Nainital – Mussoorie – Shimla
mit Ausflügen nach Rishikesh, Haridwar, Corbett Nationalpark

Unsere Indien-Reise 2003

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Letzte Änderung am 12. Oktober 2010

 

"Um so weiter, um so fort"

Namashkaram, liebe Indienfreundinnen & -freunde!


Saftiges Grün ist noch selten zu dieser frühen Jahreszeit. Deshalb haben wir auf unserem Ausflug um Nainital für die schöne Terrassenlandschaft gleich eine Fotopause eingelegt. "Seven Lakes" nennt das Touristenbüro in Nainital diese Tour, denn 7 Bergseen bilden die Eckpunkte. Arrangiert wird der romantische Ausflug vornehmlich für Hochzeitsreisende. Marion und ich sind zwar nicht verheiratet - aber wir haben sie dennoch gebucht. Man kann ja auch im Stillen viel Gutes tun... (Foto: Marion Baumgart)

Um es gleich vorwegzunehmen: Was wir auf dieser Seite vorstellen, solltet Ihr nicht wie wir im Februar machen. Das ist echt zu kalt. Doch schon ab Ende März sind unsere Hillstations ein Riesenerlebnis für alle, die den Temperaturen des Dekkanplateaus von 40-50 Grad ausweichen möchten.

Marion und ich haben uns mit Chandra aus Jodhpur mehrere dieser Orte angesehen, die alle eines gemeinsam haben: Sie liegen idyllisch an den Hängen des Himalaya und hoch genug, um mit milden Temperaturen während der heißen Jahreszeit zu exklusiven Refugien für Kolonialherren und begüterte Inder heranzuwachsen. Alle unserer Hillstations werdet Ihr auf einer Reise aber kaum besuchen können.

Immerhin haben wir den schönsten Aufenthalt dieser Reise als zentrales Highlight unseres neuen Tourvorschlags "Trekking, Tiger & Taj" eingebunden (siehe "Routenpläne")


InderNett-Tour

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Jede der besuchten Hillstations sollte ansonsten für sich stehen – sucht Euch eine aus und kombiniert sie mit den angebotenen Events und Aktivitäten. Uns ging es darum, für die Freunde der Berge Stationen mit sympathischen und interessanten Gastgebern zu finden, die man während des indischen Sommers besuchen kann (März – Juli).

Natürlich sollte im neuen Reiseplan auch das Taj Mahal als krönender Abschluß enthalten sein. Wir haben dafür ein Fahrzeug mit Klimaanlage vorgesehen und die Tour so geplant, daß der Besuch in Agra auch dann ein Erlebnis ist, wenn die Temperaturen mal die 40-Gradmarke übersteigen sollten

Bisher ging für alle Reiseziele die klimatisch günstigste Reisezeit von Oktober bis März. Danach wird es in Kerala, Gujarat, Rajasthan und Orissa ziemlich mollig. Wenn im April die Temperaturen über 40 Grad steigen, flüchtet auch der Inder genau dorthin, wo wir uns umgesehen haben – wenn er es sich denn leisten kann.

Für Bergwanderungen und Trekkingtouren sind – von Ost nach West – Nainital, Mussoorie und Shimla gleichermaßen interessante Ausgangsstationen. Diese Reise sollte uns helfen, die richtige Station auszusuchen und mit einem individuellen Reiseplan zu kombinieren. Wer an einer Berg- oder Trekkingtour interessiert ist - Chandra wird sie für ihn zusammen mit Himalaya- und Trekkingspezialist Vijai Singh organisieren. Vijai, den Ihr als Escort in der Verlängerungswoche der Rajputana Discovery kennt, wird die Tour auch leiten.

Aber auch die kleinen Geschichten, die Leuten passieren oder auffallen, wenn sie zum wiederholten Mal in dieses unberechenbare Indien reisen, will ich Euch auf dieser Seite nicht vorenthalten.

Vorweg mein liebevoller Dank an meine Lebens- und Reisegefährtin Marion, die mich auch diesmal tapfer und indienvernarrt wie eh und je begleitete. Wir haben auf dieser Reise unser 10jähriges Jubiläum gefeiert: Kennen gelernt haben wir uns auf der Kerala Discovery 1993, und seither ist Marion auf jeder meiner Indienreisen obligatorisch an meiner Seite.  Dank auch an Maharaj Chandrashekhar Singh of Rathor aus Jodhpur, unseren zuverlässiger Freund und Partner für den indischen Norden. Chandra war erneut Schlüsselfigur und öffnete Türen neuer Gastgeber. Er hat uns auf der Reise zur Seite gestanden, alles organisiert und uns aufs Neue überrascht, wie weit verzweigt sein Clan in Indien verschwistert und verschwägert ist.

Der Streifzug in die Berge war aber nicht alles. Auf unserer Reise haben wir auch Rajasthan besucht. Zuerst ein paar Tage bei Prinz Harsh in Bikaner und ein Besuch bei Rani Bhavna im Indrashan zu Jodhpur bildete den Abschluß unserer gemeinsamen Reise.

Als Marion übrigens schon wieder in Deutschland im Büro sitzen mußte, bin ich noch für 2 Wochen in den tropischen Süden nach Kerala geflogen. Die Erlebnisse aus dem Süden finden sich natürlich im Kapitel "Kerala". Als "Knetmännchen" habe ich bereits von meiner Kerala-Verlängerung berichtet ("Bernd in Öl"). Auch meine persönliche Regen-Raga ist im Artikel "Graue Giganten" bereits erschienen.

Viel Spaß mit meinem Reisetagebuch!

Endlich wieder in Indien!


Indien und Deutschland unter einem Hut ? Kaum möglich – aber hier hat Chandra Spaß an meinem 70-Dollar-Travellerhut. Chandra aus Jodhpur war natürlich auch in den Hillstations unser Türöffner bei den Fürsten.

Schon bei Abflug in Frankfurt überrascht der Kapitän mit seiner Prognose: "Der Flug Frankfurt-Delhi wird voraussichtlich 6 Stunden und 45 Minuten dauern." – Geplant waren siebeneinhalb Stunden – das war schon schnell. Aber die Wetterlage war günstig, und die Piloten der Lufthansamaschine haben die Voraussage exakt erfüllt. Trotz des 20 Min. verspäteten Abflugs in Frankfurt sind wir eine Viertelstunde eher in Delhi als geplant. Für Marion und mich ein Rekord, denn in den letzten Jahren sind wir immer nach Mumbai geflogen, und neun Stunden für Nonstopflüge sind da normal. Und jetzt weniger als 7 Stunden – das senkt die Thrombosegefahr natürlich erheblich.

Zumindest bemerken wir das auf dem Flug: Thromboseangst ist scheinbar in allen Klassen neueste Mode. Wir hatten die gute Beinfreiheit auf den Plätzen am Notausstieg ergattern können – eine Ecke, die diesmal vermehrt als "Sportplatz" genutzt wird. Ständig kommen Leute, um hier ihre Antithromboseübungen zu absolvieren. Um dem Ganzen noch eins draufzusetzen, gibt es auch noch einen Trickfilm mit Übungsanleitungen. Natürlich will ich das Thromboserisiko nicht verharmlosen – es hat immer schon eines gegeben auf diesen Langstreckenflügen. Aber die Medien scheinen es gerade in letzter Zeit ziemlich aufzubauschen. Vielleicht soll es von den archaischen Ängsten ablenken, die der 11. September wiedererweckt hat?

Die Einreisekontrolle am häßlichen Delhi-Airport zieht sich. Wie immer standen wir wohl in der langsamsten Schlange, und in den 30 Minuten Wartezeit hatten wir wie üblich Gelegenheit, alle weltweit verfügbaren Handyklingeltöne gleichzeitig zu erleben.

Was im letzten Jahr schon galt – aber in Indien konsequent ignoriert wurde, wird heute mit erstaunlicher Disziplin eingehalten: Das Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen. Nicht einer hat nach dem langen Flug eine Zigarette in der hohlen Hand versteckt – sehr ungewöhnlich in einem Land, wo bis vor gar nicht langer Zeit sogar in den Operationssälen geraucht werden konnte.

Namaskaar, Euer
                                   Bernd

 


 Red Fort, Delhi

INHALT

"Um so weiter, um so fort"

Endlich wieder in Indien!

Ein bißchen Delhi

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Nainital

Zur Fotogalerie Nainital

Corbett Tiger Project

Jeepsafari im Morgengrauen

Zur Fotogalerie Corbett-Nationalpark

Dreieinhalb Meter hoch überm Unterholz

Keine "Penner" mehr?

Mussoorie

Schlecht behütet

Bernd als Erbsenzähler?

Shimla

 

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Ein bißchen Delhi

Der erste Ärger überschattet unsere "Back-to-India"-Freude am Wechselschalter. Die Thomas-Cook-Travellerschecks dürfen ausschließlich am Thomas-Cook-Counter getauscht werden. Und dort bietet man uns ohne rot zu werden pro Euro fast 1 Rupie weniger als der Wechselkurs für Bargeld. Und das unter dem Schild "No extra fees – No commission!".

Seit Urzeiten werden für T.C. in Indien 5 bis 15 Paissa mehr bezahlt als für Bargeld (1 Rupie = 100 Paissa). Der Kurs schien uns also eine Frechheit, und wir haben die Schecks wieder eingepackt. Das wollen wir doch erst einmal morgen früh in Delhi bei der Bank überprüfen. Und tatsächlich: Selbst im Hotel Ashok bekam Marion 70 Paissa mehr geboten als bei Thomas Cook!

Aber erst haben wir uns bei den Sonis aufs Ohr gelegt. Chandras Freund Sudarshan Soni hat uns mit seinem winzigen Auto vom Flughafen abgeholt. Einer dieser Kleinwagen, die so aussehen wie das funkferngesteuerte Ding meines kleinen Neffen und in natura nur unwesentlich größer ausfallen. Auch Sudarshan hat eine Fernbedienung dafür. Leider kann er das Vehikel damit von außen nur entriegeln und nicht steuern. So wird es mit ihm, seinem Boy und unserem Gepäck doch ziemlich eng auf der Fahrt vom Indira Gandhi Airport zu seinem Appartementhaus.

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Red Fort, Delhi

Im Hause Soni dann ein rechtes Durcheinander. Ende des Monats steht ein Umzug in ein größeres Haus an, und alles ist schon ziemlich durcheinander. Aber man bemüht sich umsichtig um uns, und das Essen ist auch gut.

Ein bißchen Delhi kann nicht schaden, haben wir uns nach dem späten Frühstück gedacht. Zwischen Ankunft kurz nach Mitternacht und Zugabfahrt am Abend haben ja auch unsere Rajasthangäste ein wenig Zeit für die Hauptstadt.

Wir entscheiden uns für das Red Fort und die Freitagsmoschee. Die komplette Pflicht für Delhibesucher kommt für uns sowieso nicht in Fragen – die Kür ist uns lieber als das Herumgehetze im versmogten Verkehr verstopfter Straßen. Nach der Jumma Masjid sind wir dann auch lieber mit der Fahrradriksha zum Roten Fort gefahren. Vorher gab es aber noch einen hervorragenden Lunch im Karim's nahe der Moschee – saubere und ausgezeichnete Mughlai-Küche, sehr zu empfehlen als Einstieg ins kulinarische Abenteuer Indien.

Das ist etwas, was man in Deutschland den Menschen nicht beibringen kann: Daß das Essen in Indien ein Erlebnis ist, hinter dem manche Sehenswürdigkeit verblaßt. Angelockt von bunten Bildern aus 1001 Nacht kommen sie schließlich doch hierher – und bringen jede Menge Angst vor Chili & Pfeffer mit.

Schaut Euch die Bilder an, die bei unserer Stippvisite in Indiens Hauptstadt entstanden. Schon am Abend entern wir den vorreservierten Schlafwagen des Ranikhet-Express, der uns nach Nordost zum Fuß des Himalaya bringen wird. 

Nainital

Daß sich diese Reise zu einer Frühaufstehertour entwickeln wird, erfahre ich erst später. Erst einmal leide ich, als uns der leidlich bequeme, klimatisierte Expresszug kurz nach 6:00 h in die Kälte des nebligen Bahnsteigs von Kathgodam schubst. Kein Teestand weit und breit! Das fängt gut an! Chandra hingegen ist topfit. Er organisiert innerhalb von Minuten einen vertrauenerweckenden Maruti-Omni und läßt von willigen Kulis (wo kamen die denn plötzlich her) unser Übergepäck in den Kleinbus laden.

Als wir beim ersten Tea Stall anhalten und der glühendheiße Chai meine Lebensgeister wieder auf Trab bringt, sind seit dem Aussteigen aus dem Zug kaum 30 Minuten vergangen. Und eine weitere Dreiviertelstunde später sind wir bereits am Ziel. Die ersten Haarnadelkurven liegen hinter uns – der Maruti hat sie souverän gemeistert – und wir sind in Jeolikot.

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Die weißen Punkte auf dem Bergrücken sind kein Schnee – es sind die ersten Häuser von Nainital. Schon von der Terrasse des Cottage sieht man, daß es eine herrliche Wanderung auf schmalen Ziegenpfaden wäre, Nainital per pedes zu erreichen....

Jeolikot – nicht Nainital. Hier sind wir auf knapp über 2.000 Metern Gast im Cottage der Bhuvan Kumari of Jesso, und Nainital liegt vor uns auf dem Bergrücken – kaum 3-4 km entfernt. Luftlinie, wohlgemerkt. Wer seine Trekkingschuhe nicht parat hat, muß sich wie wir an die Straße halten – dann ist man nach 14 kurvigen Kilometern im Sommerrefugium der Maharajas und Briten: Nainital. Schon von der Terrasse des Cottage sieht man aber, daß es eine herrliche Wanderung auf schmalen Ziegenpfaden wäre, Nainital per pedes zu erreichen. Offen gestanden, so fit fühle ich mich diesmal nicht.

Unser Programm lautet: Ruhen, sich erst einmal an die Höhe gewöhnen. Kleine Spaziergänge ums Cottage, viele Vögel, Affen. Busfahrten nach Nainital, Bummeln auf der Mall und über den Markt der Tibeter. Seilbahnfahrt, um einen Blick auf die Schneegipfel des entfernten Himalaya zu erhaschen. Mietwagenausflüge zu den anderen Bergseen der Umgebung – nur die Paddeltour in den kitschigen Honeymoon-Booten wollen wir uns diesmal schenken. Wer im April herkommt, sollte unbedingt eine 2-Tagestour hinunter in den nahegelegenen Corbett-Nationalpark machen – wir werden diesen Tigerpark auf der Weiterreise nach Mussorie sehen.

Vom Klima her gesehen sind wir natürlich zu früh hier. Nacht unter 10 Grad, tags in der Sonne 18° - angenehm. Doch wenn Wolken kommen, ist es noch recht frisch im Februar. "Ihr müßt mich unbedingt besuchen, wenn hier im Frühling alles grünt und blüht!", fordert Bhuvan, "Dann haben wir es auch wärmer. Jetzt im Februar ist es noch zu kalt, und es gibt gelegentlich sogar noch Stürme." – "Schneestürme?" fragt Marion. "Nein, Schnee haben wir hier unten kaum. Aber vor 3 Tagen fegte ein Hagelsturm über Nainital hinweg und herunter zu uns ins Tal. Das war nicht angenehm!"

Die Spuren des Hagels haben wir auf unseren Ausflügen reichlich gesehen. Links und rechts der Straße türmten sich noch jetzt die Reste. Der Räumdienst muß ganz schön zu tun gehabt haben.


Im Frühling verwandelt sich die Bergwelt um das Cottage der Bhuvan Kumari in Jeolikot in ein Blütenparadies (Foto: Bhuvan Kumari)

Ich sitze allein in der liebevoll eingerichteten Drawing Hall des Cottage und tippe meine Notizen ins Notebook – im Hintergrund lasse ich leise Musik aus meiner MP3-Sammlung laufen. Bhuvan schickt ihre Dienerin Kamla einen Chai anbieten. Da sage ich nie Nein. Später erzählt Bhuvan mir lachend, was Kamla auf ihre Frage gesagt hat, was ich so mache. "Er spielt Piano." hatte die Dienerin beeindruckt erzählt. Für Kamla mag das auch so ausgesehen haben. Immerhin tippte ich auf der Tastatur, und das Laptop machte Musik.

Für begeisterte Wanderer wird es nicht einfach sein, sich der aufopfernden Gastfreundschaft in Bhuvans Cottage zu entziehen und auf Tour zu gehen. Wie besorgt Bhuvan doch ist, daß wir ja nicht frieren! Vor zwei Tagen noch haben wir in thermostatgeregelter Molligkeit unserer Wohnungen in Deutschland keinen Gedanken an den Winter verschwenden müssen – und jetzt sind wir gerührt und dankbar für den elektrischen Heizstrahler im Zimmer, für den knisternden Kanonenofen im Aufenthaltsraum – und abends im Bett finden wir sogar eine Wärmflasche vor! Naja, all das bleibt Euch ja erspart, wenn Ihr einen Monat später herkommt.

Am tollsten aber ist das Essen. Nachdem Bhuvan gleich bei der Ankunft unsere Chilitoleranzgrenzen abgefragt hatte, hatten Marion und ich einstimmig echte indische Küche verlangt. Nicht, daß Meisterkoch James hier irgendwas für europäische Zungen entschärft! Und das Ergebnis ist absolut fünfsternig! Obwohl wir es gar nicht besonders scharf empfanden. "Richtig," sagt Bhuvan, "In Rajasthan kocht man würziger. Aber ich frage die Gäste trotzdem immer vorher. Es gibt immer einige, die gar keine Würze vertragen."

Vielleicht gilt die Regel auch hier: Je wärmer das Land, desto schärfer die Küche. Ich persönlich aber finde es besonders angenehm, daß die Süßspeisen hier nicht so süß sind. Ab und zu esse ich sogar Dessert – angesichts mißbilligender Blicke von Marion, die in Rajasthan und Gujarat immer meinen Nachtisch bekommt.

Jedenfalls hat Chandra nicht übertrieben. Er, der mit Bhuvan abends vor dem glühenden Kanonenofen in der Drawing Hall mühsam die entfernte Verwandtschaft zueinender entflechtet (Bhuvan sei so etwas wie eine entfernte Schwiegermutter...), hatte uns im vergangenen Jahr zu diesem Besuch eingeladen. Er schrieb mir damals:


Gut getarnt im dürren Elefantengras beim Frühstück: Axis-Hirsche im Corbett-Park
(Foto Marion Baumgart)

"The Cottage at Jeolikot and Bhuvan Kumari are awaiting your arrival to pamper and spoil you. This is going to be your stay for at least 4/5 nights and you will not feel happy leaving!!!"

Und das unterschreiben Marion und ich gern! Der Abschied fiel wirklich schwer. Und nach dem Besuch von Mussoorie und Shimla stellt sich dann auch heraus, daß die familiäre Gastlichkeit bei Bhuvan im Cottage Jeolikot bei weitem am besten zur Kerala Discovery Philosophie paßt.

Mehr über das Cottage und die Region Nainital lest Ihr in den Fototexten in der Nainital-Galerie.


Durch die atemberaubend schöne Dschungellandschaft des Corbett-Nationalparks (Foto Marion Baumgart) Dieses und viele andere Bilder findest Du vergrößert in der neuen Fotogalerie
Corbett-Nationalpark

Corbett Tiger Project

Wie versprochen setze ich heute den Bericht von unserer Hillstation-Tour fort. Die Fotos aus meiner Kamera sind diesmal in der Minderheit - die meisten stammen aus Marions Kamera. Um Eure Mailbox nicht zu blähen, sind die Bilder wie üblich sehr klein. Freut Euch also auf die Corbett-Galerie, die ich in den nächsten Tagen online anbiete.

(KD-Reisebericht Februar/März-2003)   Die Fahrt dauert von Nainital aus mit Teepause zwei Stunden – das ist erträglich. Als wir aus den Bergen herunter in die Ebene kommen, werden die Temperaturen endlich indisch. Pullover und Jacke werden für kurze Zeit im Gepäck verstaut.


Kaktusblüte: Auch die kleinen Dinge werden in Marions Objektiv zu einem Naturwunder

Die Verhandlungen an der Grenze des Corbett-Nationalparks sind zäh, denn der Besuch erweist sich als überraschend kostspielig. Schließlich einigen wir uns darauf, innerhalb des Parks in einem der Government Resthouses Quartier zu beziehen. An zwei Tagen je eine Morgen- und Abendsafari gewährt zwar immer noch keine 100%ige Tigergarantie – aber von der übrigen Flora & Fauna werden wir so am meisten zu sehen bekommen. Das ganze Arrangement wird mit Safaris, Eintritts- und Kameragebühren Unterkunft und Vollpension etc. die Reisekasse um fast 100 Euro leichter machen. Später werden wir aber feststellen, daß wir ein vergleichsweise günstiges Angebot angenommen hatten.


Auf dem Weg durch den Corbett-Park müssen wir mit unserem Gypsy-Jeep immer wieder kleinere Flußläufe durchqueren ... (Foto: Marion Baumgart)

Wichtig ist, daß wir Unterkunft direkt im parkzentralen Dhikala Forest Resthouse (30 Zimmer) bekamen. Nur dort starten die Safaris – nur dort gibt es ein Restaurant. Von den anderen Resthouses (Sultan, Geral, Bijrani etc.) ergeben sich längere Anfahrtszeiten zum Startpunkt der Jeep- und Elefantensafaris, und zu essen gibt es dort ebenfalls nichts.

Für die heutige Abendsafari im offenen Gypsy-Jeep ist es nach allen Formalitäten etwas spät. Erst um 17:00 Uhr ist das Gepäck umgeladen und wir auf dem Weg ins Innere des Dschungels. Trotzdem sehen wir links und rechts des Wegs noch Axis-Wild, Barking Deers und Sambar-Hirsche. Mit dem Eintauchen in den Wald ist dann auch die Sonne weg und Pullover & Jacke werden wieder aktuell.

Das Forest Resthouse ist wie die meisten Regierungseinrichtungen in indischen Wildschutzgebieten mehr als spartanisch. Aber Komfortverzicht ist besser als eine komfortable Unterbringung außerhalb des Parks, denn die Anfahrt zu den Safarirouten würde fast 50 km auf üblen Marterstrecken bedeuten. Hier starten die Elefanten- und Jeepsafaris direkt vor dem Resthouse.


... so wie hier der Mahindra der "Konkurrenz",
denn Brücken gibt's keine.

Das Dinner, das die Wildhüter servieren, war allerdings selbst für unsere vorsichtshalber auf Sealevel angesetzte Erwartungshaltung jenseits aller Frustrationstoleranzgrenzen. Zum Glück konnten wir uns für die kommenden Mahlzeiten besser auf die Möglichkeiten der Dschungelköche einschießen. Ein paar Anregungen, und es wurde akzeptabel.

Jeepsafari im Morgengrauen


Da erwacht die Linsengier! Wir Fotofreunde werden fürs Frühaufstehen mit dem prächtigsten Sonnenaufgang belohnt (Foto Marion Baumgart)

Der Boy mit dem Bed-Tea kommt doch glatt 30 Minuten zu früh! Schlimm genug, daß wir für die Frühsafari um 6 Uhr aus den Federn sollten – jetzt rumpelt es schon um 5:30 Uhr an der Tür! Sind wir hier im Urlaub oder auf der Flucht?? Ich stelle die Teekanne vor den Heizstrahler und klebe mich erst noch mal 40 Minuten zwischen die 3 Steppdecken.

Zur Fotogalerie Corbett-Nationalpark


Der Urwald scheint in Flammen zu stehen - Sonnenaufgang im Corbett-Nationalpark (Foto Marion Baumgart)

Dann aber geht's los. Wir haben noch ein paar Minuten zum Frischmachen, sehen den indischen Touristen zu, die über eine eigens dafür gemauerte Treppe auf die vier bereitstehenden Elefantendamen klettern (steht uns auch noch bevor), und dann geht es auch schon mit dem Gypsy in die Wildnis.

Barking Deer, Hog Deer, Spotted Deer und Sambar treten nach Größe geordnet auf den Plan. Seltene Vogelarten bringen Farbe ins Bild, und ein paarmal gurgelt der Allrad durch eine der vielen Furten, damit das Offroad-Erlebnis abgerundet wird.


Die weiß nicht, was sie versäumt. Während wir noch das Farbenspiel der Sonne bestaunen, pennt die gestreßte Affenmutti noch in ihrer Astgabel

Der vorläufige Höhepunkt, eine frische Tigerspur im Schlamm, wird recht schnell von einer Herde wilder Elefanten überboten. Ein Bulle, etliche Kühe und vor allem zwei ganz junge Elefantenbabies querten dicht hinter unserem Jeep den Pfad. Zwei der Elefantenmamis fanden unsere Anwesenheit erwartungsgemäß völlig überflüssig. Sie scheuchten die 1-2 Monate alten Babies ins Gesträuch. Mit Trompeten und aufgestellten Ohren schwenkten sie dann in unsere Richtung auf den Weg ein. Wir kennen das aus dem Süden Indiens und bemühen uns vorsichtshalber um festen Halt auf der offenen Jeepplattform. Beruhigt höre ich, daß der Fahrer das Herannahen der beiden Kolosse mit erhöhter Drehzahl quittiert, um bei einem der blitzschnellen Elefantenausfälle sogleich die Kupplung springen lassen zu können. Den Motor hier noch einmal abzuwürgen, wie das zuvor beim Rangieren auf unwegsamer Strecke schon zweimal passiert war, wäre hier wohl absolut ungesund...


Frische Tigerspuren im Schlamm... (Foto Marion Baumgart)

Aber es reichte den Elefantenmuttis, daß wir den Abstand auf 20 Meter vergrößern – eine ausgezeichnete Fotodistanz. Die neugierigen Kleinen kommen ebenfalls wieder aus dem Gesträuch, und nur der Bulle bleibt mißtrauisch im Hintergrund und vergrößert den Flurschaden.

Unter dem Eindruck dieses Erlebnisses nehmen wir das reichlich zu sehende Wild auf der restlichen Tour kaum noch wahr. Für Axis, Sambar und Barking Deer gilt "Haben wir schon!" und die Kamera bleibt im Futteral. Wie verwöhnt sind wir eigentlich, denke ich, daß die Show jetzt nur noch durch den Tiger persönlich getoppt werden kann? Aber des bleibt beim Tatzenabdruck als Aperitif – für den Hauptgang müssen wir wohl einen neuen Anlauf machen.

Dreieinhalb Meter hoch überm Unterholz

Anlauf ist vielleicht übertrieben. Gemächlich schaukeln wir nämlich am Abend auf dem gepolsterten Elefantenrücken aus dem Camp. So berechtigt hohen Respekt ich vor Indiens wilden Elefanten habe, so groß ist mein Vertrauen in die Arbeits- und Reitelefanten. Vor Pferden habe ich weit größere Scheu, das muß ich gestehen.


Ein Sonnenfleck im ansonsten dichten Blattwerk fiel genau auf den Zweimeter-Termitenturm - es war als ob er glühte.

Wer im Corbett eine Elefantensafari machen möchte, bekommt keine Garantie, daß zum gewünschten Termin auch wirklich ein Elefant frei ist. Nur fünf Elefanten hat die Station, und meist stehen hiervon nur vier für die Morgen- oder Abendsafari zur Verfügung. Obwohl in 3,5 Meter Höhe 4 Personen plus Mahout auf dem Sitzkissen Platz finden – der Andrang hauptsächlich indischer Touristen ist groß.

Da kommt es auf unseren Guide an, der wirklich gute Beziehungen zur Parkverwaltung hat. Er gibt sich auch wirklich Mühe, uns jeden Wunsch zu erfüllen – was schlußendlich mit einem großzügigen Bakschisch geahndet werden soll – das wird erwartet.

Der Mahout unserer Elefantendame kam Marion irgendwie bekannt vor. Und richtig: Auf dem Foto in ihrem Reisebuch "Indien – der Norden" vom Reise-Know-How-Verlag fand er sich wieder (Ausg. 2000 - S.436), und wir erkannten ihn gleich wieder – obwohl inzwischen gealtert.

Kaum aus dem Camp heraus, lenkt der Mahout unsere Elefantin ins dichte Unterholz. Verzeiht mir das Unwort 'Elefantin', aber mir gefällt es besser als 'Elefantenkuh'. Die domestizierten Elefanten, mit denen ich es in Indien zu tun hatte, sind meist weiblich. Ich staune immer wieder über die Gelehrsamkeit und Geschicklichkeit dieser Tiere – da erscheint mir der Vergleich mit der duldsam-dümmlichen Kuh respektlos. Auch wenn mir die Rinderfetischisten hier vielleicht widersprechen.


"Hoch auf dem grauen Riesen" Marion empfängt des Mahouts Anweisungen, damit sie nicht aus 3,5 Metern Höhe ins Unterholz plumpst...

Jedenfalls ist eine Elefantensafari ein völlig anderes Naturerlebnis als mit dem Gypsy-Jeep, der sich an die Fahrwege halten muß.

Nach 50 Metern hält der Elefantenlenker das Tier an und bedeutet uns, still zu sein. Minutenlang stehen wir so reglos im Gesträuch, und der Mahout lauscht. Er versucht, aus der Geräuschevielfalt aus Vogelstimmen, Affenschreien, Knistern und Knacken ein ganz bestimmtes Geräusch herauszuhören: Das Geräusch des Tigers, der hier irgendwo durchs Buschwerk schnürt. Später frage ich ihn, ob er die Großkatze den wirklich hören könne – die schleichen doch immer völlig lautlos. "Nur auf der Pirsch.", antwortet unser Wildhüter mit Elefantenführerschein. "Jetzt tagsüber kann ich ihn sehr gut hören, wenn er wegen uns seinen Schlafplatz verläßt. Und dann reiten wir dorthin, und Ihr könnt den Tiger sehen. Vielleicht ..." Bedeutsam wiegt er seinen Kopf – eine leichte Aufgabe ist es nicht.

Ein unlängst gerissenes Axis-Kitz im Gebüsch zeigt uns, daß wir im Tigerrevier sind. Auch die Tatzenabdrücke des Königs der Wälder sehen wir – ansonsten aber auch nicht mal eine gestreifte Schwanzspitze. Dafür kreuzen Axis (noch lebendig), Sambar und Wildschwein unseren Weg. Die haben dem Elefanten gegenüber eine angenehm geringe Fluchtdistanz. Ich würde sogar sagen, sie laufen überhaupt nicht weg. Obwohl der Elefant einen Höllenlärm macht, weil er ständig links und rechts armdicke Bäumchen ausreißt und frißt. "Wenn Du mal genau hinsiehst, sind wir hier auf einem Pfad, den die Elefanten sich sozusagen freigefressen haben.", meint Marion.

Daß er uns den gestreiften Jäger nicht zeigen konnte, fuchst den Mahout nun doch. Er hat ihn nämlich tatsächlich gehört. Den Tiger zeigen zu können, wirkt sich immer positiv aufs Trinkgeld aus. Aber es ist nichts zu machen. Wie wir später im Camp erfahren, waren wir es mit unserer Elefantendame, die den Tiger anderen Touristen zugetrieben haben. Ausgerechnet vier angetrunkene Gujarati sahen das prachtvolle Tier etwa 50 Meter von uns entfernt über den Weg laufen. Wer um 6 Uhr morgens schon alkoholisiert ist, hat das doch nicht verdient, oder?


Geschickt pflückt sich unsere Elefantin die wilden Orangen


Bizarre Baumformationen im Corbett-Park (Foto Marion Baumgart)

Sozusagen als Ersatzattraktion lenkt unser enttäuschter Mahout das Tier zu einem wilden Orangenbaum. Tischtennisballgröße haben die Früchte, die er für uns pflückt, und die Elefantin bedient sich ebenfalls. Elefanten essen gern süße Früchte, denke ich, und schäle mir sogleich eine der Apfelsinen. Doch schon den ersten Bissen spucke ich im hohen Bogen ins Unterholz. Essigsauer, diese Dinger. Wenigstens grün hätten sie zur Warnung sein dürfen!!

Der Wildhüter im Nacken der Elefantenmutti dreht sich zu mir um und feixt: "Khatta?" – "Das heißt wohl 'sauer'?", wende ich mich an Chandra, und der nickt grinsend. Für Chandra uns Marion sind die Miniapfelsinen kein Problem – sie mögen's gern sauer. Trotzdem haben wir den Großteil unserer Ration nach dem Elefantenausflug an unser Reittier verfüttert. Und sie aß sie ungeschält mit großem Appetit.


Das wilde Elefantenbaby kreuzt unseren Weg
 (Foto Marion Baumgart)

Vielleicht hätte ich das auch mal probieren sollen? Weiß ich denn, ob bei wilden Orangen nicht die Süße in der Schale sitzt?? Ein ungeklärtes Rätsel, daß ich mir bis zum nächsten Mal aufhebe. Freundliche Hinweise von den Botanikern unter Euch sind zwischenzeitlich willkommen...

Abschiedsgruß der Wildnis: Lange schon hatten wir den Corbett Nationalpark hinter uns gelassen, da riefen uns aufgeregte Dörfler vom Wegesrand "Hathi, Hathi!" zu – und wenig später sahen wir unweit der Straße einen gewaltigen Tusker äsen. Wenn man es "äsen" nennen darf, wenn so ein wilder Elefant halbe Bäume ausreißt. "Hathi" ist das Hindiwort für Elefant – Tusker hingegen kommt aus dem Englischen. So nennt man die Elefantenbullen, weil sie im Gegensatz zu den Elefantenkühen eindrucksvolle, große Stoßzähne (Tusk) haben. Und dieser hier hatte wirklich zwei riesige Exemplare. Leider waren sie nur kurz zu sehen und ansonsten vom Unterholz verdeckt, und ich bekam kein vernünftiges Foto davon.


Irgendwie hatten wir das Gefühl, die Elefantenmutti droht uns mit dem Grasbüschel "Kommt unseren Kindern nicht zu nahe!"
 (Foto Marion Baumgart)

 

 


Affen im Corbett Tiger Project

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Ein stattlicher Sambar-Hirsch schaut zu uns herüber (Corbett, Foto: Marion Baumgart)

 

Keine "Penner" mehr?

Was ist los mit diesem Indien, das wir zu kennen glauben? Hat es in unserer Abwesenheit im letzten Jahr subventionierte Hilfsaktionen gegeben? Eines ist uns auf dieser Reise im Februar/März 2003 nämlich aufgefallen: Die Versorgung mit Schreibgerät scheint nach 20 Jahren Indienreisen endlich flächendeckend. Wir vermissen sie regelrecht, die ständige Anmache "School pen? Pen?". Keiner hat uns nach einem Pen gefragt, wenn wir mal von einigen wenigen Dorfkindern absehen, die das für den obligatorischen Gruß für westliche Besucher halten. Müssen also die ganzen Indienbücher neu geschrieben werden, die uns raten, ausreichende Mengen von Kugelschreibern einzustecken? Scheint so.

 

 

 

 

 

Mussoorie


Verkehrsberuhigt: Mit Fahrradrikschas wurden wir zum Kasmanda hochgefahren...

In Mussoorie bekommen wir eine prächtige Suite im 150 Jahre alten königlichen Kasmanda Palace - die Royals von Kasmanda jedoch nicht zu Gesicht. Die Noblen waren grad in Delhi, um ihren Prinzen zum Airport zu bringen, der für die nächsten Jahre in Australien leben wird. Nichtsdestotrotz macht die Dienerschaft und eine hervorragende Küche uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich - wenn man mal davon absieht, daß auch hier selbst weißglühende Heizstrahler in den riesigen Zimmern gegen die Kälte nicht viel ausrichten können.


Herrschaftlich - der Kasmanda Palace in Mussoorie. Nur daß die Herrschaften grad nicht da waren.

Sogar Chandra ist es nun zuviel. Für unseren Spaziergang durch Mussoorie vergißt er seinen Stolz und kauft am Straßenrand eine warme Pudelmütze, die er sich sogleich so tief über die frosttauben Ohren zieht, daß er einen erheblichen Teil seiner aristokratischen Ausstrahlung einbüßt. Doch der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel.

Für umgerechnet 50 Cent erwerben wir dann eine Mitfahrerlaubnis in der Führerkabine eines abenteuerlichen gelben Kleinlasters zu den Kempty-Wasserfällen. Die lohnen sich wirklich. Bloß daß die Inder das schon viel länger wissen und bereits die bekannte Honeymoon-Coca-Cola-Infrastruktur aufgebaut haben: Etliche Photografenshops bieten goldflitternde Phantasiekostüme für Liebespaare, die sich vor dem Hintergrund der romantischen Wasserfälle ablichten lassen. Dazu jede Menge Coca-Cola-Werbung und Fast-Food-Hütten. Aber heute ist hier nicht viel los, und wir können die Landschaft in Ruhe genießen. Und wärmer ist es auch, denn die Kempty Falls liegen deutlich tiefer als Mussoorie.


Fröstelnd - Marion und ich nach langer Serpentinenfahrt müde in der Fahrradrikscha

Überhaupt sollten wir die Hillstations Nainital, Mussoorie und Shimla noch mal besuchen, wenn in Indien Sommer ist. Von April bis Juni ist dort ganz schön was los, so daß es von Vorteil ist, daß die Häuser unserer Gastgeber außerhalb vom Rummel liegen. Der Kasmanda Palast z.B. liegt in Mussoories "verkehrsberuhigter Zone" hoch oben auf dem Berg.


Fürstlich untergebracht - die Zimmer atmen den Lebensstil der Kolonialzeit

Schlecht behütet

Kommt es uns nur so vor, oder sind hier im Nordosten Indiens besonders viele motorisierte Zweiräder auf den Straßen? Ein wahres Gewimmel aus Rollern, Motorrädern und Mopeds auch hier in Dehra Dun. Seit einigen Jahren gilt auch in Indien Helmpflicht. Das Gesetz ist anfangs nur halbherzig, später aber von der Polizei mit Nachdruck durchgesetzt.


Umweltbewußte Naturschützer sind die Fürsten heute - doch sie ehren die Trophäen der Väter, die stolz auf ihr Jagdglück waren.

Ich erinnere mich schmunzelnd, daß in Kerala Lastwagenweise Motorräder und Scooter beschlagnahmt wurden, weil die Fahrer unbehelmt erwischt worden waren – später stellte sich dann heraus, daß die indische Wirtschaft zu spät auf das neue Gesetz reagiert hatte, denn im Handel waren überhaupt keine Schutzhelme zu haben. Worauf die Schergen die konfiszierten Zweiräder wieder herausrückten und für eine Übergangszeit beide Augen zudrücken mußten.


Ein toller Blick aus unserem Fenster - von Kasmanda-Palast aus hat man im Sommer eine gute Fernsicht in die Berge. Für uns hatten sie sich verhangen, und im Dunst sehen wir grad noch die Paßstraße, auf der wir herkamen.

Doch das ist wohl vorbei. Heute trägt jeder Biker einen Helm. Oder? Marion als Motorradfahrerin hat sich der Realität gestellt und meint lakonisch: "Indien und Sicherheit – zwei Welten treffen aufeinander...!" Tatsächlich kann von verbesserter Verkehrssicherheit durch Schutzhelmpflicht kaum die Rede sein: Von Mutters Nudeltopf über Polohüte bis zu futuristischen Übergrößen Marke "Darth Vader" auf zierlichen Teenagerköpfen sehen wir die abenteuerlichsten Kreationen. Und wenn es denn mal ein vertrauenerweckender Schutzhelm ist, so wird er wegen der Hitze ohne Kinnverschluß getragen.

Fazit: Nicht die Gesetze regeln und sichern das großstädtische Verkehrsgewühl in Indien – das machen wie immer Ganpathi, Shiva und Konsorten, die hier seit eh und je lenken und bewahren.


Kempty Falls bei Mussoorie - beliebtes Honeymoon-Reiseziel indischer Brautpaare...

Das sehen wir auch grad wieder auf dieser 5-spurig genutzten Straße, die dennoch nur über eine einzige Mittellinie verfügt. War wohl mal zweispurig gedacht. Was für eine Platzverschwendung, denken die Busse, Jeeps, Fahrradrikschas und Handkarren, die hier mit sicherem Gespür in jede noch so kleine Lücke vorstoßen.


... die von den Fotografen vor der Gischt in Pose gesetzt werden. Wenn die Braut erst einmal optimal ausgerichtet ist, nimmt der Bräutigam den Platz des Fotografen (hinten) ein.

Regeln gibt es also keine. Wenn man einmal von der Toleranz absieht, mit der man hier miteinander umgeht. Mit grenzenloser Duldsamkeit werden Verhaltensweisen toleriert, die bei uns geradewegs in Lynchjustiz gipfeln würden.

 

Bernd als Erbsenzähler?

Kleine Dinge sind es oft, die ich an unseren Touren verbessern möchte. Im großen und ganzen sind die Gastgeberfamilien und ihre Diener, die Fahrer und Escorts ja bereits gut aufeinander eingespielt.

Aber eine Kleinigkeit ist indischen Drivern scheinbar nicht abzugewöhnen, obwohl ich das seit Jahren immer wieder probiert habe. Ob wir in Kerala, Rajasthan, Orissa oder Gujarat zu einer Tour aufbrechen, ein Taxi oder eine Motorrikscha anmieten – nach wenigen Minuten Fahrt steht der Fahrer unweigerlich vor einer Tanksäule, um nachzutanken.

Habe ich jemals ein Fahrzeug bestiegen, das einen vollen Tank hatte? Das scheint in Indien wahrhaftig ein Unding. Du magst einwenden, daß Taxi- und Rikschafahrer nur auf Kurzstrecken vorbereitet sind, während wir ein Fahrzeug meist für eine längere Strecke mieten. Kann sein – aber warum passiert es uns trotzdem immer wieder, wenn wir einen Mietwagen für mehrere Tage zur Verfügung haben? Für den Fahrer ergeben sich dann immer längere Wartezeiten, in denen getankt, Öl geprüft oder der Reifendruck gecheckt werden könnte – aber nein: Erst wenn wir wieder aufbrechen, wird die nächste Tankstelle angesteuert.

Das sind jeweils nur 10 Minuten, und ich kann sie durchaus verschmerzen. Ich kapiere bloß aus Prinzip nicht, warum die Driver das nicht annehmen, wenn es ihnen ein oder zweimal gesagt wurde. Ihr seht, ich kann mein deutsches Zeitverständnis in Indien immer noch nicht ganz ablegen.

Darf ich auch nicht. Ich muß immer an die unter Euch denken, die nicht jedes Jahr nach Indien reisen. Ich muß für Eure knapp bemessene Zeit ja einen erlebnisorientierten Reiseablauf organisieren. Da genügt eine einzige Besichtigung einer indischen Tankstelle vollauf.

 

 


Auf dem Foto in dieser Größe nur zu erahnen - aber die Schneegipfel des Himalaya begleiteten uns am Horizont auf der ganzen Fahrt hinauf nach Shimla.

 

Shimla

In Shimla liegt das Koti Resort der Royals of Manswal ebenfalls ein paar Kilometer außerhalb des Trubels. Hier haben wir mit Abstand die kälteste Nacht (5°C) verbracht - dafür aber vom Balkon des Zimmers Sonnenauf- und Untergang gleichermaßen genießen können. Und eine klare Fernsicht auf die Schneegipfel des Himalaya gab es auch.

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Keinen Palast haben wir in Shimla - das Koti Resort der königlichen Family von Manswal ist erst vor kurzem fertiggestellt worden.

Der Spaziergang durch die berühmte Mall von Shimla fand auf verschiedenen Ebenen statt, die durch einen gebührenpflichtigen Doppelaufzug miteinander verbunden sind. Die Liftfahrt kostete allerdings über 4.000 Rupien.


Koti Resort - der Dining Room

Damit es für Euch nicht ganz so teuer wird, sei hier gewarnt: Das Ticket für den Lift kostete 25 Rupien pro Person - der Rest wurde Chandra und Marion aus der Westentasche bzw. aus dem Rucksack geklaut. Es waren mit Sicherheit die Bettelfrauen, die sich mit ihren Babys zu uns in den engen Aufzug zwängten. Ich habe sogar eine Videoaufnahme von ihnen.


Tatort Aufzug - in diesem Gedränge geschah es. Links schnappt Chandra nach Luft - und die Frauen in der Mitte Marions Börse...

Doch als Marion den Diebstahl kurz nach Verlassen des Lifts bemerkte und auch Chandra in eine leere Westentasche griff, war es bereits zu spät und die Täterinnen über alle Berge. Im wahrsten Sinne des Wortes!

 

 

 

 


Fachwerkhäuser auf der Mall in Shimla

Trotz allem fanden wir Shimla wunderschön. Es war die letzte Station in den Foothills des Himalaya. Am Mittag des 6. März wurden wir und unsere Siebensachen in einen Toyota Qalis geladen und ins Tal gefahren - von einem der verrücktesten Fahrer, den wir in Indien je hatten. Er schaffte es knapp, uns rechtzeitig zum Nachtzug in Chandigarh zu bringen.

 


Die Mall in Shimla - an den Berg geklebte Häuser voller bunter Läden und Gassen, die sich voller Menschen treppauf und treppab schlängeln.

 

Damit fand unsere Forschungsreise "Himalaya for Beginners" ihren Abschluß, und wir sind zu Bhavna & Chandra nach Jodhpur gefahren. Dort wollten wir die neuen Eindrücke noch einmal gemütlich Revue passieren und die Seele baumeln lassen. Daß wir unterwegs noch einen Zwischenstopp in Bikaner einlegten, das lest Ihr an anderer Stelle

 

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