai Nayaka zugeschrieben. Es ist mit Stufen ausgestattet, die von Balustraden mit Tierfiguren flankiert werden. Hier findet jährlich das Theppam-Festival statt, bei dem die Hochzeit von Shiva mit Minakshi gefeiert wird; Bildnisse der Gottheiten werden auf beleuchteten Booten zu dem kleinen Pavillon in der Mitte des Beckens gebracht.

Kurz vor dem Abendessen besuchen wir eine Anglican-Cathedral – damit auch ein christlicher „Tempel“ dabei war ;-)

In einem kleinen tamilischen Restaurant bekommen wir allerlei Leckeres beim Thali auf Bananenblatt serviert: Lamm, sehr scharfe Krabben (das fand sogar Raju) Reis Butternaan, Parota, Raita und zum Abschluss Kulfi.  (…..wenn da einem beim Lesen nicht das Wasser im Mund zusammen läuft ;-)!!

Beim Pongal Erntedankfest

Vor dem indischen Frühstück machen wir einen Spaziergang zum Iscon-Tempel der Sri Radha Krishna gewidmet ist. Dieser ist sehr modern gestaltet und spricht mich nicht so an.

Das Frühstück war diesmal nicht so scharf und der frische Ananas-Saft war das i-Tüpfelchen.

Wir besuchen den Thirumalay-Nayaka-Palast bei Tageslicht.

Dort macht uns beim Einlass der Mann auf eine Aktion des Tourist-Office aufmerksam.

Wir bekommen ein Informationsblatt auf dem die Einladung und Agenda zu einem Pongal-Fest 50 km von Maduraj entfernt beschrieben ist.

Ich bin skeptisch – ist das eine Kaffee-Fahrt?

Raju erkundigt sich und wir beschließen, dass wir unser nicht-spektakuläres Nachmittagsprogramm umwerfen und stattdessen der Einladung folgen. Zeitlich passt das zusammen mit unserer nächtlichen Abfahrt mit dem Zug.

Wir treffen pünktlich um 15 Uhr am Tourist-Office ein, und ein Bus erwartet uns schon.

Wir fahren übers Land und sehen, dass der Bundesstaat Tamil Nadu von der Landschaft und Vegetation ganz anders ist als Kerala oder Karnataka.

Wir werden in dem Dorf mit frischen Kokossaft aus der grünen Nuss und Blumenkränzen empfangen, und wir kommen aus dem Staunen über den herzlichen Empfang gar nicht heraus. Wir nehmen an einer Prozession auf geschmückten Ochsen-Karren teil und steigen am Tempel aus. Ich strahle über beide Ohren und frage Raju scherzhaft, ob wir mit dem Adel verwechselt werden?!?

Viele Frauen in bunten Saris kochen Reis auf kleinen geschmückten Stövchen.

Man erklärt uns, das das Pongal-Fest eine Art Ernte-Dank-Fest ist.

Musik & Tanz begleiten unseren Zug und die Vorführung mit Schaukampf-Tanz, hübschen Tänzerinnen und lustigen Szenen schließt sich an. Die Touristen werden zum mittanzen animiert. Ich mache auch mit und es ist gar nicht so einfach, den mit Blumen geschmückten „Topf“ auf dem Kopf zu balancieren.

Anschließend werden wir zum Essen eingeladen. Es wird ein Thali auf dem Reisblatt serviert. …..mmh.

Soweit die Kür - nun kommt die kleine Pflicht. Wir werden gebeten einen Fragebogen mit unseren Eindrücken und Erlebnissen zu bewerten, dann noch ein kurzes Interview für die Zeitung und das Fernsehen war auch da.

Zum Abschied gibt’s für jeden einen tolles Schaltuch, und dann reisen wir mit dem Bus zurück nach Madurai.

Ich genieße bei Nacht zum Abschluss in Madurai einen Masala-Chai auf der Dachterrasse des Hotels und lasse meinen Blick über das Lichtermeer streifen.

 

Verwöhn-Ausklang am Beach

Mit dem Nachtzug geht es dann nach Thiruvananthapuram.

Diesmal haben wir einen 2. Klasse-Schlafwagen – ein großer Unterschied zur Herfahrt.

In einer Koje waren 2x3 Pritschen übereinander und keine Abteilung möglich. Keine Kissen, keine Laken, keine Klimatisierung. Viele Menschen waren dicht gedrängt auch auf den Gängen, für mich war an Schlaf nicht zu denken. Auch die Insekten fanden keinen Schlaf (!). Aber auch diese Zugfahrt war ein Erlebnis und wir sind gut in Trivandrum angekommen.

Wir wurden von Lalithas Fahrer schon am Bahnhof erwartet. Er hatte ein Schild mit unseren Namen zur Begrüßung dabei. Das war ein schöner Morgengruß.

Der Abschluss der erlebnisreichen Reise bei Lalitha im Ayurbay in Kovalam war genau das Richtige um sich so richtig verwöhnen zu lassen.

Ich zehre von dieser tollen Reise auch noch 4 Monate danach!

Herzlichen Dank, Bernd - und der Vettikavumgal-Family!!

Tanjas komplette Fotostrecke findest Du in den INN Nr. 555 vom Freitag, 07.05.2010

 

 

"Einfach mal wieder Kerala"               

...sagte sich Hille aus Kaarst. Sie war mit ihrer Reisefreundin Gisela aus Dormagen schon oft mit KD in Indien. Und bevor wir uns kennen lernten auch etliche andere Male, und immer waren es mehr oder weniger organisierte Rundreisen. Diesmal aber wollten die beiden es ruhiger angehen lassen und vor allem etwas für Giselas lädierte Knochen tun. Also schickte ich die Zwei zu Dr. Lalithas Ayuvedaresort in Nellikunnu bei Kovalam. Das ist Hilles Fotobericht:

Am 14. Januar 2010 waren Gisela und ich mal wieder unterwegs nach Indien. Dieses Mal verweilten wir an einem Ort und wollten in vollen Zügen die Behandlungen von Ayurveda erleben. Wir flogen mit EMIRATES von Düsseldorf bis Dubai und dann weiter nach Trivandrum, Kerala, Südindien. Emirates ist eine sehr angenehme Fluggesellschaft mit sehr gutem Service. Der Flug dauerte 10.50 Std. Wir erreichten unser Ziel morgens um 9.30 h. Passkontrolle und Gepäck abholen nochmals gut eine Stunde. Dann erwartete uns Dr. Lalithas Fahrer Rethesh mit dem Wagen. Auf unserem Weg nach Nellikunnu überflog ein Flieger knappe (gefühlte) 20 m über unserem Taxi hinweg die Landebahn an. Wir, einschließlich Fahrer, zogen unwillkürlich die Köpfe ein.

Unser Stützpunkt für 4 Wochen: Das AyurBay

Begrüßung von Dr. Lalitha. Wir packten unsere Koffer aus, duschten, leichtes Mittagessen, Schlaf und später am Nachmittag den ersten Strandspaziergang. Bei einem phantastischen Sonnenuntergang saßen wir glücklich und zufrieden mit einem Kingfischer Bier auf der Terrasse unter Palmen am Meer. Zum Abendessen bestellten wir King prawns (Riesengarnelen) gegrillt + Gemüse, Salat und einem „salted lassie“. Anschließend ein langes Gespräch mit Dr. Lalitha, und laut ihrer Diagnose legte sie unsere Behandlung fest.

Wellness? Von wegen!

In den nächsten sieben Tagen marschierten wir jeden Morgen um 8.30 h in die Behandlungsräume und erhielten unsere Kopf- und Körpermassagen. Von wegen Wellness! Die Bearbeitung unseres Körpers und deren Schwachstellen hat uns manchen gequälten Schrei unterdrücken lassen! Die Therapeutin beugte sich dann lächelnd zum Gesicht hinab und fragte: Pein? - Yes lots of pein!! Aber mit den Tagen besserte sich der Rücken und dann entschieden wir uns für weitere Behandlungen. Neben der Ganzkörperölmassage bekamen wir dann auch den legendären Stirnguss, genannt Sirodhara - und das eine halbe Stunde lang. Er entspannte so, daß man fast immer ins Reich der Träume versank. Hier die ayurvedischen Namen für unsere diversen Massagen: Sirodhara, Pizhichil, Kativasti, Kizhi, Nasya. Also das ganze Programm.

Seele baumeln & Schlemmen

Die Abende verbrachten wir oft auf der Terrasse, unterhielten uns mit den anderen Gästen oder beobachteten Vögel: Dohlen, Adler, Milane etc - dann das ewige Rauschen der Wellen und natürlich den wunderschönen Sonnenuntergang.

Nachmittags fuhren wir des öfteren nach Kovalam und hatten unseren duftenden, frisch per Handmühle gemahlenen Kaffee (und manchmal Kuchen) in der GERMAN BAKERY! Wir kauften ein, Dinge die wir nicht brauchten und kleine Andenken für Familie und Freunde. Dann ließen wir uns einmal BUTTERED CHICKEN und ein anders Mal TANDOORI KINGFISH servieren.

Eines Tages kam überraschend Raju von der Farm nach Nellikunnu und brachte zwei neue Gäste, Tanja und Stefan, mit. Wir haben uns gefreut, ihn wieder zu sehen. Er lud uns ein, ihn und Lovely zu besuchen. Aber 500 km sind eine weite Entfernung......

Bei Lalitha gab es dreimal am Tag vegetarisches Essen mit verschiedenen Tees. Des Abends bestellten wir auch bei ihr frischen Thunfisch, Kingfisch, Garnelen, Tintenfisch, um nur einiges zu nennen. Als kleines Extra gab es in einem irdenen Wasserkrug verborgen Kingfisher Bier, das wir aus dicken „Coffeemugs“ tranken. Denn das Alkoholausschenken ist in Indien in nicht lizenzierten Restaurants bei hoher Strafe verboten.

Morgens nach dem Frühstück ging es oft zum Strand. Wenn die Brandung nicht zu wild war, habe ich im Meer geschwommen. Das Wasser war warm und herrlich klar. Nachmittags wanderten wir durch die Palmenhaine und fanden hier und da versteckt ein kleines Dorf und kleine Tempel.

Backwaters …

Zweimal fuhren wir zu den Backwaters, einmal nördlich nach Kollam und ein anderes Mal südlich nach Poovar. Auf einem Holzkahn ließen wir uns einige Stunden durch die Wasserkanäle staksen. Oft trennte den Kanal nur ein schmaler Sandstreifen vom Meer. Es herrschte eine herrliche Stille. Rechts und links dichte Palmenwälder, Bananenhaine und Mangrovenwälder. Ab und zu Menschen, die ihre Arbeit verrichteten oder ein Bad nahmen. Selten mal ein entgegenkommendes Boot. Einmal legten wir an, um eine Seilerfamilie zu besuchen. Sie zeigte uns,  wie aus Kokosfasern in Windeseile Seile hergestellt wurden.

... und alte Kultur

An einem der anderen Tage fuhren wir nach Suchindram, einem sehenswerten Tempel und dann weiter, um uns den Padmanabhapuram Palace anzusehen. Er war sehenswert, ganz aus Holz gebaut. Die Decken bestanden aus Rosenholz, in denen Blumenmuster geschnitzt waren. Der hochpolierte Fußboden war aus einer Mixtur aus zur Holzkohle verbrannter Kokosnußschale, Eiweiß, Kautschukmilch und verschiedenen Säften geschaffen - eine Mischung, die auch nach vielen Hundert Jahren keinerlei Risse zeigte. Das Ayurveda-Bett des Herrschers bestand aus 64 Holzteilen, die aus Baumstämmen verschiedener medizinischer Bäume zusammengesetzt waren.

Unterwegs hatten wir verschiedene Male das Glück, einen Indian Coffee an der Straße zu genießen. Einmal gelang es uns sogar, unseren Fahrer Rethesh zu überzeugen, dass wir in einem typischen indischen Restaurant an der Straße essen wollten. Er war überzeugt, dass wir nur in einem 5-Sterne Hotel uns wohl fühlen würden.

Bei den Fischern von Vizhinjam

Einen Morgen verbrachten wir in Vizhinjam, einem kleinen Fischerdorf. Wir beobachteten das Einlaufen und Landen der Fischerboote. Unter großem Geschrei wurden die Fische an den Meistbietenden verkauft, und dann wiederum saßen einige kleine Händler da und verkauften ihre erstandene Ware direkt an Kunden. Es war ein buntes und lebhaftes Treiben, die Vielfalt der angebotenen Fische war groß. Die Moscheen waren neueren Datums. In einer christlichen Kirche fand gerade eine Trauung statt. Die Kirche sowie ihre Besucher gaben ein fröhlich buntes Bild ab.

Zum Schluss: Es war eine gemächliche Reise. Die Tage flossen dahin, ganz anders als unsere sonstigen Entdeckungsreisen in Indien. Aber diese Reise sollte ja unserer Gesundheit dienen. Und so kamen wir ausgeruht zurück, aber von mindestens 30° Wärme in minus 5° Kälte hinein. Das zu verkraften einschließlich der viereinhalb Stunden Zeitverschiebung dauerte fast eine Woche.  Deshalb habe ich den Bericht erst jetzt zuwege gebracht.

 

Hilles komplette Fotostrecke findest Du bei der Erstveröffentlichung dieses Berichts in den INN Nr. 548 vom Freitag, 19.03.2010

 

Ein typischer Tag
auf der Farm

Unter diesem Titel kommt die Gemeinschaftsproduktion von Heike & Roswitha, die im November ihren KD-Urlaub auf unserer Vettikavumgal-Farm verbracht haben. Aber kann man wirklich von einem "typischen Tag" sprechen, frage ich? Erlebt nicht jede(r) der verschiedenen Teilnehmer ein und derselben Reise dieses Landleben anders? Das zeigt ein Querverweis auf den Report von Annette - und die war auf der gleichen Reise dabei. Deshalb freue ich mich ja auch auf jeden Bericht von Euch - und rate Interessenten, im KD-Forum ebenfalls mehrere Gästereports zu lesen. Ihr werdet dieses Indien dann möglicherweise wieder ganz anders erleben. Schauen wir also, wie Heike & Roswitha es sahen (Erläuterungen für Farmneulinge sind nummeriert verlinkt) .

Ein Tag auf der Farm bedeutet Leben in einer indischen Familie. Unsere Familie besteht aus Raju, unserem Gastgeber, der uns auf allen Touren begleitet, wenn nicht sogar beschützt hat, und Lovely, seiner Frau, die uns liebevoll umsorgt und bekocht hat. Außerdem gibt es zwei Kinder in dem Haus, und zwar Jaimon und Diana und einen Teenager namens Martin. Und dann gibt es natürlich noch die Mutter von Raju. [1]

Frühaufsteherin

Wir, Heike und Roswitha, haben uns in der oberen Etage ein Zimmer geteilt. Roswitha, die Frühaufsteherin, stand meistens gegen 8.00 Uhr auf und stellte als erstes den Deckenventilator aus. Unser Bad war recht groß und man ging drei Stufen abwärts. Dort befand sich linkerhand die indische Dusche, die aus einem roten Wassereimer und einem kleineren Schöpfeimer bestand. Bei der Wärme machte es Spaß, sich das kühle Wasser über den Körper zu gießen, obwohl wir zuerst recht sparsam geguckt haben. Es ist uns häufig so gegangen, dass die Dinge auf den ersten Blick recht fremd waren und uns dann sehr schnell lieb geworden sind. [2]

Nachdem Heike dann auch aufgestanden ist, war sie zuerst einmal mit dem Zählen ihrer Mückenstiche beschäftigt. Gott sei Dank hatte Roswitha einen Anti-Mückenstich-Stift mit. [3]

Wir beide genossen anschließend eine gute halbe Stunde lang Qi-Gong-Übungen, die wir in unserem Heimatort gelernt haben.

Köstlicher Start: das Frühstück

Und dann kam das erste Highlight des Tages. Lovely's frische Pfannkuchen mit Ananas, Bananen und Pampelmusenstückchen waren einfach köstlich, ganz zu schweigen vom frischen Kaffee und Tee. Jeden Tag gab es andere Köstlichkeiten. Man fühlte sich wie im Paradies. Anschließend haben wir auf der Veranda vor dem Haus mit unseren weiteren vier Frauen den Vormittag genossen. Viele schöne Gespräche gehörten dazu. Dabei überlegten wir ganz in Ruhe, was wir an dem Tag noch unternehmen. Häufig haben wir Fahrten zu einem Wasserfall zum Baden gemacht oder haben kleinere Ausflüge in der näheren Umgebung der Farm unternommen.

Nachdem wir wieder auf die Farm zurückgekehrt sind, überraschte uns Lovely mit frischen Fruchtsäften von der Plantage. Gegen 14.00 Uhr gab es typisch indisches Mittagessen – herrlicher Reis, Fisch, Hühnchen und Wasserbüffel sowie mehrere Gemüsesorten.

Wenn man wollte, hat man mit den Fingern gegessen – was in Indien üblich ist. Zum Nachtisch gab es Obst oder süße Leckereien. Die ersten Tage stand Lovely am Kopf des Tisches und beobachtete genau, ob es uns schmeckt und alles in Ordnung ist. Nach langen Mühen haben wir es geschafft, dass sie sich zu uns gesetzt hat. [4]

Familienanschluss

Nachmittags haben wir mehr oder weniger gefaulenzt, gelesen oder sind nach Kodancherry zum Stoffhändler und zum Schneider gegangen. Zwischendurch gab es leckeren Kuchen, selbstverständlich selbst gebacken.

Nachdem die Kinder aus der Schule gekommen sind, haben wir viel miteinander gespielt. Wir gehörten nach kurzer Zeit vollständig zur Familie.

Abends gab es dann sehr spät wieder wunderbares Essen mit einer Vielseitigkeit, die man kaum für möglich hält.

Nach Einbruch der Dunkelheit gegen 19.00 Uhr setzte regelmäßig ein Konzert exotischer Geräusche ein, die wir aus Deutschland nicht kennen und nie mehr vergessen werden. Auf der Veranda tranken ein paar Mädels Kingsfisher (indisches Bier) und die anderen Wasser mit einem Spritzer Ayurveda. Den Wein, den wir dort kennen lernten, entsprach nicht ganz unserem Geschmack.

Von den Erlebnissen des Tages waren wir recht früh müde und schliefen gegen 22.30 Uhr trotz Hitze ein und träumten von unserem paradiesischem Urlaub.

Bernd meint...

...dass Ihr mit diesem Bericht tatsächlich den Schwerpunkt auf die "Ruhe zwischen den Stürmen" gelegt habt. Ein schöner Aspekt, den wir auch so noch nicht hatten. Die "Stürme" sind natürlich keine - damit sind unsere Expeditionen in die Nachbarprovinz Karnataka, in die Backwaters und ans Meer gemeint. Es ist das Besondere an dieser Reise, dass wir nach den Exkursionen immer wieder "nach hause" kommen. Bei einer traditionellen Indienrundreise ist so etwas nicht möglich, und ein Familienanschluss natürlich erst recht nicht.

[1] Roswitha und Heike haben den "harten Kern" der Gastgeberfamilie aufgezählt, die in Wahrheit doch etwas größer ist. Da ist zum Beispiel Lovely's und Raju's zweiter Sohn Paul, der im Nachbardistrikt aufs College geht und nur am Wochenende und in den Semesterferien im Haus ist. Dazu kommen im Nachbarhaus Raju's Bruder Gilson mit Ehefrau Anci und vier Kindern. Weiter will ich aber den Kreis hier nicht ziehen - lass Dich überraschen: Keralafamilien sind groß.

[2] War die richtige Dusche dieses Zimmers denn defekt zu Eurer Zeit? Muss wohl - sonst hättet Ihr Euch ja nicht an die Urform des Duschens gewöhnen dürfen.

[3] Da erzähle ich Euch immer, dass es in Kerala deutlich weniger Moskitos gibt als in anderen Tropenregionen - da fangt Ihr an mit dem Zählen der Stiche?? Aber ich habe ja auch immer gesagt, dass es unberechenbare Schwankungen beim Mückenaufkommen geben kann. Ich war mal 6 Wochen da und bekam nicht einen Moskitostich - und dann am Vortag des Rückfluges entsandten die Biester ihr Abschiedskomitee, und ich stieg mit 20 frischen Stichen in den Flieger. Womit allerdings meine Statistik wieder bestätigt wurde: 20 Stiche auf 4 Wochen Kerala, sage ich immer ;-)

[4] "Essen am Familientisch" verspreche ich. Dann erwarten unsere Gäste natürlich auch die Familie am Tisch. Doch da speisen meist nur die Kinder - Lovely folgt grundsätzlich der Tradition der indischen Gastfreundschaft: Erst muss der Gast zufrieden sein - dann erst esse ich. Sie weiß natürlich, dass wir sie gern mit uns essen sehen würden. Manchmal setzt sie sich dann auch zu uns - manchmal aber muss man sie bitten.

(mehr Fotos dieser Reise in den INN 499)

Anneli: Meine Geburtstagsreise nach Kerala

Auch auf dieser Novemberreise war Anneli aus Düsseldorf. Sie war mit ihrer Reisefreundin Annette dazu gestoßen und machte damit diese Kerala Discovery zu einer reinen Frauenreise. Mit dem Bericht ihrer Freundin Annette hat sie in den letzten Wochen die ganze Reise noch einmal erlebt und bedauert, dass er schon zu Ende ist. Also schwelgt sie nun selbst in Erinnerungen, damit der Indientraum lebendig bleibt

Hallo Bernd, irgendwie schade, dass es heute Annettes letzter Teil ist, den Du im Newsletter veröffentlichst. In Verbindung mit den von Dir reingestellten Bildern und meinen eigenen im Kopf war es eine kleine Zeitreise zurück in den Urlaub. Im letzten Teil bin ich es mit dem König des Kathakali und nicht Annette; sie hat ja das Photo gemacht.

Ich habe diese Berichte natürlich auch an meine Freunde weitergeleitet per Link und soll Dir ganz positive Rückmeldung geben, wie toll überhaupt die Internetseite zum lesen und stöbern und eintauchen ist.

Ein wunderschöner Geburtstag

Schon Anfang des Jahres 2008 entstand in mir die Idee, meinen 50ten Geburtstag am 6. Dezember, irgendwo in einem fernen Land, vorzugsweise Asien, wo es um diese Jahreszeit richtig warm ist, an einem Strand, unter Palmen zu begehen. Ich stellte mir vor, die 50 in den Sand zu malen und davon mit mir zusammen ein Photo zu machen.

Im Sommer des Jahres bekam ich dann eine Mail von meiner Freundin Annette aus Hamburg, die mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr im Dezember oder Januar nach Indien, und zwar nach Rajasthan und mit Kerala Discovery, zu fahren.

Ich erzählte ihr von meiner Vorstellung und dass von daher Rajasthan eher nicht in Frage käme, aber Kerala wäre durchaus eine Alternative; aber dann eben Anfang Dezember. Und dann recherchierte sie bei KD und fand tatsächlich eine Reise und eine Gruppe, der wir uns anschließen konnten, und deren Abreisetermin, 30.11. gut in den Zeitplan passte.

Nach einigen Gesprächen mit Bernd war auch klar, dass es wohl nicht die 50 im Sand an einem Strand werden würde, da die Farm zu weit vom Meer gelegen war. Also musste ich mir was anderes überlegen.

Die Kurzbeschreibung meiner Person für die anderen Teilnehmerinnen hatte Bernd mit den Worten ergänzt: „ …Für meinen Geburtstag Anfang Dezember habe ich seit langem einen Traum: Ich möchte den Gruß an meine 2. Lebenshälfte fern von Zuhause an einem tropischen Strand in den Sand schreiben. Dazu lade ich Euch herzlichst ein!“ Das gefiel mir zunächst gar nicht, denn wusste ich doch nicht, wie ich diesen Tag für mich erleben würde, und ob ich die anderen, die ich ja gar nicht kannte, dabei haben wollte.

Also sagte ich mir, ich würde meinen Geburtstag auf jeden Fall in der Sonne und im Warmen begehen, und je mehr ich von meinen Vorstellungen losließ, desto mehr konnte ich für mich sagen „… oder was immer mir an diesem Tag begegnen mag….“

Ja und dann stellte sich schon an einem der ersten gemeinsamen Tage auf der Farm heraus, dass eine der Mitreisenden, Heike, auch am 6. Dezember Geburtstag und ihren 49. begehen würde. Ich bin Bernd heute noch dankbar, dass er mir vorher nichts davon verraten hat, denn er wusste ja aufgrund der Anmeldedaten von diesem Doppel-Geburtstag während der Reise. Und somit war die Überraschung um einiges größer; ich glaube, mir stand der Mund offen, als wir darauf zu sprechen kamen, und ich weiß heute nicht mehr, wie wir eigentlich darauf gekommen sind.

Unser gemeinsamer Geburtstag fiel dann in unseren Aufenthalt in Mysore, und wir läuteten diesen Festtag schon am Abend des 5. Dezember mit einem Photo von uns beiden im Sinne „vorher – nachher“ ein.

Am Morgen des 6.12. dann wurde ich früh um 7 Uhr wach, bekam von Annette Luftballons mit der Zahl 50 drauf, mit denen ich mich im Bett strahlend, wenn auch mit noch etwas dicken Augen fotografieren ließ, sie bestellte einen Kaffee beim Zimmerservice, den ich im Bett trank – herrlich, das fing ja schon gut an!

Ich machte dann noch ein Photo von der großen Uhr im Zimmer, um diesen denkwürdigen Tag mit Datum im Bild festzuhalten.

Für Heike schrieben wir auf einen der Luftballons „fast“ und „beinahe“ und „bald“ und malten die Zahl 49 drauf, um ihn ihr beim gemeinsamen Frühstück zu übergeben.

Sie freute sich riesig und lachte über das ganze Gesicht, als wir ihn im Restaurant überreichten.

Dann tauchten Raju und der Fahrer mit Jasmingirlanden auf, deren wundervoller Duft dieser Blüten noch so sehr im Kopf oder vielmehr in der Nase geblieben ist, die wir beide umgelegt bekamen und die beiden hatten auch noch Kerzen und eine Torte besorgt, die Heike und ich dann gemeinsam anschnitten und verteilten.

Es wurden Photos von uns beiden gemacht, und ich denke, dass auf ihnen sehr deutlich wird, wie viel Spaß wir hatten!

An diesem Tag stand der Besuch des Flower Market und des Palastes in Mysore auf dem Programm, hier wurde ich gegen einen kleinen Paisa-Obulus sogar von meinem Lieblingstier, einem Elefanten, gesegnet. Das war natürlich etwas ganz besonders für mich an diesem Tag!

Wir beide liefen den ganzen Tag mit strahlenden Augen und den umgehängten Jasmingirlanden durch die Stadt. Wir zogen viele erstaunte Blicke an diesem Tag auf uns, wir lächelten und waren wohl so richtig glücklich – oder Heike?

Wir waren noch shoppen und (zumindestens ich) habe den halben Laden leer gekauft. Immerhin habe ich allein vier Oberteile (davon zwei Geburtstagsgeschenke von Ute und Roswitha - du erinnerst dich?- erstanden und zwei traumhaft schöne Seidenschals gekauft. Ich fühlte mich beschenkt wie eine Königin.

 Am Abend schmückte uns Annette dann alle noch mit Bindis, und wir gingen zum Abendessen in ein Dachrestaurant, in dem Raju während unseres Stadtbummels bereits einen großen Tisch reserviert hatte. Heike bekam jede Menge SMS auf ihrem Handy, las uns sogar einige vor (während ich noch zwei Tage warten musste, bis ich in einem Internetcafé auch meine Geburtstagsmails abrufen konnte). Wir genossen diesen lauen Abend, denn in Deutschland hätten wir unseren Geburtstag wohl kaum im Freien verbracht.

Ich habe noch ein ganz schönes Bild von unserer Truppe am Abend unseres Geburtstages im Hotel (von wegen nachher!), das uns alle mit strahlenden Gesichtern über diesen ereignisreichen Tag zeigt.

Es war sooooooooo schön.

Als ich dann später an diesem Abend ins Bett ging, nahm ich alle Luftballons in den Arm und schlief glücklich ein: Ich hatte einen unglaublich schönen Geburtstag erlebt! (Heikes O-Ton in kursiv)

Beauty Parlour

"Mein Arbeitgeber weiß noch nichts von diesem Nebenjob" An einem Vormittag waren Annette und ich in Kovalam Beach, weil ich ins Internetcafe wollte, um meine Mails abzurufen und mich mal wieder bei meinen Freunden in der Welt zu melden. Und obwohl wir schon einmal an dieser Stelle vorbeiflaniert waren, fiel mir erst an diesem Tag das Schild auf.... (siehe Photo). Ich war total perplex und konnte Annette noch bitten ein Photo zu machen; erst seit meiner Rückkehr ärgere ich mich, dass ich nicht hineingegangen bin und nach meiner "Namensvetterin" gefragt habe, um mich vorzustellen.... Ich heiße Anneli.

Mein Name ist nicht nur sehr selten, sondern wird auch oftmals mit ie am Ende, also Annelie, geschrieben; umso verrückter ist es, dass er hier so steht, wie es auch in meiner Geburtsurkunde steht!

Silvester 2008

Ich hatte den Rückflug für den 1. Januar gebucht, aber der Silvesterabend im Ayurbay machte mir den Abschied etwas leichter (im positiven Sinne). 2004/2005 sass ich nämlich um Mitternacht im Flieger von Singapur nach Deutschland und da war es mit diesem Silvester in Kerala doch viel schöner

 Es begann schon mit den Vorbereitungen an diesem Tag, in der Küche wurde von den Küchenboys schon am frühen Morgen geschnibbelt und gekocht, was die indische Küche hergab. Abends gab es dann ein riesiges Buffet mit Meeresfrüchten, Chicken, Salat und Chapatti. Lalitha und ihr Sohn hatten eine Kathakali Aufführung für uns organisiert, die auf den zur Bühne umfunktionierten Sonnenliegen stattfand. Die Stammgäste hatten natürlich den besten Platz. Die absolute Krönung dieses Abend aber war zweifelsohne die Liveband, deren Musiker traditionelle indische Musik mit Tabla, Trommeln und dem "Teufelsgeiger von Kovalam" - wie ich ihn nannte - spielte. Im Wechselspiel mit unserer Begeisterung wetteiferten Tabla und Geige um unsere Gunst. Um Punkt 0 Uhr durfte ich dann noch das Feuerwerk am Strand erleben, bevor ich mich für den Flug umzog, eine letzte Zigarette auf unserer Terrasse rauchte und zum Flughafen gebracht wurde.

Einen perfekteren Abschluss dieses Urlaubs hätte ich mir nicht bereiten können.

Raumschiff Enterprise oder die unendlichen Weiten des Universums

Während des Fluges von Trivandrum nach Dubai bin ich irgendwann vor Erschöpfung eingeschlafen - ich war ja seit meiner Abreise von Ayurbay um 1 Uhr ohne Schlaf unterwegs. Beim Landeanflug auf Dubai wurde ich durch die Ankündigung des Kapitäns wach und schaute noch recht verschlafen aus dem Fenster. Und gleich darauf kniff ich die Augen erst mal wieder zu, denn was ich da sah, konnte nicht sein! Mein erster Gedanke war: Nein, wir landen nicht in Dubai, sondern auf einem fremden Planeten und gleich kommt die Besatzung von Enterprise auf uns zu .... Skurrile und futuristisch anmutende Bauten ragten da aus den Wolken.

Ungläubig sprach ich meine Nachbarin an: "Are these houses outside?" She answered: "Yes. Very often it is very foggy in the morning and all those skyscrapers of Dubai break through the clouds."

Ich bin schon mehrmals nach New York und Singapur geflogen, habe die dort bekannten Hochhäuser bewundert, aber noch nie so erlebt, wie beim Landeanflug auf Dubai. Total abgefahren!

 

(mehr Fotos dieser Reise in den INN 499)

Genügsam entschleunigt: Lasta & Edgar

Vom 19.Januar bis zum 19.Februar haben Lasta & Edgar aus Germaringen ihre KD-Streifzüge durch den tropischen Süden Indiens gemacht. Fast 16 Jahre waren vergangen, seit Edgar zum ersten Mal bei uns auf der Farm zu Gast war - nun wollte er "God's Own Country" wiedersehen. Vor allem wollte er das paradiesische Kerala seiner Lasta zeigen, die nun zum ersten Mal nach Indien kam.

Es gibt eine alte Anekdote vom Dialog zweiter Herren im Zug: "Wissen Sie, ich bin kein Mann vieler Worte." Worauf sein Sitznachbar verständnisvoll erwidert: "Verstehe - ich bin auch verheiratet!"

An diese Geschichte muss ich denken, ohne das natürlich persönlich zu meinen. Auch Edgar ist ein sehr ruhiger Genießer, der nicht viele Worte macht. Vielleicht war er aber auch zu höflich, mich zu unterbrechen? An seiner Lasta liegt es jedenfalls nicht - auch sie habe ich am Telefon als sehr ruhigen Menschen kennen gelernt.

Traumreisetelegramm

So fällt auch Edgars Reisebericht nicht so wortreich aus. Doch mit wenigen Worten ist manchmal alles gesagt:

Lieber Bernd,

wir bitten um Entschuldigung, es ist so viel Zeit seit unserer Ankunft in Deutschland vergangen, und wir melden uns mit Verspätung bei Dir. Vielleicht haben wir die indische Mentalität bekommen? Auf jeden Fall lassen wir uns jetzt viel Zeit für alles, und das ist schon mal nicht schlecht, oder?

Also, es war sehr schön und erholsam für uns alte Leutchen, bei der Family in Kerala zu sein. Die Fahrt in Ketuvallam war auch sehr meditativ. Außerdem haben wir die Adivasi und das College besucht, neue Freunde gefunden, im Ozean gebadet und bei Josef und Lalitha* alte Knochen erfolgreich repariert.

Wie du vielleicht auf den Fotos sehen kannst, sind wir jetzt wieder jung und schön, erfüllt mit Eindrücken und offen für audio-visuelle und spirituelle  Ereignisse.

In diesem Sinne viele liebe Grüsse

Lasta und Edgar

Danke für die netten Zeilen & Fotos! *Für neue Leser sei nachgetragen: Bei Joseph und Lalitha handelt es sich um unsere Ayurvedaspezialisten. Josephs sanfte Hände verwöhnen unsere Gäste auf der Farm - Dr. Lalitha ist unser Ayurveda Vaidya im Strandresort bei Kovalam, wo die beiden ihre letzte Woche verbrachten.

Als nächstes planen Lasta und Edgar unsere Rajputana Discovery, die zumindest für Edgar schon lange auf der Wunschliste steht.

Susanne: Engelstrompeten & verpackte Tempel

Den ersten Teil des Reiseberichts von Susanne aus Hannover haben wir bereits in den INN 489 v. 30.01.09 gelesen: "Endlich wieder Kerala". Heute lässt sie uns auch am Rest der Reise teilhaben, den sie mit ihrer Schwester Sonja und Mareike nach schmerzlicher Trennung von der Farmfamilie auf eigene Faust erlebte. Lobend sei erwähnt, dass Gastgeber Raju auch für den Rest des Indienaufenthalts für eine sichere und spannende Weiterreise sorgte - wie immer, wenn ehemalige KD-Gäste auf neuen Routen auf unserer Farm Station machen.

Raju hatte uns einen Fahrer besorgt, der - so wie ich ihn verstanden habe - früher für ihn gefahren ist: Ramesh. Ein total netter Mensch und ein toller und vor allem umsichtiger Fahrer, der immer sehr bemüht war, uns jeden unserer Wünsche zu erfüllen. Eine kurze Pause? No Problem! Sogleich wurde links rangefahren, vorzugsweise natürlich unter einen großen Baum, der uns armen hitzegeplagten Touris einen segensreichen Schatten spendete. Der Weg von der Farm nach Madurai wäre zwar auch an einem Tag zu schaffen gewesen, aber wir wollten nicht so lange im Wagen sitzen (ist für den Fahrer ja auch ´ne Tortur und muss ja nicht unbedingt sein) und haben in einem Ort namens Palakkad (Palghat) übernachtet.

Gaumenfreuden

Die Übernachtung hatte Raju organisiert, weil der Ort nirgends in unseren Reiseführern auftauchte und wir dementsprechend auch keinerlei Hoteladressen hatten. Wir wurden somit in einem Hotel einquartiert, in dem offensichtlich nur Inder übernachteten. Das merkten wir spätestens im "Speiseraum", in dem es keine Karte, sondern nur Einheitsessen für alle gab. Was ich etwas schade fand war, dass wir in einen kleinen Extraraum gebracht wurden, damit wir "unter uns" sein konnten. Das Personal sah es wahrscheinlich als Vorzugsbehandlung an, während wir aber lieber im großen Raum gesessen hätten.

Aber das Essen hat mal wieder alles rausgehauen. Nachdem Ramesh mit dem Kellner sprach und uns dann nur kurz mitteilte: "Keine Karte." , haben wir bei allem nur genickt, was uns der gute Mann da aufzählte. Ich habe zwar nur die Hälfte verstanden, aber es war zwischendurch die Rede von Gemüse, Hühnchen und Fisch. Was will man mehr? Und danach wurde aufgeladen, was die Küche hergab. Berge an köstlichen - und vor allem authentischem südindischem - Essen, dass nicht für Touris abgemildert war, wie es üblicherweise ja in den Hotels gemacht wird. Einfach lecker! Einzig die kleinen Fischstücke, die auch nur auf einem kleinen Teller serviert wurden (alleine diese Tatsache lässt einen unweigerlich vorsichtig werden), waren die Hölle. Während ich nur ein kleines Stück abbrach und mir davon schon die Tränen in die Augen schossen, lächelte Ramesh nur. Nachdem ich ihm dann "wohlwollend" den Teller diskret rüberschob, haben wir dann staunend zuschauen können, wie er sich den ganzen Fisch mit genüsslichem Grinsen und ohne eine Miene zu verziehen einverleibte. Beeindruckend!

United Colours of India

Apropos beeindruckend: Das Zimmer! Wir wurden in einem Raum untergebracht, von dem ich nie gedacht hätte, dass so was überhaupt existiert. Ein riesiger Eckraum, sogar mit extra Esstisch und Stühlen, großem Doppelbett und massig Platz für unsere Koffer. Aber der Hammer war die Farbkombination: Rosa und ein sattes PINK! Sonja´s erster Kommentar: "Hey, wir haben das "Mädchenzimmer" bekommen." Aber dieses Zimmer wurde noch getoppt vom Bad: Alles neu, supersauber und ... (Trommelwirbel) ... in GRELLGRÜN! Ernsthaft, in diesem Bad muss man eine Sonnenbrille aufsetzen, oder Netzhautschäden befürchten (Zimmer und Bad habe ich auf meiner Digi-Cam festgehalten und hoffe, dass ich Dir doch noch irgendwann die entsprechenden Beweisfotos liefern kann).

Eigentlich wollten wir nach dem üppigen Mahl ja eine ausgiebige Siesta halten, hatten aber leider nicht damit gerechnet, dass etwas ganz anderes für uns geplant war... Es klopfte an der Zimmertür, nachdem wir es uns gerade mit TV und Bett gemütlich gemacht hatten. Ramesh stand vor der Tür und fragte, ob wir bereit seien. Bereit? Wofür? Antwort: Ein Park, ein Freizeitpark. Wie jetzt? Des Rätsels Lösung: Raju war der Meinung, wir könnten ja nicht einfach so im Zimmer relaxen und hatte Ramesh den Auftrag gegeben, uns zu diesem besagten Park zu fahren. Schön, das mal zu erfahren.

Wo die Gondeln Tränen weinen

Ade, Du schöne Relaxzone, auf ins Getümmel. Wir fuhren also ca. 20 Minuten durch die Botanik und kamen vor einem großen Tor zum Stehen, wo auch schon eine Menge Menschen auf Einlass warteten. Aber just in dem Moment, als wir aussteigen wollten, öffneten sich sämtliche Himmelsschleusen und entließen einen heftigen Platzregen. Ratloses Verharren im Wageninneren. Ramesh fuhr dann erst mal ein paar Meter weiter und hielt am Straßenrand, wo wir einen Blick auf besagten Park hatten. Sah´ alles sehr schön aus: gepflegte Rasenflächen und üppige Blumenbeete. Zwischendurch ein paar Plastik-Fantasiefiguren.

Sogar eine kleine Seilbahn! Die hatte aber ihren Betrieb bei dem starken Regen eingestellt, leider inklusive den Menschen in den offenen 2-Sitzer-Gondeln ... Schon beim Zuschauen fühlte ich praktisch das Wasser im Nacken runterrinnen. Wie müssen sich erst die da oben gefühlt haben? Nachdem es 20 Minuten später immer noch wie aus Eimern kübelte (die Leute saßen immer noch in den Gondeln), haben wir uns entschlossen, unverrichteter Dinge wieder ins Hotel zurückzufahren. Auch nicht schlecht. Hallo Relaxzone!

Café Crema

Als wir dann am nächsten Morgen wieder in den Speiseraum gingen und uns diesmal demonstrativ im großen Gemeinschaftsraum niederließen, bekamen wir die nächste Überraschung präsentiert. Nach der Frage Kaffee oder Tee, wurde uns ein Kaffee serviert, der alles in den Schatten stellte, was wir in Indien schon an vermeintlichen Kaffee bekommen hatten (Lovely´s Käffchen natürlich ausgenommen). Wir waren nicht nur angenehm überrascht, sondern schlichtweg begeistert. Sonja war so angetan, dass ihr ein "Der hat ja sogar ´ne richtige Crema" über die Lippen kam.

Nachdem wir ausgecheckt hatten, ging´s dann weiter nach Madurai. Während wir die ganze Fahrt über den schönsten Sonnenschein hatten, setzte dann pünktlich der Regen ein, als wir abends einen ersten Rundgang durch die Stadt machen wollten. Egal, wozu gibt´s denn schließlich Geschäfte?

Madurai, Tamil Nadu

Gleich neben dem Hoteleingang sprach uns schon der erste Inder an, der sich als "Schneider mit eigenem Geschäft" vorstellte. Aber als wir absolut kein Interesse zeigten, zog er wieder von dannen. Danach merkten wohl die Anderen auch ganz schnell, dass die Tour bei uns nicht zog und wir konnten uns ungestört in den vielen kleinen Gassen rund ums Tempelgelände ausgiebig umsehen. Die Strassen wimmelten nur so vor Leben und es machte - trotz des Regens - einfach nur Spaß, das Treiben auf sich wirken zu lassen und den ein oder anderen Laden zu erkunden.

Als wir dann abends auf der Dachterrasse essen gingen, hörte der Regen dann auch pünktlich wieder auf. Von dem Dach konnte man schon schemenhaft die hohen Türme des Tempels sehen und irgendwie sahen die etwas komisch aus, was ich aber der diesigen Luft und der Dunkelheit zuschrieb.

Tempel in Geschenkverpackung

Leider hatte ich nirgends vorher gelesen, dass die wunderschönen Türme des Menakshi-Tempels gerade restauriert werden und von oben bis unten mit geflochtenen Palmmatten eingepackt sind! Nachdem wir den 1. "Anblick" verdaut hatten, hab´ ich´s mit Humor genommen. "Schau Sonni, da hab´ ich extra ein besonderes, nachträgliches Geburtstagsgeschenk für Dich besorgt, es hübsch verpacken lassen, und Du weißt es noch nicht mal zu würdigen." Trockener Kommentar meiner Schwester: "Ein eingepackter Lolly hätt´s auch getan!" Trotzdem war Madurai ein Erlebnis und die Tempelanlage ist von innen total beeindruckend (auch wenn wir als Nicht-Hindus nicht überall rein durften).

Als wir dann am nächsten Morgen zum Tempel aufbrachen, sprach uns doch tatsächlich der gleiche "Schneider mit eigenem Geschäft" wieder an (hatte der die ganze Nacht vor dem Hotel gewartet?). Auf dem ganzen Weg sprach er wieder auf uns ein und wandte sich dann schließlich an Ramesh, der mitgekommen war. Der hat ihn dann aber abgeschüttelt, drehte sich zu uns um und meinte nur achselzuckend: "No Tailor. Broker." Ja ja, war uns schon klar.

Nach den obligatorischen Sicherheitsmaßnahmen konnten wir dann in den Tempel hinein und waren von der Weitläufigkeit der Anlage echt beeindruckt. Sogar ein Museum mit vielen Statuen und Bildern gab´s. Mittendrin gab´s noch einen Tempel in den wir (außer dem Hauptschrein) als Nicht-Hindus auch nicht rein durften. Zum Eingang hinauf führte eine Treppe, vor der zwei wichtig aussehende Wachposten standen. Die Bemerkung von Ramesh, dass wir da nicht reindürfen, war also unnötig.

Als wir an der Treppe schon fast vorbei waren, meinte eine der beiden augenzwinkernd zu uns: "Ihr dürft zwar nicht rein, aber mal die Treppe rauf und ein Blick hineinwerfen ist schon OK." Gesagt, getan. Mich fasziniert immer wieder diese Tempelatmosphäre, der man sich einfach nicht entziehen kann.

Als wir dann in die Halle eines anderen Ausgangs kamen, sahen wir unzählige Verkaufsstände, die mich eher an einen Jahrmarkt erinnerten. Von Blumenketten, über Statuen bis hin zu Gegenständen, die ich nicht mal identifizieren konnte, geschweige den raten, wozu sie denn gebraucht werden, gab´s dort wirklich alles. Aber wir wurden - im Gegensatz zu außerhalb des Tempelkomplexes - nicht ein einziges Mal von irgendjemanden angesprochen. Es war wirklich sehr entspannend, zwischen den Ständen rumzuschlendern und einfach nur zu schauen.

Hartnäckiger Schlepper

Gerade waren wir wieder raus aus dem Tempel, als sich unser "Schneider" wieder bemerkbar machte, um uns nun endlich "sein" Geschäft zu zeigen. Da Sonja noch einen Schal als Mitbringsel kaufen wollte, ließen wir uns diesmal drauf ein. Unser "Schneider" selbst kam nicht mit rein. Er hat wahrscheinlich nur schnell seine Provision draußen kassiert und hat nach den nächsten Touris Ausschau gehalten.

Im Geschäft selber, das sich über 3 Stockwerke verteilte und wirklich alles zu bieten hatte, preiste man uns sofort den wunderbaren Tempelblick vom Dach aus an und führte uns auch sofort hinauf. Toll! Ein wirklich fantastischer Blick ...... auf eingepackte Tempeltürme! Humor ist, wenn man trotzdem drüber lacht... ;-). Nach zähen Verhandlungen war dann der Schal auch gekauft. Ich schaute noch sehnsüchtig zu den tollen Bronzestatuen, aber die Vernunft und nicht zuletzt die Freigepäckgrenze haben dann doch gesiegt.

Wir haben dann noch versucht, für unsere Hupfdohlen vom Bharat-Natyam-Tanzkurs noch ein paar Übungssaris zu bekommen, aber die gibt es offensichtlich wirklich nur in Chennai, wo unsere Tanzlehrerin den Tanz studiert hat und sich die großen und namhaften Tanzschulen befinden.

Ramesh hat wirklich alles versucht und uns von Stoffladen zu Stoffladen geschleppt, aber irgendwann (so etwa nach 3 Stunden!) musste auch er einsehen, dass da nichts zu machen war. Zwar wollte man uns alles Mögliche schneidern, was unserem mitgebrachten Muster weitgehend entsprach, aber es wäre halt nicht dasselbe gewesen. Schade, aber zumindest konnten wir in einem Geschäft für Musikinstrumente ein neues Takt-Schlagholz für unsere Lehrerin ergattern. Wobei aber der Verkäufer etwas irritiert über die Kalkleisten war, die vor ihm standen und ein spezielles Instrument für klassischen indischen Tanz verlangten. Er hat sich wirklich 3x nochmals bei Ramesh rückversichert, ob wir das auch wirklich kaufen wollen...

Unser Zeitplan ließ leider keinen weiteren Tag in Madurai zu - obwohl es noch so viel zu sehen gab -, so dass wir abends noch mal auf der schönen Dachterrasse speisten und uns dann am nächsten Morgen auf den Weg nach Munnar machten.

Blütenpracht in den Nilgiri

Da der Weg von Madurai nach Cochin zurück so lang war (wir mussten ja eine Bergkette überwinden), haben wir eine Übernachtung in Munnar eingeplant. Da oben ist es echt fantastisch! Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätten wir mehr Tage dafür eingeplant. Schon auf der Serpentinen-Straße hinauf (war übrigens die mit Abstand leerste Serpentine, die ich je in Indien erlebt habe) dachte ich, ich halluziniere, als ich am Straßenrand den ersten Engelstrompeten-Busch sah.

Aber es kamen noch mehr, ganze Hänge voller riesiger weißer Engelstrompeten-Büsche. Ein echter Garten Eden: Orangenbäume, Teeplantagen, Kardamombüsche und, und, und..., alles teils überwuchert mit der blauen Trichterwinde, die praktisch überall wuchs. Ein toller Anblick! Dazu die herrlich klare Luft. Wäre Anja mitgewesen, hätten wir sie dort nicht mehr wegbekommen. Einziger Nachteil: Es war ziemlich kalt und es regnete leider.

Bei klarem Wetter hätte man tolle Spaziergänge ohne Ende machen können. Es ist auch ein Wildpark dort oben. Und alle waren völlig relaxt. Wir hatten nur so wahnsinnig wenig Zeit, leider! Wir kamen am Nachmittag an und sind am nächsten Morgen schon wieder nach Cochin weitergefahren. Hätten wir nicht am nächsten Tag eine Verabredung mit Raya im Kino gehabt, wären wir noch 2 Tage länger geblieben und hätten die Tage in Cochin sausen lassen. Aber wir hatten schon auf der Farm festgestellt, dass sich unsere Wege in Cochin für einen Tag noch mal kreuzen und haben uns fest vorgenommen mit Raya in den Film "Dostana" zu gehen, was wir dann auch getan haben (gut, dass Du uns durchgeknallte Uschis nicht im Kino erlebt hast).

Eines noch angemerkt: Es gibt in der Mitte der Stadt eine kleines Lokal, in dem wir - außerhalb des Nordens Indiens - das feinste und beste Butterhühnchen geschlemmt haben, was Südindien zu bieten hat. Die Schüssel war praktisch fast ausgeleckt, um ja nichts von der köstlichen Soße zu verschwenden! Hinter uns saß ein junges indisches Pärchen und die Hände der Inderin waren üppig verziert mit Mehndi. Wir fragten Ramesh, ob die Beiden wohl auf Hochzeitsreise seien. Dabei beäugte er das Kunstwerk kritisch und meinte, könne er nicht sagen, denn die Muster seien nicht südindisch. Da haben wir doch tatsächlich noch was gelernt: Mehndi ist nicht gleich Mehndi.

Fazit: Munnar ist wirklich ein Highlight und man sollte sich genügend Zeit nehmen, um die wunderschöne Landschaft zu erkunden (und hoffen, dass es nicht so bitterkalt und regnerisch ist). Wir hatten zumindest eine dicke, flauschige Decke auf unserem Bett und heißes Wasser! Was wirklich sehr wertvoll ist, wenn man durchgefroren wieder ins Guesthouse zurückkommt...

Endstation Kochi

Tahan (der Fahrer von Raya, Doris und Urs) war auch mit uns im Kino. Ich weiß nicht so recht, über was er mehr belustigt war: Den Film oder uns... (eher Letzteres). Am nächsten Tag ist dann Raju mit den Dreien zu Lalitha weitergefahren, und Sonja und ich haben die letzten 3 Tage Cochin unsicher gemacht, bevor es zurück ins kalte Deutschland ging (Temperaturgefälle: 30 Grad - was mir eine Bronchitis einbrachte...).

Die restlichen Tage haben wir mit entspannten Bummeln durch die Stadt verbracht. Gegenüber dem Kino, in dem wir waren, ist ein klimatisiertes Café untergebracht. Das gleiche gibt es übrigens auch in Mysore am Ende der breiten Einkaufsmeile oben auf der linken Seite. Wenn Du mal dort bist, musst Du unbedingt den "Kappi Nirvana" probieren. In der Karte steht, dass die mit der Kreation einen Preis gewonnen haben. Zu Recht! Das Gemisch aus Eis, Kaffee, Kokos, Sahne und andere undefinierbare aber leckere Zutaten macht einfach süchtig!

In diesem Kaffee haben Sonja und ich noch Veronika und ihren Mann kennen gelernt. Die Beiden kommen aus den USA und sind echte Weltenbummler. Er ist bei Hilfsprojekten tätig und fertigte zu der Zeit für Inder auf dem Lande, die es sich nicht leisten können, professionelle Gebisse. Die beiden waren wirklich wahnsinnig liebenswürdig und hatten eine Menge zu berichten. Tja und schon war unsere Reise schon wieder vorbei und mit zwei weinenden Augen wurde sich verabschiedet...

 

 

 

Annette: "Kerala - alles im grünen Bereich!" (1)

Kaum hat das Flugzeug eine Rolle auf den Boden gesetzt, springen die Inder auf und wollen an ihr Handgepäck. Die Stewardess hat keine Chance einzugreifen. Ich staune und lache. Dann kommt das große und unerwartete Warten: Mir scheint, als ob Tausende von großen Paketen auf das rappelige Band kommen: Einkäufe aus Dubai. Trotz der Enge finden die Inder einen Platz, um das begehrte Paket auf den Wagen zu heben.

Irgendwie eine fast entspannte Atmosphäre, obwohl um jeden Zentimeter gekämpft wird. Glückliche Gesichter, wenn der Besitzer zum Paket findet. Eine Frau erzählt stolz, dass 18 Pakete für sie seien. Fast 2 Stunden dauert das Spektakel, dann kommt endlich auch mein Rucksack und ich bin ziemlich erleichtert. Mittlerweile merke ich, dass es heiß ist in Indien, mir läuft der Schweiß.

Wir entdecken Raju den Farmvater sofort, der geduldig gewartet hat, und in seinem Auto fahren wir erst einmal zu einem Tee in einem kleinen Restaurant. Natürlich muss ich jetzt an Bernd denken. Ich fange an vorsichtig zu genießen, aber noch fühlt sich alles ganz eigenartig an. Anneli und ich kommen übrigens 2 Tage früher als die anderen Mitreisenden an, weil die Reisekonditionen so günstiger waren.

Vettikavumgal Farm - sanftes Ankommen

Ca. 1,5 Stunden fahren wir durch Orte und Palmen auf und ab Richtung Farm. Wenig Verkehr, so empfinde ich es. Gar nicht das wilde zerrende Indien. Wir biegen ab, der letzte holprige Weg und wir sind da! Raju's Frau Lovely begrüßt uns mit dem Saft frisch aus einer Kokosnuss. Hmm, das tut gut! Und das Innere dürfen wir auch noch essen. Wir sind mitten im Palmenwald gelandet, ein schönes Haus mit großer Veranda und großem Innenraum. Es geht eine Treppe hoch, und dort sind die Gästezimmer. Hier oben ist auch noch eine kleine Veranda.

Wir erfrischen uns mit einer kalten Dusche, gucken, wo wir so sind. Stellen fest, dass, wenn man auf der Toilette sitzt, kein Platz mehr für die Füße ist. Schon ziemlich komisch, denke ich mit meinem deutschen Kopf. Noch ahne ich nicht, wie schnell ich mich an diesen kleinen Missstand gewöhne. Allmählich nehme ich mit meinen Sinnen auf: Ich bin in Indien!

Dann gibt es Lunch. Ich erinnere noch an ein Curry mit unreifen Papaya und Zwiebeln in Joghurt, Fisch und Reis von der Farm – einfach überwältigend diese Genüsse.

Dorfgehupe & Dschungelgeräusche

Wir sind müde, wollen aber trotzdem gern wissen, wo wir eigentlich sind und fragen nach dem Dorf. Lovely begleitet uns das erste Stück auf der Straße. Aber es ist ihr anzumerken, dass es doch irgendwie ungewohnt ist für sie. Raju holt sie auf halbem Wege ab. Es ist ein kleines einfaches Dorf ohne touristische Infrastruktur. Aber einen Tee am Straßenrand gibt es natürlich auch. Ich wundere mich: keine Bettler, keine Anmache, nur freundliche oder auch erstaunte Gesichter und Fragen, woher wir sind. Lediglich an das Hupen müssen wir uns gewöhnen, egal wo wir gehen.

„Zu Hause“ ruhen wir etwas. Es ist schwül. Gibt es ein Gewitter? Tatsächlich wird es später etwas regnen. Irgendwann gucken wir uns an und Anneli fragt: Sag mal, was sollen wir hier eigentlich so machen?

Mit  Einbruch der Dämmerung erbebt die Luft von Geräuschen. Hätte Bernd das auf seiner Internetseite gehabt, ich hätte sicherlich die Reise früher gebucht! Ich bin im Tropenhaus! Hurra!

Abend beschenken wir die Kinder. Das Essen ist wieder gut. Lovely steht am Tisch und guckt uns neugierig zu. Daran werden wir uns noch gewöhnen müssen, das ist so ihre Art. Diana tanzt uns stolz etwas vor, sie lernt indischen Tanz. Es ist rührend ihr zuzuschauen.

Ich sinke auf das harte Bett. Es ist heiß, der Fan dreht sich sanft. Ich bin so froh hier zu sein.

30.11.08 So - Geschlafen wie im Koma. Es ist heiß, alles geht langsam. Mein Körper muss sich noch an die harte Unterlage gewöhnen. Die Sonne scheint, Palmen sind auch immer noch da. Kerala-Breakfast: Reisfladen mit „Soße“ = Curry. Hier schmeckt mir gut, was zu Hause unvorstellbar wäre.

Entschleunigen lernen

Raju schlägt vor, zum Wasserfall zu fahren. Es ist Sonntagsstimmung. Das Baden ist schön, die Landschaft natürlich auch. (Später mehr darüber)

Ich muss mich noch an die Art gewöhnen, wie was läuft. So unverabredet – es passiert einfach. Es gibt keine Uhrzeit für die Mahlzeiten. Alles geschieht mit einer Ruhe. Lovely strahlt eine unglaubliche Gelassenheit beim Gehen und in ihrer Bewegung aus. Keine Hektik, auch nicht in der Küche. Mich animiert es, mich auch bewusst und ruhig zu bewegen und z.B. nicht die Treppe zu unserem Zimmer einfach hoch zu rennen. Ich fange an, das Paradiesische zu spüren. Von der oberen Veranda gucke ich auf die fernen Berge.

Zum Lunch gibt es u.a. Wasserbüffel und andere Köstlichkeiten. Es gibt immer auch Herbalwater = abgekochtes Wasser mit etwas Ayurvedakraut drin. Ich laufe ein wenig um Haus und Hof, d.h. ich erkunde vorsichtig die kleinen Wege hinten raus zur Farm. Ein tropisches Paradies mit kleinen Hütten allüberall.

Die Kinder sind von der Sunday school zurück. Ich schaue amüsiert: Sohn Martin sitzt am großen Küchentisch und lernt mit einer ayurvedischen Haarpackung auf dem Kopf und der Nachhilfelehrerin (Ich glaube, es ist die Schuldirektorin von dem College gegenüber. Wir nennen sie später Mrs. Principal, weil sie eine so würdevolle und gütige Ausstrahlung hat und wir uns jeden Morgen an ihrem perfekten und farbenfreudigen Sari freuen können.)

Klasse Gefühl: Essen mit den Fingern!

Das Abendessen: Frikadellen aus Kartoffeln, Knofi, Lauch, Ingwer, ohne Ei, Erbsencurry und noch Kleinigkeiten und ganz bestimmt ein köstliches Brot. Durch eine Bemerkung der kleinen Diana probieren wir es mit Fingern und das veranlasst mich, ab jetzt bevorzugt mit den Fingern zu essen. Es ist ein klasse Gefühl.

Wir sitzen auf der großen Veranda und wir erzählen mit Raju. So allmählich gewöhnen wir uns an sein Englisch.  So hat sich ein junges Paar umgebracht, dass er auch gut kannte. Die genauen Gründe sind nicht bekannt. Sie hinterlassen ein kleines Kind. Doch wohl nicht nur ein Paradies?!

Und dann sagt er, was mich sehr berührt: Wir sind nicht seine Gäste, sondern seine Schwestern! So ist das also! Und dann sind wir wieder mitten drin im abendlichen Tropenhaus und der unvermeidliche abendliche Powercut von ca. einer halben Stunde war auch. In dem großen Innenraum vom Haus gibt es aber eine Lampe mit Akku.

Schnupper-Ayurveda

01.12.08 Mo - Wir können beide nicht so ganz gut schlafen. Um 7.30 Uhr habe ich schon einen Termin zur Massage. Fühlt sich aufregend an. Für 10 Euro liege ich auf einer harten Pritsche mit einem Lendenschurz bekleidet und lasse mich von einem kleinen wendigen Masseur behandeln und kneten. Das ist nicht nur sanft. Muss noch schauen, wie ich das finde. Mit heißem Wasser, was ich aus einem Eimer und mittels eines Topfes über mich gieße, versuche ich mich hinterher vom Öl zu befreien. Die indische Form der Dusche, die aber wirklich gut funktioniert.

Zum Frühstück gibt es so eine Art scharfer Grieß mit Banane. Es ist wunderbar, das mit den Händen zu manschen, die Banane darf und soll so richtig zerdrückt werden! Und schmeckt auch köstlich. Wie sowieso hier Bananen und Ananas köstlich schmecken. Wir gehen ein wenig durch die Plantage und beobachten einen Arbeiter, wie er Pfeffer sammelt. Es ist alles so einfach und simpel. In eine Art Stoffbeutel, den er sich um die Taille geschlungen hat, tut er die kleinen Pfefferreben hinein. Die Naturleiter besteht aus einem Stamm an dem die abgeschnittenen Äste zu  Trittstufen werden. Dieser wird an den Baum gelehnt, an dem sich die Pfefferranke windet, und dann kann gepflückt werden.

Wir erwarten neugierig die restlichen 4 heute. Sie kommen genau so spät an wie wir. Es war das gleiche Chaos am Flughafen wie bei uns. Das tröstet uns etwas. Nun sind wir 6 Frauen und komplett: Zum offiziellen Beginn essen wir alle von Bananenblättern und mit der Hand.

Anneli und ich gehen mit etwas Taschengeld von Raju ins Dorf. In der großen Kirche singen Frauen. Trinken Tee, bestaunen am Fischstand einen großen Fisch, gucken einfach. Vegetarische Teigtasche zum Abend, ein großer Regenschauer. Wir reden und spielen Karten mit Lovely. So ist es auf der Farm.

Ab heute Kerala Discovery mit 6 Ladies

02.12.08 Di - Ich gewöhne mir an, morgens immer hinten raus zur Farm zu gehen und die Atmosphäre zu schnuppern. Wie das Morgenlicht kommt und was so los ist. Ich stehe da und plötzlich läuft ein Schulkind vorbei und guckt mich erstaunt und fröhlich an. So fängt der Tag gut an. Außerdem suche ich immer noch Bernds Lieblingsstelle. Dann sehe ich noch, wie der Farmarbeiter den gestern geernteten Pfeffer mit den Füßen tritt. Ein Haufen liegt auf dem Boden und kräftig tritt er darauf herum, damit die Körner von den Reben fallen. Es macht mir Respekt, wie viel Arbeit notwendig ist, z.B. um Pfeffer zu ernten.

Das Frühstück kommt langsam in Gang, denn heute sind es die Neuen, die müde sind. Iddli gibt es zum Frühstück. Entschlossen esse ich mit Fingern. Wenn mit Fingern, dann kann man es nur entschlossen tun, merke ich.

Um 10.30 geht es los mit der offiziellen Farmführung. Die Kühe haben wir schon alle entdeckt. Sie werden jeden Morgen gewaschen! Ich habe noch nie so hübsche Kühe gesehen. Der Kuhdung wird mit Wasser verrührt, ein morgendliches kratzendes Geräusch, und in einem Becken gesammelt. Es wird Biogas gewonnen für die Farm. Raju führt uns durch eine Parklandschaft, die eigentlich Teil seiner Farm ist.

Agrar-Tourismus

Ich habe mich sehr angestrengt, mir alles zu merken, was hier wächst: Betel, Kaffee, Papaya, Ananas, Jackfruit, Bananen, Mango, Muskat, Ingwer, Yum-yum, Kautschuk, Kakao, Pfeffer, Bohnen, div. essbare Wurzeln, Vanille und natürlich Kokospalmen. 3 Stunden laufen wir einen Weg durch das Umfeld, an vielen anderen Familien vorbei. Wir staunen nur noch und fragen und sind überrascht. Weil der Kreislauf von Michaela etwas schlapp macht, kommen wir noch in den Genuss der Gastfreundschaft eines Paares, die uns allen gleich frisches Brunnenwasser servieren.

Verschwitzt zurück, freuen wir uns auf den Lunch. Aus dem College gegenüber kommen laute skandierende Rufe. Etwas politisches sagt Raju. Etwas Luftballonspielen mit Jaimon, aber das ist wieder Schweiß treibend. Ich gebe mich dem Dasein hin. Anneli entdeckt in der Küche ihre Fähigkeiten im Chapathi machen. Die anderen wollten ins Dorf gehen, sind aber an der Straße rechts statt links gegangen. Sie kommen lachend zurück und fragen sich, warum so viele Inder über sie gelacht haben. War es etwa der besondere Sonnenhut von Roswitha? Oder war es einfach indische Freude über eine kleine Gruppe von Westlern?

Heute Abend sehe ich bewusst den Mond. Er hängt wie in einer Hängematte und mir scheint, dass rechts und links ein Stern leuchtet! So ist es in Asien.

03.12.08 Mi - Heute wollen sich alle massieren lassen. Ich bin tapfer: Raju sagt, dass Massagen früh morgens gut sind, also bin ich die erste von uns und bekomme um 7 Uhr eine Massage. Viel Öl fließt immer, auch ist es mir schon vertrauter. Heute morgen ist es doch tatsächlich nebelig.

Es macht mir Spaß, dass es schon wieder etwas anderes zum Frühstück gibt: Omelett und aus gedörrtem Reismehl und Kokosnuss, eine Art Haufen. Auch mit gematschter Banane zu essen.

Es geht alles langsam los. Wir fahren alle zum Wasserfall. Ich kauere mit Roswitha hinten auf dem Notsitz in Raju's Wagen, aber für die Strecke geht es. An dem Haus, wo wir parken, liegen Betelnüsse zum Trocknen. Wir kennen uns jetzt aus. Auch sehen wir überall Kautschukfladen auf der Wäscheleine. An dem Haus sind auch reizende Kinder, und ich überzeuge die anderen, ihnen keine Kugelschreiber zu schenken. Denn sonst werden die nächsten KD-Gäste mit „Hallo Pen“ begrüßt werden. (Bernd, warum hast du dazu nichts geschrieben?)

Dschungelbad am Eruvanhippuzha Arriparam

Wir gehen einen kleinen Weg runter und sind an einer Art Badesee mit Felsen drum herum. Eine schöne Naturkulisse. Ich schwimme dieses Mal auf die andere Seite, Roswitha folgt mir, und plötzlich ist auch Raju da. Er lockt uns aus dem Wasser und behände wie ein junger Gott springt er mit uns über Fels und Stein, um uns die Naturschönheiten zu zeigen. Er ist in seinem Element. Ich werde etwas feige, auch habe ich mich noch gar nicht eingecremt, und kehre um. Dies kleine Abenteuer reicht mir, will mir nicht den Fuß verknacksen.

Um die anderen herum sind mittlerweile viele junge Inder. Lustig lärmen sie, und irgendwie begucken wir uns gegenseitig. Unsere Anwesenheit hat sich herum gesprochen. Michaela ist begehrt und mittendrin. Beim Baden ist man nie lange allein, das gilt es hinzunehmen, aber es ist auch ein lustiges Spektakel.

Auf der Rückfahrt zeigt uns Raju den Schneider im Dorf. Das ist das Signal! Nachmittags gehen wir zu dritt ins Dorf, suchen Stoff aus und gehen anschließend damit zum Schneider. Mit viel Lachen und einem Tee dauert das Ganze so seine indische Zeit. Ein schönes Frauenerlebnis.

Abendessen, ich gucke den anderen beim Kartenspiel zu und finde das Leben so in Ordnung.

04.12.08 - Als ich heute morgen hinten raus ins Feld gehe, beobachte ich, wie das alte Ehepaar eine Bananenstaude erntet. Stolz und würdevoll trägt er sie auf dem Kopf heim. Dieses kleine Erlebnis macht mich wieder ganz glücklich.

Heute morgen gibt es Pineapplepancakes zum Frühstück. Die sind lecker!

Jeden Morgen das bunte Studentenvolk

Ich habe noch gar nicht erzählt, was ich schon die ganzen Tage, wann immer möglich, genieße. Gegenüber ist ja ein großes College mitten im Busch. Die Studenten gehen morgens zur Schule und nachmittags wieder zurück. Und genau das ist es! In kleinen Pulks laufen sie. Ein farbenfroher bunter Haufen, das sind die jungen Frauen, und diese Buntheit fasziniert mich am meisten. Aus der Entfernung kann ich auch noch das Stimmengemurmel hören. Dieses Schauspiel - allein schon deswegen ist es auf der Farm schön. Es ist beruhigend und schmeichelt gleichzeitig meinen Sinnen.

Raju schickt uns heute allein nach Murambathy. Eigentlich nach der Kreuzung immer gradeaus. Also einfach. Für uns ein kleines Abenteuer und ein schöner Weg. Wir kommen an seinem Reisfeld vorbei. Ein Korbmacher sitzt mit seiner Frau vor seinem Haus und flicht Körbe. An einem Laden winken uns Leute heran. Sie zeigen uns  einen riesengroßen (halbtoten) Schmetterling. So etwas habe ich noch nie gesehen und auch nicht gewusst, dass es Schmetterlinge gibt, die so groß sind, wie eine ausgebreitete große Männerhand, wirklich.

Stiche in der Tonne

Eine Gabelung auf dem Weg hat Raju uns unterschlagen und wir fragen nach dem Weg, vorsichtshalber 2 mal. Als wir an einer Schule vorbei kommen, es ist wohl Pause, ernten wir volle Aufmerksamkeit. Im Dorf angekommen, suchen wir die Moschee. Diese ist unscheinbar, wir stehen direkt davor. Einen Tee an dem einzigen Laden und dann zurück. Lovely die wunderbare, empfängt uns, die wir total durchgeschwitzt sind, mit einem Lemonjuice. Und dann gibt es nachmittags noch Bananenkrapfen. Abends begucken wir alle unsere Stiche am Körper. Man sieht nichts, aber wir werden alle gestochen. Sonst passiert nicht mehr viel. Ich glaube an diesem Tag sage ich, dass ich mich wie eine indische Tonne fühle. So gut genährt, so satt. Heute passiert nix besonderes mehr, aber viele Sterne im geräuschlichen Abendmeer.

Annette: "Kerala - alles im grünen Bereich!" (2)

Im ersten Teil ihres Südindien-Tagebuchs hat Annette aus Hamburg anschaulich geschildert, wie sie sich in den ersten Tagen aus der Hektik Deutschlands gelöst und sich einer entspannten indischen Langsamkeit des Kerala-Alltags angepasst hat. Um so intensiver sind die Begegnungen mit dem einfachen Leben, der üppigen Tropennatur und dem dörflichen Leben im Umfeld unserer Plantage. Heute aber geht es in ein anderes Indien. Mit ihren 5 Gefährtinnen Anneli, Michaela, Roswitha, Heike und Ute fährt sie in die Nachbarprovinz Karnataka

05.12.08 - Heute geht es auf nach Mysore! Ich bin sehr neugierig, denn in dieser Stadt war ich vor 10 Jahren auch einige Tage. Mit etwas Verspätung fahren wir um 10.30 Uhr in einem schönen weißen Touristmobil los. Unsere kleinen Rucksäcke sind gepackt, denn in Mysore soll es kühler sein, was wir uns gar nicht mehr vorstellen können.

Ein kleiner wehmütiger Abschied, aber ich freue mich auf die nächsten erlebnisreichen Tage. Richtung Berge geht es, leider haben wir keine gute Sicht, aber viel Grün und Blumen. Raju kauft Bananen, nicht für uns, aber für die ersten Affen, die wir sehen, die am Straßenrand herumtollen.

Wir hören "das Gras wachsen"

Wir halten an einem großen Bambushain. Nun klärt sich auch das Geheimnis, warum wir einen Teppich mitgenommen haben: Dieser wird nun ausgebreitet und wir picknicken mit Lovely's wunderbarem Essen! Ein wahrer Genuss. Der Wind erzeugt eigentümliche Geräusche in dem Bambus. Der Bambus ist so groß, wie ein „normaler“ Baum. ist ja auch ein Gras, das am schnellsten wächst. Da darf er schon mal ächzen und knarren. Ich bin beeindruckt und auch satt. Wir fahren durch einen Nationalpark und sehen tatsächlich Elefanten. Besonders Ute, unsere Afrikakennerin, ist ganz aus dem Häuschen.

Jenseits der Berge ändert sich allmählich die Landschaft. Es wirkt ärmer und es ist auch nicht mehr so grün. Auch ist deutlich mehr Verkehr. Wir alle beobachten mit großer Spannung endlich so richtigen indischen Verkehr. Mir macht es Spaß. Um 16 Uhr sind wir an unserem Hotel, nicht weit vom Palast entfernt. Wo früher ein rumpeliges Backpackerhotel war, ist nun ein aufgemotztes, modernes Westhotel, was auch für reiche Inder interessant ist. O je, Michaela findet in ihrem Zimmer eine große Kakerlake vor und tauscht das Zimmer. Unser Zimmer ist richtig modern, aber wenn man ins Bad geht, hat man plötzlich das Gefühl in der Küche zu stehen. Die muss direkt dahinter sein. Wie gut, dass doch nicht alles so perfekt ist.

In Mysore ist man Tourist

Raju und der Fahrer übernachten hier nicht; ich frage Raju, und er sagt, dass es zu europäisch ist für ihn. Sie kommen jedenfalls abends zum Essen. Auf einer Terrasse sitzen wir, im Hintergrund spielen ein paar Musiker. Wir empfinden wohl alle, wie das normale touristische Erleben aussieht: Essen ausgewählt aus der Speisekarte – es kommt nicht einfach auf den Tisch. Wir machen gemeinsam einen kleinen Rundgang. In mir überschlagen sich die Erinnerungen. Wir sind in einer richtigen Stadt, das steht fest.

Bekränzt zum Palast de Märchenprinzen

06.12.0 - Heute ist ein besonderer Tag! Anneli und Heike haben Geburtstag – ein Doppelereignis, das ist schön. In unserem kleinen Luxushotel gibt es einen Roomservice und ich bestelle erfolgreich für Anneli einen Kaffee ans Bett. Raju bringt zum Frühstück zwei Blumengirlanden mit und einen richtigen Geburtstagskuchen. Dieser ist allerdings vor lauter Süße nicht wirklich zu genießen. Unsere Geburtstagskinder freuen sich und wir uns auch. Anneli und Heike mit Blumengirlande geschmückt – so gehen wir alle zum Palace.

Vor 10 Jahren war ein langer Streik, und ich konnte ihn nicht besichtigen. Um so mehr bin ich jetzt begeistert. Mit einem modernen Guide (Kopfhörer) gucken wir ihn uns an. Ich würde gern noch eine Zeitreise gebucht haben. Später in der National Art Gallery können wir auch noch Gemälde aus der Zeit anschauen, und ein paar moderne Bilder gibt es auch.

Heute ist der Tag der Erinnerungen für mich: So gehen wir essen in einem typischen Family Restaurant. Es gibt dort hervorragendes  und absolut preiswertes Thali (Reis mit verschiedenen Soßen/Beilagen/Curry). Nur gemütlich essen, wie wir es kennen, das geht nicht. Wenn man gegessen hat, dann muss man gehen. Und so erleben wir es auch: Es wird einfach sofort abgeräumt.

 

 

Seidenbasar und Früchtemarkt

Raju weiß, dass wir endlich mal shoppen wollen, und so führt er uns in einen Silk-Bazar. 6 Frauen wühlen kaufwütig in Stoffen, Schals, Blusen und den Churidars (Salwar Kameez), den Sarikleidern. Vom oberen Stockwerk kann ich Raju unten auf dem Sofa sehen, und offensichtlich freut er sich über eine Prise Schlaf, die er nachholen kann. Wir oben beraten uns gegenseitig und die Verkäufer breiten immer mehr aus. Ein Wahnsinn. Ich bin nicht so erfolgreich, erstehe aber einen wunderschönen Schal. Glücklich erschöpfte Gesichter, so würde ich unseren Zustand beschreiben.

Der berühmte Markt ist nicht weit, und in Kleingruppen genießen wir die unterschiedlichen Marktregionen: Blütengirlanden, Obst und Gemüse, Bananen, Düfte, Farben, Haushaltswaren, einfach alles. Eine Foto- und Augenweide. Ich schwelge in Erinnerungen.

Plötzlich begegnen uns auf der Straße lärmende, aggressive Frauen. Es sind Hijras. Das sind Transvestiten, Bernd, das erklärst du bitte besser! (Anm.: Gern, Annette: s. Artikel "Wie pinkelst Du?", INN 364 v. 08.09.06)

Abends machen wir uns alle schön. Ich habe Bindis gekauft (Stirnschmuck für Frauen) und fröhlich essen wir mit den Geburtstagskindern im Roofgarden-Restaurant Shilpashri. Die sind sich sicher, dass sie noch nie einen so besonderen Geburtstag gefeiert haben, und einen, den sie nie vergessen werden. Und ich bin immer wieder angerührt, dass ich dort bin, wo ich vor 10 Jahren zum ersten Mal mit Indien in Berührung kam. Roswitha bestellt zur Feier des Tages einen Wein, der aber eher Essig ist.

Im Hotelzimmer zeigt unsere absolut moderne große digitale Wanduhr an, dass der 06.12. sich dem Ende neigt und die Temperatur 28 Grad wie immer beträgt. Obwohl es abends und morgens tatsächlich etwas frisch ist. Deshalb gibt es für die Inder auch Mützen und dicke Jacken zu kaufen.

Auch die Großstadt erwacht ohne Hektik

07.12.08 - Wir versuchen um 7 Uhr Frühstück zu bekommen, was aber nicht so einfach ist. Der erste freundliche Kellner kommt, nachdem er die Bestellung aufgenommen hat, noch einmal zurück, liest alles vor. Dann kommt nacheinander das Frühstück an, aber irgendetwas fehlte doch?! So dauert das Frühstück eben doch eine Stunde. Ich beobachte im Park gegenüber ein paar Inder bei frühsportlichen Körperübungen. Auch kommt das Straßenleben langsam in Gang, und das gefällt mir immer zu beobachten.

Wir fahren zum Chamundi Hill. Tanzende, verkleidete Kinder betteln um unsere Aufmerksamkeit und auch um unser Geld. Wir besuchen eine große Tempelanlage - viele Menschen, viele Shops, und ich tauche endlich in richtige „Hinduatmosphäre“ ein. Ich liebe den frisch gepressten Zuckerrohrsaft, den es an den Ständen gibt.

Unverhofft Hochzeits-Ehrengäste

Wir haben viel vor: eine längere Autofahrt nach Somnathpur. Eine Fahrt durch viele kleine Dörfer und grüne Reisfelder. Auf dem Weg dorthin geraten wir in eine kleine einfache indische Hochzeit. Wir steigen aus und werden sofort als willkommene und quasi Ehrengäste behandelt. Ein scheuer Bräutigam, mit einer goldenen Kappe geschmückt, ein Regenschirm mit einem bunten Tuch geschmückt, meine Güte, ich finde es anrührend. In der Halle, dem Gemeindehaus?, umfangen uns wilde Trommelklänge, Fröhlichkeit. Wir dürfen ganz nach vorn auf die Bühne, wo wir einem Ritual zuschauen dürfen. Und eigentlich sollen wir auch noch unbedingt zum Essen bleiben… Eine schöne Reiseeinlage!

Kunst aus Speckstein und Bronze

Der Hoysala-Tempel von Somnathpur fasziniert mich wieder durch die vielfältigen Bildhauerarbeiten. Der Führer möchte uns unbedingt die Funktion der drei Gottheiten Brahma, Vishnu, Shiva und deren verschiedene Inkarnationen erklären. Ich finde das löblich, aber auch immer wieder kompliziert.

In dem Shop davor entdecke ich ganz besondere Figuren. Tribal Art, sagt der Shopbesitzer, und ich habe den Eindruck, dass er sich über meine Begeisterung freut. Jedenfalls entsteht ein großes Kaufen meiner Mitreisenden, und ganz zum Schluss erstehe ich mit viel Discount, weil ich habe ihm ja die Kunden gebracht, einen Kopf. (Bernd, kennst du diese Kunst?)

Gordischer Verkehrsknoten

An einer Bahnschranke müssen wir anhalten. Ich beobachte amüsiert das Spektakel. Auf beiden Seiten verteilt sich der Verkehr über die gesamte Straßenbreite. Es ist für uns auch Gelegenheit, ein paar exotische Früchte zu kaufen, die wie Kartoffeln aussehen. Auf beiden Straßenseiten ist der Verkehr in Warteposition. Ich frage mich, wie das denn ausgehen soll. Fußgängern ist die Schranke sowieso bedeutungslos. Aber als die Schranke hochgeht, fahren alle los, und es passiert überhaupt nichts. Wie von Wunderhand löst sich friedlich alles auf!

Am Kaverifluss machen wir wie in einem deutschen Gartenlokal, eine verspätete Mittagspause. Nur das Ambiente ist unperfekt, etwas indisch eben. Gegenüber sitzt eine Gruppe Inder, bei denen die Whiskeyflasche kreist.

Wir besuchen in Srirangapatnam den Tempel und - Raju will uns heute alles erleben lassen - noch das Grab von Tippu Sultan ….

Und dann reicht es uns allen auch, denn wir müssen uns fast beeilen um uns die Illumination des Palastes anzuschauen. Das Highlight der Woche von Mysore. Es ist wirklich ein richtiges Event. Picknickende und sich freuende und staunende Inder - ich weiß nicht, wie viele Hunderte Glühlampen das ihrige tun. Menschenmengen sind unterwegs und wir auch.

Dosa essen abseits des Touristenstroms

Ich hatte im Reiseführer etwas von einem authentischen Lokal gelesen. Ute und Roswitha schließen sich mir an. In dem Gewühle wollen wir eine Rikscha nehmen. Also Verhandlungen, aber letztlich haben wir doch zu viel bezahlt, weil das Lokal viel näher als gedacht war. Ich weiß sowieso nicht, ob wir in dem Richtigen waren, denn dieses war so authentisch, dass es dort nicht einmal abgefülltes Ausländerwasser gab. Wir haben Dosas gegessen, die ich so klasse finde. Diese großen, knackigen Pfannkuchenrollen. Wir saßen etwas ungläubig da und haben uns wie kleine Abenteurer gefühlt.

Noch einen Nachtisch und dann zu Fuß zum Hotel, wo die anderen gesittet gesessen und sich unterhalten haben und einfach eine Kleinigkeit von der Speisekarte gewählt haben.

Großer Koloss und kleiner Deal

08.12.08 - Von heute nur in Kürze. Um 7.30 Uhr geht es ohne Frühstück los, was ich ganz grässlich finde. Es ist bedeckt. Wir fahren eine gute Stunde nach Sravana Belagola, und ich nerve die anderen, wann wir endlich da sind und es Frühstück gibt. Dafür gibt es aber dann Dosa zum Frühstück.

 

 

 

 

 

 

 

Unendlich viele Stufen steigen wir hoch, aber es ist ja schattig. Bestaunen die gewaltige Statue. In einer Sänfte hoch tragen lässt sich niemand. Ein Shop auf dem Rückweg werde ich in einen Shop gelockt, der wirklich richtig dunkel war und auf geheimnisvollem Weg wurde es nach einigen Minuten hell. Wundersames Indien, kann man so Geschäfte machen denke ich, aber ein kleines hat er mit mir denn auch gehabt.

Gibt's coin Segen?

Auf dem gegenüberliegenden Berg ist eine Tempelanlage, die wir allein  besichtigt haben. Ein netter Führer erzählte uns etwas. Der Brahmane in dem Tempel wollte mich nicht segnen, weil ich kein Kleingeld mehr hatte. Unser Führer fragte plötzlich nach Countrycoins, und ich hatte ein paar Eurocents dabei und gab ihm davon. Der Brahmane hat das irgendwie gesehen und kam plötzlich angelaufen - und so kam ich für 2 Cent auch noch zu meinem Segen. Im Laufschritt ist er mit mir zum Tempel, ich musste innerlich laut lachen.

Wieder am Fluss, aber an einem anderen Platz haben wir gegessen. Das Ranganathittu Bird Sanctuary stand auf dem Programm. Mit einem kleinen Boot fahren wir. Es ist nicht die richtige Jahreszeit für Vögel, dafür können wir ein paar Krokodile, unbeweglich auf einem Felsen liegend, bestaunen.

Für mich der Hit war Brindavangarten. Ein botanischer Garten – in Indien. Alles sehr ordentlich und geregelt. Ich staune, Parkwächter passen auf, dass niemand Müll weg wirft. Über Lautsprecher kommen dauernd irgendwelche Ansagen. Viele Inder laufen freudig erregt auf und ab. Irgendwann hatte ich das Gefühl es sind Tausende. Mit Einbruch der Dunkelheit strömen alle und auch wir zu der Wasserlichtorgel. Zu bekannten Bollywoodmelodien bewegt sich das Wasser und auch die ausgelassenen Inder. Es war verrückt. Ich hatte zwar etwas Angst, dass wir uns hier verlieren im Gewühle, aber wie durch ein Wunder und Rajus Argusaugen fanden wir uns alle wieder zusammen.

Am letzten Abend Bollywood ohne Untertitel

Die 3 Kinofreaks unter uns wollen noch einen Kinobesuch wagen, denn es gibt in Mysore schließlich über 30 Kinos. Wir sind eine Stunde zu spät für den Abendeinlass, und im ersten Kino haben sie uns tatsächlich nicht rein gelassen. Ticketcounter geschlossen, hieß es einfach nur. Trotz unserer Beteuerungen, wie sehr wir indische Filme lieben und dies unser letzter Abend ist.

Wir geben nicht auf, das nächste Kino ist nicht weit und dort kommen wir sogar kostenlos durch die Hintertür hinein. Ein Film der in Mysore spielt. Aus dem Palast wurde ein Thron geklaut. Wir haben uns sehr amüsiert. Es gipfelte in eine Szene, wo jeder jeden mit der Pistole bedroht hat. Offen bleibt für mich die Frage, ob es eine Persiflage war.

Was sagt mein realer Tagebucheintrag?: So viele Bilder und Situationen!

Ein letzter Erinnerungsgang - dann los!

09.12.08 - Um 7 Uhr hoch und dann wieder ein langsames Frühstück, wo wir alles 2 x gesagt haben und 2 x gewartet haben. Aber der Boy lächelt soo nett!

Gegen 11 Uhr wollen wir abreisen. Ich gehe allein. Ich möchte doch noch mein altes Hotel von damals finden. Ich bin ganz glücklich, als ich es entdecke. Auch den Bügler in seiner kleinen Nische gibt es noch, oder vielleicht ist es auch schon die nächste Generation. Ich gehe in die Nebenstraßen vom Markt und finde es hier noch faszinierender, als auf dem Markt selbst. Bananen, Papaya usw. lagern hier in großen Mengen. Kleine Einkäufe, einfaches Gucken und Genießen. Heute sehe ich auch Müllsammler in der Stadt. Eine arme alte Frau berührt mich, die zusammengehockt da sitzt – und die Zeitung liest.

Raus aus Mysore gibt es plötzlich ein Stück richtig deutsche Autobahn, wie ungewohnt. (Aber ich glaube, man darf sie als Fußgänger überqueren). Wir können beobachten, wie eine Dorfgemeinschaft eine Pilgergruppe mit lautem Hallo und geschmücktem Bus verabschiedet. Wir verlassen die perfekte Straße, die Landschaft ändert sich wieder und plötzlich sind wir in einer tibetischen Enklave. Ein großes Kloster mit Wohnungen für die Mönche drum herum. Im Kloster empfängt uns ein besonderes Geräusch:  vier Mönche sind dabei ein großes mehrdimensionales Sandmandala zu erstellen. Faszinierend. Es gibt ein richtiges Dorf und auch ein kleines tibetisches Restaurant, in dem wir essen.

Die wilden Tiere sind im Urlaub

Unser Fahrer verpackt unser Gepäck auf dem Dach, denn es gibt tatsächlich ein paar kleine Regentropfen. Wir haben ihn übrigens Gutmensch getauft, weil er uns so gut und sicher fährt und ein gutes Herz hat.

Wir durchfahren den Nagarhole Park und sehen kaum Tiere. Wir steigen um in einen Bus von der Parkverwaltung. So rumpeln wir nun auf Seitenwegen, es ist die Sitzhölle. Als wir die Hoffnung aufgegeben haben, zeigen sich doch noch drei Elefanten, die aber leider schnell verschwinden. Viele Termitenhügel sehe ich.

Durch große Kaffeeplantagen geht es Richtung Heimat. Noch eine kleine Stärkung zwischendurch am Straßenrand.

Und dann in der Dunkelheit beginnt eine wahnsinnige Autofahrt über Land und durch die Städte und über die Berge. Einige sind erst etwas beklommen, denn im Dunkeln sehen die Situationen noch einmal anders und für uns auch gefährlich aus. Plötzlich entsteht unter uns etwas im Auto, dass einige die Fahrt wie bei einer Sportreportage kommentieren. Eine ausgelassene Stimmung und wir müssen fürchterlich lachen, und das vertreibt das unwohle Gefühl. Bald hat uns Kerala wieder und auch die kleine ruhige Nebenstraße und um 21 Uhr hat uns die Farm wieder. Diana hat Geburtstag. Wir singen, es gibt noch Kuchen und ein Geschenk haben wir ihr auch mitgebracht. Es gibt tatsächlich noch Byiryani und Nachtisch – puh.

Erfrischungsbad mit Foto-Showdown

10.12.08 - Das wohlbekannte harte Bett hat mich wieder und auch das wunderbare Frühstück. Reisnudeln mit Kokos-Kardamom-Zuckersoße, so ungefähr. Heute ist frei. Plötzlich hören wir eigenartige Gesänge. Unterhalb des Hauses läuft eine chantende kleine Pilgergruppe vorbei.

Es ist heiß und schwül heute, und Michaela, Roswitha und ich bekommen Badegelüste. Jaimon und Diana haben heute schulfrei und kommen gerne mit. Lovely bestellt ein Tuctuc für uns und los geht’s. Mit Schwimmring und zwei indischen Kindern, das gefällt mir. Jaimon sitzt vorn beim Fahrer, und ich beobachte, wie die Beiden ein echtes Männergespräch führen. Der Fahrer kennt auch die beiden, und er begleitet uns beim Schwimmen. Wunderbar, endlich wieder im kühlen Wasser zu sein. Erst ist alles ganz ruhig, aber dann kommen sie doch, die neugierigen jungen Inder. Als dann Michaela das erste Foto macht, ist es der Auftakt für eine wilde gegenseitige Fotografiererei. Jeder möchte mal drauf sein. O je, eine etwas ungute Situation, aber das Schwimmen hat gut getan.

Gute & schlechte Schneider

Auf dem Rückweg wollen wir beim Taylor reinspringen und unsere genähten Sachen abholen. Das haben wir unterschätzt, es geht nichts schnell in Indien. Meine Hose sitzt noch nicht richtig, aber schnell und kompetent ändert er sie. Roswithas Hose ist etwas zu weit und blitzschnell passt auch die. Michaela hat ihre Sachen beim Frauenschneider nähen lassen - und das ist eine Katastrophe. Roswitha fährt lieber mit den Kindern heim, und wir versuchen, die Situation zu retten und verhandeln. Er hat keine gute Arbeit gemacht.

Tropenwetter

Kerala ist in vielen Dingen anders - das lernen wir schnell. Auch das Klima unterscheidet sich vom übrigen Südindien.

Wenn Du in der idealen Reisezeit Nov-Mrz beim Anflug aus dem Flugzeug schaust, zeigt sich Kerala üppig grün - seine Nachbarn Tamil Nadu und Karnataka nur ein vertrocknetes Braun.

Der Grund: Wenn in der Trockenperiode doch mal Regenwolken vom Arabischen Meer kommen, werden sie zum großen Teil von Keralas natürlicher Grenze aufgehalten, den Westghats. Vor dieser bis zu 2000 m hohen Bergkette erleichtern sich die Wolken, und für das benachbarte Dekkan-Hochland bleibt kein Regen übrig.

So kommen in Kerala auf 3 Reisewochen auch im Winter ein paar Tropengewitter. Warme Güsse, die man bei 30°C locker genießen kann - sie haben nichts gemein mit dem deprimierenden, nasskalten Novemberniesel, vor dem wir aus Deutschland geflohen sind.

Zum ersten Mal spüre ich Stress und Ärger, aber die freundlichen Inder auf der Straße erinnern mich daran, dass ich in Indien bin. Es fällt mir ein wenig schwer, mein Lächeln wieder zu finden. Aber ein Tee und ein Stück Kuchen helfen. Daheim angekommen hat Lovely auch noch Essen für uns! Ich frage Lovely, wann denn ein guter Zeitpunkt ist, um mal zuzugucken, wie sie das Gemüsecurry macht. Ihre Antwort ist, dass sie den ganzen Tag in der Küche ist, und ich einfach nur reinzuschauen brauche. Aber ich verpasse immer den richtigen Zeitpunkt, aber einige Einblicke in die Kunst des Kochens bekomme ich im Laufe der Zeit doch. Und in der Küche, das stimmt, ist wirklich fast immer was im Gange.

Wie eine große Familie sitzen wir auf der Veranda, spielen mit den Kindern, lesen oder tun nichts. Es fängt richtig doll an zu regnen und es dauert auch an. Fühlt sich aber gut an. Raju hört sich die Geschichte vom Schneider an. Ein langer Powercut bringt uns abends in die Stimmung, dass wir anfangen Geschichten zu erzählen. Eine beginnt und die nächste bringt die Geschichte mit ein paar Sätzen weiter. Das bereitet uns richtig viel Spaß miteinander.

Raju's Bruder kommt - und spricht schwäbisch!

11.12.08 - Als erstes kommt heute Morgen der Herrenschneider ins Haus und versucht Michaelas Sachen zu retten! Das Wetter ist wieder angenehmer. Belle de jour = Mrs. Principal verlässt wieder das Haus. Sie strahlt eine Güte und eine Würde gleichzeitig aus, und dann immer wieder ein perfekter Sari in wunderbaren Farben – eine tägliche Augenweide. Zu viert laufen wir durch die „Hintergärten“ und unser Schweiß läuft auch. Frauen gehen mit Kühen spazieren. Einen Lotusteich entdecken wir auch. Mit einem Limejuice erholen wir uns daheim.

Besondere Essensvorbereitungen laufen für die Ankunft von Rajus Bruder. Und dann sitzt plötzlich auf der Veranda ein schwäbelnder und gern erzählender Inder: Johnson.

Vattashira River

Wir fahren gemeinsam Nachmittags zu einem anderen Wasserfall. Wie ein großer Pool. Es ist ein entspanntes und schönes Baden. Raju ist wieder in seinem Element und springt mit Roswitha über die Felsen und zeigt ihr die versteckten Naturschönheiten. Wir können bunte Vögel beobachten. Wie aus dem Nichts springt eine Gruppe von Schulkindern wahnsinnig schnell über die Felsen. Es scheint ihr Heimweg zu sein. Sie stoppen und kommen mit ihrem Schulbuch zurück und bitten jede von uns ihren Namen dort einzutragen. Diese Geste und ihre frische Art berühren mich und uns.

Daheim ist volles Haus und Besuch. Johnson erzählt und wir befragen ihn. Der unvermeidliche Powercut und spätes Essen mit Puri, meinem Lieblingsbrot.

Trekking nein - Hausboot unbedingt

Dann entsteht eine Diskussion über unsere Trekkingtour. Wir wollen von Raju wissen, wie die Bedingungen sind. Drei wollen es wagen. Raju erzählt, dass es aber auch gefährlich sein könne, Tiger, Elefanten, Regen, Blutegel… Tja, eine unglückliche Situation entstand aus meiner Sicht. Sollte es wirklich so gefährlich sein? Zu gefährlich? In dieser Form ist die Tour jedenfalls gestrichen.

12.12.08 - Heute ist endlich die Hausboottour geplant. Wir wollen auch übernachten. Nach 1,5 Stunden Autofahrt sind wir da. Zur Begrüßung einen Pineapplejuice. Na ja, es ist ein „fast schönes“ Boot. Ich hatte es mir romantischer und hübscher vorgestellt. Wir tuckern los und schnell sind wir begeistert von der Umgebung, Palmen, springende Fische, viele Vögel, Seeadler und Eisvögel und Menschen und Kinder an Land. Fischer in ihren Booten und Leute die verbotener Weise Schlamm aus dem Fluss holen. Die kleine Küche zaubert für uns ein Essen, natürlich mit frischem Fisch. Ich sitze auch mal oben auf dem Boot. Es gibt zwei Zimmer, und wir entdecken, dass nur in einem das Wasser funktioniert. Also doch eine gewisse Romantik die Toilettenspülung mit Flusswasser zu organisieren, denn wer weiß, wie groß die Wasserkanister sind?

Wir steigen um in ein Badeboot, das uns ans Meer bringt. Aufgrund von Motorschwierigkeiten knallen wir etwas gegen einen Brückenpfeiler. Unbeschadet kommen wir aber zu einer Stelle mit endlosem Sandstrand, Palmen und dem warmen Meer! Inderinnen, die an der Küste mit Anpflanzungen beschäftigt sind, lachen sich tot über uns.

Das Fremdwort "Ruhe"

Jede Menge Greifvögel in der Luft. Zurück auf dem Boot versuchen wir uns mit möglichst wenig Wasser abzuwaschen. Kurz vor der Dämmerung ankern wir und schön geht die Sonne unter und ein gelber Vollmond erscheint. Die dreiköpfige Crew zieht sich zurück. Wir genießen und versuchen ein paar Lieder zu singen. Wenn nur der Generator nicht wäre. Wird der etwa die ganze Nacht laufen? Wir haben ja Taschenlampen. Mutig wecke ich die Crew und bitte sie, den Generator abzuschalten. Erstaunte Blicke - und dann ist Ruhe und der Mond scheint und Anneli und ich schlafen oben auf dem Schiff unter dem Dach, und alles ist gut.

13.12. Sa - Ich werde wach und sehe die Sonne aufgehen! Ich bin müde und für die meisten war die Nacht nicht sehr erholsam. Die Bootscrew rumort schon, und früh frühstücken wir. Bis zum Anleger ist es nicht weit. Dann üben wir uns im Warten, denn wir sind zu früh und Raju verspätet sich. Vor dem Kerala-Discovery-Bootstour Werbeschild stehen wir. Aber es gibt auch hier etwas zu erleben: die Wartenden an der Bushaltestelle und was an dem Stand des kleinen Fischverkäufers passiert. Roswitha und ich gehen die Stufen am Hang hoch und schon erleben wir wieder Inder, die uns freudig und neugierig begrüßen.

Genau hier landete da Gama vor 186.480 Tagen!

Wir fahren nach Kappad an den Strand. Ein Hotel gibt es hier und ein paar kleine Buden am Strand. Einige müssen ihre Kaffeegelüste befriedigen, aber alle brauchen wir eine schöne funktionierende Toilette. Und was für ein schöner Strand! Viele Krabben und Muscheln. Der nächste Hotelneubau ist aber nicht weit.

In Calicut verlässt uns Raju und wir haben 4 Stunden Zeit für uns. Auf dem Fruchtmarkt geht es wild und vielfältig zu, mit dem Verkehr auch. Ich schwitze und habe immer noch ein wenig Meergefühl von gestern auf dem Körper. Von einem Restaurant im 1.Stock schauen wir aus einer guten Entfernung auf das Gewühle. Wie gut und preiswert das Essen ist, ist immer wieder überraschend. Zum shoppen teilen wir uns, und ich erstehe tatsächlich einen Saristoff, eine Aufgabe für den Schneider mir eine Churidar zu nähen. Stadt ist anstrengend.

Wir fahren zum Hafen nach Beypore, nahe Calicut. Uns allen bleibt der Mund offen stehen. Eine geschäftige, eilige Atmosphäre, Fischkutter, Körbe voller Fische, Träger eilen unter schwerer Last mit Behältern aus denen die Fischflossen nach oben ragen, mir erscheint es wie ein heilloses Durcheinander. Ein Teil unserer Gruppe beobachtet dies und die anderen haben ihre Kamera und ihre Aufmerksamkeit nach oben in den Himmel gerichtet. Dort fliegen Milane, Seeadler und andere Greifs wie bei uns Möwen und Ute sagt: das glaubt mir zu Hause keiner!

An der Strandpromenade dann findet samstägliches Bummeln am Strand und an der langen Mole statt, auch ein Schauspiel. Für eine Fährfahrt reicht die Zeit nicht. Auf der Rückfahrt kommen wir von einem Verkehrsstau in den anderen und von einer Tempelprozession in die andere. Genauer gesagt erleben wir drei mit geschmückten Elefanten, Trommeln, Singen, Feuer, viele Menschen, ein Wahnsinn. Für heute reicht es, ich möchte nur noch duschen, als wir gegen 20 Uhr zu Hause sind. Später spielen wir noch Mensch-ärgere-dich-nicht mit den Kindern, der Vollmond scheint, das Abendkonzert umfängt uns, und wir sind wieder im Paradies.

Unser "freier Tag" mit Küchendienst und Adventsgottesdienst

14.12.08 - Heute ist ein freier Tag, und ich mache mir klar, dass es der 3. Advent ist. Langsam gehen wir in den Tag. Heike und Roswitha machen vor dem Frühstück QiGong. Es gibt die von uns geliebten Pineapple Pancake. Die Veranda wird plötzlich zur Werkstatt. Raju schneidet Schwimmwesten zu. Er kann so viel Geld sparen und außerdem gäbe es eine größere Anzahl gar nicht zu kaufen, so erklärt er uns. Mir gefällt, wie unkompliziert alles abläuft.

Die Mutter von Muli, der Küchenhilfe, ist gestorben, und so werden wir heute etwas mithelfen. Es ist eine sonntägliche Ruhe. Ich vermisse die Schüler, die tägliche Schülerwanderung. Ich gehe an die Hauptstraße und auch die ist leer. Aber, plötzlich ein Fahrrad mit eigenartigen runden Behältern: ein Kükentransport fährt vorbei! Ich liebe diese eigenwilligen Transportarten und –formen. Mit einer Teilgruppe gehe ich  um 15 Uhr zur Kirche. Unterwegs hält plötzlich ein Auto an. Ein junger etwas deutschsprechender Inder sitzt drin. Er arbeitet bei einer Bank und kennt die Farm. Er hat uns Touristen gesehen und lässt uns Grüße ausrichten. So klein ist die Welt.

Tourismussünde
Tusharagiri ?

Weiße Gestalten am Wasserfall? Das war schon in den späten 80ern ein Thema für Keralas Presse. Mit gemischten Gefühlen las ich im Malayalam Manorama: "Wenn sogar schon die ausländischen Touristen hierher kommen, so könnten wir hier doch ein schönes Naherholungsgebiet einrichten".

Es dauerte nicht lange, da boten geschäftstüchtige Inder am Fuß des Wasserfalls Chai & Snacks an, und ein findiger Journalist erfand den Namen Tusharagiri (Berg des gischtenden Nebels). Muss wohl im Monsun hier gewesen sein, denn wenn wir kamen, war der Wasserfall eher ein zahmes Rinnsal.

In der Folge gab es jede Menge Ausflügler aus Calicut, überall Müll und bald stürzten zu allem Unglück 3 waghalsige Inder aus der Stadt vom Felsen ab und starben.

Ich fühlte mich für diese Entwicklung irgendwie schuldig. Mit Gästen bin ich da lange Zeit nicht mehr hin.

Die Kirche ist gut besucht. Man sitzt nach Geschlechtern getrennt, die meisten auf dem Fußboden, nur die alten (und Touristen) sitzen auf Stühlen. Anschließend trinken wir in der Bakery einen Kaffee. Und schon wieder wird es einfach Abend.

Egelhafter Dschungel-Walk

15.12.08 - Es gibt wieder Reisnudeln mit der leckern Kokossoße. Wir fahren zu den Tusharagiri Wasserfällen. Es ist ein Naturschutzgebiet mit 3 großen Wasserfällen. Ein Führer geht mit uns über Stock und Stein. Ein faszinierender schweißtreibender kleiner Dschungel. Wunderbare alte Bäume, Lianen, die sich wundersam ranken und eigenartige Formationen bilden.

Wir finden knallrote kleine Federn, aber der Vogel dazu zeigt sich nicht. Für uns ist es streckenweise mühsam zu gehen, aber unser Guide mit seinen Latschen geht irgendwie locker spazieren. Wir lunchen auf einem Felsen (Lovely hat Nudeln gemacht), der Wasserfall rauscht und sieht einfach gut aus, meine Füße sind kühl im Wasser, so ist es gut.

Im Hintergrund rotten sich doch tatsächlich Wolken zusammen, und auf halbem Weg zurück fängt es an zu regnen. Wir warten etwas ab. Nun sind die Felsen superglitschig. Zusammengekauert rutsche ich lang, Ute sogar auf dem Hosenboden. Wir schaffen es alle und der Weg wird besser. War da nicht was, wenn es regnet? Blutegel?!

Der Guide verabschiedet sich von uns per Handschlag, und schon ruft die erste erschrocken, dass ihre Socken blutig sind. Mein Gedanke, ich sei wohl davon gekommen, ist grad zu Ende gedacht, als ich höre, dass meine Hose an der Wade ganz blutig ist. Da hängt sogar noch einer, den Raju mit dem Feuerzeug abbrennt. Es blutet zwar, es tut aber nicht weh, und ich hatte es mir schlimmer und ekliger vorgestellt. Meine Blutegelinitiation.

Ich bringe meinen Stoff zu den Schneiderinnen und bespreche, wie es werden soll. Ich habe ein gutes Gefühl dabei.

Das Ende naht

16.12.08 - Heute ist der letzte freie richtige Tag. Irgendwie ist es nicht mein Tag. Roswitha und ich gehen noch einmal nach Murambathi. Es geht erstaunlich schnell und einfach, was vor ein paar Tagen noch ein kleines Abenteuer war. Wir finden sogar einen kleinen Rundweg. Ein Minischulbus hält, und ein cleverer Junge sagt uns sofort, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aus dem wird sicher mal was.

Ich habe das Gefühl, dass ich einen Schnupfen bekomme. Diana malt in mein Tagebuch ein Gesicht, geht ganz sorgsam mit meinem 4-Farbenkuli um und schreibt ihren Namen auf Malayalam daneben. Trotzdem ist heute nicht mein Tag.

17.12.08 - Heute ist unweigerlich der letzte Tag auf der Farm. Ich gehe ein letztes Mal morgens ins Feld. Plötzlich blühen die Kaffeebäume. Eine junge Frau kommt und grüßt mich nett und fragt, ob ich ihr Haus sehen möchte. Ich zögere kurz, aber dann gehe ich mit ihr. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrer Schwester und erzählt von ihrem Studium. Das original keralitische Frühstück ist wohl einfacher, denn der Mann isst Tapiokawurzel mit klein geschnittenem grünen Chili. Ich probiere etwas davon. Dann möchte sie meine Adresse haben, denn ihr Traum ist, nach Europa zu reisen. Ich fühle mich ganz beglückt über dieses nette Extra-Erlebnis.

Die Stimmung beim Frühstück ist etwas gedrückt, weil Lovely's Onkel gestorben ist. Johnson zeigt uns einen schönen Fußweg abseits der Straße nach Kodancherry. Hätten wir das nur früher gewusst. Ich hole von den Schneiderinnen mein Sarikleid und freue mich sehr. Auch die Schneiderfrauen freuen sich mit mir und die Freude vervielfacht sich. Ich weiß nun, was ich am Abschiedsabend tragen werde! Michaelas Sachen sind auch repariert . Im großen Stoffladen entsteht noch einmal ein gemeinsamer Kaufrausch. Auch die typischen papiernen Weihnachtssterne werden noch erstanden.

Nach dem Lunch beginnt das Packen und für viele die Sorge, ob alles in den Koffer passt. Wir alle nehmen natürlich noch Gewürze mit. Ich bin so froh, dass für mich die Reise noch weiter geht, aber das Abschiednehmen beginnt und fällt mir schwer. Ich beobachte die reizende Szene, wie Jaimon und Diana Michaela beim Packen helfen. Aber die Atmosphäre des Aufbruchs ist allüberall spürbar. Raju tut sich schwer die Abschlussrechnung zu erstellen.

Abschiedsdinner mit Tandoori

Aber auch am allerletzten Abend gibt es noch eine Überraschung: nämlich der Dachgarten, den wir noch gar nicht entdeckt hatten. Es gibt Tandoori Chicken. Unter dem wunderschönen Sternenhimmel, mit Powercut, Tropenkonzert und in großer Gemeinschaft lassen wir es uns gut gehen. Sofern man das so sagen kann, wenn eine Abschiedswehmut oder sogar –schmerz über allem schwingt. Wie sagt mein originaler Tagebucheintrag: Ich kann den Abschied nicht wirklich beschreiben.

18.12.08 - Große Abreise. Um 7 Uhr ist Frühstück. Letzte Gruppenfotos werden gemacht. Wir alle haben viel Gepäck, und es ist irgendwie traurig und auch nicht. Wir machen etliche Pausen, und jedes Mal fragt Anneli, ob wir jetzt nicht wieder zurück zur Farm fahren. Wir besuchen eine Elefantenfarm, wo viele Tempelelefanten auf ihren Einsatz warten. Wir lernen etwas über die Unterschiede der indischen Elefanten. „Eigentlich“ ist es eine ganz schöne Fahrt, wenn wir uns nicht immer weiter von der Farm entfernen würden…

Hochhäuser und andere Fremdkörper

Kochi kündigt sich an durch viel Verkehr. Große Plakate an der Straße wollen wissen lassen, wie wunderbar es ist, in einer Hochhaussiedlung zu wohnen! Und so ist es auch bald zu sehen. Ich kann es nicht glauben. Mir erscheint der Gegensatz sehr krass zur herkömmlichen Lebensweise.  In Ernakulam hat uns dann Großstadtleben eingeholt mit allen Facetten. Ein modernes Hotel für uns, ein Boy hält die Tür auf. Aber Buddhaseidank ist nicht alles perfekt, denn in unserem Zimmer lässt sich die Klimaanlage nicht ausschalten. Erfindungsreich verstopfe ich etwas die Lüftung.

Das Abenteuer wartet vor dem Hotel, denn die Straße ist so stark befahren, dass es der besonderen Technik bedarf, um sie zu überqueren, entschlossen und mutig. Die Promenade dahinter gibt uns wieder Urlaubsgefühle und Dank der unternehmungsfreudigen Gruppenpower nehmen wir eine Fähre und fahren nach Fort Cochin. Das erinnert mich an Hamburg, wenn es dort je einen so heißen Sommerabend geben würde. Wir finden auch ein nettes Lokal, und es fühlt sich  wieder heimelig an. Mit der letzten Fähre fahren wir heim und in Ernakulam ist es ruhig.

19.12.08 - Vor dem Frühstück gehe ich durch die rückwärtigen Gassen hinter dem Hotel und bin ganz beruhigt, dass hier buntes Leben herrscht. Glitzernde Weihnachtsgirlanden sind angesagt. Nach dem Hotelfrühstück und kleinen Hindernissen fahren wir wieder mit der Fähre nach Fort Cochin. Auf eine Autofahrt haben wir alle keine Lust.

Für mich beginnt jetzt wieder eine Erinnerungsreise. Wir genießen die Atmosphäre des jüdischen Viertels, all die Reis- und Gewürzhändler, die kleinen Seitengassen und das vielfältige Leben. Und dann erst einmal die vielen professionellen Andenken- und Antiquitätenläden. Eine regelrechte Reizüberflutung. Das sind wir gar nicht gewohnt.

Die Synagoge hat leider geschlossen. Ich freue mich, dass wir  viel Zeit zum schlendern haben. Wir treffen uns alle bei einem wohltuenden Pineapplejuice an einem Kiosk wieder. (So etwas ist übrigens gar nicht abgesprochen, es passiert einfach. Nicht wie auf Gruppenreisen um xx Uhr Treffpunkt xx)

Und dann muss ich gestehen, passiert etwas sehr eigentümliches. Direkt nebenan ist ein Souvenirshop und eine typische, aber äußerst kitschige Elefantenkette erregt mein Interesse. Kaum ausgesprochen, sind vier von uns in Verkaufsverhandlungen, und ich erstehe das kitschigste Urlaubsmitbringsel, was ich in meinem Leben gekauft habe.  Soll ich es den Entbehrungen auf der Farm zuschreiben?

Es ist so heiß, aber tapfer laufen wir zurück, schauen die typischen chinesischen Fischernetze an, gehen noch in die Kirche, aber die Stoffwedel, die früher mal Luft gefächelt haben, sind außer Betrieb. Äußerst touristisch erfrischen wir uns in Kashis Art-Cafe.

Da waren's nur noch zwei

Um 16.30 Uhr ist Abschied von unserer Gruppe. Schön-traurig ist es. Die werden heute Abend eine Kathakali-Tanzaufführung sehen, während wir unterwegs Richtung Süden und Meer sind. Unser Fahrer muss erst einmal etwas ordentliches essen, denn in dem Cafe, das war nichts für ihn. Viele kleine Etappen – viele erleuchtete Hindutempel, etliche Chais und Johnson redet ununterbrochen mit dem Fahrer. Es ist sein Job, ihn wach zu halten. Nach 6 Stunden kommen wir bei Ayurbay und Lalitha an. Ich sehe im Dunkeln die Anlage und bin nicht sicher, ob es mir hier gefallen wird. Es sieht für mich wieder zu prächtig aus, aber vielleicht ist ja auch hier nicht alles perfekt.

Noch ein Abschied von Johnson und Gutmensch, denn die müssen noch zurück fahren und die anderen morgens zum Flughafen bringen. Unglaublich, denn wir legen uns todmüde ins Bett.

Annette: "Kerala - alles  im grünen Bereich!" (3)

Annette aus Hamburg, die Dritte - einen so ausführlichen Bericht über die KD-Südindienreise hatten wir lange nicht. Annette macht sich schon Sorgen, dass sie uns damit überfordert. Da kenne ich aber etliche, die hier widersprechen - nicht zuletzt ich! Annettes Bericht ist nämlich in vieler Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen hat der Arbeitgeber Annette mit 33 Urlaubstagen gebenedeit - zum anderen gestattet sie uns einen Blick in ihr intimes Reisetagebuch.

Das Ergebnis ist ein Indienbild voller kleiner Erlebnisse und Gefühle, das hinsichtlich Farbintensität und Überlänge durchaus mit Bollywoodfilmen vergleichbar ist. Aber sonst hat Annettes Tagebuch wenig mit Mumbais Traumfabrik gemein - ihr Reisetraum ist Realität. Heute erleben wir mit ihr acht Tage, die Annette mit ihrer Reisefreundin Anneli bei Dr. Lalitha südlich des Kovalam Beach verbrachte - über 500 Kilometer von unserer Tropenfarm in Nord-Kerala und über 9000 km vom restlichen Reiseteam entfernt, das bereits nach der 3. Reisewoche nach Hause fliegen musste. Der Aufenthalt in einem Strandresort am Arabischen Meer hat eine neue Dimension nach 3 Wochen Farmferien im Hinterland.

20.12.08 Sa - Etwas verstört gucke ich mich um, als ich wach werde. Wo bin ich? Ich höre das Meer rauschen. Meine erste Tat: ich gehe baden. So etwa 2 Menschen sind am Strand, außer den Fischern, die mit ihren winzigen Booten vor den Felsen nach Muscheln und Tintenfischen Ausschau halten.

Langsam ankommen

Die Bucht gefällt mir, ein wenig größer wäre schön zum Laufen, aber sie strahlt etwas Heimeliges aus. Ein Fischermensch bekommt Signale von seinen Kollegen aus dem Wasser. Mit einem Speer schwimmt er rasch hinaus und kommt strahlend mit einem Octopus zurück. Er fragt mich, ob ich gern so etwas esse. Etwas von seinem Glück springt auf mich über.

Wir sind keine normalen Gäste, sondern in der Ayurvedagruppe eingeteilt und dadurch in einer kleinen Gemeinschaft. Wie schön! Mitten in den Palmen oberhalb des Meeres ist der Ort für die Mahlzeiten. Es gibt einen leckeren Fruchtsalat, und ich bekomme mein geliebtes Keralafrühstück.

Ein Mann, der heute abreist, erzählt, dass er es zwei Wochen lang bestellt hätte, aber immer Toast bekommen hätte! Es ist eben alles nicht perfekt, und das erfreut mich. Jetzt jedenfalls. Ich beobachte etwas schläfrig und noch fremdelnd, wie es hier ist: Der Ort, das Personal, meine Mitmenschen, das Strandleben und Lalitha, die resolut und liebevoll über allem wacht. Eine energievolle, herzliche Person, das merke ich. Wir reden über Ayurvedatypen. Der Tailor winkt auch schon vorsichtig zu uns neuen Gästen herüber.

Zum Essen, übrigens sehr lecker, finden wir uns an den Tischen zusammen. Nachmittags wagen wir uns über die Felsen und landen in einem neuen wunderbaren Shop eines Tibeters. Eine kleinere Bucht hier, Hotel, beschauliches Leben. Der Schweiß läuft und das Meer ruft mich drei Mal an diesem Tag. Ich erlebe einen ruhigen Tag rund um Lalitha. Ich komme an.

Eine quicklebendige Holländerin, die für eine Nacht bleibt, erzählt abends vom Filmfest in Trivandrum.

21.12.08 So, 4. Advent - Mein frühmorgendliches Bad und der nett lächelnde Fischer bringen mich in den Tag. Anneli und ich machen Pläne, was tun und was nicht tun. Wir haben einen Termin mit Lalitha, ob wir kuren wollen. Ich kann mich nicht total auf eine Kur einstellen, sondern möchte nur Massagen nach eigenem Ermessen haben.

Meeresbrise und sanfte Hände

Der Blick durch die Palmen aufs Meer ist einfach gut. Ab und zu geht ein Holztransport vorbei = eine Inderin trägt auf dem Kopf eine schwere Menge Feuerholz. Ich gucke mir die Stoffe bei dem Schneider an, und nachmittags ist meine erste Massage inklusive Stirnguss. Von letzterem war ich nicht so angetan. Es ist fantastisch: Ich liege nackt auf einer Massagebank, ein sanfter Wind fächelt, das Meer rauscht, es ist angenehm warm, so dass wirklich kein Frösteln aufkommen kann, und meine Masseuse bearbeitet mich liebevoll, wenn auch nicht immer sanft. Aber sie guckt genau und fragt beim leichtesten Unbehagen „pain?“.

Völlig eingeölt hilft sie mir in den hauseigenen Bademantel, und ich ruhe und fühle meine Zugehörigkeit zur Ayurvedagruppe. Der Tag geht mit einem fast schönen Sonnenuntergang vorbei. Von der Kirche vom Dorf kommt Gesang herüber. Stundenlang vom Band – es ist weit genug weg und nah genug um Indien hörbar zu machen. Es ist nicht viel passiert, aber es war ein guter Tag. Ich bin froh, hier zu sein.

22.12.08 Mo - Die beiden Belgierinnen aus unserer Gruppe wollen zu Amma fahren, eine bekannte spirituelle Lehrerin, die ihren Ashram nicht allzu weit entfernt hat. So denke ich drüber nach, ob ich mitfahren möchte. Ich habe mal einen Film über sie gesehen.

Touristenrummel Kovalam

Heute wollen wir sehen, wie es in Kovalam ist. Wir laufen unseren Berg hoch und nehmen uns eine Rikscha. Ein touristischer geschäftiger Ort. Was könnte/sollte ich noch alles in diesen letzten Tagen erstehen?! In der ersten Bucht holen die Fischer ihr langes Netz ein. Mich fasziniert der Wechselgesang, der das Ganze begleitet und auch, dass immer Einer frische Energie in diesen langen und anstrengenden Vorgang bringt.

Hier liegen nun viele Touristen am Strand, und mir wird endgültig klar, wie paradiesisch es bei Lalitha ist. Die Ruhe dort und dass es direkt am Strand liegt, ist einfach toll.

Shops gibt es unendlich viele. Natürlich kaufen wir auch etwas ein, erfühlen die bestaunenswerte Qualität eines echten Pashminaschals. Einkaufen hört sich so einfach an, ist aber ab einer bestimmten Stufe ein anstrengender und längerer Vorgang, für mich jedenfalls.

Ich gebe mich noch einer Massage bei Lalitha hin, einem Bad im Meer, dem Betrachten des Sonnenuntergangs und den Gesprächen mit den anderen.

Erlebnisreich: Fahrt zum Südkap

23.12.08 Di - Heute bade ich richtig früh, denn wir wollen nach Kanyakumari, an die Südspitze Indiens. Ein luxuriös aussehendes Auto steht bereit für uns. Wie werden wir verwöhnt.

Ein Arbeitselefant an der Straße, grad richtig für einen kurzen Stopp, für eine Berührung und ein Foto – kleines Entgelt erwünscht.

Der Padmanabhapuram Palace mit vielen Holzverzierungen und einer schönen Anlage liegt auf dem Weg. Wir halten auch an einem großen Hindutempel in Suchindram. Der Führer zeigt uns die lange Säulenhalle und die klingenden Säulen. Eine schöne Atmosphäre ist im Tempel, wieder auch mit vielen Pilgern. Als hungriger Mensch esse ich noch frittierte Bananen und trinke einen Tee.

Nach langer Fahrt kommen wir in Kanyakumari an. Es hört sich sicher eigenartig an, aber der Fahrer macht uns etwas fertig, weil er so vorsichtig fährt. Er überholt nicht „indisch“, er hat nicht dieses Vertrauen oder auch Erfahrung, dass schon alles gut geht. Er hupt, aber dann passiert nix. Eine völlig neue Übung in Geduld für mich.

Proppevolle Schiffschaukel

Aber wir kommen an, und am modernen Boat Jetty steigen wir aus und gucken irritiert auf die akkurat sitzende Warteschlange. Von neugierigen Blicken und Fragen begleitet kommen wir schnell voran. Kaum sind wir aus dem Gebäude, ist die Ordnung vorbei. Wild drängen sich alle auf das Boot, und voll gepackt fährt es los. Es ist regelrecht stürmisch und die Wellen lassen das Boot auf und nieder steigen, unterstützt von lauten Juchzern.

Ich male mir nur kurz aus, was passieren könnte, wenn alle mit ihrem Gewicht mit den Wellen schwingen würden. Wir tuckern zum Vivekananda Tempelrock, und ich muss gestehen, dass ich ab jetzt nur noch fasziniert bin von den Menschenmassen, die sich ergießen und wieder vor dem Ticketcounter anstehen, dann vor dem Gebäude und dann wieder eine lange Schlange bilden um mit der Fähre zur nächsten Insel mit der Statue zu fahren. Wir sind Teil des manchmal zerrendem Treibens und auch wieder wundervollem fremdartigen Trubels.

An Land essen wir eine Kleinigkeit und arbeiten uns durch eine Unmenge von Souvenirständen, Wahrsagern, Pilgern, Touristen vor bis zur Spitze. Hier bekomme ich eine Ahnung davon, wie viele Menschen an diesem Ort sein könnten.

Wir wollen den Sonnenuntergang nicht abwarten, sondern fahren heim. Die ca. 90 km dauern rund 3 Stunden. Ich bin zwischen Geduld und Ungeduld gefangen. In der Dunkelheit leuchten viele weihnachtliche Sterne, Krippen und auch Lichterketten. Es war gut, es war der Tag der un-geordneten Menschenmengen.

Krippe unter Palmen

Bei Lalitha ist richtig was los. Zwei indische Familien sind gekommen. O Schreck, das kleine Kind läuft unter stolzen Blicken der Verwandtschaft, mit Schuhen einher, die bei jedem Schritt ein beabsichtigtes lautes Quietschen erzeugen. So ein kleines Kind läuft auch abends noch viel. Bleiben die lange?

24.12.08 Mi – Heiligabend - Ich gehe baden, und Anneli bekommt ihren morgendlichen Kaffee serviert. Beim Frühstück stellt sich wie jeden Morgen die Frage für mich, kommt der Tee rechtzeitig oder erst nach dem Frühstück? Aber Lalitha dirigiert ihr Personal. Sonst ist alles normal, Meer, Palmen, Sonne und eine Morgendliche Massage. Ich schenke meiner Masseuse den mitgebrachten Lebkuchen. Vielleicht hat sie Freude dran, ihre Augen strahlen, aber sie strahlt sowieso.

Heute bekommen wir ein extra schönes Mittagessen. Der Taylor hat meine Bluse fertig, und ich bin zufrieden damit. So geht das Strandleben. Plötzlich gibt es Aktivitäten vom Personal: Eine Krippe wird unter einer Palme gebaut. Mit Sand vom Strand, trockenen Palmwedeln, Figuren, Glitzerkette und Beleuchtung wird sie liebevoll gestaltet. Der Klempner kommt, zieht Kabel ab, und dann hängt zwischen den Palmen eine Lichterkette mit großen Papiersternen. Unglaublich!

Christmas-Dinner am Touri-Beach

Wir wollen heute alle in Kovalam essen. Um 17 Uhr treffen wir uns. Anne aus Bremen, die mit Lalitha befreundet ist und sie auch schon lange kennt, möchte einen Sari verschenken. So gehen wir alle im nächsten Dorf in einen Laden.

 

 

In Kovalam gehen Anneli und ich auf und ab, auf der Suche nach dem schönsten und angenehmsten Restaurant. Im Santana gibt es Fisch und Huhn satt. Es ist unweihnachtlich und auch wieder nicht, denn auf der Rückfahrt an unserer kleinen Kirche ist Trubel und Leben. Eine festliche Atmosphäre. Die Kinder laufen aufgeregt lachend mit einem in Zeitungspapier eingewickeltem Geschenk hin und her. Es war offensichtlich Bescherung. So viel einfaches Glück und Zufriedenheit! Unsere Krippe daheim strahlt uns hell entgegen.

Besuch im Ashram

25.12.08 Do - Heute fahren wir zu viert zu Amma. Anneli will nur gucken und wieder zurück fahren. Um kurz nach 7 Uhr gibt es ein Minifrühstück, und dann fahren wir mit unserem langsamen Fahrer los. Eigentlich ist kein Verkehr, aber wir kommen erst kurz vor 10 Uhr in Kollam an. Ein kurzer Verhandlungsstress mit dem Bootsmenschen.

Das Boot fährt nicht direkt, sondern macht noch eine Pause. In einer halben Stunde geht es schon los, und ich muss unbedingt noch frühstücken, ein rasches Dosa-Frühstück. Das Boot wird voll und mit Touristen unterschiedlichster Art geht es noch einmal durch die Backwaters. Mittags halten wir an für ein schnelles Thali.

Mehrere Hochhäuser und eine Brücke kündigen den Ashram an. Ja, der Ashram besteht aus Hochhäusern. Vor 10 Jahren bin ich hier vorbei gefahren und habe mich gewundert und erst hinterher gehört, was dort ist. Jetzt bin ich hier. Die Größe und das Leben dort erzeugen in mir etwas Unbehagen. Anneli guckt und fährt zurück. Ich checke ein und bekomme ein Bett im Viererzimmer, dunkel und einfach, im 10. Stock. Ich nehme an einer organisierten Führung teil.

Heute ist Darshan, der Tag an dem Amma stundenlang aus unendlicher Güte und Mitgefühl Menschen rituell umarmt. Laute Musik ist überall auf dem Gelände zu hören.

Ich gebe mich für 24 Stunden dem Leben hier hin. Inder, Europäer, Familien, Einzelne, Junge, Alte, Normale, Ausgeflippte, alle sind hier und viele Ehrenamtliche. Ich bin von Amma umarmt worden, und so kann ich gut gehen.

(Meine Erfahrungen hier sind sehr intensiv und ich möchte es an dieser Stelle nicht weiter öffentlich machen. Wenn jemand Interesse hat und mehr wissen möchte, bin ich gern bereit davon zu erzählen.)

26.12. Fr - Ich verbringe nach einer guten Nacht bis zum Nachmittag die Stunden im Ashram. Wir rufen bei Lalitha an, ob der Fahrer uns heute abholen kann. Ein Local Call, aber wir probieren es ganz bestimmt vier Mal um Durchzukommen und um eine stabile Leitung zu haben. Mittags geht der Reis aus, und ich beobachte wie eine Schlange von Menschen (mich eingeschlossen) mehr oder weniger geduldig bestimmt 20 Minuten warten.

Kovalam ist nicht Indien

Unser Fahrer kommt jedenfalls pünktlich um 15 Uhr. Ich habe mir vorgenommen, ihn einfach fahren zu lassen und nicht zu gucken. Das klappt auch fast. Große, bunte Tempelfiguren bestaunen wir unterwegs. Gerade noch rechtzeitig für ein Meeresbad vor Einbruch der Dunkelheit kommen wir an. Ich stürme zum Strand und bin wieder im Lalitha-Ashram. Auch das ist gut.

27.12. Sa - Natürlich Baden als Erstes – Couscous-Frühstück mit Banane. Der Kartenverkäufer am Strand möchte nun endlich mit mir ins Geschäft kommen. Jeden Tag fragte er mich geduldig - auch wenn ich nass aus dem Meer komme. Aussuchen, Handeln, er ist zufrieden, und ich bin gespannt, was nun ist.

Das Internet bei Lalitha ist nicht funktionsfähig, wir gehen bzw. fahren nach Kovalam. Auf dem Weg zur Rikscha: Zwei Männer sitzen vor einem Haus und singen.

Ich versuche in Kovalam die dritte Bucht zu entdecken. Aber das überzeugt mich alles nicht. Luxusherbergen. Es scheint keine Teezeit mehr zu sein, was ist das? Bin froh, einen dunklen Teastall zu finden und Tee und Dosas zu bekommen. In diesem Tourismus mutet so ein Ort plötzlich ganz eigentümlich an. Treffe Anneli in der German Bakery – was für ein Kontrast.

In einem Shop klagt der Händler über schlechte Geschäfte. Ich falle auf einen Stoff herein, den der Schneider nicht nähen will, weil keine gute Qualität.

Ein alter, dünner, kräftiger Fischer hat heute bei Lalitha Fisch vorbei gebracht. Ein starkes Handeln brach aus, mir wurde schon ganz anders. Also gibt es Fisch heute Abend, wirklich fangfrisch. Zu dritt bekommen wir noch Besuch von schmucken Polizisten. Sie wollten Neujahresgeld, haben aber auch die Küche inspiziert.

 

nächster Zeit aber nachgeholt, und dann bleibt jeweils nur die aktuelle Ausgabe eine Woche lang frei zugänglich.

 

 

 

 

Annette: "Kerala - alles
im grünen Bereich!" (4)

Der vierte und letzte Teil des schönen Südindien-Berichts von Annette aus Hamburg. Es stimmt ein wenig wehmütig, dass er schon zu Ende sein soll. Zumal Annette sagt, sie könne noch viel mehr erzählen. Aber auch eine 33-Tage-Kerala-Discovery geht irgendwann zu Ende. Zum Ausklang erzählt Annette von den letzten Tagen bei Lalitha am Strand.

28.12.08 So - Das Meer ist wie immer einladend da und warm. Mein etwas grummelnder Magen bekommt heute Morgen Porridge. Es ist ruhiger Strandtag. Ich beobachte die sonntäglichen Inder, die einen Ausflug machen und was sonst am Strand passiert. Wenn der Strandverkäufer seine Tücher ausbreitet und sie anpreist und die indischen Kinder, die ausgelassen an der Meereskante toben.

Abends wollen wir zum Kathakali (trad. Tempeltanz, aber für Touristen) nach Kovalam. Deutsche Zeitplanung holt uns ein, wir kalkulieren zu knapp. Unterwegs geraten wir in eine christliche Prozession, spannend und interessant, aber nicht vorgesehen. Wir müssen einen Umweg nehmen und hetzen über die Strandpromenade zur Tanzaufführung. Das Schminken und Ankleiden gehört dazu. In dem Hotel möchte ich meinen Urlaub jedenfalls nicht verbringen.

In Kovalam ist es völlig überfüllt mit Menschen und nun erleben wir, dass das Essen über eine Stunde dauert. Der Kellner ist sehr nett, aber ich fürchterlich hungrig. An „unserer Ecke“ steht keine Rikscha mehr. Es ist spät geworden. Sind froh, dass ein Stück weiter wir doch noch eine finden.

Ein Basar, ein Todesfall und der Mann im Glück

29.12.08 Mo - Heute wollen wir mal die Straße hochgehen bis zur Hauptstraße. Viele Kleinigkeiten zu bestaunen am Straßenrand. Auf der Anhöhe eine schöne Aussicht über die Palmen bis zu unserem Kirchen/Moscheedorf. Ein kleiner Markt ist oben. Ein unglaubliches Gewusel und viele unbekannte Dinge. Lautes Reden, nette Menschen, Freundlichkeit. Viele kleine Verkaufsstände, nein, Menschen, die ihr Gut um sich drapiert haben, mehr nicht. Eine lautstarke Diskussion, viele erregte Frauen. Worum mag es gehen?

Wir kaufen uns ein Gebäck und trinken einen Tee im „Restaurant“. Neugierig beobachtet uns eine Frau. Bei einer Korbverkäuferin am Straßenrand erstehe ich einen kleinen Korb für eine Freundin. Schade, nicht so einen großen, wunderbaren Naturkorb mit heim nehmen zu können. Bei einem Gemischtwarenhändler kaufe ich Seife. In einem Sack gibt es dort Teerstücke zu kaufen. Was ist das bloß?

Auf dem Heimweg werden wir von einer kleinen Gesellschaft heran gewunken. Wir müssen Tee trinken und eine Banane essen und werden befragt. Es wird uns gesagt, dass wir auf einer Beerdigungsfeier des Großvaters sind.

Wir gehen gelassen und entdecken einen Kindergarten. Auch hier sollen wir eintreten und viele Kinderaugen gucken uns teils verängstigt, teils neugierig an. Sie wollen uns etwas vorsingen.

Daheim essen wir einen kleinen Lunch. Anne erzählt mir, wie das alles mit Lalitha begann. Pineapplejuice am Nachmittag. Die Wellen sind heute etwas stürmisch und der Fischermann vom Personal guckt nach uns beim Baden. Erstaunlich finde ich, dass der Kartenverkäufer mich jetzt wie eine Freundin begrüßt. Das gefällt mir. „No business“ sagt er mir heute, guckt aber nicht betrübt. Mit dem Schneider sind Verhandlungen im Gang über neue Projekte. Am Strand begegnet uns heute ein Mann mit Tochter und feuerverletzten Händen, der uns anbettelt. Ist ein wenig schwer, aber Lalitha sagt später, er würde Unterstützung bekommen und Leute würden viele Geschichten erzählen.

Zum Sonnenuntergang setze ich mich auf die Stufen vom Hotel und der Kartenverkäufer setzt sich vertraut zu mir. Ziemlich unvermittelt sagt er: I am so happy! - mit einem großen Strahlen im Gesicht und seinen schiefen Zähnen. Ja, er habe eine Frau und drei Töchter und ein Haus mit mehreren Zimmern! Meine Güte, welch eine Lektion in Sachen Glück.

Heute ist es den ersten Abend etwas kühler. Der Mond ist zu sehen.

Keralas Hauptstadt

30.12.08 Di - Es war auch eine etwas „kühle“ Nacht. Wir wollen nach Thiruvananthapuram (Trivandrum) mit dem Bus. An der Hauptstraße steigen wir in einen kleinen Bus, der in Vizhinjam hält, und dort müssen wir umsteigen. Dann kommt (endlich) die Herausforderung. Wir stehen eng gedrängt in einem picke-packe-vollem Bus. Eine schmale, zarte Frau lächelt mich an und sagt, dass sie im Pineapple Business (in Kovalam am Strand) ist. Aber das sei schlecht in diesem Jahr.

Nach einer dreiviertel Stunde sind wir am East Fort, richtig mitten in einer geschäftigen Stadt. Hier ist gleich alles anders. Schuhreparatur am Straßenrand für wirklich hoffnungslose Schuhe und Sandalen. Ich sauge die Musik rund um den Tempel und das Leben in mich auf, denn hinein dürfen wir nicht. Wir laufen die MG-Road, gucken das Stadtleben, sehen Kaufhäuser, ist aber nicht verlockend. Das berühmte Indian Coffee House haben wir leider verpasst. Für eine besondere Schulfeier wird ein Gelände vorbereitet. Wir nehmen einen fast leeren Bus zurück bis Kovalam.

Heute sind richtig hohe Wellen, die mich auch einmal richtig umschmeißen. Die Belgierinnen waren beim Elefantenreiten irgendwo nah bei, aber das wussten wir nicht.

Mit einem Schneiderbesuch geht der Tag zu Ende.

Ein steriles Luxusresort

31.12.08 Mi - Heute in der Nacht wird Anneli abreisen. Heute Morgen sind mir die Wellen zu hoch zum Baden. Schade. Wir wollen etwas Richtung Muslimdorf am Strand laufen, aber wir brechen ab, als sich die ersten Kinder an uns hängen. Wir fühlen uns doch nicht korrekt genug angezogen.

Lalitha bzw. ihr Sohn Manoj will eine richtige Sylvesterfeier organisieren. Das Plakat kündigt einen Grand Gala Evening an. Ich bin noch skeptisch, kann es mir nicht vorstellen. Aber in der Küche wird geschnippelt, Lautsprecher werden gebracht und langsam entsteht eine Geschäftigkeit.

Zum Lunch wollen Anneli und ich ins Thapovan, ein Edelresort, gehen. Als ich das köstliche Essen sehe, was die anderen serviert bekommen, wird mir schon wehmütig. Auf einer Terrasse mit perfektem Service und wunderbarem Blick über die Palmen sitzen wir dort steril herum. Morgens hatte ich am Strand mit einer Frau gesprochen, die sich dort aufgrund eines Tipps eingebucht hatte und sehr unglücklich war. Ich wäre es auch gewesen.

Sylvester á la Lalitha

Der Tag ist geprägt von einer Abreiseaufregung und Ruhen. Mittlerweile ist unten aus den Strandliegen eine Bühne entstanden. Für das Buffet wird professionelles Geschirr gebracht. Dann kommen zwei Kathakalitänzer, zwei Musiker und zwei Helfer – alles für uns. Etwas hektische Vorbereitungen der Tänzer, das Schminken und das Ankleiden. Um 19 Uhr ging es los. Festlich und neugierig sitzen wir da.

Nur die indischen Gäste, die auch im Hotel sind, die scheint es überhaupt nicht zu interessieren. Wie ignorant, denke ich. Lalitha nimmt es gelassen. Das Essen ist festlich bereitet und wir werden vom Personal richtig vornehm bedient. Es gibt u.a. Muscheln mit Tapioka und wirklich viele andere Köstlichkeiten. Es kommt mir fast wie im Traum vor. Zwischendurch kommt noch einmal Polizei, kontrolliert und will Geld haben.

Dann erscheinen noch sechs Musiker. Sie spielen wahnsinnig gut, engagiert und mit viel Freude, als ob sie vor einem großen Publikum spielen würden. Wir paar europäische Touristen, die wir übrig geblieben sind, geben unsererseits unsere ganze Begeisterung im Zuhören und manchmal auch Mittanzen. Um Mitternacht veranstaltet das Hotel nebenan ein großes Feuerwerk. Wir stehen am Strand mit Herbal Water und dem sog. Popeye Juice (Bier) für Anneli. Ein wahrhaft unvergesslicher Abend. Um 1 Uhr fährt Anneli.

Ein neues Jahr wird langsam wach

01.01.09 Do - Alles wird langsam wach. Der Kellner, der Anneli immer den Kaffee gebracht hat, guckt ganz traurig. Die beiden hatten immer Spaß miteinander.

Das Meer ist wieder ruhig und badefreundlich, das ist schön. Beim Frühstück funktioniert heute fast gar nichts, vielleicht sind alle noch etwas betrunken. Ich lasse mich massieren und werde plötzlich so traurig, dass mir die Tränen herunter laufen, und meine Masseuse mich ganz erschrocken anschaut und sie mir liebevoll abtrocknet. Sie ist übrigens auch glücklich, weil sie frisch verheiratet und schwanger ist, und mein Postkartenmann ist heute happy, weil er gestern viel getrunken hat.

Mit Alexandra, deren Freundin auch schon abgereist ist, fahre ich zum Resort Somatheram. Meine Güte, ist das perfekt. Einen langen, breiten Strand gibt es dort, mit viel Strandleben und vielen Menschen, die ihren Neujahrsspaziergang machen und Indern, die sich mit großer Begeisterung nass machen lassen, bekleidet natürlich.

Der nette Kellner macht mir ein verstecktes Angebot für eine Wohnung, wenn wir denn nächstes Jahr wieder kommen. Er will auch für uns kochen. Wie rührend.

Ich genieße erst einmal unser Abendessen. Dann fallen plötzlich 10 junge studentische Inder bei uns ein. Große Aufregung, denn das hatte Lalitha nicht gewusst. Sie hat Sorge, dass die laut sind und uns stören können. Ich bekomme zum Schlafen ein anderes Zimmer. Aber ich glaube, es war gar nicht laut.

Wehmütiger Abschied von Kerala und letzten Rupien

02.01.09 Fr - Heute ist schon mein letzter Tag. Letzte Fotos, letztes Baden, schönes Wetter. Ich starte einen Einkaufsgang. Ich gehe zum anderen Schneider und gebe noch etwas in Auftrag. Kaufe Seidenschals für meine Freundinnen und gucke, was ich nicht noch alles kaufen kann. In dem Shop gibt es wunderschöne und kostbare Wandbehänge aus Kaschmir. Es ist schön und es ist traurig, diese letzten Wege zu machen und mich in Resonanz mit all den strahlenden Gesichtern zu erleben. Trinke Tee. Will Cashewnüsse kaufen, was mir aber nicht gelingt. Sie scheinen zu teuer zu sein für die Bevölkerung hier. Kaufe für die Reise Bananen und bei den Clementinen sucht der Verkäufer liebevoll mit mir 2 schöne heraus.

In unserer übrig gebliebenen 4er Gruppe fahren wir Nachmittags mit der Riksha nach Vizhinjam. Es ist immer zu sehen und zu hören, aber wir waren noch nie da. Ein armer Ort mit einem belebten Hafen. Durch enge Gassen laufen wir zur Kirche hoch. Festlich geschmückt ist sie. Auch im Inneren. Ich erlebe etwas mich sehr berührendes: ein weiß gekleideter Mann geht nach vorn, kniet und in einer zu Herzen gehenden Bewegung und Geste breitet er seine Arme aus. Da lag so viel Intensität drin, dass es mir unvergesslich bleiben wird, und leider ist es unbeschreiblich.

Viele bettelnde Kinder hier und eine Dichte. Wir fahren zur Moschee. Aus der Ferne sah sie märchenhaft aus. Jetzt ist sie einfach Realität und irgendwie ist es hier trostlos. Die Trennung im Dorf christlich/islamisch ist zu spüren.

Voller Rucksack - leeres Herz

Beim Abschiedsgucken am Strand lerne ich noch die Familie des Postkartenverkäufers kennen. Seine Frau ist nicht so happy, sie hat Diabetes und sieht auch krank aus. Die ältere Tochter spricht nett mit mir, und natürlich geht es auch um Geld.

In meinen Rucksack passt alles rein. Der abendliche Powercut kommt, und ich sitze relaxed auf der Terrasse. Plötzlich suchen mich die anderen, denn sie sitzen schon bereit zum Essen. Ich durfte mir etwas wünschen. So gibt es (fast) krosse Dosas und zum Dessert frische Ananas.

Der Schneider hat meine Hose fertig, aber die Bluse, die er nach meiner Lieblingsbluse nacharbeiten will, da muss er noch wo anders hin und die Knopflöcher machen lassen. Später! Später ist sie auch noch nicht fertig, aber er will sie zum Hotel bringen. O je, was habe ich da noch am letzten Tag inszeniert? Die Rechnung von Lalitha ist auch nicht einfach zu bekommen. Kurz vor dem Schlafen gehen ist es so weit. Nicht nachvollziehbar ist sie, aber moderat. So kann ich fast beruhigt noch etwas ruhen.

Froh, "zu Bernd zu gehören"

03.01.09 Sa - Um 1 Uhr Nachts kommt unser langsamer Fahrer und der Security Service bringt tatsächlich meine perfekt genähte Bluse. Fühle mich wie Teil eines kleinen indischen Wunders. Die letzten Meter durch Indien. Viele Kontrollen am Flughafen. Ich beobachte distanziert eine kleine Studiosusgruppe. Die Anführerin fragt laut: Wo sind wir denn hier eigentlich? O Gott, ein letztes Mal bin ich froh, „zu Bernd zu gehören“. Der Flug verspätet sich, aber es macht nichts.

Im Flugzeug eine nette Szene: Einer schlafenden Inderin rutscht der Kopf zur Seite in den Mittelgang. Der Servicewagen kommt nicht durch. Ein achtsamer Steward, es muss ein Inder gewesen sein (!), schiebt so langsam und behutsam, dass er sie tatsächlich nicht wecken muss.

Schnelles Umsteigen in Dubai. Der Kreis schließt sich, als ich wieder die gehauchten arabischen Flugansagen höre. Fliege über viel Nichts von Arabien, und dann sind Berge da und plötzlich auch Schnee. Meine Flugnachbarin von Studiosus erzählt mir irgendwann etwas vom tollen Service und von den tollen Hotels in Kerala. Wenn die wüsste?!

Wieder in (c)old Germany

Ich komme um 14 Uhr in Frankfurt an, und über ein Auf und Ab komme ich zum Bahnhof - ich muss ja noch nach Hamburg. Es gefällt mir fast nicht, dass die Zugfahrt durch das zauberhaft rauhreifige und sonnige Deutschland mit einem wunderschönen Sonnenuntergang auch schön ist. (Nur in Indien soll es schön sein) Ich muss an Johnson denken, der erzählt hat, wie unmöglich es ist, seinen Landsleuten zu erzählen, wie Winter in Deutschland ist.

Aber in Hamburg regnet es. Ich esse zu Hause eine Samosa und ein Stück Grießkuchen habe ich auch noch. Die Gewürze fühlen sich hier anders an.

04.01.09 So - Höre ich das Meer rauschen? Krächzen die Krähen? Scheint die Sonne durch die Palmen? Nein, es ist still. Ich mache mir mein deutsches Müslifrühstück mit einer Banane und aus Kerala und echtem deutschen Brot. Im Feature im Radio läuft eine Sendung über Utopien. Ich komme langsam in der hiesigen Realität an.

 

 

 

 

Barbara: "Insgesamt toll!"

Barbara aus Bern war im Februar 2008 vier Wochen mit KD in Kerala. Und wie es vielen geht, hat der Alltag sie gleich nach der Rückkehr wieder voll vereinnahmt. Der Universitätsabschluss hatte Vorrang, und die Kerala Discovery Reportage kam mit 6-monatiger Verspätung. Aber sie kam - zusammen mit über 450 Beweisfotos auf CD, aus denen Du heute eine kleine Auswahl bewundern kannst.

Hallo Bernd, schon ist es ein halbes Jahr her seit der Kerala-Reise. Ich wollte mich schon lange bei dir melden…. Aber wie es so ist: Dauernd eine Menge los im Leben. Ich werde dir zuerst etwas über meine Reiseeindrücke im Rückblick schreiben, dann etwas über das halbe Jahr seit ich zurück bin und zum Schluss komme ich zum aktuellen Anlass, dir zu schreiben: ich brauche deine Unterstützung.

Ein richtig gutes Team

Die Reise war insgesamt toll. Unsere Gruppe war äußerst angenehm. Ein richtig gutes Team. Die drei deutschen Frauen waren alle sehr nett und unkompliziert. Wir verstanden uns auf Anhieb gut. Raju, Lovely und die Kinder sind einfach nur unglaublich nett, süß und hilfsbereit. Nach kurzer Zeit fühlte ich mich, als würde ich Freunde besuchen.

Raju bemühte sich, alle unsere Sonderwünsche zu erfüllen. Ich erzählte, dass ich auf Elefanten stehe, er machte einen Arbeitselefanten in der Gegend ausfindig und wir besuchten ihn eines Mittags bei seinem Bad. Das war ein schönes Erlebnis.

Schulbesuch wurde zum Fest

Ein weiterer Wunsch von mir war es, eine Schule zu besuchen. Auch das hat Raju eingefädelt. Und das war nun wirklich ein unglaubliches Erlebnis! Die Primary School machte daraus einen Event. Wir kamen auf die Bühne, die Kinder saßen davor und einige auch auf der Bühne. Die Kinder stellten Fragen über Deutschland und die Schweiz, wir sollte diese beantworten. Dazwischen sangen die Kinder Lieder und auch meine deutschen Kameradinnen glänzten mit zwei Gesangseinlagen. Bei der Ankunft wurden wir Popstars gefeiert und am Schluss mussten wir Autogramme geben….. Anschließend wurden wir im Lehrerzimmer begrüßt und konnten und noch mit den Lehrpersonen austauschen. Es war ein faszinierender Nachmittag und gab uns einen Einblick in eine öffentliche Schule in Indien. Es ist beeindruckend mit welch einfachen Mitteln und mit wie wenig Infrastruktur Unterricht durchgeführt wird.

Gut behütet in der Fremde

Unterwegs in Mysore und später in den Süden nach Kovalam fühlte ich mich immer bestens aufgehoben, Raju und Sadish ließen uns nicht aus den Augen, so konnten wir unbeschwert alles bestaunen und gingen nicht verloren. Besonders geschätzt habe ich auch das gemächliche Tempo der Reise. Es war immer genügend Zeit die Eindrücke zu sortieren und zur Ruhe zu kommen.

Auch die letzten Tage bei Lalitha waren schön. Ausspannen, Massagen, Ausflüge in die Umgebung. Ganz zum Schluss, als meine drei Reisegefährtinnen schon auf dem Heimweg waren, wollte ich noch etwas Indien auf eigene Faust erleben und fuhr mit dem öffentlichen Bus nach Trivandrum, schaute mir die Stadt und den Tempel an und kaufte noch dies und das ein. Das war ein angenehmes Erlebnis. Alles klappte wunderbar und die Leute waren sehr freundlich und nicht aufdringlich zu mir. Nach den behüteten Wochen mit Raju war das schon ein bisschen Abenteuer…

"Verbesserungsvorschläge":

Ich hätte mich gerne etwas mehr bewegt. Ab und zu einen Spaziergang ins Programm aufnehmen fände ich nicht schlecht. Gerade wenn man so viel im Bus sitzt (Mysore). Die Rundfahrt in Nagarhole (oder wo es war, auf der Rückfahrt von Mysore), war für nichts. Man sah kaum aus dem Jeep raus und es hat nach Abgasen gestunken. Hier wäre ein kurzer Rundgang zu Fuß tausendmal angenehmer gewesen.

Der Sari-Shop in Mysore war ein Reinfall. Viel zu teuer, schlecht genäht….