Geduld - es lohnt! Die
Gästereports sind sehr fotolastig Sigret & Herbert: Unser Südindien-Protokoll Die Anreise und die ersten Tage
auf der Vettikavumgal-Farm im Busch Immer beliebter: Stopover in
Dubai Ausflug Sravana Belagola & Ranganathittu Südwärts an der Küste entlang:
Kochi 4 müssen heim - wir bleiben noch Die INN-Links: Sigrets & Herberts Reiseprotokoll in 4 Teilen Majestätisch: Im Kettuvallam
durch die romantischen Backwaters "Geht die KD auch mit Madurai?" Unser Stützpunkt für 4 Wochen:
Das AyurBay Bei den Fischern von Vizhinjam Ein typischer Tag auf der
Farm Köstlicher Start: das Frühstück Anneli: Meine Geburtstagsreise nach Kerala Raumschiff Enterprise oder die
unendlichen Weiten des Universums Genügsam entschleunigt: Lasta & Edgar Susanne: Engelstrompeten & verpackte Tempel Annette: "Kerala - alles im grünen Bereich!" (1) Vettikavumgal Farm - sanftes
Ankommen Dorfgehupe &
Dschungelgeräusche Klasse Gefühl: Essen mit den
Fingern! Ab heute Kerala Discovery mit 6
Ladies Dschungelbad am Eruvanhippuzha
Arriparam Jeden Morgen das bunte
Studentenvolk Annette: "Kerala - alles im grünen Bereich!" (2) Bekränzt zum Palast de
Märchenprinzen Auch die Großstadt erwacht ohne
Hektik Unverhofft Hochzeits-Ehrengäste Kunst aus Speckstein und Bronze Dosa essen abseits des
Touristenstroms Großer Koloss und kleiner Deal Am letzten Abend Bollywood ohne
Untertitel Ein letzter Erinnerungsgang - dann
los! Die wilden Tiere sind im Urlaub Erfrischungsbad mit Foto-Showdown Raju's Bruder kommt - und spricht
schwäbisch! Trekking nein - Hausboot
unbedingt Genau hier landete da Gama vor
186.480 Tagen! Unser "freier Tag" mit
Küchendienst und Adventsgottesdienst Hochhäuser und andere Fremdkörper Annette: "Kerala - alles
im grünen Bereich!" (3) Erlebnisreich: Fahrt zum Südkap Christmas-Dinner am Touri-Beach Annette: "Kerala - alles
im grünen Bereich!" (4) Ein Basar, ein Todesfall und der
Mann im Glück Ein neues Jahr wird langsam wach Wehmütiger Abschied von Kerala
und letzten Rupien Monika: "Daheim? Wo ist daheim?" Heidi: Von der Überholspur auf die Erholspur Kerala: Kaleidoskop schöner Erinnerungen Tief einatmen: Das ist Indien! Vertraute Töne: Raju's
"Indglish" Meine bisher schönste
Indienreise! Manfredo: Der Blick hinter den Spiegel Nellikunnu Beach - in den warmen Händen von Dr. Lalitha Babu Erika & Josef: Ohne Hetze viel erlebt Im Verkehrschaos sicher fühlen Bewegend sind oft die kleinen
Dinge Süßholz? Nein - Kokos raspeln… Adelheids Kerala: Das AyurBay
bei Kovalam 12.03.06 Adelheid: "Meine Backwaters" Backwatertouren in Quilandi &
Allapuzha - ein Vergleich Kurzbesuch in Rajus "VettikaJungle-Palace" Adelheid: Die Kinder der Inder Carmen & Lucas: "Im Farbenrausch Indiens" Schwimmen im Nellipoyil River: .Christa & Walter:
"Der wirkliche Garten Eden" Solch liebe, hilfsbereite
Menschen! Volkskrankheit Rückenschmerzen Das Zusammensein mit den Menschen
beeindruckt am meisten Kovalam: Die Überraschung war Lalitha Reisebericht: Claudia aus Gelnhausen Meine Keralareise vom 09.01.05
bis 30.01.05 Unser neues Kettuvallam in Feroke Reisebericht: "Kerala Discovery im November" Die ersten Tage auf Vettikavumgal Ausflug in die Nachbarprovinz
Karnataka Kovalam - das Neptune gefällt uns
nicht Kerala Discovery: Hilles Fotobericht Gebratenes Wechselgeld -
köstlich! Reisereport: Christine in Kerala Unser Backwatertrip auf dem
Kettuvallam Indien - ein toller Saftladen! Beti: Kerala-Discovery Oktober 2003 Ruth & Manfred: Kerala im November 2002 24 Stunden auf dem Kettuvallam Margarete aus Karlsruhe: Kerala in Bildern Birgit – in Südindien unterwegs Wunderwelt Tausendundeiner Begegnung Kerala im November 2000 - Horst
& Georgine aus Rheinfelden Brigitte: ALLE WOLLEN UNSER
BESTES Südindien ‑ oder Fische fangen, wo der Pfeffer wächst Family Anne and
Heinz, with all kids Der schönste, intensivste und erlebnisreichste und, und, und ....
Urlaub in meinem Leben! Können wir das veröffentlichen?? Kein blauer Dunst in den Blauen
Bergen Nach Kovalam Beach nicht zum
Baden! Verbesserungsvorschläge gern
aufgegriffen Joke, Janny, Job & Günter in Kerala „Weiße“ können nicht verloren
gehen Diese Rubrik wurde am 17. April 2011 aktualisiert Die KERALA-LetterboxEure Briefe sind am kursivem Fettdruck zu erkennen - meine Kommentare sind normal gedruckt. Ich greife aus Eurer Post ab und zu ein Thema auf und wende mich dann aber an alle - auch an die Gäste der kommenden Saison. Nimm's also nicht persönlich, wenn ich mal etwas weiter aushole. Alle Briefkästen - die Rajasthan-Box, die Kerala-Box und künftig auch die Orissa-Box - sind in den neuen Traumheften weit ausführlicher. Auch eingefleischte Websurfer sollten sich mit dem hier dargebotenen "Aperitif" nicht zufriedengeben! Damit möglichst viele verschiedene Themen angesprochen werden, habe ich aus Platzgründen die Teile Eurer Briefe gekürzt oder ausgespart, die bereits mit den Briefen der anderen angesprochen worden waren. Gerade die Letterbox kann für neue Interessenten eine gute Entscheidungshilfe sein. Neben exzessiver Schwärmerei werden auch Mißstände aufgezeigt. Dazu kommt etwas Hintergrundinfo von mir für alle, die eine Kerala Discovery noch vor sich haben. Was verbessert werden kann, werden die Gastgeber verbessern. Was unabwendbar ist wird nochmals erklärt - damit neue Besucher vorbereitet sind. Besser lest Ihr's hier, als im Kleingedruckten. Zumal ich weiß, daß Interessenten solcher Reisen den Paragraphenkram der Reisebedingungen überhaupt nicht mögen. Auch in der letzten Saison habe ich bemerkt, daß viele sich "aus dem Bauch" für KD entschieden und das "Technische" überhaupt nicht gelesen haben. Für ein solches Vertrauen bin
ich sehr dankbar - möchte aber trotzdem Missverständnisse vermeiden. Kerala Letters Sigret & Herbert: Unser Südindien-Protokoll
Die Anreise und die ersten Tage auf der
Vettikavumgal-Farm im Busch
Sigret & Herbert aus Berlin erlebten mit KD Kerala und Umgebung vom 22.11.2009 bis 23.12.2009. Die beiden waren bereits auf Rajputana Discovery, als sie noch im Raum Köln gewohnt haben - mehr als ein Jahrzehnt musste vergehen, bevor sich für die beiden Gelegenheit bot, nun auch den tropischen Süden zu erforschen. Und dieses Erlebnis haben die beiden minutiös protokolliert. Da auch eine 10.000-Kilometer-Reise mit dem ersten Schritt beginnt, wollen wir auch den Aufbruch in Berlin nicht weglassen Immerhin haben wir hier auch einmal die Möglichkeit, die "technischen Daten" eines solchen Indienabenteuers zu beleuchten: Wie kommt man zum Airport, wie lang dauert der Flug und die Zollformalitäten? Etliche Tipps und Tricks haben die beiden auch nicht vergessen. Dinge, die in den anderen Reiseberichten selten vorkommen. Weil man bei so vielen fremden Eindrücken solche Details einfach vergisst. Natürlich gilt das auch für Sigret & Herbert - aber sie haben Reisetagebuch geführt. Sonntag, 22.11.2009 und Montag, 23.11.09 - Michael bringt uns zum Bahnhof nach Lichterfelde-Ost. Wir fahren um 10:17 Uhr mit dem Regio nach Spandau. Hier steigen wir um in den ICE nach Frankfurt/Hbf. Hier holt uns Peter ab. Mit Peter, Elke, Marius und Jannis machen wir, bei schönem Herbstwetter, einen Spaziergang am Main. Nach Austausch der letzten Neuigkeiten und leckerem Kaffee und Kuchen im Museumscafe, verabschieden wir uns von Elke und schon schlafendem Jannis. Peter bringt uns mit seinem Auto zum Flughafen, Marius begleitet ihn.
Immer beliebter: Stopover in Dubai
Im Flughafen vor dem Schalter von Emirates Airline treffen wir, wie verabredet, unsere neuen Urlaubsbekannten Gerry + Heide und Harald + Silke. Nach dem Einschecken gibt es noch für die Männer ein großes deutsches Bier zum Abschluss. Dann geht es hinein in den Flieger. Um 20:15 Uhr heben wir ab und sind um 5:30 Uhr (Ortszeit, Uhr 3 Stunden vorstellen) zur Zwischenlandung in Dubai. Der Flug war ruhig, das Essen lecker, der Service gut.
Nach der Zollkontrolle (ca. ¾ Stunde) sind wir im super tollen Flughafen, Terminal 3, der nur von Emirates benutzt wird. Da wir über 8 Stunden Aufenthalt haben, nehmen unsere Kaiserstühler das Angebot der Fluggesellschaft wahr und begeben sich ins Hotel zum Schlafen. Wir aber fühlen uns noch fit und machen eine Stadtrundfahrt in Dubai. Zunächst holen wir uns Dirham am Automaten für ca. 100,00 €. Nun fahren wir mit der neuen Metro (seit August 2009 in Betrieb) zum Deira City Centre. Wir durchqueren das Einkaufscenter. Es ist noch früh und nur wenige Gaststätten haben schon geöffnet. Wir treffen viele hilfsbereite Leute und sind so zügig am Bus-Stopp für die Big-Bus-Tour. Sie beginnt um 9.00 Uhr und dauert ca. 3,5 Stunden (blaue Tour). Das Big-Bus-Ticket gilt für 24 Stunden und schließt die rote Tour (ca. 2 Stunden), verschiedene Eintritte und andere Vergünstigungen ein. Man kann die Touren an vielen Haltepunkten unterbrechen. Der Fahrpreis beträgt 220 Dirham = 60 US $. Wir sitzen hinten im offenen Doppeldecker-Bus und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es ist morgens noch etwas frisch, aber das ändert sich schnell und der Fahrtwind ist angenehm.
Es sind super tolle, punktvolle Bauten. Neben jeder Straße sieht es aus wie im Park, Blumen, Rollrasen und blühende Hecken. Alles ist sehr gut gepflegt. Überall sind Arbeiter bei der Pflege. Eine Beschreibung der einzelnen Bauten führt hier zu weit. Wir schauen uns hierfür unsere CD über Dubai an. Glücklich und voll mit tollen Eindrücken über die gigantischen Bauten, aber auch müde, treffen wir wieder am Flughafen ein. Wir haben ein wenig Hunger und suchen im riesigen Areal des Flughafens den von Bernd hoch gelobten Imbiss „Cosi“. Hier essen wir Beide ein köstliches „Thai Chicken Masala“ wie von Bernd empfohlen. Wir machen noch einige Einkäufe im Duty Free und checken ein. Flug nach Kerala
Der Flug nach Calicut dauert ca. 3 ½ Stunden, aber wir sitzen noch 1 Stunde im Flieger bis zum Start. Der Flieger ist rappelvoll. Viele Inder mit Familie kaufen in Dubai ein. Wir haben unsere Plätze schon per Internet vorgebucht, auf Empfehlung von Bernd. Es sollten Plätze mit besonders viel Beinfreiheit sein. Stimmte auch. Aber diese Plätze werden Familien mit Klein-Kindern freigehalten und so plärrten fast die ganze Zeit Kinder um uns herum. Aufgrund unserer Müdigkeit schliefen wir dennoch einige Zeit. Die Formalitäten am Airport Calicut dauern ca. 1,5 Stunden, einschließlich Fiebermessung, wegen der Schweinegrippe. Aber es war alles ok.
Vor dem Flughafenge-bäude einige hundert Menschen, die alle auf ihre Angehörigen warten - unglaublich. In diesem Getümmel findet uns Raju. Die Fahrt mit einem Kleinbus dauert ca. 1 ½ Stunden. Es ist schon dunkel. Gott sei Dank, so bekommen wir nicht direkt das von uns empfundene Chaos auf den Straßen mit. Wir machen noch einen Zwischenstopp für den ersten Chai in einem Restaurant am Wege. Hier könnten wir auch etwas essen, so Raju. Aber wir haben ja noch keine Rupien. Das Trinkgeld für die kleine Karaoke-Sängerin übernimmt Raju denn auch.
Auf der Farm kommen wir endlich gegen Mitternacht (Ortszeit, ca. 4 ½ vor Europa-Zeit) an. Wir beide sind nun schon 36 Stunden auf den Beinen und freuen uns auf unser Bett. Erster Tag im Busch
Dienstag, 24.11.09 - Nach spätem Frühstück erkunden wir gemächlich mit Raju die Umgebung der Farm. Raju erklärt uns die Bäume, Kräuter und Pflanzen. Vorbei an einigen Reisfeldern, sehen wir Kinder, die sich im glasklaren Bach tummeln, und Familien zeigen uns stolz ihre kleinen Zicklein. Vorher schauen wir noch Bauarbeiter zu, wie sie per Hand Steine bearbeiten und ein Grundstück für den Hausbau vorbereiten. Das Grundstück wird mit einer Bruchsteinmauer eingezäumt. Wir sind im Poolavalli Tal im kleinen Muslim-Dorf Murambathi. Nach einem Chai-Stopp kommen wir gegen 14.00 Uhr wieder auf der Farm an. Leckeres Mittagessen steht bereit. Nach der Siesta wollen wir ins Dorf, jedoch es gewittert. So ruhen wir uns aus und warten auf die Kinder und auf die Oma, die in der Kirche sind. Am Abend machen wir noch einen kurzen Spaziergang mit Kopflampe und Taschenlampe auf der Straße, in naher Umgebung der Farm. Um 22.00 Uhr endlich erneut warmes Essen mit der Familie.
Ach, da war doch noch etwas! Herbert hatte Geburtstag und wurde 66 Jahre alt. Sigret war es mittags während des Spazierganges eingefallen und gratulierte ihn heimlich und küsste Herbert mitten auf der Straße. Das ist an sich in Indien nicht erlaubt und die Anderen wunderten sich, wie sie später sagten. Sigret hatte aber Raju informiert und ihn gebeten für den Abend Sekt und Rotwein zu besorgen. Zur allgemeinen Überraschung hatte Raju eine kleine Geburtstagstorte machen lassen. Die sehr süße Torte wurde dann abends mit allen verspeist. Hiernach überreichten wir sechs dann unsere Gastgeschenke. Nach einem letzten Glas Wein ging’s dann ab ins Bett. Planschen im Dschungel
Mittwoch, 25.11.09 - Raju hat den Ayurveda-Masseur bestellt. Heute früh ist Sigret dran. Mit super viel Öl (das Gesicht wird mit Kokosöl massiert) ist es neu aber sehr wohltuend. Nach einer halbstündigen Ruhepause wird das Öl abgespült. Hierfür bekommen wir von Lovely heißes Wasser im Eimer mit einer Schöpfkelle.
Heute fahren wir mit einem Jeep zum Dschungelfluss Nellipoyil Adiparam ins Adivasi-Gebiet. Adivasi sind die Ureinwohner von Kerala, teils sehr negroide. Sie sind unserer Meinung nach etwas scheu. Auch die Häuser sind etwas ärmlicher als in Kodancherry. Der Wasserfall hat ein großes Becken gebildet, indem wir in klarem Wasser baden. Die Felsen und Steine sind vom nächtlichen Gewitter aalglatt und glitschig. Silke badet, mit Rücksicht auf die Einheimischen, mit einem Ganzkörperbadeanzug. Wir sind aber ganz alleine am Wasserfall. Hier haben wir natürlich auch ein leckeres Picknick dabei. Auf der Rückfahrt halten wir in unserem Dorf (Kodancherry). Sigret kauft Stoff für eine Saribluse, die sie beim lady-tailor nähen lässt (Stoff 49 Rs, Dress 295 Rs, kurzer Dress 200 Rs. Auf der Farm warten schon Kaffee und selbst gebackener Kuchen auf uns. Jetzt ruhen wir uns auf der oberen Terrasse, mit Blick aufs Gebirge aus. Jetzt hat Herbert seine erste Massage. Wie bei Sigret, mit sehr viel Öl und kräftiger Ganzmassage. Das Anlegen und Entfernen des Lendenschurz-Stofffetzens durch den Masseur ist fast wie eine Zeremonie - lustig.
Donnerstag, 26.11.09 - Sigret und Herbert erhalten ihre 2. Massage am Morgen. Mit Gerry und Heide wandern wir nach Kodancherry. Silke und Harald leihen sich Rajus Motorrad und erkunden die nähere Umgebung (mangels einer Landkarte zeichnet Raju die Fahrstrecke auf). Überall im Wald verteilt stehen Häuser. Weiter von der Straße weg sind es kleinere, aber gepflegte Häuser. Die Leute sind freundlich und lassen sich gerne, besonders mit ihren kleinen Kindern fotografieren. Man hat den Eindruck, sie sind stolz darauf, fotografiert zu werden. Am Straßenrand treffen wir Gäste einer Silberhochzeit und werden spontan eingeladen. Wir probieren vom Hochzeitskuchen. Ein katholischer Priester, der sehr gut deutsch spricht, erklärt uns einiges (er war mehrere Jahre im Raum Stuttgart). Natürlich machen wir Fotos vom Brautpaar. Als wir weiter auf Kodancherry zu gehen, sehen wir viele villenartige Häuser. Wir trinken zunächst einen Chai, und dann sieht uns Paulson, den wir gestern schon trafen, und er kommt zu uns. Paul spricht ein wenig deutsch und kommt von einer Hochzeitsfeier im Dorf. Er besteht darauf, dass wir mitgehen und dem Hochzeitspaar gratulieren, damit es Glück für das Brautpaar bringt. Im Saal sind einige hundert Gäste und wir, im Freizeitlook, werden gefilmt, als wenn wir die Hauptakteure wären. Das Brautpaar verlässt kurz den Raum, um sich die Hände zu waschen. Erst dann können wir ihm gratulieren. Und wieder wird gefilmt und geknipst. Wie selbstverständlich zeigt uns Paulson auch noch stolz sein nettes Haus.
Nun besichtigen wir die katholische Kirche von Kodancherry. Sie ist von außen ein sehr imposanter Bau, innen ein schlichter großer Raum ohne Bänke. An der Seite stehen wenige blaue Plastikstühle in Zweierreihen für Alte und Gebrechliche. Große plastische 3-dimensionale Bilder von der Heiligen Familie hängen an den Wänden. Wir treffen einen jungen Vikar. Er erklärte uns: „Kerala hat 25 Bistümer und 90 % der Katholiken gehen in die Kirche. Schon bevor Christen nach Europa kamen, kam der heilige Thomas nach Kerala und brachte das Christentum mit“. Als wir aus der Kirche kamen, war gerade Schulschluss. Trauben von Kindern umringen uns. Immer die gleichen Fragen: „What is your name, where do you come from, have you pen? Herrlich auch die Schulkleidung. Mit dem Tuk Tuk fahren wir vier für 20 Rs zur Farm. Freitag, 27.11.09:
bis 2.12.09 fahren wir nach Mysore. Wir starten gegen 11.30 Uhr. 1. Stopp für
1 Stunde an der Passstraße in den Nilgiris am kleinen Pookot-See. Wir wandern
um ihn herum und haben noch Zeit für eine Chai. Der nächste Stopp ist hoch in
den Nilgiris an Kurve 9. Hier wissen die wilden Makaken-Affen, dass sie von
Touristen mit Bananen gefüttert werden. Ein Schauspiel!
Auf dem Hochplateau (Dekkan-Plateau) sehen wir riesige Teeplantagen. Die Häuser sind hier anders. Bald sehen wir die ersten Reisfelder. Dann fahren wir durch ein Naturschutzgebiet an der Grenze zu Karnataka. Wir machen in einem Bambus-Urwald Pause und verzehren ein von Lovely hergerichtetes leckeres Picknick. Die Knochen bekommt ein hungriger Welpe, den Rest holen sich die Ziegen. Die Teller werden im Fluss gewaschen und dann geht’s weiter. Durch eine fruchtbare Landschaft und kleinere Dörfer geht es nach Mysore. Um 18.00 Uhr kommen wir am Hotel Parklane, Harsha Road, nahe dem Palast, in der Altstadt an. Mysuru (Mysore)
Mysore liegt auf einer Höhe
von 800 Meter und hat ca. 500.000 Einwohner. Das Klima ist heiß und trocken. Nach dem Abendessen im Hotel
machen wir noch einen Spaziergang rund um den Block, um erste Eindrücke einer
indischen Großstadt zu bekommen. Samstag, 28.11.09
- Nach dem selbstbestellten Frühstück im Hotel ist um 10.00 Uhr Abmarsch zur
Besichtigung des Mainpalace. Raju und der Fahrer schlafen nicht im Parklane. Die Bauzeit des Palastes ist
von 1906 bis 1912. Viel Stein und Metall, wenig Holz, weil der alte Palast
abgebrannt war. Überwältigend und vorherrschend sind die Farben Türkis, Blau
und Gold. Sehr beeindruckend ist der Baustil mit bunten, gläsernen Dächern.
Elektrischer Strom und sogar
ein eiserner Aufzug ist vorhanden. Wunderschöne Gewölbegänge sind bemalt. Der
vom alten Palast erhaltene Teil ist jetzt Museum. Viele Mogulelemente,
teakholzgeschnitzte Kastendecken und goldverzierte, durchbrochene Decken. In
der Palastanlage sind 4 Hindutempel. Nach kurzem Snack im
einheimischen Lokal, besuchen wir das Museum of Art: Bilder, alte Möbelstücke
und Sänften sind zu sehen. Eine große Standuhr mit Aufmarsch zum Dussehra
Festival. Ein Trommler trommelt im Sekundentakt, der Bläser hebt die Trompete
im Minutentakt und lässt sie schnell wieder fallen, nach 30 Minuten kurzes
Anspiel der Kapelle. Anschließend besuchen wir den
Devaraja Obst- und Gemüsemarkt. Ein tolles Gewimmel von Menschen. Wir lernen
einige neue Sorten von Früchten und Gemüse kennen. Interessiert schauen wir
den Blütenketten-Aufziehern zu. Es gibt Ketten aus Jasminblüten, Astern,
Tagetes, gelben Margariten und Rosen oder auch gemischte Blühten, weiß mit
pink oder Rosen mit Fresien. Wir kaufen Gewürze und
Cashewkerne. Wir sehen Zucker, gekochte und getrocknete Melasse in Vierecke
geformt und in verschiedenen Farben. Und natürlich machen wir jede Menge
Fotos. Bis jetzt habe ich schon über 300 Bilder gemacht. Nach einem Chai gehen wir
gegen 17.00 Uhr todmüde ins Hotel zurück. Abends um 19.00 Uhr treffen
wir uns mit Raju und Driver zum Essen auf der Dachterrasse des Shilpashri
Restaurants.
Nach dem Essen machen wir noch einen Bummel durch quirlige Gassen in Richtung Hotel, vorbei an Garküchen und geschlossenen Geschäften. Gegen 22.00 Uhr schließt der „große Basar“ seine Pforten. Wir genehmigen uns noch ein Abschlussbier (Kingfisher strong, 6,5 %) im Hotel. Ein toller Tag geht zu Ende. Ausflug
Sravana Belagola & Ranganathittu
Sonntag, 29.11.09
- 7.00 Uhr Frühstück, 7.30 Uhr Abfahrt nach Sravana Belagola. Hier ist der wichtigste
Pilgerort der Jain in Südindien. Wir besichtigen den Vindyagiri Tempel der
auf einem kahlen Felsen nach 614 Stufen erreicht wird. Hier steht die größte
aus einem Stück gemeißelte Statue eines Menschen, Bahubali oder Gomatta
genannt. Es strömen hier viele Schulklassen hinauf. Man kann sich auch tragen
lassen. Wieder unten angekommen führt
uns Raju in eine kleine Bude, in der wir, auf dem Boden sitzend, den besten Masala
Chai der ganzen Reise zu uns nehmen. Vorausschauend nehmen wir gleich zwei
Chai. Im Dorf selber ist noch ein
alter Tempel zu besichtigen. Von hier aus nehmen wir
draußen direkt an einem Fluss einen Imbiss ein. Anschließend besichtigen wir
das Ranganathittu Reservat. Wir unternehmen eine Bootstour und sehen Vögel
und einige Krokodile. Es sind noch nicht viele Vögel zum Überwintern hier.
Bevor wir uns im Hotel
ausruhen, fummele ich noch an meiner Camera herum. Und irgendwie schaffe ich
es, den Knopf von „konfigurieren“ zu drücken. – Über 300 Schnappschüsse, vor
allem die in Dubai gemachten, sind futsch. Na prima! Zurück in Mysore werden wir am
Abend Zeuge der Palastbeleuchtung. Jeden Sonntag von 19.00 Uhr bis 20.00 Uhr
lassen 940.000 Lichter den Palast erstrahlen. Wie ein Märchen aus „Tausend
und einer Nacht“!!! Das Abendessen nehmen wir auf der Dachterrasse eines benachbarten Hotels ein. In & um Mysore
Montag, 30.11.09
- Heute starten wir schon früh um 8.00 Uhr. Es ist eine Tempel-Tour rund um
Mysore angesagt. Wir besichtigen als erstes auf dem Chamundi-Hill den
prächtigen Chamundeswara-Tempel und danach den schwarzen Nandi
Bull-Hindu-Tempel. Anschließend geht’s nach
Somnathpur. Ein alter Hindu-Tempel (1246-1542) zeigt uns in Speckstein
gemeißelte tolle Figuren und Elemente von außen und innen in den Kuppeln,
alles Hoysala Architektur. Raju zeigt uns die Kamasutra Szenen. Zuletzt sehen wir uns noch den
Moslem-Tempel Sridahan Gabatna an. Als nächstes fahren wir zum
weißen Palast der Prinzessin Lalitha. Das Lalitha Mahal Hotel liegt auf einem
Hügel über der Stadt. Es ist das teuerste Luxushotel Südindiens. Wir gönnen
uns Eis und Chai (für uns durchaus bezahlbar) und bekommen auch einen kleinen
Einblick vom Hotel. Man zeigte uns gerne die Suite, in der Altkanzler Helmut
Kohl übernachtete. Anschließend treffen wir den
Zauberer Babu (ein Freund von Bernd) und lassen uns von seinen Zauberkünsten
verführen, toll. Sigret ersteht von ihm eine selbstgebastelte Zimbel, aus
einer halben Kokosnuss gemacht, als Andenken. Zurück in der Stadt machen wir
Halt in einem Art- und Seidenshop. Am Abend erkunden wir alle die
Stadt und finden, nach Silkes Reiseführer, ein tolles Lokal für Einheimische.
Wir essen, auf Bambusblätter mit den Fingern, das beste Biriyani bisher.
Anschließend suchen und finden
wir eine RR-Bar (auch in Silkes Reiseführer empfohlen). Hier gibt es
Kingfisher aus dem Hahn. Wir halten es aber nur für 2 Pitchers aus. Die Musik
ist laut und es verkehren und tanzen Schwule und Transvestiten. Dem Besitzer
scheint es zu gefallen. Dienstag, 1.12.09
- Tag zur freien Verfügung in Mysore. Mit Gerry und Heide erkunden wir die
Stadt. Abmarsch um 10.00 Uhr. Herbert findet an einer Straßenecke einen Uhrmacher, der ihm für 10 Rs sein
Uhrarmband wieder in Ordnung bringt. Heide will Steine kaufen, Sigret bekommt
eine Peridott-Kette. Sie soll laut Heide ihre Warzen entfernen. Wir finden
aber auch sonst noch einige Mitbringsel, so auch schöne Oberhemden für Gerry
und Herbert. Den Obst- und Gemüsemarkt
müssen wir noch mal aufsuchen um Bilder zu machen. Die ersten sind ja
„konfiguriert“. Beim Gewürzeinkauf bekommen wir gleich einen Chai serviert,
um das Masala gleich auszuprobieren. Den findigen, lustigen, kleinen
Verkäufer finden wir besonders nett. Weil er in der Schule keine Lust hatte,
schickte ihn seine Mutter hierher, damit er nicht auf der Straße landete. Uns kommt vor, die ganze Stadt
ist ein Basar. Um 17.00 Uhr sind wir
müde wieder im Hotel zurück. Um 19.00 Uhr treffen wir uns
zum Abendessen im Rolf Garden Hotel gleich neben unserem Hotel auf der
Dachterrasse. Mittwoch, 2.12.09 - Silke,
Harald, Sigret und Herbert gönnen sich zum Abschluss ein besonderes
Frühstück. In Silkes Reiseführer war das
Tiger Trail Restaurant im Hotel
Metropole als Tipp genannt. Wir brauchen 20 Minuten Fußweg
(warum nehmen wir kein Tuk Tuk?).
Im imposanten Innenhof des
Hotels genießen wir gemütlich ein tolles Frühstücksbuffet. Die Abfahrt aus Mysore ist um 11.00 Uhr. Rückfahrt zur Farm
Erster Stopp ist Hunsur, wo
wir ein Kloster des Daila Lama Buddhismus besichtigen. Es liegt im Rajiv
Gandhi Nationalpark. Die Dörfer ringsherum bewohnen Menschen, die aus Tibet
eingewandert sind. Die Häuser hier sind typisch für Tibet. Im Kloster sehen
wir Mönche bei der Gestaltung von Mandala-Gemälden zu (pusten durch ein
feines Rohr auf Holzuntergrund). Jetzt erreichen wir den Nagarhole Nationalpark. Hier leben
noch Ureinwohner, sehr schwarz und arm, in bereitgestellten Häusern, auch in
großen Zelten. Den zweiten Stopp machen wir
in einem kleinen Elefantencamp, geleitet von den Ureinwohnern dieses
Nationalparks. Es sind sehr freundliche Leute, die uns jede Frage beantworten.
Der dritte Stopp ist eine
einstündige Busfahrt durch das Gelände. Wir sehen Axishirsche, chopped deer
(weiß gefleckte Rehe) in Mengen. Eine Elefantenfamilie stolziert an einem
Wasserloch vorbei. Auch 2 schwarze Wasserbüffel, Wasserschildkröten und
Eichhörnchen sehen wir. Später zieht ein weiterer, wilder Elefant vorbei.
Auf sehr schlechten Straßen geht es in Richtung Kerala. Auf der Str. Nr. 212 wird der Belag endlich besser. Über die Nilgiri-Passstraße erreichen wir gegen 20.30 Uhr wieder die Farm. Nach tollem Essen von Lovely fallen wir todmüde ins Bett.
Donnerstag, 3.12.09
- Zeit zum Entspannen auf der Farm. Nach dem Frühstück laufen wir durch den
Wald nach Kodancherry. Herbert kauft sich ein Hemd und Stoff für seinen
Schlafanzug. Den geben wir gegenüber beim Schneider in Auftrag. Zurück mit dem Tuk-Tuk auf der
Farm, gibt es am Nachmittag ein schweres Gewitter. Abends bleiben wir auf der
Farm. Silke und Sigret haben sich etwas erkältet und bekommen von Lovely
einen super Trunk dagegen. Am nächsten Morgen geht es beiden schon wieder
viel besser. Freitag, 4.12.09
- Abfahrt 10.30 Uhr zur kleinen Trekking-Tour zu den Tusharagiri Fällen. Es
ist eine tolle Tour bergauf über 3 Wasserfälle. Ein Guide und Raju laufen mit
Badelatschen. Wir anderen mit festem Schuhwerk. Es gibt viele Blutegel.
Herbert wird am meisten befallen. Sobald wir stehen bleiben, kommen die
Blutegel. Raju hat gegen sie eine Mixtur (Petroleum mit Kaktussaft) in einer
Flasche mitgenommen. Damit werden die Füße eingerieben, damit sie wegbleiben.
Sie kommen trotzdem. Die Fälle über die Felsen sind
gigantisch und die Aussicht über Urwald und Gebirge ist toll. Bis zum
mittleren Wasserfall sind es 200 Höhenmeter. Der höchste Gipfel den wir
sehen, liegt bei 1800 Meter. Leider erwischt uns beim
Rückweg ein Gewitterregen. Wir sind alle pitschnass. Unser Hunger wird gegen 15.00
Uhr in einem Urwaldrestaurant mit einem Imbiss gestillt. Den Abend verbringen wir auf
der Farm. Samstag, 5.12.09
und Sonntag, 6.12.09 - Wir fahren ca. 1 Stunde nordwärts zur
Küste, um auf unser Boot für die Backwater Tour zu kommen. Dort angekommen,
gehen wir an Bord und fahren sogleich los.
Die Landschaft ist herrlich,
palmenumsäumte Seen. Die Fische springen in kleinen Schwärmen neben uns her.
Skipper, Serviceman (Manni) und Koch versorgen uns mit Essen und Trinken.
Außer einigen Fischern in ihren kleinen Einbaumbooten sind wir das einzige
Schiff. Wir schippern bis in die Nähe
des Arabischen Meeres, denn die Backwaters liegen ca. 1 km entfernt vom Meer.
Wir legen an und steigen in einen Einbaum, denn unser Schiff kann die Brücke
nicht unterqueren, und so erreichen wir das Meer. Wir sehen einen
kilometerlangen, menschenleeren
Strand, nur eine Gruppe Jungen spielt Ball. In der Ferne sieht man einige
Fischerboote. Das Wasser ist badewannenwarm,
herrlich. Fast schon zu warm. Wir wandern am Wasser entlang und treffen auf
Fischer die ein paar Fische in ihrem Netz haben und diese mühevoll sichern.
Es sind gelb umsäumte Plattfische.
Manni, unser Serviceman, wohnt
hier und führt uns voll Stolz in sein Dorf und zeigt uns sein Haus. Es sind
kleine Steinhäuser unter Palmen direkt hinter dem Sandstrand. Seine 9 Monate
alte Tochter hat Fieber und Sigret soll sagen was sie hat. Er hält Sigret
wahrscheinlich für eine Ärztin.
Zurück an Bord, müssen wir uns
für die Nacht einrichten, denn es wird schnell dunkel. Leider ist unser Boot etwas
heruntergekommen und es entspricht nicht ganz dem Traum von einer
romantischen Bootsfahrt. Das Boot an sich hat zwei geräumige Zimmer mit Bad
und Toilette. Eine 3. Übernachtungsmöglichkeit, über eine Leiter zu
erreichen, Matratze auf dem Boden und nur Kniehöhe, ist aber unzumutbar. Das
Boot ist u.E. nur für 4 Gäste geeignet, sollte aber dringend überholt werden.
Die Akkus könnten auch vorher aufgeladen werden. Das muss nicht mit einem
lauten Generator nachts passieren. Der Bitte um Abstellen des Generators nach
1 Stunde wurde aber von Manni sofort entsprochen!
Wir überstehen die Nacht, sind
uns aber alle einig, dass wir hier keine 2. Nacht mehr bleiben wollen. Silke
ruft Raju an, dass wir am Abend abgeholt werden wollen. Leider ein
Wehrmutstropfen unserer Reise. Manni, unser Service-Man, der
Koch und der Skipper waren freundlich und haben sich um uns bemüht. Das Essen
war ausgezeichnet.
Am nächsten Morgen bringt uns
der Skipper an eine Stelle, bis zu der das Salzwasser nicht mehr vordringt
und hier baden wir nach dem Frühstück im warmen Süßwasser. Hier gibt es
einige bewohnte Inseln. Die Menschen am Ufer winken uns überall freundlich
zu. Nachmittags machen wir noch einen kurzen Spaziergang in der Umgebung.
Durch hohe Wälle sind die Häuser vor den Sturzbächen in der Regenzeit
geschützt, jetzt sind es Wege. Hier an der Küste werden die Tigerprawns und
auch andere Fische gezüchtet in natürlichen riesigen Teichen durch Wälle
getrennt vom Backwatersystem.
Am Abend holt uns der Fahrer
ab und wir kehren zur Farm zurück. Wir freuen uns auf unsere Betten, denn in
der vorigen Nacht war kaum Schlaf möglich. Montag, 7.12.09 Wir fahren gut 1 ½
Stunden nach Calicut. Die Stadt kommt uns vor, wie eine hektische Küstenstadt
ohne besondere Sehenswürdigkeiten. Wir nehmen uns aber auch wenig Zeit dafür. Wir kaufen für Herbert
Brillengläser. Sie sind mit 240,00 € um die Hälfte günstiger als bei uns.
Gerry leistet sich eine schöne Uhr, auch die ist hier sehr günstig. Ein
Versuch, einen goldenen Anhänger für Sigret’s Kette zu bekommen schlägt fehl.
Ihr gefallen die aufwendig geschmiedeten Goldsachen nicht. Raju erledigt in
der Zwischenzeit die Rückbestätigung des Rückfluges. Am Nachmittag fahren wir
weiter zum Fischerdorf Beypore. Hier beeindruckt gerade der Bau der langen
neuen Seebrücke. Sie wird mit Granitplatten gefliest. Wir wandern bis zum
Ende und beobachten Delfine zwischen einfahrenden Fischerbooten. Sie zu fotografieren
fällt uns trotz vieler Versuche schwer.
Wir fahren weiter zum
Fischerhafen. Hier wird gerade entladen. Die größeren Boot-Trawler bringen
Fische, die kleineren bringen Krabben. Die Krabben werden auf dem Boden
sortiert. Der Abfall kommt zurück ins Meer. Alles wird auf dem Kopf in die
Halle gebracht und mit Eis in Kisten verfüllt. Ein herrliches buntes Bild -
aber es stinkt furchtbar. Die Fischer sind trotz der Hektik sehr freundlich.
Sie lassen Harry in den Laderaum klettern. Er sieht dort die Mengen von
Fisch, schön sortiert nach Sorten.
Nun besuchen wir noch Teile
der alten Bootswerft. Zurzeit werden hier einige alte Schiffe restauriert. Zurück durch die hektische
Stadt kaufen die Ladies für Diana, die am 9.12.09 10 Jahre alt wird, einen
Rock mit Shirt. Die Herren gehen derweil in eine naheliegende Bar zum Bier
trinken. Spät abends sind wir wieder
zurück auf der Farm. Dienstag, 8.12.09 Geweckt werden wir vom
Toddy-Tapper. Er klopft auf den Stamm, um Saft aus dem männlichen Teil der
Palmblüte zu entlocken. Die Palmblüte ist dafür mit einem Topf umgeben, in
dem der Saft aufgefangen wird. Er gärt und wird gebraucht für Wein oder
Schnaps brennen.
Anschließend fahren wir zum
Picknick an den Vattashira-Wasserfall. Er ist der schönste bisher. Im
Hintergrund ist die Bergkette der Nilgiris bis zu 1800 Meter hoch. Wir sitzen
auf großen Steinen unter Bäumen auf den mit Palmen umsäumten Wasserfall.
Natürlich baden wir ausgiebig und bauen aus lauter Übermut Dämme mit Raju. Auf der Rückfahrt steigen Geri
und Herbert in Kodancherry aus und gehen zum Barbier. Für 1,50 € werden sie rasiert
und erhalten noch eine hervorragende Kopfmassage. Nachdem Herbert seinen
neuen Schlafanzug abgeholt hat (ca. 3,00 €) leisten sie sich
selbstverständlich noch einen Chai (4 Rupien pro Chai). Mittwoch, 9.12.09 Nachmittags letzte Fahrt nach
Kodancherry. Wir erledigen einige Sachen und haben wieder ein nettes
Chai-Erlebnis.
Diana hat heute Geburtstag und
wir beschenken sie mit dem in Calicut gekauften Kleid und singen ihr ein
Geburtstagslied. Sie zieht das Kleid sofort an und sieht aus wie eine kleine
Prinzessin. Heute Abend gibt es
Tandoori-Essen auf der Dachterrasse der Farm. Raju hat den Tandoori-Ofen
angefeuert und grillt die Spieße darin. Er sieht verwegen aus, hat sich ein
Kopftuch umgebunden und seinen Lunghi hochgebunden. Lustig!
Tische und Stühle werden auf
die Dachterrasse geschleppt. Wir sitzen am Tisch und die Familie und die
Bekannten (Schüler die bei Raju wohnen) nehmen auf dem Teppich Platz. Es ist
ein tolles Essen. Unser Geburtstagskind Diana tanzt für uns und die Schüler
singen Lieder.
Ein schöner Abschiedsabend für uns. Morgen müssen wir leider die Farm mit den uns liebevoll umsorgenden Familienmitgliedern verlassen. Wir werden noch lange an die super von Lovely gekochten Mahlzeiten zurück denken. Südwärts an der Küste entlang: Kochi
Donnerstag, 10.12.09
- Heute starten wir um 10.00 Uhr nach Kochi. Die 8-stündige Fahrt ist für uns
Sechs im zu engen Van sehr anstrengend. Keine Klimaanlage, deshalb Fenster
auf und zügig über holprige Straßen. Die Fenster müssen aber geöffnet
bleiben, da es sonst zu heiß ist. Unterwegs machen wir Stopp an
einem Elefantencamp in Guruvayur bei Thrissur. Hier leben ca. 55
Tempelelefanten angekettet. Sie werden jeweils von 2 Mahouts gepflegt,
versorgt und trainiert, um einmal im Jahr beim Tempelfest geschmückt zu
paradieren. Einige Tiere sind gerade brünftig und deshalb aggressiv. 1 Stunde
laufen wir durch das Camp. Sigret gefällt es hier gar nicht.
Erschöpft kommen wir in Kochi
im Dunkeln an und können nur noch duschen und im Nebenhotel (Southern Star)
essen gehen. Vor unserem Hotel
Sealord (in Ernakulam) sind viele
fahrbare Verkaufsstände und es ist ein hektisches Gewusel. Gegen 22.00 Uhr
ist alles ruhig und es fahren kaum noch Autos. Auch die Strandpromenade ist
menschenleer und die Geschäfte sind geschlossen. Freitag, 11.12.09
- Heute besichtigen wir die alte Stadt Kochi auf der Insel. Mit der Fähre
geht es hinüber. Auf dem Oberdeck müssen alle Fahrgäste eine Schwimmweste
tragen. Das ist Pflicht, denn vor 3 Jahren sei ein Schiff gesunken mit vielen
Toten, erklärt man uns. Im Stadtteil Mattancherry angekommen, laufen wir an
Häuser aus dem 15. Jahrhundert vorbei, die die Hauptstrasse säumen. Eines der
Häuser hat Vasco da Gama gebaut und darin gelebt. Heute sind fast alle
Geschäfte und Läden. Am Dutch Palace, früher Rathaus, heute Museum (leider
geschlossen), vorbei gehen wir zum jüdischen Viertel. Auch die Synagoge ist
heute am Freitag geschlossen und so können wir leider nicht die schönen Wand-
und Deckengemälde anschauen. In einem Riesenladen gibt es viele schöne
Antiquitäten aus Holz. Geht man durch den Laden, kommt man zu einem
Luxusrestaurant am Wasser gelegen mit Aussicht auf das moderne Stadtviertel
von Kochi, dazwischen liegt der Hafen. Die offene St. Francis-Church lassen
wir uns nicht entgehen. Sie ist die erste von Europäern erbaute Kirche in
Indien (Anfang 16. Jahrhundert).
Mit dem Tuk Tuk fahren wir zum
anderen Ende der Insel, wo die chinesischen Fischer ihre Netze haben. Wir
kaufen uns Fische, die in einem Lokal in der Nähe für uns gegrillt werden. Wieder auf dem Festland, bringt uns unser Auto nach 2 Stunden zum Hotel in Allapuzha. Hier ist die nächste Übernachtung, um am nächsten Tag schon ein Stück auf der Strecke nach Kovalam zu sein. Wir nehmen noch einen kleinen Abendsnack am Pool zu uns und nach einem Absacker an der Hotelbar fallen wir müde ins Bett. Nach Kovalam
Samstag, 12.12.09
- Wir starten um 8.15 Uhr nach Kovalam. Nach 4 ½ Stunden kommen wir geschafft bei Lalitha
an. Bei einem Chaia-Stopp kaufen wir auf Raju’s Rat günstig 2 Karton
Kingfisher, denn bei Lalitha gibt es kein Bier. Lalitha’s Beach- and
Ayurveda-Farm ist ein kleines Hotel unter Palmen, direkt am Meer in einer
kleinen Bucht, abseits der Stadt Kovalam gelegen. Heute ist eine tolle Brandung.
Der Sand ist gelb, rot, schwarz gemustert. Das Schwimmen macht Spaß im 28°
Grad warmen Wasser. Dann schlafen wir auf der Terrasse oberhalb im Sand unter
Palmen ein. Im Ohr das Geräusch der tosenden Brandung. Himmlisch!
Das Abendessen nehmen wir auf
der Terrasse des Hotels ein. Die ganze Nacht hören wir das Tosen der
Brandung, hier im Nellikunnu Beach. Sonntag, 13.12.09
- Wir werden vom Tosen des Meeres und dem Stimmengewirr der Fischer geweckt.
Draußen auf dem Meer gibt es etliche Einbaum-Fischerboote und viele Fischer
die nach Muscheln tauchen. Ein tolles Bild, aber weniger Brandung als
gestern. Sigret sitzt auf der Terrasse und schaut in die Palmen. Sie fühlt
sich wie im Film „Klinik unter Palmen“ Während unseres Frühstücks
plötzlich Aufregung im Ressort. Lalitha und die Angestellten laufen zusammen.
Waltraud, unsere Nachbarin hat sich noch nicht gemeldet. Ihre Türe wird
gewaltsam geöffnet und man findet sie tot in ihrem Bett. Am Samstag haben wir
sie zum ersten Mal gesehen. Sie verbrachte die letzten Tage nach ihrer
Nordindienreise im Ressort. Sie bekam am Samstag ihre Massage und ruhte sich
auf der Terrasse aus. Beim Gang in ihr Zimmer ist sie auf den Kopf gefallen.
Das war wohl ihre Todesursache. Die nächsten Tage waren öfters mehrere
Polizisten zu Gesprächen bei Lalitha. Das Meer hat sich etwas
beruhigt und wir schwimmen und liegen auf unserer Terrasse direkt am Strand
unter Palmen und lassen heute die Seele baumeln. Nach dem Abendessen Fahrt zum
„Ligthhouse Beach“. Hier am Strand reihen sich Cafes, Restaurants und Läden
aneinander. Jedoch ist es kein Mallorca, obwohl hier fast nur Touristen am
Abend sind.
Zum Abschluss sitzen wir Sechs
noch zusammen auf der vorderen Terrasse, und trinken heimlich vom
mitgebrachten Bier. Montag, 14.12.09
- Schon früh am Morgen wandert Sigret den Strand entlang. Fischerboote liegen
in der Bucht und nur 2-3 Leute sind am Strand. Nach dem Frühstück Gespräch
mit Lalitha und Massagebeginn für Herbert (7x Ganzmassage= 1 Stunde, 2x
Schwitzkasten= ½ Stunde, 5x Stirnguss). Wir verbringen den Tag mit
Lesen, Schwimmen und Sonnen am Strand. Gegen Abend erkunden wir die
Umgebung. Wir schauen uns an, wie aus grünen Kokosnüssen Öl gemacht wird. Die
Arbeiter sind sehr freundlich zu uns, trotz Schwierigkeiten mit der
Verständigung. Natürlich nehmen wir uns auch einen Chaia an der Straße. Die
Bude und der Mann sind sehr urig. Dafür kostet der Chaia 16 Rupien, 4x teurer
als in Kondancherry. Zum Abendessen sind wir auf der Terrasse vom Ressort Thapovan. Eine sehr schöne Anlage
mit herrlichem Blick über Palmen und unsere Bucht. Das Ambiente ist toll und
das Essen ist gut, allerdings 1/3 teurer als in Mysore, aber immer noch
günstig für uns. Der Inhaber kommt aus Kiel und
ist seit Jahren hier. Dienstag, 15.12.09
- Am frühen Morgen ist das Schwimmen am Schönsten, denn dann ist das Meer
noch ruhig.
Nach dem Frühstück wandern wir mit Gerry und Heide durch die Anlage des Resorts Thapovan zum Kokonut-Beach. Eine kleinere Bucht als unsere mit vielen Einheimischen die nach Muscheln tauchen. Eine Frau wäscht mit jeder Welle Muscheln aus dem Meer. Wir sehen Berge von Muschelschalen. Wir erfahren, dass sie verbrannt werden und dabei ein weißes Pulver zurückbleibt, das zum Malern gebraucht wird. Oberhalb der Bucht grünt und blüht es unter den Palmen. Überall sind kleine Häuser verteilt. Wir laufen, bis wir an einen kleinen Hindu-Tempel kommen. Auf dem Rückweg gönnen wir uns noch einen Chaia in der Hotelanlage Coconut-Bay, sehr gut! Es ist auch ein schönes Ressort mit kleinen Bungalows im Palmenhain für Gäste. 4 müssen heim
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Mittwoch, 16.12.09
- Alleingelassen nehmen wir nach dem Frühstück um 10.00 Uhr unsere
Anwendungen und lümmeln uns auf der Meerterrasse. Nachmittags machen wir uns
auf den Weg zum Hafen von Kovalam. Wir kommen an der schönen katholischen
Kirche vorbei, in der gerade ein
Gottesdienst stattfindet. Durch enge Dorfstraßen erreichen wir den Hafen.
Marktfrauen verkaufen Fisch, Fischer spielen Karten oder ruhen sich aus. An
den beiden Moscheen vorbei erreichen wir den Lighthouse Beach. Hier treffen
wir Günter und Evi.
Donnerstag, 17.12.09
- Heute ist pure Erholung mit Lesen, Schwimmen usw. angesagt. Herbert verschlingt
das Buch „Der Swani“.
Am Abend nach dem Essen gehen
wir noch auf ein Bier zu Thapovan. Ein seriöser, älterer Gast aus Zürich
fliegt morgen nach Hause. Er genießt mit uns seine letzten Stunden in Kerala.
Günter, Evi und Maurice, ein netter, junger Schweiz-Italiener, sind auch
dabei.
Freitag, 18.12.09
- Nach dem Frühstück um 8.00 Uhr fahren wir nach Kanniyakumari an die
Südspitze. In einem bequemen, alten Ambassador von Lalitha werden wir
gefahren (30,00 €).
Unser 1. Stopp war am alten
Palast des Königs von Kerala, gebaut 1746. Es ist alles aus Holz gebaut, nur
der Tempel und der Saal für Veranstaltungen sind aus Stein gebaut, jedoch mit
Holzdecken ausgestattet.
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Wieder mussten wir einen
Eintrittspreis für Touristen zahlen (200 Rs, Inder 25 Rs).
Dann geht es weiter zum
Suchindram-Temple, der letzte wichtigste Tempel für Pilger aus Nordindien vor
der Südspitze, ein Hindu-Tempel. Der Eintritt für Männer ist hier nur mit
freiem Oberkörper gestattet! Herbert nimmt zusätzlich eine Opfergabe: Ein
Teller mit 5 brennenden Schalen, mit dem er die liegende Statue mindestens 3x
umschreiten muss.
Die INN-Links:
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Die Tempelanlage hat einen
schönen großen Haupttempel in Vishnu-Architektur. Hier verehrt man u.a. den
Gott Balsnan.
Nun geht es weiter nach
Kanniyakumari. Dort haben wir zunächst einen Mittagssnack mit unserem Fahrer.
Vom Parkplatz aus marschieren wir an endlosen Verkaufsständen, ohne
angesprochen zu werden, vorbei zur Schiffsanlegestelle. Vorher sehen wir noch
das Gandhi Mandapan-Memorial. Es ist ein gelb-roter Bau und soll die
Nachbildung eines Orissa-Tempels sein. Er ist so konstruiert, dass am
Geburtstag Gandhis, 2.Oktober, die Sonnenstrahlen kurz vor Sonnenuntergang
jene Stelle berühren, an der seine Asche bestattet wurde.
Die Fähre bringt uns zu zwei
Felsen, dem südlichten Punkt in Indien, wo Arabisches Meer, Indischer Ozean
und Golf von Bengalen zusammen kommen. Auf dem linken Felsen ist 1970 das
Vivekananda Memorial erbaut worden. Hier sind die Fußabdrücke von Kania Devi
zu sehen. Pitra und Matrutirthas sind 1892 zum hinduistischen Reformer
Vivekanande herausgeschwommen um dort zu meditieren.
Der rechte Felsen ist ca. 500
Meter entfernt. Hier steht eine 40 Meter hohe schwarze Statue des alten
tamilischen Heiligen Thiruvallnar.
Gegen 16.00 Uhr treten wir die
Rückfahrt an und treffen gegen 18.45 Uhr wieder in Ayur Bay ein. Es war
wieder eine lange Fahrt, doch bequemer für uns als bisher die Fahrten.
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Nach dem Abendessen leisure
auf der Terrasse.
Samstag, 19.12.09
- Nach unserem morgendlichen Schwimmen ist Ausruhen angesagt.
Gegen Mittag werden wir von
Lalitha gefragt, ob wir zur Einäscherung von Waltraud mitfahren wollen.
Sigret, Günter und Daniel (Masseur aus Hannover) fahren mit nach Trivandrum,
um an der Einäscherung teilzunehmen. Wir wollen den aus Deutschland
angereisten Sohn nicht alleine lassen bei dieser Zeremonie. Sie sind dabei,
als Waltraud in den automatischen Brennofen geschoben wird.
Am Abend sehen wir endlich den
ersten wunderschönen Sonnenuntergang am Meer.
Sonntag, 20.12.09
- Heute nach dem morgendlichen Schwimmen und Frühstück ist Massage und
leisure angesagt.
Am Nachmittag wandern wir noch
über die Coconut Bay hinaus in die nächste kleine Bucht. Hier ist der Sand
ganz fein und es sind kaum Leute hier. Zu einer privaten Hotelanlage führt
eine lange Treppe den Felsen hinauf. Zurück am Coconut Bay verfolgen wir bei
einem leckeren Chaia wieder einen wunderschönen Sonnenuntergang vom
Liegestuhl aus.
Heute Essen in unserer AyurBay
mit Weihnachtsbeleuchtung.
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Montag, 21.12.09
- Direkt nach unserem morgendlichen Schwimmen hat Sigret ihre Anwendung.
Herbert ist nach dem Frühstück um 11.00 Uhr dran. Über Mittag will Sigret
schon mal anfangen mit packen, denn morgen wollen wir nach Trivandrum und
letzte Einkäufe tätigen. Heute ist Taxi-Streik und so müssen wir umplanen.
Um 18.00 Uhr besuchen wir mit
Günter und Evi einen Ayurveda Vortrag im Thapovan Ressort. Wir essen auch
dort in schöner Atmosphäre und genießen ein letztes Mal den schönen Ausblick
über die Palmen unserer Bucht.
Dienstag, 22.12.09
und Mittwoch, 23.12.09 - Übliches Ritual am Morgen.
Dann werden wir mit Lalitha’s
Auto nach Trivandrum gefahren um letzte Einkäufe zu tätigen. Am Nachmittag
verabschieden wir Evi und Günter, die nach Bangalore auf eine Hochzeit
fliegen. Jetzt sind wir in der Anlage noch mit Maurice alleine. Nachmittags
kommen indische Gäste an.
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Wir gehen jetzt noch ein letztes Mal bei starker Brandung
schwimmen und genießen den Blick am Beach.
Die Krippe ist jetzt aufgebaut
und die Bäume sind mit bunten Lichterketten geschmückt.
Nach dem Abendessen legen wir
uns schlafen. Um 1.00 Uhr werden wir geweckt und zum Flughafen gebracht. Um
4.30 Uhr hebt der Flieger ab, wieder mit einer Zwischenlandung in Dubai,
diesmal aber nur 1 ½ Stunden, ins kalte Europa.
Es waren erlebnisreiche,
herrliche fünf Wochen in Kerala.
Sigret und Herbert
Hausboot-Impressionen
von KD-Gast Tanja aus Dietenheim - ein Bericht von einer Kreuzfahrt durch eine
archaische, vortechnologische Welt. Die Fotos dazu habe ich passend zur
Reportage aus Tanjas üppig bestückter Foto-DVD ausgesucht und mit meinen
Texten versehen.
Ich hatte während meiner
KD-Reise das Glück 2mal mit dem Hausboot zu cruisen, sowohl in lebhafter
& lustiger Begleitung von 3 Sebastian-Familien, als auch ruhig &
besinnlich zu zweit mit meinem Reisebegleiter.
Vor unserem Ausflug auf das
Kettuvallam musste ich mich erst
einmal mit der Geschichte des Reisboots beschäftigen. Und kaum zu
glauben, es waren ursprünglich Arbeitsboote,
sie befördern die Ernte und andere Erzeugnisse auf den Wasserstraßen,
die k e i n e Schlaglöcher haben!. Die Entstehung der
Touristenversion von Kettuvallams ist angeblich einem älteren Bootsbesitzer zuzuschreiben. Mit drei
heiratsfähigen Töchtern geriet er in Geldnot. Da kam ihm die Idee, dass
Passagiere zu befördern profitabler sein könnte als Warentransporte.
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3. Januar 2010 Sonn(en)tags-Familien-Ausflug: Nach meinem
Lieblings-Frühstück (Milktea & Pfannkuchen gefüllt mit Kokos, Zucker,
Kardamom & Kreuzkümmel, mmmh!!!) herrscht rege Aufbruchstimmung im
Vettikavumgal-Haus, der Kleinbus und das Taxi für die Fahrt in Richtung
Norden warten schon.
Die drei Sebastian-Brüder Gilson, Johnson &
Raju haben
mit ihren Familien einen Sonntagsausflug mit dem Hausboot ausgemacht und ich
darf mich anschließen.
Also nun fangen wir mal mit
dem Einsteigen in den Kleinbus an…….es passen alle rein.
Erst noch mal durchzählen, sind auch alle da? …wir kommen auf 17 Personen!
Dafür bräuchten wir in Deutschland fast einen halben Linienbus, aber in
Indien….?!? Als wir alle sitzen und das Fahrzeug die holperige Abfahrt zur
öffentlichen Straße hinunterfährt werden wir erst noch mal wach gerüttelt.
Ich genieße die Fahrt durch
die vielen Palmen- und Bananenhaine und wir erzählen Witze und lachen &
die kleine Kitty, mit ihren dunklen Knopfaugen, weicht nicht von meiner
Seite.
In Quilandi angekommen warten
wir auf das Hausboot, dort tankt die Besatzung noch Frischwasser.
Unter der Brücke suchen wir Schatten und nutzen die Gelegenheit für ein
Groß-Familien-Foto.
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Endlich ist „Bo(o)arding“! Der
Koch hat zum Empfang leckeren Ananassaft zubereitet. Ich staune darüber, dass
es trotz der 22 Personen auf dem Boot nicht zu eng ist.
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Der Kapitän Manou hat mächtig Unterstützung. Ich setze mich zusammen mit Diana, Jaimon & Kitty auf die Rattanbank und George & Martin vorn am Bug, um ihm über die Schulter zu schauen und das ausgeklügelte Kommunikationssystem zum Maschinenführer zu bestaunen ;-) Staunen muss ich auch über das ausgedehnte Kanal- und Flusssystem, in dem sich Salz- und Süßwasser vereinigen. Die vorbeiziehende Landschaft wechselt dabei von unberührten Wäldern zu Reisfeldern und Bananenplantagen, von Kokoshainen zu kleinen Dörfern. Wie im Garten Eden – denke ich!
Oft befinden sich die Häuser
auf nur sehr schmalen Landstrichen, lediglich ein paar Meter breit.
Der Koch verwöhnt uns mit
Papaya- & Wassermelonen-Häppchen und es wird heftig „gezockt“. Ich kann
nicht sagen, wie viele indische Kartenspiele ich inzwischen gelernt habe:
Kitsche, Donkey, Mangus, Keys, Rummy…..
In der winzigen Küche zaubert
der Koch, zusammen mit dem netten „Jung-Chef des Motors“, während dessen für
alle ein ganzes Büffet mit Hähnchen-Curry, Bohnengemüse, Parota, gebackenem
Kingfisch, scharfen Garnelen, Papadams, Gurken-Raita, Reis…….(da läuft mir
beim Schreiben immer noch das Wasser im Mund zusammen – Schluck!)
Nach dem Essen werden von
einigen die Betten für ein Nickerchen beansprucht und ich hole Luftballons
heraus. Eine pfiffige Idee hatten Jasmin & Rico, die einen Ballon mit
Wasser gefüllt haben. So entstand ein neues Spiel mit der Wasserbombe, die
hin & hergeworfen wurde………..bei wem platzt sie?? …………………….Onkel Raju
hatte den nassen Spaß auf der Hose!
Er hat mitgelacht und einfach
seinen Doti angezogen & die Hose zum Trocknen in die Sonne gelegt.
Die Zeit vergeht wie im Flug.
Plötzlich kommt eine brenzlige Situation auf dem Wasser, wir müssen einem Fischernetz ausweichen und Manou manövriert das Boot immer näher ans Ufer, der Motor muss ausgemacht werden – aber wo ist die Bremse!?! Wir schrammen an Ästen und kommen doch noch zum Stehen!
Es ist kein Schaden entstanden & die Aufregung verfliegt dann auch schon wieder.
Kurz bevor wir wieder im Heimathafen anlegen hat der Koch noch für alle was „Süsses“. Wir lassen uns zum Abschied mit Kaffee, Milktea, Ananas und gebackenen Bananen verwöhnen.
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Wir üben wieder das
Durchzählen im Kleinbus vor der Rückfahrt und ernten gemeinsam nach der
Rückkehr auf der Farm eine Tapioka, die es dann auch später zum Abendessen
gibt.
Eine der angenehmsten
Reiseerfahrungen der Welt!
13. Januar 2010: Nach unserer gestrigen späten Rückkehr von dem Ausflug nach Karnartaka/Mysore ist für heute und morgen die Hausboot-Tour geplant.
Lovely macht Putte mit gewürzter Sauce, Banane & Milktea zum Frühstück, da leuchten Johnsons Augen, der mitfrühstückt und für heute auch mit aufs Hausboot geht.
Raju fährt uns mit seinem grünen Bus zur Quilandi Lagoon. Johnson scherzte, das ist wie ein Pferderitt.
Das Hausboot & die freundliche Crew warten schon und wir werden mit einem Welcome-Drink begrüßt.
Ausgestattet mit WC &
Dusche (oder die indische Variante mit Eimer & Krug), 2
Doppel-Schlafzimmer (einfach & sauber) und gemütlichen Rattan-Möbeln ist
es ein Erlebnis, idyllisch auf dem Wasser dahinzutreiben — vom Standpunkt des
Passagiers aus betrachtet — ist eine der angenehmsten Reiseerfahrungen der
Welt. In der beschaulichen Ruhe der Wasserläufe fahren wir diesmal in
Richtung Meer, vorbei an einer Garnelenfarm, kleinen Hütten vor denen
Kokosnuss getrocknet wird, einer Dorfkirche, Fischern auf Booten und
Muschelsuchern.
Diesmal haben wir einen
anderen Koch, der es jedoch genau so gut versteht uns zu verwöhnen!
für unseren Badeausflug an den
Strand müssen wir auf ein kleines Boot umsteigen und für ca. 20 Minuten
sitzen wir wie 5 Sardinen in einer kleinen Nussschale. Ich teste mit der
Hand, wie warm das Wasser ist – ja, baden wäre möglich.
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Am Strand angekommen treffen
wir auf ein paar Fischer, die sich die Mittagspause mit Kartenspielen
vertreiben. Scherzhaft sage ich zu Johnson: „Die spielen Keys, sollen wir
fragen, ob wir mitmachen dürfen? – Die würden nicht schlecht staunen?!?“ J
Der Strand war menschenleer –
nur für uns! Da stehe ich erst mal da, mache Bilder und bin etwas sprachlos.
Das Meerwasser ist so warm, man kann ohne ein frösteln einfach hineinlaufen
und sich auf den Wellen tragen lassen.
Wieder zurück auf dem Hausboot ist Tea-Time und kurz darauf geht Johnson und wir fahren weiter.
Wenn man durch die seitlichen Fenster dieses Panorama mit Palmen ohne Ende betrachtet kommt man sich wie in einem großen Kino vor.
Während der Himmel seinen in
den Tropen üblichen schnellen Farbwechsel von Blau über Kupfer zu Rot malt,
ist es leicht, die Zeit zu vergessen und zu träumen. Ich fange ein paar tolle
Bilder vom Sonnenuntergang ein und wie wir an unserem Übernachtungsplatz am
Stausee, mitten auf dem Wasser, den Anker werfen.
Ich genieße die besondere
Stimmung. Wenn es Abend wird auf den Backwaters, zünden die Fischer auf ihren
Einbäumen und kleinen Seglern die Öllampen und Räucherwerke an. So gleiten
kleine Lichter langsam übers Wasser und die Luft ist erfüllt von Geräuschen
des Dschungels, die über das Wasser zu uns getragen werden.
In der kleinen Küche wird das Abendessen zubereitet: Fisch-Curry, Muscheln in Tomatensauce, Reis, Chapathi, gebratenes Hühnchen, Salat & zum Nachtisch Sevian Kher – besser kann es einem König nicht gehen.
Man merkt, das bei der Crew das Wohl der Gäste an oberster Stelle steht & sie versuchen, sehr freundlich und unaufdringlich die Wünsche zu erfüllen.
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Zum Dinner habe ich meinen neuen Salwar Kameez angezogen. Da staunte die Crew über den original Indian style.
Ich sitze auf dem vorderen Deck und beobachte das Ufer. Dort sieht man die Lichter der kleinen Häuser und vereinzelt das Flimmern eines Fernsehers. Plötzlich sind alle Lichter weg und es ist dunkel – Stromausfall! Nur der Mond spiegelt sich im Wasser und man kann kleine Neonfische beobachten.
Nach ca. 10 Minuten kam der
Strom wieder und es gingen alle Lichter gleichzeitig wieder an.
Gut, dass das Boot über einen eigenen Generator verfügt, der für den Strom sorgt. Mit den vielen Schaltern muss ich mich allerdings zurecht finden, und die Spannung, ob´s funktioniert oder nicht, ist immer mit dabei ;-) Müde aber hochzufrieden schlüpfe ich nach einer funktionierenden & angenehmen Dusche in mein Über-Wasserbett im 1.000-Sterne-Hotel.
Nur das Geräusch des
Strom-Generators der auch die ganze Nacht leider läuft, lässt mich nicht los.
Noch vor den ersten Sonnenstrahlen werde ich vom Gebetsruf eines Muezzins geweckt. Ich sitze auf meinem Bett & genieße die Morgenstimmung. Die ersten Fischer sind auch schon unterwegs. Die Sonne geht auf und das Wasser beginnt richtig zu Glitzern.
Nun sehe ich sogar einen
Jelly-Fish (eine Qualle) und der Kapitän freut sich, dass wir nun doch noch
eine gesehen haben. Nach einem gemütlichen Frühstück während der Rückfahrt
nimmt uns Raju in Quilandi wieder freundlich in Empfang und wollte wissen:
„How was your house boat stay????“
Unsere Tour für diesen Tag führte uns weiter nach Kappad & Calicut.
(Mehr Fotos von dieser Reise findest Du bei der Erstveröffentlichung das Reports in den INN Nr. 545 vom Freitag, 26.02.2010)
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... lautete bei der Anmeldung die Frage von KD-Gast Tanja aus Dietenheim. Natürlich geht das. Besonders die Gäste, die sich als erste für einen Reisetermin vormerken, können nach Belieben am Reiseplan basteln. Damit es wirklich eine echte "Pauschal-Individualreise" wird. Seit Tanjas erstem Bericht "Majestätisch: Im Kettuvallam durch die romantischen Backwaters" in INN-Ausgabe 545 sind inzwischen 2,5 Monate vergangen. Nun folgt die Fortsetzung, in der Tanja tatsächlich von der bewährten KD-Route abweicht: Die Tempelstadt Madurai wollte sie keinesfalls versäumen.
Über die Madurai-Idee hat sich
auch Gastgeber Raju Vettikavumgal gefreut - die prächtigen bunten Tempel
wollte er selbst gern wiedersehen. Um Tanjas Wunsch zu erfüllen, haben wir
die übliche Fahrt mit dem Auto von der Farm nach Süden gestrichen und sind
mit dem Zug gefahren. Aber lassen wir nun Tanja berichten. Die Fotos dazu
habe ich passend zur Reportage aus Tanjas üppig bestückter Foto-DVD
ausgesucht, verkleinert (leider) und mit meinen Texten versehen.
Das neue Jahr war 16 Tage alt
und jeder Tag bisher spannend. Hinter uns liegt ein erlebnisreicher Tag. Wir
sind früh morgens mit dem Schiff nach Fort Kochi gefahren. Die verschiedenen
Architekturstiele des Viertels zeugen von seiner bewegten Vergangenheit. Es
zeig sich ganz anders als die kosmopolitische Stadt Ernakulam.
Der Mattancherry-Palast wirkt
von außen eher unscheinbar, ist jedoch innen mit tollen Holz-Kassettendecken
und Freskos verziert. Die Geschichte der Maharaja-Familie wird sehr
ausführlich dargestellt.
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Wir schlendern durch die
Gässchen, vorbei an vielen kleinen Läden die allerlei Kunst & Krempel
anpreisen, zur ältesten Synagoge Indiens (die wegen Renovierungsarbeiten
geschlossen ist). Mich interessierte brennend die Kochi International Pepper
Exchange, die in meinem Reiseführer als einzigartige Einrichtung beschieben
wird, in der immer Tumult herrscht.
Als wir jedoch dort ankommen,
lauter leere Räume und eher normale Büros. Diese Pfefferbörse gibt es dort
seit 3 Jahren nicht mehr. .schade. Ich bin etwas enttäuscht.
Raju bringt es aber fertig
gleich die nächste Überraschung aufzutischen (im wahrsten Sinne des Wortes).
Wir gehen zum Hafen mit den
chinesischen Fischernetzen. Ich traue diesen übergroßen Keschern nicht viel
zu. Die Technik ist simpel und die Fischer sind fleißig dabei, ihre Fänge
einzuholen.
Raju fängt lieber die Fische
am Verkaufsstand der Fischer direkt bei den Netzen ein ;-) Ich stehe daneben
und staune: Was wird denn das, wir kommen doch gar nicht zur Farm, was machen
wir mit dem frischen Fisch, Garnelen & Co.????? Abwarten – hielt mich
Raju hin.
Wir schlendern mit unserem
Fischpaket weiter vorbei an der St. Francis Church, am Koder House und gehen
dann auf eines der Restaurants an der Tower Road zu.
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Raju fragte, wie wir den Fisch
zubereitet haben wollen? Mein Staunen wurde immer größer. Er erklärte, ja,
man kann den Fisch mitbringen und dort so zubereiten lassen wie man es
wünscht.
So was hatte ich bisher noch
nicht!
Wir warten auf unser
Spezial-Meeresmenü und verfolgen das Geschehen am Nebentisch von einer ca.
15-köpfigen Truppe französischer Touristen. (...) Nach ca. 45 Minuten ist es
so weit: Köstlich, lecker!!!!
Das war ein richtiges
Highlight!
An der Seepromenade erholen
wir uns von der leckeren Völlerei. Dann etwas shoppen und Tea-Time und dann
geht es mit dem Schiff zurück nach Ernakulam.
Das nächste Highlight wartet
auf uns: der Katakali-Tanz.
Die Vorstellung beginnt mit
dem Schminken, und der 83-jährige Inhaber der Tanzschule erzählt von der
Tradition und erklärt die Hintergründe und Bedeutungen. Man merkt ihm an,
dass er mit Feuer & Flamme dabei ist und dafür eine Leidenschaft hat. Er
wirkt fast schon mystisch.
Die Tanzvorführung selbst ist
sehr eindrücklich mit einem prachtvollen Gewand. Ich werde diesen Abend nicht
so schnell vergessen.
Mit einem weißen Ambassador
fahren wir zum Bahnhof von Ernakulam und warten dort auf den Nachtzug nach
Madurai. Viele Menschen warten, ein buntes Gewirr an Stimmen, Farben und
………………..na ja, Gerüchen ;-)
22:45 Uhr – der Zug ist
pünktlich und wir steigen in unseren Schlafwagen erster Klasse. Ich bin
erstaunt: Die Waggons sind klimatisiert, es liegen genügend saubere Kissen
& Decken parat und man kann die Kabinen abteilen.
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Der Zug fährt sanft an und
bremst auch sanft ab – es war also ohne Probleme möglich Schlaf zu finden,
denn nun hatten wir eine 14-stündige Zugfahrt vor uns.
Sonntagmorgen ……….ratter,
ratter, ratter, retter……..ich stehe an der offenen Wagontüre und lasse mir
die Morgenluft um die Nase wehen. Es ist wirklich so, dass die Zugtüren auch
während der Fahrt immer offen sind!
Zum Frühstück kaufe ich bei
einem der mitfahrenden Händler einen Tee & Samosa, gefülltes
Teigtäschchen.
Am Bahnhof in Madurai ist sehr
viel Betrieb, und wir schlängeln uns mit dem Gepäck zum Ausgang. Dort nehmen
wir zu meiner Freude wieder ein Ambassador-Taxi zum Hotel.
Ich genieße die Fahrt in dem
schönen Wagen, der Dach-Himmel ist mit besticktem Stoff verziert.
Nach einer kurzen Erfrischung
gehen wir zum Mittagessen auf die Dachterrasse des Hotels in den 12 Stock.
Ich staune, was für eine Aussicht. Die erste Impression von Madurai und den
vielen Gopurams des Meenakshi-Sundareshvara-Tempels.
Wir haben uns über unseren
„Schwarz-Fuß-Ober“ amüsiert: Er bediente barfuß mit rabenschwarzen Fußsolen!!
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Als Raju ihn fragte, warum er
keine Schuhe an hat, erzählte er, dass er auf einer langen Pilgerreise war
und ihm momentan kein Schuh passt!?! So was! Darüber staune & schmunzle
ich ;-)
Nach einem Nickerchen machen
wir den Orientierungs-Stadtrundgang, und ich sehe die erste Fahrrad-Rikscha
der jetzigen Indien-Rundreise! Wir probieren Zuckerrohrsaft, und ich lasse
mir die Zubereitung von leckerem Parota zeigen & probieren (!).
Im Thirumalai-Nayaka-Palast
sehen wir uns die Sound&Light-Show am Abend an. Macht und Reichtum der
Nayaka wird in einer eindrücklichen Geschichte erzählt umrahmt mit Musik
& Lichteffekten.
Wir frühstücken auf meinen
Wunsch nicht im Hotel das Touri-Einheits-Continental-Frühstück, sondern
außerhalb, wo auch die Einheimischen sind. Das Pepper-Dosa bringt meinen
Stoffwechsel auf 280! So scharf habe ich noch selten zum Frühstück gegessen,
aber wir hatten unseren Spaß dabei und sind dann putzmunter in den
Meenakshi-Sundareshvara-Tempel-Anlage.
Man kommt aus dem Staunen
nicht heraus: Thousand-Pillared-Hall, „Saal der 8 Göttinen“, viele Läden,
Meenakshi-Schrein und Sundareshvara-Schrein, goldenes Lotosbecken,
Flagmasten-Saal, ein Elefant nimmt Spenden – gibt mit dem Rüssel Segen, 12
Gopuras teilweise mehr als 50 m hoch, rundherum verziert mit Stuckarbeiten
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Unser Fahrer wartet schon und
bringt uns zu 2 weiteren Tempeln etwas außerhalb der Stadt: der Felsentempel
Thirupurankunram in einem Granithügel und der Alargarkoli-Tempel.
Wir besuchen auch das große
Becken von Theppakulam - es wird ebenfalls Thirumalai Nayaka zugeschrieben.
Es ist mit Stufen ausgestattet, die von Balustraden mit Tierfiguren flankiert
werden. Hier findet jährlich das Theppam-Festival statt, bei dem die Hochzeit
von Shiva mit Minakshi gefeiert wird; Bildnisse der Gottheiten werden auf
beleuchteten Booten zu dem kleinen Pavillon in der Mitte des Beckens
gebracht.
Kurz vor dem Abendessen
besuchen wir eine Anglican-Cathedral – damit auch ein christlicher „Tempel“
dabei war ;-)
In einem kleinen tamilischen
Restaurant bekommen wir allerlei Leckeres beim Thali auf Bananenblatt
serviert: Lamm, sehr scharfe Krabben (das fand sogar Raju) Reis Butternaan,
Parota, Raita und zum Abschluss Kulfi.
(…..wenn da einem beim Lesen nicht das Wasser im Mund zusammen läuft
;-)!!
Vor dem indischen Frühstück
machen wir einen Spaziergang zum Iscon-Tempel der Sri Radha Krishna gewidmet
ist. Dieser ist sehr modern gestaltet und spricht mich nicht so an.
Das Frühstück war diesmal
nicht so scharf und der frische Ananas-Saft war das i-Tüpfelchen.
Wir besuchen den
Thirumalay-Nayaka-Palast bei Tageslicht.
Dort macht uns beim Einlass
der Mann auf eine Aktion des Tourist-Office aufmerksam.
Wir bekommen ein
Informationsblatt auf dem die Einladung und Agenda zu einem Pongal-Fest 50 km
von Maduraj entfernt beschrieben ist.
Ich bin skeptisch – ist das
eine Kaffee-Fahrt?
Raju erkundigt sich und wir
beschließen, dass wir unser nicht-spektakuläres Nachmittagsprogramm umwerfen
und stattdessen der Einladung folgen. Zeitlich passt das zusammen mit unserer
nächtlichen Abfahrt mit dem Zug.
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Wir treffen pünktlich um 15
Uhr am Tourist-Office ein, und ein Bus erwartet uns schon.
Wir fahren übers Land und
sehen, dass der Bundesstaat Tamil Nadu von der Landschaft und Vegetation ganz
anders ist als Kerala oder Karnataka.
Wir werden in dem Dorf mit
frischen Kokossaft aus der grünen Nuss und Blumenkränzen empfangen, und wir
kommen aus dem Staunen über den herzlichen Empfang gar nicht heraus. Wir
nehmen an einer Prozession auf geschmückten Ochsen-Karren teil und steigen am
Tempel aus. Ich strahle über beide Ohren und frage Raju scherzhaft, ob wir
mit dem Adel verwechselt werden?!?
Viele Frauen in bunten Saris
kochen Reis auf kleinen geschmückten Stövchen.
Man erklärt uns, das das
Pongal-Fest eine Art Ernte-Dank-Fest ist.
Musik & Tanz begleiten
unseren Zug und die Vorführung mit Schaukampf-Tanz, hübschen Tänzerinnen und
lustigen Szenen schließt sich an. Die Touristen werden zum mittanzen
animiert. Ich mache auch mit und es ist gar nicht so einfach, den mit Blumen
geschmückten „Topf“ auf dem Kopf zu balancieren.
Anschließend werden wir zum
Essen eingeladen. Es wird ein Thali auf dem Reisblatt serviert. …..mmh.
Soweit die Kür - nun kommt die
kleine Pflicht. Wir werden gebeten einen Fragebogen mit unseren Eindrücken
und Erlebnissen zu bewerten, dann noch ein kurzes Interview für die Zeitung
und das Fernsehen war auch da.
Zum Abschied gibt’s für jeden
einen tolles Schaltuch, und dann reisen wir mit dem Bus zurück nach Madurai.
Ich genieße bei Nacht zum Abschluss in Madurai einen Masala-Chai auf der Dachterrasse des Hotels und lasse meinen Blick über das Lichtermeer streifen.
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Mit dem Nachtzug geht es dann
nach Thiruvananthapuram.
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Diesmal haben wir einen 2.
Klasse-Schlafwagen – ein großer Unterschied zur Herfahrt.
In einer Koje waren 2x3
Pritschen übereinander und keine Abteilung möglich. Keine Kissen, keine
Laken, keine Klimatisierung. Viele Menschen waren dicht gedrängt auch auf den
Gängen, für mich war an Schlaf nicht zu denken. Auch die Insekten fanden
keinen Schlaf (!). Aber auch diese Zugfahrt war ein Erlebnis und wir sind gut
in Trivandrum angekommen.
Wir wurden von Lalithas Fahrer
schon am Bahnhof erwartet. Er hatte ein Schild mit unseren Namen zur
Begrüßung dabei. Das war ein schöner Morgengruß.
Der Abschluss der
erlebnisreichen Reise bei Lalitha im Ayurbay in Kovalam war genau das
Richtige um sich so richtig verwöhnen zu lassen.
Ich zehre von dieser tollen
Reise auch noch 4 Monate danach!
Herzlichen Dank, Bernd - und der Vettikavumgal-Family!!
Tanjas komplette Fotostrecke findest Du in den INN Nr. 555 vom Freitag, 07.05.2010
...sagte sich Hille aus Kaarst. Sie war mit ihrer Reisefreundin Gisela aus Dormagen schon oft mit KD in Indien. Und bevor wir uns kennen lernten auch etliche andere Male, und immer waren es mehr oder weniger organisierte Rundreisen. Diesmal aber wollten die beiden es ruhiger angehen lassen und vor allem etwas für Giselas lädierte Knochen tun. Also schickte ich die Zwei zu Dr. Lalithas Ayuvedaresort in Nellikunnu bei Kovalam. Das ist Hilles Fotobericht:
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Am 14. Januar 2010 waren
Gisela und ich mal wieder unterwegs nach Indien. Dieses Mal verweilten wir an
einem Ort und wollten in vollen Zügen die Behandlungen von Ayurveda erleben.
Wir flogen mit EMIRATES von Düsseldorf bis Dubai und dann weiter nach
Trivandrum, Kerala, Südindien. Emirates ist eine sehr angenehme
Fluggesellschaft mit sehr gutem Service. Der Flug dauerte 10.50 Std. Wir
erreichten unser Ziel morgens um 9.30 h. Passkontrolle und Gepäck abholen
nochmals gut eine Stunde. Dann erwartete uns Dr. Lalithas Fahrer Rethesh mit
dem Wagen. Auf unserem Weg nach Nellikunnu überflog ein Flieger knappe
(gefühlte) 20 m über unserem Taxi hinweg die Landebahn an. Wir,
einschließlich Fahrer, zogen unwillkürlich die Köpfe ein.
Begrüßung von Dr. Lalitha. Wir
packten unsere Koffer aus, duschten, leichtes Mittagessen, Schlaf und später
am Nachmittag den ersten Strandspaziergang. Bei einem phantastischen
Sonnenuntergang saßen wir glücklich und zufrieden mit einem Kingfischer Bier
auf der Terrasse unter Palmen am Meer. Zum Abendessen bestellten wir King
prawns (Riesengarnelen) gegrillt + Gemüse, Salat und einem „salted lassie“.
Anschließend ein langes Gespräch mit Dr. Lalitha, und laut ihrer Diagnose
legte sie unsere Behandlung fest.
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In den nächsten sieben Tagen
marschierten wir jeden Morgen um 8.30 h in die Behandlungsräume und erhielten
unsere Kopf- und Körpermassagen. Von wegen Wellness! Die Bearbeitung unseres
Körpers und deren Schwachstellen hat uns manchen gequälten Schrei
unterdrücken lassen! Die Therapeutin beugte sich dann lächelnd zum Gesicht
hinab und fragte: Pein? - Yes lots of pein!! Aber mit den Tagen besserte sich
der Rücken und dann entschieden wir uns für weitere Behandlungen. Neben der
Ganzkörperölmassage bekamen wir dann auch den legendären Stirnguss, genannt
Sirodhara - und das eine halbe Stunde lang. Er entspannte so, daß man fast
immer ins Reich der Träume versank. Hier die ayurvedischen Namen für unsere
diversen Massagen: Sirodhara, Pizhichil, Kativasti, Kizhi, Nasya. Also das ganze
Programm.
Die Abende verbrachten wir oft
auf der Terrasse, unterhielten uns mit den anderen Gästen oder beobachteten
Vögel: Dohlen, Adler, Milane etc - dann das ewige Rauschen der Wellen und
natürlich den wunderschönen Sonnenuntergang.
Nachmittags fuhren wir des
öfteren nach Kovalam und hatten unseren duftenden, frisch per Handmühle
gemahlenen Kaffee (und manchmal Kuchen) in der GERMAN BAKERY! Wir kauften
ein, Dinge die wir nicht brauchten und kleine Andenken für Familie und
Freunde. Dann ließen wir uns einmal BUTTERED CHICKEN und ein anders Mal
TANDOORI KINGFISH servieren.
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Eines Tages kam überraschend
Raju von der Farm nach Nellikunnu und brachte zwei neue Gäste, Tanja und
Stefan, mit. Wir haben uns gefreut, ihn wieder zu sehen. Er lud uns ein, ihn
und Lovely zu besuchen. Aber 500 km sind eine weite Entfernung......
Bei Lalitha gab es dreimal am
Tag vegetarisches Essen mit verschiedenen Tees. Des Abends bestellten wir
auch bei ihr frischen Thunfisch, Kingfisch, Garnelen, Tintenfisch, um nur
einiges zu nennen. Als kleines Extra gab es in einem irdenen Wasserkrug
verborgen Kingfisher Bier, das wir aus dicken „Coffeemugs“ tranken. Denn das
Alkoholausschenken ist in Indien in nicht lizenzierten Restaurants bei hoher
Strafe verboten.
Morgens nach dem Frühstück
ging es oft zum Strand. Wenn die Brandung nicht zu wild war, habe ich im Meer
geschwommen. Das Wasser war warm und herrlich klar. Nachmittags wanderten wir
durch die Palmenhaine und fanden hier und da versteckt ein kleines Dorf und
kleine Tempel.
Zweimal fuhren wir zu den
Backwaters, einmal nördlich nach Kollam und ein anderes Mal südlich nach
Poovar. Auf einem Holzkahn ließen wir uns einige Stunden durch die
Wasserkanäle staksen. Oft trennte den Kanal nur ein schmaler Sandstreifen vom
Meer. Es herrschte eine herrliche Stille. Rechts und links dichte
Palmenwälder, Bananenhaine und Mangrovenwälder. Ab und zu Menschen, die ihre
Arbeit verrichteten oder ein Bad nahmen. Selten mal ein entgegenkommendes
Boot. Einmal legten wir an, um eine Seilerfamilie zu besuchen. Sie zeigte
uns, wie aus Kokosfasern in
Windeseile Seile hergestellt wurden.
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An einem der anderen Tage
fuhren wir nach Suchindram, einem sehenswerten Tempel und dann weiter, um uns
den Padmanabhapuram Palace anzusehen. Er war sehenswert, ganz aus Holz
gebaut. Die Decken bestanden aus Rosenholz, in denen Blumenmuster geschnitzt
waren. Der hochpolierte Fußboden war aus einer Mixtur aus zur Holzkohle
verbrannter Kokosnußschale, Eiweiß, Kautschukmilch und verschiedenen Säften
geschaffen - eine Mischung, die auch nach vielen Hundert Jahren keinerlei
Risse zeigte. Das Ayurveda-Bett des Herrschers bestand aus 64 Holzteilen, die
aus Baumstämmen verschiedener medizinischer Bäume zusammengesetzt waren.
Unterwegs hatten wir
verschiedene Male das Glück, einen Indian Coffee an der Straße zu genießen.
Einmal gelang es uns sogar, unseren Fahrer Rethesh zu überzeugen, dass wir in
einem typischen indischen Restaurant an der Straße essen wollten. Er war
überzeugt, dass wir nur in einem 5-Sterne Hotel uns wohl fühlen würden.
Einen Morgen verbrachten wir
in Vizhinjam, einem kleinen Fischerdorf. Wir beobachteten das Einlaufen und
Landen der Fischerboote. Unter großem Geschrei wurden die Fische an den
Meistbietenden verkauft, und dann wiederum saßen einige kleine Händler da und
verkauften ihre erstandene Ware direkt an Kunden. Es war ein buntes und
lebhaftes Treiben, die Vielfalt der angebotenen Fische war groß. Die Moscheen
waren neueren Datums. In einer christlichen Kirche fand gerade eine Trauung
statt. Die Kirche sowie ihre Besucher gaben ein fröhlich buntes Bild ab.
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Zum Schluss: Es war eine
gemächliche Reise. Die Tage flossen dahin, ganz anders als unsere sonstigen
Entdeckungsreisen in Indien. Aber diese Reise sollte ja unserer Gesundheit
dienen. Und so kamen wir ausgeruht zurück, aber von mindestens 30° Wärme in
minus 5° Kälte hinein. Das zu verkraften einschließlich der viereinhalb
Stunden Zeitverschiebung dauerte fast eine Woche. Deshalb habe ich den Bericht erst jetzt zuwege gebracht.
Hilles komplette Fotostrecke findest Du bei der Erstveröffentlichung dieses Berichts in den INN Nr. 548 vom Freitag, 19.03.2010
Unter diesem Titel kommt die Gemeinschaftsproduktion von Heike & Roswitha, die im November ihren KD-Urlaub auf unserer Vettikavumgal-Farm verbracht haben. Aber kann man wirklich von einem "typischen Tag" sprechen, frage ich? Erlebt nicht jede(r) der verschiedenen Teilnehmer ein und derselben Reise dieses Landleben anders? Das zeigt ein Querverweis auf den Report von Annette - und die war auf der gleichen Reise dabei. Deshalb freue ich mich ja auch auf jeden Bericht von Euch - und rate Interessenten, im KD-Forum ebenfalls mehrere Gästereports zu lesen. Ihr werdet dieses Indien dann möglicherweise wieder ganz anders erleben. Schauen wir also, wie Heike & Roswitha es sahen (Erläuterungen für Farmneulinge sind nummeriert verlinkt) .
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Ein Tag auf der Farm bedeutet
Leben in einer indischen Familie. Unsere Familie besteht aus Raju, unserem
Gastgeber, der uns auf allen Touren begleitet, wenn nicht sogar beschützt
hat, und Lovely, seiner Frau, die uns liebevoll umsorgt und bekocht hat.
Außerdem gibt es zwei Kinder in dem Haus, und zwar Jaimon und Diana und einen
Teenager namens Martin. Und dann gibt es natürlich noch die Mutter von Raju. [1]
Wir, Heike und Roswitha, haben
uns in der oberen Etage ein Zimmer geteilt. Roswitha, die Frühaufsteherin,
stand meistens gegen 8.00 Uhr auf und stellte als erstes den Deckenventilator
aus. Unser Bad war recht groß und man ging drei Stufen abwärts. Dort befand
sich linkerhand die indische Dusche, die aus einem roten Wassereimer und
einem kleineren Schöpfeimer bestand. Bei der Wärme machte es Spaß, sich das kühle
Wasser über den Körper zu gießen, obwohl wir zuerst recht sparsam geguckt
haben. Es ist uns häufig so gegangen, dass die Dinge auf den ersten Blick
recht fremd waren und uns dann sehr schnell lieb geworden sind. [2]
Nachdem Heike dann auch
aufgestanden ist, war sie zuerst einmal mit dem Zählen ihrer Mückenstiche
beschäftigt. Gott sei Dank hatte Roswitha einen Anti-Mückenstich-Stift mit. [3]
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Wir beide genossen
anschließend eine gute halbe Stunde lang Qi-Gong-Übungen, die wir in unserem
Heimatort gelernt haben.
Und dann kam das erste
Highlight des Tages. Lovely's frische Pfannkuchen mit Ananas, Bananen und
Pampelmusenstückchen waren einfach köstlich, ganz zu schweigen vom frischen
Kaffee und Tee. Jeden Tag gab es andere Köstlichkeiten. Man fühlte sich wie
im Paradies. Anschließend haben wir auf der Veranda vor dem Haus mit unseren
weiteren vier Frauen den Vormittag genossen. Viele schöne Gespräche gehörten
dazu. Dabei überlegten wir ganz in Ruhe, was wir an dem Tag noch unternehmen.
Häufig haben wir Fahrten zu einem Wasserfall zum Baden gemacht oder haben
kleinere Ausflüge in der näheren Umgebung der Farm unternommen.
Nachdem wir wieder auf die
Farm zurückgekehrt sind, überraschte uns Lovely mit frischen Fruchtsäften von
der Plantage. Gegen 14.00 Uhr gab es typisch indisches Mittagessen –
herrlicher Reis, Fisch, Hühnchen und Wasserbüffel sowie mehrere Gemüsesorten.
Wenn man wollte, hat man mit
den Fingern gegessen – was in Indien üblich ist. Zum Nachtisch gab es Obst oder
süße Leckereien. Die ersten Tage stand Lovely am Kopf des Tisches und
beobachtete genau, ob es uns schmeckt und alles in Ordnung ist. Nach langen
Mühen haben wir es geschafft, dass sie sich zu uns gesetzt hat. [4]
Nachmittags haben wir mehr
oder weniger gefaulenzt, gelesen oder sind nach Kodancherry zum Stoffhändler
und zum Schneider gegangen. Zwischendurch gab es leckeren Kuchen,
selbstverständlich selbst gebacken.
Nachdem die Kinder aus der
Schule gekommen sind, haben wir viel miteinander gespielt. Wir gehörten nach
kurzer Zeit vollständig zur Familie.
Abends gab es dann sehr spät
wieder wunderbares Essen mit einer Vielseitigkeit, die man kaum für möglich
hält.
Nach Einbruch der Dunkelheit
gegen 19.00 Uhr setzte regelmäßig ein Konzert exotischer Geräusche ein, die
wir aus Deutschland nicht kennen und nie mehr vergessen werden. Auf der
Veranda tranken ein paar Mädels Kingsfisher (indisches Bier) und die anderen
Wasser mit einem Spritzer Ayurveda. Den Wein, den wir dort kennen lernten,
entsprach nicht ganz unserem Geschmack.
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Von den Erlebnissen des Tages
waren wir recht früh müde und schliefen gegen 22.30 Uhr trotz Hitze ein und
träumten von unserem paradiesischem Urlaub.
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...dass Ihr mit diesem Bericht tatsächlich den Schwerpunkt auf die "Ruhe zwischen den Stürmen" gelegt habt. Ein schöner Aspekt, den wir auch so noch nicht hatten. Die "Stürme" sind natürlich keine - damit sind unsere Expeditionen in die Nachbarprovinz Karnataka, in die Backwaters und ans Meer gemeint. Es ist das Besondere an dieser Reise, dass wir nach den Exkursionen immer wieder "nach hause" kommen. Bei einer traditionellen Indienrundreise ist so etwas nicht möglich, und ein Familienanschluss natürlich erst recht nicht.
[1] Roswitha und Heike haben den "harten Kern" der Gastgeberfamilie aufgezählt, die in Wahrheit doch etwas größer ist. Da ist zum Beispiel Lovely's und Raju's zweiter Sohn Paul, der im Nachbardistrikt aufs College geht und nur am Wochenende und in den Semesterferien im Haus ist. Dazu kommen im Nachbarhaus Raju's Bruder Gilson mit Ehefrau Anci und vier Kindern. Weiter will ich aber den Kreis hier nicht ziehen - lass Dich überraschen: Keralafamilien sind groß.
[2] War die richtige Dusche dieses Zimmers denn defekt zu Eurer Zeit? Muss wohl - sonst hättet Ihr Euch ja nicht an die Urform des Duschens gewöhnen dürfen.
[3] Da erzähle ich Euch immer, dass es in Kerala deutlich weniger Moskitos gibt als in anderen Tropenregionen - da fangt Ihr an mit dem Zählen der Stiche?? Aber ich habe ja auch immer gesagt, dass es unberechenbare Schwankungen beim Mückenaufkommen geben kann. Ich war mal 6 Wochen da und bekam nicht einen Moskitostich - und dann am Vortag des Rückfluges entsandten die Biester ihr Abschiedskomitee, und ich stieg mit 20 frischen Stichen in den Flieger. Womit allerdings meine Statistik wieder bestätigt wurde: 20 Stiche auf 4 Wochen Kerala, sage ich immer ;-)
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[4] "Essen am Familientisch" verspreche ich. Dann erwarten unsere Gäste natürlich auch die Familie am Tisch. Doch da speisen meist nur die Kinder - Lovely folgt grundsätzlich der Tradition der indischen Gastfreundschaft: Erst muss der Gast zufrieden sein - dann erst esse ich. Sie weiß natürlich, dass wir sie gern mit uns essen sehen würden. Manchmal setzt sie sich dann auch zu uns - manchmal aber muss man sie bitten.
(mehr Fotos dieser Reise in den INN 499)
Auch
auf dieser Novemberreise war Anneli aus Düsseldorf. Sie war mit ihrer
Reisefreundin Annette dazu gestoßen und machte damit diese Kerala Discovery
zu einer reinen Frauenreise. Mit dem Bericht ihrer Freundin Annette hat sie
in den letzten Wochen die ganze Reise noch einmal erlebt und bedauert, dass
er schon zu Ende ist. Also schwelgt sie nun selbst in Erinnerungen, damit der
Indientraum lebendig bleibt
Hallo Bernd, irgendwie schade,
dass es heute Annettes letzter Teil ist, den Du im Newsletter
veröffentlichst. In Verbindung mit den von Dir reingestellten Bildern und
meinen eigenen im Kopf war es eine kleine Zeitreise zurück in den Urlaub. Im
letzten Teil bin ich es mit dem König des Kathakali und nicht Annette; sie
hat ja das Photo gemacht.
Ich habe diese Berichte
natürlich auch an meine Freunde weitergeleitet per Link und soll Dir ganz
positive Rückmeldung geben, wie toll überhaupt die Internetseite zum lesen
und stöbern und eintauchen ist.
Schon Anfang des Jahres 2008
entstand in mir die Idee, meinen 50ten Geburtstag am 6. Dezember, irgendwo in
einem fernen Land, vorzugsweise Asien, wo es um diese Jahreszeit richtig warm
ist, an einem Strand, unter Palmen zu begehen. Ich stellte mir vor, die 50 in
den Sand zu malen und davon mit mir zusammen ein Photo zu machen.
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Im Sommer des Jahres bekam ich
dann eine Mail von meiner Freundin Annette aus Hamburg, die mich fragte, ob
ich nicht Lust hätte, mit ihr im Dezember oder Januar nach Indien, und zwar
nach Rajasthan und mit Kerala Discovery, zu fahren.
Ich erzählte ihr von meiner
Vorstellung und dass von daher Rajasthan eher nicht in Frage käme, aber
Kerala wäre durchaus eine Alternative; aber dann eben Anfang Dezember. Und
dann recherchierte sie bei KD und fand tatsächlich eine Reise und eine
Gruppe, der wir uns anschließen konnten, und deren Abreisetermin, 30.11. gut
in den Zeitplan passte.
Nach einigen Gesprächen mit
Bernd war auch klar, dass es wohl nicht die 50 im Sand an einem Strand werden
würde, da die Farm zu weit vom Meer gelegen war. Also musste ich mir was
anderes überlegen.
Die Kurzbeschreibung meiner
Person für die anderen Teilnehmerinnen hatte Bernd mit den Worten ergänzt: „
…Für meinen Geburtstag Anfang Dezember habe ich seit langem einen Traum: Ich
möchte den Gruß an meine 2. Lebenshälfte fern von Zuhause an einem tropischen
Strand in den Sand schreiben. Dazu lade ich Euch herzlichst ein!“ Das gefiel
mir zunächst gar nicht, denn wusste ich doch nicht, wie ich diesen Tag für
mich erleben würde, und ob ich die anderen, die ich ja gar nicht kannte,
dabei haben wollte.
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Also sagte ich mir, ich würde
meinen Geburtstag auf jeden Fall in der Sonne und im Warmen begehen, und je
mehr ich von meinen Vorstellungen losließ, desto mehr konnte ich für mich
sagen „… oder was immer mir an diesem Tag begegnen mag….“
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Ja und dann stellte sich schon
an einem der ersten gemeinsamen Tage auf der Farm heraus, dass eine der
Mitreisenden, Heike, auch am 6. Dezember Geburtstag und ihren 49. begehen
würde. Ich bin Bernd heute noch dankbar, dass er mir vorher nichts davon
verraten hat, denn er wusste ja aufgrund der Anmeldedaten von diesem
Doppel-Geburtstag während der Reise. Und somit war die Überraschung um
einiges größer; ich glaube, mir stand der Mund offen, als wir darauf zu
sprechen kamen, und ich weiß heute nicht mehr, wie wir eigentlich darauf
gekommen sind.
Unser gemeinsamer Geburtstag
fiel dann in unseren Aufenthalt in Mysore, und wir läuteten diesen Festtag
schon am Abend des 5. Dezember mit einem Photo von uns beiden im Sinne
„vorher – nachher“ ein.
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Am Morgen des 6.12. dann wurde
ich früh um 7 Uhr wach, bekam von Annette Luftballons mit der Zahl 50 drauf,
mit denen ich mich im Bett strahlend, wenn auch mit noch etwas dicken Augen
fotografieren ließ, sie bestellte einen Kaffee beim Zimmerservice, den ich im
Bett trank – herrlich, das fing ja schon gut an!
Ich machte dann noch ein Photo
von der großen Uhr im Zimmer, um diesen denkwürdigen Tag mit Datum im Bild
festzuhalten.
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Für Heike schrieben wir auf
einen der Luftballons „fast“ und „beinahe“ und „bald“ und malten die Zahl 49
drauf, um ihn ihr beim gemeinsamen Frühstück zu übergeben.
Sie freute sich riesig und
lachte über das ganze Gesicht, als wir ihn im Restaurant überreichten.
Dann tauchten Raju und der
Fahrer mit Jasmingirlanden auf, deren wundervoller Duft dieser Blüten noch
so sehr im Kopf oder vielmehr in der Nase geblieben ist, die wir beide
umgelegt bekamen und die beiden hatten auch noch Kerzen und eine Torte
besorgt, die Heike und ich dann gemeinsam anschnitten und verteilten.
Es wurden Photos von uns
beiden gemacht, und ich denke, dass auf ihnen sehr deutlich wird, wie viel
Spaß wir hatten!
An diesem Tag stand der Besuch
des Flower Market und des Palastes in Mysore auf dem Programm, hier wurde ich
gegen einen kleinen Paisa-Obulus sogar von meinem Lieblingstier, einem
Elefanten, gesegnet. Das war natürlich etwas ganz besonders für mich an
diesem Tag!
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Wir beide liefen den ganzen
Tag mit strahlenden Augen und den umgehängten Jasmingirlanden durch die
Stadt. Wir zogen viele erstaunte Blicke an diesem Tag auf uns, wir lächelten
und waren wohl so richtig glücklich – oder Heike?
Wir waren noch shoppen und
(zumindestens ich) habe den halben Laden leer gekauft. Immerhin habe ich
allein vier Oberteile (davon zwei Geburtstagsgeschenke von Ute und Roswitha -
du erinnerst dich?- erstanden und zwei traumhaft schöne Seidenschals gekauft.
Ich fühlte mich beschenkt wie eine Königin.
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Am Abend schmückte uns Annette dann alle noch mit Bindis, und
wir gingen zum Abendessen in ein Dachrestaurant, in dem Raju während unseres
Stadtbummels bereits einen großen Tisch reserviert hatte. Heike bekam jede
Menge SMS auf ihrem Handy, las uns sogar einige vor (während ich noch zwei
Tage warten musste, bis ich in einem Internetcafé auch meine Geburtstagsmails
abrufen konnte). Wir genossen diesen lauen Abend, denn in Deutschland hätten
wir unseren Geburtstag wohl kaum im Freien verbracht.
Ich habe noch ein ganz
schönes Bild von unserer Truppe am Abend unseres Geburtstages im Hotel (von
wegen nachher!), das uns alle mit strahlenden Gesichtern über diesen ereignisreichen
Tag zeigt.
Es war sooooooooo schön.
Als ich dann später an diesem
Abend ins Bett ging, nahm ich alle Luftballons in den Arm und schlief
glücklich ein: Ich hatte einen unglaublich schönen Geburtstag erlebt! (Heikes
O-Ton in kursiv)
"Mein Arbeitgeber weiß
noch nichts von diesem Nebenjob" An einem Vormittag waren Annette und
ich in Kovalam Beach, weil ich ins Internetcafe wollte, um meine Mails
abzurufen und mich mal wieder bei meinen Freunden in der Welt zu melden. Und
obwohl wir schon einmal an dieser Stelle vorbeiflaniert waren, fiel mir erst
an diesem Tag das Schild auf.... (siehe Photo). Ich war total perplex und
konnte Annette noch bitten ein Photo zu machen; erst seit meiner Rückkehr
ärgere ich mich, dass ich nicht hineingegangen bin und nach meiner
"Namensvetterin" gefragt habe, um mich vorzustellen.... Ich heiße
Anneli.
Mein Name ist nicht nur sehr
selten, sondern wird auch oftmals mit ie am Ende, also Annelie, geschrieben;
umso verrückter ist es, dass er hier so steht, wie es auch in meiner
Geburtsurkunde steht!
Ich hatte den Rückflug für den
1. Januar gebucht, aber der Silvesterabend im Ayurbay machte mir den Abschied
etwas leichter (im positiven Sinne). 2004/2005 sass ich nämlich um
Mitternacht im Flieger von Singapur nach Deutschland und da war es mit diesem
Silvester in Kerala doch viel schöner
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Es begann schon mit den Vorbereitungen an diesem Tag, in der
Küche wurde von den Küchenboys schon am frühen Morgen geschnibbelt und
gekocht, was die indische Küche hergab. Abends gab es dann ein riesiges
Buffet mit Meeresfrüchten, Chicken, Salat und Chapatti. Lalitha und ihr Sohn
hatten eine Kathakali Aufführung für uns organisiert, die auf den zur Bühne
umfunktionierten Sonnenliegen stattfand. Die Stammgäste hatten natürlich den
besten Platz. Die absolute Krönung dieses Abend aber war zweifelsohne die
Liveband, deren Musiker traditionelle indische Musik mit Tabla, Trommeln und
dem "Teufelsgeiger von Kovalam" - wie ich ihn nannte - spielte. Im
Wechselspiel mit unserer Begeisterung wetteiferten Tabla und Geige um unsere
Gunst. Um Punkt 0 Uhr durfte ich dann noch das Feuerwerk am Strand erleben,
bevor ich mich für den Flug umzog, eine letzte Zigarette auf unserer Terrasse
rauchte und zum Flughafen gebracht wurde.
Einen perfekteren Abschluss
dieses Urlaubs hätte ich mir nicht bereiten können.
Während des Fluges von
Trivandrum nach Dubai bin ich irgendwann vor Erschöpfung eingeschlafen - ich
war ja seit meiner Abreise von Ayurbay um 1 Uhr ohne Schlaf unterwegs. Beim
Landeanflug auf Dubai wurde ich durch die Ankündigung des Kapitäns wach und
schaute noch recht verschlafen aus dem Fenster. Und gleich darauf kniff ich
die Augen erst mal wieder zu, denn was ich da sah, konnte nicht sein! Mein
erster Gedanke war: Nein, wir landen nicht in Dubai, sondern auf einem fremden
Planeten und gleich kommt die Besatzung von Enterprise auf uns zu ....
Skurrile und futuristisch anmutende Bauten ragten da aus den Wolken.
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Ungläubig sprach ich meine
Nachbarin an: "Are these houses outside?" She answered: "Yes. Very often it is
very foggy in the morning and all those skyscrapers of Dubai break through
the clouds."
Ich bin schon mehrmals nach
New York und Singapur geflogen, habe die dort bekannten Hochhäuser bewundert,
aber noch nie so erlebt, wie beim Landeanflug auf Dubai. Total abgefahren!
(mehr Fotos dieser Reise in den INN 499)
Vom 19.Januar bis zum 19.Februar haben Lasta & Edgar aus Germaringen ihre KD-Streifzüge durch den tropischen Süden Indiens gemacht. Fast 16 Jahre waren vergangen, seit Edgar zum ersten Mal bei uns auf der Farm zu Gast war - nun wollte er "God's Own Country" wiedersehen. Vor allem wollte er das paradiesische Kerala seiner Lasta zeigen, die nun zum ersten Mal nach Indien kam.
Es gibt eine alte Anekdote vom Dialog zweiter Herren im Zug: "Wissen Sie, ich bin kein Mann vieler Worte." Worauf sein Sitznachbar verständnisvoll erwidert: "Verstehe - ich bin auch verheiratet!"
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An diese Geschichte muss ich denken, ohne das natürlich persönlich zu meinen. Auch Edgar ist ein sehr ruhiger Genießer, der nicht viele Worte macht. Vielleicht war er aber auch zu höflich, mich zu unterbrechen? An seiner Lasta liegt es jedenfalls nicht - auch sie habe ich am Telefon als sehr ruhigen Menschen kennen gelernt.
So fällt auch Edgars Reisebericht nicht so wortreich aus. Doch mit wenigen Worten ist manchmal alles gesagt:
Lieber Bernd,
wir bitten um Entschuldigung, es ist so viel Zeit seit unserer Ankunft in Deutschland vergangen, und wir melden uns mit Verspätung bei Dir. Vielleicht haben wir die indische Mentalität bekommen? Auf jeden Fall lassen wir uns jetzt viel Zeit für alles, und das ist schon mal nicht schlecht, oder?
Also, es war sehr schön und erholsam für uns alte Leutchen, bei der Family in Kerala zu sein. Die Fahrt in Ketuvallam war auch sehr meditativ. Außerdem haben wir die Adivasi und das College besucht, neue Freunde gefunden, im Ozean gebadet und bei Josef und Lalitha* alte Knochen erfolgreich repariert.
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Wie du vielleicht auf den Fotos sehen kannst, sind wir jetzt wieder jung und schön, erfüllt mit Eindrücken und offen für audio-visuelle und spirituelle Ereignisse.
In diesem Sinne viele liebe Grüsse
Lasta und Edgar
Danke für die netten Zeilen & Fotos! *Für neue Leser sei nachgetragen: Bei Joseph und Lalitha handelt es sich um unsere Ayurvedaspezialisten. Josephs sanfte Hände verwöhnen unsere Gäste auf der Farm - Dr. Lalitha ist unser Ayurveda Vaidya im Strandresort bei Kovalam, wo die beiden ihre letzte Woche verbrachten.
Als nächstes planen Lasta und Edgar unsere Rajputana Discovery, die zumindest für Edgar schon lange auf der Wunschliste steht.
Den ersten Teil des Reiseberichts von Susanne aus Hannover haben wir bereits in den INN 489 v. 30.01.09 gelesen: "Endlich wieder Kerala". Heute lässt sie uns auch am Rest der Reise teilhaben, den sie mit ihrer Schwester Sonja und Mareike nach schmerzlicher Trennung von der Farmfamilie auf eigene Faust erlebte. Lobend sei erwähnt, dass Gastgeber Raju auch für den Rest des Indienaufenthalts für eine sichere und spannende Weiterreise sorgte - wie immer, wenn ehemalige KD-Gäste auf neuen Routen auf unserer Farm Station machen.
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Raju hatte uns einen Fahrer besorgt, der - so wie ich ihn verstanden habe - früher für ihn gefahren ist: Ramesh. Ein total netter Mensch und ein toller und vor allem umsichtiger Fahrer, der immer sehr bemüht war, uns jeden unserer Wünsche zu erfüllen. Eine kurze Pause? No Problem! Sogleich wurde links rangefahren, vorzugsweise natürlich unter einen großen Baum, der uns armen hitzegeplagten Touris einen segensreichen Schatten spendete. Der Weg von der Farm nach Madurai wäre zwar auch an einem Tag zu schaffen gewesen, aber wir wollten nicht so lange im Wagen sitzen (ist für den Fahrer ja auch ´ne Tortur und muss ja nicht unbedingt sein) und haben in einem Ort namens Palakkad (Palghat) übernachtet.
Die Übernachtung hatte Raju organisiert, weil der Ort nirgends in unseren Reiseführern auftauchte und wir dementsprechend auch keinerlei Hoteladressen hatten. Wir wurden somit in einem Hotel einquartiert, in dem offensichtlich nur Inder übernachteten. Das merkten wir spätestens im "Speiseraum", in dem es keine Karte, sondern nur Einheitsessen für alle gab. Was ich etwas schade fand war, dass wir in einen kleinen Extraraum gebracht wurden, damit wir "unter uns" sein konnten. Das Personal sah es wahrscheinlich als Vorzugsbehandlung an, während wir aber lieber im großen Raum gesessen hätten.
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Aber das Essen hat mal wieder
alles rausgehauen. Nachdem Ramesh mit dem Kellner sprach und uns dann nur
kurz mitteilte: "Keine Karte." , haben wir bei allem nur genickt,
was uns der gute Mann da aufzählte. Ich habe zwar nur die Hälfte verstanden,
aber es war zwischendurch die Rede von Gemüse, Hühnchen und Fisch. Was will
man mehr? Und danach wurde aufgeladen, was die Küche hergab. Berge an
köstlichen - und vor allem authentischem südindischem - Essen, dass nicht für
Touris abgemildert war, wie es üblicherweise ja in den Hotels gemacht wird.
Einfach lecker! Einzig die kleinen Fischstücke, die auch nur auf einem
kleinen Teller serviert wurden (alleine diese Tatsache lässt einen
unweigerlich vorsichtig werden), waren die Hölle. Während ich nur ein kleines
Stück abbrach und mir davon schon die Tränen in die Augen schossen, lächelte
Ramesh nur. Nachdem ich ihm dann "wohlwollend" den Teller diskret
rüberschob, haben wir dann staunend zuschauen können, wie er sich den ganzen
Fisch mit genüsslichem Grinsen und ohne eine Miene zu verziehen einverleibte.
Beeindruckend!
Apropos beeindruckend: Das
Zimmer! Wir wurden in einem Raum untergebracht, von dem ich nie gedacht
hätte, dass so was überhaupt existiert. Ein riesiger Eckraum, sogar mit extra
Esstisch und Stühlen, großem Doppelbett und massig Platz für unsere Koffer.
Aber der Hammer war die Farbkombination: Rosa und ein sattes PINK! Sonja´s
erster Kommentar: "Hey, wir haben das "Mädchenzimmer"
bekommen." Aber dieses Zimmer wurde noch getoppt vom Bad: Alles neu,
supersauber und ... (Trommelwirbel) ... in GRELLGRÜN! Ernsthaft, in diesem
Bad muss man eine Sonnenbrille aufsetzen, oder Netzhautschäden befürchten
(Zimmer und Bad habe ich auf meiner Digi-Cam festgehalten und hoffe, dass ich
Dir doch noch irgendwann die entsprechenden Beweisfotos liefern kann).
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Eigentlich wollten wir nach dem üppigen Mahl ja eine ausgiebige Siesta halten, hatten aber leider nicht damit gerechnet, dass etwas ganz anderes für uns geplant war... Es klopfte an der Zimmertür, nachdem wir es uns gerade mit TV und Bett gemütlich gemacht hatten. Ramesh stand vor der Tür und fragte, ob wir bereit seien. Bereit? Wofür? Antwort: Ein Park, ein Freizeitpark. Wie jetzt? Des Rätsels Lösung: Raju war der Meinung, wir könnten ja nicht einfach so im Zimmer relaxen und hatte Ramesh den Auftrag gegeben, uns zu diesem besagten Park zu fahren. Schön, das mal zu erfahren.
Ade, Du schöne Relaxzone, auf ins Getümmel. Wir fuhren also ca. 20 Minuten durch die Botanik und kamen vor einem großen Tor zum Stehen, wo auch schon eine Menge Menschen auf Einlass warteten. Aber just in dem Moment, als wir aussteigen wollten, öffneten sich sämtliche Himmelsschleusen und entließen einen heftigen Platzregen. Ratloses Verharren im Wageninneren. Ramesh fuhr dann erst mal ein paar Meter weiter und hielt am Straßenrand, wo wir einen Blick auf besagten Park hatten. Sah´ alles sehr schön aus: gepflegte Rasenflächen und üppige Blumenbeete. Zwischendurch ein paar Plastik-Fantasiefiguren.
Sogar eine kleine Seilbahn!
Die hatte aber ihren Betrieb bei dem starken Regen eingestellt, leider
inklusive den Menschen in den offenen 2-Sitzer-Gondeln ... Schon beim
Zuschauen fühlte ich praktisch das Wasser im Nacken runterrinnen. Wie müssen
sich erst die da oben gefühlt haben? Nachdem es 20 Minuten später immer noch
wie aus Eimern kübelte (die Leute saßen immer noch in den Gondeln), haben wir
uns entschlossen, unverrichteter Dinge wieder ins Hotel zurückzufahren. Auch
nicht schlecht. Hallo Relaxzone!
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Als wir dann am nächsten
Morgen wieder in den Speiseraum gingen und uns diesmal demonstrativ im großen
Gemeinschaftsraum niederließen, bekamen wir die nächste Überraschung
präsentiert. Nach der Frage Kaffee oder Tee, wurde uns ein Kaffee serviert,
der alles in den Schatten stellte, was wir in Indien schon an vermeintlichen
Kaffee bekommen hatten (Lovely´s Käffchen natürlich ausgenommen). Wir waren
nicht nur angenehm überrascht, sondern schlichtweg begeistert. Sonja war so
angetan, dass ihr ein "Der hat ja sogar ´ne richtige Crema" über
die Lippen kam.
Nachdem wir ausgecheckt hatten, ging´s dann weiter nach Madurai. Während wir die ganze Fahrt über den schönsten Sonnenschein hatten, setzte dann pünktlich der Regen ein, als wir abends einen ersten Rundgang durch die Stadt machen wollten. Egal, wozu gibt´s denn schließlich Geschäfte?
Gleich neben dem Hoteleingang sprach uns schon der erste Inder an, der sich als "Schneider mit eigenem Geschäft" vorstellte. Aber als wir absolut kein Interesse zeigten, zog er wieder von dannen. Danach merkten wohl die Anderen auch ganz schnell, dass die Tour bei uns nicht zog und wir konnten uns ungestört in den vielen kleinen Gassen rund ums Tempelgelände ausgiebig umsehen. Die Strassen wimmelten nur so vor Leben und es machte - trotz des Regens - einfach nur Spaß, das Treiben auf sich wirken zu lassen und den ein oder anderen Laden zu erkunden.
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Als wir dann abends auf der Dachterrasse essen gingen, hörte der Regen dann auch pünktlich wieder auf. Von dem Dach konnte man schon schemenhaft die hohen Türme des Tempels sehen und irgendwie sahen die etwas komisch aus, was ich aber der diesigen Luft und der Dunkelheit zuschrieb.
Leider hatte ich nirgends vorher gelesen, dass die wunderschönen Türme des Menakshi-Tempels gerade restauriert werden und von oben bis unten mit geflochtenen Palmmatten eingepackt sind! Nachdem wir den 1. "Anblick" verdaut hatten, hab´ ich´s mit Humor genommen. "Schau Sonni, da hab´ ich extra ein besonderes, nachträgliches Geburtstagsgeschenk für Dich besorgt, es hübsch verpacken lassen, und Du weißt es noch nicht mal zu würdigen." Trockener Kommentar meiner Schwester: "Ein eingepackter Lolly hätt´s auch getan!" Trotzdem war Madurai ein Erlebnis und die Tempelanlage ist von innen total beeindruckend (auch wenn wir als Nicht-Hindus nicht überall rein durften).
Als wir dann am nächsten Morgen zum Tempel aufbrachen, sprach uns doch tatsächlich der gleiche "Schneider mit eigenem Geschäft" wieder an (hatte der die ganze Nacht vor dem Hotel gewartet?). Auf dem ganzen Weg sprach er wieder auf uns ein und wandte sich dann schließlich an Ramesh, der mitgekommen war. Der hat ihn dann aber abgeschüttelt, drehte sich zu uns um und meinte nur achselzuckend: "No Tailor. Broker." Ja ja, war uns schon klar.
Nach den obligatorischen Sicherheitsmaßnahmen konnten wir dann in den Tempel hinein und waren von der Weitläufigkeit der Anlage echt beeindruckt. Sogar ein Museum mit vielen Statuen und Bildern gab´s. Mittendrin gab´s noch einen Tempel in den wir (außer dem Hauptschrein) als Nicht-Hindus auch nicht rein durften. Zum Eingang hinauf führte eine Treppe, vor der zwei wichtig aussehende Wachposten standen. Die Bemerkung von Ramesh, dass wir da nicht reindürfen, war also unnötig.
Als wir an der Treppe schon fast vorbei waren, meinte eine der beiden augenzwinkernd zu uns: "Ihr dürft zwar nicht rein, aber mal die Treppe rauf und ein Blick hineinwerfen ist schon OK." Gesagt, getan. Mich fasziniert immer wieder diese Tempelatmosphäre, der man sich einfach nicht entziehen kann.
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Als wir dann in die Halle eines anderen Ausgangs kamen, sahen wir unzählige Verkaufsstände, die mich eher an einen Jahrmarkt erinnerten. Von Blumenketten, über Statuen bis hin zu Gegenständen, die ich nicht mal identifizieren konnte, geschweige den raten, wozu sie denn gebraucht werden, gab´s dort wirklich alles. Aber wir wurden - im Gegensatz zu außerhalb des Tempelkomplexes - nicht ein einziges Mal von irgendjemanden angesprochen. Es war wirklich sehr entspannend, zwischen den Ständen rumzuschlendern und einfach nur zu schauen.
Gerade waren wir wieder raus aus dem Tempel, als sich unser "Schneider" wieder bemerkbar machte, um uns nun endlich "sein" Geschäft zu zeigen. Da Sonja noch einen Schal als Mitbringsel kaufen wollte, ließen wir uns diesmal drauf ein. Unser "Schneider" selbst kam nicht mit rein. Er hat wahrscheinlich nur schnell seine Provision draußen kassiert und hat nach den nächsten Touris Ausschau gehalten.
Im Geschäft selber, das sich über 3 Stockwerke verteilte und wirklich alles zu bieten hatte, preiste man uns sofort den wunderbaren Tempelblick vom Dach aus an und führte uns auch sofort hinauf. Toll! Ein wirklich fantastischer Blick ...... auf eingepackte Tempeltürme! Humor ist, wenn man trotzdem drüber lacht... ;-). Nach zähen Verhandlungen war dann der Schal auch gekauft. Ich schaute noch sehnsüchtig zu den tollen Bronzestatuen, aber die Vernunft und nicht zuletzt die Freigepäckgrenze haben dann doch gesiegt.
Wir haben dann noch versucht, für unsere Hupfdohlen vom Bharat-Natyam-Tanzkurs noch ein paar Übungssaris zu bekommen, aber die gibt es offensichtlich wirklich nur in Chennai, wo unsere Tanzlehrerin den Tanz studiert hat und sich die großen und namhaften Tanzschulen befinden.
Ramesh hat wirklich alles
versucht und uns von Stoffladen zu Stoffladen geschleppt, aber irgendwann (so
etwa nach 3 Stunden!) musste auch er einsehen, dass da nichts zu machen war.
Zwar wollte man uns alles Mögliche schneidern, was unserem mitgebrachten
Muster weitgehend entsprach, aber es wäre halt nicht dasselbe gewesen.
Schade, aber zumindest konnten wir in einem Geschäft für Musikinstrumente ein
neues Takt-Schlagholz für unsere Lehrerin ergattern. Wobei aber der Verkäufer
etwas irritiert über die Kalkleisten war, die vor ihm standen und ein
spezielles Instrument für klassischen indischen Tanz verlangten. Er hat sich
wirklich 3x nochmals bei Ramesh rückversichert, ob wir das auch wirklich
kaufen wollen...
Unser Zeitplan ließ leider keinen weiteren Tag in Madurai zu - obwohl es noch so viel zu sehen gab -, so dass wir abends noch mal auf der schönen Dachterrasse speisten und uns dann am nächsten Morgen auf den Weg nach Munnar machten.
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Da der Weg von Madurai nach
Cochin zurück so lang war (wir mussten ja eine Bergkette überwinden), haben
wir eine Übernachtung in Munnar eingeplant. Da oben ist es echt fantastisch! Wenn
ich das vorher gewusst hätte, hätten wir mehr Tage dafür eingeplant. Schon
auf der Serpentinen-Straße hinauf (war übrigens die mit Abstand leerste
Serpentine, die ich je in Indien erlebt habe) dachte ich, ich halluziniere,
als ich am Straßenrand den ersten Engelstrompeten-Busch
sah.
Aber es kamen noch mehr, ganze Hänge voller riesiger weißer Engelstrompeten-Büsche. Ein echter Garten Eden: Orangenbäume, Teeplantagen, Kardamombüsche und, und, und..., alles teils überwuchert mit der blauen Trichterwinde, die praktisch überall wuchs. Ein toller Anblick! Dazu die herrlich klare Luft. Wäre Anja mitgewesen, hätten wir sie dort nicht mehr wegbekommen. Einziger Nachteil: Es war ziemlich kalt und es regnete leider.
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Bei klarem Wetter hätte man tolle Spaziergänge ohne Ende machen können. Es ist auch ein Wildpark dort oben. Und alle waren völlig relaxt. Wir hatten nur so wahnsinnig wenig Zeit, leider! Wir kamen am Nachmittag an und sind am nächsten Morgen schon wieder nach Cochin weitergefahren. Hätten wir nicht am nächsten Tag eine Verabredung mit Raya im Kino gehabt, wären wir noch 2 Tage länger geblieben und hätten die Tage in Cochin sausen lassen. Aber wir hatten schon auf der Farm festgestellt, dass sich unsere Wege in Cochin für einen Tag noch mal kreuzen und haben uns fest vorgenommen mit Raya in den Film "Dostana" zu gehen, was wir dann auch getan haben (gut, dass Du uns durchgeknallte Uschis nicht im Kino erlebt hast).
Eines noch angemerkt: Es gibt
in der Mitte der Stadt eine kleines Lokal, in dem wir - außerhalb des Nordens
Indiens - das feinste und beste Butterhühnchen geschlemmt haben, was
Südindien zu bieten hat. Die Schüssel war praktisch fast ausgeleckt, um ja
nichts von der köstlichen Soße zu verschwenden! Hinter uns saß ein junges
indisches Pärchen und die Hände der Inderin waren üppig verziert mit Mehndi.
Wir fragten Ramesh, ob die Beiden wohl auf Hochzeitsreise seien. Dabei
beäugte er das Kunstwerk kritisch und meinte, könne er nicht sagen, denn die
Muster seien nicht südindisch. Da haben wir doch tatsächlich noch was
gelernt: Mehndi ist nicht gleich Mehndi.
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Fazit: Munnar ist wirklich ein
Highlight und man sollte sich genügend Zeit nehmen, um die wunderschöne
Landschaft zu erkunden (und hoffen, dass es nicht so bitterkalt und
regnerisch ist). Wir hatten zumindest eine dicke, flauschige Decke auf
unserem Bett und heißes Wasser! Was wirklich sehr wertvoll ist, wenn man
durchgefroren wieder ins Guesthouse zurückkommt...
Tahan (der Fahrer von Raya, Doris und Urs) war auch mit uns im Kino. Ich weiß nicht so recht, über was er mehr belustigt war: Den Film oder uns... (eher Letzteres). Am nächsten Tag ist dann Raju mit den Dreien zu Lalitha weitergefahren, und Sonja und ich haben die letzten 3 Tage Cochin unsicher gemacht, bevor es zurück ins kalte Deutschland ging (Temperaturgefälle: 30 Grad - was mir eine Bronchitis einbrachte...).
Die restlichen Tage haben wir mit entspannten Bummeln durch die Stadt verbracht. Gegenüber dem Kino, in dem wir waren, ist ein klimatisiertes Café untergebracht. Das gleiche gibt es übrigens auch in Mysore am Ende der breiten Einkaufsmeile oben auf der linken Seite. Wenn Du mal dort bist, musst Du unbedingt den "Kappi Nirvana" probieren. In der Karte steht, dass die mit der Kreation einen Preis gewonnen haben. Zu Recht! Das Gemisch aus Eis, Kaffee, Kokos, Sahne und andere undefinierbare aber leckere Zutaten macht einfach süchtig!
In diesem Kaffee haben Sonja
und ich noch Veronika und ihren Mann kennen gelernt. Die Beiden kommen aus
den USA und sind echte Weltenbummler. Er ist bei Hilfsprojekten tätig und
fertigte zu der Zeit für Inder auf dem Lande, die es sich nicht leisten
können, professionelle Gebisse. Die beiden waren wirklich wahnsinnig
liebenswürdig und hatten eine Menge zu berichten. Tja und schon war unsere
Reise schon wieder vorbei und mit zwei weinenden Augen wurde sich
verabschiedet...
Kaum hat das Flugzeug eine Rolle auf den Boden gesetzt, springen die Inder auf und wollen an ihr Handgepäck. Die Stewardess hat keine Chance einzugreifen. Ich staune und lache. Dann kommt das große und unerwartete Warten: Mir scheint, als ob Tausende von großen Paketen auf das rappelige Band kommen: Einkäufe aus Dubai. Trotz der Enge finden die Inder einen Platz, um das begehrte Paket auf den Wagen zu heben.
Irgendwie eine fast entspannte Atmosphäre, obwohl um jeden Zentimeter gekämpft wird. Glückliche Gesichter, wenn der Besitzer zum Paket findet. Eine Frau erzählt stolz, dass 18 Pakete für sie seien. Fast 2 Stunden dauert das Spektakel, dann kommt endlich auch mein Rucksack und ich bin ziemlich erleichtert. Mittlerweile merke ich, dass es heiß ist in Indien, mir läuft der Schweiß.
Wir entdecken Raju den Farmvater sofort, der geduldig gewartet hat, und in seinem Auto fahren wir erst einmal zu einem Tee in einem kleinen Restaurant. Natürlich muss ich jetzt an Bernd denken. Ich fange an vorsichtig zu genießen, aber noch fühlt sich alles ganz eigenartig an. Anneli und ich kommen übrigens 2 Tage früher als die anderen Mitreisenden an, weil die Reisekonditionen so günstiger waren.
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Ca. 1,5 Stunden fahren wir durch Orte und Palmen auf und ab Richtung Farm. Wenig Verkehr, so empfinde ich es. Gar nicht das wilde zerrende Indien. Wir biegen ab, der letzte holprige Weg und wir sind da! Raju's Frau Lovely begrüßt uns mit dem Saft frisch aus einer Kokosnuss. Hmm, das tut gut! Und das Innere dürfen wir auch noch essen. Wir sind mitten im Palmenwald gelandet, ein schönes Haus mit großer Veranda und großem Innenraum. Es geht eine Treppe hoch, und dort sind die Gästezimmer. Hier oben ist auch noch eine kleine Veranda.
Wir erfrischen uns mit einer kalten Dusche, gucken, wo wir so sind. Stellen fest, dass, wenn man auf der Toilette sitzt, kein Platz mehr für die Füße ist. Schon ziemlich komisch, denke ich mit meinem deutschen Kopf. Noch ahne ich nicht, wie schnell ich mich an diesen kleinen Missstand gewöhne. Allmählich nehme ich mit meinen Sinnen auf: Ich bin in Indien!
Dann gibt es Lunch. Ich erinnere noch an ein Curry mit unreifen Papaya und Zwiebeln in Joghurt, Fisch und Reis von der Farm – einfach überwältigend diese Genüsse.
Wir sind müde, wollen aber trotzdem gern wissen, wo wir eigentlich sind und fragen nach dem Dorf. Lovely begleitet uns das erste Stück auf der Straße. Aber es ist ihr anzumerken, dass es doch irgendwie ungewohnt ist für sie. Raju holt sie auf halbem Wege ab. Es ist ein kleines einfaches Dorf ohne touristische Infrastruktur. Aber einen Tee am Straßenrand gibt es natürlich auch. Ich wundere mich: keine Bettler, keine Anmache, nur freundliche oder auch erstaunte Gesichter und Fragen, woher wir sind. Lediglich an das Hupen müssen wir uns gewöhnen, egal wo wir gehen.
„Zu Hause“ ruhen wir etwas. Es ist schwül. Gibt es ein Gewitter? Tatsächlich wird es später etwas regnen. Irgendwann gucken wir uns an und Anneli fragt: Sag mal, was sollen wir hier eigentlich so machen?
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Mit Einbruch der Dämmerung erbebt die Luft von Geräuschen. Hätte Bernd das auf seiner Internetseite gehabt, ich hätte sicherlich die Reise früher gebucht! Ich bin im Tropenhaus! Hurra!
Abend beschenken wir die Kinder. Das Essen ist wieder gut. Lovely steht am Tisch und guckt uns neugierig zu. Daran werden wir uns noch gewöhnen müssen, das ist so ihre Art. Diana tanzt uns stolz etwas vor, sie lernt indischen Tanz. Es ist rührend ihr zuzuschauen.
Ich sinke auf das harte Bett. Es ist heiß, der Fan dreht sich sanft. Ich bin so froh hier zu sein.
30.11.08 So - Geschlafen wie im Koma. Es ist heiß, alles geht langsam. Mein Körper muss sich noch an die harte Unterlage gewöhnen. Die Sonne scheint, Palmen sind auch immer noch da. Kerala-Breakfast: Reisfladen mit „Soße“ = Curry. Hier schmeckt mir gut, was zu Hause unvorstellbar wäre.
Raju schlägt vor, zum Wasserfall zu fahren. Es ist Sonntagsstimmung. Das Baden ist schön, die Landschaft natürlich auch. (Später mehr darüber)
Ich muss mich noch an die Art gewöhnen, wie was läuft. So unverabredet – es passiert einfach. Es gibt keine Uhrzeit für die Mahlzeiten. Alles geschieht mit einer Ruhe. Lovely strahlt eine unglaubliche Gelassenheit beim Gehen und in ihrer Bewegung aus. Keine Hektik, auch nicht in der Küche. Mich animiert es, mich auch bewusst und ruhig zu bewegen und z.B. nicht die Treppe zu unserem Zimmer einfach hoch zu rennen. Ich fange an, das Paradiesische zu spüren. Von der oberen Veranda gucke ich auf die fernen Berge.
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Zum Lunch gibt es u.a. Wasserbüffel und andere Köstlichkeiten. Es gibt immer auch Herbalwater = abgekochtes Wasser mit etwas Ayurvedakraut drin. Ich laufe ein wenig um Haus und Hof, d.h. ich erkunde vorsichtig die kleinen Wege hinten raus zur Farm. Ein tropisches Paradies mit kleinen Hütten allüberall.
Die Kinder sind von der Sunday school zurück. Ich schaue amüsiert: Sohn Martin sitzt am großen Küchentisch und lernt mit einer ayurvedischen Haarpackung auf dem Kopf und der Nachhilfelehrerin (Ich glaube, es ist die Schuldirektorin von dem College gegenüber. Wir nennen sie später Mrs. Principal, weil sie eine so würdevolle und gütige Ausstrahlung hat und wir uns jeden Morgen an ihrem perfekten und farbenfreudigen Sari freuen können.)
Das Abendessen: Frikadellen aus Kartoffeln, Knofi, Lauch, Ingwer, ohne Ei, Erbsencurry und noch Kleinigkeiten und ganz bestimmt ein köstliches Brot. Durch eine Bemerkung der kleinen Diana probieren wir es mit Fingern und das veranlasst mich, ab jetzt bevorzugt mit den Fingern zu essen. Es ist ein klasse Gefühl.
Wir sitzen auf der großen Veranda und wir erzählen mit Raju. So allmählich gewöhnen wir uns an sein Englisch. So hat sich ein junges Paar umgebracht, dass er auch gut kannte. Die genauen Gründe sind nicht bekannt. Sie hinterlassen ein kleines Kind. Doch wohl nicht nur ein Paradies?!
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Und dann sagt er, was mich sehr berührt: Wir sind nicht seine Gäste, sondern seine Schwestern! So ist das also! Und dann sind wir wieder mitten drin im abendlichen Tropenhaus und der unvermeidliche abendliche Powercut von ca. einer halben Stunde war auch. In dem großen Innenraum vom Haus gibt es aber eine Lampe mit Akku.
01.12.08 Mo - Wir können beide nicht so ganz gut schlafen. Um 7.30 Uhr habe ich schon einen Termin zur Massage. Fühlt sich aufregend an. Für 10 Euro liege ich auf einer harten Pritsche mit einem Lendenschurz bekleidet und lasse mich von einem kleinen wendigen Masseur behandeln und kneten. Das ist nicht nur sanft. Muss noch schauen, wie ich das finde. Mit heißem Wasser, was ich aus einem Eimer und mittels eines Topfes über mich gieße, versuche ich mich hinterher vom Öl zu befreien. Die indische Form der Dusche, die aber wirklich gut funktioniert.
Zum Frühstück gibt es so eine Art scharfer Grieß mit Banane. Es ist wunderbar, das mit den Händen zu manschen, die Banane darf und soll so richtig zerdrückt werden! Und schmeckt auch köstlich. Wie sowieso hier Bananen und Ananas köstlich schmecken. Wir gehen ein wenig durch die Plantage und beobachten einen Arbeiter, wie er Pfeffer sammelt. Es ist alles so einfach und simpel. In eine Art Stoffbeutel, den er sich um die Taille geschlungen hat, tut er die kleinen Pfefferreben hinein. Die Naturleiter besteht aus einem Stamm an dem die abgeschnittenen Äste zu Trittstufen werden. Dieser wird an den Baum gelehnt, an dem sich die Pfefferranke windet, und dann kann gepflückt werden.
Wir erwarten neugierig die restlichen 4 heute. Sie kommen genau so spät an wie wir. Es war das gleiche Chaos am Flughafen wie bei uns. Das tröstet uns etwas. Nun sind wir 6 Frauen und komplett: Zum offiziellen Beginn essen wir alle von Bananenblättern und mit der Hand.
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Anneli und ich gehen mit etwas Taschengeld von Raju ins Dorf. In der großen Kirche singen Frauen. Trinken Tee, bestaunen am Fischstand einen großen Fisch, gucken einfach. Vegetarische Teigtasche zum Abend, ein großer Regenschauer. Wir reden und spielen Karten mit Lovely. So ist es auf der Farm.
02.12.08 Di - Ich gewöhne mir an, morgens immer hinten raus zur Farm zu gehen und die Atmosphäre zu schnuppern. Wie das Morgenlicht kommt und was so los ist. Ich stehe da und plötzlich läuft ein Schulkind vorbei und guckt mich erstaunt und fröhlich an. So fängt der Tag gut an. Außerdem suche ich immer noch Bernds Lieblingsstelle. Dann sehe ich noch, wie der Farmarbeiter den gestern geernteten Pfeffer mit den Füßen tritt. Ein Haufen liegt auf dem Boden und kräftig tritt er darauf herum, damit die Körner von den Reben fallen. Es macht mir Respekt, wie viel Arbeit notwendig ist, z.B. um Pfeffer zu ernten.
Das Frühstück kommt langsam in Gang, denn heute sind es die Neuen, die müde sind. Iddli gibt es zum Frühstück. Entschlossen esse ich mit Fingern. Wenn mit Fingern, dann kann man es nur entschlossen tun, merke ich.
Um 10.30 geht es los mit der offiziellen Farmführung. Die Kühe haben wir schon alle entdeckt. Sie werden jeden Morgen gewaschen! Ich habe noch nie so hübsche Kühe gesehen. Der Kuhdung wird mit Wasser verrührt, ein morgendliches kratzendes Geräusch, und in einem Becken gesammelt. Es wird Biogas gewonnen für die Farm. Raju führt uns durch eine Parklandschaft, die eigentlich Teil seiner Farm ist.
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Ich habe mich sehr angestrengt, mir alles zu merken, was hier wächst: Betel, Kaffee, Papaya, Ananas, Jackfruit, Bananen, Mango, Muskat, Ingwer, Yum-yum, Kautschuk, Kakao, Pfeffer, Bohnen, div. essbare Wurzeln, Vanille und natürlich Kokospalmen. 3 Stunden laufen wir einen Weg durch das Umfeld, an vielen anderen Familien vorbei. Wir staunen nur noch und fragen und sind überrascht. Weil der Kreislauf von Michaela etwas schlapp macht, kommen wir noch in den Genuss der Gastfreundschaft eines Paares, die uns allen gleich frisches Brunnenwasser servieren.
Verschwitzt zurück, freuen wir uns auf den Lunch. Aus dem College gegenüber kommen laute skandierende Rufe. Etwas politisches sagt Raju. Etwas Luftballonspielen mit Jaimon, aber das ist wieder Schweiß treibend. Ich gebe mich dem Dasein hin. Anneli entdeckt in der Küche ihre Fähigkeiten im Chapathi machen. Die anderen wollten ins Dorf gehen, sind aber an der Straße rechts statt links gegangen. Sie kommen lachend zurück und fragen sich, warum so viele Inder über sie gelacht haben. War es etwa der besondere Sonnenhut von Roswitha? Oder war es einfach indische Freude über eine kleine Gruppe von Westlern?
Heute Abend sehe ich bewusst den Mond. Er hängt wie in einer Hängematte und mir scheint, dass rechts und links ein Stern leuchtet! So ist es in Asien.
03.12.08 Mi - Heute wollen sich alle massieren lassen. Ich bin tapfer: Raju sagt, dass Massagen früh morgens gut sind, also bin ich die erste von uns und bekomme um 7 Uhr eine Massage. Viel Öl fließt immer, auch ist es mir schon vertrauter. Heute morgen ist es doch tatsächlich nebelig.
Es macht mir Spaß, dass es schon wieder etwas anderes zum Frühstück gibt: Omelett und aus gedörrtem Reismehl und Kokosnuss, eine Art Haufen. Auch mit gematschter Banane zu essen.
Es geht alles langsam los. Wir fahren alle zum Wasserfall. Ich kauere mit Roswitha hinten auf dem Notsitz in Raju's Wagen, aber für die Strecke geht es. An dem Haus, wo wir parken, liegen Betelnüsse zum Trocknen. Wir kennen uns jetzt aus. Auch sehen wir überall Kautschukfladen auf der Wäscheleine. An dem Haus sind auch reizende Kinder, und ich überzeuge die anderen, ihnen keine Kugelschreiber zu schenken. Denn sonst werden die nächsten KD-Gäste mit „Hallo Pen“ begrüßt werden. (Bernd, warum hast du dazu nichts geschrieben?)
Wir gehen einen kleinen Weg runter und sind an einer Art Badesee mit Felsen drum herum. Eine schöne Naturkulisse. Ich schwimme dieses Mal auf die andere Seite, Roswitha folgt mir, und plötzlich ist auch Raju da. Er lockt uns aus dem Wasser und behände wie ein junger Gott springt er mit uns über Fels und Stein, um uns die Naturschönheiten zu zeigen. Er ist in seinem Element. Ich werde etwas feige, auch habe ich mich noch gar nicht eingecremt, und kehre um. Dies kleine Abenteuer reicht mir, will mir nicht den Fuß verknacksen.
Um die anderen herum sind mittlerweile viele junge Inder. Lustig lärmen sie, und irgendwie begucken wir uns gegenseitig. Unsere Anwesenheit hat sich herum gesprochen. Michaela ist begehrt und mittendrin. Beim Baden ist man nie lange allein, das gilt es hinzunehmen, aber es ist auch ein lustiges Spektakel.
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Auf der Rückfahrt zeigt uns Raju den Schneider im Dorf. Das ist das Signal! Nachmittags gehen wir zu dritt ins Dorf, suchen Stoff aus und gehen anschließend damit zum Schneider. Mit viel Lachen und einem Tee dauert das Ganze so seine indische Zeit. Ein schönes Frauenerlebnis.
Abendessen, ich gucke den anderen beim Kartenspiel zu und finde das Leben so in Ordnung.
04.12.08 - Als ich heute morgen hinten raus ins Feld gehe, beobachte ich, wie das alte Ehepaar eine Bananenstaude erntet. Stolz und würdevoll trägt er sie auf dem Kopf heim. Dieses kleine Erlebnis macht mich wieder ganz glücklich.
Heute morgen gibt es Pineapplepancakes zum Frühstück. Die sind lecker!
Ich habe noch gar nicht erzählt, was ich schon die ganzen Tage, wann immer möglich, genieße. Gegenüber ist ja ein großes College mitten im Busch. Die Studenten gehen morgens zur Schule und nachmittags wieder zurück. Und genau das ist es! In kleinen Pulks laufen sie. Ein farbenfroher bunter Haufen, das sind die jungen Frauen, und diese Buntheit fasziniert mich am meisten. Aus der Entfernung kann ich auch noch das Stimmengemurmel hören. Dieses Schauspiel - allein schon deswegen ist es auf der Farm schön. Es ist beruhigend und schmeichelt gleichzeitig meinen Sinnen.
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Raju schickt uns heute allein nach Murambathy. Eigentlich nach der Kreuzung immer gradeaus. Also einfach. Für uns ein kleines Abenteuer und ein schöner Weg. Wir kommen an seinem Reisfeld vorbei. Ein Korbmacher sitzt mit seiner Frau vor seinem Haus und flicht Körbe. An einem Laden winken uns Leute heran. Sie zeigen uns einen riesengroßen (halbtoten) Schmetterling. So etwas habe ich noch nie gesehen und auch nicht gewusst, dass es Schmetterlinge gibt, die so groß sind, wie eine ausgebreitete große Männerhand, wirklich.
Eine Gabelung auf dem Weg hat Raju uns unterschlagen und wir fragen nach dem Weg, vorsichtshalber 2 mal. Als wir an einer Schule vorbei kommen, es ist wohl Pause, ernten wir volle Aufmerksamkeit. Im Dorf angekommen, suchen wir die Moschee. Diese ist unscheinbar, wir stehen direkt davor. Einen Tee an dem einzigen Laden und dann zurück. Lovely die wunderbare, empfängt uns, die wir total durchgeschwitzt sind, mit einem Lemonjuice. Und dann gibt es nachmittags noch Bananenkrapfen. Abends begucken wir alle unsere Stiche am Körper. Man sieht nichts, aber wir werden alle gestochen. Sonst passiert nicht mehr viel. Ich glaube an diesem Tag sage ich, dass ich mich wie eine indische Tonne fühle. So gut genährt, so satt. Heute passiert nix besonderes mehr, aber viele Sterne im geräuschlichen Abendmeer.
Im ersten Teil ihres Südindien-Tagebuchs hat Annette aus Hamburg anschaulich geschildert, wie sie sich in den ersten Tagen aus der Hektik Deutschlands gelöst und sich einer entspannten indischen Langsamkeit des Kerala-Alltags angepasst hat. Um so intensiver sind die Begegnungen mit dem einfachen Leben, der üppigen Tropennatur und dem dörflichen Leben im Umfeld unserer Plantage. Heute aber geht es in ein anderes Indien. Mit ihren 5 Gefährtinnen Anneli, Michaela, Roswitha, Heike und Ute fährt sie in die Nachbarprovinz Karnataka
05.12.08 - Heute geht es auf nach Mysore! Ich bin sehr neugierig, denn in dieser Stadt war ich vor 10 Jahren auch einige Tage. Mit etwas Verspätung fahren wir um 10.30 Uhr in einem schönen weißen Touristmobil los. Unsere kleinen Rucksäcke sind gepackt, denn in Mysore soll es kühler sein, was wir uns gar nicht mehr vorstellen können.
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Ein kleiner wehmütiger Abschied, aber ich freue mich auf die nächsten erlebnisreichen Tage. Richtung Berge geht es, leider haben wir keine gute Sicht, aber viel Grün und Blumen. Raju kauft Bananen, nicht für uns, aber für die ersten Affen, die wir sehen, die am Straßenrand herumtollen.
Wir halten an einem großen Bambushain. Nun klärt sich auch das Geheimnis, warum wir einen Teppich mitgenommen haben: Dieser wird nun ausgebreitet und wir picknicken mit Lovely's wunderbarem Essen! Ein wahrer Genuss. Der Wind erzeugt eigentümliche Geräusche in dem Bambus. Der Bambus ist so groß, wie ein „normaler“ Baum. ist ja auch ein Gras, das am schnellsten wächst. Da darf er schon mal ächzen und knarren. Ich bin beeindruckt und auch satt. Wir fahren durch einen Nationalpark und sehen tatsächlich Elefanten. Besonders Ute, unsere Afrikakennerin, ist ganz aus dem Häuschen.
Jenseits der Berge ändert sich allmählich die Landschaft. Es wirkt ärmer und es ist auch nicht mehr so grün. Auch ist deutlich mehr Verkehr. Wir alle beobachten mit großer Spannung endlich so richtigen indischen Verkehr. Mir macht es Spaß. Um 16 Uhr sind wir an unserem Hotel, nicht weit vom Palast entfernt. Wo früher ein rumpeliges Backpackerhotel war, ist nun ein aufgemotztes, modernes Westhotel, was auch für reiche Inder interessant ist. O je, Michaela findet in ihrem Zimmer eine große Kakerlake vor und tauscht das Zimmer. Unser Zimmer ist richtig modern, aber wenn man ins Bad geht, hat man plötzlich das Gefühl in der Küche zu stehen. Die muss direkt dahinter sein. Wie gut, dass doch nicht alles so perfekt ist.
Raju und der Fahrer übernachten hier nicht; ich frage Raju, und er sagt, dass es zu europäisch ist für ihn. Sie kommen jedenfalls abends zum Essen. Auf einer Terrasse sitzen wir, im Hintergrund spielen ein paar Musiker. Wir empfinden wohl alle, wie das normale touristische Erleben aussieht: Essen ausgewählt aus der Speisekarte – es kommt nicht einfach auf den Tisch. Wir machen gemeinsam einen kleinen Rundgang. In mir überschlagen sich die Erinnerungen. Wir sind in einer richtigen Stadt, das steht fest.
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06.12.0 - Heute ist ein besonderer Tag! Anneli und Heike haben Geburtstag – ein Doppelereignis, das ist schön. In unserem kleinen Luxushotel gibt es einen Roomservice und ich bestelle erfolgreich für Anneli einen Kaffee ans Bett. Raju bringt zum Frühstück zwei Blumengirlanden mit und einen richtigen Geburtstagskuchen. Dieser ist allerdings vor lauter Süße nicht wirklich zu genießen. Unsere Geburtstagskinder freuen sich und wir uns auch. Anneli und Heike mit Blumengirlande geschmückt – so gehen wir alle zum Palace.
Vor 10 Jahren war ein langer Streik, und ich konnte ihn nicht besichtigen. Um so mehr bin ich jetzt begeistert. Mit einem modernen Guide (Kopfhörer) gucken wir ihn uns an. Ich würde gern noch eine Zeitreise gebucht haben. Später in der National Art Gallery können wir auch noch Gemälde aus der Zeit anschauen, und ein paar moderne Bilder gibt es auch.
Heute ist der Tag der Erinnerungen für mich: So gehen wir essen in einem typischen Family Restaurant. Es gibt dort hervorragendes und absolut preiswertes Thali (Reis mit verschiedenen Soßen/Beilagen/Curry). Nur gemütlich essen, wie wir es kennen, das geht nicht. Wenn man gegessen hat, dann muss man gehen. Und so erleben wir es auch: Es wird einfach sofort abgeräumt.
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Raju weiß, dass wir endlich mal shoppen wollen, und so führt er uns in einen Silk-Bazar. 6 Frauen wühlen kaufwütig in Stoffen, Schals, Blusen und den Churidars (Salwar Kameez), den Sarikleidern. Vom oberen Stockwerk kann ich Raju unten auf dem Sofa sehen, und offensichtlich freut er sich über eine Prise Schlaf, die er nachholen kann. Wir oben beraten uns gegenseitig und die Verkäufer breiten immer mehr aus. Ein Wahnsinn. Ich bin nicht so erfolgreich, erstehe aber einen wunderschönen Schal. Glücklich erschöpfte Gesichter, so würde ich unseren Zustand beschreiben.
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Der berühmte Markt ist nicht weit, und in Kleingruppen genießen wir die unterschiedlichen Marktregionen: Blütengirlanden, Obst und Gemüse, Bananen, Düfte, Farben, Haushaltswaren, einfach alles. Eine Foto- und Augenweide. Ich schwelge in Erinnerungen.
Plötzlich begegnen uns auf der Straße lärmende, aggressive Frauen. Es sind Hijras. Das sind Transvestiten, Bernd, das erklärst du bitte besser! (Anm.: Gern, Annette: s. Artikel "Wie pinkelst Du?", INN 364 v. 08.09.06)
Abends machen wir uns alle schön. Ich habe Bindis gekauft (Stirnschmuck für Frauen) und fröhlich essen wir mit den Geburtstagskindern im Roofgarden-Restaurant Shilpashri. Die sind sich sicher, dass sie noch nie einen so besonderen Geburtstag gefeiert haben, und einen, den sie nie vergessen werden. Und ich bin immer wieder angerührt, dass ich dort bin, wo ich vor 10 Jahren zum ersten Mal mit Indien in Berührung kam. Roswitha bestellt zur Feier des Tages einen Wein, der aber eher Essig ist.
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Im Hotelzimmer zeigt unsere absolut moderne große digitale Wanduhr an, dass der 06.12. sich dem Ende neigt und die Temperatur 28 Grad wie immer beträgt. Obwohl es abends und morgens tatsächlich etwas frisch ist. Deshalb gibt es für die Inder auch Mützen und dicke Jacken zu kaufen.
07.12.08 - Wir versuchen um 7 Uhr Frühstück zu bekommen, was aber nicht so einfach ist. Der erste freundliche Kellner kommt, nachdem er die Bestellung aufgenommen hat, noch einmal zurück, liest alles vor. Dann kommt nacheinander das Frühstück an, aber irgendetwas fehlte doch?! So dauert das Frühstück eben doch eine Stunde. Ich beobachte im Park gegenüber ein paar Inder bei frühsportlichen Körperübungen. Auch kommt das Straßenleben langsam in Gang, und das gefällt mir immer zu beobachten.
Wir fahren zum Chamundi Hill. Tanzende, verkleidete Kinder betteln um unsere Aufmerksamkeit und auch um unser Geld. Wir besuchen eine große Tempelanlage - viele Menschen, viele Shops, und ich tauche endlich in richtige „Hinduatmosphäre“ ein. Ich liebe den frisch gepressten Zuckerrohrsaft, den es an den Ständen gibt.
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Wir haben viel vor: eine längere Autofahrt nach Somnathpur. Eine Fahrt durch viele kleine Dörfer und grüne Reisfelder. Auf dem Weg dorthin geraten wir in eine kleine einfache indische Hochzeit. Wir steigen aus und werden sofort als willkommene und quasi Ehrengäste behandelt. Ein scheuer Bräutigam, mit einer goldenen Kappe geschmückt, ein Regenschirm mit einem bunten Tuch geschmückt, meine Güte, ich finde es anrührend. In der Halle, dem Gemeindehaus?, umfangen uns wilde Trommelklänge, Fröhlichkeit. Wir dürfen ganz nach vorn auf die Bühne, wo wir einem Ritual zuschauen dürfen. Und eigentlich sollen wir auch noch unbedingt zum Essen bleiben… Eine schöne Reiseeinlage!
Der Hoysala-Tempel von Somnathpur fasziniert mich wieder durch die vielfältigen Bildhauerarbeiten. Der Führer möchte uns unbedingt die Funktion der drei Gottheiten Brahma, Vishnu, Shiva und deren verschiedene Inkarnationen erklären. Ich finde das löblich, aber auch immer wieder kompliziert.
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In dem Shop davor entdecke ich ganz besondere Figuren. Tribal Art, sagt der Shopbesitzer, und ich habe den Eindruck, dass er sich über meine Begeisterung freut. Jedenfalls entsteht ein großes Kaufen meiner Mitreisenden, und ganz zum Schluss erstehe ich mit viel Discount, weil ich habe ihm ja die Kunden gebracht, einen Kopf. (Bernd, kennst du diese Kunst?)
An einer Bahnschranke müssen wir anhalten. Ich beobachte amüsiert das Spektakel. Auf beiden Seiten verteilt sich der Verkehr über die gesamte Straßenbreite. Es ist für uns auch Gelegenheit, ein paar exotische Früchte zu kaufen, die wie Kartoffeln aussehen. Auf beiden Straßenseiten ist der Verkehr in Warteposition. Ich frage mich, wie das denn ausgehen soll. Fußgängern ist die Schranke sowieso bedeutungslos. Aber als die Schranke hochgeht, fahren alle los, und es passiert überhaupt nichts. Wie von Wunderhand löst sich friedlich alles auf!
Am Kaverifluss machen wir wie in einem deutschen Gartenlokal, eine verspätete Mittagspause. Nur das Ambiente ist unperfekt, etwas indisch eben. Gegenüber sitzt eine Gruppe Inder, bei denen die Whiskeyflasche kreist.
Wir besuchen in Srirangapatnam den Tempel und - Raju will uns heute alles erleben lassen - noch das Grab von Tippu Sultan ….
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Und dann reicht es uns allen auch, denn wir müssen uns fast beeilen um uns die Illumination des Palastes anzuschauen. Das Highlight der Woche von Mysore. Es ist wirklich ein richtiges Event. Picknickende und sich freuende und staunende Inder - ich weiß nicht, wie viele Hunderte Glühlampen das ihrige tun. Menschenmengen sind unterwegs und wir auch.
Ich hatte im Reiseführer etwas von einem authentischen Lokal gelesen. Ute und Roswitha schließen sich mir an. In dem Gewühle wollen wir eine Rikscha nehmen. Also Verhandlungen, aber letztlich haben wir doch zu viel bezahlt, weil das Lokal viel näher als gedacht war. Ich weiß sowieso nicht, ob wir in dem Richtigen waren, denn dieses war so authentisch, dass es dort nicht einmal abgefülltes Ausländerwasser gab. Wir haben Dosas gegessen, die ich so klasse finde. Diese großen, knackigen Pfannkuchenrollen. Wir saßen etwas ungläubig da und haben uns wie kleine Abenteurer gefühlt.
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Noch einen Nachtisch und dann zu Fuß zum Hotel, wo die anderen gesittet gesessen und sich unterhalten haben und einfach eine Kleinigkeit von der Speisekarte gewählt haben.
08.12.08 - Von heute nur in Kürze. Um 7.30 Uhr geht es ohne Frühstück los, was ich ganz grässlich finde. Es ist bedeckt. Wir fahren eine gute Stunde nach Sravana Belagola, und ich nerve die anderen, wann wir endlich da sind und es Frühstück gibt. Dafür gibt es aber dann Dosa zum Frühstück.
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Unendlich viele Stufen steigen wir hoch, aber es ist ja schattig. Bestaunen die gewaltige Statue. In einer Sänfte hoch tragen lässt sich niemand. Ein Shop auf dem Rückweg werde ich in einen Shop gelockt, der wirklich richtig dunkel war und auf geheimnisvollem Weg wurde es nach einigen Minuten hell. Wundersames Indien, kann man so Geschäfte machen denke ich, aber ein kleines hat er mit mir denn auch gehabt.
Auf dem gegenüberliegenden Berg ist eine Tempelanlage, die wir allein besichtigt haben. Ein netter Führer erzählte uns etwas. Der Brahmane in dem Tempel wollte mich nicht segnen, weil ich kein Kleingeld mehr hatte. Unser Führer fragte plötzlich nach Countrycoins, und ich hatte ein paar Eurocents dabei und gab ihm davon. Der Brahmane hat das irgendwie gesehen und kam plötzlich angelaufen - und so kam ich für 2 Cent auch noch zu meinem Segen. Im Laufschritt ist er mit mir zum Tempel, ich musste innerlich laut lachen.
Wieder am Fluss, aber an einem anderen Platz haben wir gegessen. Das Ranganathittu Bird Sanctuary stand auf dem Programm. Mit einem kleinen Boot fahren wir. Es ist nicht die richtige Jahreszeit für Vögel, dafür können wir ein paar Krokodile, unbeweglich auf einem Felsen liegend, bestaunen.
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Für mich der Hit war Brindavangarten. Ein botanischer Garten – in Indien. Alles sehr ordentlich und geregelt. Ich staune, Parkwächter passen auf, dass niemand Müll weg wirft. Über Lautsprecher kommen dauernd irgendwelche Ansagen. Viele Inder laufen freudig erregt auf und ab. Irgendwann hatte ich das Gefühl es sind Tausende. Mit Einbruch der Dunkelheit strömen alle und auch wir zu der Wasserlichtorgel. Zu bekannten Bollywoodmelodien bewegt sich das Wasser und auch die ausgelassenen Inder. Es war verrückt. Ich hatte zwar etwas Angst, dass wir uns hier verlieren im Gewühle, aber wie durch ein Wunder und Rajus Argusaugen fanden wir uns alle wieder zusammen.
Die 3 Kinofreaks unter uns wollen noch einen Kinobesuch wagen, denn es gibt in Mysore schließlich über 30 Kinos. Wir sind eine Stunde zu spät für den Abendeinlass, und im ersten Kino haben sie uns tatsächlich nicht rein gelassen. Ticketcounter geschlossen, hieß es einfach nur. Trotz unserer Beteuerungen, wie sehr wir indische Filme lieben und dies unser letzter Abend ist.
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Wir geben nicht auf, das nächste Kino ist nicht weit und dort kommen wir sogar kostenlos durch die Hintertür hinein. Ein Film der in Mysore spielt. Aus dem Palast wurde ein Thron geklaut. Wir haben uns sehr amüsiert. Es gipfelte in eine Szene, wo jeder jeden mit der Pistole bedroht hat. Offen bleibt für mich die Frage, ob es eine Persiflage war.
Was sagt mein realer Tagebucheintrag?: So viele Bilder und Situationen!
09.12.08 - Um 7 Uhr hoch und dann wieder ein langsames Frühstück, wo wir alles 2 x gesagt haben und 2 x gewartet haben. Aber der Boy lächelt soo nett!
Gegen 11 Uhr wollen wir abreisen. Ich gehe allein. Ich möchte doch noch mein altes Hotel von damals finden. Ich bin ganz glücklich, als ich es entdecke. Auch den Bügler in seiner kleinen Nische gibt es noch, oder vielleicht ist es auch schon die nächste Generation. Ich gehe in die Nebenstraßen vom Markt und finde es hier noch faszinierender, als auf dem Markt selbst. Bananen, Papaya usw. lagern hier in großen Mengen. Kleine Einkäufe, einfaches Gucken und Genießen. Heute sehe ich auch Müllsammler in der Stadt. Eine arme alte Frau berührt mich, die zusammengehockt da sitzt – und die Zeitung liest.
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Raus aus Mysore gibt es plötzlich ein Stück richtig deutsche Autobahn, wie ungewohnt. (Aber ich glaube, man darf sie als Fußgänger überqueren). Wir können beobachten, wie eine Dorfgemeinschaft eine Pilgergruppe mit lautem Hallo und geschmücktem Bus verabschiedet. Wir verlassen die perfekte Straße, die Landschaft ändert sich wieder und plötzlich sind wir in einer tibetischen Enklave. Ein großes Kloster mit Wohnungen für die Mönche drum herum. Im Kloster empfängt uns ein besonderes Geräusch: vier Mönche sind dabei ein großes mehrdimensionales Sandmandala zu erstellen. Faszinierend. Es gibt ein richtiges Dorf und auch ein kleines tibetisches Restaurant, in dem wir essen.
Unser Fahrer verpackt unser Gepäck auf dem Dach, denn es gibt tatsächlich ein paar kleine Regentropfen. Wir haben ihn übrigens Gutmensch getauft, weil er uns so gut und sicher fährt und ein gutes Herz hat.
Wir durchfahren den Nagarhole Park und sehen kaum Tiere. Wir steigen um in einen Bus von der Parkverwaltung. So rumpeln wir nun auf Seitenwegen, es ist die Sitzhölle. Als wir die Hoffnung aufgegeben haben, zeigen sich doch noch drei Elefanten, die aber leider schnell verschwinden. Viele Termitenhügel sehe ich.
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Durch große Kaffeeplantagen geht es Richtung Heimat. Noch eine kleine Stärkung zwischendurch am Straßenrand.
Und dann in der Dunkelheit beginnt eine wahnsinnige Autofahrt über Land und durch die Städte und über die Berge. Einige sind erst etwas beklommen, denn im Dunkeln sehen die Situationen noch einmal anders und für uns auch gefährlich aus. Plötzlich entsteht unter uns etwas im Auto, dass einige die Fahrt wie bei einer Sportreportage kommentieren. Eine ausgelassene Stimmung und wir müssen fürchterlich lachen, und das vertreibt das unwohle Gefühl. Bald hat uns Kerala wieder und auch die kleine ruhige Nebenstraße und um 21 Uhr hat uns die Farm wieder. Diana hat Geburtstag. Wir singen, es gibt noch Kuchen und ein Geschenk haben wir ihr auch mitgebracht. Es gibt tatsächlich noch Byiryani und Nachtisch – puh.
10.12.08 - Das wohlbekannte harte Bett hat mich wieder und auch das wunderbare Frühstück. Reisnudeln mit Kokos-Kardamom-Zuckersoße, so ungefähr. Heute ist frei. Plötzlich hören wir eigenartige Gesänge. Unterhalb des Hauses läuft eine chantende kleine Pilgergruppe vorbei.
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Es ist heiß und schwül heute, und Michaela, Roswitha und ich bekommen Badegelüste. Jaimon und Diana haben heute schulfrei und kommen gerne mit. Lovely bestellt ein Tuctuc für uns und los geht’s. Mit Schwimmring und zwei indischen Kindern, das gefällt mir. Jaimon sitzt vorn beim Fahrer, und ich beobachte, wie die Beiden ein echtes Männergespräch führen. Der Fahrer kennt auch die beiden, und er begleitet uns beim Schwimmen. Wunderbar, endlich wieder im kühlen Wasser zu sein. Erst ist alles ganz ruhig, aber dann kommen sie doch, die neugierigen jungen Inder. Als dann Michaela das erste Foto macht, ist es der Auftakt für eine wilde gegenseitige Fotografiererei. Jeder möchte mal drauf sein. O je, eine etwas ungute Situation, aber das Schwimmen hat gut getan.
Auf dem Rückweg wollen wir beim Taylor reinspringen und unsere genähten Sachen abholen. Das haben wir unterschätzt, es geht nichts schnell in Indien. Meine Hose sitzt noch nicht richtig, aber schnell und kompetent ändert er sie. Roswithas Hose ist etwas zu weit und blitzschnell passt auch die. Michaela hat ihre Sachen beim Frauenschneider nähen lassen - und das ist eine Katastrophe. Roswitha fährt lieber mit den Kindern heim, und wir versuchen, die Situation zu retten und verhandeln. Er hat keine gute Arbeit gemacht.
Tropenwetter
Kerala ist in vielen Dingen anders - das lernen
wir schnell. Auch das Klima unterscheidet sich vom übrigen Südindien. Wenn Du in der idealen Reisezeit Nov-Mrz beim
Anflug aus dem Flugzeug schaust, zeigt sich Kerala üppig grün - seine
Nachbarn Tamil Nadu und Karnataka nur ein vertrocknetes Braun. Der Grund: Wenn in der Trockenperiode doch mal
Regenwolken vom Arabischen Meer kommen, werden sie zum großen Teil von
Keralas natürlicher Grenze aufgehalten, den Westghats. Vor dieser bis zu
2000 m hohen Bergkette erleichtern sich die Wolken, und für das benachbarte
Dekkan-Hochland bleibt kein Regen übrig. So kommen in Kerala auf 3 Reisewochen auch im Winter ein paar Tropengewitter. Warme Güsse, die man bei 30°C locker genießen kann - sie haben nichts gemein mit dem deprimierenden, nasskalten Novemberniesel, vor dem wir aus Deutschland geflohen sind. |
Zum ersten Mal spüre ich Stress und Ärger, aber die freundlichen Inder auf der Straße erinnern mich daran, dass ich in Indien bin. Es fällt mir ein wenig schwer, mein Lächeln wieder zu finden. Aber ein Tee und ein Stück Kuchen helfen. Daheim angekommen hat Lovely auch noch Essen für uns! Ich frage Lovely, wann denn ein guter Zeitpunkt ist, um mal zuzugucken, wie sie das Gemüsecurry macht. Ihre Antwort ist, dass sie den ganzen Tag in der Küche ist, und ich einfach nur reinzuschauen brauche. Aber ich verpasse immer den richtigen Zeitpunkt, aber einige Einblicke in die Kunst des Kochens bekomme ich im Laufe der Zeit doch. Und in der Küche, das stimmt, ist wirklich fast immer was im Gange.
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Wie eine große Familie sitzen wir auf der Veranda, spielen mit den Kindern, lesen oder tun nichts. Es fängt richtig doll an zu regnen und es dauert auch an. Fühlt sich aber gut an. Raju hört sich die Geschichte vom Schneider an. Ein langer Powercut bringt uns abends in die Stimmung, dass wir anfangen Geschichten zu erzählen. Eine beginnt und die nächste bringt die Geschichte mit ein paar Sätzen weiter. Das bereitet uns richtig viel Spaß miteinander.
11.12.08 - Als erstes kommt heute Morgen der Herrenschneider ins Haus und versucht Michaelas Sachen zu retten! Das Wetter ist wieder angenehmer. Belle de jour = Mrs. Principal verlässt wieder das Haus. Sie strahlt eine Güte und eine Würde gleichzeitig aus, und dann immer wieder ein perfekter Sari in wunderbaren Farben – eine tägliche Augenweide. Zu viert laufen wir durch die „Hintergärten“ und unser Schweiß läuft auch. Frauen gehen mit Kühen spazieren. Einen Lotusteich entdecken wir auch. Mit einem Limejuice erholen wir uns daheim.
Besondere Essensvorbereitungen laufen für die Ankunft von Rajus Bruder. Und dann sitzt plötzlich auf der Veranda ein schwäbelnder und gern erzählender Inder: Johnson.
Wir fahren gemeinsam Nachmittags zu einem anderen Wasserfall. Wie ein großer Pool. Es ist ein entspanntes und schönes Baden. Raju ist wieder in seinem Element und springt mit Roswitha über die Felsen und zeigt ihr die versteckten Naturschönheiten. Wir können bunte Vögel beobachten. Wie aus dem Nichts springt eine Gruppe von Schulkindern wahnsinnig schnell über die Felsen. Es scheint ihr Heimweg zu sein. Sie stoppen und kommen mit ihrem Schulbuch zurück und bitten jede von uns ihren Namen dort einzutragen. Diese Geste und ihre frische Art berühren mich und uns.
Daheim ist volles Haus und Besuch. Johnson erzählt und wir befragen ihn. Der unvermeidliche Powercut und spätes Essen mit Puri, meinem Lieblingsbrot.
Dann entsteht eine Diskussion über unsere Trekkingtour. Wir wollen von Raju wissen, wie die Bedingungen sind. Drei wollen es wagen. Raju erzählt, dass es aber auch gefährlich sein könne, Tiger, Elefanten, Regen, Blutegel… Tja, eine unglückliche Situation entstand aus meiner Sicht. Sollte es wirklich so gefährlich sein? Zu gefährlich? In dieser Form ist die Tour jedenfalls gestrichen.
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12.12.08 - Heute ist endlich die Hausboottour geplant. Wir wollen auch übernachten. Nach 1,5 Stunden Autofahrt sind wir da. Zur Begrüßung einen Pineapplejuice. Na ja, es ist ein „fast schönes“ Boot. Ich hatte es mir romantischer und hübscher vorgestellt. Wir tuckern los und schnell sind wir begeistert von der Umgebung, Palmen, springende Fische, viele Vögel, Seeadler und Eisvögel und Menschen und Kinder an Land. Fischer in ihren Booten und Leute die verbotener Weise Schlamm aus dem Fluss holen. Die kleine Küche zaubert für uns ein Essen, natürlich mit frischem Fisch. Ich sitze auch mal oben auf dem Boot. Es gibt zwei Zimmer, und wir entdecken, dass nur in einem das Wasser funktioniert. Also doch eine gewisse Romantik die Toilettenspülung mit Flusswasser zu organisieren, denn wer weiß, wie groß die Wasserkanister sind?
Wir steigen um in ein Badeboot, das uns ans Meer bringt. Aufgrund von Motorschwierigkeiten knallen wir etwas gegen einen Brückenpfeiler. Unbeschadet kommen wir aber zu einer Stelle mit endlosem Sandstrand, Palmen und dem warmen Meer! Inderinnen, die an der Küste mit Anpflanzungen beschäftigt sind, lachen sich tot über uns.
Jede Menge Greifvögel in der Luft. Zurück auf dem Boot versuchen wir uns mit möglichst wenig Wasser abzuwaschen. Kurz vor der Dämmerung ankern wir und schön geht die Sonne unter und ein gelber Vollmond erscheint. Die dreiköpfige Crew zieht sich zurück. Wir genießen und versuchen ein paar Lieder zu singen. Wenn nur der Generator nicht wäre. Wird der etwa die ganze Nacht laufen? Wir haben ja Taschenlampen. Mutig wecke ich die Crew und bitte sie, den Generator abzuschalten. Erstaunte Blicke - und dann ist Ruhe und der Mond scheint und Anneli und ich schlafen oben auf dem Schiff unter dem Dach, und alles ist gut.
13.12. Sa - Ich werde wach und sehe die Sonne aufgehen! Ich bin müde und für die meisten war die Nacht nicht sehr erholsam. Die Bootscrew rumort schon, und früh frühstücken wir. Bis zum Anleger ist es nicht weit. Dann üben wir uns im Warten, denn wir sind zu früh und Raju verspätet sich. Vor dem Kerala-Discovery-Bootstour Werbeschild stehen wir. Aber es gibt auch hier etwas zu erleben: die Wartenden an der Bushaltestelle und was an dem Stand des kleinen Fischverkäufers passiert. Roswitha und ich gehen die Stufen am Hang hoch und schon erleben wir wieder Inder, die uns freudig und neugierig begrüßen.
Wir fahren nach Kappad an den Strand. Ein Hotel gibt es hier und ein paar kleine Buden am Strand. Einige müssen ihre Kaffeegelüste befriedigen, aber alle brauchen wir eine schöne funktionierende Toilette. Und was für ein schöner Strand! Viele Krabben und Muscheln. Der nächste Hotelneubau ist aber nicht weit.
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In Calicut verlässt uns Raju und wir haben 4 Stunden Zeit für uns. Auf dem Fruchtmarkt geht es wild und vielfältig zu, mit dem Verkehr auch. Ich schwitze und habe immer noch ein wenig Meergefühl von gestern auf dem Körper. Von einem Restaurant im 1.Stock schauen wir aus einer guten Entfernung auf das Gewühle. Wie gut und preiswert das Essen ist, ist immer wieder überraschend. Zum shoppen teilen wir uns, und ich erstehe tatsächlich einen Saristoff, eine Aufgabe für den Schneider mir eine Churidar zu nähen. Stadt ist anstrengend.
Wir fahren zum Hafen nach Beypore, nahe Calicut. Uns allen bleibt der Mund offen stehen. Eine geschäftige, eilige Atmosphäre, Fischkutter, Körbe voller Fische, Träger eilen unter schwerer Last mit Behältern aus denen die Fischflossen nach oben ragen, mir erscheint es wie ein heilloses Durcheinander. Ein Teil unserer Gruppe beobachtet dies und die anderen haben ihre Kamera und ihre Aufmerksamkeit nach oben in den Himmel gerichtet. Dort fliegen Milane, Seeadler und andere Greifs wie bei uns Möwen und Ute sagt: das glaubt mir zu Hause keiner!
An der Strandpromenade dann findet samstägliches Bummeln am Strand und an der langen Mole statt, auch ein Schauspiel. Für eine Fährfahrt reicht die Zeit nicht. Auf der Rückfahrt kommen wir von einem Verkehrsstau in den anderen und von einer Tempelprozession in die andere. Genauer gesagt erleben wir drei mit geschmückten Elefanten, Trommeln, Singen, Feuer, viele Menschen, ein Wahnsinn. Für heute reicht es, ich möchte nur noch duschen, als wir gegen 20 Uhr zu Hause sind. Später spielen wir noch Mensch-ärgere-dich-nicht mit den Kindern, der Vollmond scheint, das Abendkonzert umfängt uns, und wir sind wieder im Paradies.
14.12.08 - Heute ist ein freier Tag, und ich mache mir klar, dass es der 3. Advent ist. Langsam gehen wir in den Tag. Heike und Roswitha machen vor dem Frühstück QiGong. Es gibt die von uns geliebten Pineapple Pancake. Die Veranda wird plötzlich zur Werkstatt. Raju schneidet Schwimmwesten zu. Er kann so viel Geld sparen und außerdem gäbe es eine größere Anzahl gar nicht zu kaufen, so erklärt er uns. Mir gefällt, wie unkompliziert alles abläuft.
Die Mutter von Muli, der Küchenhilfe, ist gestorben, und so werden wir heute etwas mithelfen. Es ist eine sonntägliche Ruhe. Ich vermisse die Schüler, die tägliche Schülerwanderung. Ich gehe an die Hauptstraße und auch die ist leer. Aber, plötzlich ein Fahrrad mit eigenartigen runden Behältern: ein Kükentransport fährt vorbei! Ich liebe diese eigenwilligen Transportarten und –formen. Mit einer Teilgruppe gehe ich um 15 Uhr zur Kirche. Unterwegs hält plötzlich ein Auto an. Ein junger etwas deutschsprechender Inder sitzt drin. Er arbeitet bei einer Bank und kennt die Farm. Er hat uns Touristen gesehen und lässt uns Grüße ausrichten. So klein ist die Welt.
Tourismussünde
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Die Kirche ist gut besucht. Man sitzt nach Geschlechtern getrennt, die meisten auf dem Fußboden, nur die alten (und Touristen) sitzen auf Stühlen. Anschließend trinken wir in der Bakery einen Kaffee. Und schon wieder wird es einfach Abend.
15.12.08 - Es gibt wieder Reisnudeln mit der leckern Kokossoße. Wir fahren zu den Tusharagiri Wasserfällen. Es ist ein Naturschutzgebiet mit 3 großen Wasserfällen. Ein Führer geht mit uns über Stock und Stein. Ein faszinierender schweißtreibender kleiner Dschungel. Wunderbare alte Bäume, Lianen, die sich wundersam ranken und eigenartige Formationen bilden.
Wir finden knallrote kleine Federn, aber der Vogel dazu zeigt sich nicht. Für uns ist es streckenweise mühsam zu gehen, aber unser Guide mit seinen Latschen geht irgendwie locker spazieren. Wir lunchen auf einem Felsen (Lovely hat Nudeln gemacht), der Wasserfall rauscht und sieht einfach gut aus, meine Füße sind kühl im Wasser, so ist es gut.
Im Hintergrund rotten sich doch tatsächlich Wolken zusammen, und auf halbem Weg zurück fängt es an zu regnen. Wir warten etwas ab. Nun sind die Felsen superglitschig. Zusammengekauert rutsche ich lang, Ute sogar auf dem Hosenboden. Wir schaffen es alle und der Weg wird besser. War da nicht was, wenn es regnet? Blutegel?!
Der Guide verabschiedet sich von uns per Handschlag, und schon ruft die erste erschrocken, dass ihre Socken blutig sind. Mein Gedanke, ich sei wohl davon gekommen, ist grad zu Ende gedacht, als ich höre, dass meine Hose an der Wade ganz blutig ist. Da hängt sogar noch einer, den Raju mit dem Feuerzeug abbrennt. Es blutet zwar, es tut aber nicht weh, und ich hatte es mir schlimmer und ekliger vorgestellt. Meine Blutegelinitiation.
Ich bringe meinen Stoff zu den Schneiderinnen und bespreche, wie es werden soll. Ich habe ein gutes Gefühl dabei.
16.12.08 - Heute ist der letzte freie richtige Tag. Irgendwie ist es nicht mein Tag. Roswitha und ich gehen noch einmal nach Murambathi. Es geht erstaunlich schnell und einfach, was vor ein paar Tagen noch ein kleines Abenteuer war. Wir finden sogar einen kleinen Rundweg. Ein Minischulbus hält, und ein cleverer Junge sagt uns sofort, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aus dem wird sicher mal was.
Ich habe das Gefühl, dass ich einen Schnupfen bekomme. Diana malt in mein Tagebuch ein Gesicht, geht ganz sorgsam mit meinem 4-Farbenkuli um und schreibt ihren Namen auf Malayalam daneben. Trotzdem ist heute nicht mein Tag.
17.12.08 - Heute ist unweigerlich der letzte Tag auf der Farm. Ich gehe ein letztes Mal morgens ins Feld. Plötzlich blühen die Kaffeebäume. Eine junge Frau kommt und grüßt mich nett und fragt, ob ich ihr Haus sehen möchte. Ich zögere kurz, aber dann gehe ich mit ihr. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrer Schwester und erzählt von ihrem Studium. Das original keralitische Frühstück ist wohl einfacher, denn der Mann isst Tapiokawurzel mit klein geschnittenem grünen Chili. Ich probiere etwas davon. Dann möchte sie meine Adresse haben, denn ihr Traum ist, nach Europa zu reisen. Ich fühle mich ganz beglückt über dieses nette Extra-Erlebnis.
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Die Stimmung beim Frühstück ist etwas gedrückt, weil Lovely's Onkel gestorben ist. Johnson zeigt uns einen schönen Fußweg abseits der Straße nach Kodancherry. Hätten wir das nur früher gewusst. Ich hole von den Schneiderinnen mein Sarikleid und freue mich sehr. Auch die Schneiderfrauen freuen sich mit mir und die Freude vervielfacht sich. Ich weiß nun, was ich am Abschiedsabend tragen werde! Michaelas Sachen sind auch repariert . Im großen Stoffladen entsteht noch einmal ein gemeinsamer Kaufrausch. Auch die typischen papiernen Weihnachtssterne werden noch erstanden.
Nach dem Lunch beginnt das Packen und für viele die Sorge, ob alles in den Koffer passt. Wir alle nehmen natürlich noch Gewürze mit. Ich bin so froh, dass für mich die Reise noch weiter geht, aber das Abschiednehmen beginnt und fällt mir schwer. Ich beobachte die reizende Szene, wie Jaimon und Diana Michaela beim Packen helfen. Aber die Atmosphäre des Aufbruchs ist allüberall spürbar. Raju tut sich schwer die Abschlussrechnung zu erstellen.
Aber auch am allerletzten Abend gibt es noch eine Überraschung: nämlich der Dachgarten, den wir noch gar nicht entdeckt hatten. Es gibt Tandoori Chicken. Unter dem wunderschönen Sternenhimmel, mit Powercut, Tropenkonzert und in großer Gemeinschaft lassen wir es uns gut gehen. Sofern man das so sagen kann, wenn eine Abschiedswehmut oder sogar –schmerz über allem schwingt. Wie sagt mein originaler Tagebucheintrag: Ich kann den Abschied nicht wirklich beschreiben.
18.12.08 - Große Abreise. Um 7 Uhr ist Frühstück. Letzte Gruppenfotos werden gemacht. Wir alle haben viel Gepäck, und es ist irgendwie traurig und auch nicht. Wir machen etliche Pausen, und jedes Mal fragt Anneli, ob wir jetzt nicht wieder zurück zur Farm fahren. Wir besuchen eine Elefantenfarm, wo viele Tempelelefanten auf ihren Einsatz warten. Wir lernen etwas über die Unterschiede der indischen Elefanten. „Eigentlich“ ist es eine ganz schöne Fahrt, wenn wir uns nicht immer weiter von der Farm entfernen würden…
Kochi kündigt sich an durch viel Verkehr. Große Plakate an der Straße wollen wissen lassen, wie wunderbar es ist, in einer Hochhaussiedlung zu wohnen! Und so ist es auch bald zu sehen. Ich kann es nicht glauben. Mir erscheint der Gegensatz sehr krass zur herkömmlichen Lebensweise. In Ernakulam hat uns dann Großstadtleben eingeholt mit allen Facetten. Ein modernes Hotel für uns, ein Boy hält die Tür auf. Aber Buddhaseidank ist nicht alles perfekt, denn in unserem Zimmer lässt sich die Klimaanlage nicht ausschalten. Erfindungsreich verstopfe ich etwas die Lüftung.
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Das Abenteuer wartet vor dem Hotel, denn die Straße ist so stark befahren, dass es der besonderen Technik bedarf, um sie zu überqueren, entschlossen und mutig. Die Promenade dahinter gibt uns wieder Urlaubsgefühle und Dank der unternehmungsfreudigen Gruppenpower nehmen wir eine Fähre und fahren nach Fort Cochin. Das erinnert mich an Hamburg, wenn es dort je einen so heißen Sommerabend geben würde. Wir finden auch ein nettes Lokal, und es fühlt sich wieder heimelig an. Mit der letzten Fähre fahren wir heim und in Ernakulam ist es ruhig.
19.12.08 - Vor dem Frühstück gehe ich durch die rückwärtigen Gassen hinter dem Hotel und bin ganz beruhigt, dass hier buntes Leben herrscht. Glitzernde Weihnachtsgirlanden sind angesagt. Nach dem Hotelfrühstück und kleinen Hindernissen fahren wir wieder mit der Fähre nach Fort Cochin. Auf eine Autofahrt haben wir alle keine Lust.
Für mich beginnt jetzt wieder eine Erinnerungsreise. Wir genießen die Atmosphäre des jüdischen Viertels, all die Reis- und Gewürzhändler, die kleinen Seitengassen und das vielfältige Leben. Und dann erst einmal die vielen professionellen Andenken- und Antiquitätenläden. Eine regelrechte Reizüberflutung. Das sind wir gar nicht gewohnt.
Die Synagoge hat leider geschlossen. Ich freue mich, dass wir viel Zeit zum schlendern haben. Wir treffen uns alle bei einem wohltuenden Pineapplejuice an einem Kiosk wieder. (So etwas ist übrigens gar nicht abgesprochen, es passiert einfach. Nicht wie auf Gruppenreisen um xx Uhr Treffpunkt xx)
Und dann muss ich gestehen, passiert etwas sehr eigentümliches. Direkt nebenan ist ein Souvenirshop und eine typische, aber äußerst kitschige Elefantenkette erregt mein Interesse. Kaum ausgesprochen, sind vier von uns in Verkaufsverhandlungen, und ich erstehe das kitschigste Urlaubsmitbringsel, was ich in meinem Leben gekauft habe. Soll ich es den Entbehrungen auf der Farm zuschreiben?
Es ist so heiß, aber tapfer laufen wir zurück, schauen die typischen chinesischen Fischernetze an, gehen noch in die Kirche, aber die Stoffwedel, die früher mal Luft gefächelt haben, sind außer Betrieb. Äußerst touristisch erfrischen wir uns in Kashis Art-Cafe.
Um 16.30 Uhr ist Abschied von unserer Gruppe. Schön-traurig ist es. Die werden heute Abend eine Kathakali-Tanzaufführung sehen, während wir unterwegs Richtung Süden und Meer sind. Unser Fahrer muss erst einmal etwas ordentliches essen, denn in dem Cafe, das war nichts für ihn. Viele kleine Etappen – viele erleuchtete Hindutempel, etliche Chais und Johnson redet ununterbrochen mit dem Fahrer. Es ist sein Job, ihn wach zu halten. Nach 6 Stunden kommen wir bei Ayurbay und Lalitha an. Ich sehe im Dunkeln die Anlage und bin nicht sicher, ob es mir hier gefallen wird. Es sieht für mich wieder zu prächtig aus, aber vielleicht ist ja auch hier nicht alles perfekt.
Noch ein Abschied von Johnson und Gutmensch, denn die müssen noch zurück fahren und die anderen morgens zum Flughafen bringen. Unglaublich, denn wir legen uns todmüde ins Bett.
Annette aus Hamburg, die Dritte - einen so ausführlichen Bericht über die KD-Südindienreise hatten wir lange nicht. Annette macht sich schon Sorgen, dass sie uns damit überfordert. Da kenne ich aber etliche, die hier widersprechen - nicht zuletzt ich! Annettes Bericht ist nämlich in vieler Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen hat der Arbeitgeber Annette mit 33 Urlaubstagen gebenedeit - zum anderen gestattet sie uns einen Blick in ihr intimes Reisetagebuch.
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Das Ergebnis ist ein Indienbild voller kleiner Erlebnisse und Gefühle, das hinsichtlich Farbintensität und Überlänge durchaus mit Bollywoodfilmen vergleichbar ist. Aber sonst hat Annettes Tagebuch wenig mit Mumbais Traumfabrik gemein - ihr Reisetraum ist Realität. Heute erleben wir mit ihr acht Tage, die Annette mit ihrer Reisefreundin Anneli bei Dr. Lalitha südlich des Kovalam Beach verbrachte - über 500 Kilometer von unserer Tropenfarm in Nord-Kerala und über 9000 km vom restlichen Reiseteam entfernt, das bereits nach der 3. Reisewoche nach Hause fliegen musste. Der Aufenthalt in einem Strandresort am Arabischen Meer hat eine neue Dimension nach 3 Wochen Farmferien im Hinterland.
20.12.08 Sa - Etwas verstört
gucke ich mich um, als ich wach werde. Wo bin ich? Ich höre das Meer
rauschen. Meine erste Tat: ich gehe baden. So etwa 2 Menschen sind am Strand,
außer den Fischern, die mit ihren winzigen Booten vor den Felsen nach
Muscheln und Tintenfischen Ausschau halten.
Die Bucht gefällt mir, ein
wenig größer wäre schön zum Laufen, aber sie strahlt etwas Heimeliges aus.
Ein Fischermensch bekommt Signale von seinen Kollegen aus dem Wasser. Mit
einem Speer schwimmt er rasch hinaus und kommt strahlend mit einem Octopus
zurück. Er fragt mich, ob ich gern so etwas esse. Etwas von seinem Glück
springt auf mich über.
Wir sind keine normalen
Gäste, sondern in der Ayurvedagruppe eingeteilt und dadurch in einer kleinen
Gemeinschaft. Wie schön! Mitten in den Palmen oberhalb des Meeres ist der Ort
für die Mahlzeiten. Es gibt einen leckeren Fruchtsalat, und ich bekomme mein
geliebtes Keralafrühstück.
Ein Mann, der heute
abreist, erzählt, dass er es zwei Wochen lang bestellt hätte, aber immer
Toast bekommen hätte! Es ist eben alles nicht perfekt, und das erfreut mich.
Jetzt jedenfalls. Ich beobachte etwas schläfrig und noch fremdelnd, wie es
hier ist: Der Ort, das Personal, meine Mitmenschen, das Strandleben und
Lalitha, die resolut und liebevoll über allem wacht. Eine energievolle,
herzliche Person, das merke ich. Wir reden über Ayurvedatypen. Der Tailor
winkt auch schon vorsichtig zu uns neuen Gästen herüber.
Zum Essen, übrigens sehr
lecker, finden wir uns an den Tischen zusammen. Nachmittags wagen wir uns über
die Felsen und landen in einem neuen wunderbaren Shop eines Tibeters. Eine
kleinere Bucht hier, Hotel, beschauliches Leben. Der Schweiß läuft und das
Meer ruft mich drei Mal an diesem Tag. Ich erlebe einen ruhigen Tag rund um
Lalitha. Ich komme an.
Eine quicklebendige
Holländerin, die für eine Nacht bleibt, erzählt abends vom Filmfest in
Trivandrum.
21.12.08 So, 4. Advent -
Mein frühmorgendliches Bad und der nett lächelnde Fischer bringen mich in den
Tag. Anneli und ich machen Pläne, was tun und was nicht tun. Wir haben einen
Termin mit Lalitha, ob wir kuren wollen. Ich kann mich nicht total auf eine
Kur einstellen, sondern möchte nur Massagen nach eigenem Ermessen haben.
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Der Blick durch die Palmen
aufs Meer ist einfach gut. Ab und zu geht ein Holztransport vorbei = eine
Inderin trägt auf dem Kopf eine schwere Menge Feuerholz. Ich gucke mir die
Stoffe bei dem Schneider an, und nachmittags ist meine erste Massage
inklusive Stirnguss. Von letzterem war ich nicht so angetan. Es ist
fantastisch: Ich liege nackt auf einer Massagebank, ein sanfter Wind fächelt,
das Meer rauscht, es ist angenehm warm, so dass wirklich kein Frösteln
aufkommen kann, und meine Masseuse bearbeitet mich liebevoll, wenn auch nicht
immer sanft. Aber sie guckt genau und fragt beim leichtesten Unbehagen
„pain?“.
Völlig eingeölt hilft sie
mir in den hauseigenen Bademantel, und ich ruhe und fühle meine Zugehörigkeit
zur Ayurvedagruppe. Der Tag geht mit einem fast schönen Sonnenuntergang
vorbei. Von der Kirche vom Dorf kommt Gesang herüber. Stundenlang vom Band –
es ist weit genug weg und nah genug um Indien hörbar zu machen. Es ist nicht
viel passiert, aber es war ein guter Tag. Ich bin froh, hier zu sein.
22.12.08 Mo - Die beiden
Belgierinnen aus unserer Gruppe wollen zu Amma
fahren, eine bekannte spirituelle Lehrerin, die ihren Ashram nicht allzu weit
entfernt hat. So denke ich drüber nach, ob ich mitfahren möchte. Ich habe mal
einen Film über sie gesehen.
Heute wollen wir sehen, wie
es in Kovalam
ist. Wir laufen unseren Berg hoch und nehmen uns eine Rikscha. Ein
touristischer geschäftiger Ort. Was könnte/sollte ich noch alles in diesen
letzten Tagen erstehen?! In der ersten Bucht holen die Fischer ihr langes
Netz ein. Mich fasziniert der Wechselgesang, der das Ganze begleitet und
auch, dass immer Einer frische Energie in diesen langen und anstrengenden
Vorgang bringt.
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Hier liegen nun viele
Touristen am Strand, und mir wird endgültig klar, wie paradiesisch es bei
Lalitha ist. Die Ruhe dort und dass es direkt am Strand liegt, ist einfach
toll.
Shops gibt es unendlich
viele. Natürlich kaufen wir auch etwas ein, erfühlen die bestaunenswerte
Qualität eines echten Pashminaschals. Einkaufen hört sich so einfach an, ist aber
ab einer bestimmten Stufe ein anstrengender und längerer Vorgang, für mich
jedenfalls.
Ich gebe mich noch einer
Massage bei Lalitha hin, einem Bad im Meer, dem Betrachten des
Sonnenuntergangs und den Gesprächen mit den anderen.
23.12.08 Di - Heute bade
ich richtig früh, denn wir wollen nach Kanyakumari,
an die Südspitze Indiens. Ein luxuriös aussehendes Auto steht bereit für uns.
Wie werden wir verwöhnt.
Ein Arbeitselefant an der
Straße, grad richtig für einen kurzen Stopp, für eine Berührung und ein Foto
– kleines Entgelt erwünscht.
Der Padmanabhapuram
Palace mit vielen Holzverzierungen und einer schönen
Anlage liegt auf dem Weg. Wir halten auch an einem großen Hindutempel in Suchindram.
Der Führer zeigt uns die lange Säulenhalle und die klingenden Säulen. Eine
schöne Atmosphäre ist im Tempel, wieder auch mit vielen Pilgern. Als
hungriger Mensch esse ich noch frittierte Bananen und trinke einen Tee.
Nach langer Fahrt kommen
wir in Kanyakumari an. Es hört sich sicher eigenartig an, aber der Fahrer
macht uns etwas fertig, weil er so vorsichtig fährt. Er überholt nicht
„indisch“, er hat nicht dieses Vertrauen oder auch Erfahrung, dass schon
alles gut geht. Er hupt, aber dann passiert nix. Eine völlig neue Übung in
Geduld für mich.
Aber wir kommen an, und am
modernen Boat Jetty steigen wir aus und gucken irritiert auf die akkurat
sitzende Warteschlange. Von neugierigen Blicken und Fragen begleitet kommen
wir schnell voran. Kaum sind wir aus dem Gebäude, ist die Ordnung vorbei.
Wild drängen sich alle auf das Boot, und voll gepackt fährt es los. Es ist
regelrecht stürmisch und die Wellen lassen das Boot auf und nieder steigen,
unterstützt von lauten Juchzern.
Ich male mir nur kurz aus,
was passieren könnte, wenn alle mit ihrem Gewicht mit den Wellen schwingen
würden. Wir tuckern zum Vivekananda Tempelrock, und ich muss gestehen, dass ich ab
jetzt nur noch fasziniert bin von den Menschenmassen, die sich ergießen und
wieder vor dem Ticketcounter anstehen, dann vor dem Gebäude und dann wieder
eine lange Schlange bilden um mit der Fähre zur nächsten Insel mit der Statue
zu fahren. Wir sind Teil des manchmal zerrendem Treibens und auch wieder
wundervollem fremdartigen Trubels.
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An Land essen wir eine
Kleinigkeit und arbeiten uns durch eine Unmenge von Souvenirständen,
Wahrsagern, Pilgern, Touristen vor bis zur Spitze. Hier bekomme ich eine
Ahnung davon, wie viele Menschen an diesem Ort sein könnten.
Wir wollen den
Sonnenuntergang nicht abwarten, sondern fahren heim. Die ca. 90 km dauern
rund 3 Stunden. Ich bin zwischen Geduld und Ungeduld gefangen. In der
Dunkelheit leuchten viele weihnachtliche Sterne, Krippen und auch
Lichterketten. Es war gut, es war der Tag der un-geordneten Menschenmengen.
Bei Lalitha ist richtig was
los. Zwei indische Familien sind gekommen. O Schreck, das kleine Kind läuft
unter stolzen Blicken der Verwandtschaft, mit Schuhen einher, die bei jedem
Schritt ein beabsichtigtes lautes Quietschen erzeugen. So ein kleines Kind
läuft auch abends noch viel. Bleiben die lange?
24.12.08 Mi – Heiligabend -
Ich gehe baden, und Anneli bekommt ihren morgendlichen Kaffee serviert. Beim
Frühstück stellt sich wie jeden Morgen die Frage für mich, kommt der Tee
rechtzeitig oder erst nach dem Frühstück? Aber Lalitha dirigiert ihr Personal.
Sonst ist alles normal, Meer, Palmen, Sonne und eine Morgendliche Massage.
Ich schenke meiner Masseuse den mitgebrachten Lebkuchen. Vielleicht hat sie
Freude dran, ihre Augen strahlen, aber sie strahlt sowieso.
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Heute bekommen wir ein
extra schönes Mittagessen. Der Taylor hat meine Bluse fertig, und ich bin
zufrieden damit. So geht das Strandleben. Plötzlich gibt es Aktivitäten vom
Personal: Eine Krippe wird unter einer Palme gebaut. Mit Sand vom Strand,
trockenen Palmwedeln, Figuren, Glitzerkette und Beleuchtung wird sie
liebevoll gestaltet. Der Klempner kommt, zieht Kabel ab, und dann hängt
zwischen den Palmen eine Lichterkette mit großen Papiersternen. Unglaublich!
Wir wollen heute alle in
Kovalam essen. Um 17 Uhr treffen wir uns. Anne aus Bremen, die mit Lalitha
befreundet ist und sie auch schon lange kennt, möchte einen Sari verschenken.
So gehen wir alle im nächsten Dorf in einen Laden.
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In Kovalam gehen Anneli und
ich auf und ab, auf der Suche nach dem schönsten und angenehmsten Restaurant.
Im Santana gibt es Fisch und Huhn satt. Es ist unweihnachtlich und auch
wieder nicht, denn auf der Rückfahrt an unserer kleinen Kirche ist Trubel und
Leben. Eine festliche Atmosphäre. Die Kinder laufen aufgeregt lachend mit
einem in Zeitungspapier eingewickeltem Geschenk hin und her. Es war
offensichtlich Bescherung. So viel einfaches Glück und Zufriedenheit! Unsere
Krippe daheim strahlt uns hell entgegen.
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25.12.08 Do - Heute fahren
wir zu viert zu Amma. Anneli will nur
gucken und wieder zurück fahren. Um kurz nach 7 Uhr gibt es ein
Minifrühstück, und dann fahren wir mit unserem langsamen Fahrer los.
Eigentlich ist kein Verkehr, aber wir kommen erst kurz vor 10 Uhr in Kollam
an. Ein kurzer Verhandlungsstress mit dem Bootsmenschen.
Das Boot fährt nicht
direkt, sondern macht noch eine Pause. In einer halben Stunde geht es schon
los, und ich muss unbedingt noch frühstücken, ein rasches Dosa-Frühstück. Das
Boot wird voll und mit Touristen unterschiedlichster Art geht es noch einmal
durch die Backwaters. Mittags halten wir an für ein schnelles Thali.
Mehrere Hochhäuser und eine
Brücke kündigen den Ashram an. Ja, der Ashram besteht aus Hochhäusern. Vor 10
Jahren bin ich hier vorbei gefahren und habe mich gewundert und erst
hinterher gehört, was dort ist. Jetzt bin ich hier. Die Größe und das Leben
dort erzeugen in mir etwas Unbehagen. Anneli guckt und fährt zurück. Ich
checke ein und bekomme ein Bett im Viererzimmer, dunkel und einfach, im 10.
Stock. Ich nehme an einer organisierten Führung teil.
Heute ist Darshan,
der Tag an dem Amma stundenlang aus unendlicher Güte und Mitgefühl Menschen
rituell umarmt. Laute Musik ist überall auf dem Gelände zu hören.
Ich gebe mich für 24
Stunden dem Leben hier hin. Inder, Europäer, Familien, Einzelne, Junge, Alte,
Normale, Ausgeflippte, alle sind hier und viele Ehrenamtliche. Ich bin von
Amma umarmt worden, und so kann ich gut gehen.
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(Meine Erfahrungen hier
sind sehr intensiv und ich möchte es an dieser Stelle nicht weiter öffentlich
machen. Wenn jemand Interesse hat und mehr wissen möchte, bin ich gern bereit
davon zu erzählen.)
26.12. Fr - Ich verbringe
nach einer guten Nacht bis zum Nachmittag die Stunden im Ashram. Wir rufen
bei Lalitha an, ob der Fahrer uns heute abholen kann. Ein Local Call, aber
wir probieren es ganz bestimmt vier Mal um Durchzukommen und um eine stabile
Leitung zu haben. Mittags geht der Reis aus, und ich beobachte wie eine
Schlange von Menschen (mich eingeschlossen) mehr oder weniger geduldig
bestimmt 20 Minuten warten.
Unser Fahrer kommt
jedenfalls pünktlich um 15 Uhr. Ich habe mir vorgenommen, ihn einfach fahren
zu lassen und nicht zu gucken. Das klappt auch fast. Große, bunte
Tempelfiguren bestaunen wir unterwegs. Gerade noch rechtzeitig für ein
Meeresbad vor Einbruch der Dunkelheit kommen wir an. Ich stürme zum Strand
und bin wieder im Lalitha-Ashram. Auch das ist gut.
27.12. Sa - Natürlich Baden
als Erstes – Couscous-Frühstück mit Banane. Der Kartenverkäufer am Strand
möchte nun endlich mit mir ins Geschäft kommen. Jeden Tag fragte er mich
geduldig - auch wenn ich nass aus dem Meer komme. Aussuchen, Handeln, er ist
zufrieden, und ich bin gespannt, was nun ist.
Das Internet bei Lalitha
ist nicht funktionsfähig, wir gehen bzw. fahren nach Kovalam. Auf dem Weg zur
Rikscha: Zwei Männer sitzen vor einem Haus und singen.
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Ich versuche in Kovalam die
dritte Bucht zu entdecken. Aber das überzeugt mich alles nicht.
Luxusherbergen. Es scheint keine Teezeit mehr zu sein, was ist das? Bin froh,
einen dunklen Teastall zu finden und Tee und Dosas zu bekommen. In diesem
Tourismus mutet so ein Ort plötzlich ganz eigentümlich an. Treffe Anneli in
der German Bakery – was für ein Kontrast.
In einem Shop klagt der
Händler über schlechte Geschäfte. Ich falle auf einen Stoff herein, den der
Schneider nicht nähen will, weil keine gute Qualität.
Ein alter, dünner,
kräftiger Fischer hat heute bei Lalitha Fisch vorbei gebracht. Ein starkes
Handeln brach aus, mir wurde schon ganz anders. Also gibt es Fisch heute
Abend, wirklich fangfrisch. Zu dritt bekommen wir noch Besuch von schmucken
Polizisten. Sie wollten Neujahresgeld, haben aber auch die Küche inspiziert.
nächster Zeit aber
nachgeholt, und dann bleibt jeweils nur die aktuelle Ausgabe eine Woche lang
frei zugänglich.
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Der
vierte und letzte Teil des schönen Südindien-Berichts von Annette aus
Hamburg. Es stimmt ein wenig wehmütig, dass er schon zu Ende sein soll. Zumal
Annette sagt, sie könne noch viel mehr erzählen. Aber auch eine
33-Tage-Kerala-Discovery geht irgendwann zu Ende. Zum Ausklang erzählt
Annette von den letzten Tagen bei Lalitha am Strand.
28.12.08 So - Das Meer ist
wie immer einladend da und warm. Mein etwas grummelnder Magen bekommt heute
Morgen Porridge. Es ist ruhiger Strandtag. Ich beobachte die sonntäglichen
Inder, die einen Ausflug machen und was sonst am Strand passiert. Wenn der
Strandverkäufer seine Tücher ausbreitet und sie anpreist und die indischen Kinder,
die ausgelassen an der Meereskante toben.
Abends wollen wir zum
Kathakali (trad. Tempeltanz, aber für Touristen) nach Kovalam. Deutsche
Zeitplanung holt uns ein, wir kalkulieren zu knapp. Unterwegs geraten wir in
eine christliche Prozession, spannend und interessant, aber nicht vorgesehen.
Wir müssen einen Umweg nehmen und hetzen über die Strandpromenade zur
Tanzaufführung. Das Schminken und Ankleiden gehört dazu. In dem Hotel möchte
ich meinen Urlaub jedenfalls nicht verbringen.
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In Kovalam ist es völlig
überfüllt mit Menschen und nun erleben wir, dass das Essen über eine Stunde
dauert. Der Kellner ist sehr nett, aber ich fürchterlich hungrig. An „unserer
Ecke“ steht keine Rikscha mehr. Es ist spät geworden. Sind froh, dass ein
Stück weiter wir doch noch eine finden.
29.12.08 Mo - Heute wollen
wir mal die Straße hochgehen bis zur Hauptstraße. Viele Kleinigkeiten zu
bestaunen am Straßenrand. Auf der Anhöhe eine schöne Aussicht über die Palmen
bis zu unserem Kirchen/Moscheedorf. Ein kleiner Markt ist oben. Ein
unglaubliches Gewusel und viele unbekannte Dinge. Lautes Reden, nette
Menschen, Freundlichkeit. Viele kleine Verkaufsstände, nein, Menschen, die
ihr Gut um sich drapiert haben, mehr nicht. Eine lautstarke Diskussion, viele
erregte Frauen. Worum mag es gehen?
Wir kaufen uns ein Gebäck
und trinken einen Tee im „Restaurant“. Neugierig beobachtet uns eine Frau.
Bei einer Korbverkäuferin am Straßenrand erstehe ich einen kleinen Korb für
eine Freundin. Schade, nicht so einen großen, wunderbaren Naturkorb mit heim
nehmen zu können. Bei einem Gemischtwarenhändler kaufe ich Seife. In einem
Sack gibt es dort Teerstücke zu kaufen. Was ist das bloß?
Auf dem Heimweg werden wir
von einer kleinen Gesellschaft heran gewunken. Wir müssen Tee trinken und
eine Banane essen und werden befragt. Es wird uns gesagt, dass wir auf einer
Beerdigungsfeier des Großvaters sind.
Wir gehen gelassen und
entdecken einen Kindergarten. Auch hier sollen wir eintreten und viele
Kinderaugen gucken uns teils verängstigt, teils neugierig an. Sie wollen uns
etwas vorsingen.
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Daheim essen wir einen
kleinen Lunch. Anne erzählt mir, wie das alles mit Lalitha begann.
Pineapplejuice am Nachmittag. Die Wellen sind heute etwas stürmisch und der
Fischermann vom Personal guckt nach uns beim Baden. Erstaunlich finde ich,
dass der Kartenverkäufer mich jetzt wie eine Freundin begrüßt. Das gefällt
mir. „No business“ sagt er mir heute, guckt aber nicht betrübt. Mit dem
Schneider sind Verhandlungen im Gang über neue Projekte. Am Strand begegnet
uns heute ein Mann mit Tochter und feuerverletzten Händen, der uns anbettelt.
Ist ein wenig schwer, aber Lalitha sagt später, er würde Unterstützung
bekommen und Leute würden viele Geschichten erzählen.
Zum Sonnenuntergang setze
ich mich auf die Stufen vom Hotel und der Kartenverkäufer setzt sich vertraut
zu mir. Ziemlich unvermittelt sagt er: I am so happy! - mit einem großen
Strahlen im Gesicht und seinen schiefen Zähnen. Ja, er habe eine Frau und
drei Töchter und ein Haus mit mehreren Zimmern! Meine Güte, welch eine
Lektion in Sachen Glück.
Heute ist es den ersten
Abend etwas kühler. Der Mond ist zu sehen.
30.12.08 Di - Es war auch
eine etwas „kühle“ Nacht. Wir wollen nach Thiruvananthapuram (Trivandrum) mit
dem Bus. An der Hauptstraße steigen wir in einen kleinen Bus, der in
Vizhinjam hält, und dort müssen wir umsteigen. Dann kommt (endlich) die
Herausforderung. Wir stehen eng gedrängt in einem picke-packe-vollem Bus.
Eine schmale, zarte Frau lächelt mich an und sagt, dass sie im Pineapple
Business (in Kovalam am Strand) ist. Aber das sei schlecht in diesem Jahr.
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Nach einer dreiviertel
Stunde sind wir am East Fort, richtig mitten in einer geschäftigen Stadt.
Hier ist gleich alles anders. Schuhreparatur am Straßenrand für wirklich
hoffnungslose Schuhe und Sandalen. Ich sauge die Musik rund um den Tempel und
das Leben in mich auf, denn hinein dürfen wir nicht. Wir laufen die MG-Road,
gucken das Stadtleben, sehen Kaufhäuser, ist aber nicht verlockend. Das
berühmte Indian Coffee House haben wir leider verpasst. Für eine besondere
Schulfeier wird ein Gelände vorbereitet. Wir nehmen einen fast leeren Bus
zurück bis Kovalam.
Heute sind richtig hohe
Wellen, die mich auch einmal richtig umschmeißen. Die Belgierinnen waren beim
Elefantenreiten irgendwo nah bei, aber das wussten wir nicht.
Mit einem Schneiderbesuch
geht der Tag zu Ende.
31.12.08 Mi - Heute in der
Nacht wird Anneli abreisen. Heute Morgen sind mir die Wellen zu hoch zum
Baden. Schade. Wir wollen etwas Richtung Muslimdorf am Strand laufen, aber
wir brechen ab, als sich die ersten Kinder an uns hängen. Wir fühlen uns doch
nicht korrekt genug angezogen.
Lalitha bzw. ihr Sohn Manoj
will eine richtige Sylvesterfeier organisieren. Das Plakat kündigt einen
Grand Gala Evening an. Ich bin noch skeptisch, kann es mir nicht vorstellen.
Aber in der Küche wird geschnippelt, Lautsprecher werden gebracht und langsam
entsteht eine Geschäftigkeit.
Zum Lunch wollen Anneli und
ich ins Thapovan, ein Edelresort, gehen. Als ich das köstliche Essen sehe,
was die anderen serviert bekommen, wird mir schon wehmütig. Auf einer
Terrasse mit perfektem Service und wunderbarem Blick über die Palmen sitzen
wir dort steril herum. Morgens hatte ich am Strand mit einer Frau gesprochen,
die sich dort aufgrund eines Tipps eingebucht hatte und sehr unglücklich war.
Ich wäre es auch gewesen.
Der Tag ist geprägt von
einer Abreiseaufregung und Ruhen. Mittlerweile ist unten aus den Strandliegen
eine Bühne entstanden. Für das Buffet wird professionelles Geschirr gebracht.
Dann kommen zwei Kathakalitänzer, zwei Musiker und zwei Helfer – alles für
uns. Etwas hektische Vorbereitungen der Tänzer, das Schminken und das
Ankleiden. Um 19 Uhr ging es los. Festlich und neugierig sitzen wir da.
Nur die indischen Gäste,
die auch im Hotel sind, die scheint es überhaupt nicht zu interessieren. Wie
ignorant, denke ich. Lalitha nimmt es gelassen. Das Essen ist festlich
bereitet und wir werden vom Personal richtig vornehm bedient. Es gibt u.a.
Muscheln mit Tapioka und wirklich viele andere Köstlichkeiten. Es kommt mir
fast wie im Traum vor. Zwischendurch kommt noch einmal Polizei, kontrolliert
und will Geld haben.
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Dann erscheinen noch sechs
Musiker. Sie spielen wahnsinnig gut, engagiert und mit viel Freude, als ob
sie vor einem großen Publikum spielen würden. Wir paar europäische Touristen,
die wir übrig geblieben sind, geben unsererseits unsere ganze Begeisterung im
Zuhören und manchmal auch Mittanzen. Um Mitternacht veranstaltet das Hotel
nebenan ein großes Feuerwerk. Wir stehen am Strand mit Herbal Water und dem
sog. Popeye Juice (Bier) für Anneli. Ein wahrhaft unvergesslicher Abend. Um 1
Uhr fährt Anneli.
01.01.09 Do - Alles wird
langsam wach. Der Kellner, der Anneli immer den Kaffee gebracht hat, guckt
ganz traurig. Die beiden hatten immer Spaß miteinander.
Das Meer ist wieder ruhig
und badefreundlich, das ist schön. Beim Frühstück funktioniert heute fast gar
nichts, vielleicht sind alle noch etwas betrunken. Ich lasse mich massieren
und werde plötzlich so traurig, dass mir die Tränen herunter laufen, und
meine Masseuse mich ganz erschrocken anschaut und sie mir liebevoll
abtrocknet. Sie ist übrigens auch glücklich, weil sie frisch verheiratet und
schwanger ist, und mein Postkartenmann ist heute happy, weil er gestern viel
getrunken hat.
Mit Alexandra, deren
Freundin auch schon abgereist ist, fahre ich zum Resort Somatheram. Meine
Güte, ist das perfekt. Einen langen, breiten Strand gibt es dort, mit viel
Strandleben und vielen Menschen, die ihren Neujahrsspaziergang machen und
Indern, die sich mit großer Begeisterung nass machen lassen, bekleidet
natürlich.
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Der nette Kellner macht mir
ein verstecktes Angebot für eine Wohnung, wenn wir denn nächstes Jahr wieder
kommen. Er will auch für uns kochen. Wie rührend.
Ich genieße erst einmal
unser Abendessen. Dann fallen plötzlich 10 junge studentische Inder bei uns
ein. Große Aufregung, denn das hatte Lalitha nicht gewusst. Sie hat Sorge,
dass die laut sind und uns stören können. Ich bekomme zum Schlafen ein
anderes Zimmer. Aber ich glaube, es war gar nicht laut.
02.01.09 Fr - Heute ist
schon mein letzter Tag. Letzte Fotos, letztes Baden, schönes Wetter. Ich
starte einen Einkaufsgang. Ich gehe zum anderen Schneider und gebe noch etwas
in Auftrag. Kaufe Seidenschals für meine Freundinnen und gucke, was ich nicht
noch alles kaufen kann. In dem Shop gibt es wunderschöne und kostbare
Wandbehänge aus Kaschmir. Es ist schön und es ist traurig, diese letzten Wege
zu machen und mich in Resonanz mit all den strahlenden Gesichtern zu erleben.
Trinke Tee. Will Cashewnüsse kaufen, was mir aber nicht gelingt. Sie scheinen
zu teuer zu sein für die Bevölkerung hier. Kaufe für die Reise Bananen und
bei den Clementinen sucht der Verkäufer liebevoll mit mir 2 schöne heraus.
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In unserer übrig
gebliebenen 4er Gruppe fahren wir Nachmittags mit der Riksha nach Vizhinjam.
Es ist immer zu sehen und zu hören, aber wir waren noch nie da. Ein armer Ort
mit einem belebten Hafen. Durch enge Gassen laufen wir zur Kirche hoch.
Festlich geschmückt ist sie. Auch im Inneren. Ich erlebe etwas mich sehr
berührendes: ein weiß gekleideter Mann geht nach vorn, kniet und in einer zu
Herzen gehenden Bewegung und Geste breitet er seine Arme aus. Da lag so viel
Intensität drin, dass es mir unvergesslich bleiben wird, und leider ist es
unbeschreiblich.
Viele bettelnde Kinder hier
und eine Dichte. Wir fahren zur Moschee. Aus der Ferne sah sie märchenhaft
aus. Jetzt ist sie einfach Realität und irgendwie ist es hier trostlos. Die
Trennung im Dorf christlich/islamisch ist zu spüren.
Beim Abschiedsgucken am
Strand lerne ich noch die Familie des Postkartenverkäufers kennen. Seine Frau
ist nicht so happy, sie hat Diabetes und sieht auch krank aus. Die ältere
Tochter spricht nett mit mir, und natürlich geht es auch um Geld.
In meinen Rucksack passt
alles rein. Der abendliche Powercut kommt, und ich sitze relaxed auf der Terrasse.
Plötzlich suchen mich die anderen, denn sie sitzen schon bereit zum Essen.
Ich durfte mir etwas wünschen. So gibt es (fast) krosse Dosas und zum Dessert
frische Ananas.
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Der Schneider hat meine
Hose fertig, aber die Bluse, die er nach meiner Lieblingsbluse nacharbeiten
will, da muss er noch wo anders hin und die Knopflöcher machen lassen.
Später! Später ist sie auch noch nicht fertig, aber er will sie zum Hotel
bringen. O je, was habe ich da noch am letzten Tag inszeniert? Die Rechnung
von Lalitha ist auch nicht einfach zu bekommen. Kurz vor dem Schlafen gehen
ist es so weit. Nicht nachvollziehbar ist sie, aber moderat. So kann ich fast
beruhigt noch etwas ruhen.
03.01.09 Sa - Um 1 Uhr
Nachts kommt unser langsamer Fahrer und der Security Service bringt
tatsächlich meine perfekt genähte Bluse. Fühle mich wie Teil eines kleinen
indischen Wunders. Die letzten Meter durch Indien. Viele Kontrollen am
Flughafen. Ich beobachte distanziert eine kleine Studiosusgruppe. Die
Anführerin fragt laut: Wo sind wir denn hier eigentlich? O Gott, ein letztes
Mal bin ich froh, „zu Bernd zu gehören“. Der Flug verspätet sich, aber es
macht nichts.
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Im Flugzeug eine nette
Szene: Einer schlafenden Inderin rutscht der Kopf zur Seite in den
Mittelgang. Der Servicewagen kommt nicht durch. Ein achtsamer Steward, es
muss ein Inder gewesen sein (!), schiebt so langsam und behutsam, dass er sie
tatsächlich nicht wecken muss.
Schnelles Umsteigen in
Dubai. Der Kreis schließt sich, als ich wieder die gehauchten arabischen
Flugansagen höre. Fliege über viel Nichts von Arabien, und dann sind Berge da
und plötzlich auch Schnee. Meine Flugnachbarin von Studiosus erzählt mir
irgendwann etwas vom tollen Service und von den tollen Hotels in Kerala. Wenn
die wüsste?!
Ich komme um 14 Uhr in
Frankfurt an, und über ein Auf und Ab komme ich zum Bahnhof - ich muss ja
noch nach Hamburg. Es gefällt mir fast nicht, dass die Zugfahrt durch das
zauberhaft rauhreifige und sonnige Deutschland mit einem wunderschönen
Sonnenuntergang auch schön ist. (Nur in Indien soll es schön sein) Ich muss
an Johnson denken, der erzählt hat, wie unmöglich es ist, seinen Landsleuten
zu erzählen, wie Winter in Deutschland ist.
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Aber in Hamburg regnet es.
Ich esse zu Hause eine Samosa und ein Stück Grießkuchen habe ich auch noch.
Die Gewürze fühlen sich hier anders an.
04.01.09 So - Höre ich das
Meer rauschen? Krächzen die Krähen? Scheint die Sonne durch die Palmen? Nein,
es ist still. Ich mache mir mein deutsches Müslifrühstück mit einer Banane
und aus Kerala und echtem deutschen Brot. Im Feature im Radio läuft eine
Sendung über Utopien. Ich komme langsam in der hiesigen Realität an.
Barbara aus Bern war im Februar 2008 vier Wochen mit KD in Kerala. Und wie es vielen geht, hat der Alltag sie gleich nach der Rückkehr wieder voll vereinnahmt. Der Universitätsabschluss hatte Vorrang, und die Kerala Discovery Reportage kam mit 6-monatiger Verspätung. Aber sie kam - zusammen mit über 450 Beweisfotos auf CD, aus denen Du heute eine kleine Auswahl bewundern kannst.
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Hallo Bernd, schon ist es ein halbes Jahr her seit der
Kerala-Reise. Ich wollte mich schon lange bei dir melden…. Aber wie es so
ist: Dauernd eine Menge los im Leben. Ich werde dir zuerst etwas über meine
Reiseeindrücke im Rückblick schreiben, dann etwas über das halbe Jahr seit
ich zurück bin und zum Schluss komme ich zum aktuellen Anlass, dir zu
schreiben: ich brauche deine Unterstützung.
Die Reise war insgesamt toll. Unsere Gruppe war äußerst
angenehm. Ein richtig gutes Team. Die drei deutschen Frauen waren alle sehr
nett und unkompliziert. Wir verstanden uns auf Anhieb gut. Raju, Lovely und
die Kinder sind einfach nur unglaublich nett, süß und hilfsbereit. Nach
kurzer Zeit fühlte ich mich, als würde ich Freunde besuchen.
Raju bemühte sich, alle unsere Sonderwünsche zu
erfüllen. Ich erzählte, dass ich auf Elefanten stehe, er machte einen
Arbeitselefanten in der Gegend ausfindig und wir besuchten ihn eines Mittags
bei seinem Bad. Das war ein schönes Erlebnis.
Ein weiterer Wunsch von mir war es, eine Schule zu
besuchen. Auch das hat Raju eingefädelt. Und das war nun wirklich ein
unglaubliches Erlebnis! Die Primary School machte daraus einen Event. Wir
kamen auf die Bühne, die Kinder saßen davor und einige auch auf der Bühne.
Die Kinder stellten Fragen über Deutschland und die Schweiz, wir sollte diese
beantworten. Dazwischen sangen die Kinder Lieder und auch meine deutschen
Kameradinnen glänzten mit zwei Gesangseinlagen. Bei der Ankunft wurden wir
Popstars gefeiert und am Schluss mussten wir Autogramme geben….. Anschließend
wurden wir im Lehrerzimmer begrüßt und konnten und noch mit den Lehrpersonen
austauschen. Es war ein faszinierender Nachmittag und gab uns einen Einblick
in eine öffentliche Schule in Indien. Es ist beeindruckend mit welch
einfachen Mitteln und mit wie wenig Infrastruktur Unterricht durchgeführt
wird.
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Unterwegs in Mysore und später in den Süden nach
Kovalam fühlte ich mich immer bestens aufgehoben, Raju und Sadish ließen uns
nicht aus den Augen, so konnten wir unbeschwert alles bestaunen und gingen
nicht verloren. Besonders geschätzt habe ich auch das gemächliche Tempo der
Reise. Es war immer genügend Zeit die Eindrücke zu sortieren und zur Ruhe zu
kommen.
Auch die letzten Tage bei Lalitha waren schön.
Ausspannen, Massagen, Ausflüge in die Umgebung. Ganz zum Schluss, als meine
drei Reisegefährtinnen schon auf dem Heimweg waren, wollte ich noch etwas
Indien auf eigene Faust erleben und fuhr mit dem öffentlichen Bus nach
Trivandrum, schaute mir die Stadt und den Tempel an und kaufte noch dies und
das ein. Das war ein angenehmes Erlebnis. Alles klappte wunderbar und die
Leute waren sehr freundlich und nicht aufdringlich zu mir. Nach den behüteten
Wochen mit Raju war das schon ein bisschen Abenteuer…
Ich hätte mich gerne etwas mehr bewegt. Ab und zu einen
Spaziergang ins Programm aufnehmen fände ich nicht schlecht. Gerade wenn man
so viel im Bus sitzt (Mysore). Die Rundfahrt in Nagarhole (oder wo es war,
auf der Rückfahrt von Mysore), war für nichts. Man sah kaum aus dem Jeep raus
und es hat nach Abgasen gestunken. Hier wäre ein kurzer Rundgang zu Fuß
tausendmal angenehmer gewesen.
Der Sari-Shop in Mysore war ein Reinfall. Viel zu
teuer, schlecht genäht….